Himmlische Klänge: Die Harfe !



  • Salut,


    da gibt es noch keinen Thread über dieses Rieseninstrument!


    "Himmlische" Klänge habe ich als Threadtitel gewählt: Wenn man sein irdisches Dasein abgelegt hat, so heißt es, würde man im Himmel Harfe spielen. Wo kommt diese Ansicht her? Hängt es evtl. mit dem sagenhaften Orpheus zusammen, der mit seiner Harfe [Lyra, Leier] die Wächterin des Hades, Persephone betörte, die im daraufhin seine Euridice zurückgab? Dass die Rettungsaktion letztendlich nicht vollendet werden konnte, lag nicht an der Harfenmusik, sondern an Orpheus menschlicher Schwäche.


    In der Tat findet sich am Firmament ein Sternbild namens Leier - das einzige Musikinstrument am Himmel:



    Das ist ja auch kein Wunder. Der "Erfinder" der Leier, so will es die Sage, ist der Gott Hermes. Eines schönen Tages ging Hermes los, und klaute dem Apollon ein paar Kühe - einfach so aus Jux und Dollerei. Apollon war natürlich schwer sauer, als er den Verlust bemerkte, und stand sofort bei Hermes auf der Matte. Als er dann das Spiel der Leier hörte, war er davon so begeistert, dass er sie gegen sein Vieh mit Hermes tauschte. Später machte er sie Orpeheus zum Geschenk.


    Die Leier/Lyra ist natürlich nur ein Urahn der heutigen Harfe, die nicht mehr so bequem auf den Schoß passt, wie das bei Orpheus noch möglich war... hingegen hat sich die Körperhaltung bei den Harfenisten [heute viel mehr Harfenistinnen] nicht großartig geändert.


    Und jetzt geht es natürlich darum, Harfenmusik vorzustellen.


    Da mache ich den Anfang mit Johann Georg Albrechtsbergers Harfenkonzert C-Dur, das ich sehr gerne höre. Hier drauf:




    Vergessen werden darf natürlich nicht Mozarts Konzert für Flöte und Harfe KV 299. Joseph Haydn hat beispielsweise in seiner lertzten Oper [sic!] eine Harfe als Instrument vorgeschrieben - die Oper heißt Orpheus ed Euridice...


    Was gibt es noch..?


    Cordialement
    Ulli

  • tja dann komme ich nicht umhin den momentan berühmtesten "Barockharfenisten" Andrew Lwrence King anzusprechen:


    Die Barockharfen führen eher ein Schattendasein, obwohl ihre Verwendung sowohl als Continuo Instrument wie als Soloinstrument mehrfach belegt ist.


    Charles I. gründete eine solches "Continuo Ensemble" welches sich Harp Consort nannte, diesen Namen übernahm auch King für sein Ensemble.
    3 Augfnahmen will ich hier mal als Beispiele nennen:



    Luz y Norte
    The Harp Consort / King


    Diese Aufnahme beinhaltet Ensemblemusik für Lauten, Theorben , Gitarren, Harfen, Cembalo, Orgel und Gamben.
    Die musikalische Quelle ist die Tanzsammlung von Lucas Ruiz de Ribayaz aus dem Jahre 1677. So erlebt man Musik des 16. & 17. Jahrhunderts aus Südamerika, den Kanarischen Inseln, Afrika und Spanien.


    Dann eine Soloplatte:



    La Harpe Royal
    Andrew Lawrence King


    Hier sind hauptsächlich Bearbeitungen für die Barockharfe vorgestellt, mit anderen Worten Cembalowerke von Louis und Francois Couperin sowie Lautenstücke von Corbetta und de Visée.
    Es ist alles wunderbar gespielt - doch mein Kritikpunkt, warum wird das eigentliche Repertoire auf das im Booklett sogar hingewiesen wird ausgelassen ???



    O'Carolan's Harpe
    The Harp Consort / King


    O'Carolan gilt als einer der ersten "Volksmusiker" von Rang.
    Als gebürtiger Ire, reiste er durch Britanien und spielte seine Musik. Er war recht berühmt und so haben einige seiner Melodien in England bis Heute überlebt, natürlich nur in bearbeiteter Fassung.
    King versucht die Ursprünge seiner Musik zu ergründen. So ensteht eine faszinierende Reise in das Musikrepertoire des blinden Komponisten, eine Mischung aus keltischer und barocker Musik.

