MINKUS, Ludwig: DIE BAYADÈRE

  • Minkus, Ludwig ( 1826 - 1917)
    La Bayadère


    Ballett in drei Akten und 7 Szenen
    Libretto: Sergei Chudekoff


    Uraufführung: St. Petersburg 1877


    PERSONEN DER HANDLUNG
    Nikiya, eine Bayadère (Tempeltänzerin)
    Solor, ein Krieger
    Der hohe Bramane, Oberpriester
    Der Radja
    Gamzatti, seine Tochter
    Aya, ihre Dienerin
    Magaveya, ein Fakir
    Das goldene Idol
    Soldaten, Tempeltänzerinnen, Tempeldiener, Fakire, Gefolge Radjas, Geister im Reich der Schatten.


    Ort und Zeit der Handlung: Indien, Märchenzeit


    ERSTER AKT
    1. Bild: Im heiligen Forst, vor einem Brahma-Tempel
    Solor kommt mit anderen Soldaten. Er bittet sie, ihn allein zu lassen. Dann ruft er den Fakir Magdaveya, der ihm ein Treffen mit Nikiya verschaffen soll.
    Als der Oberpriester mit Tempeldienern auftritt, verschwindet Solor. Der Oberpriester befielt Magdaveya, die anderen Fakire herbeizurufen, um das heilige Feuer anzuzünden.
    Dann treten die Tempeltänzerinnen auf und die Zeremonie beginnt. Auch die Fakire führen einen Tanz vor.
    Schließlich tritt Nikiya, die eingeweiht werden soll, verschleiert aus dem Tempel. Als sie den Schleier hebt und einen rituellen Tanz vorführt, ist der Oberpriester so fasziniert von ihrer Schönheit, dass er ihr einen Antrag macht, den sie jedoch zurückweist.
    Während des Rituals bringen die Tempeltänzerinnen den Fakiren Wasser, wobei Magdaveya heimlich Nikiya die Botschaft Solors überbringen kann. Nikiya sagt zu.
    Alle – außer Magdaveya – treten in den Tempel ein. Der Fakir informiert Solor. Dann schleicht sich Nikiya aus dem Tempel und sie schwören sich ewige Liebe. Doch werden sie heimlich vom Oberpriester beobachtet. Der besorgte Fakir warnt sie und während Solor sich versteckt und Nikiya in den Tempel zurückkehrt, kommt der Oberpriester wütend heraus und schwört Rache.
    2. Bild: Im Palast des Radjas.
    Der Radja bringt einen Toast zu Ehren Solors aus. Die Soldaten und Mädchen tanzen für ihn. Dann führt der Radja Solor seine Tochter Gamzatti vor, die er ihm wegen seiner Verdienste zur Braut geben will. Obwohl er Nikiya ewige Treue geschworen hat, verfällt Solor doch deren Reizen. Alles wird für die Verlobung vorbereitet. Schließlich kommt der Oberpriester und informiert den Radja über die Liebe zwischen Nikiya und Solor. Der Radja entscheidet zum Entsetzen des Oberpriesters, dass nicht Solor sondern Nikiya sterben soll.
    Gamzatti hat das Gespräch belauscht. Sie versucht Nikiya zu bestechen, indem sie ihr Gold und Juwelen anbietet, wenn sie Solor aufgibt. Aber Nikiya weigert sich. Verzweifelt versucht Nikiya, Gamzatti zu erstechen, was von der Dienerin Aya verhindert wird. Als Nikiya aus dem Raum läuft, beschließt auch Gamzatti, sie zu töten.
    3. Bild: Im Garten des Palastes
    Mit verschiedenen Tänzen wird die Verlobung Gamzettas mit Solor gefeiert. Der Oberpriester bringt Nikiya, die für die Brautleute tanzen soll. In ihrem Tanz drückt sie ihre Trauer aus. Aya überbringt ihr ein Blumenkörbchen, das ihr angeblich Solor geschickt habe. Als sie in das Körbchen greift, wird sie von der darin verborgenen Schlange gebissen. Der Oberpriester bietet Nikiya ein Gegengift an, das sie aber von sich wirft. Sie stirbt in Solors Armen


    ZWEITER AKT
    1. Bild: In Solors Zelt
    Verzweifelt über den Tod Nikiyas raucht Solor Opium, das ihm Magaveya gibt, um seinen Kummer zu besänftigen.
    2. Bild: Das Reich der Schatten
    In Solors Halluzinationen taucht das Reich der Schatten auf. Nikiya erscheint ihm und erinnert ihn an ihren Liebestanz um das heilige Feuer. Dieser sogenannte „weiße Akt“ bietet dem Corps de ballet die Gelegenheit zu vielerlei Schautänzen.
    3. Bild: In Solors Zelt
    Als die Soldaten kommen, um Solor für die Hochzeit vorzubereiten, verfolgt und verwirrt ihn weiterhin die Erscheinung Nikiyas.


    DRITTER AKT
    Im Tempel
    Vor dem Buddha tanzt das goldene Idol und die Priester bereiten die Hochzeit von Gamzatti und Solor vor. Das Paar tritt ein und die Bayadèren vollführen einen rituellen Tanz mit Kerzen, der an das heilige Feuer erinnern soll, das vor dem Tempel brennt. Der Radja, Gamzetti und Solor tanzen, aber Solor wird weiterhin von der Vision Nikiyas verfolgt, die nur er sehen kann. Während der Tänze erscheint ein mysteriöser Blumenkorb, der dem, den Nikiya erhielt, ähnelt. Gamzetti, erschrocken und vorn Reue geplagt, drängt ihren Vater, die Zeremonie zu beenden. Der Oberpriester vollzieht die Trauung, aber Solor ist nicht in der Lage, den Eid zu leisten. Die erzürnten Götter zerstören den Tempel und begraben alle unter den Ruinen. Die Geister Nikiyas und Solors sind nun in ewiger Liebe vereint.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Anmerkungen:
    Das Ballett war ursprünglich in vier Akten und sieben Bildern konzipiert. Außerhalb Russlands wurde es erst 1963 in Rio de Janeiro und später im Royal Opera House in London aufgeführt, in Deutschland erstmals 1998 in München.
    Der dritte, hier geschilderte Akt wird häufig nicht aufgeführt. Die Aufführung der Opera National de Paris, die die Hochzeit als zweiten und das Reich der Schatten als dritten Akt bezeichnet, aber den Akt im Tempel ebenfalls streicht, gibt es auf youtube in HD-Qualität.
    www.youtube.com/watch?v=lfTwzZIZ1JI
    Das Royal Opera House zeigt die vollständige Fassung (einschl. Tempelakt), die am 13, November 20.15 Uhr in den entsprechenden Kinos übertragen wird

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)