Silvesterkonzert "Beethovens IX. Sinfonie" auf MDR

  • Seit meiner Jugendzeit, nun schon seit Jahrzehnten, schaue ich mir die traditionelle Übertragung der IX. Sinfonie aus dem Leipziger Gewandhaus im TV an.
    Da gab es in der Erinnerung unterschiedliche Interpretationen - meistens sehr gut, selten mal nicht so ganz gut.
    Vor einer Stunde ging die heutige Aufführung zu Ende und ich kann nur hoffen, daß sie viele von uns auch gesehen haben. Eure Meinung würde mich interessieren.
    Ich bin noch ganz hin und hergerissen, war total begeistert und muß sagen, die heutige Interpretaton aller Beteiligten, war für mich mit Abstand eine der Allerbesten!!!
    Besser kann man Beethoven und diese Sinfonie nicht interpretieren. Hier stimmten (für mein Empfinden) die Tempi in jedem Satz. Die einzelnen Instrumentengruppen
    waren deutlich hörbar und bildeten dann in der Gesamtheit ein gelungenes Klangerlebnis. Ebenso der Chor, die einzelnen Chorgruppen waren deutlich herauszuhören,
    bildeten dann wieder eine in sich geschlossene Einheit. Der Klang von Chor und Orchester fantastisch.
    Großartig ebenfalls die Solisten Sopran und Alt. Wenn ich überhaupt kleine Abstriche mache, dann sind das die beiden Solisten Tenor und Bass. Beide Stimmen fand ich
    klanglich nicht unbedingt schön. Aber das ist persönliche Empfindung und ist "meckern auf ganz, ganz hohem Niveau" und tat der gesamten Aufführung keinen Abbruch.
    Lang anhaltender verdienter Beifall und stehende Ovationen des Publikums bildeten zurecht einen begeisterten Abschluß einer überaus großartigen Darbietung.


    CHRISSY



    Ludwig van Beethoven: „9. Sinfonie d-Moll“


    Dirigent: Alan Gilbert


    u.a. mit Genia Kühmeier (Sopran), Gerhild Romberger (Alt), Klaus Florian Vogt (Tenor), John Relyea (Bass),


    Gewandhausorchester, -Chor und -Kinderchor, MDR Rundfunkchor

  • Hallo lieber chrissy, konnte das heute Abend leider nicht anschauen (habe selber im Chor am Abend mitgesungen :) )habe aber in der mdr mediathek nachgeschaut, und das werde ich mir die nächsten Tage mit Genuss anschauen. Danke für das Statement!


    Ein gutes neues Jahr!
    LG Fiesco


    Wer es auch noch anschauen möchte ....hier!

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber chrissy
    neue Besen kehren offenbar gut. Das Konzert hab ich auch genossen und mir das Thielemann Konzert erspart. Diesmal waren auch die Solisten klasse. Hab grad die Fledermaus aus Wien zu Ende Geschaut und das war auch eine der besseren Sylvester Aufführungen seit langem vor allem Dank des Dirigenten Cornelius Meister. Werde morgen darüer berichten.

  • Lieber chrissy,


    zunächst einmal schönes neues Jahr nach Görlitz. Ich habe das Konzert vorhin zum ersten Mal ganz angesehen und kann deine Einschätzung in vielem bestätigen, Genia Kühmeier und Gerhild Romberger, die ich noch im Juni 2016 in der Kölner Philharmonie live erlebt hatte unter Haitink in Mahlers 3. Symphonie, sang souverän in gewohnter Manier die Altpartie, und auch Genia Kühmeier, die ich auch mit Mahler in meiner Sammlung habe (Nr. 4 unter Järvi), gab einen strahlenden Sopran. Der Bass John Relyea gefiel mir auch nicht besonders mit seiner kehligen harten Stimme und seinen Vokalverfärbungen, aber Klaus Florian Vogt hielt ich mit seinem hellen Tenor in dieser Partie durchaus für angemessen. Er war den Anforderungen, wie ich fnde, durchaus gewachsen.
    Mir gefällt das ja ganz ungemein, wenn der Chor stimmgewaltig ist wie hier und gleichzeitig schön singt, wie hier. Das geht dann unter die Haut, wie bei mir. Das ganze Orchester war in Topform, und ich darf vielleicht diesmal den grandiosen Solopaukisten hervorheben.
    Im Ganzen war das für mich eine grandiose Vorstellung mit einem sehr agilen Alan Gilbert, den ich nun doch noch erleben durfte, wenn auch nicht live im Saal, aber das hat dazu geführt, dass ich das Silvesterkonzert 2018 live im Gewandhaus erleben möchte, und ich habe da auch schon eine Möglichkeit entdeckt, um an eine schöne Karte zu kommen.


