Eine Brünnhilde aus Västra Karup - Birgit Nilsson

  • Gestern hatte ich die Möglichkeit, mit Hilfe einer DVD, die Milletre mir liebenswürdiger Weise übereignet hat, der großen Birgit Nilsson wenigstens ein wenig näher zu kommen als ich es bisher war. Es sind 2 Dokumentationen, einmal zu ihrer Zeit in Wien und einmal eine allgemein Biografische, sowie ein kurzes Konzert aus Stockholm.
    Schon allein sie einmal in Bewegung zu erleben, hat für mich schon einen besonderen Reiz, erstens, weil ich sie bisher nur von Bildern und als Stimme kannte und zweitens, weil ich es immer aufschlussreich empfinde einen Menschen auch in Bewegung zu sehen, sowas ist einfach etwas anderes als ein Bild, eben weil es lebt. Ich denke, man macht sich so einen besseren Eindruck eines Menschen (wobei ich natürlich nicht sagen will, ich würde Birgit Nilsson kennen), da sich auch im Gebaren die Persönlichkeit spiegelt.
    Alle drei Filme strafen zudem all jene Worte und Empfindungen Lügen La Nilsson hätte ein eher kühle Ausstrahlung (und ich gebe zu, dass ich diesem Gefühl auch lange aufgesessen bin). Eine ungeheuer sympathische Dame (da gab es in einer der Dokus eine kurze Szene bei ihr zu Hause in der sie ihre Katze auf dem Arm beschmuste...das fand ich herzig :) ), voller Humor und dabei auch so erfrischend ehrlich („Die Deutschen und Wiener sind ausgezeichnete Kostümschneider, während die italienische und französische Ware meistens nur Ramsch ist“...köstlich :D ). Voller positiver Energie auch ihr „Wien, Wien nur du allein“.
    Wie das Wiener Stehplatz-Publikum sie allabendlich zum Hotel begleitete und sie schließlich (durch niemand anderen überreicht als Milletre) einen Ring erhielt, der ihre quasi „Verlobung“ mit ihnen besiegelte, waren wunderbare Szenen und die Sängerin, die immer strahlte und fröhlich war, hat mir auch die ganze Zeit während des Schauens ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Ich hätte gern dazu gehört. Es muss ein wirklich große Zeit für die Oper gewesen sein (heute habe ich das Gefühl ist das etwas versandet, aber da mögen mir andere widersprechen, die sich da besser auskennen). Auch die Gesangs- und Auftrittsausschnitte haben mir sehr gefallen, von ihrer Freischütz-Agathe hätte ich gern noch mehr gehört.
    Es ist ja nun hier kein Geheimnis, dass ich nicht zu den größten Verdi-Enthusiasten hier gehöre, aber La Nilssons ausschnittsweise gesungene Lady Macbeth und eine Arie aus „La Forza del Destino“ (ich weiß nicht, wie die heißt, die Oper habe ich noch nicht gehört) haben es mir angetan...“Maledizione! Maledizione! Maledizione!“
    Wie überhaupt mich gerade die Bühnenmitschnitte und besonders das Konzert aus Stockholm mit dem schwedischen Radio Orchester unter Stig Westerberg beeindruckt haben (kein Wunder, dass sie im Interview meinte, ihr sei ein Live-Mitschnitt mit Fehlergefahr lieber als die sterile Studioproduktion, da erstere eben immer wahrhaft lebe). In Stockholm (weiß nicht aus welchem Jahr) sang sie die Ozean-Arie aus Webers Oberon, Aidas Nilarie und Isoldes Liebestod. Wieder war aus auch der Aspekt sie dabei zu sehen. Wie unangestrengt sie wirkte und trotzdem diese grandiosen Töne hervorbrachte und auch teilweise so zart klang, wie ich es (Asche auf mein Haupt) ihr oft gar nicht zugetraut habe; beim ganzen Konzert aber so unheimlich glücklich aussah, richtig ergriffen, wie ihre Augen glänzten und ihr selbst ein paar Tränchen kullerten, das Gefühl, dass ihr komplett durch den Körper zu gehen schien. Es hat mich sehr berührt und beim abschließenden Liebestod hatte ich regelrecht Gänsehaut...Und ihr Kleid war auch wunderschön. :love:
    Die mit dieser DVD verbrachte Zeit war wirklich gut angelegt und die Filme sind wirklich schöne Erinnerungen an diese bedeutende Sängerin.

