To Go or not to Go....

  • Einleitung
    Bei einem Buch weiß jeder, wie er mit ungeliebter Lektüre zu verfahren hat. Das Buch landet irgendwo im Kohlenkeller für gebrauchte Bücher oder gleich im Papierkorb. Die Ehrfurcht vor dem Buch ("Wo man Bücher verbrennt...) ist natürlich Unsinn, Ehrfurcht verdienen nur gute Bücher.
    Wie ist es mit Oper und Konzert? Programmmacher früherer Tage wussten, wie man ein Sinfoniekonzert aufbauen musste:
    1. Ouvertüre (klassisch/romantisch), 2. Solistenkonzert oder ein modernes Stück, damit die Leute nicht abhauten. 3. Zur Beruhigung am Schluss eine große bekannte Sinfonie.
    In den vergangenen Jahrzehnten habe ich immer wieder Sinfoniekonzerte oder Opern nicht komplett angehört. Es begann 1964/5 in meinem Wiener Semester (Hörsäle: Staatsoper und Josephstädter Theater). Ich habe damals keine Rosenkavalieraufführung versäumt, allerdings nicht alle bis zu Ende. Die Wiener Philharmoniker bedienen die Staatsoper, allerdings oft mit jeder Menge von Substituten. Das hört man. 18.00: Beginn Rosenkavalier, 19.00: Ende des 1. Aktes, und Dr. Pingel auf der Flucht wegen der schlechten Orchestervorstellung.
    Die Frage hier: wie haltet ihr es mit selektivem Konzertbesuch? Erlaubt? Arrogant?

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Jetzt eine Reihe von Beispielen. Die Daten weiß ich oft nicht mehr!
    1. Duisburg, Klavierkonzert Rach 3, nicht gerade mein Lieblingswerk. Ich beschließe nach dem 2. Satz, die Halle zu verlassen. Rachmaninoff muss das geahnt haben, denn 2 auf 3 ist attaca
    2. Duisburg. Arditti-Quartett und Hilliard-Ensemble mit Musik von Victoria (unvergleichlich schlecht, denn mit 65 klingt ein Countertenor nicht) und einer Komposition von Rihm. 55 quälende Minuten, weil das Pulver nach 5 Minuten verschossen war. Wegen der Schuhe mit Klack-Absatz ein Entkommen nicht möglich. Nachher denke ich: ja klar, auf Socken rausschleichen.
    3. Klavierfestival Ruhr, Mülheim. Olli Mustonen an 2 Abenden mit allen Prokofiew-Klaviersonaten. Am ersten Abend bin ich so erschöpft (ich kannte nicht ein Stück), dass ich die Zugabe nicht gehört habe. Am 2. Abend kenne ich immer noch nichts und muss in der Pause nach Hause. Hier ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass das Verlassen eines Konzertes an mir liegt, weil mein Fassungsvermögen nicht mehr ausreicht. Eine wichtige Erkenntnis: der Komponist ist einfach zu weit weg vpn mir.

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  • 4. Essen, Philharmonie, Gambenmusik mit dem Ensemble Jordi Savall. Ich bin ein großer Verehrer dieses Interpreten, aber ich hatte ihn erwartet mit seinem Orchester und seinem Chor. Er kam aber mit 6 Gambisten und einer Theorbe. Sie spielten großartig. Trotzdem war nach einer Stunde mein Gamben-Akku randvoll und ich trat den Heimweg an. Lehre: wenn man ein Konzert verlässt, muss das nicht an der Qualität der Interpreten liegen!
    5. Essen, Philharmonie. Im Sinfoniekonzert waren an 2 Abenden angekündigt (halbszenisch) "Herzog Blaubarts Burg" und "Erwartung" von Schönberg. Nachdem ich auf YouTube fünfzehn Minuten Schönberg gesehen hatte, war klar, dass ich nach dem Blaubart das Haus verlassen würde, und zwar an beiden Tagen. In diesem Fall kamen zwei Gründe zu sammen: 1. Ich höre keinen Schönberg 2. Nach Blaubart kann nichts kommen. Dieses letztere Statement habe ich vor der Tür mit einigen rauchenden Musikern kurz erörtert. Dass nach Blaubart nichts kommen kann, fanden sie auch, und luden mich ein, mit ihrem Intendanten darüber zu reden.

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  • 6. Les talens lyriques in der Essener Philharmonie, neapolitanische Musik. Szenen und Arien von Leonardo Leo und Porpora, wunderbar gesungen vom Counter Christopher Lowry und dem Sopran Sandrine Piau. Schöne Werke, aber nicht die besten. Nach der Pause dann das Stabat Mater von Pergolesi. Himmlisch schön .Und natürlich keine Idee vom vorherigen Verlassen!
    7. Essen,Philharmonie, Einstein on the Beach von Ph. Glass. Ich kenne viele Werke von Glass, Reich, Adams. Vor allem liebe ich die Opern "Satyagraha" und "Echnaton". Dieses Stück war die Hölle. Es fing gut an, Chor und Instrumentalensemble waren bestechend. Danach aber kam ein Teil, in dem die Wiederholungen etwa 500x auftraten und kompositorisch nicht gerade gekonnt waren. Massenflucht unter meiner Beteiligung. Hier war es nicht das tolle Ensemble, sondern der Komponist.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • 7. Der letzte Akt und der seltsamste: Essen Philharmonie, "Serse" von Händel mit tollen Solisten und dem Barockensemble "Il Pomo d´Oro" nach der berühmten Cesti-Oper. Ein Stimmenfest und auch das Orchester absolut überzeugend. Nebenbei erfuhr man, dass das berühmte "Ombra mai fu" eine Platane besingt, in die sich Xerxes verliebt hat. Ich schätze Händel vor allem in seinen langsamen Arien wie etwa "Ombra mai fu" oder "Lascia la spina". Hier aber war mehr Virtuosität und Koloratur angesagt. Die Handlung war mehr als läppisch, sodass auch hier in der Pause der Exodus anstand. Draußen fragte ich 2 junge Leute, die viel von Musik verstanden, warum sie gegangen waren. Sie sagten: "Wir kamen wegen der Sänger und nach 90 Minuten war unser Bedarf an Händel gestillt." Ich war verblüfft: genau das war auch mein Grund früher zu gehen!

