Tosca (DOB) mit Sondra Radvanovsky, 06.12.2018

  • Der Auftritt von Sondra Radvanovsky als Tosca gehört sicherlich zu den herausragenden Ereignissen der aktuellen Spielzeit. Ich mag mich irren, aber sie dürfte die erste Tosca seit Caballé gewesen sein, die Auftrittsapplaus erhalten hat, auch wenn nur ein paar Leute geklatscht haben. Was sie in ihrer Arie an farblichen Schattierungen und Abstufungen bot, war ganz großes Kino. Leider standen ihr keine adäquten Partner zur Seite. Massimo Giordano präsentierte sich mit matter Stimme, die nur zwischendurch erkennen ließ, was für edles Material er vor seinem Fachwechsel vor einigen Jahren einmal hatte. Mal klang die Stimme meckrig, mal folgte auf eine gelungene Phrase ein krasser Abfall. Ivan Inverardi bot als Scarpia nicht mehr als Hausmannskost. Die weiteren Rollen waren, wie meistens in letzter Zeit, hervorragend besetzt, darunter Noel Bouley als Mesner und Samuel Dale Johnson als Angelotti. Ivan Respusic wählte für meinen Geschmack zum Teil zu rasche Tempi, was der Balance zwischen Orchester und Bühne nicht immer förderlich war. Es bleibt der Eindruck einer grandiosen Radvanovsky, ansonsten war es leider eine Aufführung zum Vergessen.

  • Mittlerweile sind es fast 400 Aufführungen dieser "Tosca", inszeniert von Boleslaw Barlog (aus dem Jahre 1969). Das ist ganz große Oper für RT-Verächter und gut, dass man so etwas noch erleben kann. Deswegen war ich zum dritten Mal dabei und eigentlich insgesamt auch von der sängerischen Leistung beeindruckt. Frau Radvanovsky kannte ich vorher nicht und war deshalb überrascht, dass schon bei ihrem ersten Auftritt, noch ohne einen Ton gesungen, spärlicher Applaus und ein "Brava"- Ruf (ich denke eines russischen Besuchers) kamen. Das lässt einiges erahnen, dachte ich mir. Und so war es auch. Megasicher in der Höhenlage, ausdrucksstark, sehr facettenreich und sauber intoniert, diesen Namen sollte man sich merken! Giordano als Cavaradossi fand ich so schlecht nicht, Inverardi als Scarpia war ok, ohne viel Glanz, aber kein Ausfall. Mir gefiel das Dirigat von Repusic, den ich an der DOB das erste Mal erlebt habe, er verschleppte nichts und ließ das Orchester sich entfalten, einschl. der Bühnenmusik.

    :hello: