Unglaubliche Verunstaltung - "La Boheme" auf TV - Classica

  • Lieber Chrissy,


    wie du sehr richtig weißt, habe ich inzwischen weit über 200 DVD-Aufnahmen, neben den Standardwerken auch weitgehend unbekanntere oder seltener gespielte Opern, wozu mir auch der genannte Schulfreund, der Classica hatte, und einige Taminos verholfen haben. Von youtube habe ich nur wenige Aufnahmen, die in der Bildqualität gut waren. Daneben bekam ich von meinen Kindern und Enkeln auch zu besonderen Anlässen manche gekaufte Aufnahme, die ich auf meiner Wunschliste hatte, geschenkt. Da es meist sehr schöne, konventionelle Aufnahmen sind, habe ich von jeder Oper meist nur eine Inszenierung, die ich mir gerne wieder ansehe. Ich bin also auf den Sender nicht angewiesen, wenn er heute solche entstellten Opern sendet.
    Zwar habe ich noch einige Wünsche, die mir der Sender aber wohl auch nicht liefern wird. Hin und wieder finde ich dann auch noch einmal eine DVD mit einem solchen Werk, das auch von der Inszenierung dem Werk gerecht wird, jedoch nur noch selten bei neueren Aufnahmen. Dennoch vielen Dank für deine Antwort.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Die Dresdner Boheme verunstaltete musikalisch und szenisch Puccinis Meisterwerk – zugegeben, das aber durchaus konsequent und gekonnt !


    Lieber Amfortas,

    Kann Verunstaltung konsquent und gekonnt sein? :D

    Herzlichst

    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich geh ja häufig In die Oper, nächsten Samstag Premiere der Götterdämmerung in Düsseldorf und spreche auch mit vielen Besuchern, die gehen alle wegen der Musik oder der Sänger in die Oper. Die Inszenierung ist vielen egal. Dazu zählen auch viele Wagnerianer In Düsseldorf sitze ich häufig neben einer älteren Dame die immer sagt, daß wir doch froh sein können, daß es so viele unterschiedliche Inszenierungsstiele gibt. Immer nur werkgerechte sei ja auch langweilig.

  • Zitat

    Die Inszenierung ist vielen egal.


    Ein großes Wort - gelassen ausgesprochen
    INDIFFERENZ ist ein Übel unserer Zeit, vielleicht aber auch aller Zeiten (SOOO alt bin ich auch wieder nicht)


    Ich erinnere mich, vor mehr als 20 Jahren wo ich in einer Schulung war und durch meine kritischen Bemerkungen unangenehm auffiel
    Die Vortragende ermahnte mich:
    "Sie BEWERTEN - Das ist schädlich - Unterlassen sie bitte Bewertungen "


    Darauf meine Antwort.
    "Ich MUSS bewerten - Wertungen sind Orientierungshilfen-
    Ohne Bewertung würde ich die Unfähigen und ungebildeten, die Gutmenschen nicht von den Intelligenten unterscheiden können
    Nicht mal ihr Mangel an Allgemeinbildung wäre mir aufgefallen -
    Und deshalb werde ich meine Position nicht ändern"


    Das Publikum ist heute ziemlich leicht manipulierbar.
    Das war nicht immer so:


    Uraufführung Le Sacre du Printemps: 29. Mai 1913 Théatre des Champs-Elyse


    Zitat

    „Das Publikum spielte die ihm zugedachte Rolle, es empörte sich sofort. Man lachte, spuckte, pfiff, ahmte Tierlaute nach. Der Lärm degenerierte zum Handgemenge. Stehend in ihrer Loge, mit verrutschtem Diadem, schwang die alte Gräfin de Pourtalès ihren Fächer und schrie, ganz rot im Gesicht: "Das ist das erste Mal seit sechzig Jahren, daß man es wagt, sich über mich lustig zu machen."


    Nur EIN Beispiel von vielen


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Dazu zählen auch viele Wagnerianer In Düsseldorf sitze ich häufig neben einer älteren Dame die immer sagt, daß wir doch froh sein können, daß es so viele unterschiedliche Inszenierungsstiele gibt. Immer nur werkgerechte sei ja auch langweilig.

    Ersteinmal finde ich das eine vernünftige Einstellung; richte meine Grüße an die offenbar kluge Dame aus :hello: - Nichtsdestotrotz muss ich noch loswerden, dass auch auch die sicher nicht "konventionell" zu nennenden Inszenierungen eines Konwitschny oder Homoki einem Werk durchaus gerecht sein können. Zumindest trifft dies m.E. auf diejenigen Inszenierungen dieser Herren zu, die ich bis jetzt gesehen habe. Vielleicht werden sie durch ihren Blick unter die reine Oberfläche manchem Werk sogar gerechter, als anderen Inszenierungen, die sich quasi buchstabengetreu an das vorgegebene Libretto halten. Insofern wäre - aber das wissen wir hier ja aus vielen Diskussionen und "Diskussionen" - eine Unterscheidung der Begriffe werkgerecht im Sinne von Der Idee eines Werkes gerecht werden und werkgetreu im Sinne von Das Libretto buchstabengetreu umsetzen sicher sinnvoll.


    p.s. Als jemand, der die fragliche Salome (siehe hier) tatsächlich besucht hast, kannst Du vielleicht diese Frage beantworten? Wurde an der Partitur etwas verändert?

  • Ja, aber doch genau ein Beispiel für Manipulation!? - Das Publikum hat sich provozieren lassen und ganz erwartungsgemäß verhalten, indem es einen kleinen Skandal produzierte ...

  • MSchenk schrieb:

    Zitat

    Ja, aber doch genau ein Beispiel für Manipulation!? - Das Publikum hat sich provozieren lassen und ganz erwartungsgemäß verhalten, indem es einen kleinen Skandal produzierte ...


    Nein - KEIN Beispiel für Manipulation
    Dieses "erwartungsgemäß" war eine subjektive Einschätzung des Zeitzeugen von dem der Text stammt


    Strawinsky hatte alle erwartet - nur das nicht.
    Er war auf dem Boden zerstört.
    Gelegentlich wurde die Meinung geäussert, es wäre ab nun unmöglich weitere Werke von Strawinski zur Aufführung zu bringen.


    Vor einigen Jahren wurde versucht die Uraufführung in Sachen Kostümen, Bühnenbild und Choreographie zu rekonstruieren.
    Ich habe Ausschnitte davon gesehen und kann verstehen, daß das Pariser Publikum sich verspottet fühlte, die extreme Reaktion - so wünschenswert sie heute bei manchen Inszenierungen wäre - entspricht allerdings nicht dem heutigen Zeitgeist.


    mfg aus Wien
    Alfred