Giacomo Puccini "La Boheme" - eine tolle, gelungene Premiere in Liberec /Reichenberg


  • Zitat La Roche
    (aus einem anderen Thread):
    Nicht in ein und derselben Inszenierung, aber ein variantenreicheres Theater, dafür stehe ich ein, dafür steht Gerhard ein uva.
    Ich will nicht nach Liberec fahren, um eine Oper so zu sehen, wie es Chrissy kann!

    Das solltest Du aber, lieber La Roche, wenn Du wieder mal ein vernünftiges, akzeptables und rundum hochqualitatives, beglückendes Theatererlebnis genießen möchtest.
    Und ich weiß und bin mir sicher - Du würdest das auch machen, leider ist die Entfernung zu groß!
    Dies nur als kurzes Vorwort - nun zum eigentlichen Thema, zur Premiere von "La Boheme".


    Diese war bereits am 9. März und aus Zeit - und pers. (Forums -) Gründen, komme ich erst jetzt dazu, von dieser Premiere zu berichten und ich sage -


    Herzlich willkommen im Klub "Freunde der ital. Oper":

    Bis auf wenige freie Plätze in den beiden oberen Logen, war das Haus ausverkauft. Wir hatten prima Plätze in der Mitte der 2. Reihe im 2. Rang mit bester Sicht auf alles.
    Die Verfechter und "überzeugten Anhänger von modernem Regietheater" behaupten ja immer, wir, die Traditionalisten für werkgetreue Wiedergabe einer Oper,
    wollen immer nur dasselbe sehen, wie einen Film oder eine DVD, und verschließen und sperren uns gegen neue Ideen.
    Das ist natürlich völliger Unsinn - wichtig ist selbstverständlich, daß der Grundgedanke, das Konzept erhalten und erkennbar bleibt und es keine Verunstaltung ist!
    Und so hat sich auch hier die junge Regisseurin Linda Keprtova (34) eine in manchem neue Gestaltung und Sichtweise einfallen lassen
    und doch das Werk in allem erkennbar gelassen.


    Zu den ersten Takten öffnet sich der Vorhang und gibt den Blick frei auf einen kargen Raum, ausgestattet mit der Malstaffelei, ein paar Stühlen,
    einem Tischchen und einem kleinen eisernen Ofen.
    Während Rodolfo und Marcello in ihrem Handlungsablauf agieren, wird im Hintergrund eine "Cafe - Sitzecke" angestrahlt mit Tischen und Stühlen,
    an denen acht gut gekleidete Personen unbeweglich und stumm sitzen. Das Ganze ist eingefaßt von einem riesigen Bilderrahmen.
    Zugegeben, es stört nicht, aber der Sinn, warum das schon im 1. Bild zu sehen ist, erschließt sich mir nicht ganz.
    Ich könnte es mir höchstens so erklären, daß es einen bewußt dargestellten Kontrast zur ansonsten ärmlichen Behausung darstellen soll.
    Bühnentechnisch hat es natürlich einen Vorteil, weil im 2. Bild der große Rahmen einfach hochgeklappt wird und daraus das Cafe Momus entsteht
    und im Vordergrund nur noch zusätzlich ein paar Tische und Stühle dazu gestellt wurden.
    Und so wird auch im 3. Bild im Hintergrund die Zollschänke daraus. Natürlich fehlte auch in diesem Bild der leicht rieselnde Schnee nicht und vermittelte die kalte Atmosphäre.
    Die Kostüme aller Beteiligten waren auch der Zeit der Handlung entsprechend.
    Nun komme ich aber zum einzigen, aus meiner Sicht, negativen Kritikpunkt:
    Im 4. Bild, wie im 1., der karge Raum. Die todkranke Mimi wird hereingeführt und auf der Bühne steht nur ein einziger Stuhl.
    Auf diesen wird sie gesetzt und stirbt auch darauf im Sitzen!
    Und da meine ich, das geht gar nicht!!! (es erinnert mich an die Inszenierung der Dresdner Semperoper, wo Mimi auf einer Holzkiste dahin scheidet).
    Wenn man mal gedanklich mit der ärmlichen Behausung mitgeht, meine und sage ich, auch Rodolfo schläft ja in der Opern - Handlungsrealität nicht auf einem Stuhl,
    sondern er hat ganz sicher ein bescheidenes Bett oder eine Liege. Und das gehört n. m. M. auch unbedingt dazu!
    Sehr gut war die Regie betr. der Personenführung. Allen Akteuren war wie gewohnt, eine große Spielfreude anzumerken.
    Ihre Aktionen, Gefühle und Beziehungen zueinander, waren immer glaubwürdig und nachvollziehbar.
    Selbst die Szenen der "kleinen Partien", wie der Hauswirt Benoit beim beabsichtigten Eintreiben der Miete, oder die Szene im Cafe Momus zwischen Musetta
    und ihrem Galan Alcindoro, toll gespielt.
    Hervorragend und großartig die Darstellung und Aktionen vom Chor im Cafe Momus und dabei besondere Hochachtung für die Leistung der mitwirkenden Kinder,
    die ja den Chor verstärkt haben.


    Kommen wir zur musikalischen Darbietung:
    Unter dem gewohnt hervorragenden Dirigat von Chefdirigent "Martin Doubravsky" wurde die Interpretation zu einem Genuß,
    zu einer perfekten Interpretation ohne Fehl und Tadel. Er ist wohl wirklich ein Spezialist für die ital. Oper.
    Er hat das notwendige Gefühl und das Gespür für diese Musik, trifft die jeweiligen Tempi, wie auch die unterschiedlichen Lautstärken.
    Das Orchester folgt ihm absolut und hatte einen großartigen, berührenden Klang. Wie immer und auch gewohnt - überaus hervorragend der Chor.
    Alle Solisten boten, neben hervorragender Darstellung, ebenfalls eine großartige gesangliche Leistung.
    Bei den Solisten der Mimi und des Rodolfo störte mich etwas ein gewisses Tremolieren ihrer Stimmen.
    Dafür hatten sie eine sichere Höhe auch bei den Schlußtönen mit hohem C bei der Arie "Che gelida manina" und beim Duett "O soave fanciulla".
    Den Rodolfo sang ja eich echter Italiener. Da hatte ich natürlich besonders hohe Erwartungen. Mir fehlte bei ihm ein wenig das Italianita, auch ein wenig Geschmeidigkeit,
    Wärme und Gefühl. Aber das ist meinerseits "meckern auf sehr hohem Niveau" und hängt auch mit Erinnerungen und Vergleichen früher erlebter Aufführungen zusammen.
    Und bestimmt, oder vielleicht, spielt auch die Premieren - Nervosität eine gewisse Rolle.


    Unter´m Strich war es eine überaus gelungene Premiere und ein beglückendes Erlebnis. Es gab viel Szenenbeifall und am Schluß war das Publikum "ganz aus dem Häuschen".
    Es gab überaus lang anhaltenden Beifall, Jubeln, Trampeln, z. T. stehende Ovationen und Bravo - Rufe.
    Mit vielen, vielen Vorhängen wurden alle Beteiligten, zurecht auch die Regisseurin (!!!), gefeiert.


    Mir sind zwar keine neuen Erkenntnisse und Belehrungen vermittelt worden, dafür war es aber ein genußvoller, beglückender Theaterabend.


    Danke für Eure Aufmerksamkeit und evtl. Interesse.


    CHRISSY


    http://www.saldovo-divadlo.cz/…predstaveni/r/3654/bohema

  • Lieber Crissy,


    vielen Dank für deine ausführliche Schilderung einer wieder einmal im Großen und Ganzen werkgerechten Inszenierung in Liberec. Auch mir wird nicht ganz klar, warum im ersten Akt bereits die Café-Sitzecke auftaucht. Aber das sind Nebensächlichkeiten. Der Tod auf dem Stuhl ist da wohl noch hinzunehmen, jedenfalls besser als in der Holzkiste oder auf dem kargen Boden regelrecht zu krepieren.
    Aber die Oper ist wohl nicht durch eine verfälschende Handlung und durch unnötigen Schnickschnack verunstaltet worden.
    Nun noch zu LaRoche: Ich habe ihn anders verstanden: Er wollte sicherlich sagen, ich will nicht nach Liberec fahren müssen, um vernünftige Operninszenierungen sehen zu dürfen, sondern ich erwarte, werkgerechte Aufführungen auch in Deutschland in meiner Nähe erleben zu können, und genauso sehe ich es auch. Wer von uns hat schon die Chance wie du, nach Liberec oder in ein anderes osteuropäisches Land fahren zu können, um noch die unverfälschten Opernhandlungen zu sehen?


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • ch will nicht nach Liberec fahren, um eine Oper so zu sehen, wie es Chrissy kann!

    Lieber Chrissy,


    wie Gerhard schon feststellte, meinte ich die Entfernung und den Aufwand, der zu betreiben wäre, wenn wir eine Oper in Liberec sehen möchten. Ohne Übernachtung geht das nicht, und dieser Aufwand ist mir zu hoch.


    Ich freue mich für Dich, daß Du Inszenierungen sehen kannst, in denen man eindeutig sehen und hören kann, welche Oper auf dem Programm steht! Nur hören reicht mir nicht, wenn ich live dabei bin. Da müßte es schon Wagner oder Strauss sein!!


    Viele Grüße aus Gera, wo es gerade wieder schneit, von La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Du meinst also die Mimì in Puccinis/Illicas/Giacosas Stück stirbt einen transzendenten, erhabenen Tod und krepiert nicht an der Schwindsucht?

    Diese Stichelei ist furchtbar. Auch wenn man an Schwindsucht "krepiert" und selbst wenn Mimi finanziell sicher nicht auf Deiner Stufe steht sollte man ihr ein Bett gönnen. Es muß ja kein Himmelbett und kein Boxspringbett sein.


