Brahms Klaviersonaten

  • Hallo,
    stelle gerade mit Verwunderung fest, dass Brahms' Klaviersonaten noch gar kein Thema, jedenfalls nicht im eigenen Thread, waren.
    Ich bin mal wieder auf der Suche nach einer Kaufempfehlung:
    Ich besitze bisher nur die beiden ersten Sonaten in der Naxos-Einspielung von Idil Biret. Obwohl mir diese durchaus zusagt (ich habe bislang allerdings keine Vergleichsmöglichkeiten), würde ich mir evtl. die 3.Sonate gerne von einem anderen Pianisten/-in kaufen. Gibt es da Tipps?
    Gibt es vielleicht eindeutige Empfehlungen auch zu den ersten beiden Sonaten?

  • 1 & 2: Richter (Decca)



    alle drei Katchen (in einer Decca-Box mit sämtlichen Klavierwerken oder die 3. auf dem Twofer)



    Dei dritte habe ich auch noch mit Rubinstein, der wie häufig als über 70jähriger frischer wirkt als die meisten anderen.
    (ich hoffe, das hier ist diesselbe, ich habe eine älter Ausgabe mit anderem Cover)



    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Juchuh! Jetzt kann ich wieder meine ABSOLUTE Empfehlung loswerden:


    Peter Rösel, Peter Rösel und noch einmal Peter Rösel!


    Bei Berlin-Classics gibt es seinen kompletten Brahms auf 5 CDs recht preiswert.
    Ich kenne keine(n) besseren - weder Oppitz noch Katchen noch Lupu noch Kocsis noch Grimaud noch Kovacevich noch Leonskaja.....


    Außerdem klingen die 70er-Jahre-Aufnahmen aus der Dresdner Lukaskirche einfach grandios!


    Habe ihn vor Jahren einmal mit Brahms, 2.KK in unserer Stadt erlebt. Auch das war ein Genuss sondergleichen!



    (Ein Schelm, wer bei diesem Cover an mein Avatar denkt!)


    Ich sehe gerade, dass die Box bei amazon für unter 12 Euro "verramscht" wird! Sind die denn wahnsinnig!
    Zugreifen Leute! Zugreifen!

  • Hallo CRC,
    das ist ja interessant - das ist schon das zweite Mal, dass ich so positiv auf Rösel aufmerksam gemacht werde.
    Das erste Mal war, glaube ich, eine sehr positive Beurteilung seiner Bilder einer Ausstellung bei classics-today.
    Allmählich bröckelt mein Vorurteil, er sei nur ein Ex-DDR-Billig-Pianist...!

  • Mit Verlaub: Er war Erste Garde in der DDR!


    Aber selbst wenn er es nicht gewesen sein sollte: Es gibt so viele hervorragende Leute in der zweiten und dritten Reihe, die aus irgendwelchen Gründen nicht so bekannt sind, obwohl sie es verdient hätten.

  • Auch diese, schon oft im Forum angesprochen, sollte genannt werden:



    Die dritte Sonate op. 5, Grigory Sokolov


    Eine wunderbare Aufnahme, wie immer bei Sokolov - live.

  • hallo,


    Moritz' tip kann ich nur unterstützen. sokolovs interpretation ist on the top. alternativ würde ich den jungen finnen siirala empfehlen, der die 3.sonate mit den walzern op. 39 kombiniert. eine sehr starke platte.



    gruß, siamak

  • hallo CRC,


    p. rösel ist sicherlich ein solider, guter pianist. ich hörte ihn mit den konzerten carl maria v. webers. ich fand sein spiel etwas hausbacken. ich werde mir seine box nicht besorgen. ich hoffe, du lässt mir meine hände heil.


    gruß, siamak

  • Zitat

    Original von CRC
    Mit Verlaub: Er war Erste Garde in der DDR!


    Aber selbst wenn er es nicht gewesen sein sollte: Es gibt so viele hervorragende Leute in der zweiten und dritten Reihe, die aus irgendwelchen Gründen nicht so bekannt sind, obwohl sie es verdient hätten.


    Nicht nur der DDR! Rösel ist Tschaikowsky-Preisträger und Baschkirow- und Oborin-Schüler. Es gibt einfach Leute, die man nur deshalb nicht auf dem Schirm hat, weil die Plattenlabels heute nur noch "Jungstars" aufbauen und an ganz wenigen "Alten" (Argerich, Brendel, Pollini,...) festhalten. Boris Bloch wäre auch zu nennen. Ein schlichtweg genialer Liszt-Interpret. Aber ca. 50 und mit Glatze und deshalb vermutlich für die Plattenlabels uninteressant...


    Freundliche Grüße


    Heinz

  • hallo herr Gelking,


    ich kenne boris bloch persönlich und habe ihn mehrfach live und auf platte gehört. sein bach ist überwältigend. sein liszt brilliant, sein chopin wie bei vielen pianisten der russischen schule IMO grobschlächtig. wahrscheinlich ist er für die firmen uninteressant, da er nicht mehr der jüngste ist, eine starke persönlichkeit darstellt und ungewöhnliche programme zusammenstellt. da nimmt man lieber einen lang lang und konsorten... selbst ein gerhard oppitz hat keinen vertrag bei den großen. die welt ist ungerecht !wahrscheinlich ist peter rösel musikalisch viel interessanter als die jungen chinesen. wir werden es wohl nicht mehr erfahren.


    gruß, siamak

  • Zitat

    Original von AcomA
    hallo herr Gelking,


    ich kenne boris bloch persönlich und habe ihn mehrfach live und auf platte gehört.


    Hallo,


    welche Platten bzw. CDs gibt es denn von Boris Bloch? Würde mich interessieren... Ich kenne ihn "nur" live und (beinahe) "nur" mit Liszt...


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking


    PS: Wobei ich die "jungen Chinesen" ausdrücklich nicht uninteressant finde. Lang Langs letzte Rachmaninoff-Aufnahme (mit Gergiev) war schon stark...

  • Hallo Heinz und CRC,
    zumindest classics-today ist ja mit Euch einig - da wird Rösels Gesamteinspielung sogar zusammen mit der von Katchen zur Referenz erklärt!
    Ich werde langsam schwach...

  • Dann gebe ich dir hiermit den letzten kleinen Schubser, und dann berichte mal, wie dir seine Aufnahmen gefallen!


    Wenn du von seiner f-moll-Sonate op 5 nicht begeistert bist, fresse ich die Noten!


    (oder das es-moll-Scherzo oder die Schumann-Variationen oder, oder, oder......)

  • hallo herr Gelking,


    es gibt da eine italienische cd (agora, DDD) aus den 80er jahren mit einem schumann-programm (fantasiestücke op. 12 und die sonate nr. 3 f-moll). phantastisches klavierspiel. mitunter das beste, was ich kenne.


    gruß, siamak

  • Und ich merke grade, was ich verpasst habe:


    Boris Bloch gab in meiner nähe in der Alten Kirche Fautenbach ein Konzert:


    Liszt: 11 Klavierbearbeitungen von Richard-Wagner-Opern (Tristan u. Isolde - Isoldes Liebestod, Fliegende Holländer - Ballade der Senta...)
    Nuages Gris
    Im Traum
    Unstern
    Trauergoldel
    Am Grabe Richard Wagners
    Ballade No.2 (!!!)


    also Liszts Spätwerk (von Bloch selbst erläutert)


    Scarlatti: 10 Klavierstücke


    Beethoven: 32 Variationen in c-moll


    Die Kritik ist begeistert.

  • Zweite Sonate Op.2
    Dritter Satz, Scherzo, zirka ab Sekunde 35, die Melodie, zumindest der Anfang, das ist doch Schubert!
    Ich weiss jetzt nicht aus welcher Klaviersonate, aber DAS klingt ganz eindeutig nach einem Schubert Trio (Mittelteil aus einem Scherzo) einer Klaviersonate.
    Wie immer kann ichs grade nicht finden, Mist!
    D.845, D.850 und D.894 habe ich schon durchgehört, von da ist es nicht.


