To Go or not to Go....

  • Eine Bitte am Rande: raubt nicht dem Pettersson das 2. t!
    Ansonsten finde ich das hier eine spannende und durchaus entspannte Diskussion!! :D

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Eine Bitte am Rande: raubt nicht dem Pettersson das 2. t!
    Ansonsten finde ich das hier eine spannende und durchaus entspannte Diskussion!! :D

    Danke! Habs gleich korrigiert! (Inzwischen habe ich endlich alle seine Symphonien in der cpo-Ausgabe - muss mir allerdings noch die Zeit nehmen, mich da reinzuknien. Er ist ja ein hoch origineller Komponist, der wirklich in keine Schublade passt und lohnt die intensive Auseinandersetzung.) :hello:

  • Zitat

    Alfred Schmidt: Aber ich glaube nicht, daß im allgemeinen der Interpret das Program macht, es ist eher der Veranstalter.


    Aber es gibt auch Ausnahmen, z. B. in meinem bevorzugten Interessensgebiet, der Klaviermusik. so in der Vergangenehit Alfred Brendel, und in der Gegenwart Grigory Sokolov, die haben bzw. spielen in einer ganzen Saison immer das gleiche Programm (gespielt). Und Alfred Brendel, der in seinen jungen Jahren durchaus auch mall zeitgenössische Komponisten aufnahm wie Prokofieff, Strawinsky oder Schönberg, nahm in seinen späteren jahren für sich das Recht in Anspruch, sich auf Werke hauptsächlich der Klassik und der Romantik zu beschränken, höchstens ab und zu auch mal etwas aus dem Barock zu spielen, und wenn, dann meistens Bach. Und Sokolov spielt außer den großen Meistern der Klassik und Romantik noch die großen russischen Meister, teilweise auch noch der Romantik zugehörig, dazu Rachmaninov ,Arapow, Skrjabin, Strawinsky und ebenfalls Prokofieff. Und Brendel hatte, und Sokolov hat, wie man so schön sagt "die Hütte immer voll", desgleichen Pollini, der seinen großen Beethoven-Abend im September wieder mit Schönberg eröffnet hätte, wenn er nicht krank geworden wäre, aber er wollte ihn mit der Hammerklaviersonate beenden. Wenn er denn das Konzert tatsächlich im Januar nachholen will, kann ich leider nicht zur Stelle sein, weil ich dann eher in den Gefilden von Mahatma Gandhi und Mutter Teresa lustwandeln werde. Aber das ist auch bestimmt sehr schön und das kann ich ja nicht Gott weiß wie oft im Jahr haben im Gegensatz zu der Musik in Köln oder anderswo.
    Wenn ich fit bleibe, werde ich noch eine grandiose Musiksaison erleben nach bereits 15 erlebten Konzerten (incl. der vergangenen Festivalsaison mit 8 Konzerten in 6 Tagen).
    und ab übermorgen geht es schon weiter mit 4 Konzerten in 6 Tagen:
    - Aurelien Pascal, Cello, Christoph Poppen, Kölner Kammerochester, Haydn, Schumann und Beethoven (16.)
    - Leif Ove Andsnes, Klavier, Herbert Blomstedt, Staatskapelle Dresden, Brahms (18.)
    - Arcadi Volodos, Klavier, Schubert, Scrjabin und Rachmaninow (19.)
    - Christian Teztzlaff, Violine, Paavo Järvi, Deutsche Kammerphilharmoie Bremen, Brahms, Schubert (19.)
    Dann muss ich bis zum 8. Dezember warten, bis ich endlich nach zwei vergeblichen Anläufen an der Düsseldorfer Rheinoper Humperdincks "Hänsel und Gretel" erleben werde in einer seit Jahrzehnten bewährten Inszenierung. Höre ich da schon die Einen mit der Zunge schnalzen und die anderen missbilligend ihr weises Haupt schütteln?


    Wenn ich hier schon mal auf den Höhepunkt der "Modernen Musik" vorausschauen darf, dann gibt es am Vorabend meines Geburtstages, (aber nicht deswegen) in Köln , den, wenn ich das richtig mitbekommen habe, letzten Teil eines sich über mehrere Jahre erstreckenden Projektes mit Werken von Pilippe Manoury:


    Odysée Europa (2018)
    Lab.Oratorio für Stimmen, Orchester und Live-Elektronik
    Koproduktion von Gürzenich-Orchester Köln, IRCAM, Philharmonie de Paris und Elbphilharmonie Hamburg


    ich habe m. E. bisher nicht einen Teil dieses Projedktes verpasst, und obwohl das nicht meine "Leib-und Magenmusik" ist, habe ich wertvolle Erkenntnisse gewonnen und spannedne Aufführungen erlebt.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Und Alfred Brendel, der in seinen jungen Jahren durchaus auch mall zeitgenössische Komponisten aufnahm wie Prokofieff, Strawinsky oder Schönberg, nahm in seinen späteren jahren für sich das Recht in Anspruch, sich auf Werke hauptsächlich der Klassik und der Romantik zu beschränken, höchstens ab und zu auch mal etwas aus dem Barock zu spielen, und wenn, dann meistens Bach.

