Heinrich Neuhaus (1888-1964) - der große Lehrer der russischen Pianistenschule

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    Anlässlich seines 130. Geburtstages brachte Melodya diese bemerkenswerte Box heraus. Der Name Heinrich Neuhaus ist den meisten Klavier- und Pianistenfreunden bekannt, weil er der Lehrer u.a. von Emil Gilels und Svjatoslav Richter war. Neuhaus stammt eigentlich aus dem niederrheinischen Kalkar, wo seine Eltern eine Klavierfabrik besaßen. Seit 1922 lehrte er dann am Moskauer Konservatorium. Er verfasste auch ein klavierpädagogisches Werk:



    Svjatoslav Richter lobte seinen Schumann - in der Jubiläumsbox ist eine Aufnahme der "Kreisleriana" vertreten, die ich noch hören muss. Gerade regelrecht becirct hat mich gerade seine von 1953 stammende Aufnahme des 1. Chopin Klavierkonzertes (Dirigent Alexander Gauk) - von wegen "russisches Expressivo": mit solcher Anmut, rhythmischer Grazie und so viel lyrischem Feingefühl gespielt ist das eine herausragende Aufnahme! Das wunderschöne Scriabin Cis-Moll-Klavierkonzert gestaltet er exemplarisch, die Charakterwechsel plastisch herausarbeitend und trotzdem den lyrischen Grundtonfall nie verlassend. Seine klar gespielten Debussy-Preludes gefallen mir besser als die von Svjatoslav Richter - ebenfalls sehr hörenswert ist seine Gesamtaufnahme von Prokofieffs Visions fugitives.



    Neuhaus war sympathisch bescheiden und hielt Svjatoslav Richter für den viel größeren Pianisten, mit dem er sich nicht vergleichen wollte - dass er ein Pianist war, der etwas zu sagen hatte, beweisen diese bemerkenswerten Aufnahmen! Mit Emil Gilels gab es später ein Zerwürfnis - der hochsensible Gilels verleugnete ihn später sogar als Lehrer, worunter Neuhaus offenbar sehr gelitten hat, was wiederum Svjatoslav Richter Gilels sehr übel nahm und den Kontakt mit ihm abbrach. Die Neuhaus-Schüler trafen sich so bei Neuhaus ohne Emil Gilels. Die wahren Gründe für das Zerwürfnis Gilels-Neuhaus sind aber nicht bekannt, denn es gibt leider keine Gilels-Biographie.


    Schöne Grüße
    Holger