Habanera - Eine Arie und ihre Interpreten

  • Einleitung


    Mir persönlich gefällt die Oper "Carmen" nicht, was allerdings nicht heißen soll, dass sie schlecht ist - nur kann ich mich nicht dafür begeistern. Sehr wohl aber gefällt mir die Habanera als Arie, losgelöst von der Handlung.
    Ich weiß zwar nicht, wie alt die Carmen ist, und welche klanglichen Vorstellungen der Komponist hatte, ich bewerte die Interpretationen einfach nach persönlichem Geschmack.
    In der mir vorliegenden Partitur wird Carmen als Mezzo-Sopran angegeben, ich gehe mal davon aus, dass das korrekt ist. Bei dieser Figur fände ich eine tiefer timbrierte Stimme durchaus passend, also auf keinen Fall so wie bei Cherubino, der sehr hell klingt, mit einer leicht burschikosen Färbung, sondern schon etwas dunkler und "fraulicher", wobei mir aber wichtig ist, dass es nicht ZU tief und schwerfällig klingt; die Stimme sollte in allen Lagen schön klingen und beweglich und jung klingen. In dieser Arie gibt es ja einige tiefere Passagen.
    Da ich kein Französisch spreche, kann ich in diesem Fall schlecht beurteilen, ob die Sängerinnen da gut sind, oder starke Akzente haben, Worte vielleicht sogar falsch aussprechen.




    LG,
    Hosenrolle1

  • Anna Moffo (1970?)




    Nach ihrer Susanna und ihrem Cherubino habe ich Anna Moffo nun als Carmen gehört, und ich finde, dass ihr diese Rolle sehr gut passt: mir gefällt dieses Timbre, das eben diese im Eröffnungsbeitrag angesprochene dunklere, weibliche, dabei aber noch bewegliche und junge Timbre hat. Auch vom Ausdruck her nehme ich ihr ab, dass sie meint, was sie sagt, und nicht nur ihre Noten runtersingt; besonders diese kleine Abwärtslinie mit Fermate (3 Takte nach RZ 30), die sie immer leiser werdend interpretiert, gefällt mir. Leider weiß ich nicht, aus welchem Jahr die Aufnahme stammt. Ich habe nur gesehen, dass sie die Carmen 1970 in einer GA gesungen hat, und Maazel, denkbar wäre aber auch - ähnlich wie bei den Mozart-Arien - eine Aufnahme für eine Platte nur mit Arien.


    Einziger Minuspunkt sind für mich einige tiefere Stellen, die hier seltsam unschön und ein bisschen rauh klingen, was bei den tieferen Tönen der Susanna oder des Cherubino, ja auch bei ihrem Hänsel nicht der Fall war. Auch in einem Kommentar fällt das jemandem auf:


    Zitat

    Anna Moffo sounds a little raspy in the lower notes but she still has a good feel for the music and the words.


    Besonders schade finde ich das auch deswegen, weil etwa die Stelle 13 Takte nach RZ 30, wo zwei Clarinetten in A zusammen mit ihr spielen, betörend schön hätte klingen können, wenn diese tieferen Töne besser gewesen wäre.




    LG,
    Hosenrolle1

  • Elīna Garanča



    Ich weiß nicht, diese Version gefällt mir nicht so wirklich, weil ich das Gefühl habe, dass die Sängerin hier mit Gewalt dieses südländische Timbre zu erzeugen versucht, was dazu führt, dass die tieferen Töne ein bisschen kehlig-knödelig klingen, statt voll und warm. Dabei sind die Vorraussetzungen gar nicht so schlecht, die Stimme klingt nicht alt und schwer, und auch das Vibrato stört mich überhaupt nicht. Vielleicht wirkt der Vortrag zu technisch auf mich, und hat zu wenig Feuer.




    LG,
    Hosenrolle1

  • Ich habe mir jetzt nochmal schnell die Noten angesehen, und zwar die Stelle mit den zwei Clarinetten, weil mich interessiert hat, was da genau passiert. Meine Einschätzung, dass die Stimme hier mit den Clarinetten verschmelzen sollte, ist vielleicht sogar richtig, wenn man sich das genauer ansieht.


    Hier habe ich diesen Ausschnitt angefertigt: oben die Clarinetten, unten Carmens Singstimme. Die Clarinetten habe ich klingend transponiert:



    Carmen singt hier unisono mit der 1. Clarinette. Um das zu verdeutlichen, habe ich die entsprechende Stimme rot markiert:





    LG,
    Hosenrolle1

  • Leider funktioniert der Link zu youtube nicht, den ich einstellen wollte
    Grace Bumbry war durch den Carmen-Film weltbekannt.
    Ich finde diese Stimme sollte hier auch erwähnt werden.


    VG

  • .....wenn man keine Ahnung von der Figur hat!