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  • Ein Rätsel zum Schluss: Ich werde im nächsten Jahr die 9. von Beethoven hören. Werde ich da auch den 4. Satz hören oder nicht? Wer es errät, bekommt Freikarten für ein Konzert meines Vokalensembles (da ist allerdings sowieso freier Eintritt!).
    Ein Fazit: es gibt viele Gründe, ein Werk zu verachten, wobei der Komponist nicht immer der Verursacher ist. Und ich muss sagen, dass das doch eine tröstliche Botschaft ist!

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  • Selektiven Konzertbesuch habe ich in meiner Jugend bei einigen bekannten Kritikern gesehen. Da gab es zwei, die oft Paarweise das Konzert besuchten, einer aber verließ das Konzert in der Pause.
    Dies nur am Rande - nun zum Thema:
    Die Mischung von zeitgenössischen Werken und Zugpferden der Klassik war schon in den frühen 70er Jahren ein kläglicher Versuch, die Gegener der Zeitgenössischen Musik zu ZWINGEN die ungeliebte Musik zu hören. Ergebnis: Die Leute kamen nach der Paus - oder gnfen nach dieser. Da gestaltete man listigerweise die Programme so um, daß man einfach nicht entkommen konnte. Beispielsweise kombinierte man das zeitgenössische Werk mit dem "Renner" des Konzertes. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten; Die Leute - darunter auch ich - MIEDEN einfach diese Konzerte.
    Ich war einfach nicht bereit für ein ganzes Konzert zu bezahlen, das mir a priori nicht zusagte.
    Eine weiterer Trick war, modernes Repertoire in "Jeunesse Konzerte" einzuschmuggeln.Das warenermäßigte Abonnementkonzerte im Wiener Konzerthaus für Leute unter 26. Ich erinnere mich noch genau, daß ich ein Konzert "Lutoslawski dirigiert Lutoslawski" verfallen ließ und mit dem gehässigen Statement (auch wenn es sich die heutigen Taminomitglieder und -Leser nicht vorstellen können - in meiner Jugend war ich scharfzüngig, izynisch und arrogant) bedachte: "Jeden Mist, den man den "normalen" Konzertbesuchern nicht zumuten kann, schmeisst man in die "Jeunessekonzerte" etwa vergleichbar mit "Jugendzimmern" in der Möbelbranche oder "Mensa"-Fraß.......
    mfg aus Wien
    Alfred

  • Guten Abend,


    ich war früher oft in der Stuttgarter Oper, hatte immer "Ehrenkarten" - und es war immer eine Freude für mich und meine damalige Lebensgefährtin. Aber einmal freitags, ich war etwas erschöpft......Alban Berg Lulu stand auf dem Programm - da ging ich in der zweiten Pause.....An der Garderobe fragte die Dame "- ach sie gehen jetzt auch schon " darauf meinte meine Freundin "er hat den letzten Akt geschlafen " - die Antwort war " das habe ich noch nie gehört, dass jemand dabei schlafen kann " ........sonst habe ich immer durchgehalten....


    Kalli

  • Lieber Dottore, dass Du bei Händels "Serse" früher gegangen bist, einer der schönsten und abwechslungsreichsten Opern, die Händel geschrieben hat, kann ich nicht verstehen. Es kann nur daran liegen, dass es eine konzertante Aufführung war, denn Oper gehört auf die Bühne - basta!


    Ich bin in einer Oper noch nie vor Ende gegangen, und im Konzert nur einmal. Das war in Berlin, eine Aufführung des DSO unter Metzmacher, bei der auf ein Stück, an das ich mich nicht mehr erinnere, das mich aber sehr ergriffen hat, die "Eroica" folgte. Da war ich einfach nicht mehr in der Stimmung, nun noch ein solch monumentales Werk zu hören, dass für mich überhaupt nicht mehr passte.

  • Lieber dr. pingel,
    Xerxes werde ich an der DOR sehen in einer sehr schönen Inszenierung. Ich mag ja konzertante Opernaufführungen, aber eine konzertante Händel Oper kann ich mir doch auch als sehr langatmig vorstellen, und aus diesem Grund hab ich mir trotzt Einheitspreis keine Karte für Essen besorgt. In der Oper in ich ein mal aus Don Giovanni in Düsseldorf geflüchtet, da die Sänger Mozart mit Wagner verwechselt haben und nur gebrüllt haben.