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Auch in der Dresdener Bohème- Inszenierung, die noch aus DDR-Zeiten stammt, ist der armen Mimi zum Sterben kein Bett vergönnt. Da müssen eine Apfelkiste und ein Klavierdeckel zum Aushauchen ihres Lebens herhalten. Auch nicht schöner als der Stuhl, doch dafür ein vielfach teureres Ticket.

  • Mir sind zwar keine neuen Erkenntnisse [...] vermittelt worden, [...].

    Eigentlich ja auch ein bisschen schade, oder? Mir fällt dazu folgende K-Geschichte von Brecht ein: „Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: ‚Sie haben sich gar nicht verändert.‘ ‚Oh!‘ sagte Herr K. und erbleichte.“

  • Eigentlich ja auch ein bisschen schade, oder? Mir fällt dazu folgende K-Geschichte von Brecht ein: „Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: ‚Sie haben sich gar nicht verändert.‘ ‚Oh!‘ sagte Herr K. und erbleichte.“

    Lieber MSchenk,


    was wäre, wenn ein Mann Herrn K. lange nicht gesehen hatte und ihn mit den Worten begrüßt: "Lange nicht gesehen. Sie sehen aber schlecht aus. Sind Sie krank?"


    Oder gar, wenn er nicht Herrn K., sondern Frau K. so begrüßen würde?


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Tja, was wäre wenn? Und was will man eigentlich selber? - Will man sich verändern, will man neue Erkenntnisse gewinnen? Und warum sagen wir manche Dinge so leichthin und was bedeuten sie eigentlich? Und wie ernst meinen wir, was wir so sagen? - Fragen über Fragen!

  • Also ich lege es nicht darauf an, wenn ich erneut in dieselbe Oper gehe, immer neue Erkenntnisse zu erlangen. Geht man denn nur noch in die Oper, um neue Erkenntnisse zu haben? Ich habe mir manche Oper auf DVD nach einiger Zeit erneut angesehen, aber niemals gedacht: Ach je, was bist du alt geworden. Ich halte diese Diskussion um neue Erkenntnisse bei jedem Operngang für völlig witzlos.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Eigentlich ja auch ein bisschen schade, oder?

    Hallo, Michael
    Nein, überhaupt nicht schade, im Gegenteil!
    Ich bin mir doch aber sicher, daß Du meinen bewußt ironischen Seitenhieb verstanden hast.
    Er war gerichtet an die, die eine Oper nur als Vorlesung und Belehrung mit intellektuellem Erkentnisgewinn verstehen und erleben wollen und nicht begreifen können oder wollen,
    daß es auch einfache, naive Kunst - und Kulturbanausen gibt, die sich nur an der Musik, gepaart mit einer dem Werk entsprechenden Inszenierung, also einer aus ihrer Sicht
    gelungenen Aufführung, erfreuen können und diese auch als solche genießen.
    Wobei ich den anderen, ihre Interessen und Erwartungen keinesfalls absprechen und mißgönnen möchte - wer´s halt anders braucht und will, nichts dagegen.


    Herzlichst
    CHRISSY

  • daß es auch einfache, naive Kunst - und Kulturbanausen gibt, die sich nur an der Musik, gepaart mit einer dem Werk entsprechenden Inszenierung, also einer aus ihrer Sicht
    gelungenen Aufführung, erfreuen können und diese auch als solche genießen.

    Und, lieber Chrissy, ich behaupte einfach (es kann ja auch keiner das Gegenteil beweisen!!), daß in den kleinen und mittleren Opernhäusern und Stadttheatern die Mehrzahl der Theatergänger zu den von Dir sogenannten "naiven Kunst- und Kulturbanausen" gehören. Ausnahmen bilden evtl. die Premieren, wo sich die Kritikergilde einfindet.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Also ich lege es nicht darauf an, wenn ich erneut in dieselbe Oper gehe, immer neue Erkenntnisse zu erlangen.

    Das ist mir vollkommen klar! - Allerdings wirst selbst Du es nicht vermeiden können, Erkenntnisse zu erlanegn, und sei es die immer wieder neue Erkenntnis, dass Dir das allermeiste, was heute auf der Opernbühne zu sehen ist, nicht gefällt. Und auch chrissy gelangte bei seinem Opernbesuch zu verschiedenen Erkenntnissen, wie z.B. der, dass ein Bett, in welchem Mimi stirbt für ihn quasi unerläßlich ist.


    Geht man denn nur noch in die Oper, um neue Erkenntnisse zu haben?

    Nein, denn dafür dazu brauche ich nicht einmal in die Oper zu gehen: Jeden Tag, den der Liebe Gott werden läßt, trete ich in die Welt hinaus und erlange - mehr oder weniger bewußt - neue Erkenntnisse; da kann ich mich garnicht gegen wehren. Mit anderen Worte: Jemandem, dem es nicht so geht, muss offenbar tot sein.