  • Meine Favoriten sind:


    Claude Debussy: Zwei Tänze für Harfe und Streichorchester


    Claude Debussy: Sonate für Flöte, Viola und Harfe


    Maurice Ravel: Introduktion und Allegro für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett


    Debussy mit seinem Interesse an asiatischer Musik und Ravel mit seinem ohnehin schon glasklaren Klang liegt die Harfe besonders. Wie immer ist es faszinierend, wenn Ravel auf kleinstem Raum die unterschiedlichsten Einflüsse zusammenbringt. So ist hier mal "La Mer" zu hören, und dann entschwebt die Musik wieder ätherisch.


    Leider ist meine CD mit Andrea Vigh zur Zeit nicht erhältlich. Diese Werke sollten nach Möglichkeit im Zusammenhang gehört werden.


    Auch im Jazz wird seit einiger Zeit die Harfe entdeckt mit ganz eigenem Ausdruck. Im Umfeld von New Yorker Avantgarde-Musikern wie John Zorn und Bobby Previte spielen Carol Emanuel und Zeena Parkins. Ich bin überzeugt, dass noch viele neue Werke für Harfe entstehen werden.


    Viele Grüße,


    Walter

  • Hallo Ulli,


    mir ist ein Werk bekannt, dass ich niemandem vorenthalten möchte:


    William Alwyn - Lyra Angelica; Konzert für Harfe und Streichorchester


    Meine Aufnahme ist von Naxos. Die Harfe spielt Suzanne Willison.
    Bisher konnte mir die CD (2. und 5. Symphonie von Alwyn mit drauf) eigentlich nicht so zusagen - außer dieses Werk, dass ich mir dann auch meistens anhöre wenn ich zu dieser CD greife.
    Wirklich ein ganz tolles Harfenkonzert. Um nähere und genauere Eindrücke zu beschreiben, muss ich es aber erst mal wieder hören - ist schon wieder ein bisschen her.


    Aber Peter hat das Werk gestern oder so gehört...Vielleicht kann er ja auch noch etwas sagen.



    Liebe Grüße, Maik


  • Ich habe mir das Harfenkonzert heute auch noch einmal angehört.
    Es ist meines Erachtens sehr sinfonisch gehalten. Also mehr eine Sinfonie mit Soloharfe und Orchester als ein Konzert für Harfe und Orchester. Der Charakter ist zumeist ruhig, introvertiert und elegisch.
    Alwyn ließ sich bei der Komposition vom englischen Dichter Giles Fletcher und seinem Gedicht Christ's Victoire and Triumph von 1610 inspirieren und ordnete jedem der 4 Sätze ein Zitat aus dem Gedicht zu. Die Sätze sind mit Adagio - Adagio, ma non troppo - Moderato und Allegro giubiloso-Andante con moto überschrieben. Die innere Form ist frei gehalten und Alwyn nennt sein Werk selbst "harpsodisch". Was für eine tolle Wortschöpfung! :jubel:
    Das Konzert ist sehr schön anzuhören, auch Skeptiker der Musik des 20. Jahrhunderts dürften ihre Freude daran haben. Sie müssen ja nicht die Sinfonien mithören, die noch mit auf der Aufnahme sind. :D



    Der Beiname "Lyra Angelica" bedeutet Engelsgesang und das trifft es ganz gut. Kann man dieses "Lyra Angelica" auch als Anspielung auf "Englische Lyrik" sehen? Mir kam gerade so der Gedanke... ?(



    Gruß, Peter.

  • Salut!


    Durch meinen Neidich-Fanatismus geriet ich an diese Box:



    Da ist das Konzert für Flöte [leider :stumm: ] und Harfe C-Dur KV 299 drauf [da fällt mir grad was für den Dreckfuhler-Thread auf].


