Joseph II.: Unverzichtbare Klassikaufnahmen

  • Werte Leserinnen und Leser,


    ich beschäftige mich seit circa acht Jahren mit klassischer Musik (seit etwa drei Jahren intensiv), anfangs vor allen Dingen mit den bekannten Sachen der bekannten Komponisten; mittlerweile allerdings zeichnet sich eine besondere Zuneigung meinerseits zur alten Musik ab, obschon ich auch noch der Vorklassik, Klassik und z.T. späteren Epochen viel abgewinnen kann. Aufgrund dessen werden meine Empfehlungen häufig die Jahre vor 1750 betreffen.
    Ich mag sowohl HIP-Aufnahmen als auch Schönklang à la Karajan, kommt immer darauf an.


    Soviel erst mal hierzu,
    mit freundlichen Grüßen

  • Meine erste Empfehlung bezieht sich auf eines der bekanntesten klassischen Werke überhaupt, die Neunte von Beethoven.


    Besonders ans Herz gewachsen ist mir diese Aufnahme:



    Ludwig van Beethoven
    Symphonie No. 9 d-moll op. 125


    Janet Perry - Agnes Baltsa - Vinson Cole - José van Dam
    Wiener Singverein
    Berliner Philharmoniker
    Herbert von Karajan
    1983


    Was Nicht-HIP-Aufnahmen angeht, ist diese meiner Meinung nach die gelungenste, die ich kenne. Klanglich ist sie dazu deutlich besser als die ebenfalls sehr guten 60er- und 70er-Aufnahmen Karajans.

  • Eine himmlische Aufnahme ist folgende:



    Morales: Requiem - Music for Philip II
    Gabrieli Consort
    Paul McCreesh
    1997


    Auf der CD sind enthalten:


    Cristóbal de Morales: Officium defunctorum und Missa pro Defunctis
    Alonso Lobo: Versa est in luctum (Motette)


    Es handelt sich um eine Totenmesse für Felipe II. von Spanien (1527-1598), wie sie 1598 hätte aufgeführt werden können.



    Ebenfalls sehr empfehlenswert:



    Henry Purcell: King Arthur
    Les Arts Florissants
    William Christie
    1995


    Die beste derzeit erhältliche Einspielung der Semi-Oper von 1691!

  • Kommen wir zu einer meiner Lieblings-Opern: Don Carlo von Verdi.


    Hier finde ich v.a. zwei Aufnahmen unverzichtbar:



    Giuseppe Verdi: Don Carlo
    Carreras - Freni - Ghiaurov - Baltsa
    Cappuccilli - Raimondi - Van Dam - Gruberova
    Chor der Deutschen Oper Berlin
    Berliner Philharmoniker
    Herbert von Karajan
    1978

    Bei den mir bekannten Aufnahmen ist nirgends das Orchester besser als hier (v.a. bei "Spuntato ecco el di d'esultanza"). 1A-Solisten!



    Giuseppe Verdi: Don Carlo
    Domingo - Caballé - Raimondi
    Verrett - Milnes - Foiani - Estes
    Ambrosian Opera Chorus
    Orchestra of the Royal Opera House, Convent Garden
    Carlo Maria Giulini
    1971

    Ebenfalls hervorragend. Das Orchester ist sehr gut, im direkten Vergleich mit Karajan aber - meiner Meinung nach - etwas im Hintertreffen. Die Solisten sind gut, aber Raimondi (Filippo II) könnte besser sein.

  • Zwei Wagner-Referenzaufnahmen:


    Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg
    Kollo - Donath - Adam - Evans
    Schreier - Hesse - Ridderbusch - Kelemen
    Chor der Staatsoper Dresden
    Chor des Leipziger Rundfunks
    Staatskapelle Dresden
    Herbert von Karajan
    1970

    Richard Wagner: Lohengrin
    Thomas - Grümmer - Ludwig
    Fischer-Dieskau - Frick - Wiener
    Chor der Wiener Staatsoper
    Wiener Philharmoniker
    Rudolf Kempe
    1963

  • Richard Wagner (1813-1883)
    DER RING DES NIBELUNGEN


    London, Flagstad, Kmenntt, Wächter, Neidlinger,
    Böhme, Frick, Hotter, Ludwig, Fassbaender,
    Windgassen, Nilsson, Stolze, Höffgen et al.
    Wiener Staatsopernchor, Wiener Philharmoniker
    SIR GEORG SOLTI


    (1958 - Das Rheingold, 1962 - Siegfried, 1964 - Götterdämmerung, 1965 - Die Walküre)


    Bis heute, nach fast einem halben Jahrhundert, wurde die legendärste aller Ring-Aufnahmen, summa summarum nie geschlagen, allenfalls (in Teilen) erreicht (Karajan).


    Dieses größte Projekt der DECCA überhaupt (es zog sich sagenhafte sieben Jahre hin) verdient auch jetzt noch Höchstnoten.


    Mit diesem Mammutprojekt hat sich der Herr der Ringe Sir Georg Solti ein Denkmal für die Ewigkeit geschaffen.


    Uneingeschränkte Kaufempfehlung.

  • Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
    DIE HOCHZEIT DES FIGARO


    Prey, Güden, Rothenberger, Berry,
    Mathis, Burmeister, Schreier et al.
    Chor der Staatsoper Dresden
    Staatskapelle Dresden
    OTMAR SUITNER
    1964


    Wer sich von der deutschen Sprache nicht abschrecken läßt, bekommt die wohl beste Aufnahme des Figaro, die für Geld zu haben ist.


    Die absolute crème de la crème der besten Sänger der 60er-Jahre ist hier verewigt: Der bis heute unvergeßliche und (m.E.) unerreichte Walter Berry in der Titelrolle, der ebenso legendäre Hermann Prey als Graf, der junge Peter Schreier, von den Damen ganz zu schweigen. Das Weltklassespiel der Dresdner unter dem beeindruckenden Dirigat Suitners vollendet den hervorragenden Gesamteindruck.


    Auch hier gilt: Zugreifen, so lange die Aufnahme noch zu haben ist!

  • Giacomo Puccini (1858-1924)
    TURANDOT


    Ricciarelli, Domingo, Hendricks, Raimondi et al.
    Wiener Staatsopernchor
    Wiener Sängerknaben
    Wiener Philharmoniker
    HERBERT VON KARAJAN


    Eins vorweg: Ja, es gibt bessere Turandot-Sängerinnen als Katia Ricciarelli (was nicht heißen soll, daß sie völlig deplaziert wäre, ich würde es eher "ungewöhnlich" nennen).
    Wer sich davon aber nicht abschrecken läßt, bekommt die beeindruckendste Turandot-Aufnahme, die mir je untergekommen ist.
    Toll: Domingo als Calaf. Karajan beweist erneut, daß er der wahre Star der Aufnahme ist: Absolut unerreicht das Spiel der Wiener. Weltklasse auch der Staatsopernchor.


    Fazit: Insgesamt für mich die beste Einspielung der letzten Puccini-Oper - trotz starker Konkurrenz (Leinsdorf, Mehta usw.).

  • Richard Wagner (1813-1883)
    PARSIFAL

    Kollo, Ludwig, Frick, Fischer-Dieskau,
    Kelemen, Hotter et al.
    Chor der Wiener Staatsoper
    Wiener Sängerknaben
    Wiener Philharmoniker
    SIR GEORG SOLTI
    1971/72

    Eine Referenz-Aufnahme des Parsifal zu küren, ist an sich ein fast unmögliches Unterfangen. Selbst wenn man die Mono-Aufnahmen außer Acht läßt, bleibt eine Vielzahl guter und sehr guter Aufnahmen: Knappertsbusch (1962, live, und 1964, live), Kegel (1975, live), Solti (1971/72), Karajan (1979/80), Kubelik (1980).


    Wieso als gerade Solti?


    Da ich Störgeräusche hasse, fallen die Live-Aufnahmen (trotz unbestreitbarer Qualitäten!) weg, bleiben Solti, Karajan und Kubelik. Karajan hat z.T. zumindest umstrittene Sänger/innen (Hoffmann, Vejzovic), Kubelik klingt (mir) etwas zu schlank. Bei Solti hingegen ist die Sänger-Elite der frühen 70er-Jahre vertreten (auch den fast greisen Hotter zähle ich persönlich dazu), die Tempi sind angemessen und es klingt weihevoll-pompös. Hinzu kommt der m.E. beste Parsifal-Säner René Kollo und der wohl nicht nur meiner Meinung nach beste Gurnemanz überhaupt: Gottlob Frick, von der göttlichen Christa Ludwig ganz zu schweigen. Die Qualitäten der Wiener Philharmoniker und des Staatsopernchors sind über jeden Zweifel erhaben; sehr gut auch die Wiener Sängerknaben, die Solti zum Glück einsetzt. Summa summarum die beste Studio-Aufnahme des Parsifal in Stereo.

  • Johann Sebastian Bach (1685-1750)
    MESSE IN H-MOLL


    Stader, Töpper, Haefliger, Engen, Fischer-Dieskau
    Münchener Bach-Chor
    Münchener Bach-Orchester
    KARL RICHTER
    1961


    Wohl nach wie vor DIE Nicht-HIP-Referenz-Aufnahme der h-Moll-Messe.
    :jubel: :jubel: :jubel:

  • Georg Friedrich Händel (1685-1759)
    DER MESSIAS


    Janowitz, Hoeffgen, Haefliger, Crass
    Münchener Bach-Chor
    Münchener Bach-Orchester
    KARL RICHTER
    1964


    Wer den Messias auf Deutsch hören will, ist auch heute noch am besten mit der Richter-Aufnahme aus den 60ern beraten: Perfekte Solisten, Chor und Orchester ebenfalls in Hochform. Der "Bach-Papst" beweist eindrucksvoll, daß ihm auch Händel liegt. Zudem klingt es hier wirklich geistlich, nicht so weltlich wie etwa bei Beecham (1959).

