Meine beeindruckendsten Konzert- oder Opernerlebnisse der letzten 12 Monate

  • Hallo!


    Viele von uns gehen regelmäßig in Orchesterkonzerte, besuchen Opernaufführungen oder Liederabende. Viele die - aus gesundheitlichen oder anderen Gründen - keine Vorstellungen (mehr) besuchen, schauen sich aktuelle Veranstaltungen im Fernsehen oder übers Internet an.


    Ich habe mir zur Angewohnheit gemacht, möglichst von jedem Konzert ein Programm mit nach Hause zu nehmen. Als ich die Programmhefte gestern neu eingeräumt habe, kam mir in den Sinn, mal darüber nachzudenken, ws bei den vielen Events in den letzten 12 Monaten denn für mich positiv herausragend war.


    Vielleicht habt Ihr ja Lust, Eure (maximal drei) Veranstaltungen, die aus den übrigen herausragten, kurz einzustellen. Sofern damals ein Konzertbericht erstellt wurde, kann der gerne verlinkt werden. Die vorgestellten Veranstaltungen dürfen natürlich auch gerne verstärkend kommentiert werden.


    Ich bitte auch ausdrücklich diejenigen unter Euch, die keine Konzertgänger sind, aber als "Classical Couch Potato" die gesamte Veranstaltung (die in den letzten 12 Monaten statt gefunden hat) am Bildschirm mitverfolgt haben, um Beiträge.


    Konzert, Oper, Liederabend, Streichquartett, Chorwettbewerb... Alles ist zugelassen.


    Gruß und hoffentlich viel Spaß
    WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • In den letzten 6 Monaten besuchte ich 7 hervorragende Konzerte, deshalb möchte ich aus diesen Konzerten eher Werke erwähnen, die ich besonders beeindruckend fand, wenn es recht ist.


    Diese sind:
    1. Widmann, Das heiße Herz Lieder Zyklus für Bariton und Orchester mit Gerhaher, Hrusa und Bamberger Symphoniker
    Ein Kritik findet man hier: https://bachtrack.com/de_DE/kr…thalle-bamberg-april-2018
    2. Widmann: Trauermarsch für Klavier und Orchester mit Bronfman, Jansons und den Symphonieorchester des BR
    3. Bruckner: Symphonie Nr 8, Jansons und Symphonieorchester des BR (berauschend)
    4. Berg: Altenberg Lieder mit Gerhaher, Hrusa und Bamberger Symphoniker


    Viele Grüße
    Justin

  • Vielleicht habt Ihr ja Lust, Eure (maximal drei) Veranstaltungen, die aus den übrigen herausragten, kurz einzustellen.


    So 09.07. "Die Passagierin" (Weinberg) - Semperoper Dresden - beim zweiten Mal war es noch eindrucksvoller als beim ersten Mal!!!


    Mi 05.07. "Die Passagierin" (Weinberg) - Semperoper Dresden


    Fr 07.07. "Wozzeck" (Berg) - Staatstheater Cottbus



    Das war echt ne irre Woche, Anfang Juli 2017!


    (Danach kam auch noch so manches Lohnende, aber nichts wirklich Vergleichbares auf diesem Niveau!)



    Das sind drei (der mehr als 1000) Opernaufführungen meines Operngängerlebens, die ich mein Leben lang nicht mehr vergessen werde!

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

    • Korngold, Das Wunder der Heliane, Deutsche Oper Berlin
    • Wagner, Tristan und Isolde, Berliner Staatsoper
    • Weber, Der Freischütz, Theater Aachen


    In allen drei genannten Opern war ich von den Sängern begeistert und von der Inszenierung sehr angetan. Zu allen dreien habe ich einen Bericht hier im Forum abgeliefert.
    Der Korngold rangiert auf dem ersten Platz, weil die Oper mich so über jede Erwartung entzückt hat, was am Komponisten, am expressionistischen Libretto, an den Sängern (Jakubiak u. Jagde), am Dirigenten (Albrecht) und an der Regie (Loy) lag.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Hallo


    Sonntag, 29.04.2018 in der Münchner Philharmonie ‚Am Gasteig‘


    J Haydn
    Sinfonie Nr.49 f-moll Hob I: 49 ‚La Passione‘


    S Rachmaninov
    Klavierkonzert Nr.4 g-moll Op.40
    2 Zugaben (Schubert-Liszt, Prokofiev)


    Pause


    PI Tchaikovsky
    Sinfonie Nr.4 f-moll Op.36
    1 Zugabe (J Strauß)


    Yannick Nézét-Seguin, cond
    Yuja Wang, p
    Rotterdam Philharmonic Orchestra


    Sensationell in allen Partien.


    LG Siamak

  • Das Konzert "Vielfalt der Religionen" beim Heilbronner Sinfonie Orchester durch die ausgezeichnete Zusammenstellung mit Werken von Joachim Raff, Fazil Say, Max Bruch, Ernest Bloch und F. Mendelssoohn-Bartholdy.


    Die gelungene Inszenierung von "Wagners Meistersingern" bei den Bayreuther Festspielen.



    Das Abschlusskonzert des Heilbronner Sinfonie Orchesters "Welt des Klaviers" in dem der Pianist Gerhard Oppitz mit dem Mozart-Klavierkonzert Nr. 24, c-moll und der "Burleske" von Richard Strauss brillierte und das HSO seinen guten Ruf in der Ouverüre zu La clemenza die Tito von Mozart und Beethovens Sinfonie Nr. 8 F-Dur unter Beweis stellen konnte. Über dieses Konzert, bei dem am Rande ein kleines Tamino-Treffen stattfand, hat Willi umfassend im Forum berichtet. :jubel:
    herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich will nicht meckern, denn alle Kollegen hier sind doch richtige Experten, die ich absolut respektiere. Ich finde es immer nur schade, dass ich offenbar der einzige bin, der in Konzerte mit Alter Musik geht. Auch für die neue Spielzeit habe ich in Essen das Abo "Alte Musik bei Kerzenschein" gebucht. Dort spielte und wird spielen die Elite der europäischen Alte-Musik-Ensembles, darunter auch welche, die ich nicht kannte.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Hallo dr.pingel!


    Deshalb hatte ich darauf gehofft, dass auch Du Deine "Highlights" preis gibst.
    Begeisterung kann anstecken!


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Ich habe in den letzten Wochen knapp hintereinder zwei ziemlich konträre Aufführungen erlebt, die mich beeindruckt aheben:


    Dvoraks "Rusalka"


    Roger & Hammersteins "Carousel"


    Beides absolut stimmig, gute Inszenierungen mit ausgezeichneten Sängern.

  • Vielleicht habt Ihr ja Lust, Eure (maximal drei) Veranstaltungen, die aus den übrigen herausragten, kurz einzustellen.


    Da bei diesem schönen Thema nun doch die Kürze bevorzugt wird, lege ich mal meinen ausführlichen Bericht beiseite und halte mich ebenfalls knapp:


    Bach: Johannespassion (Hinweis für Dr. Pingel - HIP)
    Berlioz: L’enfance du Christ (Warnung für Gerhard - verunstaltet!)
    Wolf: Italienisches Liederbuch (Mitteilung für Helmut - auch Kaufmann und Damrau können wider meine eigenen Erwartungen Wolf, Deutsch sowieso)


    :D

  • Hallo lieber Rheingold!


    Es hat sich zwar so entwickelt, dass die meisten Beiträge stichwortartig gehalten waren. Mich würde dennoch interessieren, um welche Aufführungen es sich handelte und was sie hervorgehoben hat. Schön wäre es, wenn auch die anderen entsprechende Daten und Einsichten beitragen würden.


    Gruß
    WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Hallo dr.pingel!


    Deshalb hatte ich darauf gehofft, dass auch Du Deine "Highlights" preis gibst.
    Begeisterung kann anstecken!


    Gruß WoKa



    Ich habe diese Highlights schon beschrieben im thread "Faszination Vokalpolyphonie". Dort finden sich Artikel über die Konzerte der King´Singers, des Ensembles Ingenium aus Slowenien und des Orchestra of the Age of Enlightenment unter William Christie. Alle diese Konzerte in der Essener Philharmonie. Dazu kam noch eine konzertante Aufführung von Händels Giulio Cesare, ein Liederabend mit Vivica Genaux und einem famosen kleinen Streichorchester (auch Händel).
    Der absolute Höhepunkt dann in einer alten Dortmunder Maschinenhalle: Monteverdis Marienvesper mit Philippe Herreweghe.
    Nachzutragen ist noch das Wochenende mit allen Orgelwerken von Bach in der Essener Philharmonie. Da habe ich nur ein Konzert geschafft, aber was für eins. Der Organist des Essener Doms spielte die Passacaglia von Bach. Drei Manuale und ein Pedal, dazu eine Musik, dass uns buchstäblich Hören und Sehen verging.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Für mich gab es in den letzten 12 Monaten zum Glück weit mehr kulturelle Höhepunkte als drei Veranstaltungen, von denen ich in den jeweiligen Threads
    in unserem Forum ausführlich berichtet habe. Da hier aber nur drei genannt werden dürfen, nenne ich im Bereich Oper die Premieren "Rigoletto" und "La Boheme",
    beide im Theater /Opernhaus Liberec /Reichenberg und im Bereich Konzert "Das Weihnachtsoratorium" in meiner heimatlichen Kreuzkirche.


    CHRISSY


    Ich bitte um Entschuldigung und Verständnis, wenn ich darüber hinaus doch noch zusätzlich eine weitere Aufführung nenne. Nennen deshalb, weil brandaktuell:
    Gestern Abend "Nabucco" im Theater /Opernhaus Liberec /Reichenberg. Wieder eine überaus gelungene Aufführung, die vor allem durch die beiden hervorragenden
    und großartigen Solisten "Anatolij Orel" und "Pavel Vancura" als Nabucco und Zacharias zu einem begeisternden und beglückenden Erlebnis wurden.

  • Nachdem mich WoKo so schön überredet hat, doch nicht etwas mehr von mir zu geben, soll es sein. Ich will mich aber auf zwei Ereignisse beschränken, die mich sehr bewegten.



    https://www.youtube.com/watch?v=zRIiwvClNn8


    Zunächst möchte ich auf "L’enfance du Christ" von Hector Berlioz in der Berliner Philharmonie (17. Dezember 2017) in einer szenischen Umsetzung eingegen, die einen aktuellen Bezug zu Flucht und Vertreibung herstellte. Die biblische Geschichte, aus der sich der Komponist für seinen Text bediente, gibt das durchaus her. Im Gegensatz zu anderen Vertonungen des Stoffes ist bei Berlioz das Kind schon geboren wenn die Handlung einsetzt. Dem sinnlichen Werk hat die ärmliche Ausstattung keine neue Dimension hinzufügen können. Auch wenn sich Berlioz angeblich eine räumliche Umsetzung hat vorstellen können, komponiert hat er eine Trilogie sacrée – eine geistliche Trilogie, in der sich alles Wesentliche im Orchester in in den gesungenen Passagen vollzieht, ähnlich seiner vokalen dramatischen Sinfonie "Roméo et Juliette". Insofern hat die szenische Bearbeitung mehr irritiert anstatt das Verständnis für das Werk zu befördern. Damit will ich aber nichts gegen die Art der Dramatisierung im Stil dessen gesagt haben, was gemeinhin als Regietheater gilt. Mir hätte die Musik genügt, zumal das seltsame Werk stilistisch ganz unkonventionell ist und viele unterschiedliche Elemente enthält. Wer es nicht kennt, wird es womöglich als Zumutung oder Kitsch empfinden. Maria und Joseph (innig und geschmeidig die Mezzosopranistin Sasha Cooke und der Bariton Jacques Imbrailo) zogen mit dem Jesus-Kind auf ihrer Flucht vor Herodes (eindrucksvoll Christopher Purves) weite Kreise durch die Ränge der Philharmonie. Mit großen Aufgaben ist in dem Werk der Erzähler (Allan Clayton mit sehr schön geführtem Tenor) betraut. Meine Erwartungen waren weniger auf die Solisten als auf den Dirigenten gerichtet: Robin Ticciati aus London ist mit Beginn dieser Saison Chef des Deutschen Symphonie Orchesters Berlin. Noch bevor er beschwörend die Arme zum Einsatz hebt, vermittelt er schon in seiner Bewegung Musik. Ticciati verbreitete Bescheidenheit und Freundlichkeit, gemischt mit einem Schuss Demut. Berlin hat in diesem schlanken Lockenkopf einen neuen Shooting Star. Für den Chefdirigenten spricht, dass er sich mit seltenem Repertoire einführt. Berlioz scheint ihm wichtig. Obwohl die Partitur vor sich, markierte er Einsätze und Chorpassagen sichtbar mit den Lippen aus dem Gedächtnis. "L’enfance du Christ" hat er bereits mit dem Swedish Symphony Orchestra bei LINN eingespielt - gegen übermächtige Konkurrenz. Das Werk ist auffällig oft auf Tonträgern produziert worden. Aktuell greifbar sind um die fünfzehn unterschiedliche Aufnahmen: Charles Dutoit (Decca), André Cluytens zweifach, Stephen Cleobury und Carlo Maria Giulini (EMI) Philippe Herreweghe (Harmonia Mundi), John Elioth Gardiner (Erato), Roger Norrington (SWR/Hänssler), Eliahu Inbal (Denon) Matthew Best (Hyperion), Jean-Claude Casadesus (Naxos), Sylvain Cambreling (Edel), Serge Baudo (Forlane). Mit drei Versionen ist Colin Davis ist Spitzenreiter (Philips, Decca und später nochmals LSO). Jede Produktion hat ihre Stärken. Keine geht unter den allgemein hohen Standard. Man meisten erreicht mich Cluytens in seiner ersten Einspielung. Berlioz hat seine Trilogie sacrée in mehreren Schritten über einen längeren Zeitraum komponiert. Ticciati führt die Teile sicher zusammen und ist um stilistische Einheitlichkeit bemüht, ohne die Brüche zu verwischen. Für mich war das Höhepunkt der Saison.