  • Liebe Schall und Wahn,


    Du wirst gerade in den Bann der großartigen Sängerin und übewältigenden Persönlichkeit Birgit Nilsson gezogen. Falls Du die Aufnahme noch nicht kennst empfehle ich Dir die Filmaufnahme "Hinter den Kulissen der Götterdämmerung". Hier ist La Nilsson als Sängerin aber auch als Interviewpartnerin zu erleben. Nebenbei ganz großartig, beim Entstehen einer solchen Jahrhundertaufnahme quasi dabei zu sein..


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich bin unbeschreiblich gerührt über diesen empathischen Bericht unserer SchallundRauch. Hier zeigt sich wieder, welch große Seele ihr innewohnt, indem sie wie so oft die emotionalen Stimmungen genau erfaßt und wiedergibt. Ich möchte auch nicht verschweigen, dass ich beim Lesen dieses Artikels (unendlich schöne und wertvolle Erinnerungen kamen wieder hoch in mir!) feuchte Augen bekam.


    Unendlichen Dank dafür, liebe Kerstin! (Ich darf doch Deinen wunderschönen Vornamen, den Du mit unserer Strana gemein hast, hier nennen!)


    Und dem lieben, so sachkundigen und seelenvollen Hans danke ich ebenso herzlich für seine Worte zur Entstehung der "Götterdämmerung"-Produktion, in der ich bei einigen Sitzungen in den Sofiensälen zugegen sein durfte. Ich werde Dir wie versprochen das von Kerstin so eindringlich geschilderte Nilsson-Porträt nach Ölbronn mitbringen, vielleicht kannst Du mir Näheres über den von Dir geschilderten Bericht "Hinter den Kulissen der Götterdämmerung" kundtun oder gar eine Kopie zukommen lassen.


    Birgit Nilsson, die ja mit unserem geliebten Gottlob Frick so oft auf der Bühne und auch im Studio stand, lässt in mir diese großen Opernzeiten wieder aufleben - in unendlicher und unbeschreiblicher Dankbarkeit!


    Heut' hast du's erlebt! (Wotan zu Fricka im 2. Aufzug der "Walküre".)



    PS: "La forza del destino" ist Verdis "Macht des Schicksals".

  • Auch ich bin nach wie vor durch meine Erlebnisse mit Birgit Nisson zutiefst beeindruckt. Bis anhin wurde sie von keiner Nachfolgerin übertroffen, einen ähnlichen Eindrck vermochte mir spater allenfalls Caterina Ligendza in ganz anderer Art zu vermitteln....

  • Danke für die Blumen, Milletre (und abermals ein großes Dankeschön für die DVDs und CD) und es freut mich, dass mein Beitrag schöne Erinnerungen in dir geweckt hat.
    Die von Operus erwähnte Doku über die Ring-Studioproduktion, davon habe ich zumindest mal Ausschnitte gesehen (zB Gottlob Frick singt den Mannenruf ein).
    Ich weiß noch, als ich das erste Mal Birgit Nilsson gehört habe, das war in der "Turandot" unter Molinari-Pradelli, da hat sie mich einfach vom Sofa gefegt.


    PS : So, so Verdis "Macht des Schicksals", kenne ich noch nicht, muss ich wohl mal nachholen.

  • Nun werden mir die meisten, denke ich, wohl zustimmen, das Birgit Nilsson eine Wagner-Heroine war und vielfach auch mit diesen Partien in Verbindung gebracht wird, wenn nicht sogar hauptsächlich. Außerdem evtl. noch mit den beiden Strauss-Partien der Salome und Elektra, sowie der eiskalten Chinesenprinzessin Turandot. Letztere scheint häufig das einzige Zugeständnis an ihr italienisches Fach zu sein.
    Das La Nilsson jedoch einiges an Italiana besaß, davon konnte ich mich vor Kurzem auf einer Verdi-Arien-CD überzeugen, und nicht nur das, auch die ihr oft abgesprochene Zarthart kommt da gut zu Geltung. Nicht eben in der Rolle der Lady Macbeth (wo sie auch fehl am Platze wäre), die die Nilsson mit sehr viel Engagement singt, dabei aber erfreulicher Weise nicht in den Fehler verfällt, das Singen beiseite zu lassen, denn trotz aller Schurkerei und aller Verdi-Bonmots von der unschönen Lady-Stimme, gesungen werden muss die Rolle trotzdem. Die Zartheit haucht sie dann allerdings bei den beiden Forza-Leonora-Arien und ist aber in ihrem "Maledizione!" wieder kraftvoll. Gleiches gilt für ihre Aida, ihre Nilarie besitzt sehr schöne Innerlichkeit. Besonders begeistert hat mich aber ihre Abigaille aus "Nabucco", da ist Feuer (nicht Eis) dahinter.
    Zugegeben als Amelia aus dem Ballo fehlt es ihr meiner Meinung nach doch ein wenig an abgerundeter Wärme, aber was soll's.
    Als Turandot fand ich sie sowieso immer spitze, sie war ja auch meine erste.

  • Ich besitze eine Rundfunkaufnahme der Ariadne mit Birgit Nilsson in der Titelpartie, Set Svanholm als Bacchus, Christine Lindberg als Komponist, Hjördis Schymberg als Zerbinetta - Dirigent des Königl. Schwed. Opernorchesters ist Herbert Sandberg. Eine Live-Aufnahme von 1949.


    Diese Aufnahme ist überraschend gut gelungen - sowohl die Technik als auch Orchester und Solisten sind für diese Produktion überraschend transparent und durchwegs ausgezeichnet. Ein kleiner, aber ärgerlicher Wiedergabefehler im Schlußduett (ausgerechnet in der Szene mit Svanholm) muß in Kauf genommen werden.


    Birgit Nilsson ist hier noch recht jugendlich, ja mädchenhaft als Ariadne zu erleben, desgleichen der wunderbare Bacchus des Set Svanholm. Eine große Überraschung ist die furiose Hyördis Schymberg als Zerbinetta, auch der Musiklehrer Arne Wiren ist vermöge seiner kraftvollen Stimme beeindruckend. In der kleinen Partie des Tanzmeisters und auch als Brighella läßt Gösta Björling durch sein schönes Timbre, das an Jussi Björling erinnert, aufhorchen.


    Mit dieser Aufnahme in ungewöhnlicher Sprache, an die man sich aber im Laufe der Wiedergabe gewöhnen kann, habe ich viel Freude!


  • Aufnahme: 23.5.1949, live, Stockholm
    Dirigent: Herbert Sandberg
    Orchestra of the Royal Swedish Opera Stockholm
    Kommentar: schwedische Fassung
    Label: Opera Depot OD 10080-2 (2 CD)


    Ariadne (Primadonna): Birgit Nilson
    Bacchus (Tenor): Set Svanholm
    Echo: Elisabeth Söderström
    Harlekin: Carl Axel Hallgren
    Zerbinetta: Hjördis Schymberg

    [Quelle: Richard StraussZeno.org: A. Ommer: Verzeichnis aller Operngesamtaufnahmen, S. 17347]

  • Gibt es die Aufnahme zu kaufen? Wen ja wo?


    Sollte diese schwedische Ariadne nicht (mehr) im Handel erhältlich sein, bin ich gern bereit, sie für jeden Interessierten zu kopieren.


    Mein e-mail könnte über den Administrator zu erfahren sein.

  • Birgit Nilsson, die am 17. Mai 1918 geboren wurde und am 25. Dezember 2005 starb,


    wäre heute (gestern) 97 Jahre alt geworden.


    Zu ihrem Geburtstag habe ich nochmals ihre überragende Fidelio-Aufnahme aus meiner Sammlung ausgesucht:



    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Die Aktivitäten in diesem Thread halten sich in Grenzen. Gern habe ich nochmals die Beiträge von SchallundWahn gelesen. Wo ist sie eigentlich abgeblieben?


    Zum 100. Geburtstag der Sängerin Birgit Nilsson wird die Musikindustrie sehr aktiv. Decca kommt mit einer großen Edition auf den Markt, die 80 CDs umfasst. Ich konnte sie schon mal in Augenschein nehmen. Sehr vornehm, sehr elegant. Es ist eine Freude, den Deckel zu heben. Es gibt dazu auch ein schönes Buch mit vielen Fotos und den Film, der gelegentlich der Aufnahme der "Götterdämmerung" in den Wiener Sofiensälen entstand - mit echtem Pferd Grane. Da sind natürlich viele alte musikalische Bekannte dabei. Neu aufgelegt werden die Arien- und Szenen-Produktionen, die nicht so verbreitet gewesen sind wie beispielsweise der "Ring" unter Solti. Zugekauft ist auch der Bayreuther "Ring". Nun könnte man fragen, ob derlei industrieller Rummel sein muss, was er denn bringt und wer das alles kaufen soll? Würde Goethe mit einer neuen Gesamtaufgabe zu einem Jubiläum gewürdigt, fände sich auch wieder der gesamte "Faust" darin. Persönlich bleibe ich angesichts solcher Boxen durchaus skeptisch. Andererseits würde es gewiss bitter beklagt werden, wenn nichts geschieht.



    Sony schiebt eine eigene Sammlung, bestehend aus 30 CDs, nach: "The Great Live Recordings". Die erscheint aber erst im September. Auf die Schnelle habe ich nicht herausfinden können, was enthalten ist.



    Vielleicht bietet uns der Geburtstag ja Anlass, dem Phänomen der Sängerin etwas nachzuspüren und uns zu fragen, was denn von ihr bleibt.

  • Vielleicht bietet uns der Geburtstag ja Anlass, dem Phänomen der Sängerin etwas nachzuspüren und uns zu fragen, was denn von ihr bleibt

    Lieber Rüdiger,


    wir sind im Präsidium der Gottlob Frick Gesellschaft gerade in der Diskussion, ob wir die Matinee eim Künstlertreffen in diesem Jahr nicht der großen schwedischen Primadonna widmen, die ja gleichzeitig Lieblingskollegin und Freundin von Gottlob Frick war. Ich wäre dafür. Nur es wird langsam schwierig, Zeitzeugen zu bekommen.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Nur es wird langsam schwierig, Zeitzeugen zu bekommen.

    Domingo? Die Ludwig? In letzteren Fall sollte man natürich beide Damen, also auch die Ludwig mit ihrem 90. in den Mittelpunkt stellen. Sie macht jedenfalls noch einen sehr fitten und geistig regen Eindruck. Und Domingo singt sogar noch...


    wie wäre es mit Hans-Peter Lehmann

    Da kann ich leider nicht mehr zuraten. :(

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Lieber Rüdiger,


    wir sind im Präsidium der Gottlob Frick Gesellschaft gerade in der Diskussion, ob wir die Matinee eim Künstlertreffen in diesem Jahr nicht der großen schwedischen Primadonna widmen, die ja gleichzeitig Lieblingskollegin und Freundin von Gottlob Frick war. Ich wäre dafür. Nur es wird langsam schwierig, Zeitzeugen zu bekommen.


    Du, lieber Hans, bist doch ein Zeitzeuge. Du dürftest doch die Nilsson in Bayreuth oft genug gehört haben. Ich fände es viel spannender, wenn das ehemalige Publikum zu Wort kommt. Lass Dich doch beispielsweise von Thomas Voigt ausquetschen. Der kriegt viel aus Dir heraus. Hol Dir noch Caruso, m.joho oder Erich hinzu. Das wäre in Deinem Ehrenamt als Außenminister des Forum sehr angemessen. Du machst doch immer Werbung für TAMINO. Was die wenigen verbliebenen Sänger-Kollegen sagen, weiß man doch meistens schon vorher. ;) Oder aber ein paar junge Sängerinnen bzw. Studentinnen würden sich mal mit Aufnahmen der Nilsson beschäftigen und der Frage nachgehen, ob diese Sängerin ihnen noch heute ein Vorbild sein könnte, dem es nachzueifern lohne. Oder aber ein paar Gymnasiasten beschäftigen sich in einem Projekt mit ihr. Was würden die wohl herausbringen? Ich denke, man muss einen neuen Absatz wagen in der Beschäftigung mit Sängern der Vergangenheit, der in die Zukunft weist.


  • Zum bevorstehenden 100. Geburtstag von Birgit Nilsson am 17. Mai 2018 sind auch zwei neue Bücher herausgekommen - allerdings (noch) nicht in deutscher Übersetzung. In den Titel "La Nilsson" sind die - wie ich finde - sehr lesenswerten Memoiren der Sängerin, die in Deutschland zunächst bei Krüger, dann als Taschenbuch bei Fischer erschienen sind, integriert.

  • Du, lieber Hans, bist doch ein Zeitzeuge. Du dürftest doch die Nilsson in Bayreuth oft genug gehört haben. Ich fände es viel spannender, wenn das ehemalige Publikum zu Wort kommt. Lass Dich doch beispielsweise von Thomas Voigt ausquetschen

    Lieber Rüdiger,


    wenn ich nun auf Deine liebenswürdige Aufforderung antworte: Dein Wunsch ist mir Befehl, dann ist das etwas übertrieben. Aber wie die Planung bis jetzt aussieht, wird die Matinee 2018 schwerpunktmäßig Birgit Nilsson gewidmet sein. Sie wird jedoch den Titel tragen: Birgit Nilsson zum 100. Geburtstag - Legendäre Sopranistinnen Birgit Nilsson, Elisabeth Schwarzkopf, Lisa della Casa -. Thomas Voigt hat Filme von allen drei Sopranistinnen gedreht. Aus diesen Dokumenten zusammen mit Tonaufnahmen werden Einspielungen gebracht. Zeitzeuge wird unser guter, alter Franz Mazura sein, der mit allen drei Sängerinnen auf der Bühne stand. Ich selbst soll auch dabei sein, was ich bis jetzt immer vermieden habe. Wenn wie beim Künstlertreffen der Gottlob Frick Gesellschaft bei rund 100 Gästen aus dem künstlerischen Bereich unendlich viel fachliche Kompetenz versammelt ist, halte ich es für eine Anmaßung, wenn ein durchaus qualifizierter Laie, wie ich es bin, über Stimmen und Gesangskunst urteilt. Ausserdem sind sicherlich weitere große Sängerinnen, wie z. B. Caterina Ligendza oder unsere gemeinsame Freundin Ute Vinzing unter den Gästen und ich will und muss neutral bleiben. Vielleicht finde ich noch einen anderen authentischeren Gesprächspartner für die Matinee. Es wird allerdings schwer werden, weil Thomas Voigt partout mich dabei haben will. Also wenn's dann sein muss: Das Publikum und auch ich werden diesen Auftritt überstehen.


    Herzlichst
    Operus


    Übrigens sollte der Titel dieses Threads heißen: Die Brünnhilde aus Västra.

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!


  • Zum bevorstehenden 100. Geburtstag von Birgit Nilsson am 17. Mai 2018 sind auch zwei neue Bücher herausgekommen - allerdings (noch) nicht in deutscher Übersetzung. In den Titel "La Nilsson" sind die - wie ich finde - sehr lesenswerten Memoiren der Sängerin, die in Deutschland zunächst bei Krüger, dann als Taschenbuch bei Fischer erschienen sind, integriert.


    Lieber Rheingold1876, das "La Nilsson" Buch ist die zweite Auflage (Verlag: Verlag für Moderne Kunst; Auflage: 2 (1. April 2018)Sprache: Englisch) im ersten, das ich als Taschenbuch in englisch habe ist der Bildteil auch vorhanden, leider nicht in der deutschen Ausgabe. Die Seitenzahl ist in etwa die gleiche wie in der deutschen Ausgabe, denn in der englischen Ausgabe wird der Bildteil der Seiten nicht mitgerechnet!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Hallo, Taminos!


    Am 19. Mai sendet der 'NDR kultur' von 20.00 Uhr bis 23.00 unter dem Titel "Ein Leben für die Oper" ein Portrait von Marek Kalina zum 100. Geburtstag von Birgit Nilsson.


    Ich bin gespannt, ob in dieser Sendung auch etwas aus der Gesamtaufnahme von Rolf Liebermanns "Penelope" zu hören ist, die Birgit Nilsson 1955 für den NDR aufgenommen hat. Ihre Partner waren Anneliese Rothenberger und - glaube ich - Ernst Haefliger und Heinz Rehfuss. Leider weiß ich die komplette Besetzung nicht mehr; kennt da Jemand Genaueres?. (Der Dirigent war damals Hans Rosbaud, das weiß ich genau.) 'La Nilsson' hatte im März 1955 in Stockholm die schwedische Erstaufführung dieser Oper gesungen und der Monolog der Penelope ist - in schwedischer Sprache - als Mitschnitt eines Konzerts aus Stockholm vom April 1959 (unter Sixten Ehrling) auf CD erschienen.


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Lieber Carlo,
    danke für die Information. Da ich ab morgen in Wien bin und abends Hoffmanns Erzählungen in Wien erlebe kann ich die Sendung leider nicht sehen. Vielleicht bist Du so nett und schilderst uns Deine Eindrücke und Schlussfolgerungen. Wäre ein lohnender Service für alle Taminos.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Zitat

    Das Jahr 1957 ging als das Jahr der Entdeckung des Traumpaares Birgit Nilsson und Wolfgang Windgassen dann in die Geschichte der Festspiele ein. Mehr als ein Jahrzehnt setzten beide Sänger in diesen Rollen die Maßstäbe. Der Beifall nach jeder „Tristan“-Aufführung dauerte jeweils eine halbe Stunde. Ihre Isolde galt als Weltereignis.

  • 'La Nilsson' hatte im März 1955 in Stockholm die schwedische Erstaufführung dieser Oper gesungen und der Monolog der Penelope ist - in schwedischer Sprache - als Mitschnitt eines Konzerts aus Stockholm vom April 1959 (unter Sixten Ehrling) auf CD erschienen.


    Eine schwedische Produktion der gesamten Oper mit diesen Angaben findet sich in meinen Beständen:


    Rolf Liebermann
    Penelope


    Stockholm, 24. Juli 1955
    Dirigent Herbert Sandberg
    In Schwedisch


    Penelope: Birgit Nilsson
    Telemachos: Elisabeth Söderström
    Leikritos: Andres Näslund
    Eurymachos: Folke Jonsson
    Demoptolemos: Olle Sivall
    Ercole: Arne Hendriksen
    Achille: Erik Saedén
    Bote: Tore Persson
    Podesta: Conny Söderström
    Odysseus: Sigurd Björling


    Die NDR-Produktion ist mir nicht bekannt. Leider gibt das Schallarchiv des NDR keine Aufnahmen für private Zwecke mehr heraus. Das war mal anders. :(

  • Liebe Taminos,


    gestern Abend (NDR kultur / 20 Uhr / 180 Minuten) und heute Nachmittag (SWR 2 / 15 Uhr / 115 Minuten) gab es im Rundfunk zwei große Sendungen über Birgit Nilsson zu ihrem 100. Geburtstag.


    Das Portrait von Marek Kalina (NDR) stellte ihr Leben und ihre Kunst im Großen und Ganzen eindrucksvoll dar, aufgelockert durch Ausschnitte eines Interviews von 1989 vom Hessischen Rundfunk und durch Zitate aus ihrer Autobiographie von 1995. In den kurzen Interview-Sequenzen scheint immer ihre Schlitzohrigkeit und ihre entwaffnende Ehrlichkeit durch, aber auch ihr gesundes Selbstwertgefühl, wenn sie - angesprochen auf die ihr nachgesagte Geldbezogenheit - bekennt, dass sie keine übertrieben hohen Gagen gefordert habe, sondern innerhalb eines Ensembles nur stets die Höchstgage haben wollte. Leider wurden - abgesehen von zwei sehr schönen Orchester-Liedern von Ture Rangström - nur die allgemein zugänglichen Tondokumente von Birgit Nilsson gesendet. Frühe Aufnahmen (ausser dem "Lohengrin" in Bayreuth 1954) wurden nicht berücksichtigt; dabei hätte ein Gang in' s Tonarchiv des NDR - wo sie bereits 1953 Wagner-Szenen (unter Hans Schmidt-Isserstedt und Herbert Sandberg) und später Liebermanns "Penelope" (unter Hans Rosbaud) aufnahm - diese Hommage sicher bereichert.


    Wie alle ihre Sänger-Portraits kompetent und interessant gestaltet, war die Sendung von Hildburg Heider (SWR), die auch seltene Aufnahmen von Birgit Nilsson brachte. So z. B. als erstes Dokument ihrer Stimme eine Arie aus Franz Berwalds "Estrella de Soria" - gesungen im April 1947 trotz einer Scharlach-Erkrankung - oder ein kleines heiteres Lied ("Zwanzig Jahre" von Arkki Melartin). Grundlage für diese Sendung war ein Besuch der Autorin bei Birgit Nilsson in Schweden 2002, wo die Sängerin in geistiger Frische und der ihr eigenen Eloquenz ausführlich Auskunft gibt. Auch ihr Mann, der Tierarzt Bertil Niklasson, kommt zu Wort - und rühmt ihre Kochkünste! Für das 'Regietheater' findet sie deutliche, ablehnende Worte und bei 'HvK' vergreift sie sich sogar einmal im Ton. Birgit Nilsson erklärt auch, warum der nach ihr benannte Preis (im Oktober 2018 erhält ihn Nina Stemme) mit einer Million Dollar so hoch dotiert ist und nur an bereits arrivierte Künstler geht: "Damit man über ihn redet!" (In der Sendung ist auch der aus Wien stammende Präsident der Birgit-Nilsson-Stiftung, Rutbert Reisch, zu hören.) Dieses Portrait ist streng chronologisch gestaltet und durch die zahlreichen Kommentare der Nilsson sehr aufschlussreich. Die Sendung ist im Internet für eine Woche nachhörbar unter SWR2.de "Zur Person: Birgit Nilsson".


