Die ganz besondere, kleine Advents- oder Weihnachtsmusik

  • Hallo,


    passend zur Jahreszeit möchte ich als bekennender Freund solider Weihnachtsmusik fragen, was Eure ganz besonderen Lieblingsstücke abseits des Mainstreams sind - sei es nun ein Lied, ein Choralsatz oder ein Stück aus einer Kantate. Die große Form, also z.B. ganze Weihnachtsoratorien bleiben dem entsprechenden Thread vorbehalten.
    Es geht tatsächlich um das Stückchen Musik, mit dem bei Euch der Advent oder Weihnachten einkehrt.


    Ich fang mal an mit einem meiner liebsten Weihnachtslieder. Es ist das älteste noch gesungene deutsche Weihnachtslied - älter als " Es ist ein Ros entsprungen" oder " Es kommt ein Schiff geladen" - ich meine:


    " Nun sei willkommen Herre Christ"


    Liegt es im Ganzen erst in einer Handschrift des 14. Jh vor, so wird es doch fragmentarisch schon im Evangeliar Kaiser Otto III erwähnt, welches zum Aachener Domschatz gehört -also frühes 11. Jarhundert!


    Leider habe ich den Text grad nicht komplett greifbar, aber es ist für mich einer der stärksten Eindrücke, wenn dieses Lied in einer romanischen Kirche von einem Solisten ( vorzugsweise Tenor) a cappella ganz schlicht gesungen wird. Von wegen - finsteres Mittelalter...!


    Wenn sich live keine Möglichkeit ergibt - für die Freunde der Stimme von Peter Schreier gibts eine sehr schöne Einspielung mit Weihnachtsliedern mit dem Thomanerchor unter Rotzsch. Da ist es dabei.


    Ich gespannt auf Eure Favoriten!


    Gruß
    Stefan

  • Salut,


    also mein liebstes Weihnachtslied ist seit Jahrhunderten


    "Stille Nacht, heilige Nacht..."


    komponiert von Franz Xaver Gruber [25.11.1787 - 07.06.1863] mit dem Text von Joseph Franz Mohr [11.12.1792 - 04.12.1848]. Der Text wurde 1816, die Melodie 1818 verfasst.


    :hello:


    Ulli


  • A. .N. Onymus


    :D


    Meins ist vermutlich das, worüber es die besten Variationen gibt (das Lied ist eher schlicht...)


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von petemonova


    Morgen kommt der Weihnachtsmann?


    :D :D :D :
    nicht ganz so schlicht, jedenfalls die Veränderungen nicht...und kein welscher Tand, sonder gut Lutherisch :D


    Alles gelogen. Mir fällt mein wirklich liebstes, was aber kein echtes ist, ein:
    "Geistliches Wiegenlied" von Brahms ("Die ihr schwebet um diese Palmen", mit "Joseph, lieber Joseph mein" als cantus firmus in der Viola)


    :jubel: :jubel: :jubel:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ulli:


    Zitat

    also mein liebstes Weihnachtslied ist seit Jahrhunderten


    Lieber Ulli, deinen bevorstehenden 300sten Geburtstag wird das ganze Tamino-Forum beim Mozart-Wirt feiernd begehen !!!! :D

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Zitat

    Original von BigBerlinBear
    Ulli:



    Lieber Ulli, deinen bevortehenden 300sten Geburtstag wird das ganze Tamino-Forum beim Mozart-Wirt feiernd begehen !!!! :D


    ...Du meinst den 250sten - mach mich nicht älter, als ich bin!


    Ich glaube, die Taminos danken Dir bereits jetzt für Deine Einladung - ich leite die Reservierung gleich weiter!!


    :baeh01:


    LG
    Ulli

  • Eines meiner liebsten Stücke für Advent/Weihnachten ist "Hosianna dem Sohne Davids" in einem einfachen, aber sehr wirkungsvollen Cantiona-Satz den entweder Melchior Vulpius oder Thomaskantor Seth Calvisius
    am Ende des 16. Jahrhunderts verfasst haben.


    Mein Lieblings-Weihnachstlied dagegen ist "Nu zijt wellekome", das sowohl im niederländisch/flämischen Bereich, aber auch dort, wo Afrikaans gespochen wird, gerne gesungen wird. Ich war sehr erfreut, es auf der neuen Weihnachts-CD der "Singphoniker" vorzufinden, die kleinen Sprachprobleme wären mit einem "Kundigen" eigentlich mühelos zu lösen gewesen. Trotzdem meine Empfehlung:


    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Zitat

    Original von salisburgensis
    BWV 243?