    Ich halte diese Diskussion um neue Erkenntnisse bei jedem Operngang für völlig witzlos.

    Witzlos finde ich allerhöchstens diese Verweigerungshaltung gegenüber einem geistigen Prozess (Erkenntnisgewinn), der m.E. geradezu eine menschliche conditio sine qua non darstellt.


    Bevor Du, lieber Gerhard, nun betonen wirst, dass Dich dass alles wenig tangiert und es sich aus Deiner Sicht um pseudo-philosophisches Gewäsch handelt, laß Dir versichert sein, dass mein obiger Beitrag genauso gemeint war: Als verallgemeinende, abstrakte Assoziation zu chrissys vielleicht etwas leichthin gemachter Bemerkung, einen genußvollen, gar beglückenden Theaterabend ohne jeglichen Erkenntnisgewinn verbracht zu haben.

  • Ich bin mir doch aber sicher, daß Du meinen bewußt ironischen Seitenhieb verstanden hast.

    Ja, natürlich habe ihn verstanden. Und trotzdem - und nichts anderes wollte ich mit meinem Einwurf eigentlich formulieren - ist soetwas doch leicht gesagt, wiegt aber schwer, wenn man darüber nachdenkt. Genauso, wie der allfällige Satz zur Begrüßung, man habe sich ja garnicht verändert ...

  • Vor einem Monat hatte ich die teilweise Alternativ - Besetzung erlebt und gestern war ich erneut in Liberec /Reichenberg zur Boheme und möchte,
    ergänzend zu meinem ersten ausführlichen Bericht, kurz davon berichten:

    Es war gestern die gleiche Besetzung, wie zur ersten Premiere und man spürt, daß die Premieren - Nervosität vorbei ist
    und nun eine gewisse Routine eintritt und Sicherheit verleiht. Besonders lobend hervorheben möchte ich gestern die Musetta und den Marcelo.

    Stimmlich und darstellerisch vom Allerfeinsten!
    Beeindruckend wie immer die Leistung des
    Orchesters und des großen Chors.
    Im zweiten Bild, im Cafe Momus, stehen da bestimmt mind. 50 Personen auf der
    Bühne und machen stimmlich und darstellerisch
    eine "tolle Action", wie es heute so schön neudeutsch heißt.

    Überaus großartig und hervorragend eigentlich auch die Interpreten der Mimi und des Rodolfo, wobei ich aber kleine Abstriche machen muß.
    Das ist aber "meckern auf allerhöchstem Niveau" und hängt auch mit pers. Gewohnheiten und Erwartungen zusammen.
    (Zu sehr hat sich da bei mir die für mich unerreichte, gefühlvolle Interpretation einer Mirella Freni manifestiert).
    Beide haben eine sehr kräftige Stimme und ihre Stärken liegen vor allem in den hohen Tönen, die sie mit großer Sicherheit rüberbringen.
    Unglaublich kräftig, sicher und lang anhaltend das "hohe C" des ital. Tenors "Paolo Lardizzone" am Schluß
    der Arie "Che gelida manina".
    So weit alles richtig gut, mir geht aber mit diesen ständigen kräftigen
    Tönen, etwas Lieblichkeit, Geschmeidigkeit, Wärme und Gefühl verloren.
    Es fehlt mir ein wenig die gefühlsmäßige Akzentuierung. Aber wie gesagt - das ist meckern auf höchstem Niveau!

    Das Haus war für einen Wochentag sehr gut besucht, es gab viel Szenenapplaus und am Schluß viele Vorhänge mit Jubeln,
    Bravo - Rufen und viel, viel verdientem Beifall für alle Beteiligten.


    Nach der Vorstellung hatte ich auch die Gelegenheit mit der Interpretin der Musetta "Jolana Slavikova" zu sprechen.
    Wir sind uns ja vor einem Monat schon
    mal vor dem Theater begegnet - sie erkannte mich, kam zu mir und wir hatten ein
    überaus herzliches und sehr
    interessantes Gespräch von bestimmt einer viertel Stunde Dauer.
    Das war wirklich so herzlich und
    natürlich und vertraut, ohne jegliche Starallüren, als würden wir uns schon zehn Jahre kennen.
    Und wenn man nicht wüßte, daß sie ja eine Tschechin ist, man würde es nicht glauben.
    Sie spricht ein einwandfreies, deutliches Deutsch, fließend, ohne hörbaren Akzent! Sie muß im Satz nicht mal nach Worten suchen.
    Sie ist 27 Jahre jung, studiert seit einigen Jahren in Frankfurt und setzt ihr Studium demnächst in Weimar fort.
    Wir haben dann beim Verabschieden noch zwei Fotos gemacht und freuen uns gegenseitig demnächst auf´s Wiedersehen und Wiederhören.

    Danke für Euer Interesse.


    CHRISSY


    PS.: Am Montag sollte ja lt. Spielplan "Rigoletto" sein. Diese Vorstellung ist aufgrund einer plötzlichen Erkrankung von "Vladimir Chmelo",
    der die Titelpartie a. G. singen sollte, leider ausgefallen. Ein Ersatz war so kurzfristig nicht zu finden.
    Ich erfuhr aber gestern über diesen Bariton, daß er überaus großartig sein soll.
    Er singt hauptsächlich in Prag und anderen großen tschech. Bühnen, sowie auch an intern. Häusern, hat sogar schon an der Met gastiert.
    Da bin ich gespannt und hoffe, ihn doch mal als Rigoletto hier in Liberec /Reichenberg zu erleben.

  • Gestern Abend waren wir wieder zur "La Boheme", die nach großartiger Leistung, vor allem auch durch die gegenseitige Begeisterung
    von Ensemble und Publikum am Schluß zum krönenden Erlebnis wurde.
    Ich habe ja hier in diesem Thread schon ausführlich berichtet und möchte mich deshalb kurz fassen und auf das Wesentliche beschränken:

    Wieder kann ich nur in Superlativen sprechen - es war einfach nur rundum gelungen.


    Chor, Orchester, wunderschön den Puccini - Klang der Oper getroffen und die Solisten, einfach hervorragend.
    Einige Partien sind ja alternativ doppelt besetzt. So auch die Mimi.Die Sopranistin, die ich bisher hier erlebt hatte, ist jetzt in der Baby - Pause und gestern war diese Partie mit "Livia Obrucnik Venosova" besetzt.
    Sie habe ich u. a. schon oft als großartige Violetta erlebt. Beide Sängerinnen haben, jede für sich, ihr hervorragenden Qualitäten
    und doch gefiel mir die gestrige Mimi etwas besser. Aber nicht, weil sie gegenüber ihrer Kollegin stimmlich besser ist, nein, nein...
    Ich halte sie aufgrund etwas mehr stimmlicher Wärme und Differenzierung, für die Partie der Mimi etwas geeigneter und idealer.
    Den Rodolfo gab a. G. wieder der ital. Tenor "Paolo Lardizzone". Er gefällt mir von mal zu mal immer besser.
    Sein Stimm - Timbre würde ich als hell bezeichnen.
    Seine Stärken liegen vor allem in einer absolut sicheren und kräftigen Höhe, die er, scheinbar mühelos, bis zum Schluß durchhält.

    Wenn auch sein hohes C in der Arie "Che gelida manina" nicht ganz so klangschön wie bei Pavarotti oder Orofino klingt,
    überzeugt er mit Strahlkraft und einem unglaublich lang gehaltenem Ton, der mit großem Szenenbeifall belohnt wurde.
    Auch alle anderen Solisten stimmlich und mit großer Spielfreude wie immer ohne Fehl und Tadel.
    Das Haus war wieder sehr gut besucht und es gab viel Szenenbeifall. Und am Schluß waren die Leute zu recht "ganz aus dem Häuschen".

    Es wurde nicht nur lang anhaltend geklatscht und Bravo gerufen, nein, es wurde gejubelt und getrampelt,
    es wurde ein richtig kleiner (positiver) Tumult.
    Dieser äußerte sich besonders intensiv, weil der Funken vom Publikum auf das Ensemble übersprang und die Solisten, dankbar und hocherfreut, in einer Reihe mit dem Dirigenten in der Mitte stehend, sich an den Händen nehmend, nach vorn an den Bühnenrand stürmten,
    ins Publikum winkten und sogar Kusshändchen warfen.
    Die gegenseitige Euphorie und überschäumende Freude war einfach mitreißend, begeisternd und beglückend.


    Fazit: Es war wieder ein rundum beglückender Opernabend, der süchtig macht.
    Und so freue ich mich, vor der bald beginnenden langen Theaterpause, nach einem 3/4 Jahr wieder auf "Rigoletto" am 12. Juni,
    zumal als Duca wieder mal der Tenor "Ales Briscein" von der Staatsoper /Nationaltheater Prag gastiert.

    CHRISSY

  • Am vergangenen Donnerstag war ich erneut zur Bohéme und ich kann mich kurz fassen, denn in meinen vorigen Beiträgen habe ich ja schon ausführlich berichtet.
    Es war wieder betr. Darbietung, von allen Akteuren ein gewohnt rundum gelungener und beglückender Theaterabend.
    Das Haus war nicht ausverkauft, aber für einen Wochentag sehr gut besucht. Es gab Szenenapplaus und am Schluß minutenlangen Beifall mit vielen Vorhängen.
    Hervorheben möchte ich die junge 27 jährige Sopranistin "Jolana Slavikova" als Musetta. Stimmlich und darstellerisch ist sie mit großer spürbarer Spielfreude ideal
    besetzt in dieser Partie. Dies äußert sich besonders auch im Zusammenspiel mit ihren Partnern "Marcello und Alcindoro".
    Beide ebenfalls hervorragend stimmlich und darstellerisch "Csaba Kotlar und Pavel Vancura".