    Observator, bitte observieren Sie die Angelegenheit mal!


    mit freundlichen Grüßen
    Christoph

  • hallo,


    hier meine lieblingsaufnahme (im vergleich kenne ich "nur" sokolov, leonskaja, katchen, richter) mit ugorski (s.u.) - wird bei amazon derzeit auch verramscht.
    farbiges, aufregendes, subjektives klavierspiel. interessant ist die kopplung mit der bach-chaconne f.d. linke hand und v.a. den händel-variationen !! - letztere in einer ganz großartigen einspielung.
    schade, dass ugorski lange nichts mehr aufgenommen hat & wohl auch derzeit keinen plattenvertrag besitzt .
    es grüßt
    john lackland


  • Hallo,


    Ich kenne Bhrams op. 5 nur mit Oppitz und Emanuel Ax! Oppitz spielt mir etwas zu akademisch korrekt, da fehlt die Leidenschaft. Ax dagegen hat einen herrlich leuchtenden Ton (2.Satz). :jubel: Im Ganzen eine schön zu hörende Aufnahme! Ugorsky, Kissin und Katchen kenne ich noch nicht! Aber Ihr macht mich neugierig darauf!


    Grüße
    Niko

  • Hallo in die Runde!


    Liegt es daran, daß ich noch zu wenig davon kenne, aber:


    ist mein Eindruck richtig, daß die 3 Klaviersonaten, in jungen Jahren geschrieben, viel "moderner" wirken, mehr dissonant, mehr rhythmische Eigenheiten haben, wie alles was danach kam ?


    Wenn ich die Op.-Zahl nicht wüßte, die Musik hören würde ohne jegliche biographische Kenntnisse, ich würde sie ans Ende der Entwicklung setzen.


    Was ich natürlich nicht wissen kann, ist die Analyse des Stils, die Frage, wie weit war Brahms zum Zeitpunkt der Komposition schon im Besitz aller Kenntnisse des Metiers.
    Aber, hat nicht Schumann noch gesagt, das Brahms schon ein Fertiger sei.


    Gruß aus Bonn :hello:

  • Hallo Stabia,


    mein Eindruck ist ähnlich. Ich halte die Klaviersonaten auch schon für ziemlich ausgereift. Clara Schumann war damals auch sehr begeistert, als Johannes ihr die Sonaten auf dem Klavier vorspielte.


    Brahms ist für mich so ein Komponist, der seinen Stil gleich am Anfang gefunden hat und diesem zeit seines Lebens treu geblieben ist, also nicht mehr großartig verändert hat. Im Vordergrund seiner musikalischen Entwicklung stand wohl eher das Ringen um die großen Gattungen, also Sinfonie und Streichquartett.


    Das macht eine Einordnung seiner Werke in seine Lebenszeit schon ziemlich schwierig.



    Gruß, Peter.

  • So spielt das Leben - und nimmt Einfluss auf Threads und Hörgewohnheiten.
    Gestern spielte der Observator auf Wunsch von Hayate eine CD an, es wurde eine bestimmte Stelle gesucht. Ich unterhielt mich indessen mit den anderen Teilnehmern des Treffens. Da !!- was war das ? - Musik aus einer mir offensichtlich nicht gegenwärtigen Klaviersonate.
    Aufstehen und fragen was denn das war war eines - Es war ein Satz aus einer Brahms Klaviersonate !!
    Gleich am nächsten Tag würde ich mir das beschaffen.
    Heute stellte ich fest, daß sich alle drei Brahms Klaviersonaten in meiner Sammlung befinden - ind er (übrigens sehr eindrucksvollen Aufnahme )mit Idil Biret.


    Nun höre ich seit geraumer Zeit die Klaviersonate Nr 1 - und wundere mich, wie ich dieses wunderbare Werk aus meinem Gedächtnis verlieren konnte. !!!


    Als ich heute den Beginn der ersten Sonate hörte, meinte ich sie sei nahe an Beethoven, um mich schon nach 5 Sekunden zu korrigieren: Nein das klingt beinahe wie Schubert....


    nun lese ich (geschrieben von Christoph ( Hayate ))


    Zitat


    Zweite Sonate op. 3


    Dritter Satz, Scherzo, zirka ab Sekunde 35, die Melodie, zumindest der Anfang, das ist doch Schubert!


    Dazu gibt es eine Frage, die gestern auch nicht geklärt werden konnte...*



    Aber wie dem auch sei:


    Nicht nur dieser Thread sollte wiederbelebt werden, sondern auch die Klaviersonaten von Brahms sollten wieder mehr in den Blickpunkt des Interesses gerückt werden.


    Jedem der Schubert- und Beethoven Klaviersonaten liebt seien diese Werke ans Herz gelegt.


    Zur Aufnahme:



    Ich habe (derzeit noch) keine Vergleichsmöglichkeit, aber ich kann auch ohne dergleichen feststellen, daß hier spannend und klangschn gleichzeitig musiziert wird - mit festem Zugriff ohne verzärtelten oder introvertrierten Ansatz. Zudem ist die Tontechnik superb, sodass diese Aufnahme (nicht nur) jedem Einsteiger empfohlen werden kann.


    mfg aus Wien


    Alfred



    * Ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß es keine Stelle bei Schubert kling, die dieses Theme anthält - aber die Schubertsch Tonsprache so getroffen wurde, daß dieser Eindruck entsteht (Ähnliches findet man bei Ferdinand Ries in Bezug auf Beethoven)

  • Lieber Alfred, Du stößt etwas an, was ich auch wollte.


    Vor kurzen habe ich hier im Forum gute Hinweise zu Klavier- und Kammermusik von Brahms bekommen, da sie mir völlig unbekannt war


    Die Anschaffungen habe ich jetzt alle angehört - und weiter gesucht und gefunden.


    Im Moment mache ich etwas, was mir das Verständnis der Fuge Op. 133 von Beethoven sehr erleichtert hat: ich höre es immer wieder.
    Und das mache ich mit der Brahms Sonate Nr. 3, gespielt von Oppitz.


    Inzwischen habe ich diese Sonate auch von meinen "Lieblingen" Radu Lupu und Sokolov und gehört..


    Oppitz klingt kräftig, vernünftig, bodenständig, macht keine Klangexperimente, übertreibt nicht bei Dynamik, verzögert nicht das Tempo.
    Mit dieser Aufnahme kann man diese Sonate sehr gut kennenlernen.


    Sokolov und Radu Lupu - wer kennt diese Aufnahmen ?


    Das ist wirklich etwas ganz anderes, beide außerordentlich detailverliebt, Tempoverzögerungen und Steigerungen, extreme Dynamikunterschiede, besonders bei Sokolv im 1. Satz.
    Nirgends sind mir interpretatorische Einflüsse so aufgefallen, wie an einem Stück, daß ich vorher gar nicht kannte, wo also der Wiedererkennungseffekt nicht da ist.


    Das gehört hier ja eigentlich nicht hin, aber das gleiche bei dem 1. Klavierkonzert von Brahms
    Ich habe die Aufnahmen von Arrau und Radu Lupu.


    Ich bin nicht so geschickt, meine Eindrücke zu schildern, kann auch die Takte usw. nicht benennen.
    Aber, wer diese Aufnahmen kennt, kann vielleicht etwas dazu sagen, warum bei Radu Lupu im 1. Satz, wenn das Klavier solistisch beginnt, bei ihm durchgehend eine Pauke zu hören ist (auch im letzten Satz), bei Arrau der Rhythmus auch da ist, aber die Pauke nur zu hören ist, weil man weiß, daß es da eine gibt.


    Sokolov und Radu Lupu kenne ich von Beethovens Sonaten her und schätze die Nuancen, die beide herausarbeiten.
    Hier weiß ich nicht, ob das von Brahms so gewollt sein kann.
    Denn die Sonaten sind für mich eigentlich verkappte Symphonien.


    Gruß aus Bonn :hello:

  • Ja, also es ist nicht die erste Sonate wie ich gestern Abend wahrscheinlich aufgrund von Übermüdung irrtümlicherweise angenommen habe, (obwohl diese auch starke Schubertsche Züge trägt) sondern die Zweite in der ich ein Schubert Motiv erkannt haben will.
    Also, zweite Klaviersonate (Op.2), Scherzo, Beginn des Mittelteils.


    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Jedem der Schubert- und Beethoven Klaviersonaten liebt seien diese Werke ans Herz gelegt.


    Ja, das kann ich so unterstreichen.
    Ich besitze momentan eine Komplettbox mit norwegischen oder schwedischen Pianisten (habe sie leider momentan nicht zur Hand sonst könnte ich nähere Auskunft geben.
    Was ich sagen will ist, dass mir das bisher Gehörte außerordentlich gut gefällt, auch wenn in diesem Fall keine großen Berühmtheiten vor dem Klavier sitzen.

  • Sehr empfehlenswert: Solomon von 1959 mit der Sonate Nr. 3. Sehr faszinierend auch Walter Gieseking. Diese ziehe ich sogar den sonst von mir so geliebten Richter vor. Katchen/Rösler/Klien & Konsorten kann ich bei Brahms wenig abgewinnen. Am ehesten fasziniert mich noch Sokolov mit seiner Detailverliebtheit, die mir aber nicht zu Herzen geht.


    Meine Lieblingsaufnahme definitiv: Hélène Grimaud aus der Denon-Box bei BrilliantClassics! (Sonst überzeugt mich ja nichts von ihr, weder die Erato-Zeiten und schon gar nicht ihre DGG-Sachen, aber dieser Brahms ist grandios!)

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Der "Ländler"-Teil im Scherzo der fis-moll erinnert zwar ein wenig an Schubert, aber m.E. nicht an ein konkretes Stück (wenn der obsi nichts gefunden hat, ist das extrem wahrscheinlich). Solche Stellen u.ä. kommen bei Schubert sicher dutzende Male vor. Man merkt oder ahnt jedenfalls aber doch, dass man "eine Stufe davon entfernt" ist. Schubert kann solche Tänzchen noch fast unmittelbar verwenden, bei Brahms ist deutlich, dass es sich um melancholisch gefärbte Reminiszenzen handelt. (Noch mehr als an Schubert erinnert mich die Stelle freilich an das etwas später komponierte Trio op.8 )


    Die ersten beiden Sonaten haben oder hatten eigenartigerweise einen ziemlich schlechten Ruf; sie gelten häufig als schwache, unkonzentrierte, zu lange oder eben zu stark von Beethoven, Schumann, Schubert beeinflußt.


    Die deutlichste Anspielung ist natürlich der Kopfsatz von op.1, nämlich an Beethovens op.106! Das mag in der Tat etwas übertrieben sein.


    Dennoch mag ich die Werke sehr (erst recht natürlich op.5).
    Die langsamen Sätze von opp. 1 und 2 zitieren Volkslieder o.ä. (sehr deutlich am Anfang in op.1,ii). Auch wenn es das ähnlich bei Schumann schon geben mag, wirkt es auf mich typisch "brahmsisch". Volkston findet sich auch in den ruhigeren Teilen des Finales von op.1
    Ein wundervolles Stück ist dann der 2. Satz in op.5, der nicht nur Adorno an die Juninachtstimmung des 2. Meistersingeraktes (ca. 15 Jahre später komponiert!) erinnerte.


    Seltsam bleibt allerdings, dass Brahms später keine Klaviersonaten mehr schrieb, obwohl er die Sonate als Form in Kammermusik und Sinfonik ja zeitlebens beibehielt.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Meine bisherigen Lieblingsaufnahmen mit der 3. Sonate sind mit Sokolov, Kissin und Gelber. Bei letzterem sind auch noch die Händel-Variationen mit auf der CD, und zwar die fabelhäfte spätere Einspielung. Ich erinnere mich auch, dass mir Leonskaja außergewöhnlich gut gefiel, aber ich hab sie jetzt grad nicht im Ohr (und keine Gelegenheit, die CD einzulegen).


    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.