    Liebe Neujahrsgrüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Sagitt meint:


    Das Jahr mit dieser Aufführung begonnen. Ich höre die Sinfonie sehr selten. Und bin durch bestimmte Aufführungen (insbesondere Furtwängler 1942) für normales Hören eigentlich verdorben. Wenn die Wiedergabe dieser Symphonie nicht existenziell ist, interessiert sie mich weniger.


    Diese war wirklich ordentlich, aber nicht mehr.

  • Habe leider zu spät von der Übertragung erfahren.
    Die anderen Silvesterkonzerte der Berliner und der Dresdener haben mich nicht vom Hocker gerissen.
    Euch allen ein gutes und gesundes neues Jahr!

  • Habe leider zu spät von der Übertragung erfahren.

    Lieber Siegfried
    Ich hatte den Hinweis zwar schon rechtzeitig gegeben, aber wie das manchmal so ist, man übersieht etwas, was passieren kann und man kann ja auch nicht immer und alles lesen.
    Um so besser, daß man eine verpaßte Sache in der Mediathek doch noch anschauen / anhören kann, die Fiesco hier dankenswerterweise in seinem Btr. 2 eingestellt hat.
    Ich wünsche Dir und allen anderen, die gestern nicht live geschaut haben, ins Nachhinein viel Freude.
    (Bei der Gelegenheit ein rechtzeitiger Hinweis - auch in diesem Jahr überträgt der MDR traditionell zu Silvester um 17 Uhr das Konzert aus dem Gewandhaus,
    da bin ich mir schon jetzt ganz sicher).


    Allen anderen vielen Dank für Eure Antworten, insbesondere William für seine ausführlichen Bemerkungen. Und so wie ich schrieb, daß einzelne Instrumente, bzw. Gruppen
    sehr deutlich herauszuhören waren, stimme ich William zu, mit seinem besonderen Lob des Solo - Paukisten.


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

  • Ich habe die Sendung aufgenommen und sie mir vorhin angeschaut und gehört. Beethovens Neunte wird ja in Leipzig jedes Jahr zu Silvester gegeben, die Musiker werden sie bald auswendig können. Das ist dann in Leipzig nichts Besonderes mehr. Und so ging es mir auch beim Hören. Alan Gilbert, zukünftiger Chef in Hamburg, gehört nicht zu meinen Lieblingsdirigenten. Aber ich habe durchaus vorurteilsfrei zugehört. Er hat eigentlich nichts falsch gemacht, aber überragend war das Ganze auch nicht. Der Funke springt nicht über. Alles schön stromlinienförmig. So hört man es immer, es war nicht außergewöhnlich. Nicht zu schnell und nicht zu langsam. Manchmal waren Instrumente nicht zu hören, das kann auch an der Aufnahmetechnik liegen. Bleiben wir bei den Solisten, die sind immer speziell. Es fängt ja mit der Freudenarie und dem Bass an. Dass Töne nicht gesungen werden, ist leider oft der Fall, bei dem Wort freudenvollere sind 17 Achtelnoten zu singen, das waren höchstens vier bis fünf, auch war teilweise die Tonhöhe falsch. Auch stimmlich gefiel mir der Bass nicht. Vogt hat es als Tenor besser gemacht, war er anfangs nicht so sehr zu hören, so geriet das Solo recht überzeugend, kurz am Schluss ging ihm etwas die Luft aus. Im späteren Quartett kam er gut rüber, auch der Alt, der immer nur mitsingen darf, das aber gut hörbar. Genia Kühmeier als Sopran hat es auch gut gemacht bis zum wenig mühsamen hohen h im Schlusssolo. Alles in allem war das eine ordentliche, aber nicht überragende Aufführung.
    :hello:

  • Nicht zu schnell und nicht zu langsam.

    Es gibt einige Dirigenten, beiden ich heilfroh wäre, den zitierten Satz wahrheitsgemäß so sagen zu können. :D

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Welches wäre denn dann, lieber Stimmenliebhaber, so ungefähr deine Zielzeit für die ganze Symphonie, wohlgemerkt bei Einhaltung der Wiederholungsvorschriften im Scherzo? Dann wüsste ich schon so ungefähr, welche Dirigenten, zumindest aus meiner Sammlung, für dich nicht in Frage kämen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Welches wäre denn dann, lieber Stimmenliebhaber, so ungefähr deine Zielzeit für die ganze Symphonie, wohlgemerkt bei Einhaltung der Wiederholungsvorschriften im Scherzo?

    Ach, ich finde, das kann man so nicht sagen, es gibt sicher nicht DIE richtige Gesamtzeit und auch nicht DAs richtige Tempo, aber die Binnenstruktur, also die Verhältnismäßigkeit zwischen den unterschiedlichen Abschnitten muss zum Beispiel stimmen. Mir sind vor allem die Dirigenten suspekt, die den Extremen frönen.


    Meine Anmerkung zielte auch gar nicht auf Beethovens "Neunte", sondern war allgemeiner Natur bzw. mit einem ziemlich furchtbaren Dirigat aus dem Vormonat im Hinterkopf...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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