    Hier für Interessenten ihre musikalische Vita https://www.jolanaslavikova.com


    Caruso hatte sich im "Vorfreude - Thread" mit einer Bemerkung geäüßert und ich möchte hier an geeigneterer Stelle antworten, um diesen Thread dort nicht zu verwässern.
    Zitat Caruso
    Lieber Chrissy!
    Ich will Deine Vorfreude ja nicht dämpfen, aber ein neuer Traumtenor ist er nicht.
    Ich habe den Mann mal irgendwo in Polen mit dem Kalaf gehört. Er ging mit den Noten so frei um, wie ich das überhaupt noch nie gehört habe.
    Ausserdem musste ziemlich oft atmen weil er einfach frei aus dem Hals singt - ohne Stütze. Aber laut kann er und alle Höhen wurden lang gehalten!


    Eigene Zitate:
    21. März
    Kommen wir zur musikalischen Darbietung:Alle Solisten boten, neben hervorragender Darstellung, ebenfalls eine großartige gesangliche Leistung.
    Bei den Solisten der Mimi und des Rodolfo störte mich etwas ein gewisses Tremolieren ihrer Stimmen.
    Dafür hatten sie eine sichere Höhe auch bei den Schlußtönen mit hohem C bei der Arie "Che gelida manina" und beim Duett "O soave fanciulla".
    Den Rodolfo sang ja ein echter Italiener. Da hatte ich natürlich besonders hohe Erwartungen. Mir fehlte bei ihm ein wenig das Italianita, auch ein wenig Geschmeidigkeit,
    Wärme und Gefühl. Aber das ist meinerseits "meckern auf sehr hohem Niveau" und hängt auch mit Erinnerungen und Vergleichen früher erlebter Aufführungen zusammen.


    25. April
    Überaus großartig und hervorragend eigentlich auch die Interpreten der Mimi und des Rodolfo, wobei ich aber kleine Abstriche machen muß.
    Das ist aber "meckern auf allerhöchstem Niveau" und hängt auch mit pers. Gewohnheiten und Erwartungen zusammen.
    Beide haben eine sehr kräftige Stimme und ihre Stärken liegen vor allem
    in den hohen Tönen, die sie mit großer Sicherheit rüberbringen.
    Unglaublich kräftig, sicher und lang anhaltend das "hohe C" des ital. Tenors "Paolo Lardizzone" am Schluß der Arie "Che gelida manina".
    So weit alles richtig gut, mir geht aber mit diesen ständigen kräftigenTönen, etwas Lieblichkeit, Geschmeidigkeit, Wärme und Gefühl verloren.
    Es fehlt mir ein wenig die gefühlsmäßige Akzentuierung. Aber wie gesagt - das ist meckern auf höchstem Niveau!


    2. Juni
    Den Rodolfo gab a. G. wieder der ital. Tenor "Paolo Lardizzone". Er gefällt mir von mal zu mal immer besser.
    Sein Stimm - Timbre würde ich als hell bezeichnen.
    Seine Stärken liegen vor allem in einer absolut sicheren und kräftigen Höhe, die er, scheinbar mühelos, bis zum Schluß durchhält.
    Wenn auch sein hohes C in der Arie "Che gelida manina" nicht ganz so klangschön wie bei Pavarotti oder Orofino klingt,
    überzeugt er mit Strahlkraft und einem unglaublich lang gehaltenem Ton, der mit großem Szenenbeifall belohnt wurde.

    Ich habe also auch die negativen Dinge und pers. Empfindungen angesprochen. Einen Traumtenor in der Partie des Rodolfo habe ich seinerzeit viele Male in der
    Deutschen Staatsoper, in persona "Ruggiero Orofino" erlebt. Davon ist Paolo Lardizzone schon noch ein Stück weit entfernt.
    Aber wir sind hier nicht in der Staatsoper, sondern in Liberec /Reichenberg! Und ich weiß da sehr wohl zu unterscheiden und dies zu akzeptieren.
    Paolo Lardizzone ist noch relativ jung und ich bin überzeugt, er wird sich noch weiter entwickeln.


    Zitat Caruso
    Ich habe den Mann mal irgendwo in Polen mit dem Kalaf gehört. Er ging mit den Noten so frei um, wie ich das überhaupt noch nie gehört habe.
    Ausserdem musste ziemlich oft atmen weil er einfach frei aus dem Hals singt - ohne Stütze. Aber laut kann er und alle Höhen wurden lang gehalten!

    "Den Mann irgendwo in Polen gehört". Du meine Güte, wie klingt das denn?!
    Das hört sich bewußt sehr herablassend und verächtlich an. So ungefähr wie, auf einem Dorffest.
    Und in der Bohéme geht er z. B. ganz sicher nicht frei mit den Noten um. Und Du kannst mir glauben - ich kenne die Bohéme!
    (Ausnahme natürlich, entgegen der Partitur singt er im Duett im 1. Akt auch das hohe C).