    Es spielen:


    Susan Palma, Flöte
    Nancy Allen, Harfe


    Orpheus [ :rolleyes: ] Chamber Orchestra.


    harpsodische Grüße
    Ulli

  • wie heißts so schön im Orchester:


    der Harfenist stimmt immer- die Harfe stimmt nie...


    :D

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Was ich bei der Gelegenheit mal fragen wollte: Seit wann existiert eigentlich das Berufsverbot für männliche Harfisten? Und was sagt die UNO-Menschenrechtskonvention dazu?


    Oder hat es einen anderen Grund, dass es mehr weibliche Päpste als männliche Harfisten gibt? Ich bin für alle Erklärungen (auch tiefenpsychologische) offen.



    Thomas Deck


    PS: Umgekehrt gibt es keine weiblichen Kontrabassisten. Dabei sind doch beide Instrumente gleichermaßen groß und sperrig...

  • Salut,


    meine Erklärung ist ziemlich platt und einfach:


    Der weibliche Teil der Musiker ist eben sinnlicher, als der männliche, weshalb sie die Harfe und Blockflöte dem Kontrabaß vorziehen. Allerdings habe ich jede Menge japanische oder andersasiatische Kontrabassistinnen gesichtet - doch das gehört in einen anderen Thread.


    Viele Grüße
    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli
    Der weibliche Teil der Musiker ist eben sinnlicher, als der männliche, weshalb sie die Harfe und Blockflöte dem Kontrabaß vorziehen.


    Ich verstehe, was du meinst, aber jetzt mal rational: Inwiefern ist eine Harfe "sinnlicher" als ein Klavier oder ein Cello?


    Überhaupt müsste man die Sache andersrum angehen: Dass es Frauen gibt, die gerne Harfe spielen, ist ja nichts besonderes. Frauen spielen auch Klavier und Bratsche.


    Aber was hält Männer davon ab, Harfe zu spielen???


    Und nebenbei gefragt: Wie transportieren die Harfenistinnen ihr Instrument? Oder bleibt das immer am festen Ort, wie ein Klavier? Was kostet überhaupt so eine Harfe? Und was sagen die Eltern, wenn sich die Tochter zum Geburtstag eine Harfe wünscht? Mit was fängt man an, wenn man später Harfe spielen will?



    Thomas Deck


  • Diese CD hatte ich bereits im thread "2006" als mein persönliches Highlight des
    vergangenen Jahres vorgestellt.


    Es vereint alles Werke für Harfe solo oder Harfe und Streicher (bzw. StrQ).


    Höhepunkt der CD ist "Conte Fantastique" für Harfe und Streichquartett.


    Das Werk basiert auf der Erzählung "Die rote Maske" (E.A.Poe), bei der eine
    vornehme Gesellschaft ein ausgelassenes Fest feiert und nur von dem schaurigen Stundenschlag der Wanduhr abrupt unterbrochen wird (der Gong der Wanduhr wird kongenial mit der Harfe imitiert!!).Punkt Mitternacht erscheint der Tod in einer roten Maske und rafft die gesamte Gesellschaft dahin.


    Würden wir einen thread über "schaurig-gruselige Musik" eröffnen, dieses Werk wäre meine erste Wahl.


    Für Harfe solo sind die "Divertissiments" eines "A la francaise" und das andere "A la espagnole" - das letztere so geschickt instrumentiert, daß man
    glauben könnte, man habe es mit einer Gittare zu tun. Wäre da nicht dieser typische Harfenklang.


    Eine CD, die ich nur wärmstens empfehlen kann.


    :hello:
    Wulf.

  • Drei großen Harfespieler/Komponisten aus dem 18. und 19. Jhdt: Krumpholz, Bochsa und Parish-Alvars. Und der Sohn von Krumpholz war Professor in Paris für... die Harfe.


    Und weiter:


    Nicanor Zabaleta war einer der bedeutendsten, wenn nicht der bedeutendste Harfenist des 20. Jahrhunderts.


    Edward Witsenburg aus den Niederlanden, ein Harfenist von Weltrang, der im Laufe seiner ausserordentlichen Karriere mit allen grossen Orchestern zusammenarbeitete.


    Schon Wikipedia hätte Auskünfte geben können. Da sieht man das es auf dem amerikanischen Kontinents viele Männer gibt, die Harfe spielen. Die Harfe ist z.B. in Paraguay ein beliebtes Instrument in der Volksmusik.

  • Da fehlt noch was: Das Harfenkonzert von Francois Adrien Boildieu in C-dur. Das gibt's wohl in zig verschiedenen Einspielungen. Mein Liebling: Susanna Mildonian mit dem Grand Orchestre Radio-Tele Luxembourg unter Louis de Froment.


    Francois-Josph Nadermann hat auch Schönes für die Harfe geschrieben (von Annie Challan ist eine Nadermann CD erhältlich, die auf einer Erard-Harfe eingespielt wurde, Lily Laskine hat für Erato Nadermanns Trois Pieces pour Harpe et Orchestre eingespielt.


    @ thdeck: Niccanor Zabelata war wohl ein Mann. Somit gibt es mehr männliche Harfenisten als weibliche Päpste :D


    So eine Harfe ist wohl ein ausgesprochen teures Instrument. In einem Fernsehbeitrag von vor einigen Jahren meine ich, etwas von knapp 70.000 DM gehört zu haben.


    Und dann fragen wir doch mal nach den Berufschancen für Harfenisten: Eine Harfe heutigen Volumens würde ein Orpheus wohl kauim mehr zu einem Rendezvous schleppen, moderne Barden krächzen eher zur Klampfe. Und die Orchesterliteratur von Sinfonie bis Oper ist so wahnsinnig reich an Harfen-Einforderungen auch nicht. Obwohl: allzu laut will ich jetzt nicht tönen; Michale Schlechtriem dürfte bei den "Ma Vlast"-Aufführungen einige Harfenklänge vernommen haben, schließlich fängt Vysherad mit diesem Instrument ja an.....


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Lieber Thomas,


    Ich werde hier mal meine Harfe-CDs vorstellen (denn habe auch noch unbekanntes auf LP).
    Da hattest Du dann auch noch Albrechtsberger und Dittersdorf hinzufügen können (und Wagenseil). Aber es ging mir nur um Komponisten, die selbst Harfe spielten.
    Spohr z.B. hat auch viel für die Harfe geschrieben. Er war verheiratet mit eine Harfeniste. Aber er spielte nicht Harfe.


    LG, Paul

  • Hallo Harfen-Konzert-Freunde,


    es gibt ja Klassikhörer, die den Klang einer Harfe als Orchesterinstrument als störend empfinden. Andere stört der Einsatz der Triangel, was ich nicht nachvollziehen kann.


    Für meinen Instrumentationsgeschmack müsten Harfe, Triangel, Xylophon und Vibraphon (mit Metallstäben) verstärkt eingesetzt werden.


    Leider gibt es auch für das Soloinstrument Harfe nicht sehr viele Konzerte.


    :yes:Wer ein Harfenkonzert hören will, das einem, zumindest nach meinem Musikgeschmack, "die Socken auszieht", der sollte sich mal das
    Ginastera: Harfenkonzert op.25 anhören.


    Diese ASV-CD mit dem Dirigenten Enrique Batiz trifft den Ton für das Konzert genau so, wie es sein sollte. Eine fantastische Aufnahme mit Referenzcharakter.
    Auch die anderen Werke auf der CD sind fastzinierend:

    Harfenkonzert op. 25; Klavierkonzert Nr. 1 op. 28; Estancia-Suite
    Tarrago, Allen, Mexico City Orch., Batiz
    ASV, 1989 DDD


    :hello: Wer kennt das Konzert und kann meine Begeisterung nachvollziehen ?

  • Lieber Thomas,


    Da realisierte ich mich, daß ich Viotti vergessen hatte, in mein Auflisting von Komponisten. Schnell ins Internet gesucht, und... staunen.



    1. Sonata for Harp in B flat major (G.B. Viotti 1755 - 1824)
    2. Il re Teodoro in Venezia: Overture (G. Paisiello 1740 - 1816)
    3. Andante con variazioni in C flat major (A. Clementi 1925 - )
    4. Capriccio e aria con variazioni in E flat major (F. Pollini 1762 - 1846)
    5. Lodoiska: Overture (L. Cherubini 1760 - 1842)
    6. Rondo for Harp in A major (G.B. Viotti 1755 - 1824)


    Schau mal an, sogar drei bekannte, wenn nicht berühmte, Komponisten haben auch für Harfe geschrieben.


