Tosca (Puccini), Hamburgische Staatsoper, 28.11.2018

  • Drei Tage nach dem Verklingen des Ring des Nibelungen ist es vielleicht nicht leicht, zu einer gerechten Wertung der Musik dieser Oper und auch der sängerischen Leis-tungen zu gelangen. Es besteht schon ein gewaltiger Un-terschied zwischen Wagners mächtigen Klangwelten und Puccinis doch etwas vordergründig bombastischer Komposition. Allein die Behandlung der Nebenfiguren ist unterschiedlich. Bei Wagner gibt es einfach keine unwichtigen Rollen; alle müssen gut besetzt sein und tragen auch Wesentliches zum Stück bei. Bei Puccinis Tosca (wie auch bei anderen Puccini-Opern) sind es eigentlich nur drei Rollen: Tosca (die ganz kurzfristig für die erkrankte Kristin Lewis aus Proben am Kölner Operhaus heute angereiste US-Amerikanerin Adina Aaron), (der gute) Cavaradossi (Marcelo Puente) und (der böse) Scarpia (Andrzej Dobber). Alle anderen Rollen, 6 an der Zahl, tragen eigentlich nicht zum Gelingen der Aufführung bei, sie sind zwar für die formale Handlung nicht unwichtig, musikalisch empfinde ich sie aber als verzichtbar, um nicht zu sagen, als langweilig. Deshalb erübrigt sich im Grunde eine Beurteilung deren sängerischer Leistung (die heute gemischt war). Was Adina Aaron unter den Bedingungen des kurzen Einspringens in dieser Produktion leistete, war schon bemerkenswert. Während sie mir im ersten Akt noch nicht so recht gefiel (ihr fehlte das Divenhafte in der Stimme, wie es zuletzt die hier gesehen Angela Gheorgiu auf die Staatsoperbühne brachte), steigerte sie sich aber ab dem mehr dramatisch fordernden zweiten Akt und sang wunderbar weich, rund und auch mit genügend Schallstärke die große Tosca-Arie „Vissi d’Arte“. Marcelo Puentes viril timbrierter Tenor gefiel von Anfang an, allerdings hätte die Höhe etwas strahlender sein können. Andrzej Dobber, der hier im Haus ja schon viele Rollen gesungen hat, entsprach stimmlich den guten Erwartungen (ursprünglich war Roberto Frontali für diese Rolle vorgesehen). Was allerdings insgesamt fehlte, war eine von den Sängern ausgehende stimmliche Faszination, welche die Schauergeschichte auf eine höhere emotionale Ebene transportiert hätte. Das mag auch an der musikalischen Leitung gelegen haben (Pier Giorgio Morandi), mir war es einfach zu laut. Allerdings liegt unser Abonnementsplatz ganz vorn im ersten Rang in der ersten Loge, also direkt über dem Orchester, was dieses zu dominant wirken lässt. Am Schluss gab es herzlichen Beifall, auch Jubel für die drei Protagonisten.

  • Ich saß bei der gleichen Aufführung genau eine Etage über Ihnen und empfand auch das Orchester, vor allem die Bläser, als viel zu laut. Die Darbietung von Adina Aaron gefiel mir hingegen außerordentlich gut, wesentlich besser als Angela Gheorgiu im letzten Jahr, die mir einfach zu sehr Diva und zu wenig Frau war.

  • Allerdings liegt unser Abonnementsplatz ganz vorn im ersten Rang in der ersten Loge, also direkt über dem Orchester, was dieses zu dominant wirken lässt.

    Ich saß bei der gleichen Aufführung genau eine Etage über Ihnen und empfand auch das Orchester, vor allem die Bläser, als viel zu laut.

    Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als wir als Schüler günstig Karten über den sog. Kulturring der Jugend bekommen haben: Auch hier saßen wir häufiger in den ersten Logen und schon damals war hier das Orchester, oder besser das Blech zu laut, wenn man rechts gesessen hat; links über den Hörnern ging es etwas besser. Man muss wohl einräumen, dass die Akustik der Hamburger Staatsoper nicht die beste ist, was vermutlich auch daran liegt, dass Orchestergraben bzw. Zuschauerraum und Bühne quasi verschiedenen Häuser sind. Soweit ich weiß, konnte während eines Bombenangriffs 1943 das Bühnenhaus durch den eisernen Vorhang geschützt werden, während der Zuschauerraum vollkommen zerstört wurde.


    Helen Kwon hat einmal gesagt, man müsse in Hamburg immer nach vorne singen!