    https://www.youtube.com/watch?v=dSXdddiHCas


    Der Konzertkalender der Akademie für Alte Musik – kurz Akamus – ist prall gefüllt. Die Adressen sind glanzvoll und legendär. Und doch kehrt dieses berühmte historisch informiert spielende Kammerorchester mit schöner Regelmäßigkeit auch in Kirchen ein, die mitten in Wohnvierteln liegen. Bei Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion in der Berliner Gethsemanekirche mitten im Prenzlauer Berg am 23. März 2018 blieb kein Platz frei. Den Chorpart hatte die Audi Jugendorchesterakademie übernommen. Sie wurde 2007 von der AUDI AG gegründet, um – wie es im Programmheft heißt – "begeisterten Nachwuchssängern eine Möglichkeit des Chorsingens auf hohem künstlerischen Niveau zu bieten und die aktive Teilnahme an den Audi Sommerkonzerten zu ermöglichen". Künstlerischer Leiter ist Martin Steidler, der auch am Dirigentenpult stand.
    Diese jungen Sänger kamen mit ihre erfrischenden Vortragsweise so gut an, dass Marlo Honselmann, der den Pilatus sehr charaktervoll und mit festen stimmlichen Konturen aus dem Chor heraus vortrug, wesentlich mehr Beifall und sogar Bravos abbekam als Benedikt Kristjánsson, der den Evangelisten und die Tenor-Soli sang (Die Ausschnitte, die ich bei Youtube fand und verlinkte, sind sechs Jahre und geben die Leistungsfähigkeit des Sängern, über die er heute verfügt, noch nicht nicht wieder.) Solche Verwerfungen gehören an einem Abend in der Kiezkirche nun mal dazu. Sie sind in der Regel kein tief begründetes Werturteil, sondern Ausdruck spontaner Begeisterung. Der aus Island stammende junge Tenor ist kein Unbekannter in Berlin. Er studierte an der Hanns-Eisler-Musikhochschule, ist schon an der Staatsoper aufgetreten und in diversen Konzerten. Caruso hat ihn uns zuerst in seinem Thread der neuen Stimmen vorgestellt. :hello: Mit Bach tourt er durch Deutschland und Europa. Es scheint, als finde er mit diesem Repertoire das Zentrum seiner Karriere. Und es ist an der Zeit, dass sich eine Firma seiner annimmt und wenigsten eine der Bachschen Passionen auf CD herausbringt. Obwohl die Stimme zart und empfindsam, wenn nicht gar empfindlich wirkt, stand er die gewaltige Aufgabe – neben dem wortreichen Evangelisten auch noch die Arien und ein Arioso – ohne jede Ermüdungserscheinung durch. Dabei erweckte er nicht den Eindruck, besonders ökonomisch vorgehen zu müssen, sich die Partie geschickt einzuteilen, hier etwas zu sparen, dafür an anderer Stelle zuzugeben. Kristjánsson war immer zu hundert Prozent bei der Sache, bis zum letzten Ton. Seine Stärke ist neben dem unverwechselbaren jugendlichen Timbre, die Sicherheit in der Beherrschung der Partie. Er hat sie bis zum Perfektion studiert. So gut studiert, dass auch alle Besonderheiten und Eigenwilligkeiten der Luthertischen Sprache bewahrt bleiben. Nichts verwischt oder versinkt im Unbestimmten. Deutlichkeit wird zu dem, was sie sein soll und muss – nämlich Deutung. Obwohl er beim Singen nicht einen Blick in die Noten zu werfen brauchte, hat er sie – wie alle anderen Solisten auch – vor sich. Das ist ein guter Brauch und Ausdruck des Respekts vor dem, was der Komponist niedergeschrieben hat. Ohne die hervorragenden Leistungen der anderen Solisten – Marie-Sophie Pollak (Sopran), Sophie Harmsen (Alt) und Matthias Winckler (Bass) geringer zu schätzen, dem Tenor oblag es nun mal, wesentliche Akzente in der dramatischen Johannes-Passion zu setzen. Nach der bewegenden Alt-Arie "Es ist vollbracht", verkündet der Evangelist: "Und neiget das Haupt und verschied." Jetzt überniahm das Publikum seinen Part, indem es in absoluter Stille verharrte. Gefühlt minutenlang. Kein Husten, kein Anflug seinerzeit grassierender Bronchitis. Nichts. Was Kunst doch alles bewirken kann. Dieser Moment der Stille wurde zu einem Höhepunkt einer ereignisreichen Aufführung, der die versierte Akamus das sichere musikalische Fundament gibt. Mitunter wurde das feine, sensible Spiel auf den alten Instrumenten vom auftrumpfenden Chor überstimmt. Sechzig Sänger auf der einen und vierundzwanzig Instrumentalisten auf der anderen Seite, gingen schon rein rechnerisch nicht ganz auf.

  • Hallo!


    Nachdem ich den Thread angeschoben habe und viele über ihre Highlights in unterschiedlicher Breite berichtet haben, gehört es sich, dass auch ich meine drei Lieblingsveranstaltungen der letzten 12 Monate offenbare:


    Der Kammermusikabend mit Anne Sophie Mutter war und ist ein bleibendes Erlebnis. Ich werde nicht vergessen, wie ich bei der Partita von Bach zu Atmen vergessen habe.


    Anne Sophie Mutter



    Im August des vergangenen Jahres war ich berufich inWeimar und konnte bei der Gelegenheit Helmuth Rilling bei der Leitung eines Miesterkurses im Rahmen der 4. Weimarer Bachkantaten-Akademie erleben.


    Helmuth Rilling



    DSie Veranstaltung hat mich zu diesem Thread inspiriert:


    Gibt es Kompositionen, die über jede Kritik erhaben sind?


    Als dritte von zahlreichen Veranstaltungen innerhalb der letzten 12 Monate habe ich die Stuttgarter Inszenierung der Bellini-Oper La Sonnambula ausgewählt. Eine herrliche Oper, sehr bodenständig inszeniert - eindrucksvoll.


