Abkehr von der Modernität als Fortschritt?

  • Aufgrund der Aussagen des Lullisten im Thread "Innovation und Modernität als Qualitätsmerkmale" in bezug auf Innovation in der aktuellen bildenden Kunst, haben sich m. E. einige Fragen ergeben.


    So hat es mich immens erstaunt, dass ein Kunststudent den Weg der Produktion von Bildern mit "alter Technik" in "altem Stil" für einen gangbaren Weg der zeitgenössischen bildenden Kunst erachtet.


    Insbesondere das eingestellte Porträt von Michael Triegel hat mich zum Nachdenken verleitet. (Tübke zähle ich einmal nicht dazu, da sein "altertümlicher" Stil für mich eher Stilmittel als Anknüpfung an die Renaissance ist.)


    Das Damenbildnis verdeutlicht gerazu perfekt, dass nach Erfindung der Fotographie die 1:1 Darstellung obsolet geworden ist. Bis zu dem Zeitpunkt im 19. Jahrhundert bis zu dem es noch keine Fotographie gab (den Impressionismus klammere ich bewusst aus), strebten Maler danach, die Wirklichkeit möglichst getreu abzubilden (deshalb wurde die perspektivische Darstellung ja auch so gefeiert).


    Nachdem dieses durch Fotos (besser) möglich wurde, verloren die Künstler in der Mehrzahl das Interesse, realistisch die Wirklichkeit abzubilden. Der Weg für die abstrakte Kunst wurde frei. Insbesondere die Entwickung von Mondrian verdeutlicht für mich, dass der Weg der bildenen Kunst diese Richtung einschlagen musste. (Wobei ich gleichsam betonen möchte, dass es unendliche grandiose Künstler gibt, die diesen Weg nicht oder nicht nur eingeschlagen haben und trotzdem ihre absolute Berechtigung haben. Ich möchte da nur kurz den von mir heißgeliebten Richter nennen.)


    Die reine Anknüpfung an die Renaissance mit alter Technik im alten Stil hat m. E. ihre Berechtigung in der zeitgenössischen Kunst verloren. Wenn ein Künstler an eine vergangene Epoche anknüpft, ohne dies augenzwinkernd, ironisierend oder mit nötigem Abstand zu tun, so stellt sich mir die Frage, nach der Sinnhaftigkeit seines Tuns. Ob Kunst schön, real oder technisch perfekt sein soll oder sogar muss, darüber lässt sich viel sagen und auch trefflich streiten. Jedoch, und dies hat die Kunstgeschichte gezeigt, muss Kunst die Anbindung an ihre jeweilige Epoche haben, damit sie eben zur Kunst und nicht zum "röhrenden Hirschen" über dem Wohnzimmersofa wird. Kunst muss die aktuelle Zeit widerspiegen, aufnehmen, reflektiern und kritisieren, damit sie lebendig bleibt und Bedeutung erlangt.


    Die Abkehr von der Modernität stellt daher m. E. einen Rückschritt und keinen Fortschritt dar.
    Insofern würde es mich sehr interessieren, wieso ein Kunststudent bereit ist, diesen Weg zu gehen.


    Gespannt auf eine Antwort ist


    Mignon :hello:

  • Meiner Meinung nach kann keine Photographie ein Gemälde ersetzen. Insofern hat die alte Kunst nach wie vor ihre Berechtigung, und ich begrüße es sehr und bewundere es zutiefst, daß es nach wie vor Künstler gibt, die im alten Stil (sei es nun Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko oder Klassizismus) malen. Für mich persönlich z.B. bleiben Caravaggio (1573-1610) und seine Nachahmer, u.a. Caracciolo (1578-1635), in ihrem Stil unübertroffen. Was ist dagegen schon eine Photographie?

  • ... in dem Wortsinne: weitergehen...


    In bezug auf Technik und Stil kann das heißen, dass ich neue Materialien verwende. Warum denn nur Öl und Leinwand? Lacke, Folien, Papier, Kunstoffe können zum Einsatz kommen. Das Medium Bild kann auch ganz verlassen werden und durch Installationen, Videokunst und Computertechnik ersetzt werden. Gerade die Computertechnik und ihre Bedeutung für die aktuelle Zeit muss sich m. E. in der Kunst widerspiegeln.


    In bezug auf Inhalt sollte die Kunst sich aktuelle Aspekten widmen (Clash of civilisation, Verlagerung der Wirtschaftsmacht nach Asien, Veränderung der Kultur durch das Internet, Religiöses Vakuum im Westen, Überalterung der Gesellschaft, Konsumverhalten, etc...). Dies konnte sie früher leider nur sehr begrenzt thematisieren (Himmel, Hölle, Fegefeuer), da Künstler in der Mehrzahl Auftragsarbeiten erledigten.


    Es stellt also einen Fortschritt dar, dass Kunst sich nicht in reiner Auftragsarbeit (Porträts, Schlachtszenen, etc.) erschöpft, sondern, dass sie das aufgreifen kann, dass die Gesellschaft ihr liefert.


    Innovation bzw. Fortschritt bedeutet daher für mich, dass die bildende Kunst des 21. Jahrhundert sich aufgrund der verwendeten Materialien (die es damals noch nicht gab) und der dargestellten Inhalte (die damals die Gesellschaft noch nicht beschäftigten), sich von der des 16. oder 17. Jahrhunderts unterscheiden muss.


    Wobei ich betonen möchte, dass ich den Begriff Fortschritt erst einmal neutral konnotiere und noch keine Bewertung vornehme, in dem Sinne, dass Fortschritt besser oder schlechter als Rückschritt ist.



    Einen schönen Sonntagnachmittag wünscht


    Mignon :hello:

  • Hallo Felipe II,


    wie Du es sagst, Rembrandt, Rubens, Caravaggio, Michelangelo und Co. bleiben unübertroffen.


