Johann Christoph Vogel - der "Nürnberger Mozart" (?)

  • Sucht man im Tamino Komponistenverzeichnis unter Vogel, so wird man (bis jetzt) nicht fündig, genauswenig wie unter "Mozarts Zeitgenossen" Mit dem hat er wenigstens die Lebensdaten weitgehend identisch. (1756-1788) Aber ansonst weiß man (noch ?) nicht sehr viel über Vogel, ausser daß er sich schon in jungen Jahren in Paris ansiedelte, vozugsweise Opern in der Nachfolge von Gluck schrieb - mit unterschiedlichem Erfolg. Berühmt bis heute ist die Ouvertüre zu seiner Oper "Demophon"
    Er schrieb einige Sinfonien und einige kammermusikalische Werke und Konzerte gemeinsam mit Michel Yost (1754-1786), von denen die meisten unter dessen Namen veröffentlich wurden, was eine zuverlässige Zuschreibung erschwert.
    Grund für diersen Beitrag ist die Tatsache,m daß die einzig erhältliche Aufnahme mit Sinfonien Vogels (Nr 1-3) derzeit im Abverkauf erhältlichj ist (3.99 Euro).
    Interessenten für Sinfonien aus der Zeit Mozarts mögen zugreifen. Ist die Aufnahme einmal gestrichen ist es ziemlich unwahrscheinlich, daß zum Zeitpunkt einer weiteren Neuaufnahme auch nur ein einziges Mitglied dieses Forums noch unter den Lebenden weilt.
    Musikalisch würde ich die Sinfonien eher in Mozarts Nähe sehen, als in jener Haydns, aber eigentlich gibt es doch etliche Unterschiede...


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Inzwischen habe ich mir die Sinfonien nochmals genauer angehört und mein Urteil ist mehr als positiv.Etwas mehr "Attacke" als bei Mozart (was aber teilweise auch auf Goebels Dirigat zurückzuführen sein könnte (?)) mit stellenweise sehr einschmeichelnden Sätzen., wie beispielsweise das Andante der Sinfonie Nr 1
    Bläsersoli sind ein weiteres Merkmal dieser Sinfonien.
    Inzwischen habe ich auch - dank Reinhard Goebels Aufsatz im Booklet - mehr Infos über Vogel , die bei Wikipedia fehlen.
    Vogel war nicht nur ein Bewunderer Glucks, er widmete ihm auch seine erste Oper. Gluck war inzwischen recht gebrechlich, er hatte 1779 bereits den ersten Schlaganfall hinter sich, schrieb indes Vogel (drei Monate vor seinem Tod) einen überaus freundlichen Dankesbrief und teilte ihm mit, daß er sich Auszüge aus der Oper von Salieri - mit dem er freundschaftlich verbunden war - am Cembalo habe vorspielen lassen, da sein Augenlicht das Lesen nicht mehr erlaubten. Er wünschte Vogel, daß er zu dem berühmtesten Komponisten würde, als der er es verdient hätte. - Ein Wunsch der sich offensichtlich nicht erfüllte...
    Bei der -bereits in Beitrag nr 1 verlinkten - CD handelt es sich um Erstaufnahmen der Sinfonien Nr 1-3 (gedruckt um 1784)
    Goebel hat offenbar genauer recherchiert, als die Verfasser diverser Lexika:
    Die "Gemeinschaftskompositionen" Yost/Vogel diverser Klarinettenkonzerte entstanden so, daß der damals berühmte Klarinettenkomponist sich die Solistimme schrieb, wobei Vogel den Orchesterteil hinzukomponierte. Die Weke wurden damals unter dem Namen Vvon Yost publiziert und verkauft.
    Goebel bezeichnet diese Konzerte als "desaströs"
    Ich kann mich dazu nicht äussern, da ich sie nicht kenne, vermute aber, daß sich Goebel hier eher auf die zweifelhafte Arbeitsweise als auf das Gesamtergebnis bezieht, vermutlich sind es recht gefällige Werke, die auf den Geschmach des Publikums zu geschnitten waren, mehr der Eitelkeit des Solisten verpflichtet als "künstlerischen Ansprüchen"


    mfg aus Wien
    ALfred