Ein wunderbarer Liebestrank im MIR in Gelsenkirchen am 27.05.2018

  • Ich merke, daß ich langsam alt werde. Gestern mußte ich durch Facebook daran erinnert werden, daß ich eine Veranstaltung hatte. Ansonsten hätte ich gemütlich zu Hause gesesen und Formel 1 geschaut. Das MIR war leider nicht ganz ausverkauft und so konnte ich mich in den ersten Rang erste Reihe MItte setzten . Das Problem beim MIR ist meiner Meinung, daß der Zuschauerraum viel zu groß ist. Denn das war erst die vierte Vorstellung nach der Premiere. Die Inszenierung von Michael Schulz ist jetzt nichts besonders, sie ist unterhaltsam und stört nicht. Die Inszenierung spielt in einem alten Tanzsaal und die großen Fester sind mit Holzbrettern verriegelt. Am Ende , wenn die Bretter abgebaut werden sieht man das Meer. An der Decke hängt ein großer Kronleuchter , der am Ende des ersten Aktes auf den Boden kracht. Dulcamara hat seinen großen Auftritt mit einem großen Schiff und Belcore verschafft sich aus dem Boden her mit 7 weiteren Belcores Zutritt. Warum es sieben sein müssen, hat sich mir leider nicht erschlossen. Mein Hauptinteresse galt eh den beiden jungen Sängern die Adina und Nemorino gesungen haben. Einen glockenklaren Sopran hatte Dongmin Lee und eine saubere Stimmtechnik . Auch darstellerisch war sie eine glaubhafte Adina. Auch Ibrahim Yesilay war als Nemorino eine Idealbesetzung. Er wechselte vom Opernstudio der Rheinoper zum Mir und geht nächste Spielzeit wieder zur Rheinoper zurück, wo er u.a. den Cassio singen wird. Er wird mal eine ganz große Karriere machen, denn er bringt alles dafür mit. Er ist ein absoluter Sympathieträger, er verfügt über eine volle Mittellage und einen höhensicheren Tenor, der momentan in der Höhe noch etwas rauh ist. Sein una furtiva lagrima braucht den Vergleich mit den großen Tenören nicht zu scheuen. . Er hat die Arie so herzzerreißend, gesungen, daß selbst ich als abgebrühter Operngänger mein Taschentuch zücken mußte. Der Dulcamara wurde von Joachim Gabriel Maaß gesungen. Er spielt zwar wunderbar die Rolle nur seine Stimme ist ledier schon brüchig geworden und die Hohen Töne sind auch nicht mehr vorhanden. Als Belcore hatte Zhive Kremshovski einen gut geführten Bariton aufzuweisen, dem aber etwas die Höhen gefehlt haben. Aber auch er ist ja noch ein junger Sänger. Großartig der Chor des MIR. Die Südkoreanerin Yura Yang dirigierte einen schwungvollen und sängerfreundlichen Liebestrank. Am Ende gab es einen langanhaltenden Schlußapplaus mit lautstarken Bravos und rythmisches Klatschen für alle Sänger, aber ganz besonders für Nemorino , Adina und die Dirigentin.

  • Das MIR Gelsenkirchen besuche ich schon seit 1976; es ist mein Lieblingshaus, sozusagen das Ideal der guten deutschen Provinzbühne, von denen wir hier im Rheinland und Ruhrgebiet einige haben. Das hat dazu geführt, dass ich schon vor 20 Jahren dem Fördererverein beigetreten bin. In der Tat ist das Haus zu groß, das hat aber den Vorteil, dass man sich einen günstigen Platz aussuchen kann. Ich liebe es, vollkommen allein zu sitzen. Das Publikum ist Gelsenkirchen ist sehr treu und dankbar, es hat natürlich auch seine Lieblingssänger. Musikalisch, also Chor und Orchester, ist das Haus gut aufgestellt. Richtig verunglückte Vorstellungen habe ich selten gesehen. Architektonisch (Ruhnau, +2017) und von den Bildern (Yves Klein) gehört es zu den schönsten Theatern Deutschlands. Das neue Städteranking verbannt ja Gelsenkirchen auf den letzten Platz und München auf den ersten. An der Oper kann es nicht liegen, außerdem klagt die Stadt München über Schwestern-, Lehrer- und Feuerwehrmangel, weil die sich eine Wohnung in München nicht mehr leisten können.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)