    Daher sollte man sich an ihrer Kunst erfreuen und nicht versuchen, sie zu kopieren.


    Ein Porträt hatte damals die Aufgabe, eine Fotographie zu ersetzen. Heute kann man sich bewusst entscheiden, ob man sich porträtieren oder fotographieren läßt.


    Die Frage ist nicht, ob alte Kunst ihre Berechtigung hat oder nicht (sie hat sie natürlich), sondern die Frage, wie neue Kunst aussehen soll.


    Liebe Grüße


    Mignon :hello:

  • Na ja ich dachte ich hätte meinen Standpunkt klar genug gemacht, mir geht es nicht direkt um eine Stilkopie.


    Ich versuche die alten Techniken zu erlernen, weil ich gemerkt habe, dass alles was ich tue dadurch besser wird, der Umgang mit der Farbe, das Verständis für das Material, die Formen etc.


    Ich male viel im Stil des 17. und 18. Jahrhunderts weil es mir Spaß macht - meine Bilder wirken ja auch ironisch, z.B. der Lautenspieler mit der Kippe etc.


    Ich baue gerne solche Scherze ein, ich habe ein pompöses Stilleben gemalt, da liegt neben den traditionellen Weintrauben und Pfirsischen eben noch ein Hamburger auf dem Tisch herum.


    Aber um es anders begreiflich zu machen, jeder der Musik macht möchte doch auch lieber ein Klavier haben, als ein Keyboard, egal wieviele Möglichkeiten so ein Gerät hat, es bleibt immer künstlich.
    Und das ist es auch was ich an den alten Materialien schätze, sie sehen natürlich aus, wärend Acrylfarbe immer künstlich wirkt.


    Mein Ziel ist es nicht das was Rubens und die anderen gemacht haben fortzuführen, sondern so wie Triegel versuche ich eine eigene Sprache zu finden.
    Mein Professor hat es so beschrieben, dass ich das Bedürfnis habe mit Figuren zu erzählen.
    Wenn man mich zwingen würde soetwas zu machen wie Pollock oder was in der Nachfolge des abstrakten Expressionismus steht, dann würde ich sofort aufhören zu malen.
    Denn das alles ist überschätzt ( achtung Polemik )
    Nach dem Krieg brauchte man jemanden der als Vorzeigekünstler der USA herhalten sollte, man nahm Pollock - gab es dafür einen besonderen Grund - warscheinlich nicht.
    Am Anfang waren seine Bilder der Renner, es war was neues, doch schnell lief sich das Tod weil es immer das gleiche ist und dann noch ohne Inhalt. Er blieb irgendwann auf dem Zeug sitzen und verfiel dem Suff.
    Das ist nichts weiter als Dekoration für moderne Büros.




    Jackson Pollock - Action Painting



    ... so sieht bei uns der Boden im Atelier aus :stumm:


    aber Pollock ist ja noch harmlos gegen das was sonst noch im Umlauf ist.
    Mir ist es zu albern mit Mitteln der Pornographie, oder der Gewalt zu provozieren.
    Eigentlich tue ich es ja schon dadurch, dass ich so arbeite wie ich es nunmal tue.



    Ich stehe etwas auf Kriegsfuß mit der ganzen Fluxus Bewegung.
    Denn Beuys, dessen Philosphie ich schon schätze, meinte jeder sei ein Künstler - aber NICHT in dem Sinne das nun jeder Kunst studiert auf die Uni rennt ( so wie es leider passiert )
    Er meinte das jeder Mensch sich Kreativ ausdrücken und beschäftigen soll um sich selbst zu erfahren. Was in jedem Fall gut ist.
    Aber was ist jetzt passiert, seit gut 40 Jahren dreht sich alles im Kreis, die Minimal Art wurde von der Konzept Kunst abgelößt, zwischen drin kam mal Photographie ganz groß, dann Film und die neuen Medien.


    Die Maler reagierten auf diese Entwicklung mit photorealistischen Bildern, die perfekter als Photos waren - das war aber mehr eine ( entschuldigung) Verarsche. Die Qualität der Bilder ist grandios, wenn sie auch die gleiche langweilige Austrahlung wie Photos haben


    Vieles ist viel zu verkopft, man muß sich mit dem Leben des jeweiligen Künstlers intensiv beschäftigen um eventuell seine Arbeiten zu verstehen - wer bitte hat daran Interesse.
    Das ganze bewegt sich meiner Meinung nach in eine falsche Richtung, denn so wird Kunst nichts mehr für die Menschen sondern nur noch zum Selbstzweck und da bin ich vehement dagegen.



    Und ich kann es nur nochmal wiederholen, ich schätze genügend moderne Kunst, da gibt es wirklich faszinierende Sachen, aber genauso viel Mühl.



    Sehr nett finde ich z.B. die Arbeiten von Mark Tansey:





    er arbeitet meist mit einheitlichen Farben, was eine recht spannende Wirkung ergibt.
    Diese Bilder sind einfach klasse.
    Aber auch er malt realkistisch und verwendet ab und zu alte Themen.



    In unserer Uni entsteht ständig soviel - ich habe hier das Friderizianum und kann dort aktuelle Künstler sehen wann immer ich will, viele Ausstellungen - aber sehr oft bin ich gelangweilt.
    Und das ist es was ich versuche zu vermeiden, Betrachter mit meinen Werken zu langweilen.


    Ich habe kein Interesse etwas zu behandeln wofür ich mich selbst nicht interessiere, ich male um mein eigenes Empfinden, meine Gedanken, meine Vorstellungen festzuhalten.
    Ich habe diesen Vorwurf schon öfter zu hören bekommen, wieso ich mit Leinwand und Ölfarben male.
    Für mich ist es das optimale Ausdrucksmittel.
    Das kann ich am Computer niemals, denn das ist, ich will das Material, mit dem ich arbeite , berühren, riechen, sehen und schmecken können.


    Im übrigen ist die Zeit vorbei, indem man mit seiner Arbeit irgendetwas anprangern muss.
    Mir ist das persönlich zu albern, das machen Sendungen wie Frontal, Monitor etc. schon ausreichend, dann muß ich das nicht noch verarbeiten.
    Ganz schlimm sind solche Leute die Katastrophen für ihre Werke benutzen - das ist ekelhaft, egal wie es gemeint war.


    Dann gibt es Themen die man meiner Meinung nach gar nicht behandeln sollte, weil sie niemals angemessen dargestellt werden können - das gelingt nur sehr sehr wenigen: 2. Weltkrieg und sexueller Mißbrauch.


    Es ist oft so dass vielen Künstlern das verhalten des Materials als künstlerischer Prozess schon genügt, oder einfach - wie es eben in der Konzeptkunst üblich ist, der Gedanke im Vordergrund steht.


    Ich bin persönlich ein Gegner von Photographie, sie spricht mich absolut nicht an. Deshalb sind Portraitgemälde in keinem Fall out.
    Für mich sind Photographien immer tot, die Lebendigkeit eines Gemäldes kann man damit nicht reproduzieren.
    Zumindest habe ich soetwas noch nie gesehen.
    Andererseits gibt es Photos die interessant sind, aber erst nach Behandlung und Manipulation durch Photoshop etc. - aber da kann man auch gleich malen :D
    Das die damaligen Portraits der reinen Abbildung dienten, stimmt nicht so ganz.
    Diese Gemälde sind etwas ganz besonderes, da man bei den Besseren sofort alles über die Person anhand des Bildes ablesen kann.
    Das ist eine ganz hohe Kunst, die von vielen eben nur als Pass-Photoersatz angesehen wird.



    Und die Frage die Du gestellt hast, wie soll zeitgenössische Kunst aussehen, die beschäftigt uns alle jeden Tag.



    Ich will mit meinen Bildrn ganz bestimmte Gefühle, Stimmungen erzeugen.
    Ich bin fasziniert von Stoffen, Faltenwürfen und der Kleidung des 17. Jahrhunderts.
    Ich spiele damit.
    Allerdings Alltagszenen würde ich niemals malen, die finde ich schon aus früheren Zeiten langweilig. Ausnahmen bilden da die Bilder mit musikalischem Inhalt.


    Man muß immer etwas machen was in erster Linie Spaß macht, hinter dem man steht und was sich von den anderen unterscheidet.
    Und ich denke das trifft so zu.

  • das könnte ich vielleicht noch hinzufügen:



    Das ich die alten Techniken ausgrabe hat noch einen wichtigen Grund, es erleichtert mir die Arbeit.


    Die Malerei ist das was ich will, alles andere interessiert mich im Moment nicht.


    Doch wenn ich das weiter benutzen würden was es so zu kaufen gibt, fertige Leinwände, Kunsthaarpinsel etc. dann würde ich den Kram ziemlich bald hinschmeißen.


    Ich versuche das mal aus rein technischer Sicht zu erklären.Leinwand ist ja nichts als ein Ersatz für den Holzgrund, da dies aber auf Dauer zu schwer wurde und weil Holz arbeitet suchte man nach Alternativen.
    Das Ziel war es also das Leinen so glatt zu bekommen wie die Holzoberfläche.
    Und das war es auch wonach ich gesucht hatte!
    Denn ich brauche eine glatte Oberfläche, fertige Leinwände sind das Gegenteil...
    Dann kommt dazu, dass man wissen muß wie saugfähig der Untergrund sein soll.


    Weiß ich das bei einer fertigen Leinwand ? Kaum.


    Der Grund ist so imens wichtig, er entscheidet über den Ausgang des Gemäldes.
    Ich grundiere die selbstaufgezogene Leinwand mit Hasenleim, den ich selbst "aufkoche" um damit das Leinen zu versiegeln, dann aus Litophone und Marmormehl sowie Leimwasser rühre ich dann den Kreidegrund an, der in mehreren Schichten auf das Leinen aufgetragen wird.
    Ab und zu schleife ich um eine möglichst glatte Oberfläche zu erhalten.


    Mit den Imprimituren und Dammarfirniss setzte ich die Saugkraft soweit herab wie ich es brauche.


    alles eine imense Arbeit - und das Resultat ?


    die Farben leuchten, Lasuren funktioniern fast von selbst, der Pinsel gleitet mühelos über den glatten Grund und selbst Details die bei rauhen Leinwänden eine Qual sind, gehen jetzt leicht von der Hand.


    Das sind so elemtare Dinge die haben nichts mit irgendeiner Zeitgebundenheit zu tun.
    Das erleichtert nicht nur die Arbeit, sondern gibt dem ganzen Werk eine ganz andere, eine höhere Qualität.

  • Abkehr von der Modernität als Fortschritt?


    Nein.


    Ich habe versucht, es im Parallelthread so auszudrücken:


    Es gibt eine [natürliche] Entwicklung. Diese ist zunächst neutral, im Ergebnis entweder positiv oder negativ. Positive Entwicklungen fasse ich als Fortschriftt auf, negative Entwicklungen als Fehlentwicklungen. Ein Rückschritt ist dann Vernunft, wenn es in der Entwicklung keinen Fortschritt gab.


    So sehe ich eine Abkehr von der Modernität als Vernunftakt, solange, bis sich besseres entwickelt.


    Das betrifft m. E. alle Lebensbereiche, egal ob Kunst, Technik oder das reine Leben. Aus Erfahrung wird man klug. Es ist wie mit einer heißen Herdplatte - aus Neugier packt man sie natürlich an, da kann vorher geredet werden, was man will... hat man einmal die Bekanntschaft mit der heißen Herdplatte gemacht, wird man sich hüten, ihr je wieder zu begegnen. Man beachtet sie aber mit Respekt!


    "Vorwärts ohne Gnade" ist nur etwas für Menschen, die sich ihrer Sache ganz, ganz sicher sein können.


    Cordialement
    Ulli

  • Hallo Lullist,


    das was Du in bezug auf Deine eigenen Arbeiten sagst, muss ich als nicht aktive Künstlerin akzeptieren. Wenn Du mit bestimmten Materialien besser arbeiten kannst, solltest Du diese verwenden. Des weiteren sollst Du ja auch nicht das malen, was Dir nicht gefällt.


    Der Zeitbezug von Kunst muss ja nicht mit dem Holzhammer geschehen. (Das heißt, es ist ja nicht unbedingt nötig, im Jahre 2006 einen Hartz IV- Empfänger zu malen, damit das Thema Armut behandelt wird.)
    Jedoch zeigt z. B. der Karrikaturenstreit, wie das Bilderverbot des Islam seine Grenzen in der westlichen Auffassung, alles und jeden zu thematisieren, findet und so (ich nenne die Karrikaturen jetzt einmal Kunst) Kunst Anknüpfung zur aktuellen Gesellschaft findet.


    Positiv in Erinnerung geblieben ist mir die Afrikaaustellung in Düsseldorf des Jahres 2005 oder 2004 (ich weiß es nicht mehr genau). Dort fand die größte Ausstellung afrikanischer Künstler und Kunstwerke statt, die es jemals gab.


    Es gab dort alles; Bilder, Skulpturen, Installationen, Fotos, etc.
    Afrikanische Künstler thematisierten, unabhängig ob im Westen oder in Afrika lebend, Kolonialismus, Armut, Rassismus, aber auch afrikanische Kultur, Mythen und Alltagsgeschichten. Selten hat mich eine Ausstellung so berührt.
    Was mir spontan einfällt, ist kein Bild, sondern eine Installation. Direkt zu Beginn der Ausstellung wurde die Berliner Konferenz von 1884/1885 thematisiert, auf der Afrika in Kolonien eingeteilt wurde. In einem Raumgebilde stand auf einem Sockel eine Tortenplatte, auf der sich noch ein einziger Krümmel befand...
    Das ist witzig, böse, traurig und genial.


    Aber auch die Bilder waren grandios. Afrikanische Despoten des 20. Jahrhunderts wurden mit ihren Insignien der Macht dargestellt und so als Personen der Lächerlichkeit preisgegeben. Oftmals wurden afrkanische Materialien wie Sand etc. verwendet. Häufiges Thema war auch der Blick Afrikas auf Europa und umgekehrt der Blick Europas auf Afrika.


    Die Bilder und Installationen waren kreativ, witzig, traurig, hintergründig und vor allem (Neudeutsch) "touching".
    Das ist es, was ich von moderner Kunst fordere. Die Auseinandersetzung mit dem, was ansteht. Ein bloßes Frauenbildnis (oder eher Männerbildnis) mag zwar schön sein, jedoch berührt es mich nur insoweit, als dass ich für einen Moment seine Schönheit empfinde und mich dann abwende.


    Ich halte daher auch insbesondere das Medium der Installation für grandios. Vermutlich ziehe ich mir jezt den Unmut aller Österreicher und Wiener zu, wenn ich sage, dass m. E. die "Abschiebeinstallation" von Schlingensief eines der bewegensten Kunstwerke der letzten Jahre war. So wie Guernica von Picasso die Schrecken des Krieges einfing, gelang es diesem Kunstwerk, Aktuelles in die Kunst einfliessen zu lassen, ohne anbiedernd und vordergründig zu sein. Was ist real, was ist Fiktion, diese Fragen stellte sich der Betrachter. Auf den Strassen Wiens wurde gestritten und Kunst fand so Eingang in das Leben der Menschen, ohne dass ein Museum aufgesucht werden musste.


    Ich sagte ja bereits, dass ich z. B. auch Richter sehr verehre (der anscheinend von Dir nicht so geschätzt wird). Kunst muss nicht immer politisch oder hintergründig sein, um modern zu sein, jedoch sollte sie neue Akzente setzen, um nicht in Reaktion zu erstarren...


    Liebe Grüße


    Mignon :hello:

  • welchen Richter meinst Du denn ( ich heiße ja auch noch so :D )


    Ich nehme mal an das Du Gerhard Richter meinst, Daniel Richter ist ja den meisten noch nicht so geläufig.


    Ich mochte seine Portraits und Landschaften:



    die hatten was. - das ist einfach nur gut !



    Seine jetzigen Bilder



    ... da stehe ich mit geteilter Meinung da.
    Die haben unglaublich viel Kraft, aber wirklich begeistern kann mich das nicht mehr.



    Aber ich denke bei diesen Bilder ging es Richter auch nicht um das was es geworden ist sondern um den Malprozess.
    Der ist für mich auch am wichtigsten, denn es ist einfach eine unendlich sinnliche Erfahrung.


    Daniel Richter schätze ich nicht besonders, das geht alles in die Richtung von Neo Rauch und das ist nicht meine Welt:




    Ich weiß nicht wohin mich meine Bemühungen treiben werden, aber ich habe das Gefühl, dass ich das richtige für mich mache.
    Ich habe ein gutes Gefühl dabei.
    Ich brauche nicht wirklich den offensichtlichen Bezug zur Gegenwart. Für mich ist das 17. Jahrhundert immer präsent, es gehört für mich zum Leben dazu.


    Deshalb ist es für mich überhaupt nicht anachronistisch wenn ich ein Staatsportrait von Louis XIV malen würde, habe ich noch nicht, aber wer weiß :D
    Ich spiele gerne damit manchmal auch etwas Karikatur in die Bilder mithinen zu bringen


    Ich persönlich halte Karikaturen für Kunst - ich mache ja selbst welche :D
    ( Für das Forum natürlich nur die harmlosen )
    Aber ich betrachte sowohl Comic als auch die Karikatur als Kunstform, in Frankreich z.B. ist das ganz normal, hier wird diese Form der künstlerischen Auseinandersetzung eher mit einem Schmunzeln betrachtete.


    Es gibt ein Gemälde in der kassler neuen Galerie, das mich unheimlich fasziniert. Ein Gemälde von Berhard Schultze.


    Leider hab ich es im Netz nicht finden können, aber dafür ein Ähnliches.


    Das Orinal ist 130 x 196 cm groß und trägt den Titel "Schimären"
    ich sitze sehr oft davor und betrachte es, eines der schönsten Gemälde im Bestand der Kassler Galerien.





    Durch die größe, die gedeckten Farben ist das ein Bild gewesen, was mich wirklich "angemacht" hat.


    Ich bin also keinesfalls auf die Ästhetik des 17. Jahrhunderts festgelegt, es gibt unheimlich viel was ich gut finde.
    Penck ist für mich allerdings ein rotes Tuch....

  • Hallo Lullist,


    ich meinte Gerhard Richter. Daniel Richter kenne ich (noch) nicht. Was mir von ihm besser gefällt, Altes oder Neues, vermag ich nicht zu sagen. Aber die Landschaftsaufnahmen, von denen ich mir im letzten Jahr auch einige angeschaut habe, haben mich unglaublich begeistert.


    Für das von Dir abgedruckte Bild von Bernhard Schultze kann ich mich ebenso erwärmen...


    Mit der Begeisterung für das 17. Jahrhundert hingegen klappt es bei mir noch nicht so.


    Bei näherer Betrachtung verdunkelt sich mein Bild dieses Jahrhunderts eher, als dass es sich erhellt. Ich und vor allem die Franzosen sind glaube ich sehr froh, dass das Zeitalter des Absolutismus vorbei ist.
    Für autokratische Herrscher kann ich mich nicht wirklich erwärmen.


    Vielleicht kann Du uns ja mal mehr von Deiner Kunst präsentieren, damit wir ein genaueres "Bild" erhalten...



    Liebe Grüße und eine schöne Woche wünscht


    Mignon :hello:

  • Hallo Mignon,


    ja das kommt bald. Meine ersten Ölbilder sind ja noch etwas naiv.
    Da stimmt teilweise die Anatomie nicht und ich habe da auch erst versucht mit der Farbe umzugehen.
    Den Standart der alten Meister habe ich natürlich noch nicht, das muss man sich mühsam alles erarbeiten.


    Ein Bild von etwas höherer Qualität ist das "Mozartportrait" was ich letzten Sommer gemacht hatte:


    zum Mozartportrait


    da haben Ulli und ich uns einen kleinen Scherz erlaubt.
    Das Gemälde hängt jetzt als Leihgabe bei den Mozartwirten. :D
    Es ist 1,20 x 80 cm groß.



    Aber ich arbeite in letzter Zeit recht oft großformatig, was das fertigstellen der Bilder natürlich verzögert.
    Dann viele Auftragsarbeiten, die mich leider von der eigentlichen Arbeit abhalten - aber ich baruch das Geld :D - Stichwort Hundeportraits ( ... )


    Demnächst werde ich aber mal ein Bild zeigen "die erzwungene Heirat" ein Experiment, ich habe versucht Karikatur und den Alten Stil zu verbinden.


    Ich habe auch einige Abstarkte Bilder, die auch demnächst mal zeigen will, wird alles in der Kunstecke veröffentlicht.

  • Selbstverständlich ist die "naturgetreue" Malerei - insbesindere in der Portraitkunst - nicht "out" -wirklich bedeutende Personen werden noch heute portraitiert.
    Natürlich machte auch hier der Modernismus von sich reden, was zahlreiche "verpatzte" Portraits trefflich belegen.
    Oft aber rebellieren die Konterfeiten gegen die "subjektive" Sicht des Künstlers (damit hatte seinerzeit schon gelegentlich Rembrandt zu kämpfen) - sodaß "Naturalismus" wieder angesagt scheint.


    Wozu Gemälde ? Wir haben doch die Photographie ?
    So wird mancher fragen.
    Indes - Es gibt tatsächlich Vorteile der Portraitmalerei


    Zum ersten wäre da die Haltbarkeit, die beim Ölportrait unvergleichlich höher ist, als beim Farbfoto.


    Zum zweiten, die feinen Korrekturen an der Natur.
    Natürlich vermag ein geschickter Photograph durch geeignete Beleuchtung Speckpolster im dunkel absaufen zu lassen, Falten durch Retouche zu glätten etc.


    Einen geistvollen Ausdruck eines Staatsoberhauptes einer Großmacht zu erreichen stellt einen Phographen gelegentlich vor unlösbare Probleme -
    einen Maler jedoch nicht. :P


    Am Beispiel von Papst Benedikt XV (1854-1922) dem Namensvorgängers unseres derzeitigen Papstes kann man sehr gut die Vorzüge eines Ölbildes gegenüber einer Photographie ersehen:


    . ...



    Während Benedikt auf den Photos auf mich einen eher melancholischen bis hilflosen Eindruck macht, worde die Person auch den Gemälden - bei aller Ähnlichkeit der Darstellung (das ist wichtig !!!) "überhöht".
    Überlegen, abgeklärt und weise blickt er auf dem ersten Gemälde - Aristokratisch und entsclossen auf dem zweiten.


    Das leistet einzig die Ölmalerei.


    mit freundlichen Grüssen


    von Alfred



    (der soeben eine Portraitauftrag aus den USA erhalten hat - wer es ist bleibt streng geheim, das Bild soll letzlich Photoqualität haben.
    Der Lulist - auch als Künstler im Gespräch - hat sich durch seine
    gehässigen Karikaturen von Pavarotti, Strawinsky und Reich-Ranicki
    (die einzigen Figuren die man beim Auftraggeber gekannt und erkannt hat) selbst aus dem Rennen geworfen. Meine Palette ist bereit, die Staffelei geschultert. Wenn man mich auf Knien bittet bleibe ich drüben - ansonst bin ich bald wieder zurück im Forum...... :baeh01:

  • Hallo!


