Mendelssohn Bartholdy: Klavierkonzerte

  • Hallo allerseits,


    Mendelssohn schrieb mehrere Klavierkonzerte, als da wären:


    Klavierkonzert Nr. 1 g-moll (komponiert 1831)
    Klavierkonzert Nr. 2 d-moll (komponiert 1837)


    Konzert für 2 Klaviere E-Dur (komponiert 1823)
    Konzert für 2 Klaviere As-Dur (komponiert (1824)


    Klavierkonzert a-moll (über das ich nichts weiter weiß)


    Ich habe mich bislang nicht sehr intensiv mit den Werken befasst, möchte dies aber nun zusammen mit Euch nachholen. Selten genug greife ich zu diesen Konzerten, die ich zwar als elegant und teilweise leidenschaftlich empfinde, die aber dennoch nicht so recht in meiner Erinnerung haften bleiben wollen.


    Diese Aufnahmen liegen mir vor, die ich trotz fehlender Vergleichsmöglichkeit als sehr gelungen einstufen würde:


    Die Konzerte 1 und 2 gespielt von Rudolf Serkin:



    Dann wäre da noch eine Aufnahme der beiden Konzerte für 2 Klaviere von dem amerikanischen Brüderpaar Anthony und Joseph Paratore (Rias-Sinfonietta unter Uros Lajovic); erschienen bei Koch-Records, 1980/82:



    Über die Paratores schrieb J. Kaiser:


    „Wenn die beiden beginnen, fängt Übereinstimmungshexerei an. Dass es so etwas überhaupt gibt, eine so selbstverständliche, vollkommene Gleichheit des Phrasierens, Atmens, Trillerns, Mit,- Durch- und Übereinanderspielens. Sinnlos, dieses Zusammenspiel nur präzise zu nennen… Sie sind ein Klavierzentrum mit vier Händen.“


    Hat er schön und treffend gesagt, der Herr Kaiser. Und nun seid Ihr dran…


    Gruß, Cosima

  • Salut,


    die beiden Doppelkonzerte [ungwöhnliche Instrumentalkonzerte?] mit jeweils vier Vorzeichen schätze ich sehr!


    Ich habe sie in folgender Einspielung:



    Stephen Coombs & Ian Munro
    BBC Scottish Symphony Orchestra
    Jerzy Maksymiuk


    Eine Aufnahme mit Esprit und glänzender Virtuosität!


    :jubel:


    Cordialement
    Ulli

  • hallo Cosima,


    zu den mendelssohn-konzerten kann ich nicht viel beisteuern. sie interessieren mich nicht. ich empfinde sie als sehr konventionell und 'mode-kompositionen'. ich kenne aufnahmen mit perahia und s. hough.


    aber bezgl. den paratore-brüdern kann ich kaisers statement absolut bekräftigen. IMO das grandioseste fixe klavierduo, dass ich kenne. ich erlebte sie auch mal live in der düsseldorfer tonhalle. der totale wahnsinn ! die sind so top, dass sie auch einzeln hätten eine weltkarriere aufbauen können. einige aufnahmen, die bei koch damals erschienen und nicht mehr aufgelegt werden, erzielen liebhaber-preise !


    gruß, siamak

  • Hallo,


    Ein sehr schöner thread für mich als Mendelssohn-Freund.


    Das a-moll Konzert ist ein Jugendwerk, daß er im Alter von 13 Jahren geschrieben hat, und vermutlich im Rahmen der Sonntagsmusiken auch selber aufgeführt hat. Es gehört zu meinen absoluten Lieblingswerken von Mendelssohn. Warum? Es vereint Spielfreude, Melodiösität, Motivspiele und auch Virtuosität in beeindruckender Weise. Ein entscheidendes Vorbild für Mendelssohn war hier ganz klar Hummel, doch mag ich zu viele Vergleiche von Komponisten dann nicht, wenn die Eigenständigkeit eher in den Hintergrund gedrängt wird, und dieses Werk ist eben sehr eigenständig und originell, deshalb vergleiche ich nicht weiter.


    Für mich ist die Referenzaufnahme die mit Andreas Staier und dem Concerto Köln (Staier spielt auf einem fortepiano Johann Fritz, Vienna c1825, denn es verdient eine spezielle Erwähnung):


    Darauf enthalten ist sein Konzert für Klavier, Violine und Streicher d-moll. Auch sehr empfehlenswert. Das Werk eines 14-jährigen. Hummel hat übrigens auch hier eine Vorbildfunktion, auch mit einem Konzert für Klavier und Violine.