    Nee, glaube ich nicht. Ich weiß den Text nimma so genau - irgendwas mit "Lieder" und "wieder", jedenfalls ist er Deutsch und das "Glooo-ho-ho-ho-ho-ho..." ist ein Refrain.


    :hello:


    Ulli

  • BWV 243 ganz gewiss nicht, du musst die "Os" zählen, Thomas ! :D


    Vielmehr befürchte ich, Ulli meint dieses hier:


    Hört der Engel helle Lieder
    klingen das weite Feld entlang,
    und die Berge hallen wider
    von des Himmels Lob Gesang:
    Refrain: Gloria Gloria Gloria in excelsis Deo


    (gibts auch in englisch, französisch udn bestimmt auch in koreanisch und swaheli !)

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Wenn mir im deutschen Weihnachtsliederschatz zu viele Knäblein im lockigen Haar über den Weg gelaufen sind, weiche ich gern über die Grenze ins Böhmische aus.
    Die dortige Weihnachtsmusiktradition sprüht nur so vor Lebensfreude und Fröhlichkeit - empfohlen sei alles aus der Brixi-Dynastie ( besonders " Motetto Pastorale" von F.X. Brixi - dazu möchte man einfach herumhüpfen)


    Da gabs vor Jahren mal von Koch Schwann eine CD mit Prager Ensembles unter Smetacek- herrlich.


    Und natürlich Jan Jakub Ryba in der tollen Naxos- Aufnahme



    Gruß
    Stefan


  • :yes:


    Danke!


    Weißt Du, wer Autor dieses Liedes ist [Text, Musik] ?


    Ich mag eigentlich nur den Refrain...


    LG
    Ulli



    * :motz:

  • Hallo Ulli, meine "Nachforschung" bei "google" ergab folgendes:


    Zu diesem schönen Weihnachtslied lassen sich die Spuren nur bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Offensichtlich handelt es sich um ein altes französisches Volkslied mit originalem französischem Text. Besonders in Frankreich und England hat es weite Verbreitung gefunden. Im folgenden seien je eine Fassung in französisch, englisch und deutsch wiedergegeben, wobei besonders im Deutschen unzählige Textvarianten existieren:


    1) Les anges dans nos campagnes
    Ont entonné l'hymne des cieux
    Et l'écho de nos montagnes
    Redit ce chant mélodieux
    |: Gloria in excelsis Deo! :|


    2.) Bergers, pour qui cette fête
    Quel-est l'objet de tous ces chants?
    Quel vainqueur, quelle conquête
    Mérite ces cris triomphants?
    |: Gloria in excelsis Deo! :|


    3) Il est né, le Dieu de gloire
    Terre, tressaille de bonheur
    Que tes hymnes de victoire
    Chantent, célèbrent ton Sauveur !
    |: Gloria in excelsis Deo!


    and the other one in english:


    1) Angel we have heard on high,
    Sweetly singing o'er the plains
    And the mountains in reply
    Echoing their joyous strains.
    |: Gloria, In Excelsis Deo :|


    2) Shepherd why this jubilee,
    Why your joyous strains prolong
    What the gladsome tidings be,
    Which inspire your heavenly song?
    |: Gloria, In Excelsis Deo :|


    3) Come to Bethlehem and see,
    Him whose birth the angels sing
    Come adore on bended knee,
    Christ the Lord the newborn king.
    |: Gloria, In Excelsis Deo :|


    4) See him in a manger laid,
    Whom the choirs of angels praise
    Mary, Joseph, lend your aid,
    While our hearts in love we raise.
    |: Gloria, In Excelsis Deo :|

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • @BBB
    soviele Finger hatte ich grade nicht zur Verfügung und deshalb nur grob geschätzt. Aber ist ja nicht der einzige bock dieser Tage... :wacky:



    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Hallo,


    ein Weihnachtslied, welches ich auch ungemein schätze ist


    " König der Könige"


    für Sopransolo und 4stimmigen Chor von Gustav Brandt.


    Leider weiß ich absolut nichts über die Entstehung dieses Liedes... :rolleyes:


    Gruß
    Stefan

  • Zitat

    Original von Ulli
    "Glooooo-ho-ho-ho-ho-hoooo-ho-ho-ho-ho-hooooo-ho-ho-ho-ho-hoooo-ri-aaaahhh"


    Habe Noten davon für 4stimmigen Chor (Bass, Tenor, Alt, Sopran)... kopiere es dir, falls du es brauchen kannst.


    drauf steht: Gloria in excelsis deo - Weihnachtslied aus Frankreich - Satz. Karl Marx - Deutsche Fassung: O. Fr. Sch.


    die 3te Strophe hat bei mir allerdings nen anderen Text.

