DOR Duisburg am 14.9.2018 Spielzeiteröffnung mit Verdis La Traviata einer sensationellen Violetta, einem hervorragenden Dirigenten und Sängerensemble, aber leider ein langweiliges Vorprogramm

  • Das Haus gestern Abend war fast ausverkauft. Im Vorprogramm gab es eine stille Auktion, wo Kostüme ersteigert werden konnten. Diese ist für den der kein Gebot abgiebt doch relativ langweilig. Eine offene Auktion wäre da spannender gewesen. Dann gab es noch zwei Musikstücke auf die ich auch hätte verzichten können und ein älterer Herr beantwortete Fragen der Dramaturgin zu dem Roman von Dumas die Kameliendame und zu Verdis La Traviata. Er wirkte so lustlos und schläfrig, als ob ihm der Pfleger im Altenheim grade seine Schlaftabletten gegeben hat. Das einzig Positive an dem Vorprogramm war das Freigetränk und das es zum ersten Mal gezapftes Pils gab, anstatt aus der Flasche wie sonst.Die Inszenierung von Andreas Homoki spielt fast auf leerer Bühne. Am Ende des ersten Aktes wachsen weiße Kamelien aus dem Bühnenboden hoch und es gibt noch einige Stühle als Requisiten und das Licht im Hintergrund wechselt. Andreas Homoki wartet mit einer sehr guten Personenregie auf. Im letzten Akt wenn Karneval gefeiert wird wirkt das so gehässig vom Chor, als ob sie zu Violetta sagen würden, wir können feiern und lustig sein und du nicht. Die Vorgänger Inszenierung war von Karl Ernst und Ursel Hermann, die leider nach Parma verkauft worden ist und auch der einzige Grund war, warum ich mir die Tutti Verdi Box zugelegt habe. Die Inszenierung war so aufwendig, daß der Umbau in der Pause fast 45 Minuten gedauert hat. Die Aufführung aus Parma gab es auch mal auf auf Youtube.
    Wieder einmal ganz hervorragend sang der Chor. Bei den zahlreichen Nebenrollen gab es keine Ausfälle. Lucio Gallo war ein glaubwürdiger Germont mit seinem warmen und raumfüllenden Bariton. Nach seiner Arie im zweiten Akt gab es zurecht lautstarke Bravos. Es wurde auch das verlängerte Finale des zweiten Aktes gespielt, welches häufig gestrichen wird. Ovidiu Purcel hat eineinen schön klingenden lyrischen Tenor und versuchte zum Glück erst gar nicht, die Stretta im zweiten Akt mit einem hohen Ton abzuschließen Das Ereignis des Abends war aber die Violetta gesungen von Luiza Fatyol. Sie hat einen richtigen Powersopran und die Koleraturen beim Finale des ersten Aktes machten ihr überhaupt keine Schwierigkeiten. Auch die Arie im vierten Akt gelang ihr ganz fantastisch Sie hat keinerlei Schärfen in den hohen Lagen. Alle Sänger waren auch glaubhaft Darsteller. Eine sehr gute Leistung zeigte auch der Dirigent Antonio Fogliani. Er hatte alles sicher im Griff. Am Ende gab es Lautstärke Bravos für den Chor, Germont und Alfred. Bei Luiza Fatyol gab es einen regelrechten Beifalksorkan. Auch der Chor, das Ensemble und sogar die Philharmoniker haben geklatscht. Beim zweiten Einzelapplaus gab es lautstarkes rhythmisches Klatschen und Fußtrampeln. Der Schlußapplaus dauerte über zehn Minuten. So wurde ein zufriedenes und glückliches Publikum , oder wie manche Taminos eher schreiben würden das dumme und ahnungslose Publikum, ins Wochenende entlassen. Nächsten Freitag freue ich mich auf die Wiederaufnahme von Arabella in Düsseldorf. Das wird meine erste Live Begegnung mit dem Bariton Michael Volle sein, der den Mandryka singen wird.

  • Lieber rodolfo, ich finde es schön, dass Dir die Aufführung gefallen hat. Insofern will ich Dir für Deinen lebendigen Bericht, mit der Rückschau auf die letzte Inszenierung, recht herzlich danken. Mir ist nur nicht klar geworden, welche Bedeutung das von Dir so genannte 'Vorprogramm' hatte. War es vor der Aufführung im Foyer oder sogar auf der Bühne? Wird es nun vor jeder Aufführung so gehalten? ?(


    Deine Schilderung von der Dich so begeisternden Sängerschar ist natürlich eine süße Verlockung für einen Besuch in Duisburg, der nachzugeben mir nur schwerfällt, weil mir der Regisseur nicht zusagt. Doch schwankend nachzudenken ist fast schon eine Art Überwindung, mal in die 901 zu steigen...


    :hello:

  • Lieber musikwanderer
    das Vorprogramm war nur wegen der Spielzeit Eröffnung und fand im ersten Rang Foyer stand. Große Bedeutung hatte es für mich nicht aber ich gehe gerne zu Auktionen und biete da auch manchmal mit. Die Inszenierung hat die Hauptaussage, daß sich die damalige Gesellschaft wie auf einem Spiegelglatten Parkett bewegt hat, nach Aussage der Dramaturgin . Und die Personenregie ist wirklich sehr gelungen.