    Zitat CarusoIn Dnipropetrovs oder České Budějovice mögen die Menschen ja begeistert sein, einen Paolo Lardizzone zu hören. Es sei ihnen gegönnt.
    Aber mir sollte doch gestattet sein, einen anderen Maßstab anzulegen.

    Lieber Caruso,
    glaubst Du wirklich, daß Dein Hannover - Opernhaus ein besseres Ensemble hat und dort qualitativ bessere Zuschauer sind?
    Ich weiß es zwar nicht, glaube aber nicht, daß dortige Solisten schon u. a. in Kairo gesungen haben, oder unter Mehta zusammen mit Domingo.
    Dein von Dir beanspruchter Maßstab sei Dir unbenommen. Gestatte und akzeptiere aber auch, daß andere vielleicht andere Maßstäbe haben!


    Herzliche Grüße
    CHRISSY


    Hier für Interessenten die musikalische Vita von Paolo Lardizzone https://www.landestheater-niederbayern.de/biographie/50/238


    Im kommenden Frühjahr ist er übrigens am Theater /Opernhaus Liberec /Reichenberg der Manrico im Trovatore!


    Hier eine Aufnahme, allerdings in nicht so guter Qualität https://www.youtube.com/watch?v=OTiZR2XoBQo

  • Lieber Chrissy,


    Danke für Deinen Bericht. Du entwickelst Dich immer mehr zum "Bohème"-Spezialisten und wirst mit jedem weiteren Hören noch sicherer in Deinem Urteil. Wenn ich Deine Beiträge und Urteile lese empfinde ich hohe Werkkenntnis und glaubwürdige Beurteilung. Lasse Dir bitte Deinen Eindruck nicht zerreden. Du hat die Vorstellung, den Interpreten so empfunden und dann ist es für Dich auch so.
    Wie oft ist es mir so gegangen, dass ich eine Sängerin oder einen Sänger hörte, der stimmlich nicht das allerhöchste Niveau hatte, der mich an diesem Abend jedoch begeisterte und mitriss und mancher sogenannte Star hat mich live enttäuscht. Ich freue mich bereits auf Deinen nächsten Bericht. :hello: :jubel:

    Herzlichst

    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Zitat Caruso


    Ich habe den Mann mal irgendwo in Polen mit dem Kalaf gehört. Er ging


    mit den Noten so frei um, wie ich das überhaupt noch nie gehört habe.

    Zitat Caruso


    In Dnipropetrovs oder České Budějovice mögen die Menschen ja


    begeistert sein, einen Paolo Lardizzone zu hören. Es sei ihnen gegönnt.


    Die Menschen in der Millionenstadt Dnjepropetrowsk sowie in Ceske Budejovice (Budweis) würden sicher auch Sänger eines besseren Formates erleben wollen. Da ihnen das nicht vergönnt ist, begeistern sie sich an dem, was für sie erreichbar ist. Dazu gehört sicher Paolo Lardizzone, dessen Schwächen Chrissy ja auch treffend charakterisiert hat.
    Dir, lieber Chrissy, gönne ich es vom ganzen Herzen, daß Du einen Opernabend erleben durftest, der Dich glücklich und zufrieden wieder nach Hause fahren lies. Trotz oder gerade wegen Paolo Lardizzone.


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Liebe Taminos
    Ich bitte um Entschuldigung, für die fehlerhafte Erscheinung im Schriftbild und mein mehrfaches, bestimmt störendes Korrigieren in meinem vorigen Beitrag.
    Irgendwie hatte ich technische Probleme. Mir sind auch längere Teile des von mir Geschriebenen verloren gegangen.
    Habe jetzt nochmal die Vita von Jolana Slavikova reingestellt und die ist nun sichtbar.Ich hoffe, daß alle Leser so ungefähr klarkommen, was ich meine.


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

  • Das ist diese Art von Arroganz und Überheblichkeit, die viele Alt-Bundesbürger (zum Glück nicht alle) in der Beurteillung besonders slawischer Völker auszeichnet,


    Lieber La Roche, mein lieber Ulli,
    nach der Wende arbeitete ich monatelang in den neuen Bundesländern in allen Landesteilen, um eine Studie für ein Versicherungsunternehmen zu erstellen. Ich habe mit unendlich vielen Bürgern (Ossi ist aus meinem Sprachschatz gestrichen) gesprochen und im Grunde nur aufgeschlossene, freundliche, nette, manchmal vielleicht zu gut gläubige Menschen erlebt. Deshalb bin ich ziemlich erschrocken, wenn wir heute noch grundsätzliche Werturteile über die Herkunft von Bürgern in Gesamtdeutschland machen. Falls es tatsächlich noch Vorurteile geben sollte, dann meine ich, sollten wir alle daran arbeiten, diese abzubauen, nicht beibehalten, kultivieren und immer wieder wiederholen.

    Herzlichst
    Dein Dich als Mensch und Perönlichkeit sehr schätzender

    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Hans,
    Du hast recht. Ich habe zu scharf reagiert und meinen Beitrag 21 korrigiert. Du bist ein würdiger Außenminister unseres Forums.


    Danke für Deinen Beitrag.
    Herzlichst der tief an das Gute im Menschen glaubende Uli alias La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Lieber Hans,
    Du hast recht. Ich habe zu scharf reagiert und meinen Beitrag 21 korrigiert.

    Nein, lieber Uli, Du hast nicht zu scharf reagiert.
    Auch wenn Du Deinen Beitrag korrigiert hast, es war die richtige Antwort auf Arroganz und Überheblichkeit und fand meine Zustimmung.


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

  • Lieber Chrissy, lieber LaRoche,


    das Wesentliche ist doch, dass ihr, ich und viele andere - nicht alles ins Kleinste analysierende - Zuschauer ihre Freude an dem Gesang und der szenischen Darstellung haben. Da kann mir auch kein noch so arroganter Pinsel etwas Anderes einreden wollen. Bei einem insgesamt gelungenen Abend kann man kleine Schwächen schon einmal hinnehmen und muss nicht nach einem einmaligen Hören den Sänger für immer abwerten. Was bei mir einzig abwertend ist, sind die Verdrehung der Originalhandlung und überflüssige hinzuerfundene Mätzchen des Regisseurs.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Zitat


    In Dnipropetrovs oder České Budějovice mögen die Menschen ja begeistert sein, einen Paolo Lardizzone zu hören. Es sei ihnen gegönnt.


    Über dieses abwertende Urteil bin auch ich sehr erschrocken. Ich habe z. Bsp. in Odessa schon einen erstaunlich guten "Troubadour" erlebt. Dieser brauchte sich hinter einer vergleichenden westlichen Aufführung nicht hintenan zu stellen. Die singenden Protagonisten allemal.

  • Zu den hier gegen mich vorgebrachten Anwürfen, die ja inzwischen offensichtlich auf das Drängen von Operus abgemildert wurden, sodass ich nur die zensierte Form kenne, werde ich nicht Stellung nehmen.
    Wenn von Arroganz gegenüber kleinen Bühnen und sogar chauvinistischer Haltung gegenüber anderen Nationen gesprochen wird, fühle ich mich schlichtweg überhaupt nicht angesprochen. Meine diversen Beiträge hier im Forum belegen deutlich, wie unsinnig solche Anwürfe sind.


    Ich werde mir aber auch in Zukunft das Recht nicht nehmen lassen, für Qualität von künstlerischen Leistungen einzutreten, und glaube auch weiterhin sagen zu dürfen, wenn ich Sie nicht sehe.
    Wer Alle und Alles gleich bejubeln will, mag das tun. Er sollte sich aber auch damit abfinden, dass dagegen eine kritische Meinung gestellt wird. In dem kritisierten Beitrag hatte ich nicht nur geschrieben, dass ich den Tenor nicht mag. Nachdem ich noch mal etliche seiner Aufnahmen auf YouTube gehört hatte, habe ich auch gesagt, was ich an ihm zu kritisieren habe. Dagegenzuhalten hätte ich legitim gefunden. Es gab stattdessen nur Empörung.


    Caruso41

  • Einerseits gegen die "böse" political corectness im Allgemeinen und (häufig genung in schönster Vulgärsprache) gegen die verlotterte deutsche Regietheaterlandschaft im Speziellen wettern, andererseits aber hier einen Sturm im Opernglas produzieren wollen ... Da ziehe ich doch meinen Hut vor D’Artagnan und seinen drei Musketieren!

  • . Es gab stattdessen nur Empörung.


    Nicht wegen der Beurteilung des Sängers! Da sind sich doch hier fast alle einig, daß er keine Weltspitze ist. Das hat Chrissy bestätigt, das habe ich bemerkt und das kann jeder hören, der die teilweise furchtbaren Youtube-Videos reinzieht. Aber Deine diskriminierenden Bemerkungen derjenigen, die sich den Herrn Lardizzone anhören und nicht Deiner Meinung sind, weil er in Dnjepropetrowsk u.a. Städten oder irgendwo in Polen für gut genug befunden wurde, die sind Gegenstand meiner Kritik. Sicher würden die Opernfreunde in Dnjepropetrowsk oder Budweis u.a. noch bessere Sänger erleben wollen, aber wenn sie dem Herrn Lardizzone zujubeln und Du nur die sarkastische Bemerkung übrig hast, daß es ihnen gegönnt sei, auch einen schlechten Tenor zuzujubeln, ist das einfach nur unfair. Immerhin haben sie gejubelt, und das tut man ja nur, wenn dafür Grund besteht!. Auch wenn Du anderer Meinung bist, haben andere seine Leistung anders eingeschätzt als Du. Dabei warst Du ja auch nicht, dabei war Chrissy in Liberec.


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.