RÖNTGEN Julius - Die Streichtrios

  • Vor einigen Jahren habe ich einige CDs mit Kammermusik von Julius Röntgen (1855 - 1932)erworben, die seither im Regal mit den (noch) ungehörten CDs schlummerten. Heute habe ich Rahmen meiner "Aufarbeitung" eine dieser CD "durch Zufall entdeckt und mir ein Streichtrio (es war die Nr 13) angehört.
    Ich war hingerissen. Da musste ein Tread her. Aber ich wollte nicht mit der Nr 13 beginnen. Su suchte ich 1 gute Stunde und wurde dann fündig. Ich hatte tatsächlich eine weiter CD (mit den Werken 1-4 in anderer Besetzung) - ebenfalls noch originalversiegelt. Und so bin ich fürs erste in der Lage diesen Thread mit dem Streichtrio Nr 1 einzuweihen. Die Faszination der (später entstandenen) Nr 13 hatte es im ersten Augenblick auf mich zwar nicht, aber es ist immer noch ein mehr als beachtliches Werk. (Die Nr 13 empfand ich indes als Geniestreich und als Idealinterpretation - dazu später in diesem Thread)
    Röntgens Streichtrio Nr 1 in D-dur op 76 entstand 1915 anlässlich seines 60 Geburtstages, quasi als "Protest dagegen" , wie er an den befreundeten Geiger Carl Flesch schrieb. Es wurde erst 9 Jahre nach seiner Fertigstellung gedruckt, und es war das einzige Streichtrio aus seiner Feder, das je gedruckt wurde. - und es sind 18 überliefert......
    Das ist eigentlich unverständlich, vielleicht aber der Tatsache geschuldet, daß inzwischen die Avantgarde im Kommen war und Röntgen sich (angeblich ) an Brahms orientierte und man ihn zum "Epigonen" stempelte.
    Der zweite Satz de Streichtrius Nr 1 wir im Booklet beschrieben als "Spinnrad" welches die Viola darstellt, wobei die Streicher "einsamen melancholischen vogelähnlichen Gesang " darstellen sollen, ich kann das nicht bestätigen oder widersprechen, ich habe noch nie ein Spinnrad live gehört.
    Wunderschön der 3. Satz der - laut Beiheft - Röntgens Vorliebe für alte holländische Tänze zeigt - hier könnte ich voll beipflichten...


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Die Überschrift "Dvorak" gilt vorzugsweise für den 2, Satz, wird aber auch als Name für das gesamte Werk benützt. Es stand als erstes einer Reihe von Streichtrios in den Jahren 1918/19 Er verbrachte die Sommer in einer Landschaft von Bergen, deren Schönheit ihn - so beschrieb er es ineinem Brief - zu diesen Werken inspirierte. Im mit zur verfügung sthenden Bookled werden den Streichtrios Nr 1-4 die Attribute "spielerisch" (oder "verspielt, je nach Übersetzung) verliehen und "a certain Joie de vivre" (eine gewisse Lebensfreude) attestiert.
    Besser kann man es nicht ausdrücken, deshalb habe ich auch diese Beschreibungen übernommen.
    Generell sind dies Trios völlig anders als ich sie mir vorgestellt habe. Sie sind voll Energie, teilweise filigran, gelegentlich süßlich und sind eigentlich - von Ausnahmen abgesehen - wenn Röntgen beispielsweise im zweiten ein Thema aus Dvoraks Violinkonzert zitiert - völlig eigenständig.
    Aber darüber hinaus - dieses Trio ist ein aussergwöhnlich klangschönes Meisterwerk !!!


    mfg aus Wien
    Alfred