    Ich habe ja in den Sommerferien Brendels Buch (nicht komplett, das habe ich nicht geschafft! :D ) gelesen, lieber Willi. Brendel hat heftig gegen den reaktionären Wiener Akademismus rebelliert - sein Lieblingsautor war Ferruccio Busoni (dessen Musik er auch gespielt hat), speziell Busonis "Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst", wo Busoni u.a. die Idee der elektronischen Musik entwirft. Durch Busonis Auffassungen hat er sich wie er schreibt vom Wiener Akademismus distanziert. Er hat auch den späten Liszt entdeckt - und der ist wirklich ganz nah bei Schönberg. Man kann auch Schiff, Aimard, Barenboim usw. und sogar Volodos erwähnen, der eine ganze Platte mit ziemlich unbekannter Musik von Frederico Mompou aufnahm. Für sie gehört die "Moderne" ganz selbstverständlich mit zum Repertoire. Ich finde es auch ein ziemlich seltsames Verständnis von "konservativ", wenn man meint, das Bewahrenswerte betreffe nur Musik, die spätestens 1890 endet. Also zum konservativen Bewahren gehört doch wohl eigentlich das der ganzen Musikkultur, also auch Schönberg, Berg, Bartok, deren Musik schon teilweise 100 Jahre alt ist und serielle Musik hat auch schon ein halbes Jahrhundert überschritten. In Bielefeld gibt es übrigens eine Nacht der Neuen Musik, die ist so konzipiert, dass da "to go" mit dazu gehört. Wie man in einem Museum vor einem Bild so lange stehen bleiben kann wie man will, kann man hier kommen und gehen wie man möchte, überall mal "reinschnuppern". Das Programm ist wirklich äußerst bunt - es gibt alle Richtungen. Wem etwas nicht zusagt, der geht nach 10 Minuten woanders hin. Habe ich selbstverständlich auch so gemacht. Und die Veranstaltung ist immer brechend voll. Die These, dass man den Musik- und Konzertbetrieb nur mit populärem Beethoven und Brahms aufrecht erhalten soll und alles Andere, was ein bisschen moderner sei, beim Publikum unbeliebt sei oder abgelehnt wird, ist einfach falsch. Selbst bei den großen Klassikern und Romantikern gibt es im übrigen Stücke, die hört man lieber und öfter als andere. Was aber nicht heißt, dass man die seltener gehörten ablehnen würde. :hello:


    Liebe Grüße
    Holger

  • Lieber Holger,


    Brendels Verbindung hat auch sicherlich etwas damit zu tun, dass er 1949 seine internationale Karriere als Preisträger des Busoni-Wettbewerbes in Bozen begründete.
    Was übrigens Schönberg, Berg und Barok betrifft, so habe ich ja jüngst in dem Klaviermarathon in Bonn am 7. 9. Schiff mit Bartok, am 9. 9. Varjon mit Berg und Kurtag live erlebt. Und am 10. 9. sollte ja, wie du sicherlich noch weißt, Maître Pollini in Klön mit Schönberg hinzutreten. Leider hat er uns ja durch Karnkheit kurzfrist im Stich gelassen. :(
    Die dort gespielten Stücke haben mich ja durchaus beeindruckt, zeigten aber anhand der Hauptkontraste Beethoven und Schubert, was mir an ihnen fehlt.
    Dennoch sind sie ja in der Musikwelt inzwischen längst anerkannte Werke, und das sollte man akzeotieren.
    In Bonn war natürlich auch das hier schon besprochene Procedere maßgebend, dass nach der Pause Schiff die Schubert-Sonate D.958 spielte und Varjon zwei Tage später Beethovens Hammerklaviersonate. Das heißt, dass die Leute, die schon vor der Pause da waren, auch nach der Pause wiedergekommen sind. Im Zweifel sind Einige erst nach der Pause gekommen. :D


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Heute bin ich zum ersten Mal aus einer Premiere in der Pause geflüchtet. Die Othello Inszenierung von Michael Talheimer heute in Duisburg kann man mit dem Ausdruck beschreiben : Ich glaub ich sehe schwarz. Die Bühne, und die Kostüme der Sänger sind komplett schwarz gehalten. Bei den Sängern hab ich leider auch schwarz gesehen. Gustavo Porta brüllte seinen Othello in Einheitslautstärke, wie die anderen Sänger leider auch, und hatte hörbare Probleme bei den hohen Tönen. Meine Karte für den Othello nächstes Jahr in Düsseldorf hab ich schon, da ist dann aber die Besetzung wesentlich besser.

  • Normalerweise not go, denn ich habe mir ja das Programm angesehen und einiges an Geld bezahlt, um es hören zu dürfen.


    Manchmal gibt es aber auch Programmänderungen, sei es durch Ausfall der Interpreten, sei es durch willkürliche Änderung durch dieselben, dann muß man ggf. abwägen: wird man gerade zur Geisel einer Moderne-Musik-ist-Klasse-Erziehungsmaßnahme? Dann raus.


    Oder es ist absehbar, daß es gleich zivilisiert weitergeht. Dann bleiben.