Lieblings-Tonart !?

  • Hallo!


    Habt Ihr eine "Lieblings-Tonart" ?


    Auch wenn ich weitestmöglich davon entfernt bin, ein absolutes Gehör zu besitzen, also glücklich sein muß, wenn ich Dur von Moll unterscheiden kann, würde ich die Frage beantworten mit:


    Ja, und zwar d-moll.


    Warum, das kann ich nicht richtig begründen. Irgendwie hat diese Tonart (konkret und abstrakt) eine gewisse Faszination für mich. Dabei gefallen mir d-moll-Stücke längst nicht einfach nur so aufgrund ihrer Tonart.


    Ich will aber doch einige Gründe für meine Antwort anführen. Dies sind die wichtigsten:


    J.S. Bach: Die Kunst der Fuge
    J.S. Bach: Konzert BWV 1052
    J.S. Bach: Partita BWV 1004


    W.A. Mozart: Klavierkonzert KV 466
    W.A. Mozart: Quartett KV 421
    W.A. Mozart: Requiem


    F. Schubert: Quartett D 810


    J. Brahms: Klavierkonzert Nr. 1


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo Pius,


    rein gefühlsmäßig mag ich die b-Tonarten lieber.
    Also F-Dur, B-Dur, Es-Dur, As-Dur usw.
    Mir kommen sie wärmer und vertrauter vor als die Kreuztonarten.
    Ist aber wirklich nur Gefühl und eine Erklärung dafür habe ich nicht.



    Gruß, Peter.

  • Hallo Pius,


    irgendwie ist mir Es-Dur sehr lieb - beim Klimpern auf dem Klavier greife ich bei feierlichen, aber auch melancholischen Stücken, gerne in die Es-Dur-Tasten. Auch bei mir ist dies rein gefühlsbegründet, wie ich glaube.


    Uwe

  • Hallo,


    Meine Lieblingstonarten sind:


    E-Dur
    gis-Moll
    H-Dur
    Es-Dur


    d-Moll mag ich nicht sooo sehr. Ist mir zu ernst, trocken.

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Ich mag besonders gerne neben dem schon genannten d-Moll auch sehr gern
    die Tonarten h-Moll und fis-Moll, wohl weil sie bei meinen Lieblingsfugen in WTK
    1/2 angewendet wurden. Auch das angenehm zu spielende G-Dur ist hier zu
    nennen (wegen den Goldbergvariationen).

  • SDalut Padre,


    nein, es ist nicht d-moll bei mir, sondern Es-Dur, E-Dur und fis-moll und erst an vierter Stelle d-moll.


    Es-Dur ist so unaufdringlich bestimmend und sofort zu erkennen, und wie ein Vorposter meint "feierlich", einfach erhebend


    fis-moll natürlich wegen KV 488 II [und BWV 69 - nein, Blees-Werke-Verzeichnis 69].


    E-Dur wegen der Losgelöstheit, es ist schwebend und einfach zu nichts dazugehörend, zwischen Himmel und Hölle: "O statua gentilissima..."


    d-moll ist so unterschiedlich: Man vergleiche Bachs Doppelkonzert BWV 1060R und Mozarts KV 466/527 - zwei Welten treffen aufeinander....


    Weniger rühmlich sind F-Dur und G-Dur, f-moll - um so bemerkenswerter, was Mozart und Haydn [f-moll-Sympathisant] daraus machen!


    :jubel:


    Cordialement
    Ulli

  • Hallo,


    allgemein gefallen mir die Moll-Tonarten besser, vor allem


    g-Moll: z.B. "Herr, Herr, Herr, unser Herrscher" oder BWV 1001,


    wobei das nicht unbedingt etwas darüber aussagt, wie mir Stücke in anderen Tonarten gefallen (da wären etwa noch h-Moll "Et incarnatus", e-Moll "Crucifixus", c-Moll Musikalisches Opfer).


    Viele Grüße,
    qwer

  • Zitat

    Original von petemonova



    rein gefühlsmäßig mag ich die b-Tonarten lieber.
    Also F-Dur, B-Dur, Es-Dur, As-Dur usw.



    d-moll hat doch ein 'b'..


    Kann ich jetzt behaupten, dass ich d-moll mag aufgrund Mozarts
    Konzert KV466?
    Wäre das Werk weniger genial in einer anderen Tonart?


    Für Violinwerke ziehe ich a-moll und D-Dur vor, da diese Tonarten
    auf der Geige gut klingen und man sich beim Spielen nicht mit einem 'Wald' von Versetzungszeichen abmühen muss.

  • Zitat

    Wäre das Werk weniger genial in einer anderen Tonart?


    Eine durchaus interessante Fragestellung. Dazu müsste man einfach mal Stücke transponieren.
    Aber bei Stücken, bei denen sich schon jeder Ton so ins Gehirn gefressen hat
    (Kunst der Fuge bei mir zum Beispiel), würde das Transponieren wohl viel zerstören.
    Aber ich bin zu faul zum Ändern der Tonart am Klavier :D.

  • Zitat

    Original von Philhellene
    Mich reizt irgendwie cis-moll ganz besonders, ich weiß nicht, warum. Es scheint mir so geheimnisvoll und verhüllt zu klingen, dabei gibt es, soweit ich weiß, kaum Stücke, die explizit in dieser Tonart geschrieben sind.


    Salut,


    doch ein paar gibt es schon:


    Franz Schubert


    Moment musicaux cis-moll op. 94 Nr. 4
    Klaviersonatensatz cis-moll D655



    Ludwig van Beethoven


    Streichquartett cis-moll op. 131
    Klaviersonate cis-moll op. 27 Nr. 2



    Joseph Haydn


    Klaviersonate cis-moll op. 30 Nr. 2 [Hob XVI:36]



    Joseph Martin Kraus


    Sinfonie cis-moll VB 140



    Gustav Mahler


    Sinfonie Nr. 5 cis-moll [1901/1902]



    Johann Sebastian Bach


    Praeludium & Fuge cis-moll BWV 849



    Dann gibt es noch Werke von Rachmaninov, Chopin, Mussorgsky... überwiegend handelt es sich aber um Klavierwerke.


    Cordialement
    Ulli

  • Zitat

    Original von Vivaldi



    Kann ich jetzt behaupten, dass ich d-moll mag aufgrund Mozarts
    Konzert KV466?
    Wäre das Werk weniger genial in einer anderen Tonart?


    Salut,


    das Transponieren war ja in der Zeit der Wiener Klassik schon [noch] üblich. Selbst Bachs Doppelkonzert BWV1060 gibt es einmal in c-moll, einmal in d-moll. Ich mag es halt in d-moll [1060R] - das habe ich zuerst gehört und wahrscheinlich ist es prägend. Der letzte Satz wirkt durch das d-moll sehr fröhlich.


    Die Arie der Königin der Nacht habe ich in einer Originalhandschrift [Bearbeitung für Klavier und Sopran] aus dem 18. JH - in c-moll anstelle in d-moll. Vermutlcih hatte hier die Sängerin ein kleines Problem. Aber eben deswegen hat man ja transponiert. Schuberts Lieder beispielsweise werden sehr oft transponiert und somit der jeweiligen Stimmlage angepasst.


    Sehr interessant ist das Beispiel von Joseph Martin Kraus Sinfonie in x-moll :P
    x-moll daher: Ursprünglich komponierte Kraus sie in cis-moll, wurde dann aber von Joseph Haydn belehrt, dass man sowas nicht macht - und komponierte sie neu in c-moll. Er hat aber nicht einfach transponiert, sondern unter Verwendung des meisten Themenmaterials ein völlig neues Werk komponiert [das natürlich sehr ähnlich ist]. Die cis-moll-Sinfonie ist verklärter, zugleich aber auch heiterer und losgelöster, als die düster-feierliche c-moll-Variante. Wären die Tonarten also völlig egal, hätte das Transponieren ja ausgereicht...


    Mozarts KV 466, um darauf noch einzugehen, kann z.B. keinesfalls höher oder tiefer transponiert werden, wenn man bei Autenzität bleiben will. Mozarts Klavier war begrenzt auf f ''' - und dieser Ton wurde im Klavierkonzert stets ausgereizt - was die Tiefen betrifft, so ist das ebenso. Ganz trifft meine Aussage auch wieder nicht zu, denn die passendste überlieferte Kadenz zu diesem Konzert stammt für meinen Geschmack von Ludwig van Beethoven - der hatte bereits ein Klavier mit größerem Tonumfang in beiden Richtungen, den er ebenfalls "ausreizte".


    Cordialement
    Ulli

  • Hallo,


    Und außerdem hat für mich jede Tonart ihre Eigenart. In früheren Zeiten mag Transponieren mehr üblich und auch möglich (!) gewesen sein. Aber mit der Zeit wurden Tonarten immer bewußter verwendet, bis hin zu programmatischen Belegungen. Da kann man dann überhaupt nicht mehr transponieren, es würde einfach nicht der Intension und dem Inhalt gerecht, es würde unvollkommen und eben nicht ungewohnt klingen!


    Ich möchte mir jetzt gar nicht vorstellen, wie es klingt, wenn man das Ges-Dur Impromptu von Schubert nach G-Dur transponiert, wie es der Vereinfachung halber mal üblich war.


    Ich kann mich nicht für eine Lieblingstonart entscheiden. Das kommt auf den Moment und die Situation drauf an.


    Jede Tonart hat ihre Besonderheit, ihre Charakteristika und eine eigene Klangwelt.


    Viele Grüße,
    Daniel :hello:

  • Zitat

    Original von Daniel


    Ich möchte mir jetzt gar nicht vorstellen, wie es klingt, wenn man das Ges-Dur Impromptu von Schubert nach G-Dur transponiert, wie es der Vereinfachung halber mal üblich war.


    :kotz:

  • Ich find's auch schrecklich dass wir in unserem Musikschulorchester (ok das ist wirklich schlecht) die Vereinfachung vom Sommernachtstraum spielen, welche in d-Moll statt e-Moll steht (bzw. beginnt, moduliert natürlich).


    Btw.: Ich hasse generell Vereinfachungen, vor allem weil die vom Komponisten gewählte Tonart immer als erstes draufgeht, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann! Entweder Original oder gar nicht.

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Zitat

    Original von Philhellene
    Wieso schreibt man laut Haydn keine Sinfonien in cis-moll? ?(
    Oder ist das für manche Instrumente, die im Orchester vorkommen, eine äußerst unangenehme Tonart?


    Für alte Oboen mit drei oder so Klappen vermutlich schon (besonders wenn es dann auch mal nach Cis-Dur geht); die kann man auch nicht einfach höher stimmen (tiefer ginge schon).


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich bin ganz klar mollophil, sowohl was das Musikhören angeht als auch das Selbersingen. Wenn am Ende der Moldau das Thema in Dur wiederkehrt, könnt ich jedesmal :kotz: . Das macht dieses wundervolle Thema total kaputt. Prinzipiell mag ich auch Tonarten mit b-Vorzeichen mehr als solche mit #.



    Grüßle,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • mag grundsätzlich KIRCHENTONARTEN lieber als Dur oder moll, jedochh wenn schon, dann auch lieber moll oder Dur, das wie moll klingt :D

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Zitat

    Original von Philhellene
    Wieso schreibt man laut Haydn keine Sinfonien in cis-moll? ?(
    Oder ist das für manche Instrumente, die im Orchester vorkommen, eine äußerst unangenehme Tonart?


    Frag ihn doch... nicht umsonst wurde er seinerzeit als "Papa Haydn" bezeichnet.


    :P




    Zitat

    Original von Daniel
    Hallo,


    Also eine Klaviersonate in cis-moll hat Haydn geschrieben.


    Grüße,
    Danie.


    Salut,


    ja - sie ist wirklich exzellent.



    Zitat

    Original von BigBerlinBear
    mag grundsätzlich KIRCHENTONARTEN lieber als Dur oder moll, jedochh wenn schon, dann auch lieber moll oder Dur, das wie moll klingt :D


    Salut,


    warum?


    Ist es doch wohl die Tatsache, dass 'moll' zu deutsch 'weich' und 'Dur' zu deutsch 'hart' heißt? - wie Du weißt.


    ?(


    Cordialement
    Ulli

  • Ulli:


    Zitat

    Ist es doch wohl die Tatsache, dass 'moll' zu deutsch 'weich' und 'Dur' zu deutsch 'hart' heißt? - wie Du weißt.


    Lieber Ulli,


    Ei gewiss weiss ich das. aber ich hab nun mal eine Vorliebe für die Kirchentonarten und ich sagte dir ja auch schon, daß ich mich immer eher nur am Rande mit der Musik NACH 1600 beschäftigen kann, einfach, weil mir die Jahrhunderte VORHER und die musikalischen Schätze jener Zeit, die ja zum Teil noch "ungehoben" sind, keine, bzw. zu wenig Zeit dafür lassen. Aber wir hatten das ja schon an anderer Stelle einmal, glaube ich mich zu erinnern, daß es selbst bei Mozart "Duren" gibt, die wie "moll" klingen und empfunden werden bzw. umgekehrt ! Eines meiner Favoritstücke, den "Tonarten-Bereich" tangietrend, ist für mich Anton Bruckners "Os justi". Mit diesem Werk lieferte Bruckner ein Kunststück ab, das man zu den Kuriositäten der Chorliteratur zählen darf. Als Tonart wählte er F-Lydisch, und zwar ohne das sonst obligate ‚b’ als Vorzeichen und übergab seinem ehemaligen Vorgesetzten - wie er im Begleitbrief hervorhebt - ein Werk „ohne ‚Kreuz’ und ‚b’; ohne Dreiklang der 7. Stufe; ohne Quartsext-Akkord, ohne Vier- und Fünfklänge.“ Diese radikale Reduktion ließ nur die sieben Töne f, g, a, h, c, d, e und die daraus bildbaren Dur- bzw. Moll-Dreiklänge F, G, a, C, d, e übrig. Den genialen Komponisten hinderte dies aber nicht, den asketischen Satz mit diatonischen Dissonanzen reich zu dekorieren und ein faszinierendes Klangbild zu schaffen. DAS ist Musik der Art, wie ich sie besonders liebe und gerade die Epochen der Renaissance und des Frühbarock bieten dafür mannigfache Beispiele.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Lieber Urs magnus Berliniensis,


    siehst Du: Nichts anderes wollte ich von Dir Hören bzw. Lesen.


    Das Thema Moll-Dur bzw. Dur-Moll ist eben einfach ZU interessant, als dass hier solche Beiträge, wie die Deinigen fehlen dürften.


    Danke.


    :hello:


    Ulli

  • Ihr Lieben,


    beim lesen eurer Beiträge dachte ich über meine Lieblingstonart nach. Zur Zeit übe ich mich in Es Dur und finde es schön. Neulich war es es Moll auch das gefiel mir. Aber ich glaube es hängt eher von der Intesnsität und Stimmung ab, mit der ich mich mit einem Musikstück beschäftige. Als festlegen will ich mich noch nicht. Gleich setze ich mich an mein Klavier und laß einige Tonarten auf mich wirken.


    Gruß


    Detlef

  • Ich bin ehrlich gesagt bass erstaunt, dass so viel hier in der Lage sind Tonartencharakteristiken zu hören! (zumal kenne ich mindestens einen professionellen Musiker, der meint, dass in modernen gleichschwebender Stimmung von Tonartenunterschieden praktisch nichts mehr zu hören ist)
    Muß man dazu ein Streichinstrument gespielt haben oder was? Meine Musizierpraxis war zugeben zu kurz und zu spärlich, aber ich bezweifle sehr stark, dass ich ohne direkten Vergleich merken würde, wenn mir jemand Beethovens 9. einen Ton tiefer in c-moll präsentieren würde, oder eben die 5. einen Ton höher in d-moll...
    Oder geht ihr einfach danach, in welcher Tonart Stücke stehen, die euch besonders gefallen...?


    viele Grüße


    JR

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