    Hier einige ältere Beiträge (nicht von mir) zur Inszenierung:


    La Sonnambula Stuttgart



    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Eine der beeindruckendsten Veranstaltung der letzten 12 Monate erlebte ich erst vorgestern:


    Der Einfachkeit halber kopiere ich gleich meinen ganzen Bericht hierhin:



    Du warst doch, wie ich meine mitbekommen zu haben, auch in dem Programm in Stuttgart?, lieber Wolfgang. Wie fandest du es denn?


    Liebe Grüße


    Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ja - lieber Willi!


    Am 25.4. habe ich ihn in der Liederhalle gehört. Das Programm war dasselbe wie bei Dir. Wahrscheinlich auch die Zugaben, wobei ich die auch nicht nennen kann.


    Ich war wieder sehr beeindruckt. Die gesamte Atmosphäre ist eine andere als bei allen anderen Pianisten. Der relativ dunkle Saal, kein Applaus zwischen den einzelnen Werken in der jeweiligen Hälfte. Fast schon ehrfürchtig.


    Der Abend hat mir die Impromptus von Schubert näher gebracht.


    Ich wünsche Dir schöne Pfingsten.


    LG
    WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Lieber Wolfgang,


    ich werde dir mal die Impromptus in der Interpretation von Elisabeth Leonskaja in den nächsten Tagen mit WeTransfer rüberschicken, und zwar D. 899 und D.935, dann hast du gleich die erste Zugabe, das Impromptu Nr. As-dur D.899 dabei. Elisabeth Leonskaja ist in Ausdruck und Dynamik ähnlich wie Grigory Sokolov.


    Dir ebenfalls frohe Pfingsten und auch die Pfingstgrüße an deine Frau


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • Bei mir eindeutig Oedipe von Enescu in Gera. Alle anderen Opern und Konzerte, die ich in den letzten 24 Monaten besucht habe verblassen in der Erinnerung an diese gewaltige Inszenierung. Extrem schräge, aber sich immer mehr ins harmonische gehende Musik, besonders im letzten Akt. Dazu regional gute Sänger, ein ganz tolles Geraer Orchester und eine alles überragende Bühnenshow von Duncan Heyler. Das war mir auch einen eigenen Thread wert, der allerdings wenig Beachtung fand.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Hallo LaRoche!


    So wenig Beachtung war das ja nicht :D
    Wir können es ja hier nochmal verlinken.


    Oedipe in Gera


    Gruß und schönen Pfingstmontag wünscht
    WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo


  • Bei mir eindeutig Oedipe von Enescu in Gera. Alle anderen Opern und Konzerte, die ich in den letzten 24 Monaten besucht habe verblassen in der Erinnerung an diese gewaltige Inszenierung. Extrem schräge, aber sich immer mehr ins harmonische gehende Musik, besonders im letzten Akt. Dazu regional gute Sänger, ein ganz tolles Geraer Orchester und eine alles überragende Bühnenshow von Duncan Heyler. Das war mir auch einen eigenen Thread wert, der allerdings wenig Beachtung fand.

    Herzlichst La Roche


    Lieber La Roche
    Wenn ich Dich etwas korrigieren darf - so ganz stimmt das nicht mit der "wenigen Beachtung".
    Vielleicht schaust Du selbst nochmal nach. Du hast auf Deinen Beitrag rund 740 Zugriffe und auch einige direkte Antworten.
    Auch wenn diese Oper bestimmt nicht "meine Musik" ist, habe ich Deinen Bericht mit großem Interesse gelesen und auch darauf geantwortet.
    Aber ich weiß schon, wie Du das meinst und stimme Dir auch zu - einen Bericht über eine erlebte Vorstellung zu erstellen, bei der kein anderer mit dabei war,
    und diesen einigermaßen verständlich und nachvollziehbar für Aussenstehende rüberzubringen, kostet viel Zeit und Mühe.
    Und wenn dann Reaktionen ausbleiben, ist das persönlich nicht unbedingt förderlich für weitere Aktivitäten.


    Herzliche Grüße und einen schönen Rest - Feiertag wünscht Dir und Hannelore
    CHRISSY