  • Michael Haydn (1737-1806)
    REQUIEM PRO DEFUNCTO ARCHIEPISCOPO SIGISMUNDO
    MISSA IN HONOREM SANCTAE URSULAE


    Sampson, Summers, Gilchrist, Harvey
    Choir of the King's Consort
    The King's Consort
    ROBERT KING
    2004


    1A-Aufnahme dieses wunderbaren Requiems von 1771 zum Tode des Fürsterzbischofs Sigismund von Salzburg. Neben dem von Mozart derzeit mein liebstes Requiem.
    Die Missa von 1793 ist mehr als nur eine Zugabe, vielmehr ein echtes Juwel.


    :jubel: :jubel: :jubel:


  • Georg Friedrich Händel (1685-1759)
    RICCARDO PRIMO, RE D'INGHILTERRA


    Zazzo, Rial, McGreevy, Mead, Wilson-Johnson, Streetman
    Kammerorchester Basel
    PAUL GOODWIN
    2007


    Eine der zu Unrecht vergessenen Händel-Opern erstrahlt hier in neuem Glanze. Diese Krönungsoper für Georg II. hat es wirklich in sich: Pauken und Trompeten etwa beim Schlachtensieg von Richard Löwenherz, dazu wunderbare Arien, besonders eine des Bösewichts Isacio im Dritten Akt.
    Die Countertenöre sind sicher Geschmackssache - mir gefallen sie ausnehmend gut! Möchte an ihrer Stelle wirklich keine Mezzosopranistinnen hören.
    So macht Barockoper Spaß.


    :jubel: :jubel: :jubel:


  • Giacomo Puccini (1858-1924)
    TOSCA


    Zeani, Fanateanu, Herlea,
    Crasnaru, Andreescu, Gabor et al.
    Chor und Orchester der Rumänischen Oper Bukarest
    CORNEL TRAILESCU
    1977


    Daß eine der preiswertesten "Tosca"-Aufnahmen auch eine der besten ist, sollte man nicht unbedingt meinen. In diesem Falle aber trifft es wahrlich zu. Highlight ist m.E. Nicolae Herlea als Scarpia - mir gefällt seine Rollengestaltung besser als Gobbis. Mein liebster Scarpia-Sänger neben Warren, Raimondi und Milnes. Auch Virginia Zeani ist in Topform - trotz ihres hohen Alters (52). Der Cavaradossi fällt etwas ab, was aber verschmerzbar ist. Chor und Orchester unter Trailescu machen ihre Sache sehr gut.


  • Ludwig van Beethoven (1770-1827)
    SYMPHONIE NO. 9


    Norman, Fassbaender, Domingo, Berry
    Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
    Wiener Philharmoniker
    KARL BÖHM
    1980


    Es gibt viele sehr gelungene Aufnahmen der Neunten von Beethoven, doch wenn es nur eine sein dürfte, dann diese. Es stimmt einfach alles: Hervorragende Solisten, passende Tempi und umwerfend die Wiener Philharmoniker unter Karl Böhm in dessen letzter Aufnahme, die zugleich seine erste digitale war. Ein Monument und nicht nur in der Böhm'schen Diskographie das Beste vom Besten.


  • Richard Wagner (1813-1883)
    PARSIFAL


    Ellsworth, Meier, McIntyre, Joll, Folwell et al.
    Orchestra and Chorus of Welsh National Opera
    SIR REGINALD GOODALL
    1984


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    Richard Wagner (1813-1883)
    TRISTAN UND ISOLDE


    Mitchinson, Gray, Joll, Howell et al.
    Orchestra and Chorus of Welsh National Opera
    SIR REGINALD GOODALL
    1980/81



  • Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
    LE NOZZE DI FIGARO


    Tomowa-Sintowa, Cotrubas, v. Stade, van Dam, Krause et al.
    Wiener Staatsopernchor
    Wiener Philharmoniker
    HERBERT v. KARAJAN
    1978


  • Gustav Mahler (1860-1911)
    SYMPHONIE NO. 8 "SYMPHONIE DER TAUSEND"

    Harper, Popp, Auger, Minton, Watts, Kollo, Shirley-Quirk, Talvela
    Wiener Staatsopernchor
    Wiener Singverein
    Wiener Sängerknaben
    Chicago Symphony Orchestra
    SIR GEORG SOLTI
    1971


  • Antonín Dvorák (1841-1904)
    SYMPHONIE NO. 9 "AUS DER NEUEN WELT"
    Bedrich Smetana (1824-1884) · Franz v. Liszt (1811-1886)
    DIE MOLDAU · LES PRÉLUDES


    Berliner Philharmoniker
    Radio-Symphonie-Orchester Berlin
    FERENC FRICSAY
    1959/60


  • Carl Orff (1895-1982)
    CARMINA BURANA


    Janowitz, Stolze, Fischer-Dieskau
    Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin
    Schöneberger Sängerknaben
    EUGEN JOCHUM
    1967


  • Richard Strauss (1864-1949)
    ALSO SPRACH ZARATHUSTRA
    TILL EULENSPIEGEL · DON JUAN


    Solo-Violine: Michel Schwalbé
    Berliner Philharmoniker
    HERBERT v. KARAJAN
    1972/73