Ludwig van Beethoven - Klavierkonzert Nr 1 in C-dur op 15

  • Was ist der Unterschied zu hier?


    Hallo Beethoven-Freunde,


    das ist jetzt die dritte RE auf dieses Zitat. Willi sieht hier klangliche Unterschiede; John nennt den Orchestersound hundsmiserabel.


    EMI: Der Klang der Szell-Aufnahme (EMI) ist in der Tat deutlicher und bietet mehr Details; aber mehr als 7 (von 10) würde ich dieser GA auch nicht beimessen, denn das ist wieder typischer EMI-Sound aus diesen Tagen - mit dem gedeckten wenig brillanten Klang. Die Interpretation ist ebenfalls herausragend und Szells mitmusizieren aufs feinste abgestuft und ausgeklügelt.Ich schätze diese Aufnahmen sehr.
    :!: Aber dennoch packt mich diese Aufnahme nicht so wie die Brillant-Aufnahme unter Masur. Mir wirkt das zu "normal", zu perfekt sauber.


    Brillant: Der Orchesterklang ist nicht das Gelbe vom Ei. Aber der russische Orchesterklang in seiner Schärfe und Härte fastziniert mich ja ohenhin schon immer. Der ist auch hier gegeben und verleiht der Aufnahme (bei allen 5) eine innere Spannung, die mich packt, wenn auch tontechnisch nicht ganz perfekt eingefangen. John, hundsmiserabel nenne ich wirklich was anderes (sz.Bsp. die alten russischen verfärbten Mono-Aufn.), denn verfärbt klingt das Orchester nicht. Hingegen klingt das Klavier sehr brillant und voll perlend, die EMI-Aufnahme beim Klavier noch übertreffend.
    :!: Die Interpretation ist flotter, zupackender, weniger brav, Gilels Anschlag göttlich - das packt mich einfach noch mehr, als die Szell-Aufname; die Kadenz hat ebenfalls mehr Biss.

  • Vom 1. Beethoven-Konzert besitze ich unzählige Aufnahmen (von Gilels alleine drei oder vier, u.a. seine Aunfahme aus Prag mit der Tschechischen Philharmonie), und eine ganze Reihe davon sind wahrlich hochkarätig.


    Trotzdem gibt es in diesem Fall für mich eine eindeutige "Nr. 1": Die Live-Aufnahme von Arturo Benedetti Michelangeli mit Carlo Maria Guilini und den Wiener Symphonikern. Das ist wahrlich eine der ganz wenigen Platten, die für mich die Bezeichnung "Jahrhundertaufnahme" verdienen. Leider hat sich die DGG bis heute nicht entschlossen, das Video auf DVD herauszubringen. Sehr ärgerlich! Gerade beim 1. Klavierkonzert (es gibt Aufnahmen des 1., des 3. und 5. Konzerts) ist eine unglaubliche knisternde Spannung drin - Michelangeli spielt das mit "Eros" und Guilini ist ein kongenialer Partner. Michelangeli hat dieses Konzert aus dem Schatten Mozarts herausgerückt. Bei vielen sehr schönen Aufnahmen klingt Beethovens Erstes ja eher wie ein etwas verspäteter Mozart.



    Beste Grüße
    Holger

  • Um William B.A. ein bißchen zu präzisieren: bei der Brilliant-Box ist das Orchester hundsmiserabel eingefangen - massig, groß, undifferenziert, man könnte auch schon breiig sagen.
    Bei der EMI-Box dagegen spielt das Cleveland-Orchestra in reduzierter Besetzung unter Szell, der immer und jeder Zeit mit Gilels mithalten kann. Für das Alter der Aufnahme ist ihr Klang hervorragend: klar, deutlich, direkt, Details nicht verdeckend.
    Außerdem beinhaltet die EMI-Box noch weiter Aufnahmen der Klavierkonzerte Beethovens mit Gilels unter anderen Dirigenten, teilweise aber in mono und eine phänomenale Tschaikowsky-Einspielung ist auch noch mit dabeii.


    John Doe
    :hello:

    Vielen Dank; also wäre diese Box vorzuziehen oder spiegelt sie die Vorzüge, die teleton beschrieb (straff und flott) nicht so wider wie die Brilliant-Aufnahme?


    P.S. Ich sehe gerade, teleton hat das in Post 31 schon beantwortet!


  • Hallo Beethoven-Freunde,


    das ist jetzt die dritte RE auf dieses Zitat.

    Da sieht man einmal, was es bewirkt; wenn man einen seit vier Jahren verstaubenden Thread hervorholt und nach einem erneuten Höreindruck eine simple Frage stellt! :) Und ich habe jetzt drei Aufnahmen des Konzerts mehr ...

  • Vielen Dank; also wäre diese Box vorzuziehen oder spiegelt sie die Vorzüge, die teleton beschrieb (straff und flott) nicht so wider wie die Brilliant-Aufnahme?

    Um es kurz zu machen, ich hatte zuerst die Brilliant-Box und hab mir dann noch die von EMI besorgt, mit der Folge, dass ich mich von ersterer verabschiedet habe.
    Gilels spielt in jeder Aufnahme hervorragend, Masur spielt auch nicht schlecht, aber sein Spiel ist halt tontechnisch mies eingefangen. Und Szell und sein verkleinertes Orchester, die halten mit Gilels mit.


    Ein weiterer Unterschied liegt auch noch in dem, was die Boxen sonst noch bieten:
    die von Brilliant nur noch einige Klaviersonaten, derweil die von EMI neben den Szellaufnahmen die KK1 und 2 unter Vandernoot, 3 unter Cluytens und 4 und 5 unter Ludwig beinhaltet. Außerdem sind auch noch Rachmaniniv 3, Saint Saens 2 und alle 3 Tschaikowsky-Konzerte in phänomenaler Interpretation plus kleiner Stücke und Sonaten von Mozart, Beethoven, Chopin und Schostakowitsch mit an Bord.
    Ich kann die die EMI-Box also sowohl wegen Beethoven empfehlen, aber auch genau so wegen Tschaikowsky.


    Brillant: Der Orchesterklang ist nicht das Gelbe vom Ei. Aber der russische Orchesterklang in seiner Schärfe und Härte fastziniert mich ja ohenhin schon immer. Der ist auch hier gegeben und verleiht der Aufnahme (bei allen 5) eine innere Spannung, die mich packt, wenn auch tontechnisch nicht ganz perfekt eingefangen. John, hundsmiserabel nenne ich wirklich was anderes (sz.Bsp. die alten russischen verfärbten Mono-Aufn.), denn verfärbt klingt das Orchester nicht. Hingegen klingt das Klavier sehr brillant und voll perlend, die EMI-Aufnahme beim Klavier noch übertreffend.


    O.k. hundsmiserabel mag jetzt etwas übertrieben sein, aber bei mir kommt er als eine einzige kompakte Klangmasse rüber, die sich im Hintergrund eines sehr präsenten Klavieres austobt. Da man damaliger Zeit auch in der UdSSR zu besserem fähig war diese Kritik.


    John Doe
    :thumbsup:

  • Die Brilliant-Box lohnt sich angesichts des niedrigen Preises m.E. allein wegen der KlavierSONATEN, insbesondere, wenn man die DG-Box nicht hat. Gilels ist auf diesen Live-Mitschnitten einiger Sonaten jedenfalls flexibler, spontaner und spielfreudiger als im Studio, wo manches doch sehr monumental und streng wirkt.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Die Brilliant-Box lohnt sich angesichts des niedrigen Preises m.E. allein wegen der KlavierSONATEN, insbesondere, wenn man die DG-Box nicht hat. Gilels ist auf diesen Live-Mitschnitten einiger Sonaten jedenfalls flexibler, spontaner und spielfreudiger als im Studio, wo manches doch sehr monumental und streng wirkt.


    7,50 Euro neu ist wirklich gut für sechs CDs!

  • Ich will jetzt noch eine weiter Box ins Rennen schicken; die nebenstehende. Ich habe die Beethovenkonzerte mit Barenboim und Klemperer noch in einer anderen Box, aber hier kommen noch Mozart, Schumann, Liszt und Brahms hinzu.
    Nun aber zum Ersten Beethoven, aufgenommen 1967, als Barenboim 24 und Klemperer 82 waren. Wer hätte gedacht, dass so etwas Exemplarisches dabei herausgekommen wäre, und dann bei einem Dirigenten, der ohnehin nicht gerne begleitete. Aber in Barenboim hatte Klemperer erstaunlicherweise wohl den Richtigen gefunden. Diesem Konzert kann man m. E. ohne Weiteres Referenzstatus zubilligen. Barenboim, der damals noch hauptsächlich Klavier und Kammermusik spielte (mit seiner Ehefrau Jacqueline du Pré und Pinchas Zukerman), brachte hier eine superbe Wiedergabe des C-dur-Konzertes zu Stande,
    Ich bin nicht der Meinung von wok, der Gilels' Interpretation dieses Konzertes als "etwas zu mächtig" empfindet, weil man dieses Konzert m. E. nicht zu mächtig spielen kann. Es ist mächtig. Es hat einen ganz großen Rahmen, ist voll ausgereift und ist Beethoven im besten Sinne. Das Zweite (das eigentlich Erste) ist dagegen von kleinerem Rahmen, natürlich nur im Vergleich zu den übrigen Beethoven-Konzerten.
    Dieser große, majestätische (C-Dur), teilweise sogar etwas monumentale Rahmen erscheint uns hier. Das Konzert ist von der ersten Note an groß, wozu auch die Kadenz Barenboims hervorragend passt, gerade zu dem besonderen symphonischen Rahmen des späten Klemperer.
    Nun kann man aber keinesfalls sagen, dass das Tempo zu langsam wäre. Gerade im Largo passt es wunderbar. Da ist mir manche andere Interpretation eher etwas zu schnell, aber für meine konservative Haltung kann ich eh' nichts. Das gesamte Klangbild ist m.E. brilliant, im Klaviersatz geradezu luzide, der Anschlag Barenboims vom Feinsten (mein Gott, was hätte aus dem noch werden können, wenn er nicht mit dem Dirigieren angefangen wäre). Last but not least ist auch das Dirigat Otto Klemperers exzellent.


    Liebe Grüße


    Willi :thumbsup: :thumbsup::thumbsup:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Die Michelangeli/Guilini-Aufnahme habe ich damals live an einem Sonntag im Fernsehen miterlebt.
    Sie ist in sich stimmig und die beiden ergeben m.E. eine ideal harmonierende Kombination mit einem sehr ähnlichen Beethovenbild. Hier wird gezeigt, wie gut man diesen Komponisten doch auch auf höchstem Niveau spielen konnte, wenn man von Inhalten der historischen Spielweise unbeeinflusst war. Heute kann und will auch niemand mehr an den Erkenntnissen zu Tongebung und Artikulation/Sprachdynamik der "historisch Informierten" vorbeigehen- auch Thielemann tut dies übrigens bei Beethoven nicht (bei Bach wohl schon noch....), auch wenn einige seiner Anhänger ( zu denen ich mich durchaus zähle) sich das gerne so hinreden, ebenso seine "Feinde".
    So "nach Beethoven" klingend wie bei dieser o.g. Live-Aufführung habe ich die klassische Musik kennengelernt, weshalb ich diesen Stil manchmal als "klassisch" gespielte Wiener Klassik bezeichne. Ich mag diese klassische Aufnahme sehr und ziehe diesen konservativen aber innerhalb dieser Welt eben sehr gut gemachten Ansatz bei weitem jenen übrigens in sich auch gut gemachten Radikalversuchen vor, bei denen z.B. im 3. Satz das Orchestertutti sich wie eine reine Bläsermusik anhört, weil die armen Soloviolinen gegen deren Lautstärke im Tutti-Forte kaum ankommen.


    Sehr virtuos, feurig und effektvoll spielte Martha Argerich dieses C-Dur Konzert mit dem Philharmonia Orchestra und Sinopoli ein.



    Das Wort "zusammen" habe ich hier bewusst weggelassen. Zwar sind Orchester und Solistin zeitlich immer zusammen, von der eigentlichen Interpretation her aber nicht. Ich höre da ein breit artikulierendes und dynamisch flach spielendes Orchester, das in seiner routinierten Uninspiriertheit in merkwürdigem Kontrast zum argentinischen Vulkan steht. Wer sich beim Hören hauptsächlich aufs Klavier konzentrieren will oder kann, der wird jedoch ein sehr lebendiges und mitreissendes Beethovenspiel erfahren können. Pianistenstudenten mit Ambitionen sollten diese Aufnahme kennen....


    Von der historischen Aufführungspraxis hinsichtlich der Spielweise hörbar beeinflusst spielten die Wiener Philharmoniker unter Simon Rattles Leitung, während Alfred Brendel seinen sehr ausgearbeiteten und gleichzeitig erzmusikalisch-emotionalen Klavierpart spielte. Diese Einspielung wirkt auf mich immer erfrischend und bewegend zugleich. Das Zuhören ist eine grosse Freude:



    Aufpassen: Diese Aufnahme gibt es bei JPC nicht mehr als GA (nur noch einzeln die Konzerte 4&5), bei Amazon allerdings schon noch.


    Das Orchesterspiel ist bei der Aimard/Harnoncourt-Aufnahme artikulatorisch raffiniert, entlang den Regeln der historischen Spielweise immer auch sehr individuell Harnoncourt (man höre auf den geheimnisvollen Anfang mit der Phrasierungsrichtung, dann, an der ersten reinen Streicherstelle, den gestisch geschwungenen Auftakt aus drei gebundenen 1/8teln bestehend, dann etwas später - und das macht nur er- ein Bogenvibrato auf den 1/8-Tonrepetitionen....und so geht es weiter) und auch bei manchen Bläserstellen, die woanders im Tutti nahezu unhörbar untergehen (nicht bei Schoonderwoert...), klingt es sehr logisch und musikalisch ausgearbeitet.
    Bei Airmards Klavierspiel gefallen mir viele Dinge, insbesondere auch sein runder, niemals harter Anschlag.



    Momentan hat JPC die Aufnahme um 67% von 30,99 auf 9,99 EUR reduziert. Allen nicht Harnoncourt-Feinden, denen diese Box im Regal noch fehlt, kann man nur empfehlen, jetzt zuzuschlagen.


    Gruss
    Glockenton

  • Klemperer präsentiert mit dem Einsatz des Orchesters einen wuchtigen, strengen, mächtigen Beethoven, der seine Inspiration nicht von der Jugendfrische – von der war Klemperer anders als Barenboim zum Zeitpunkt der Aufnahme ja auch schon weit entfernt –, sondern von den Schicksalsmächten der 5. Sinfonie her enthält. Barenboim verweigert sich dem, übernimmt den gegensätzlichen Part der Zartheit.

    Barenboim/Klemperer: Viel zu schwer und viel zu langsam. So geht das nicht. Auch wenn es gut gemacht ist.


    Lieber Willi und Glockenton,


    ich kenne die Barenboim/Klemperer-GA nicht und kann mir daher auch kein Urteil bilden. Selber habe ich um diese als "Wurstfinger-GA" verschrienen Aufnahmen aber immer einen Bogen gemacht.
    Die oben genannten Zitate von Thomas und Hans sprechen auch nicht gerade für diese Interpretationen. Wie stehst Du dazu ?



    Die von Glockenton genannten 3 Aufnahmen wären für mich nicht geeignet:
    1. Bei Sinopoli passt das flach aufspielende Orchester nicht; obwohl Argerich mit Herzblut dabei ist - einfach nur schade. Sinopoli kann ich ohnehin einfach nicht ab ...
    2. Brendel mit Haitink ist für mich eine fabelhafte Aufnahme, die für Jahrzehnte (schon auf LP) mein Favorit war, aber Rattle und Beethoven, das geht ja gar nicht zusammen ...
    3. Dann die Differenzen auf der Klavierseite bei Aimard, mit "seinem runden, niemals harter Anschlag" für Beethoven ...



    8-);) Bei den Beethoven-KK will ich einen Anschlag a´la Gilels und ein Orchester a´la Bernstein !

  • Sagitt meint:


    Ich erinnere mich noch gut an meine erste Aufnahme dieses Konzerts. Richter mit Leinsdorf und den Bostonern, eine Aufnahme bei RCA. Richter war damals eine Sensation.Das war Anfang der sechziger Jahre.
    Das erste hörte ich dann ganz gerne, aber es war nie ein Favorit,wohl lieber als das B-Dur, aber deutlich weniger geschätzt als die letzten drei,wobei das Es-Dur-Konzert lange mein Favorit war.
    Es werden sicher viele Aufnahmen vorgestellt.
    Ich will hier nur eine hinweisen: Lars Vogt mit Rattle. Leider nur zwei Konzerte, weil Rattle dann mit Brendel alle fünf machte- Ober sticht Unter- Vogt brachte damals zwei Versionen heraus: mit der Beethoven- und mit den Gould-Kadenz heraus.Die Aufnahme wurde 1996 veröffentlicht. Muss man sie wegen der Gould-Kadenz haben ? Nein, sicher nicht. Interessant, aber mehr auch nicht.
    Vogt ist ein guter Pianist. Rattle war damals mit seinen Birmighamern sehr gut unterwegs. Die beiden hatten eine Aufsehen erregende Debüt-Platte gemacht ( Schumann und Grieg). Vogt hat sich nicht übermäßig in Deutschland durchgesetzt,bei Beethoven ist die Konkurrenzu geradezu übermächtig. Ich schätze an dieser Aufnahme das Zusammenwirken beider. Sie befeuern sich gegenseitig- dritter Satz von op. 15. Ehe Vogt untergeht, wird er hier erwähnt.

    Meinst du hier hier?


    Oder die hier:



    Oder die?


  • Vielleicht kommt ja mit Bronfman/Zinman demnächst eine klangschöne Aufnahme mit vernünftigem Tempo im Kopfsatz. Der Satz ist ja ziemlich breit angelegt, besonders das Hauptthema extrem simpel; mir wird er wenn breit und pompös genommen ziemlich schnell fad, d.h. entweder schnell und etwas rauh wie Gould oder eben kontrastreich im Detail

  • Ganz oben steht bei mir die DG-Einspielung mit Levin, Gardiner und dem ORR. Derzeit liegt sie mir infolge vorzeitigen Abhandenkommens nicht vor und ist ersatzeshalber anlässlich dieser Zeilen bereits bestellt, aber ich erinnere mich, dass das Kennenlernen dieser Interpretation(en) wie eine Offenbarung für mich war. Die Langeweile, die sich bei herkömmlichen Interpretationen so gerne mal einstellt, konnte gar nicht erst aufkommen. Ich bin schon voller Erwartung, diese wunderbare Aufnahme bald wieder in Händen zu halten.


    Bis dahin halte ich mich mit meiner Zweitplazierten über Wasser: Steven Lubin mit Christopher Hogwood und AAM (Decca) ...

  • Fleisher/Szell. Flott, zupackend, kann man immer wieder hören. Was die beiden geleistet haben, ist schon enorm. Ich kenne keine Lusche von denen, allerdings bei Beethoven finde ich nur 4 und 5 sensationell.


    Richter/Bakal (1956) mistiges Orchesterspiel zu langsam, total dumpfer Klang, aber Richter donnert unglaublich und produziert auch m.E. jede Menge falsche Noten.
    Es sollte Besseres mit Richter geben, auch wenn ich mich an ein Konzert beim SH Festival mit Eschenbach in NMS erinnere, das so grottig war, dass nur ein Liter HolstenPils hinterher den Schmerz lindern konnte.

    Finde ich nicht!


    Solomon/Menges. Auch flottes Spiel, aber Solomon ist mir zu neutral und Menges geht nicht aus sich raus. Ich finde vom Solomon Zyklus die Dirigate mit Cluytens gelungener, weil sie schneller und zupackender sind.


    Doch dann habe ich noch Serkin/ Cantelli gefunden. (Mal fürn 5er mit dem KKs 3, 4 und 5 und den Sinfonien 5 und 7 auf 3 CDS,- Must mal was von Cantelli haben-, gekauft.)

    Finde nur mit Kubelik!

  • Dennoch gibt es noch zwei weitere Einspielungen dieses Klavierkonzertes Nr 1, die mich ähnlich auf ihre Weise überzeugen, und die ich ebenso gerne höre, und zwar die alte Mono-Aufnahme mit dem leider völlig zu Unrecht fast vergessenengroßartigen BEETHOVEN- und SCHUBERT-Interpreten FRIEDRICH WÜHRER mit dem PRO MUSICA-SYMPHONIE-ORCHESTER WIEN unter HANS SWAROWSKY

  • Bei BACKHAUS besticht immer wieder die für mich so ästhetische Sachlichkeit seiner Interpretaton, die gerade bei diesem relativ frühen Werk manch anderer zu sehr romantisierender Darstellung seiner berühmten Pianistenkollegen m. E. vorzuziehen ist. Mit seiner bewußt unpathetischen Spielweise findet er zu einer gesunden Mitte zwischen Frische des Zugriffs und Differenzierung des Ausdrucks. Den 1. Satz nimmt er etwas langsamer als GLENN GOULD, das Largo dafür deutlich schneller als der doch etwas sehr breite GOULD.



    Bin ich blind oder warum führt Amazon das nicht?


  • Natürlich meint er die. Ist nämlich jedesmal dieselbe Aufnahme, nur in anderer Verpackung. Die mittlere war das hochpreisige Original, das ca. Mitte der 1990er Jahre erschien, dann folgte im Rahmen der EMI-Niedrigpreis-Reihe "Nipper Collection" die unten gezeigte (Die "Nipper"- Reihe ist wohl 2009/10 ausgelaufen - jedenfalls kamen in dieser Reihe seither keine 'neuen' Sachen mehr heraus). Und ganz oben, lieber Yorick, präsentierst Du die aktuelle Aufwärmung der alten Platte in EMI's derzeitiger Billig-Reihe "Red Line" (die's unter diesem Namen, aber in anderem Cover-Design in den 90ern und frühen Nullerjahren bereits auch schon mal gab).
    Alles wiederholt sich und das immer schneller.


    Grüße,
    Garaguly

  • Hallo teleton,


    warum denn ein fähiger Spitzendirigent wie Rattle und Beethoven nun gar nicht zusammengehen sollen, kann ich nicht verstehen und Deinem Beitrag nicht entnehmen.
    Ich jedenfalls höre das anders, und Alfred Brendel offensichtlich auch. Vor kurzem sah ich eine DVD mit einer Brendeldokumentation. Ein grosser Teil des Films war die Probenarbeit der Herren Brendel und Rattle.
    Brendel hat dort mit grosser Begeisterung und Wertschätzung mit Rattle zusammengearbeitet, was ich nachvollziehen kann. Nach dem Anschauen des Films schätze ich diese Aufnahme noch mehr als früher, weil ich die Intentionen der Künstler anhand der Probenarbeit und der mir vorliegenden Noten nun noch besser verstehen kann.


    Ein harter Anschlag mit hartem Handgelenk gilt bei den klassischen Pianisten als hässlich und verpönt (nicht bei den Rockern...) Auch im Forte soll man als Pianist immer eine wohltönende Klangqualität behalten, was natürlich auch eng mit der Intonation des Klaviertechnikers zusammenhängt, der aber wiederum auf die Wünsche des Pianisten eingeht.
    Wenn ich schrieb, das Airmards Anschlag immer voll, singend und angenehm rund ertönt (wie ich es auch von Paul Lewis kenne), dann kann ich das nur als fachliches Kompliment und kaum als Negativum verstehen.


    Ausserdem möchte ich allgemein davor warnen, sich eine CD nur aufgrund meiner oder anderer Taminos Beiträge zu kaufen bzw. nicht zu kaufen. Jeder hört die Musik anders und verbalisiert seine Eindrücke auch entlang seiner inneren Erfahrungswelt und seiner persönlichen Ausdrucksweise, die bei Leser wiederum ganz andere Assoziationen auslösen kann. Deswegen führt am Probehören kein Weg vorbei, wenn man sich vor Fehlkäufen und dem Stress der anschliessenden Online-Verkäufe über ebay schützen will. Zum Gewinnen eines Höreindrucks gibt es ja im Internet-Zeitalter durchaus Möglichkeiten.


    Ein Fehlkauf kann ja auch ein Fehl-Nichtkauf sein; dann nämlich, wenn ich eine CD nur aufgrund eines Verisses oder gar aufgrund des Lobes eines bestimmten Rezensenten gar nicht erst an mich heranlassen will (Letzteres scheint in meinem Fall öfter zuzutreffen - ich muss einen furchtbaren Geschmack haben :D ), mir also ein möglicherweise schönes Musikerlebnis entgeht.
    Hier veröffentlichte Rezensionen können und sollen m.E. eine Anregung zum Selberhören sein, was einem Kauf bei nicht ganz üppigen Budget praktischerweise vorausgehen könnte.


    Aber natürlich macht das jeder mit sich selbst aus, weshalb meine Ausführungen auch als allgemeine Bemerkungen und nicht als Vorschriften zu verstehen sind.


    Gruss
    Glockenton


  • Und auf diese ganz obskuren Labels braucht man für diese Einspielung mit Roll/Shelley gar nicht zurückzugreifen. Es gibt sie gerade ganz günstig bei jpc. Und zwar so:


    Auch noch als SACD. Aber bestimmt keine Spitzen-SACD's. Wobei - man soll ja nicht rumstänkern gegen etwas, das man gar nicht kennt. Habe keine einzige Scheibe aus dieser Reihe.

    Grüße,
    Garaguly

  • Natürlich meint er die. Ist nämlich jedesmal dieselbe Aufnahme, nur in anderer Verpackung. Die mittlere war das hochpreisige Original, das ca. Mitte der 1990er Jahre erschien, dann folgte im Rahmen der EMI-Niedrigpreis-Reihe "Nipper Collection" die unten gezeigte (Die "Nipper"- Reihe ist wohl 2009/10 ausgelaufen - jedenfalls kamen in dieser Reihe seither keine 'neuen' Sachen mehr heraus). Und ganz oben, lieber Yorick, präsentierst Du die aktuelle Aufwärmung der alten Platte in EMI's derzeitiger Billig-Reihe "Red Line" (die's unter diesem Namen, aber in anderem Cover-Design in den 90ern und frühen Nullerjahren bereits auch schon mal gab).
    Alles wiederholt sich und das immer schneller.


    Danke, lieber Garaguly, daher blickt man ja kaum noch durch! Und lieber einmal mehr gefragt ...

  • Hallo lieber Yorick,


    Vielen Dank für den Hinweis auf die FRIEDRICH WÜHRER Aufnahme: "Back from the Shadows"! Das ist sehr aufmerksam! Dafür wurde es aber auch Zeit, denn eine solche Oblivion hat er absolut nicht verdient!


    Die Box enthält übrigens auch Aufnahmen mit dem Weltklasse-Geiger BRONISLAV GIMPEL, der ähnlich wie bisher FRIEDRICH WÜHRER ein kaum nachvollziehbares Schattendasein fristet. Kaum ein Geiger spelte z. B. das BEETHOVEN-Violinkonzert so hinreißend wie er. Für meine Einspielung mit den BAMBERGER SYMPHONIKERN unter HEINRICH HOLLREISER lasse ich heute noch jede andere Aufnahme stehen!

    Zitat

    Yorick: Bin ich blind oder warum führt Amazon das nicht?

    Ich kann nicht ganz verstehen, warum Du die Gesamteinspielung der BEETHOVEN-Konzerte mit WILHLEM BACKHAUS bei AMAZON nicht findest. Sie hat wohl nur ein anderes Cover:



    Ich habe zwar bei AMAZON diese BACKHAUS/ISSERSTEDT - Aufnahme gefunden, doch bekomme ich kein Bild. Warum, weiß ich nicht. Kannst ja Du nochmals versuchen.


    Viele Grüße


    wok

  • Es ist wohl so, dass die Aufnahme zur Zeit nur als Vinyl-Schallplatte von Privatanbietern zu haben ist.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).