    Eine weitere Empfehlung für das a-moll Konzert, ist folgende CD, die ich erst kürzlich gekauft habe mit Ronald Brautigam und der Nieuw Sinfonietta Amsterdam unter Lev Markiz, erschienen bei BIS (mit den beiden Klavierkonzerten 1 und 2).


    Chronlogisch gesehen kommen nun die beiden Konzerte für 2 Klaviere, die insgesamten einen abgerundeten Charakter haben. Man spürt deutlich die Vorstellung einer Mozartschen Formschönheit und einer ausgereiften musikalischen Linie in der Laufbahn des jungen Mendelssohn, zudem mit größerer Orchesterbesetzung.


    Nun zu den beiden Klavierkonzerten Op. 25 und Op. 40.
    Folgende Empfehlungen: Zunächst einmal Andras Schiff, der sie poetisch perfekt ausleuchtet und dem eine feinsinnig-besinnliche Interpretation, aber auch mit Spielwitz, gelungen ist:


    Murray Perahia hat auch eine sehr gelungene Einspielung gemacht, die sehr ausgewogen ist, zum Beispiel hier (es gibt mehrere CD Zusammenstellungen, aber ich es sollten sich bei der mit Marriner stets um die gleiche Aufnahme handeln?):


    Die oben genannte Aufnahme mit Serkin ist einfach herrlich in den Tempi, so frisch und zupackend! Auf alle Fälle eine Empfehlung!


    Damit viele Grüße,
    Daniel :hello:

  • Hallo Siamak,


    mich fasziniert der vollkommene Gleichklang im Spiel der Brüder sehr! Nachzutragen wäre noch, dass die Beiden italienischer Abstammung sind und zunächst eine Solo-Karriere anstrebten, bevor sie sich 1974 zum Duo zusammenschlossen.


    Gerade sehe ich, dass es eine sehr günstige DVD mit dem Brüderpaar gibt: Anthony & Joseph Paratore - 20th Century Music for 2 Pianos


    ... Die werde ich mir vielleicht zulegen.



    Hallo Daniel,


    es freut mich, dass sich gleich ein Mendelssohn-Liebhaber zu Wort meldet. Vielen Dank für Deine Zeilen, da macht es gleich viel mehr Spaß, sich mit den Werken auseinander zu setzen. Vielleicht meldet sich ja noch Peter zu Wort, dessen Lieblingskomponist Mendelssohn ist.


    „Frisch und zupackend“ – so würde ich die Serkin-Aufnahme auch charakterisieren.


    Gruß an Euch beide
    von Cosima


    Nachtrag: Da habe ich doch glatt den Ulli überlesen. Die Hyperion-Aufnahme hatte ich auch schon im Visier. Aber bislang ging es mir ein bisschen wie Siamak; die rechte Begeisterung für die Mendelssohn-Konzerte wollte sich nicht einstellen, weshalb ich von Alternativen absah.

  • Zitat

    Original von Cosima
    Vielleicht meldet sich ja noch Peter zu Wort, dessen Lieblingskomponist Mendelssohn ist.


    Da bin ich schon! :hello:


    Auch ich muss ehrlich gestehen, dass mich Mendelssohns Klavierkonzerte nicht hinter dem Ofen vorlocken können. Das zweite Konzert mag ich ganz gerne, zum Ersten habe ich keine große Meinung, weil zu selten gehört und die Jugendwerke kenne ich noch gar nicht.


    Ich besitze eine Einspielung mit Jean Louis Steuerman, den ich auch nur von dieser Aufnahme kenne. Sehr solide, aber sicher keine überragende Einspielung. Vielleicht ist demnächst mal eine Zweitaufnahme drin.




    Gruß, Peter.

  • Hallo,


    Mendelssohn's Opera 25 und 40 haben sich nicht in dem Maße auf Konzertpodien eingebürgert wie Beethoven, Mozart, Tschaikovsky, etc. Warum eigentlich nicht?


    Beide Klavierkonzerte wurden von schnellerer Hand skizziert als zum Beispiel seine Symphonien oder sein e-moll Violinkonzert. Schneller heißt hier aber nicht flüchtig. Aber schneller heißt hier losstürmend, frisch und auch virtuos, genauso wie poetisch singend und innig.


