Franz Liszt: Sinfonische Dichtung Nr. 13: Von der Wiege bis zum Grabe


  • Mihály Zichy: Du berceau Jusqu'au Cercueil (Von der Wiege bis zur Bahre)


    Mit einem zeitlichen Abstand von mehr als zwei Jahrzehnten hebt sich Franz Liszts letzte Sinfonische Dichtung Nr. 13 "Von der Wiege bis zum Grabe", S. 107, komponiert 1881/82 in Rom, bereits chronologisch deutlich ab von den zwölf vorherigen Tondichtungen des Komponisten. Inspiriert wurde sie von einer Zeichnung des ungarischen Malers Mihály Zichy.


    Dieses späte Werk gliedert sich in drei Teile: I. Die Wiege; II. Der Kampf um's Dasein; III. Zum Grabe: Die Wiege des zukünftigen Lebens. Gleichwohl ist Geschlossenheit angestrebt. Die über weite Strecken beinahe kammermusikalisch anmutende Orchesterbesetzung unterscheidet sich stark von Liszts früheren Tondichtungen. Als Hauptthema fungiert das Wiegenlied, welches im 2. Teil klagend und im 3. Teil harmonisch sehr in die Zukunft weisend klingt. Das Werk wird beschlossen von einem Solo des Cello, welches eine merkwürdige Übergangsstimmung vom Leben zum Tode zeichnet.


    Zunächst als "Irrung eines Greisen" (Peter Raabe, Präsident der Reichsmusikkammer) abgetan und lange nicht zu den eigentlichen Sinfonischen Dichtungen gezählt, erfährt "Von der Wiege bis zum Grabe" seit der Nachkriegszeit allmählich die ihm zustehende Würdigung.






  • Hallo Josef,


    deine umfangreiche Neuauflage der Sinfonischen Dichtungen von Franz Liszt gefällt mir ... das ist für mich pure Nostalgioe, weil das nach Beethoven, Tschaikowsky meine Klassik-Anfänge waren.


    Natürlich sind die Aufnahmen von Masur (EMI) und Haitink (Philips) auch bei mir in meiner Gunst immer an vorderster Stelle gelagert.
    Aber was die auf der abgebildeten CD befindlichen Liszt-Dichtungen angeht so ist Solti ganz grosse Klasse - so auch bei der Sinfonischen Dichtung Nr.13 "Von der Wiege bis zum Grabe", die er mehr als jeder Andere mit lebhafter Dramatik aufläd ... :hail: ... was gerade dieser wenig gespielten Nr.13 besonders gut bekommt.


    Solti hat sich hier des Orchestre de Paris (und bei den anderen Sinf.Dichtungen des LSO) angenommen:


    - Ich besitze diese Decca-CD in der Version aus der Decca-Serie Emotionen -



    Decca, 1975/1978, ADD

  • Von der Wiege bis zum Grabe ist die letzte der ‚Sinfonischen Dichtungen‘ Franz Liszts (wobei genau diese Einordnung von einigen Experten angezweifelt bzw. sogar explizit abgelehnt wird) - von mir gehört in der Interpretation von Árpád Joó mit den Budapester Sinfonikern.
    Einiges zu diesem Werk hat Joseph II. bereits kurz im Eingangsbeitrag erwähnt: So z.B. die Meinung des Liszt-Kenners (ansonsten aber gut und gerne zu nachzuverlässigenden) Peter Raabe, der dieses Orchesterstück die 'Irrung eines Greises' nannte.
    Auch dass Liszt von einer Zeichnung seines Landsmannes Mihály Zichy inspiriert wurde, und dass die Komposition an vielen Stellen kammermusikalisch daherkommt, von den übrigen, oftmals sehr dramatischen Werken also stark abweicht (und in insofern eine Ähnlichkeit mit 'Die Ideale' hat), ist mir durch Joseph bekannt geworden.
    Problematisch ist für mich die Aussage „Als Hauptthema fungiert das Wiegenlied“ - problematisch, weil ich jenes Wiegenlied nicht kenne, es aus dem Orchesterklang nicht herausfiltern, folglich auch die nächste Information „welches im zweiten Teil klagend und im dritten Teil harmonisch sehr in die Zukunft weisend klingt“ nicht nachvollziehen kann. Eine schwierige 'Hörsitzung' also?
    Nicht unbedingt, denn die 'kammermusikalische Orchestrierung' des ersten Teils (Die Wiege) mit
    Violinen, Bratschen, Harfe und Flöten passt zum vorgegebenen Titel und wird damit zum zartesten Klanggebilde innerhalb dieses Werkes. Verständlich auch, dass die musikalische Sprache im zweiten Teil (Der Kampf ums Dasein) dramatischer, verstärkt durch die Blechbläser, aus dem Orchester 'dröhnt', ist nachvollziehbar, gibt der Titel es doch so vor.
    Das Wiegenliedthema hat Liszt im dritten Satz (Zum Grabe) abermals eine Umformung unterzogen und ich habe es wieder nicht erkannt. Aber der quälende Grundton und der sich im traurigen Piano verklingende Schluss wirkt tatsächlich, wie auch Joseph schrieb, wie „eine merkwürdige Übergangsstimmung vom Leben zum Tode“.
    Wenn sich mir nach nur einmaligem Hören das Werk wegen der unbekannten thematischen Details auch nicht erschlossen hat, dann ist das natürlich meiner Unbedarftheit, das musikalische Grundthema und seine Variationen/Abwandlungen/Umformungen nicht erkennen zu können, geschuldet. Da mich das Werk ansonsten aber angesprochen hat, frage ich mich, ob ich dieses 'Spezialwissen' überhaupt benötige? Ich verneine diese Frage ausdrücklich, weil ich ein Orchesterwerk gehört habe, das sich mir durch seine Titel erschlossen hat, ohne das Wiegenthema zu kennen. Und genau das genügt mir in diesem Fall!
    :hello: