Rachmaninow: Études-Tableaux, zu Unrecht im Schatten der Préludes?

  • Liebe Taminos,


    Da es schon eine Thread zu Rachmaninow's Préludes gibt, wäre es an der Zeit, auch ein Fass zu seinen Ètudes-Tableaux (Op. 33 & 39) aufzumachen.


    Sie stehen -wohl zu unrecht- im Schatten der Préludes, obwohl sie ihnen an musikalischer Substanz in Nichts nachstehen.


    Hinzu kommt, dass es nur wenige Gesamtaufnahmen gibt - ich kenne lediglich die (sehr gute) von Vladimir Ovchinikov (EMI, 1991) und eine etwas eigenwillige von Francois-Joel Thiollier aus den späten 70ern. Ich weiß, dass es noch eine Einspielung von Lugansky gibt, habe sie aber selber noch nicht gehört.


    Daher ein paar Fragen:
    Wie bewertet ihr diese Stücke? Ist die Lugansky-Aufnahme zu empfehlen? Gibt es weitere schöne Gesamtaufnahmen? Welche Einzelaufnahmen bevorzugt ihr?


    Schöne Grüße!
    Daniel

  • Hallo!


    Ich kenne noch die preiswerte Gesamtausgabe von Idil Biret bie Naxos.
    Ihre Einspielung fällt für meinen Geschmack in die Kategorie: solide, sicher, unspektakulär.

  • hallo,


    ich habe zwei gesamteinspielungen der etudes tableaux von rachmaninov. mich fesseln die etudes noch mehr als seine preludes !


    1. nikolai lugansky (DDD, ich müßte nochmal
    nachschauen, welches label)


    Technisch perfekt, typischer vertreter der russischen klavierschule. mich überzeugt hier vor allem seine kunst des singens ! sein ton ist sehr sonor.


    2. nicholas angelich (DDD, harmonia mundi france)


    ebenfalls technisch perfekt. er bringt nicht die eleganz und kantabilität des lugansky, dafür überzeugt er mit strukturellen erfassung der kontrapunktik und polymelodik. es ist eher ein analytischer ansatz. das bedeutet nicht, dass es sich hierbei um eine trockene interpretation handelt. angelich ist amerikaner, der seine höheren pianistischen weihen in paris bekommen hat.


    ich kann beide aufnahmen empfehlen, es ist geschmackssache. wenn man die russische klavierschule über alles liebt, wird man zum lugansky greifen.


    es gibt auf der sony cd 'horowitz - late russian romantics' drei etudes tableaux (op.33 nr. 2 u. 5, op.39 nr. 9) als live mitschnitt vom 10.12.1967. das manisch-depressive des es-moll op.33 nr. 5 sowie die kantabilität bzw. gesangskunst des c-dur op.33 nr. 2 dieser präsentation bleibt absolut unerreicht !


    die aufnahme des vladimir ovshinikov (silbermedaille zusammen mit peter donohoe beim tschaikowsky-wettbewerb 1982 in moskau) kenne ich auch und höre ich nicht gerne, da er einen viel zu hart intonierten flügel spielt und leider nicht über eine gute gesangskunst verfügt.


    gruß, siamak

  • Empfehlenswert sind meiner Meinung nach auf jeden Fall diese beiden Aufnahmen. Leider keine Gesmtaufnahmen, aber was darauf ist, hat Hand und Fuss:



    Etude-Tableaux (Ausz.) op. 33 Nr. 5, 6,9;op. 39 Nr. 1-4, 9
    +Preludes op. 23 Nr. 1, 2,4, 5,7, 8;op. 32 Nr.
    1, 2,6, 7,9, 10, 12
    Svjatoslav Richter, Klavier


    und natürlich Horowitz (lohnt sich allein wegen der Sonate :jubel: )



    Rachmaninoff:Klaviersonate Nr. 2;Prelude op.
    32 Nr. 12;Etudes Tabelaux op. 33 Nr. 2 & 5;
    op. 39 Nr. Nr. 5 & 9;Moments musicaux op. 16
    +Liszt:Ungarische Rhapsodie Nr. 19;Consolation
    Nr. 2;Valee d'Obermann;Scherzo & Marsch


    Liebe Grüsse, M.

  • Ja, habe ich gelesen.Ich wollte nur meine Zustimmung ausdrücken. Eine grossartige Aufnahme!


    Kennst Du die Richter-Cd?


    Liebe Grüsse, Moritz

  • Ich gaube das ist schon eine Weile her, aber bei jpc immer unter 10 €.


    Ich kann mich aber auch irren mit 2001 ich glaube aber, das waren nur die Scherzi von Chopin und eine Schumann-Cd (beide sehr gut).
    Lohnt sich auf jeden Fall, wo auch immer... Die Richter-Aufnahmen bei Regis sind eigentlich alle sehr ordentlich.


    LG, Moritz

  • Hallo,


    ich suche etwas: Aus den Etudes-tableaux op. 33, speziell Nr. 5.


    Ich besitze die o.g. Richter-Aufnahme (Regis) und die Lugansky-GA (die ich sehr gut finde). Kennt Ihr einen Pianisten, der die Nr. 5 noch besser als Lugansky spielt oder den Ihr einfach gerne mit dieser Etüde hört? Richter wirkt mir hier ein wenig zu gehetzt.


    Vielleicht ein bisschen komisch die Frage, aber ich bekomme das Stück nicht aus meinem Kopf in der letzten Zeit, ein echter Ohrwurm. Ich suche keine Gesamtaufnahme, sondern eben vor allem die Nr. 5.


    Gruß, Cosima

  • Hallo Siamak,


    sorry, die Frage hatte ich bis jetzt nicht gelesen.


    Es handelt sich nicht um eine Live-Aufnahme und die Qualität ist, vor allem gemessen an anderen Richter-Aufnahmen, die mir bekannt sind, sehr ordentlich, wie bei den anderen mir bekannten Richter/Regis-Cds auch.


    Die Aufnahmen aus den Études-tableaux (Auszüge) stammen aus dem Jahr 1988, die Préludes (auch Auszüge) sind von 1971.


    Liebe Grüsse, Moritz

  • hallo Cosima und Moritz,


    danke für die richter-information (Moritz). nun zu Cosimas frage. sowohl Moritz als auch ich selbigst weiter oben gingen auf horowitz ein. daher hier nochmals mein statement:


    es gibt auf der sony cd 'horowitz - late russian romantics' drei etudes tableaux (op.33 nr. 2 u. 5, op.39 nr. 9) als live mitschnitt vom 10.12.1967. das manisch-depressive des es-moll op.33 nr. 5 sowie die kantabilität bzw. gesangskunst des c-dur op.33 nr. 2 dieser präsentation bleibt absolut unerreicht !



    ansonsten gibt es besagtes op.33 nr.5 noch auf der pletnev-cd 'hommage a rachmaninov', zwar nicht horowitz aber doch noch markanter als bei lugansky. aber wie ich mich erinnere, hast du ja diese pletnev-cd !


    gruß, siamak

  • Zitat

    Original von AcomA
    ansonsten gibt es besagtes op.33 nr.5 noch auf der pletnev-cd 'hommage a rachmaninov', zwar nicht horowitz aber doch noch markanter als bei lugansky. aber wie ich mich erinnere, hast du ja diese pletnev-cd !


    Hallo Siamak,


    das kommt davon, wenn man die Tracks in Excel – wie in diesem Falle - nicht einzeln auflistet: Klar, ich habe die „Hommage“-CD von Pletnev ja auch, mir war gar nicht mehr bewusst, dass die Nr. 5 da auch drauf ist. Muss ich heute Abend unbedingt reinhören!


    Danke Dir auch für den Hinweis auf Horowitz!


    LG, Cosima

  • Zitat

    Original von AcomA
    ansonsten gibt es besagtes op.33 nr.5 noch auf der pletnev-cd 'hommage a rachmaninov',


    Hallo Siamak,


    mein Gedächtnis funktioniert doch noch ganz gut: Auf der Hommage-CD sind op. 33 Nr. 6, 8 und 9 und op. 39 Nr. 5. Ich suche aber op. 33 Nr. 5.


    Könntest Du mal bitte nachsehen, was genau auf der Horowitz-CD nun drauf ist – op. 33 oder 39?


    Gruß, Cosima

  • Ich erlaube mir, hier zu antworten. Auf der Horowitz-Cd, zumindest auf der, deren Cover ich oben gezeigt habe, sind sowohl op.33 als auch op. 39 drauf.


    Wie gesagt, empfehlenswert.


    Liebe Grüsse, Moritz

  • hallo Cosima und Moritz,


    ich habe des rätsel lösung gefunden ! die etüde, welche ich meine ist die es-moll op.33 nr.6 ! beim pletnev ist sie als solche gekennzeichnet. beim horowitz ist sie fälschlicherweise als op.33 nr.5 angegeben, es hätte richtig op.33 nr.6 heißen müssen !


    die etüde op.33 nr.5 kenne ich demnach nur mit lugansky und angelich.


    gruß, siamak

  • Okay, danke für die Richtigstellung an Siamak und Moritz.


    Eine habe ich noch gefunden: Alexander Kobrin. Da ist eindeutig op. 33 Nr. 5 drauf. Der kurze Höreindruck klingt viel versprechend. Kennt Ihr diesen Pianisten? Ich lese den Namen heute zum ersten Mal.



    Rachmaninoff: Etudes-Tableaux op. 33; Klaviersonate Nr. 2
    + Brahms: Paganini-Variationen op. 35
    + Chopin: Nocturne op. 9, 3


    Gruß, Cosima

  • hallo Cosima,


    dieser junge pianist war sieger des letztjährigen van cliburn-wettberbes in texas. Llerdings war sein auftritt beim klavierfestival ruhr eine einzige enttäuschung. ein trainierter 'klavierspieler' ohne gesangskunst und poesie. kein musiker ! das sind seriöse beurteilungen von bekannten. ich selber habe ihn noch nicht gehört.


    gruß, siamak

  • Zitat

    Original von AcomA
    ein trainierter 'klavierspieler' ohne gesangskunst und poesie. kein musiker ! das sind seriöse beurteilungen von bekannten. ich selber habe ihn noch nicht gehört.


    Schade. Dann suche ich halt weiter. :yes:


    Viele Grüße und danke.


    Cosima

  • hallo !


    hier ein kleiner tipp von einem grossen rachmaninov-fan : =)


    ich habe eine gesamtaufnahme der etudes tableaux von ashkenazy (in einer cd-box von decca, in der er auf 9 cd´s viele klavierwerke eingespielt hat),weiters die lugansky-gesamtausgabe und einige interpretiert von kissin.


    meiner meinung nach spielt jeder der drei verschieden etúden "besser" , so gefallen mir die langsamen,singenden etúden am besten von lugansky, der meiner meinung nach ein fantastisches pedalspiel beherrscht.


    die wuchtigen und fast schon agressiven finde ich von kissin am besten, ashkenazy wirkt irgendwie unspektakulär, aber blitzsauber.


    ich hoffe der beitrag kommt nicht zu spät...


    und wenn wir schon dabei sind : kennt hier jemand eine dvd mit der gesamtausgabe der etúdes tableaux ??


    bis bald,


    IFI =)

  • Zitat

    Original von IFI
    ich hoffe der beitrag kommt nicht zu spät...


    Hallo IFI,


    zu spät kommt der Beitrag zwar nicht, aber ich suche ja keine Gesamtausgabe (die habe ich schon mit Lugansky) und auch keine sonstigen vereinzelten Aufnahmen (da besitze ich auch diverse) – ich suche speziell nach op. 33 Nr. 5.


    Gruß, Cosima ;)

  • Zitat

    Zitat Siamak: dieser junge pianist war sieger des letztjährigen van cliburn-wettberbes in texas. Llerdings war sein auftritt beim klavierfestival ruhr eine einzige enttäuschung. ein trainierter 'klavierspieler' ohne gesangskunst und poesie. kein musiker ! das sind seriöse beurteilungen von bekannten. ich selber habe ihn noch nicht gehört.


    Ich hatte vor gar nicht so langer Zeit das Vergnügen Alexander Kobrin zu hören - ich fand es allerdings weit gelungener als deine Bekannten: Pointierter Haydn, ordentliche Chopin-Préludes und etwas zu überspannte Kinderszenen - ich fand ihn recht originell und technisch überaus minutiös, in jedem Fall ein ausbaufähiges Talent. Es gab im Internet einen Van-Cliburn-Blog (ich meine bei Klassik heute) - der Rezensent berichtete über alle Wettbewerbsrunden und war offenbar auch not amused, dass Kobrin das Rennen machte - wie gesagt, er ist bestimmt kein Genie, aber mich hat Kobrin alles in allem doch angesprochen...


    LG :hello:
    Daniel

  • hallo !


    habe noch eine aufnahme entdeckt:


    auf der cd "arcadi volodos live at carnegie hall" (sony classical).
    hier steht sie als op. posth.nr 3


    schöne grüsse,


    IFI :)

  • Hallo Cosima,


    Eine Aufnahme der Etudes op. 33 kann ich von und mit Helen Grimaud (Denon) empfehlen. Sie ist nicht meine Lieblings-Interpretin dieser Stücke, doch der Zyklus op. 33 gelingt ihr gut!Darunter ist auch die op.33 Nr.5....


    LG
    Niko

  • Zitat

    Original von Moritz
    Richter/Regis-Cds.


    Die Aufnahmen aus den Études-tableaux (Auszüge) stammen aus dem Jahr 1988, die Préludes (auch Auszüge) sind von 1971.


    Die Préludes sind leider kein Konzertmintschnitt, sondern eine Studioproduktion, d.h. perfekt aber weniger innerlich und belebt. Überhaupt finde ich die Richter/Regis CDs deutlich weniger gut als die bei Live Classics. Aber dennoch: Richters Aufnahmen gehören immer zu den besten überhaupt!


    Die frühen Denon-Aufnahmen (leider sind die Etudes-Tableaux nicht ganz so gut wie ihre Brahms-Sonaten) von Grimaud sind allemal besser als ihre späteren bei Erato oder nun der DG!

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • kleine korrektur: volodos spielt die op. 33 no. 3 unter diesem "op. postum"-titel - nicht die no. 5.
    übrigens ganz phänomenales klavierspiel auf dieser cd: die drei rachmaninov sind das wundervollste, was man sich vorstellen kann. insbesondere die etude tableau op 39 no. 8 - magisch (lohnt allein den kauf der cd - daneben ist auch der schumann wunderbar gespielt).
    gruß
    john lackland