  • Jaja, die Programmzusammenstellung sieht meistens so aus, dass am Anfang etwas modernes kommt und dann das Konzert und die klassisch-romantische Sinfonie. Ich suche mir meine Konzerte immer nach Programm und Mitwirkenden aus, dabei in Betracht ziehend, dass vielleicht 10- 20 % mir nicht gefallen, weil modern. Damit kann ich leben und muss ich auch, sonst würde mir vieles entgehen, nur wegen ein bisschen schräger Musik. Nach langer Zeit bin ich allerdings im 1. Sinfoniekonzert der Komischen Oper Berlin vor der Pause gegangen. Im Jahresprogramm war die Programmreihenfolge Ravel Bolero, Corigliano (nie gehört) Schlagzeugkonzert (immerhin mit Martin Grubinger) und dann Holst Planeten. Ich kaufte mr dann dort das Programmheft, oh Wunder, die Reihenfolge hat sich verändert, nach dem Bolero die Planeten und dann das Moderne. In der Reihe hinter mir hörte ich dann sagen: " dann können wir ja in der Pause gehen". Das tat ich auch. Als ich dann in einer Kritik las, dass das viersätzige Schlagzeugkonzert wohl etwa 40 Minuten dauerte, war ich noch mehr erleichtert, mir und meiner Frau das nicht zugemutet zu haben. Wir haben zwei schöne Stücke mit dem guten neuen Chefdirigenten Ainars Rubakis gehört, der Abend war gerettet. In der Oper kannte ich das lange nicht, früher zu gehen. Jetzt war es gleich zweimal der Fall, zuerst, auch in der KOB, die Aufführung des "Ritter Blaubart". Zu dumm, dass ich mich noch gut an die legendäre Felsenstein-Inszenierung erinnern konnte. Die Neuproduktion ist davon eine ganz miserable Karikatur. Gräuliche Kulissen, schwache Sänger- und vor allem Regieleistungen. Das zweite Mal dann "Die Fledermaus" an der Deutschen Oper Berlin. Regie Roger Villazon. Von ihm hatte ich Puccinis "La Rondine" im Gedächtnis, das war ganz ordentlich. Aber jetzt!
    Nur Klamauk, schlecht verständliche Akteure, im 2. Akt Sowjetuniformen und russisch-deutsche Aussprache. Der 3. Akt spielt wohl in einem Raumschiff, das blieb uns dann erspart. Es ist schon erstaunlich, ich hab das sonst nie gemacht, jetzt aber dreimal in kurzer Zeit. Ich fürchte, das ist vielleicht nicht das letzte Mal.
    :hello:

  • Es gibt nicht nur gute und schlechte Aufführungen, sondern auch ein gutes und ein schlechtes Publikum. Von einem Publikum, das Niveau hat, erwartet man auch ein entsprechendes - nicht provinzielles, sondern weltstädtisch aufgeschlossenes - Verhalten. Peinlich ist, wenn in der Düsseldorfer Tonhalle ein Konzert des Royal Stockholm Philharmonic Orchestra unter Leif Sergerstam vom damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau gesponsort wird (die Karten sind deshalb erschwinglich) wegen der selten aufgeführten Symphonien des skandinavischen Schostakowitsch: Allen Petersson. Ich selbst hatte Petersson auch noch nie gehört - geschweige denn im Konzert. Was passierte: Vor der Pause gab es das Brahms-Violinkonzert, nach der Pause die Petersson-Symphonie. Nach der Pause kam die Hälfte des Publikums nicht wieder! Sich etwas, was man nicht kennt, einfach nicht anzuhören ist schlicht ein Armutszeugnis. Das blöde Publikum, das gegangen ist, hat auf diese Weise nicht nur Petersson, sondern auch die himmlisch gespielte Zugabe (das Orchester hat einen wahrlich betörenden Streicherklang!), den Valse triste von Sibelius, verpasst. Ebenfalls in der Düsseldorfer Tonhalle gab der Geiger Christian Tetzlaff ein Konzert mit Brahms und Bartok. Zum Bartok nach der Pause kam auch die Hälfte des Publikums nicht wieder. In einer Konzertpause sagte mal Jemand über ein Pollini-Konzert in Köln: Der Chopin war ja gut und schön - aber warum muss er denn Debussy spielen?


    Pollinis Einstellung finde ich vorbildlich: In Salzburg spielte er in den 80igern erst Brahms, dann zwei Stockhausen-Klavierstücke und danach die Hammerklaviersonate. So muss man es machen! (Peinlich, dass bei Youtube der Stockhausen aus besagtem Konzert fehlt!) Umgekehrt endete sein Programm bei einem Stockhausen-Jubiläumskonzert in Köln (März 2009) mit Schumanns Fantasie op. 17 - als Zugabe gab es ein Chopin-Nocturne. Das Konzept - die Mischung von Alter, romantischer und Neuer Musik - geht auch auf. In Bielefeld wird das seit Jahren mit Erfolg praktiziert (so das Programm: erst Hildegard von Bingen, dann Giavinto Scelsi und dann Beethovens 9.) und kein Mensch läuft aus dem Saal. Wer neugierig und aufgeschlossen ist, der riskiert eben auch mal etwas zu hören, wo er hinterher sagt: Das hat mir nicht gefallen. Die Alternative ist die öde ewige Wiederkehr des Gleichen, das Hören immer derselben Publikumsreißer bis zum Erbrechen. Wer das gut findet - und auch die Ignoranz, vor dem vielleicht Ungewohnten und Ungehörten wegzulaufen - der darf sich nicht wundern, wenn die Freunde von Jazz- und Rockmusik sagen: Die Klassik-Hörer sind alle Staubis, die kein Blut mehr in den Adern haben. So jedenfalls bewegt sich die sogenannte Klassik selber ins Abseits, wird zur Rentner-Musik und wird keine jungen Hörer gewinnen.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Ein Konzert habe ich noch nie vor dem Ende verlassen. Ich weiß ja vorher, was mich erwartet, und so schlecht war bisher noch kein Orchester, daß ich deshalb gehen mußte.
    In der Oper bin ich allerdings schon mehrfach zur Pause gegangen. Die Gründe sind bekannt, warum ich manches nicht zu Ende sehen kann oder will. Jetzt passiert das nicht mehr, da das Internet und auch die Presse mich vorher warnt und mir szenische Enttäuschungen erspart bleiben.


    Das schlimmste Erlebnis dazu hatte ich in Weimar, wo man zu Beginn der RT-Zeit die Boheme im 2. Akt in ein american Football Stadion verlegte und der Tenor schon im 1. Akt mehrfach patzte. Die Wartezeit auf die Pause nach dem 2. Akt wurde zur Qual. Seitdem war ich nie wieder in Weimar.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Corigliano (nie gehört) Schlagzeugkonzert (immerhin mit Martin Grubinger)


    Nie gehört? Da scheint in den letzten Jahren ziemlich viel an Dir vorbei gegangen zu sein!


    "John Corigliano ist einer der
    begabtesten Komponisten unserer
    Tage. Seine Musik ist individuell,
    einfallsreich, handwerklich
    meisterhaft und einfach
    berauschend für die Ohren."

    Aaron Copland


    In Hamburg gab es dafür Standing Ovations und fast eine halbe Stunde lang Zugaben!!!

  • Ein Konzert vor Schluss zu verlassen? Das habe ich noch nie gemacht. Empfände es auch als repektlos den Künstlern gegenüber. Mal so unter uns Pastorentöchtern: wir wissen doch alle mehr oder weniger, worauf wir uns bei Konzerten einlassen. Die Selektion findet doch mit dem Kauf der Karte statt. Niemals würde ich eine Karte für Roger Norrington kaufen, brrrrr. Ansonsten sehe ich ja, was auf dem Programm steht, kann mir auch eine Vorstellung davon machen, wie der Abend wohl werden wird. Riesig enttäusch wurde ich nur einmal, als Daniel Barenboim Sylvester 1993 in Köln mit Beethovens 9. und seinem neuen Berliner Orchester antrat. Das war ganz fürchterlich. Ärgerlich war das vor allem in Zusammenhang mit dem hohen Preis (200,00 DM pro Karte). Dass es keine perfekten Promme gibt sollte uns wohl klar sein. Aber wenn ich Rach 3 nicht mag -was ja üblicherweise als Hauptwerk gespielt wird- warum gehe ich dann überhaupt hin? Bei Opern lkann man sich mittlerweile auch vorab ein Bild machen, wie die Inszenierung wohl werden wird. Vergleiche mit Aufnahmen von All-Star-Ensembles sollte man für den Abend am besten auch vergessen. Ich bin der Meinung, dass ich auch hier meine Entscheidung bereits beim Kauf der Karte treffe. Also auch hier kein Grund, vorher zu gehen.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Vor der Pause gab es das Brahms-Violinkonzert, nach der Pause die Petersson-Symphonie. Nach der Pause kam die Hälfte des Publikums nicht wieder!


    Ich finde daran nicht Peinliches.
    Und ich finde es ehrlich gesagt schon sehr gewagt das KONSERVATIVE, NICHT DUMME !! Publikum zu verunglimpfen.
    Und selbstverständlich stelle ich mich dem entgege, denn ansonsten vergrauelen wir ja alle konservativen Beitrittswilligen aus diesem Forum, welche ohnedies erst 3-5 Jahre prüfen ob sie diesen Schritt tun sollen.
    Es ist ja so, daß es , wenn man etwas nicht gehört hat, dann heisst das nicht daß man es nicht kennt. Wenn ich beispielsweise das Wort "Avantgarde" höre, dann weiß ich, daß das nicht wirklich das ist, was ich hören will. Nun betreibe ich aber ein Klassikforum, und da nehme ich auch Rücksicht auf die Anhänger der Moderne (die zu Forenbeginn nicht mal als Mitglieder zugelassen waren)
    Wenn ein Konzert "gesponsert" ist, dann sagt mir eine innere Stimme, daß das seinen Grund hat.
    Ausserdem weiss man nicht, ob das "dumme" Publikum nicht schon mal Petersson gehört hat - und ausserdem ist ja auch Schostakowitsch und seine Umgebung nicht jedermanns sache. Es gibt ein durchaus gebildetes Publikum, welches eben der Wiener und Mannheimer Klassik zugeneigt ist, die frühen Romantiker mag, und spätbarocke Musik ebenfalls im Beuteschema hat. Darüber hinaus ist Sendepause.
    Man stelle sich vor - sie hören keine "schräge" oder "sperrige" Musik - obwohl die derzeiit gar nicht von einer Diktatur verboten ist.
    Unangenehme Musik mit "weltstädtisch aufgeschlossenem - Verhalten" in Verbindung zu bringen - ist das "erlaubt" ? In gewisser Weise ja, es fragt sich bloß was damit gemeint ist- ein (euphemistisch ausgedrückt) "Schmelztiegel wie New York, oder London, wo es eigentlich nur meir ein Multi-Kulti-Misthaufen ist ? Das kann man natürlich auch als "weltstädtisch" betrachten. Als ich neulich im Rahmen meines Filmprojektes nach optisch ansprechenden Lokations in Wien suchte, war ich entsetzt; Die Prolos hatten alles mit ihren Graffitis beschmiert. Irgenwem (ich erinnere mich nicht genau wo und wer das war) klagte ich mein Leid, und bekam zu hören: "Das ist doch kein Unglück, das ist eben das "Markenzeichen" einer Großstadt"
    Auf derlei kann ich liebend verzichten.

    Zitat

    Wer neugierig und aufgeschlossen ist


    Ich bin NICHT NEUGIERIG - und auch nicht aufgeschlossen - dennoch verwahre ich mich dagegen als (implizit) "DUMM" bezeichnet zu werden
    Es ist ein Kennzeichen von Intelligenz, drohendes Ungemach auf Grund der Lebenserfahrung, der Literatur und Infos aus dem Internet mit einieger Wahrwscheinlichkeit voraussehen zu können und ihm auszuweichen oder es auszuschalten.
    Sonst wäre das Sammeln von Erfahrungen ja sinnlos.
    NUR KINDER (mit Ausnahme derer, die man als "altklug" bezeichnet - zu dieser Gruppe gehörte einst ich - ein Schrecken für alle "mittelgebildeten" Erwachsenen) gehen ohne jegliches Vorurteil an eine Sache heran, und richten dann oft entsprechenden Schaden an oder fallen Scharlatanen in die Hände. Genau deshalb kann ich mit Kindern wirklich nichts anfangen, we übrigens mit allen Leuten, die eher emotionell als intellektuell gesteuert sind.

