Orchester in Nöten

  • Immer wieder erreichen mich Nachrichten, daß die Existenz bestehender guter Orchester aus irgend welchen Gründen bedroht, bzw gefährdet ist. Natürlich geht es hier um Geld, aber das ist meist eine Folge eines anderen Ereignisses. Welche dieser Ereignisse sich gravierend auf welche Orchester ausgewirkt hat und teilweise noch auswirkt. Das ist ein Teil dieses Themas. Welche Rolle Tonträgerfirmen und Konzertveranstalter dabei spielen und spielen könnten, was die Orchester für ihre Gesundheit beitragen könnten und was wir, die Tonrägersammler, Klassikhörer und Forenmitglieder tun könnten, das soll hier zur Sprache kommen.
    Ich nenn hier im eröffnungsther keine Namen von Orchestern, weil ich Euch nicht alle Arbeit abnehmen will.


    Oft ist es auch so, daß solche Orchester nicht wirklich "bedroht" sind, aber der Lack ist ab, man verschwindet (meist unverschuldet) in der Bedeutunglosigkeit oder örtlich begrenzten Bedautung, wobei letzteres ja gar nicht so schlimm ist.....



    mfg aus Wien
    Alfred

  • Lieber Alfred,


    nach wie vor ist zumindest die BRD ein "Paradies" für Orchester und professionelle Musiker. Die Zahl der Orchester ist seit der Wiedervereinigung zwar gesunken, hier war eine Bereingung aus wirtschaftlicher Sicht nahezu unumgänglich. Es wurden dabei aber auch vernünftige Kooperationen und Fusionen erreicht. Selbstverständlich gab es dabei kulturelle Todsünden, wie z. B. die Zusammenlegung der beiden Orchester des SWR. Erst kürzlich kam ein Bericht unter dem Titel "Klassik im Aufwind", dass die Zahl der klassischen Orchester- und Chorkonzerte seit längerer Zeit kontinuierlich ansteigt. Äußerst beachtlich ist die hohe Zahl der Neubauten von repräsentativen Konzerthäusern, - Sälen und -Hallen, die bundesweit gebaut werden. Vor kurzem wurden in Künzelsau die Würth-Philharmoniker als Berufsorchester gegründet. Ein Beispiel, in welcher Weise sich fortschrittliche Unternehmen im Kulturbereich engagieren
    Will ein Orchester heute künstlerisch und wirtschaftlich erfolgreich arbeiten, braucht das Unternehmen Sinfonieorchester eine künstlerisch und wirtschaftlich klar formulierte Konzeption. Das Heilbronner Sinfonieorchester ist dafür ein überzeugendes Beispiel. Der Klangkörper konzentriert sich ganz auf die heimatliche Region und verzichtet ganz bewußt auf Konzertreisen und Gastauftritte, die keinen Deckungsbeitrag generieren. Mit rund 1.400 Abonnenten und 1.700 Besuchern pro Konzert und einer Eigeneinspielquote von knapp über 60% ist das HSO in Baden-Württemberg in den angeführten Bereichen führend. Eine Engpass-Strategie, also Konzentration auf die Möglichkeiten und Stärken, bringt auch im kulturellen Bereich Erfolg.
    Dennoch müssen Orchester, ihre Träger und Musikfreunde ständig sehr wachsam sein, dass keine Kulturpolitik nach Kassenlage gemacht wird. Die Gefahr ist, dass bereits bei geringen wirtschaflichen Schwankungen beim Zuschussgeber als erstes an der Kultur gespart wird. Der Kulturetat darf nicht zum Steinbruch zur Sanierung anderer Bereiche verkommen. Wird eine kluge Orchesterpolitk gemacht, haben Orchester als werteerhaltende Kulturträger ein großes Aufgabenfeld und nach wie vor beste Chancen im Kulturland Deutschland.


    Herzlichst
    Operus

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