    LG, Paul

  • Lieber Paul,


    ergänzen lässt sich auch noch der Dichter, Jurist und Komponist E.T.A. Hoffmann. Der hat die Harfe genausowenig selbst gespielt wie Louis Spohr, aber ein wunderbares Harfenquintett hinterlassen.


    Und weil Walter T. die Harfe in der Musik unserer Tage angesprochen hat: An Andreas Vollenweider erinnern wir uns doch alle, oder? Das war durchaus interessante Musik, die damals in den 1980ern entstanden ist. Zeitgleich erschienen: Rüdiger Oppermann "Die Reise nach Harfistan", leider auf einem linken Indepndent-Label, aber vielleicht gibt's die Platte mittlerweile auf CD. Die war deshalb interessant, weil Oppermann, der auch viel in Sttraßen musiziert hatte, allerlei volksnahe musikrichtungen aufgenommen und verarbeitet hatte (hierin dem Schweizer Vollenweider ähnlich). Oppermann spielte auf dieser Platte aber unterschiedliche Instrumente, die alle zur Gruppe der Harfe gehören. Ein Hörtip!


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von thdeck
    Aber was hält Männer davon ab, Harfe zu spielen???


    Weil es ein "typisches" Fraueninstrument ist?


    Zitat

    Und nebenbei gefragt: Wie transportieren die Harfenistinnen ihr Instrument?


    Jene Harfenistin, die ich kenne, verfügt über einen VW-Van bzw - transporter.


    Zitat

    Was kostet überhaupt so eine Harfe?


    Aus der Erinnerung - je nach Instrument und Qualitätsstufe natürlich - handgefertigt so um die 40.000 € [sicher auch aufwärts].


    Zitat

    Und was sagen die Eltern, wenn sich die Tochter zum Geburtstag eine Harfe wünscht?


    :no: ?



    Zitat

    Mit was fängt man an, wenn man später Harfe spielen will?


    Zither? ?(


    Viele Grüße
    Ulli

  • Hallo liebe TaminoanerInnen


    Unbedingt erwähnen möchten wir die zierliche Schweizerin Ursula Holliger. Sie ist die Ehefrau des Dirigenten, Komponisten und Oboisten Heinz Holliger. Für Frau Holliger wurden im 20. Jahrhundert zahlreiche Werke geschrieben.


    So zum Beispiel das 1980 durch Frau Ursula Holliger in Luzern uraufgeführte Konzert für Oboe, Harfe und Kammerorchester des Polnischen Komponisten Witold Lutoslawski. Der Oboenvirtuose Heinz Holliger spielte übrigens die Oboe und am Pult stand der Schweizer Dirigent Paul Sacher.


    Das Orchester besteht nur aus zwei Schlagzeugern und zwölf Streichern. Das dreisätzige Konzert beginnt im „Rapsodico“ mit schwärmenden, schwirrenden Strukturen der Streicher, aus denen Oboe und Harfe mit einem eleganten Duett hervortreten.
    Der zweite Satz „Dolente“ beginnt mit einem Crescendo der gezupften Streicher, auf dessen Höhepunkt Oboe und Harfe mit einem klanglich sparsamen, aber dennoch ausdrucksvollen Dialog einsetzten. Ein ähnlicher Wechselprozess wie im ersten Satz beginnt, der weiter intensiviert wird, bis die Solointrumente durch zarte Akkorde des Marimbaphons in träumerische Bereiche geleitet werden. Die höher aufsteigenden Streicher führen unmittelbar zum Finale „Marciale e grotesco“ über. Dieses beginnt als Geschwindmarsch für Oboe und Xylophon gegen die pirouettierenden Streicher, bevor die Harfe mit ihrem humoristischen Dialog mit den Glissandi der Streicher in den Vordergrund tritt. Mit den schrillen Tönen der Oboe, die durch magische Orchesterklänge kontrastiert werden, ist der Zentralabschnitt der Satzes erreicht. Die Streicher setzen wieder ein mit einer noch dichter gearbeiteten Variante des „Schwärmens“ vom Beginn des Konzertes, das nun seinem kurz angebundenen, entschlossenen Ende entgegeneilt. Das Konzert besticht durch seine virtuose Ironie voller anspielungsreicher Klangelemente.



    Herzliche Grüsse


    romeo&julia

  • Ich halte es für eines der üblichen "Klischees", dass Harfen (mittlerweile?) nur noch von Damen gespielt werden.


    Es sind ja schon einige Beispiele hier im Thread genannt worden, die das widerlegen (Nicanor Zabaleta und Andrew Lawrence-King sind hier meine persönlichen Favoriten).


    Ich war am Sonntag in der Kölner Philharmonie, es gab Orffs Carmina burana, Waltons "Ob and sceptre"-Ouvertüre und Elgras Coronation Ode op. 44. Die Bochumer Symphoniker spielten, die Harfe wurde von einem Herren bedient...


    Eine CD zum Thema möchte ich auch noch empfehlen:



    Die interessante Zusammenstellung enthält:


    Carl Reinecke: Harfenkonzert, op. 182
    Zabel: Harfenkonzert, op. 35
    Elias Parish-Alvars: Konzert für 2 Harfen und Orchester, op. 91


    Begleitet von der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz werden gleich 2 (!) männliche Harfenspieler, nämlich Emmanuel Ceysson und Xavier de Maistre.


    Allein schon wegen des selten zu hörenden Repertoires aus dem 19. Jahrhundert eine sehr hörenswerte Aufnahme!!

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • ich empehle das harfenkonzert von rautavaara und die cavatina für harfe und flöte von henk badings !!!

    "Der moderne Komponist darf seine Werke einzig und allein auf der Grundlage der Wahrheit schreiben."
    Claudio Monteverdi


    "Der Komponist komponiert erstens für sich selbst und zweitens für das Publikum; aber für ein ideales Publikum und nicht für das...welches real existiert"
    Nikolai Rimski-Korsakow


    "Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche."
    Gustav Mahler

  • Und wo wir gerade bei den Empfehlungen sind: Echoes of a Waterfall, eine CD mit Harfenmusik des 19. Jh., eingespielt von der britischen Harfenistin Susan Drake für Hyperion.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Orginal von thdeck

    Zitat

    Wie transportieren die Harfenistinnen ihr Instrument


    Ich war mal mit einer Harfenistin zusammen.
    So ein Harfentransport ist eine wirkliche Plackerei, das kann ich euch sagen.
    M.e. benötigt eine Harfenistin nicht nur einen sehr großen Wagen, sondern auch einen Freund oder Partner, der mit anpackt...


    Es gibt noch ein schönes Harfenkonzert von Nino Rota, aber ich weiß nicht, ob dieses Werk auf CD verfügbar ist.


    Zitat

    Mit was fängt man an, wenn man später Harfe spielen will?


    Es ist schon 11 jahre her, aber ich denke, meine damalige Freundin hatte zuerst eine sog. Hakenharfe.


    Dieses Teil war viel kleiner und man konnte durch Umlegen von Haken einen Halbton höher spielen.
    Ich glaube, daß die keltische Harfe ganz ähnlich ist (oder dasselbe ?( ?( ).
    Jedenfalls hatte diese Harfe keine Pedale und war ihr Anfängerinstrument.


    Was die Preise betrifft, so kann ich mich nicht genau erinnern.
    Allerdings meine ich mich zu entsinnen, daß die japanischen und russischen Harfen deutlich billiger waren.
    Harfenisten sind aus meiner Erfahrung ziemlich mit ihrem Instrument verheiratet. :untertauch:


    Ich erinnere mich genau, daß, als wir ihre erste große-und richtig gute und teure-Harfe abholten, sie mich beim Anblick der Harfe bei der Hand nahm und sagte "Ach, mein Schätzchen"...
    Natürlich meinte sie nicht mich :no: :no: :no: :no:


    LG,
    Michael

  • Zur Frage, ob die Harfe ein Fraueninstrument ist, möchte ich auch gerne beisteuern, daß Nicanor Zabaleta(1907-1990), schon oft hier erwähnt, einer der berühmtesten Harfenisten war.