    Einen ganz herzlichen Adventsgruß, lieber Rheingold,


    Du hast vollendet, was ich nur andeuten wollte. Danke, Lieber Caruso - und auch Dir einen herzlichen Adventsgruß. Und schnell noch am Rande: Ich war gestern im Berliner Dom zur mit Deutscher Messe verwobenen Marienvesper von Monteverdi mit dem jungen Tenor Benedikt Kristjánsson, den wir neulich in den "neuen Stimmen" hatten. Wunderbar. Selten habe ich eine so perfekte Stimme gehört. Es war aber auch insgesamt eine beglückender Abend.

  • Grace Bumbry war durch den Carmen-Film weltbekannt.
    Ich finde diese Stimme sollte hier auch erwähnt werden.


    Dieser Thread ist ja dazu da, dass alle Versionen hier Platz finden! Er heißt ja nicht "Die besten Interpretinnen" oder "Die herausragendsten" - wenn einem eine Version gefällt oder auch nicht gefällt, kann man sie ohne Probleme einstellen und (idealerweise sachlich und ohne Polemik) begründen, was einem daran gefällt oder eben nicht gefällt.


    Wenn dir Grace Bumbry als Carmen gefällt, dann werde ich mich hüten, dir Ahnungslosikeit zu unterstellen oder das schlecht zu finden. DIR soll es ja gefallen, nicht allen anderen.
    Wer nichts anderes beizutragen hat als Stänkereien darf das gerne in einem eigenen Thread machen.




    LG,
    Hosenrolle1

  • Eränzend dazu darf ich bemerken, dass in meinem CD Regal "Carmen " mit Agnes Baltsa steht und im Kopf immer noch die "Carmen" aus Bregenz rummschwirrt.


    Viele Grüsse

  • Eine angehende Carmen von Format ist die blutjunge Mezzosopranistin Josy Santos. Sie sang beim Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellshaft in diesem Jahr mit wundervoller Stimme und charismatischer Bühnenaustrahlung die Seguidilla aus Carmen. Das kritischste Publikum war begeistert. Bei Youtube ist auch die "Habanero" zu hören.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Eine angehende Carmen von Format ist die blutjunge Mezzosopranistin Josy Santos.


    Habe mir ihre Habanera gerade angehört, ich fand den Clip unerträglich - was allerdings nicht an der künstlerischen Leistung, sondern an diesem Publikum liegt, das da ungeniert schön laut herumhustet. Widerlich, das!


    Was die Interpretation angeht, sicher nicht perfekt und auch ausbaufähig, aber ich finde schon, dass da viel Potential ist! Die Stimme hat eine dunkle Färbung, die aber nicht erzwungen wirkt, und sie klingt auch keineswegs alt. Das Dirigat fand ich zu schnell, da geht auch ein bisschen was vom Ausdruck verloren, denke ich. Auf jeden Fall eine interessante Version!




    LG,
    Hosenrolle1

  • Shirley Verret


    ab 23:00


    Lieder gefällt mir das überhaupt nicht, was vor allem an der tiefen Lage liegt, die für mich unschön klingt, zu rauh, zu angestrengt. Mir fehlt hier der warme, volle Klang, das Feuer und die Erotik sowohl in der Stimme als auch im Vortrag.




    LG,
    Hosenrolle1

  • Hallo Hosenrolle1, du hast dich hier vertan, die Carmen singt Shirley Verret und nicht Dame Kiri te Kanawa! (sie singt die Micaela)


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Jennifer Larmore



    Diese Version gefällt mir leider überhaupt nicht. Ich finde sie nicht schrecklich oder fürchterlich, aber ziemlich langweilig. Besonders negativ finde ich die Textverständlichkeit, die ich auch bei Nicht-Muttersprachlern viel deutlicher gehört habe. Hier verstehe ich kein Wort, und ihr "L'amour" klingt irgendwie nach "Lamüüüüür". Aber auch die Stimme gefällt mir nicht, sie ist zwar durchaus dunkel timbriert, wie ich mir das bei dieser Figur auch vorstelle, dabei aber für meine Begriffe zu dick und unbeweglich (die Stimme, nicht die Sängerin!!), neigt in der tieferen Lage zum leichten Knödeln, und überhaupt ist der ganze Vortrag für mich zu kultiviert, da fehlt einfach das Feuer.





    LG,
    Hosenrolle1

  • Hallo Hosenrolle1, da tust du der armen Jennifer aber Unrecht mit deiner Kritik!


    Zitat

    Hosenrolle1
    Aber auch die Stimme gefällt mir nicht,


    Ich denke ;) da liegt des Pudelskern!


    LG Fiesco


    Ps: Ich habe sie live als Carmen gehört und gesehen , das war traumhaft schön gesungen und gespielt.


    Ich habe mir das gerade nochmal angehört hieraus, denn von dieser GA ist das gezeigte Video bei YouTube! Hört sich viel besser an als auf YouTube! :thumbsup:

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • da tust du der armen Jennifer aber Unrecht mit deiner Kritik!


    Ich verstehe nicht ganz, wieso ich ihr Unrecht tue, wenn ich sage, dass MIR ihre Stimme und ihre Textveständlichkeit nicht gefällt.


    Dem einen gefällt´s, dem anderen nicht. Und ich habe ja auch begründet, was mir nicht gefällt.




    LG,
    Hosenrolle1