    Zum Schluss von mir ein kleines Ratespiel für Nilsson-Fans: Am 20. 6. 1956 sang sie im Wiener Musikverein die Dalila an der Seite von Set Svanholm als Samson. Ihre Partner waren Wilma Lipp, Grace Hoffman, Sonja Draksler, Walter Berry und Otto Wiener. Josef Krips leitete den Wiener Singverein und die Wiener Symphoniker. Das Konzert wurde im Rundfunk übertragen; ein Tonband befindet sich im Archiv der Wiener Symphoniker. Frage: Um welches Werk handelt es sich?


    Viele Grüße!


    Carlo


    P. S. Danke, Rheingold1876, für Deine Antwort ! (Beitrag Nr. 54)

  • Frage: Um welches Werk handelt es sich?


    Um Händels Oratorium "Samson". Mir ist nur die Tatsache dieser Aufführung bekannt, nicht aber der Mitschnitt, den ich gern hören würde. Die vollständige Besetzung habe ich aus dem Netz auf der Seite des Musikvereins gefunden:


    Georg Friedrich Händel
    Samson


    Oratorium in drei Akten; Neugestaltung von Friedrich ChrysanderWiener Symphoniker
    Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
    Josef Krips (Dirigent)


    Birgit Nilsson
    Sopran (Delila)
    Sonja Draksler
    (eine Begleiterin Delilas)
    Wilma Lipp
    Sopran (Eine Israelitin)
    Grace Hoffman
    Alt (Micha)
    Set Svanholm
    Tenor (Samson)
    Walter Berry
    Bass (Manoah)
    Otto Wiener
    Bass (Harapha)


    Josef Nebois (Cembalo)
    Franz Eibner (Orgel)


    Bemerkenswert fand ich diese Feststellung auf besagter Seite: "Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden." ;)

  • Liebe Taminos,



    die demnächst bei SONY erscheinende Box mit 31 CDs "Birgit Nilsson - The Great Live Recordings" (Beitrag Nr. 42) enthält folgende Aufnahmen:



    "Herzog Blaubarts Burg" mit Bernhard Sönnerstedt (in deutscher Sprache) / Ferenc Fricsay / Stockholm 1953


    "Fidelio" mit Helen Donath, Ludovic Spiess, Theo Adam, Franz Crass, Peter Schreier, Siegfried Vogel / Leonard Bernstein / RAI Rom 1970


    "Turandot" mit Anna Moffo, Franco Corelli, Bonaldo Giaiotti, Frank Guarrera, Alessio De Paolis / Leopold Stokowski / New York 1961


    "Salome" mit Irene Dalis, Marcia Baldwin, Karl Liebl, Walter Cassel, George Shirley / Karl Böhm / New York 1965


    "Elektra" mit Leonie Rysanek, Regina Resnik, Gerd Nienstedt, Fritz Uhl / Karl Böhm / Montreal 1967


    "Elektra" mit Leonie Rysanek, Jean Madeira, Thomas Stewart, Robert Nagy / Karl Böhm / New York 1971


    "Die Frau ohne Schatten" mit Ingrid Bjoner, Astrid Varnay, James King, Dietrich Fischer-Dieskau, Karl Christian Kohn / Wolfgang Sawallisch / München 1976


    "Lohengrin" mit Astrid Varnay, Wolfgang Windgassen, Hermann Uhde, Theo Adam , Dietrich Fischer-Dieskau / Eugen Jochum / Bayreuth 1954


    "Tristan und Isolde" mit Grace Hoffman, Wolfgang Windgassen, Hans Hotter, Arnold van Mill / Wolfgang Sawallisch / Bayreuth 1957


    "Tristan und Isolde" mit Ruth Hesse, Jess Thomas, Otto Wiener, Martti Talvela / Karl Böhm / Wien 1967


    "Tristan und Isolde" mit Ruth Hesse, Jon Vickers, Walter Berry, Bengt Rundgren / Karl Böhm / Orange 1973


    "Die Walküre" mit Régine Crespin, Josephine Veasey, Jon Vickers, Theo Adam, Martti Talvela / Herbert von Karajan / New York 1969


    "Die Walküre" (1. Akt, 3.Szene) mit Ramón Vinay, Josef Greindl / Hans Knappertsbusch / Bayreuth 1957


    "Siegfried" (3. Akt, 3. Szene) mit Wolfgang Windgassen / Otmar Suitner / Bayreuth 1967


    Arien aus Wagner-Opern / Diverse Dirigenten / Stockholm 1953 und 1968 - Sydney 1973



    Viele Grüße


    Carlo

  • Danke für die Auflistung des Inhalts der bei Sony angekündigten Live-Box zum 100. Geburtstag der Nilsson. Nichts, was nicht schon bekannt und im Umlauf gewesen wäre. Einzig bei den einzelnen Arien von Wagner ist nicht ersichtlich, was nun geboten wird. Gleich drei "Tristane" sind eine geballte Ladung, zumal in der Decca-Editon auch zwei Aufnahmen (Studio unter Solti und Bayreuth unter Böhm, zu noch die Szenen mit Knappertsbusch) enthalten sind. Kämen wir also auf fünf! Gut finde ich, dass der Bartoksche "Blaubart" berücksichtigt ist. Dadurch kommt eine gewisse Abwechslung auf. Da wäre viel mehr möglich gewesen. Dringend hätte ich mir wenigsten noch den "Idomeneo" aus Glyndebourne mit ihrer Elettra gewünscht, die ich für bedeutsam halte. Die Münchner "Frau ohne Schatten" ist womöglich durch die Amme der Varnay, die 2018 auch hundert geworden wäre, am interessantesten. Diesen Mitschnitt gab es vor Urzeiten aber auch schon als CD auf dem grauen Markt ohne jede Trackeinteilung. Die Färbersfrau halte ich persönlich für eine der schwächsten Leistungen der Nilsson. Vielleicht konnte sie in den Vorstellungen mehr überzeugen. Sie ist mir zu kühl, viel Stimme statt Frauenschicksal. Nur das Finale ist natürlich sehr wirkungsvoll durch ihre Kraft und Höhensicherheit. Gespannt bin ich, wie die Dokumente klingen - wie und ob nachgearbeitet wurde.

  • Hallo, Rüdiger!


    Wirklich neu sind in der SONY-Box "Birgit Nilsson -The Great Live Recordings" nur der "Tristan" aus Wien (1967) und das Finale aus "Siegfried" (Bayreuth 1968). Alle anderen Gesamtaufnahmen hat es in der einen oder anderen Ausgabe (LP bzw. CD) bereits gegeben. Auch das Wagner-Recital im gerade eröffneten Opernhaus in Sydney (1973) ist nicht neu.


    Was den "Fidelio" von der RAI in Rom (1970) betrifft - lt. dem Buch "50 anni di Opera lirica alla Rai 1931-1980" singt Peter Schreier den Jaquino, während die diversen 'Piraten' Gerhard Unger nennen. Da ich diese Aufnahme nicht kenne, meine Frage: Wer singt denn nun?


    Viele Grüße!


    Carlo


    P.S. Hast Du meine Beiträge über Isabel Strauss (Fernseh- und Tonaufnahmen) gelesen? Weißt Du Näheres über Reutters "Doktor Johannes Faust"?

  • Was den "Fidelio" von der RAI in Rom (1970) betrifft - lt. dem Buch "50 anni di Opera lirica alla Rai 1931-1980" singt Peter Schreier den Jaquino, während die diversen 'Piraten' Gerhard Unger nennen. Da ich diese Aufnahme nicht kenne, meine Frage: Wer singt denn nun?


    Hallo Carlo, es singt Gerhard Unger - ohne jeden Zweifel. Ich habe die Aufnahme und überzeugte mich soeben hörend von der Richtigkeit meiner Angabe.