  • Hallo!


    Zitat

    Original von Oolong
    Es geht tatsächlich um das Stückchen Musik, mit dem bei Euch der Advent oder Weihnachten einkehrt.


    Dieses Jahr ist das ganz klar J.S. Bachs Advents-Kantate "Schwingt freudig euch empor" WV 36.
    Sehr schön!


    Von den populären Weihnachtsliedern gefallen mir aber auch viele.
    "Last Christmas, I gave you my heart...":stumm: :stumm: - nein, das höre ich mir nicht freiwillig an!
    Aber "O du Fröhiche, "Stille Nacht", "Süßer die Glocken", "Vom Himmel hoch", "Leise rieselt der Schnee" und so viele andere mag gerne. Vielleicht liegt das auch daran, daß ich sie einigermaßen vom Blatt spielen kann.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Heute mal Weihnachtsmusik aus dem alten Sachsen:


    von Christian August Jacobi die gleichnamige Eingangs- Tenorarie der Kantate " Der Himmel steht uns wieder offen"


    und von Johann Heinrich Schmelzer die Kantate für 2 Tenöre


    " Venite ocius, transeamus usque in Bethlehem"


    Diese Werke hab ich in dieser preiswerten aber absolut hörenswerten Aufnahme ( Eterna 80er Jahre) mit Peter Schreier und Eberhard Büchner und der Cappella Sagittariana unter Dietrich Knothe



    Viele Grüße
    Stefan

  • Hallo Ulli,


    ich gehe mal davon aus, dass der Händel zuerst da war, da auf allen heutigen Versionen von "Tochter Zion" Händel als Komponist verzeichnet ist.
    Und es ist ja durchaus im Händel'schen Stil geschrieben, wie ich finde.



    Gruß, Peter.

  • Hallo Ulli und Peter,


    leider muss ich euch enttäuschen, denn das "Tochter Zion" stammt im Originial aus einem anderen Werk Händels, dem Oratorium "Joshua" und heisst dort "See the conqu'ring hero comes" !
    Im Jahr 1750 brachte Händel es im "Judas Maccabaeus" unter, weil er noch einen weiteren chorischen Höhepunkt in derm eh schon sehr beliebten Werk setzen wollte. Händel, der wie kaum ein anderer Komponist "Anleihen" von überall her machte, verwendete für die Melodie eine um 1700 beliebte neapolitanische Weise, die er wohl bei einem seiner Italien-Aufenthalte kennengelernt hatte. Dieses verfahren ist für ihn durchaus typisch, auch wenn es den einen oder anderen heute eher etwas befremden mag.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Mein geheimer Favorit in der Weihnachtszeit ist "Adeste Fideles" und zwar in einem schlichten Satz für vierstimmigen Chor, am besten a capella. Immer wenn ich diese Melodie höre, habe ich das Gefühl: Ja, jetzt ist Weihnachten. Zur Zeit meine Lieblingsaufnahme, der RIAS Kammerchor:




    Eine andere Aufnahme mit der ich Weihnachten verbinde (und die eigentlich auch nur in der Adventszeit höre) eine Einspielung von Anonymus 4, obwohl es strenggenommen "nur" mittelalterliche Gesänge zu Ehren des Heiligen Nikolaus sind:






    Herzliche Grüße,


    Christian

  • Hallo allerseits,


    ich habe in diesem Jahr ein ganz besonderes Stück für mich entdeckt, was mich eingestimmt hat oder mir dieses Advents- und Weihnachtsgefühl gegeben hat.


    "Brich an, du (o) schönes Morgenlicht"


    (aus Bachs Weihnachtsoratorium, zweiter Teil Nr.12)



    Ich habe es in unserer Kirche kennen gelernt, als wir es zu einem Singen in Berlin vortrugen.
    Ich fand es unglaublich schön...


    Als ich dann die CD mit den Ausschnitten von Bachs Weihnachtsoratorium geschenkt bekam, hab ich es dort wieder gehört und war hocherfreut.


    Das ist auf alle Fälle mein Lieblingsstück in diesem Jahr.


    Genrell finde ich aber das "Jauchzet, frohlocket" von Bach unglaublich imposant. :jubel:



    Gruß, Maik