Das Land des Lächelns, Wuppertal, 17.11.2018

  • Einige kurze Anmerkungen (eines Wagnerianers, der sich in die Operette verirrt hat und es nicht bereut ;) )
    Ich habe mit meiner Frau und meiner hochbetagten Mutter, die sich noch gut an die Zeit erinnern kann, als Operette noch im TV allgegenwärtig war, die dritte Vorstellung im Wuppertaler Opernhaus besucht.
    Karten sind durchaus nicht einfach zu bekommen, da die Inszenierung sehr erfolgreich ist.


    Zurecht: Abgesehen davon, dass die Hauptrollen sehr gut besetzt sind (Sangmin Jeon singt den Prinzen mit strahlkräftigem und und höhensicherem Tenor, Ralitsa Ralinova ist eine jugendliche stimmschöne Lisa ) ist offensichtlich gut gearbeitet worden, was Textverständlichkeit angeht. Die größtenteils nicht-deutschen Sänger sind so wortdeutlich, dass man die Übertitel eigentlich gar nicht braucht.
    Das Orchester der Oper ist in Bestform . Lehar scheint dem Orchester zu liegen. Musikalisch stimmt alles.


    Die Inszenierung ist im besten Sinne altmodisch. Hier ist nichts modernisiert und neben einem klassischen Wiener Salon im ersten Akt sieht meinen zweiten und den dritten Akt ein regelrechtes Bilderbuch China.
    Selbstverständlich ist das manchem Rezensenten übel aufgestoßen. Die Oper musste sich unter anderem auch den Vorwurf des Rassismus gefallen lassen, was meiner Meinung nach absoluter Quatsch ist. Im Übrigen kann ich die Authentizität des Bildes im zweiten und dritten Akt nicht beurteilen, dafür spricht aber, dass es sich immerhin um eine Koproduktion mit der Oper Hongkong handelt. Den Chinesen Rassismus in eigener Sache vorzuwerfen, entbehrt nicht einer gewissen Komik.


    Wenn man überhaupt Schwächen feststellen will, liegen die im Genre begründet: natürlich gibt es wieder musikalisch noch in der Handlung eine differenzierte "Entwicklung". Aber das erwarte ich von einer Operette auch nicht, von der ich mich in erster Linie unterhalten lassen will. Will man überhaupt eine "Aussage" finden, so mag diese darin liegen, dass Multikulti eben nicht funktioniert. Hier wird relativ scharf herausgearbeitet, dass die Beziehung zwischen Lisa und ihrem Traumprinzen daran zerbricht, dass die Europäerin sich eben nicht mit der in der kulturellen Tradition verwurzelten Vielweiberei, sowie der Behandlung einer Frau als „Ding“, "Sache“ (so der Prinz über das Frauenbild in seiner Heimat) abfinden will, über die/das der Mann bis hin zur Tötung einschränkungslos verfügen kann. Ist der Reiz des Exotischen erst verflogen, auch der erotische Reiz, sind die kulturellen Unterschiede so unüberbrückbar, dass eine dauerhafte Beziehung nicht möglich ist. Im Grunde genommen ein durchaus sehr aktuelles Thema - wenn auch diese "Botschaft" nicht jedem gefallen mag.
    Die Vorstellung - die dritte - war restlos ausverkauft und wurde vom Publikum begeistert gefeiert.
    Operettenfreuden, die eine sehr gut besetzte Inszenierung im klassischen Stil ohne Modernismen und Verfremdungen sehen wollen, sei ein Besuch in Wuppertal empfohlen. Meine alte Mutter war jedenfalls ganauso begeistert wie meine Frau und ich und der Rest des Publikums.