    Wie schon erwähnt, ist mein Lieblingsmaler der Moderne Rene Magritte (soo modern ist er aber auch wieder nicht).


    IMO ist das eine Moderne, von der man sich nicht abkehren muß. Magritte gelingt es IMO, wirklich Neues zu schaffen, und dabei Interessantes, Spannendes und Sinnvolles.


    Ich zeige mal exemplarisch vier Bilder:



    "Das Schloß in den Pyrenäen"





    "Das rote Modell"





    "Die Erinnerung"





    "Die Legende der Jahrhunderte"



    Bei Malern wie Pollock (irgendwie ist es unfair, nur auf ihm herumzutrampeln, wo es doch noch viel "Schlimmeres" gibt) ist IMO eine Abkehr zumindest ein Schritt in die richtige Richtung...


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Bei Malern wie Pollock (irgendwie ist es unfair, nur auf ihm herumzutrampeln, wo es doch noch viel "Schlimmeres" gibt) ist IMO eine Abkehr zumindest ein Schritt in die richtige Richtung...


    Irgendwie wird das langsam langweilig, den Attacken zu widersprechen. Schließlich braucht sich keiner Pollock oder wen auch immer anzuschauen. Wer sich darauf einlassen will, wird mittels (auch billiger) Bücher über Malerei des 20. Jh. schon einen Zugang finden, und wenn nicht zu dem einen Vertreter des Informell so zu einem andren (so wie das dem Lullisten gelungen zu sein scheint.) Wer das Informell auch dann noch nicht mag, auf den kann die alte Kunstströmung Informell auch verzichten, er wird auch nicht durchsetzen können, dass die Bilder abgehängt werden. Und wenn der eine oder andre Maler mal ein paar Jahre im Archiv hängt, was solls, so geht es den Renaissance-Malern auch (wenn man regelmäßig ins Museum geht, merkt man, dass im Kunsthistorischen Museum Wien durchaus berühmte Maler mit weniger bekannten Werken jahrelang im Archiv bleiben, z.B. Cranach).


    Und bevor jetzt jemand meint, das Informell sei so verkopft (haha), dass man sich einlesen müsse, muss ich sagen, dass das Einlesen ein üblicher Weg ist, auch für alte Kunst, so war auch mein Weg zur Renaissance einer mittels Bildband, und da habe ich mich schwerer getan als beim Informell. Ist aber schon lange her.


    Ich möchte also bemerken, dass ich das Informell sehr gern habe.

  • also ich bin ein pollock-fan ..


    ich verstehe sowieso nicht, daß man sich nicht gleichzeitig für ALLE bereiche der kunst, ob malerei oder musik interessieren kann (zumindest theoretisch). mir gelingt das jedenfalls ... :] das man da natürlich schwerpunkte oder bevorzugte stile hat, ist eine andere frage ...

  • Hallo Mignon,



    ich habe jetzt ein paar Photos ( die leider recht unscharf geworden sind ) in der Kunstecke gepostet:


    zu den Bilder



    Ich werde versuchen demnächst bessere Photos machen zu lassen und dann auch mehr zeigen ( die hälfte der Photos war total verwackelt )


    Das einzig wirklich reaktionäre Bild wird wohl mein aktuelles sein, alles was ich zuvor gemacht hatte war immer irgendwie mit ein wenig Ironie gepaart.


    Bei dem Gemälde "Der Abschied des Aeneas" ist ja nur das "Gerüst" zu sehen.
    Wenn Bilder dieses Stadium haben, finde ich sie besonders anziehend.
    Die streifige fleckige Imprimtur mit der schnellen Pinselzeichnung hat einen ganz eigenen Ausdruck.
    Ich bin oft versucht die Bilder so zu belassen - oder Teilweise, aber dann macht es doch zu großen Spaß, dass Ganze fertig zu stellen.


    Ich male diese Bilder in erster Linie für mich, wenn sie dann jemand kaufen will, was häufig vorkommt , dann gebe ich sie schweren Herzen her.
    Jedes Bild ist erstmal wie ein Kind, doch nach einigen Wochen der Fertigstellung kann man sich davon lösen.


    Es gibt auch noch andere Studenten die auf alten Kreidegründen malen, so ist es ja nicht.
    Ich beherrsche mitlerweile diese Rezepturen und kann die Leinwand so ich es brauche "einstellen".


    Es ist vielleicht schwer zu verstehen für jemanden der nicht malt, aber auf gekauften Leinwänden weiß man nie was einen erwartet.
    Erstens sind sie recht grob von der Oberfläche her und was entscheident ist für die Malerei - wie saugstark ist der Grund ?
    Es kann ziemlich lästig sein, wenn der Grund so dermaßen saugt, dass der Pinsel kleben bleibt, genauso ätzend ist es wenn die Farbe abperlt.
    Alles schon erlebt....
    Außerdem arbeite ich ja mittlerweile nach Fachliteratur, das Buch von Dörner über das Malmaterial, ist meine Bibel und auch alle anderen Bücher sind im gleichen Tenor verfasst: gekaufte Bildträger sind niemals von guter Qualität.


    Es ist auch eine Frage was ich meinen potentiellen Käufern präsentieren will.
    Auf der anderen Seite erhöt es die Haltbarkeit eines Bildes.
    Ganz zu schweigen von der Farbwirkung - die die ist absolut besser!


    Im übrigen sind fast alle großen Maler der Vergangenheit diesen Weg gegangen, kaum einer hat nicht die Erkenntnisse der Alten herangezogen.
    Sicher es gibt einige Erleichterungen, wie Tubenfarben, aber wie gesagt ich hätte kein Problem damit mir Farben auch selbst anzureiben.
    Bei mir sieht es am Arbeitsplatz sowiesoschon aus wie in einer Apotheke, da macht dass auch nichts mehr :D


    Momentan sind meine schwächen noch besonders in der Anatomie und den korrekten Faltenwürfen zu finden.
    Denn die Anatomie bringt es nicht nur mitsich die Proportion beherrschen zu müssen, man muß auch Haut realistisch darstellen, was unheimlich schwer ist.
    Faltenwürfe funktionieren nach einem ganz bestimmten Reglen, es gibt nur eine Handvoll verschiedener Falten, die abder immer im richtigen Verhältnis zu Spannung und Entspannung liegen müssen, und das muß man einfach lernen.


    Auf der anderen Seite darf man sich durchaus Fehler erlauben - denn wenn der Gesamteindruck stimmt dann stört das kaum.
    Allerdings ist hier ja mal irgendwo die Blendung des Samson von rembrand gepostet worden, es hing hier für kurze Zeit in Kassel und ich hatte Gelgenheit es zu sehen - das war einfach kein gutes Bild.
    Die Anatomie stimmte bei kaum einen, perspektivische Verzerrungen sind saumäßig schwer - wenn man es nicht hinbekommt, dann soll man es besser lassen.
    Das hat Rembrand noch mit 30 Jahren verzapft !
    Auch wenn er zu den größten Malern zählt, was ich garantiert nicht abstreite, das da war kein Meisterwerk.


    Mein Meister Professor Kurt Haug ist noch viel rücksichtsloser in der Kritik was manch alten Meister angeht - und er hat recht, manche Sache sind einfach nicht gut gemacht.
    Er selbst ist als Photorealist bekannt, sieht sich aber selbst nicht so.
    Seine Portrais sind einfach nur genial. Leider wurde er jetzt in den Ruhestand geschickt, ich hatte nur die Chance ein Semester bei ihm zu studieren, doch das hat mehr gebracht als alles andere.
    Er ist wirklich ein Meister so wie ich ihn wünsche, 30 Jahre hatte er an der Uni unterrichtet, dass ich ihn noch mitbekommen konnte und als "letzter Student" in seine Klasse aufgenommen wurde macht mich schon etwas stolz :D
    Schade dass ich keine Bilder von ihm im Netz finde ( die ich verlinken kann ), aber ich werde mal was einscannen.


    Er wurde auch noch als einer der letzten deutschen Professoren gehandelt, welche die alten Maltechniken noch beherrschten.
    Zwar haben wir eine ganz unterschiedliche Geschmäcker, aber er unterstützt mich in meinem Vorhaben wo er nur kann.



    oder hier, so geht es ja auch:



    http://www.galerie-aaa.de/Pages/Ausstellungen/Haug.html


    hier sind einige Arbeiten von ihm zu sehen.


    :hello:

  • Hallo Alfred,



    ich hoffe wir bekommen dann auch mal Dein Meisterwerk zu sehen.


    Photoqualität ist natürlich sehr anspruchsvoll, das würde ich mir momentan gar nicht zutrauen, denn Photorealismus benötigt nicht nur eiserne Disziplin, es ist auch einfach eine frimelige Arbeit die sich über Monate hinzieht....das nervt.


    Aber ich denke in 2 Semestern dürfte ich das auch hinbekommen, vielleicht auch früher wenn ich übe.
    Denn Grundsätzlich muß man ja nur das Photo abmalen - aber richtig interessant wird es ja das so hinzubekommen bei einem "lebenden" Model.
    Zumindest bei Gegenständen und Mauern kann ich es schon, aber Portraits sind verdammt schwer.


    Mein Meister erzählte mir vor kurzem, erhätte auch gerne mehr Auftragsportraits gemalt, aber die Leute waren nicht bereit den Preis dafür zu zahlen - warum sollte er es dann machen ...., das gleiche kenne ich von meinen Blumenstilleben.
    Es ist solch eine Arbeit, Wochen über Wochen entsteht jede einzelne Blüte, den Preis den man eigentlich dafür verlangen müsste wäre astronomisch, dabei kann man sich solche Bilder billig vom Flohmarkt holen (...)
    Deshalb verschenke ich meine Stilleben ausschließlich innerhalb meiner Familie.


    :hello:

  • Hallo Klingsor,


    also direkt rumhacken auf Pollock wollte ich nicht, denn ich finde ja viele Sache recht nett und dekorativ.
    Aber ich finde den Wirbel um seine Sachen etwas übertrieben.



    Was ich richtig übel finde und absolut keinerlei Zugang finden kann ist die "Kunst" von Twombly:





    ohne Titel




    Leda and the swan




    viele dieser Arbeiten sind riesengroß, mehrere qm2 -
    näher dazu äußern will ich mich nicht....


    außer vielleicht, dass er seine Inspirationen von Kritzeleien auf Kneipentischen oder Scheißhäusern her hat..... das sagt doch schon alles :stumm:

  • hier hab ich noch eins von seinem Kollegen Rauschenberg:





    Canyon



    auch wenn das auch nicht gerade das verkörpert was ich in der Kunst suche, so finde ich das ansprechender als Twombly.... aber ich hätte niemals interesse daran so zu arbeiten, denn genauso sehen viele Werke aus, die bei uns in der Uni entstehen, gerade in der Basisklasse.


    Dazu wird dann noch etwas Beuys hinzugemischt und voilá aktuelle Kunst.

  • Zitat

    Original von der Lullist

    Leda and the swan


    Da muß man schon seeehr viel Phantasie besitzen... :D


    Da ist mir da Vinci oder Rubens lieber - obschon ich das Thema mit dem Schwan auch bei diesen eher mäßig finde.



  • Du findest das Thema bei Rubens mäßig ???



