• Sagitt meint:


    Das hohe C ist ein charismatischer Ton, man lechzt danach und ergötzt sich daran. Sänger des hohen C sind berühmt und begehrt.


    Und wie sie es mit dem tiefen C aus ?


    Wer fordert das überhaupt ? Am schönsten, finde ich, schleicht Monteverdi da herum, etwa beim Charonte im Orfeo,um ihm dann endlich ein tiefes C zu gönnen ( wenn der Sänger es denn singen kann)
    Denn: das TIEFE C zu singen, ist ungleich schwieriger als das hohe, weil man es nie herauspressen kann, dann kommt nur heisse Luft. Und stemmen kann ma solche Töne auch nicht.
    ZWEITENS gibt es deutlich weniger Sänger, die diesen Ton beherrschen als das hohe C- und doch: es übt keine Fascination aus,jedenfalls keine vergleichbare.Viele Bässe oktavieren und keiner beschwert sich. Hans Franzen hatte es, David Thomas hatte es.
    Wer fordert dies noch ?
    Schütz sehr selten, Bach in seinen frühen Kantaten,später wird dieser Ton eher gemieden. So geht Mozart mit der tiefen Partie des Osmin zum D, aber nicht zu C und da unten ist jede halbe Note bereits eine riesige Strecke.
    Welche so tiefen Partien gibt es noch im klassischen Repertoire und welche Sänger beherrschen sie (? nicht tibetische Mönche oder russische Don Kosaken!)

  • Superbe colli von Stefano Landi, gesungen von Harry van der Kamp und begleitet durch das Ensemble Tragicomedia. Der hat´s drauf!




    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Ochs im Rosenkavalier hat im ersten Akt die Möglichkeit (die Note steht in Klammern) das C zu singen. (4 vor 269 ) - seine letzte Note im ersten Akt...


    Schweigsame Frau (ich glaub Ende 2.Akt ein Des)


    richtig tiefe Partien sind selten, weiß keinen Grund..

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Zitat

    Ochs im Rosenkavalier hat im ersten Akt die Möglichkeit (die Note steht in Klammern) das C zu singen. (4 vor 269 ) - seine letzte Note im ersten Akt...


    Das müsste aber doch auch für die letzte Note des 2. Aktes gelten, oder?


    "..., mit mir keine Nacht dir zu laaaaaaaang!"

  • ja, aber "laaaaaaang" ist nur ein E

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Aha, danke! Ich muss allerdings gestehen, in der Praxis bei den beiden Schlüssen kaum einen Unterschied zu hören. Liegt vielleicht auch ein wenig daran, dass die Herren in beiden Fällen einfach das Tiefste von sich geben, das ihnen möglich ist (und zumeist ohnehin kaum hörbar ist)...

  • Sagitt meint:


    E ist schon tief,kommt aber öfters vor, zB in BWV 4. Selbst dieser Ton wird von Baritone oftmals oktaviert, weil eben zu tief. Sehr interessant, ich schrieb dazu bereits, Fischer-Dieskau. In seiner frühen Phase hatte er die Töne, später hat er sogar das tiefe G oktaviert,zB in Ich freue mich auf meinen Tod BWV 82.
    Ich finde, wenn man die Töne nicht hat, sollte man das Werk nicht singen,mindestens keine Aufnahme davon machen. Besonders frustrierend bei Orfeo oder Incoronazione di Poppea, weil Monteverdi ja eine ganze Linie entwickelt, vorbereitend auf das tiefe C und dann wird dieser Ton oktaviert. :kotz:

  • Sagitt meint:


    Es gibt ein Lamento von Johann Christoph Bach mit einem unendlich tiefen Ton. Selbst Stefan Schreckenberger von cantus cölln, der nicht okativiert, kann den Ton eigentlich nur noch markieren.( Zweier Box altbachisches Archiv, aus Russland wieder aufgetaucht)


    Wer weiss, wie tief der ist ? Partiturinhaber : bitte antworten !

  • Hallo sagitt,


    welches Lamento meinst du?


    1. Wie bist du denn, o Gott, in Zorn auf mich entbrannt
    2. Ach, dass ich Wassers gnug hätte


    Und wenn du dann noch die ungefähre Stelle sagen könntest, könnte ich dir eventuell weiterhelfen.



    Gruß, Peter.

  • Hallo sagitt,


    der tiefste Ton, den ich ausmachen konnte, war ungefähr bei 6'30 und das war, wie deine Vermutung es sagte, ein tiefes C.
    Aber du hast Recht, rein gefühlsmäßig kommt es mir auch viel tiefer vor. Das Lamento an sich steht in e-Moll.



    Gruß, Peter.

  • Sagitt meint:


    diese Textstelle ist es ja: in den Abgrund gehen. Soll das wirklich nur das tiefe C sein, Schreckenberger kann den Ton eigentlich nur markieren, nicht singen, das tiefe C hat er eigentlich.


    In der europäischen Musik kenne ich keine tiefere Stelle. Die gesamte Stelle liegt sehr tief, aber das "gehen" ist ganz in der Tiefe.


    Ich habe leider keine Partitur.


    Ich kenne auch nur diese Aufnahme.

  • Hallo sagitt,


    Peters Angaben kann ich bestätigen. Allerdings muß man im Hinterkopf behalten, dass auf der Aufnahme in historischer Stimmung musiziert wird. Nach dem heute gebräuchlichen a' von 440 Hz singt der Schreckenberger da ein H.


    Das Lamento ist auch auf der CD mit der Musica Antiqua Köln enthalten, die sich dem Altbachischen Archiv widmet. Hier singt Michael Schopper dieses Lamento. Leider habe ich die CD nicht... :wacky:



    :hello:
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Rachmaninov schreibt zumindest für die Chorbässe manchmal bis zum Kontra-B. Aber die tun sich natürlich leichter, das in hörbarer Lautstärke von sich zu geben, als ein einzelner Solist.


    Zitat

    richtig tiefe Partien sind selten, weiß keinen Grund..


    Vielleicht, weil es zu wenig Sänger gibt, die das einwandfrei singen könnten.

  • Was ist denn mit van Betts " Ich bin ganz netto - danke, für die gütige Unterstützung, Herr Fagottist" ?
    Ist das noch nicht die unterste Kellertreppe?
    Wenn ich die Aufnahme mit Gottlob Frick höre, erinnere ich mich nicht einen tiefer gesungenen Ton je gehört zu haben.

  • Lieber Siegfried, Lieber Philhellene,


    Zufällig habe ich etwa Ende November für mein Rätselforum das ausgesucht.
    Laut meines Buches ist der tiefsten Ton zu finden in Mahlers "Chorus Mysticus" Teil der 8. Symfonie (bei "hier wird's Ereignis").


    LG, Paul

  • Hallo Siegfried,


    der van Bett singt nur ein F, das heißt,es wird vom Fagott gespielt.


    In der Oper "Die Hugenotten"singt Cesare Siepi als Marcel


    im "Lutherchoral"(Ein feste Burg...)ein tiefes C.


    :hello:Herbert.

  • Lieber Siegfried,


    Die Antwort muß ich zu Hause in meinen Bücher nachschauen. Ich kann aber noch immer nichts heben, wegen meiner Schulterentzündung.
    Wenn Du die Antwort haben willst, und sie ist noch nicht in etwa einen Monat gegeben, schicke mir dann bitte eine PN.


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von musicophil
    Lieber Siegfried,


    Die Antwort muß ich zu Hause in meinen Bücher nachschauen. Ich kann aber noch immer nichts heben, wegen meiner Schulterentzündung.
    Wenn Du die Antwort haben willst, und sie ist noch nicht in etwa einen Monat gegeben, schicke mir dann bitte eine PN.


    LG, Paul



    Gute Besserung, Paul!

  • Lieber Paul,


    im "Chorus Mysticus "sollen die tiefen Töne ab :


    "alles vegängliche ist nur ein Gleichnis ;das Unzulängliche ,


    hier wird's Ereignis",in ppp(wie ein Hauch)geflüstert werden.


    Ich glaube,das sind keine richtigen Töne.


    :hello:Herbert.