    Das erste Klavierkonzert entstand angeblich in kürzester Zeit in München (wohl wurde es da vervollständigt nach italienischen Skizzen). Das zweite Konzert entstand als eine Art Hochzeitsgeschenk für Cécile Jeanrenaud.


    Stukturell sind beide Konzerte allein schon deshalb interessant, weil alle Sätze thematisch-motivisch eng zusammenhängen und auch homogen miteinanderverbunden sind.


    Gewiss, die Konzerte zeigen Brillianz, verfallen aber nie in Flachheit. Sie halten Balance zwischen Spielwitz und Tiefgründigkeit. Für mich sind sie wie Gedichte, ein beredeter Dialog zwischen Klavier und Orchester voll von Poesie.


    Damit grüßt,
    Daniel :hello:

  • Ich frage mich wie man nachdem man das Hauptthema des 3. Satzes gehört hat das 1. Klavierkonzert noch links liegen lassen kann ?


    Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich die richtige Aufnahme habe? (Lang Lang)

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • hallo Rappy,


    entschuldigung im voraus, aber: die kombination des 1. tschaikowsky-konzertes mit dem besagten mendelssohn-konzert auf eine cd finde ich geschmacklos. IMO zeigt das die unreife und möglicherweise gedankenlosigkeit des lang lang. ich würde mir schon deshalb nicht das tschaikowsky-konzert anhören, weil da das mendelssohn-konzert gekoppelt ist :stumm:


    gruß, siamak :)

  • Hallo,


    auf Anregung dieses Threads habe ich mir gestern nochmal meine Aufnahme angehört und habe erschrocken festgestellt, dass ich in meinem ersten Beitrag hier das erste mit dem zweiten Klavierkonzert verwechselt hatte. Das erste mag ich ganz gerne, es hat mir gestern sogar noch viel besser gefallen als noch vor einigen Monaten.
    Jetzt werde ich mich demnächst auch noch einmal intensiver dem Zweiten widmen.


    Nicht vergessen sollte man auch die anderen Werke für Klavier und Orchester:


    - Capriccio brillant h-Moll, op. 22
    - Serenade und Allegro giocoso h-Moll, op. 43
    - Rondo brillant Es-Dur, op. 29



    Gruß, Peter.

  • Hallo Mendelssohn-Freunde,


    ich wundere mich über mich selber, denn die Mendelssohn-KK habe ich gestern zum Anlass des 200.Geburtstags von Mendelssohn zum ersten mal bewußt gehört.
    Anlass war gestern am 08.01. auf ARTE das GALA-Konzert zum 200.Mendelssohn-Geburtstag des Gewandhausorchester Leipzig mit dem Chefdirigenten Riccardo Chailly, das später nochmal auf MDR lief.


    Als zweites Werk wurde das Klavierkonzert Nr. 1 G-Moll op. 25 mit dem Pianisten LangLang gespielt. Viele werden beim Lesen des Namens LangKurz jetzt die Nase rümpfen. Lang Lang spielte das Konzert für meine Begriffe mit angemessener Intensität und einer zündenden Orchesterbegleitung, die alle Register zog und ein packendes Finale zündete. Das Show-Gehabe von LangLang nervte allerdings, sodass es mich immer wundert, wie er bei dieser schauspielerischen Leistung den Part doch so sauber hinbekommt. Wenn nur eine Hand nötig war, hielt er die Andere hoch: "Guckt mal, ich kanns mit Einer".
    :yes: Egal, die Aufführung war gut; nicht zuletzt wegen der TOP-Unterstützung des fabelhaft und beherzt spielenden Orchesters unter Chailly.



    Nach dem Konzert, das durch Mendelssohns Sinfonie Nr.3 beendet wurde habe ich mir meine Mendelssohn-KK-CD´s rausgeholt, die ich seit ca.15-20Jahren im CD-Schrank habe - gibts denn sowas ?(:no:.


    **** Es ist eine CBS-Doppel-CD mit Serkin / Philadelphia Orchestra / Ormandy die auch die KK für 2Klaviere und Orchester (Gold und Fizdale an den Klavieren) enthält. Diese habe ich mal irgendwann gehört - Kennen ist was anderes.
    Diese Serkin/Ormandy-Aufnahme geht beherzt und flott ans Werk mit einer frische, die einfach Spaß macht. Leider klingt das durch Ormandy sehr beherzt und feurig aufspielende Orchester (darin Chailly gestern nicht unänhnlich) sehr dick, sodaß die zahlreichen Paukenstellen (wie gestern bei Chailly zu sehen war)im Orchesterklang untergehen. Aber Pianistisch habe ich da mit Serkin eine Aufnahme, die weiteren Käufe im Prinzip ausschließt und unnötig macht.
    :angel: Ich habe beide Mendelssohn-KK mit Freude gehört und kann es nicht verstehen, wie diese Werke bisher an mir vorbeigeschliddert sind.



    Ein weitere Vergleich war mir nämlich auch gegeben durch diese Neuaufnahme von 2001 (auch diese CD stand seit Oktober 2008 ungehört bei mir rum):



    KK Nr. 1 und 2
    Thibaudet / Gewandhausorchester Leipzig / Blomstedt
    Decca, 2001, DDD


    Der Klang ist natürlich bei dieser Decca-Aufnahme zeitgemäß und sehr ordentlich.
    :wacky: Aber es ist vieles zu bemängeln:
    1. Das Klavier klingt ziemlich rund und weich und hat nicht den brillanten markigen Klang des Steinway-Flügels, wie gestern bei LangLang; aber es fehlt bei Thibaudet auch der beherzte volle Anschlag und das Feuer wie bei Serkin (der bestimmt auch einen Steinway hatte).
    2. Das Gewandhausorchester Leipzig wird durch Blomstedt nicht so lebendig angefeuert wie gestern unter Chailly und bleibt auch weit hinter Ormandy im pauschalen Begleiten hängen - da kommt keine Freude von den Musikern rüber, die ihren ehemaligen Orchsterleiter Mendelssohn mit angemessener Leidenschaft abliefern würden. Zu flach das Ganze.
    3. Einzig die orchstralen Strukturen kommen deutlich heraus und die Paukenstellen sind zu hören, aber auch hier ohne Verve.

  • Zitat

    Original von miguel54
    Nicht zu vergessen eine der seltenen Aufnahmen von Mendelssohn-Konzerten in HIP, die ich ausgesprochen gelungen finde:



    Das sind allerdings, nur damit das allen klar ist, nicht die beiden "offiziellen" numerierten Konzerte, sondern zwei "Jugendwerke" in a-moll und d-moll (Doppelkonzert mit Violine) mit Streicherbegleitung.


    Von den späteren Konzerten scheint es noch keine HIP-Aufnahmen zu geben.
    Ich kenne eh nur eine einzige, die mir aber ausreichend gefallen hat, so daß ich bisher keine Ergänzung angeschafft habe, Katsaris/Masur Sie enthält ebenfalls das frühe a-moll zusätzlich (ich besitze sie mit einem anderen Cover):




    Die Doppelkonzerte sind mir bisher alle noch unbekannt...


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo,


    gibt's eigentlich zwischenzeitlich von den beiden Doppelklavierkonzerten mit jeweils 4 Vorzeichen eine HIP-Einspielung?


    Ich habe nur diese (übrigens sehr empfehlenswerte)



    mit Stephen Coombs und Ian Munro an den Tasten. Schon phänomenal, aber eben leider nicht HIP.


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli
    mit Stephen Coombs und Ian Munro an den Tasten. Schon phänomenal, aber eben leider nicht HIP.


    :hello:


    Ulli


    Kann ich nur unterstreichen- nicht HIP, aber außerordentlich gut! Ich wundere mich noch heute, wie so mir diese beiden Konzerte so lange entgangen sind.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Von den späteren Konzerten scheint es noch keine HIP-Aufnahmen zu geben.


    Wenig, auf jeden Fall viel zu wenig. Concerto Köln oder Anima Eterna mögen sich aufgefordert fühlen!


    Was ich habe (außer der o.a. mit Staier):


    Symphony No 4 in A (Italian);
    Piano Concerto No 1 op.25
    Violin Concerto in E minor op.64
    Roy Goodman ~ director
    Christopher Kite ~ pianoforte
    Benjamin Hudson ~ violin
    Nimbus NI 5158



    Die Abbildung zeigt eine Doppel-CD Widerveröffentlichung, zusammen mit der Schottischen.

  • Zitat

    Zitat Johannes Roehl:
    Die Doppelkonzerte sind mir bisher alle noch unbekannt...


    Ich habe gerade nachgesehen ob meine CBS-CD-Aufnahmen
    der beiden Konzerte für 2 Klaviere und Orchester mit
    Robert Fizdale und Artur Gold / Philadelphia Orchestra / Eugene Ormandy irgendwo angeboten werden.


    * Diese Aufnahme ist einzeln derzeit gar nicht mehr erhältlich, sie findet sich nur in dieser aktuellen 30CD-Mendelssohn-Box (49,95) auf CD9 wieder:



    Label: SONY & RCA, ADD, 30CD


    Concerto in E Major for Two Pianos and Orchestra
    1. 1 I. Allegro vivace
    2. 2 II. Adagio non troppo
    3. 3 III. Allegro


    Concerto in A-Flat Major for Two Pianos and Orchestra
    1. 4 I. Allegro vivace
    2. 5 II. Andante
    3. 6 III. Allegro vivace


    Auf der einen Seite verwunderlich, dass diese Konzerte so unbekannt sind.
    Auf der anderen Seite habe ich diese aber selbst auch vernachlassigt, indem ich meiner CBS-Doppel-CD mind.15Jahre keine Beachtung geschenkt habe.
    ((Solche Beispiele gibt es sicher bei Euch auch !??!))


    :yes: Aus heutiger Sicht würde ich zu den beiden Werken selber und den Gold-Fizdale-Ormandy-Aufnahmen sagen : Es lohnt sich !


  • Hallo Teleton,


    ich habe auch die Thibaudet Aufnahme in meiner Sammlung und am Sonntag das Konzert mit Lang Lang und Chailly gehört. Was Du zu Serkin sagst, wird sicher stimmen - ich habe diese Aufnahme einfach seit Urzeiten nicht mehr gehört, so daß ich dazu im Moment nichts Konkretes sagen kann.


    Was Thinbaudet angeht: Mir gefällt die Aufnahme des 1. Konzerts eigentlich sehr gut. Der Flügel ist nicht übertrieben brilliant, aber sehr ausgewogen aufgenommen, brilliant spielen kann Thibaudet ja wie kaum ein anderer, das höre ich auch hier durchaus. Daß der Steinway hier übertrieben weich klingt, kann ich nicht sagen. Ich habe allerdings eine puristisch glasklare, deutsche Elektronik, das mag auch eine Rolle spielen. Ich finde, es bekommt den Konzerten von Mendelssohn gut, wenn sie nicht nur auf vordergründige Brillianz getrimmt werden. Mir hat das Konzert mit Lang Lang auch sehr gut gefallen. Ich muß allerdings sagen, daß es Thibaudet und Blomstedt trefflich gelingt, organische Spannungsbögen aufzubauen, das ist alles sehr homogen, das Einzelne eingebunden in ein Kontinuum. Lang Lang macht das sehr extrovertiert, allerdings zerfällt dadurch auch das Ganze ein wenig in Episoden. Thibaudet ist hier zwar zurückhaltend, aber spielt mit Wärme, das ist eine finde ich gute Balance, der dem Goethischen Geist von Mendelssohns Musik durchaus entspricht. Irgerndwie wirkt bei Thibaudet/Blomstedt das Konzert >erwachsener<, wie ein reifes romantisches Werk und nicht wie ein doch mehr virtuos-klirrendes als klingendes Jugendwerk. Weniger gefällt mir Thibaudets Vortrag von >Variations serieuses< auf dieser Platte. Über seine Interpretation könnte man schreiben: >Variations brilliantes<. Da können Horowitz oder Vladimir Sofronitzky doch einen ganz anderen Ernst und musikalischen Tiefgang entfalten.


    Beste Grüße
    Holger

  • Ian Hobson hat mir bisher immer sehr gut gefallen, und seine Einspielung der Mendelssohn-Konzerte, die ich neulich billig bei Berkshire Record Outlet ergattern konnte, ist da keine Ausnahme. Die kleine Besetzung der von ihm gegründeten Sinfonia da Camera (6-6-4-4-2 Streicher, jeweils 2 Bläser) sorgt für ein transparentes Klangbild, Solist und Orchester agieren als Einheit mit viel Engagement, Pianist Hobson hat ein ausgeprägtes Faible für diese Musik. Sehr zu empfehlen. Dieser Pianist ist viel zu wenig bekannt.


  • Inzwischen habe ich die Aufnahmen mit Brautigam etc. bei BIS fast durch und bin sehr zufrieden damit:


    Eine SA-CD (nicht hybrid!)


    oder


    4 CDs



    Ich kann die Aufnahmen empfehlen: Alle konzertanten Werke auf einen Schlag, lebendig gespielt, vor allem Brautigam merkt man seine Vertrautheit mit historischen Klavieren an. Das Orchester spielt sehr gut zusammen, Dynamik und Transparanz sind vorbildlich. The next best thing to HIP ... ;)

  • Hallo zusammen,


    es gibt eine brandneue Aufnahme (erschienen bei Arte Nova Classics) der Mendelssohn-Klavierkonzerte mit Matthias Kirschnereit als Solisten und der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz unter der Leitung von Frank Beermann, die uneingeschränkt zu empfehlen ist:


    Die drei bekannten Stücke, das Jugendkonzert in a-Moll sowie die beiden mit Opuszahlen versehenen Konzerte, werden ungemein farbenprächtig und dabei elegant und hochvirtuos dargeboten, mit herrlichem "Klaviergesang" in den langsamen Sätzen. Das mir bislang unbekannte Orchester macht seine Sache ebenfalls großartig, äußerst engagiert und präsent. Und die Aufnahmetechnik liefert ein klares und transparentes, zwischen Klavier und Orchester perfekt ausbalanciertes und gut durchhörbares Klangbild dazu.


    Was ich bislang nicht wusste: von Mendelssohn gibt es Entwürfe zu zwei Sätzen eines weiteren Klavierkonzerts, entstanden fast parallel zum Vioninkonzert, die den Klavierpart sowie Skizzen zum Orchesterpart beinhalten. Diese Skizzen wurden von dem Musikwissenschaftler Larry Todd, Professor an der Duke University of Durham, North Carolina, der auch eine Biographie über Mendelssohn (bei Reclam erschienen) verfasst hat, vervollständigt und mit einer Klavierfassung des Schlusssatzes des Violinkonzerts (einschließlich des Übergangs zum Finale) versehen. Wie die vorliegende Aufnahme beweist, funktioniert das sehr gut und ist sehr hörenswert.

    Fazit: eine wunderbare Aufnahme, sehr empfehlenswert - und dazu noch spottbillig.


    Gruß
    Pylades

  • Ich habe bisher nur die Aufnahmen mit Katsaris, mit den beiden üblichen und einem frühen a-moll.


    Nun sehe ich außer dem Kirschnereit mit der Rekonstruktion noch z.B.
    Schirmer/Herbig, Schiff/Dutoit und Thibaudet/Blomstedt im Angebot. Außerdem Argerich und Kremer mit den frühen Werken, u.a. für Violne &Klavier. Zu einigem davon wurde oben schon vereinzelt Positives (und weniger Positives) gesagt; hat jemand vielleicht mehrere davon oder gar alle gehört?


    Vielleicht nochmal zur Erläuterung: Ich bin nicht unzufrieden mit Katsaris und das ist kein Repertoire, bei dem ich wirklich nach Alternativen suche. Ich komme hauptsächlich wegen des Schirmer-Threads, wegen der Rekonstruktion bei Kirschnereit und weil ich die drei o.g. Angebote heute im Merkheft entdeckt habe, darauf.
    Repertoiremäßig wären Kirschnereit und Schirmer wegen der zusätzlichen Werke für mich am Interessantesten.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Lieber JR,


    ich habe neben Perahia folgende Einspielungen:


    Schirmer/ Herbig:



    und:


    Leonskaja/ Volkov:



    Im Vergleich gehört habe ich allerdings beide noch nie.


    Meine Höreindrücke müsste ich allerdings erst einmal auffrischen.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

  • Mendelssohns Klavierkonzerte

    Hallo zusammen,


    Zitat von JR

    Zu einigem davon wurde oben schon vereinzelt Positives (und weniger Positives) gesagt; hat jemand vielleicht mehrere davon oder gar alle gehört?


    Vielleicht nochmal zur Erläuterung: Ich bin nicht unzufrieden mit Katsaris und das ist kein Repertoire, bei dem ich wirklich nach Alternativen suche. Ich komme hauptsächlich wegen des Schirmer-Threads, wegen der Rekonstruktion bei Kirschnereit und weil ich die drei o.g. Angebote heute im Merkheft entdeckt habe, darauf.
    Repertoiremäßig wären Kirschnereit und Schirmer wegen der zusätzlichen Werke für mich am Interessantesten.


    Der hochbetagte Claudio Arrau fragte einmal einen Interviewer, der ihn zur vorgeblich ganz besonderen Prokofjew-Interpretation eines bestimmten Pianisten gefragt hatte, maliziös zurück:
    „Haben Sie schon mal jemanden gehört, der Prokofjew schlecht spielt?“


    Nun ist Prokofjews Klaviermusik sauschwer, insofern ist sie, und das wusste auch Arrau, bestimmt auch schon schlecht gespielt worden, aber was er wohl meinte, das war, dass, wenn ein Pianist das technische Rüstzeug hat, das Ergebnis nicht wirklich ganz schlecht sein kann, weil diese Musik dann nämlich - mit natürlichem Fluss und präzise taktiert gespielt – bereits für sich „spricht“.


    Ähnlich gelagert dürfte es um Mendelssohns Klavierkonzerte stehen. Auch die sind technisch nicht leicht, aber, wie aus zeitgenössischen Quellen bekannt, strebte Mendelssohn als Pianist selbst danach, seine Musik einigermaßen rasch und ohne größere Temposchwankungen zu spielen, und zwar mit klarem und perlendem Ton – und dafür ist die Musik auch ausgelegt. Insofern kenne ich auch keine schlechte Aufnahme, und einige von denen, die ich kenne, sind brillant, und ich würde zwischen „besser“ und „schlechter“ überhaupt nicht abwägen wollen. Dazu gehören die Aufnahmen von Rudolf Serkin, Andras Schiff, Cyprien Katsaris, dazu Martha Argerich mit dem g-Moll-Konzert op. 25. Ich würde die Kirschnereit-Aufnahme in der „selben Liga“ sehen – mit dem Vorteil der heutigen Aufnahmetechnik (die das besonders engagierte und farblich differenzierte Orchesterspiel der Chemnitzer gut hörbar macht) und dem „Bonus“ der Rekonstruktion des „dritten“ Klavierkonzerts.


    Gruß
    Pylades

  • Salve!


    Mir fiel neulich im Mendelssohn-Jahr auf, dass ich noch ein Loch im Repertoire habe: von Mendelssohn habe ich vieles für Orchester, vor allem auch sein Violinkonzert, das ich zu meinen persönlichen Top-10-zähle. Aber seine diversen Klaveirkonzerte fehlen mir noch.


    Ich glaube herausgefunden zu haben, dass es zwei Klavierkonzerte und ein oder zwei Konzerte für zwei Klaviere gibt.


    Inzwischen bin ich, analog zur Pharmawerbung, geneigt, zu fragen: Gibt's da auch was von Naxos?


    Ja, gibt es.


    Ich bin sicher, dass viele von Euch Aufnahmen der Werke haben oder kennen. Derzeit suche ich einen eher preisgünstigen Einstieg in die Werke, um erst einmal herauszufinden, ob sie mir gefallen...


    Könnt Ihr mir Ratschläge geben?


    Mit bestehendem thread zusammengefügt

    JR


    Edit: Danke fürs Zusammenführen - da hat mich die GOOGLE-Suche wohl im Stich gelassen.


    Aber die Frage sei wiederholt: Kennt Ihr die Naxos aufnahmen?

  • Zitat

    Original von Travinius
    Aber die Frage sei wiederholt: Kennt Ihr die Naxos aufnahmen?


    Ich kenne und habe die CD


    Concerto for Two Pianos in A flat major
    1. I. Allegro vivace 00:18:10
    2. II. Andante 00:10:56
    3. III. Allegro vivace 00:14:02


    Concerto for Two Pianos in E major
    4. I. Allegro vivace 00:13:09
    5. II. Adagio non troppo 00:09:25
    6. III. Allegro 00:08:39


    Frith, Benjamin, piano
    Tinney, Hugh, piano
    RTE Sinfonietta
    Duinn, Proinnsias O, Conductor
    Die Naxosnummer ist 8.553416


    Ich bin hiermit sehr zufrieden und brauche keine weitere Einspielung.


    Die einzelnen Klavierkonzerte habe ich in mehrere Ausführungen. Mir gefällt sehr die Aufnahme von András Schiff.


    LG, Paul