    Auch Osian Ellis, noch lebend, ist eine Legende unter den Harfenisten.


    Übrigens wurde die wunderschöne "Lyra Angelica"-oben schon genannt-von Alwyn für ihn geschrieben.
    Auf "Lyrita", dem legendären Label für britische Musik, gibt es eine Aufnahme davon mit ihm, welche ich besitze und die atemberaubend schön ist.
    Natürlich spielen recht viele Frauen Harfe, aber dieses Instrument ist natürlich kein reines "Fraueninstrument".


    Zitat

    Michale Schlechtriem dürfte bei den "Ma Vlast"-Aufführungen einige Harfenklänge vernommen haben, schließlich fängt Vysherad mit diesem Instrument ja an.....


    Natürlich, jedes etwas größere Orchester hat eine Harfenplanstelle.
    Bei uns kommt dann noch eine zweite Praktikumsstelle hinzu.
    Nicht nur bei Vysherad von Smetana benötigt man 2 Harfen, bei vielen anderen Werken des Konzert wie des Opernrepertoires auch, also haben wir eine festangestellte Harfenistin sowie eine Praktikantin.

    Die Preise für eine Harfe gehen von einer preisgünstigen japanischen Ayoma (etwa 13000-35000,-) bis zu einer Salvi(die liegt dann bei etwa 35000 bis 80000,-), je nach Saitenanzahl und Verarbeitung.


    Es gibt übrigens auch sehr interessante Literatur für Cello und Harfe.
    Vieles davon wurde entweder komponiert für- oder überhaupt erst bekannt gemacht durch- das Musikerehepaar Helga und Klaus Storck, die beide seit Jahrzehnten namhafte Solisten und Professoren sind.


    Desweiteren gibt es von H.W.Henze ein Doppio Concerto für Oboe, Harfe und Streicher, für die von romeo&julia bereits vorgestellten Ursula und Heinz Holliger geschrieben und unter Paul Sacher uraufgeführt.




    LG,
    Michael

  • Orginal von thdeck:

    Zitat

    PS: Umgekehrt gibt es keine weiblichen Kontrabassisten. Dabei sind doch beide Instrumente gleichermaßen groß und sperrig


    Ähh, Thomas, Du warst doch bei uns im Konzert.....
    Du wirst doch hoffentlich gesehen haben, daß unsere Solo-Kontrabassistin nicht männlich war? :D :D


    LG,
    Michael

  • Zabaleta, Nicanor, * 7.1.1907 San Sebastián, † 1.4.1993 Puerto Rico, spanischer Harfenist,
    studierte am Madrider Konservatorium und ab 1925 in Paris.
    Er gilt als einer der bedeutendsten Harfenvirtuosen. Eine Anzahl zeitgenössischer Komponisten schrieb auf seine Anregung Werke für Harfe (Krenek, Milhaud, Villa-Lobos). Heute vor 20 Jahren ist er gestorben.


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    Dies ist meine, ca 40 Jahre alte Lieblingsplatte von ihm.
    Enthalten hierauf ist auch das berühmte Harfenkonzert von Georg Christoph Wagenseil!


    LG


    :hello:

  • Heute nacht im Radio gehört: Mozart mit 2 Harfen - dabei hat er garnicht für dieses Instrument komponiert. War eine Bearbeitung des Konzertes für 2 Klaviere:


    Wolfgang Amadeus Mozart:
    Konzert Es-Dur, KV 365
    Marie-Pierre Langlamet, Naoko Yoshino, Harfe;
    Kammerakademie Potsdam: Alondra de la Parra


    Naoko Yoshino ist eine der bemerkenswertesten Harfenistinnen der Welt. Zusammen mit der Soloharfenistin der Berliner Philharmoniker, Marie-Pierre Langlamet, spielte sie, begleitet von der Kammerakademie Potsdam unter dem Dirigat der berühmten mexikanischen Dirigentin Alondra de la Parra - traumhaft!