    Zitat


    die Mischung von Alter, romantischer und Neuer Musik - geht auch auf. In Bielefeld wird das seit Jahren mit Erfolg praktiziert


    Ja in Bielefeld mit ihren EinWohnenr mit "Weltstadtattitüde" ;):untertauch:


    Zitat

    der darf sich nicht wundern, wenn die Freunde von Jazz- und Rockmusik sagen: Die Klassik-Hörer sind alle Staubis, die kein Blut mehr in den Adern haben.


    Ich wundere mich nicht, weil es mir völlig egal ist was die Rockmusik-Anhänger sagen. Die nehme ich nicht ernst, da gibt es keine Berührungspunkte.
    Die Jazzfreunde sind selbst gegen den Klassikhörern in der Minderzahl (was ich eigentlich lange nicht wusste) Es gab in Wien einen wirklich vorzüglich ausgestatteten Laden (Red Octobus Records), quasi eine Institution, der aber schon 2009 schließen musste (oder wollte ???)
    Also auch nicht grade ein Vorbild oder eine Referenz


    Zitat

    Die Klassik-Hörer sind alle Staubis, die kein Blut mehr in den Adern haben.


    Wer sich mich zum Feind macht, dem gebe ich gerne Gelegenheit, die (IMO unangenehme) Erfahrung zu machen, wie viel Blut ich noch in den Adern habe.. :D

    Zitat


    So jedenfalls bewegt sich die sogenannte Klassik selber ins Abseits, wird zur Rentner-Musik und wird keine jungen Hörer gewinnen.


    Es war und ist nicht meine Absicht "Junge Hörer" für die Klassik zu gewinnen.
    Das ist auch nicht nötig. Ein gewisser Kreis von Leuten hört Klassik schon in frühester Jugend. der ist aber sehr klein.
    Dann gibt es jene Stoffel, die IMO völlig unmusikalisch sind und über ein rhytmisch bestimmtes Gedröhne nicht hinauskommen - Auch gut.
    Diejenigen, die aber in der Jugend sich eher mit "Discomusik" etc befssten stehen eines Tage vor der Disco und der edle Security-Mann an der Tür sagt: "Zu alt für unseren Klub" oder "Wir sind kein Greisenheim" oder etwas ähnliches. Besser geschulte Kräfte benutzen die Ausrede "Wir sind überfüllt"
    Irgendwann begreift dann auch der von sich überzeugte "Langzeitjugendliche", daß ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat.
    Nicht alle - aber ein gewisser Prozentsatz entdeckt dann die Welt der erstklassigen Restaurants, der teuren Parfums, der eleganten Modehäuser, der Konzert- und Opernhäuser, der Klassik-CDS. der Weltliteratur, aber vielleicht auch "nur" des guten Krimis" - und eine neue Welt tut sich auf.
    Das Tamino Klassikforum ist ein Teil dieser Welt. Nicht für jedermann interessant - aber doch für einige.


    Und hiermit schliesse ich den großen Bogen und komme zurück zum Titel:


    Auch bei Tamino Klassikforum erhebt sich die Frage:


    To Go or not to Go...


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Also mir persönlich sind ja die Leute, die nach der Pause nicht wiederkommen deutlich lieber, als die, welche sich während des Stückes möglichst noch aus der Mitte des Parketts laut rumpelnd (es soll ja auch jeder merken und ausreichend wertschätzen, dass es nicht gefallen hat, oder auch nur die Bahn, der Bus, das Restaurant etc. noch erreicht werden muss!) auf den Weg machen ... Ansonsten halte ich es ziemlich so, wie Thomas Pape und denke bei mir, wer zu blöd ist, sich zu informieren, ist eigentlich überhaupt zu blöd für Konzert oder Oper :untertauch:

  • Nach der Pause kam die Hälfte des Publikums nicht wieder! Sich etwas, was man nicht kennt, einfach nicht anzuhören ist schlicht ein Armutszeugnis. Das blöde Publikum, das gegangen ist, hat auf diese Weise nicht nur Petersson,


    Oh Gott, wenn ich das gesagt hätte..........(Hervorhebung von mir).



    La Roche
    Da gehe ich bei diesen Zitaten von MSchenk und Thomas Pape schon eher mit:
    "Ansonsten halte ich es ziemlich so, wie Thomas Pape und denke bei mir,
    wer zu blöd ist, sich zu informieren, ist eigentlich überhaupt zu blöd
    für Konzert oder Oper. "


    Nur eine Frage dazu: Gilt das Informieren auch für Rezensionen oder Trailer div. Operninszenierungen als Kriterium für den Erwerb von Opernkarten, lieber MSchenk? Das wundert mich aber doch!! Ich kann Dir ...zig Beispiele hier aus dem Forum nennen, wo Personen deswegen heftig angegriffen wurden, weil sie den Besuch bestimmter Inszenierungen nur aufgrund vorheriger Informationen abgelehnt haben?!?!


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Übrigens, was die Information betrifft: der Schwede heißt nicht Peterson, sondern Petterson. Ansonsten danke ich euch für die lebhafte Diskussion, weil auf diese Weise doch viele Aspekte diskutiert werden.
    Eine Pointe haben allerdings die meisten übersehen, das liegt wohl daran, dass die erst mit diesem thread mir selber klar geworden ist. Man kann auch gehen, obwohl die Produktion absolut makellos ist, weil man einfach nicht mehr aufnehmen kann. Das ist ein Phänomen, das mich noch lange beschäftigen wird.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Nur eine Frage dazu: Gilt das Informieren auch für Rezensionen oder Trailer div. Operninszenierungen als Kriterium für den Erwerb von Opernkarten, lieber MSchenk? Das wundert mich aber doch!! Ich kann Dir ...zig Beispiele hier aus dem Forum nennen, wo Personen deswegen heftig angegriffen wurden, weil sie den Besuch bestimmter Inszenierungen nur aufgrund vorheriger Informationen abgelehnt haben?!?!

    Na ja, solange sich die Vorbereitung auf die Betrachtung eines einzigen Photos beschränkt, halte ich die Entscheidung, eine Inszenierung nicht zu besuchen für nicht unbedingt valide. Zudem finde ich es fragwürdig, die Entscheidung, etwas nicht sehen zu wollen, nur deshalb - so jedenfalls häufig mein Eindruck - lauthals hinauszuposaunen um eigentlich über das RT im allgemeinen und den "schwachsinnigen" Regisseur im speziellen herziehen zu können. - Letztlich aber muss natürlich jeder für sich entscheiden, welche Maßstäbe und Kriterien er anlegt.

  • Nur eine Frage dazu: Gilt das Informieren auch für Rezensionen oder Trailer div. Operninszenierungen als Kriterium für den Erwerb von Opernkarten, lieber MSchenk? Das wundert mich aber doch!! Ich kann Dir ...zig Beispiele hier aus dem Forum nennen, wo Personen deswegen heftig angegriffen wurden, weil sie den Besuch bestimmter Inszenierungen nur aufgrund vorheriger Informationen abgelehnt haben?!?!


    Herzlichst La Roche


    Ich kann jetzt nicht für die Oper sprechen, lieber LaRoche, und wenn, dann nur für mich. Rezensionen nehme ich nur selten ernst. Für einen Konzertaben heute Abend im Dortmunder Konzerthaus erschien in den Dortmunder Ruhr-Nachrichten (die Zeitung hat auch schon bessere Jahre gesehen) ein halbseitiger Artikel, der allerdings in einer Weise inhaltslos war, daß er gewiss nichjt zum Konzert eingeladen hätte. Es gibt das Scherzo serioso von Pavel Haas, Bartoks 3. Klavirkonzert mit Gerhard Oppitz als Solisten und Bruckners 9. Das mir nicht bekannte Werk ist das von Haas, die beiden anderen sind mehrfach in meiner Sammlung vertreten. Und ich denke, dass es vielen von uns so gehen wird: wir blicken zumeist auf einn längeres Hörerleben zurück, meine Plattensammlung beginnt bei geistlicher Musik des 10. Jh. und endet bei Peteris Vasks. Ganz schwach sind bei mir Oper und Liedgesang. Nicht vorhandene Werke lassen sich i.d.R. beim Werbepartner oder youtube anteasern, so daß ich schon weiß, ob das ein Konzert ist, in dem sich auch miene Frau zufrieden wieder findet oder eben nicht. Das meine ich mit informieren. Beethovens Klaviersonaten kennt man ja. Würden die hier zyklisch aufgeführt (oder einzelne davon) würde sich die Frage nach dem wie, nicht nach dem was stellen. Und auch da kann ich schon wieder selektieren. Das meinte ich persönlich mit informieren.
    Der Aspekt der Aufnahmefähigkeit ist gewiss einer. Bei Dr. Pingel kann ich mir allerdings schlecht vorstellen, dass der in einem durchschnittlichen Konzert erreicht werden kann. Sättigung schon eher.
    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Ein leicht nebenläufiger Aspekt, der mir grad einfällt: Manchmal ist es ja auch ganz schön, bis zum Schluß zu bleiben und sich dann gewissermaßen auch selbst für das Durchhalten zu applaudieren. - Klassisches Beispiel hierfür etwa Parsifal, Siegfried, Götterdämmerung oder auch eine beliebige Robert Wilson-Inszenierung :pfeif:

  • Und jetzt spricht wieder nur der Opernfreund in mir. Manchmal haben meine Frau und ich uns auch schon gezwungen, bis zum Schluß zu bleiben, obwohl die Inszenierung dazu anregte, das Theater zu verlassen.
    Ich erinnere mich an ein Beispiel in Dessau, es gab den Rosenkavalier. In meiner Rangliste weit vorne, obwohl ich die Längen keineswegs als "himmlisch" beschreiben würde. Die Inszenierung fanden wir beide so furchtbar (gesanglich war es das erwartete hohe Dessauer Niveau mit dem damals noch hoffnungsvollen Andre Eckart als Ochs), daß uns nur die Erwartung auf die Reaktion des Publikums verweilen lies. Allerdings nicht mit dem Gedanken "verweile doch, Du bist so schön...", sondern in der Hoffnung auf einen Buh-Orkan.


    Es war dummerweise die Premiere. Die Fans beider Lager waren etwa gleich stark, dennoch kam es zu einem mindestens 15-minütigem Buh- und Bravoduell, wie ich es noch nie erlebt hatte. Dem Regisseur (den unwichtigen Namen habe ich vergessen) war´s egal, der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan. Gewonnen hat keine Seite, aber meine Abneigung gegen RT wurde nicht weniger. Eines ist mir noch in Erinnerung geblieben - die Oper endete mit der Musik von Richard Strauß, aber ohne den Schlußauftritt des Mohren, sondern Octavian und Sophie schritten Hand in Hand in eine glutrote untergehende Sonne, der ersten gemeinsamen Nacht oder einer leuchtenden Zukunft entgegen. Musik und Handlung paßten auch in dem Moment nicht zusammen.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Riesig enttäusch wurde ich nur einmal, als Daniel Barenboim Sylvester 1993 in Köln mit Beethovens 9. und seinem neuen Berliner Orchester antrat. Das war ganz fürchterlich.

    Warum wundert mich das jetzt nicht? :D

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Ich kann zu diesem Thema noch einen ganz anderen Aspekt beisteuern:


    da ich gut 40 mal in der Saison in der Kölner Philharmonie bin, erlebe ich immer wieder, und zwar bei jedem Programm und an jedem Wochentag, dass die Zuschauer schlag nach dem letzten Akkord, wenn der Beifall aufbrandet, beginnen abzwandern und zwar vorzugsweise dann, wenn das Progamm etwas länger dauert, als ist erwartet haben. Zuletzt habe ich das erlebt am Sonntag vor einer Woche beim Klavierrecital von Tzimon Barto, als er asls letzten Programmpunkt Chopins Andante spianato e Grande Polonaise brillante op. 22 spielte. Da war das Konzert pünktlich um 21.55 Uhr zu Ende, und es war grandios gewesen. Ich kann mir das nur so erklären aufgrund der vermutlichen Struktur des Kölner Punblikums. Da kommen sicherlich viele aus den Vororten und dem Umland und benutzen den örtlichen Nahverkehr. Sie wollen dann auch zeitnah wieder zu Hause sein.
    In disem Falle haben sie zwei wundebare Zugaben verpasst, d. h. ein Teil der Frühabgänger hat nur eine Zugabe verpasst. Beide zusammen dauerten ca. 17 Minuten, und eine Künstlerin/ein Künstler gibt die Zugaben ja auch, weil das Konzert so gelungen war und weil er//sie so reichen Beifall erhalten hat.
    Besonders krass ist ds immer bei Recitals von Grigroy Sokolov. Er gibt ja prinzipiell 6 Zugaben, und die dauern in der Regel eine Dreiviertelstunde. Und da vor der ersten Zugabe und nach jeder weiteren Zugabe weitere Zuschauer gehen, ist nach der sechsten Zugabe der Saal manchmal nur noch halb voll, während das Konzert regelmäßig ausverkauft ist. Aber Sokolov kümmert das anscheinend nicht. Er spielt die Zugaben für die, die bleiben. In den ersten Jahren habe ich deswegen in Köln übernachtet, weil ich keine Zugabe verpassen wollte. Mittlerweile fahren die Nahverkehrszüge auch in der Woche abends etwas länger, sodass ich auch den nächsten Zug noch nehmen kann, um nach Hause zu kommen.
    Aber grundsätzlich ist es für mich eine Ehre, jede Zugabe anzuhören und natürlich kommt es für mich gar nicht in Frage, in der Pause zu gehen oder erst nach der Pause zu kommen, nur weil etwas Modernes gespielt wird. Auf diese Weise lerne ich mehr moderne Stücke kennen und gewinne doch positive Aspekte, die ich ohne diese Unart des Frühergehens nicht kenngelernt hätte.

    Außerdem: mit welchem Recht kann ich den Musiker kritisieren, dass er moderne Stücke auf sein Programm setzt, die ich nicht leiden mag? Stehe ich etwas über den Ausübenden oder gar über den Komponisten?
    Dann stelle ich mich etwa auf eine Stufe mit dem damaligen österreichischen Kaiser Franz Josef, der, so wurde es kolportiert, Mozart vorgeworden habe, nach der Uraufführung einer seiner Opern, (war es nun die Entführung oder die Nocce?), sie wäre ja ganz gut, nur habe sie zu viele Noten.


    Liebe Grüße


    Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • [...]Dann stelle ich mich etwa auf eine Stufe mit dem damaligen österreichischen Kaiser Franz Josef, der, so wurde es kolportiert, Mozart vorgeworden habe, nach der Uraufführung einer seiner Opern, (war es nun die Entführung oder die Nocce?), sie wäre ja ganz gut, nur habe sie zu viele Noten.

    Lieber Willi, Kaiser Joseph reicht, den Franz kannste weglassen, denn es war Joseph II., der Kaiser, nicht der aus dem Forum hier, der Mozart nach der Aufführung der "Entführung" den Vorwurf der viel zu vielen Noten gemacht haben soll. ;)


    Zum eigentlichen Thema kann ich beisteuern, dass ich nur einmal während meiner "aktiven Zeit" eine Opern-Vorstellung (Rosenkavalier in Duisburg) vorzeitig (wegen eines Magen-Darm-Problems) verlassen musste - aber während der Pause, nicht so mittendrin. Ansonsten habe ich wirklich immer bis zum Schluss ausgehalten, und wenn es auch noch so schlimm war! Schlimm z.B. das Orchesterkonzert in den sechziger Jahren in Hagen mit der Uraufführung von Lutoslawskis "Livre pour Orchestre". Der Gott des Vergessens hat mir allerdings jegliche Erinnerung daran genommen. Und ich trauere nicht darüber.


    :hello:

  • Zitat

    Außerdem: mit welchem Recht kann ich den Musiker kritisieren, dass er moderne Stücke auf sein Programm setzt, die ich nicht leiden mag?


    Mit dem Recht des zahlenden Kunden, aber das nur am Rande, denn es ist natürlich niemand gezwungen in ein Konzert zu gehen, dessen Programm einem nicht behagt.
    Aber ich glaube nicht, daß im allgemeinen der Interpret das Program macht, es ist eher der Veranstalter.
    Welches ist die Kraft, die immer wieder ungeliebte Stücke auf die Programme setzen lässt, obwohl sie ein Großteil des Publikums nicht mag ein großer Prozentsatz nicht mag ? War das nicht der Fall müsste man "das dumme Publikum" nicht zwangsbeglücken !!
    So setzt man "Speisen auf die Speisekarte" die viele nicht essen wollen, oder - ein noch treffenderer Vergleich - auf die Menükarte.
    Wems nicht schmeckt - egal - die Karten sind bezahlt - und wenn nicht - dann findet sich ein Sponser oder - noch besser - der Staat.
    Da stört dann auch die "Dummheit des Publikums" nicht mehr, dessen Steuergelder sind willkommen.
    Diese Kraft ist "Pecunia Nervus Rerum", denn die "Klassiker" sind frei von Tantiemen.


    mfg aus Wien
    Alfred


  • Aber ich glaube nicht, daß im allgemeinen der Interpret das Programm macht, es ist eher der Veranstalter.


    Schon richtig. Und der setzt eher konservative Stücke aufs Programm, wenn er pekuniären Erfolg haben will. Siehe die USA. Der Interpret ist ja nicht der Tanzbär des zahlenden Publikums sondern spielt das, wovon er überzeugt ist. Ein guter Komponist schreibt das, wovon er überzeugt ist, ein schlechter wie Dieter Bohlen biedert sich dem Publikum an. Über den redet allerdings irgendwann auch niemand mehr. Ich zitiere aus dem Jascha Horenstein-Thread:


    [Soviet orchestras] can only be compared with the very best in the USA. The marvelleous thing about the Russian music business is the complete elimination of the profit principle. That's the key to everything. When I was asked in 1933 by the manager of the Leningrad Philharmonic to compile a program I answered jokingly: The best thing would be to bring out five or six living composers: "Hindemith, Krenek, Roussel and so on". Every other manager would have kicked me out. Who would pay for it? But this one answered cooly: "allright"! And the program was carried through."


    Diese Feststellung stammt von dem Dirigenten Jascha Horenstein, getroffen in einem der Interviews, die er in späteren Lebensjahren gegeben hatte.


    Nun, es ist bekannt, dass Sowjet-Orchester eine riesigen Bandbreite an Musik gepflegt haben, aber auch das, weil das Wirtschaftsprinzip nicht im Vordergrund stand. Ein Konzertprogramm ist ein Angebot, you may take it or leave it. Die gehobene Gesellschaft kann sich ja wie früher der Adel ihre eigenen Huis-Clos-Konzertereignisse schaffen.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Welches ist die Kraft, die immer wieder ungeliebte Stücke auf die Programme setzen lässt, obwohl sie ein Großteil des Publikums nicht mag ein großer Prozentsatz nicht mag ? War das nicht der Fall müsste man "das dumme Publikum" nicht zwangsbeglücken !!
    So setzt man "Speisen auf die Speisekarte" die viele nicht essen wollen, oder - ein noch treffenderer Vergleich - auf die Menükarte.
    Wems nicht schmeckt - egal - die Karten sind bezahlt - und wenn nicht - dann findet sich ein Sponser oder - noch besser - der Staat.
    Da stört dann auch die "Dummheit des Publikums" nicht mehr, dessen Steuergelder sind willkommen.


    Der Vergleich ist alles andere als treffend, denn öffentlich finanzierte Symphonieorchester haben auch einen Bildungsauftrag. Und der wird bestimmt nicht dadurch erfüllt, dass nur solche Stücke aufs Programm gesetzt werden, die der Mehrheit des Publikums munden.


    Bei solchen Argumentationen wird auch immer gerne vergessen, dass Klassikhörer eine kleine Minderheit unter den Steuerzahlern sind. Wenn man also die Mehrheitsmeinung als das ausschlaggebende Kriterium heranzieht, könnte man alle Opernhäuser und Symphonieorchester schließen und würde bestenfalls nur noch Musicals spielen. Oder man müsste die Preise so erhöhen, dass sie kostendeckend wären, mit der Konsequenz, dass sich kaum noch jemand einen Konzertbesuch leisten könnte, von Oper ganz zu schweigen.

  • Ich finde daran nicht Peinliches.
    Und ich finde es ehrlich gesagt schon sehr gewagt das KONSERVATIVE, NICHT DUMME !! Publikum zu verunglimpfen.

    Wenn ein Konzert "gesponsert" ist, dann sagt mir eine innere Stimme, daß das seinen Grund hat.

    Die Landesregierung von NRW hat damals eine ganze Konzertreihe gesponsort, wo es darum ging, einen in Deutschland nahezu unbekannten und unaufgeführten Komponisten dem deutschen Publikum bekannt zu machen: Allan Pettersson. In mehreren Städten in NRW (Düsseldorf, Wuppertal...) wurden alle 15 seiner Symphonien aufgeführt, soweit ich mich erinnere. Dazu hat man die führenden skandinavischen Orchester eingeladen, welche seine Musik in Skandinavien aufführen. Wer also eine Karte für eins dieser Konzerte gekauft hat, der hat eine Karte für ein Pettersson-Konzert gekauft. Der Brahms etc. ist Beiprogramm. Da kommen also schwedische Musiker und spielen ihren schwedischen Nationalkomponisten, dessen Bedeutung man gerade international zu erfassen anfängt und dann erlaubt es sich ein deutsches Publikum, nur den deutschen Brahms von ihnen hören zu wollen und straft ihre schwedische Musik mit Missachtung. Das ist nicht nur peinlich, sondern eigentlich eine Beleidigung, die allein schon der Anstand verbietet. Und dumm ist, einen so außergewöhnlichen Klangkörper nicht ein volles Konzert zu hören und die wirklich traumhaft gespielte Zugabe zu verpassen.

    NUR KINDER (mit Ausnahme derer, die man als "altklug" bezeichnet - zu dieser Gruppe gehörte einst ich - ein Schrecken für alle "mittelgebildeten" Erwachsenen) gehen ohne jegliches Vorurteil an eine Sache heran,

    Deswegen sollte man sich auch die Kindlichkeit des Gemüts bewahren... ;)


    Schöne Grüße
    Holger