    Für mich ist dieses Bild eines der genialsten und mutigsten von ihm, ( er zeigt Leda und den Schwan ja direkt beim Akt !! ) wenn ich endlich an ein gutes Repro komme, dann will ich es unbedingt kopieren, denn dieses Bild ist einfach nur genial.


    Es hängt in Dresden, und allein deswegen würde ich dahin fahren.
    Mich hat lange kein Bild von Rubens so sehr begeistert wie dieses, ich war total geplättet als ich es zum ersten Mal auf einer Postkarte gesehen habe.
    Ich würde die Kopie auch niemals verkaufen, es sei denn man bezahlt ordentlich, aber ich denke nicht dass ich es hergeben würde - denn eigentlich will ich das Bild für mich.



    Eines meiner absoluten Lieblingsbilder


    :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:


  • Verzeih, es war eher das Thema "Leda und der Schwan" allgemein gemeint - ich will Rubens' Malstil nicht in Frage stellen. :D
    Das Thema wirkt schon sehr sodomitisch... :rolleyes:

  • :D das soll es ja auch :D



    mit einem Schwan sieht das ja auch noch ästhetisch aus, aber mit einem Stier wird das schon schwieriger :D:D



    Jedenfalls solltest Du Gemälde niemals nach Abbildungen in Büchern berurteilen, kein Photo der Welt kann die Kraft und die Aura eines Gemäldes einfangen.


    Denn oft ist auch die Größe eines Werkes für seine Wirkung entscheident.
    Deshalb wirkt auch Pollock nur in echt.


    Bei Rubens sind es vor allem die Farben, die habe ich auf bisher keinem Photo auch nur annähernd real wiedergegeben gesehen.



    Bildinhalte sind natürlich immer eine Frage des persönlichen Geschmacks, ich bin zwar kein Sodomist :D aber ich liebe die Mythologie und deshalb bin ich fasziniert von den diversen Darstellungen und wie das die Künstler gelöst haben - denn das kann manchmal recht schwierig sein.

  • Schön, den guten alten Twombly in angemessener Größe hier im Forum vertreten zu sehen. Wenn da nur nicht das unsäglich aus dem Zusammenhang gerissene Zitat von "Kneipentischen" und "Scheißhäusern" wäre...


    Dass sich Twombly ein Künstlerleben lang mit dem Unterschied von Gestus und Berechnung, dem ursprünglichen, kindlichen Sinn des malerischen Ausdrucks, der Kalligraphie, der Spontanität usw. gewidmet hat, dass er zeigen wollte, dass die Gebärde eine elementare menschliche Eigenschaft ist, dass er, indem er die Hand und nicht die Ratio führen ließ, unterbewusstes sichtbar machen wollte - alles das hätte man eher anführen sollen.


    Was nicht heißt, dass man Twomblys Werke dann mögen muss. Ich selber habe 20 Jahre in Museen und Ausstellungen verbracht, bis ich dem Mann nahe kam. Vielleicht ist es gerade diese "harte Arbeit", die er mir abverlangte, die mich ihn heute umso mehr schätzen lässt.


    Gruß
    B.

  • ich habe hier sicher niemanden zu nahe treten wollen.


    Doch je mehr Kunst ich kennenlerne umso weniger verstehe ich den Rummel um den amerikanischen abstarkten Expressionismus.
    Er ist überbewertet meiner Meinung nach.


    Es gibt, unabhängig von der Epoche, immer Kunst die mich sofort anspricht, oder abstößt, nach einer Weile erschließt, mich langweilt oder vollkommen kalt läßt in jeder Beziehung.


    Ich könnte nicht mal sagen, dass mich die Philosphie und das Resultat bei Twombly wenigstens langweilen würde.
    Es gab kaum jemals etwas was mich so dermaßen kalt gelassen hat wie seine Arbeiten.
    Ich denke ich bin auch nicht verpflichtet das gut zu finden.


    Das widerspricht so sehr meinem Empfinden von Sinnlichkeit, Gefühl und Ästhetik wie kaum etwas anderes.
    Aber das ist meine persönliche Meinung, ich erlebe es ja jeden Tag, dass genügend Leute von seinen Arbeiten schwärmen.
    Und natürlich gebe ich zu, dass ich mich gelegentlich zu etwas Polemik hinreißen lasse.



    Mir ist das zu wenig, für mich hat das zu wenig Kraft und Substanz.


    Vor kurzem habe ich dagegen einen Künstler entdeckt der ebenfalls bei meinem Professor studiert hatte, zwar muß dass schon eine Weile her sein, ich glaube er machte 1998 seinen Abschluß als Meisterschüler, von seinen Sachen war ich echt hingerissen:




    Michael Frieseler "Revanche" 2003



    Diese Mischung aus altmeisterlicher Farbgebung, Abstarktion und vermeindlichem Ralismus finde ich Genial.
    Leider kenne ich seine Arbeiten nur aus Katalogen, aber sollte er mal in der Nähe ausstellen, dann wäre ich da.
    Eventuell würde ich sogar wenn ich das Finanziell könte auch ein Bild kaufen.
    Ich denke aus ihm könnte was werden...


    Er geht in eine Richtung die mir auch vorschwebt, es ist noch nicht ganz dass was ich suche, aber das ist etwas, was garantiert Einfluß auf meine Arbeit ausüben wird. :yes:

  • Zitat

    auch wenn das auch nicht gerade das verkörpert was ich in der Kunst suche, so finde ich das ansprechender als Twombly.... aber ich hätte niemals interesse daran so zu arbeiten, denn genauso sehen viele Werke aus, die bei uns in der Uni entstehen, gerade in der Basisklasse.


    Dazu wird dann noch etwas Beuys hinzugemischt und voilá aktuelle Kunst.


    Was aber kein Argument gegen Rauschenberg sein kann. Im übrigen würde ich das reproduzierte Werk in die 60er Jahre schätzen, also nicht zur aktuellen Kunst gehörig (vielleicht irre ich mich aber da).


    :hello: