Liszt: Die Klaviersonate in h-moll

  • Hallo Taminos,


    oft wird die Sonate h-moll als größte Sonatenschöpfung nach Beethoven gerühmt, gilt als größte kompositorische Leistung ihres Schöpfers. Nicht weniger als 6 Themen sind ebenso kunstvoll wie unkonventionell in das Werk eingeflossen. Unbestritten ist wohl ihre aktuelle Repertoirebedeutung: Eines der meist gespielten Soloklavier-Werke im Konzertsaal, und obwohl Liszt die aktive Teilnahme der Künstlerwelt nach Kräften mit vielen Schwierigkeiten wie den entfesselten Presstissimooktaven kurz vor Schluss zu verhindern suchte, findet sie sich doch in fast jeder Künstler-Diskographie. Kaum ein Pianist, der sie nicht aufgenommen hat.
    Da die Sonate eines meiner Lieblingswerke ist, besitze ich (für meine Verhältnisse)relativ viele Einspielungen.


    Meine liebste ist die mit Emil Gilels live 1970 von den Salzburger Festspielen:



    Ein packend gestaltetes Drama mit immenser Spannung vom ersten bis zum letzten Ton. Wundervolle Kantabilität, wahnwitziger "Schlusspurt" ab dem Fugato. Das verzeiht auch manchen pianistischen Fehlgriff unter Live-Bedingungen.


    Auf der gleichen Stufe meiner Sympathie - nur klangtechnisch wesentlich besser ( Die Gilelsaufnahme ist leider Mono, da Rundfunkmitschnitt) und allgemein ganz anders geartet geht Krystian Zimerman vor.



    Nicht so ungezügelt wie Gilels, aber ungemein darauf bedacht, die Gesamtarchitektur des Werkes sichtbar zu machen, die einzelnen Teile wohl proportioniert darzubieten. Dies verbunden mit einer teils gespenstigen Schroffheit, ja Kälte und einer vollkommen selbstverständlichen Virtuosität machen die CD zu meiner Lieblingseinspielung aus neuerer Zeit. Ich besitze noch einige mehr Aufnahmen. Die späte Horrowitz ist sehr spannend - mit Ihr lernte ich das Stück kennen- , aber ich finde sie mittlerweile überzogen, an einigen Stellen "zerpaukt". Argerich ist beeindruckend, nimmt mich aber irgendwie nicht so mit wie Gilels.


    Wie steht Ihr zu dem Werk ?
    Welches sind Eure bevorzugten Einspielungen bzw. welche lehnt Ihr ab ?


    Auf Feedback freut sich
    Anti

  • Morgen,


    wie oft, so halte ich es hier mit Claudio Arrau, LP Philips, ca. 1975. Man benötigt allerdings einen guten Plattenspieler, Tonabnehmer, um das ES in der Musik mithören zu können. Ja, das ES ist das Etwas, mit dem jene Zeit untergründig in Verwicklung war - die Begrifflichkeiten waren noch unausgeschöpft. Der Klavierton der Philips-Aufnahme unterschlägt diese Schicht des musikalischen Kunstwerkes nicht, eher ein seltenes Plus der Aufnahmetechnik.


    Überhaupt ist es ein Moment der Größe des Musikers Claudio Arrau, diese Schichten auch bei Werken anderer Komponisten zur Rezeption angeboten zu haben. Eine Sache des guten Hörens.


    MfG
    Albus

  • Hallo,


    Ich habe nur eine Einspielung, nämlich mit Alfred Brendel,so fehlt mir natürlich jeder Vergleich. Schon die Tatsache, daß ich nicht wie üblich, mehrere Versione davon habe, deutet dezent an, daß das Werk nicht unbedungt zu meinen Lieblingen zählt.


    Aber immerhin sind seit dem Kauf rund 20 Jahre vergangen, da könnte sich mein Geschmack doch gewandelt haben. Ich bin heute wesentlich aufgeschlossener als vor vielleicht 20 oder mehr Jahren, dennoch fühle ich beim Anhören des Werkes etwas, das sich grob mit "Unbehagen" beschreiben liesse. Düster und gigantisch wirkt sie auf mich und ich habe sicher nicht das Bedürfnis diese Sonate oft zu hören.
    Glücklicherweise stehe ich mit dieser Beurteilung nicht so alleine da, wie ich dachte. Es ist überliefert, daß Brahms eingeschlafen sei als Liszt sie im kleinen Kreis zum Besten gab (Liszt hat ihm das nie verziehen, zumindest sehr lange nicht)
    Robert Schumann, dem das Werk gewidmet war, gefiel es auch nicht, ebensowenig wie seiner Frau Clara.Auch der unbarmherzige Wiener Kritiker Eduard Hanslick bezeichnete sie gar als "raffiniertes freches Aneinanderfügen der disparatesten Elemente.."


    Ich bin also nicht unbedingt in schlechter Gesellschaft =)


    Gruß aus Wien


    Alfred

  • Alfred schrieb:


    [Zitat]Auch der unbarmherzige Wiener Kritiker Eduard Hanslick bezeichnete sie gar als "raffiniertes freches Aneinanderfügen der disparatesten Elemente.."


    Ich bin also nicht unbedingt in schlechter Gesellschaft [/Zitat]


    Nun ja, wenn Menschen wie Hanslick auf das musikalische Geschehen entscheidend hätten Einfluss nehmen können , hätte es vermutlich in den letzten 150 Jahren keinerlei musikalischen Fortschritt gegeben. :yes: Insofern empfinde ich seine Gesellschaft persönlich nicht als "nicht schlecht" und glaube doch zu meinen, dass der Sonate heute eine allgemeine Wertschätzung wiederfährt, die sehr hoch ist.


    Deshalb muss man sie freilich nicht mögen. ;)


    Gruß
    Anti

  • Letzter Beitrag vor dem nächsten Weihnachtsessen:


    Titel: Les Introuvable d'Alexis Weissenberg (4CD)
    Interpret: Alexis Weissenberg
    Label: EMI Classics Frankreich
    Katalog: 5 85837 2


    Diese Box ist erst in diesem Jahr erschienen und vereinigt neben diversen Konzertaufnahmen (Brahms/Ravel/Rachmaninoff/Prokofiev) viele Solostücke von Liszt, Chopin, Ravel etc. Von Interesse hier ist die Aufnahme der h-Moll-Sonate.


    Klanglich ist das, da Anfang der 60-er-Jahre nicht besonders, das Klavier klingt ein wenig schlank. Weissenberg betont die diabolischen Aspekte der Sonate, vor allem in der myseriösen Einleitung. Danach wird aber auch ein Tour de Force geboten. Messerscharfe Attacken, fast schon ein Trommelfeuer. Technisch ist da wenig auszusetzen. Allerdings ist dieser harte Zugriff manchmal etwas zu platt. Es singt zwar, wo es die Partitur erlaubt aber nicht in in voll zufriedenstellendem Maße. Eine interessante, aber angesichts der Konkurrenz nur durchschnittliche Aufnahme, letztlich nur für Sammler interessant


    Interpretation: 5 (dennoch nur für Sammler)
    Klang: 5


    Heute morgen nochmal gehört und ich muss meine Wertung ein wenig anpassen: Nach besonderer Konzentration auf die leisen Passagen, gibt es da doch weniger zu mäkeln, die Sammler-Einschränkung bleibt jedoch bestehen.


    Interpretation: 6
    Klang: 5

  • Eine weitere Einspielung, auch wenn es ja anscheinend kein allzu großes Interesse gibt:


    Interpret: Arthur Rubinstein
    Datum: 19. April 1965
    Label: RCA
    Titel: The Rubinstein Collection, Volume 68



    Rubinstein ist in dieser Aufnahme bereits 76 Jahre alt, sein Spiel entsprechend gereift und weise - seine Interpretation ist aber feurig jugendlich. Das eröffnete Lento assai nimmt er mehr assai als Lento. Perkussiver Anschlag und forcierte Tempos hinterlassen den Eindruck eines verfolgten Musikers - bis die langsamen Passagen kommen, in den Rubinstein richtig zu schwelgen anfängt.


    Rubinsteins Klavierklang ist wie Heifetz Geigenton sehr schnell zu erkennen. Feinste Nuancen werden hörbar und trotz dem perkussiven Anschlag hat man den Eindruck einer unglaublichen Klangfülle. Herrlich das Andante sostenuto, wo Rubinstein auch die leisesten Noten zum Leuchten bringt.


    Danach wieder rasende Tempi: Allegro energico und Stretto quasi presto werden fast wie ein Trommelfeuer dargeboten, dennoch finde ich nicht das da irgendetwas in der Eile übersehen oder überspielt wird. Eine extreme Einspielung eines einzigartigen Pianisten. Bisher meine höchste Wertung, wobei der Klang natürlich entsprechend des Aufnahmejahres einzuordnen ist.


    Interpretation: 8
    Klang: 7


    Auch die weiteren Stücke auf der CD sind hoch interessant. Bachs Chaconne aus der 2. Violinpartita im Busoni-Gewand, César Francks Prélude, Chorale und Fuge, dazu der 1. Valse oubliée von Liszt, La plus que Lent von Debussy und O Polichinelo, das 7. Stück aus dem 1. Buch von Villa-Lobos' Prole do bebê. Insgesamt höchst empfehlenswert.

  • Hallo, Liebe Taminos,


    angeregt durch die vielen tollen Beiträge, möchte ich spontan auf dieses Thema antworten, weil ich gerade gestern diese Einspielung (auf Schallplatte) wieder hervorgehalt habe.


    Es sind hier viele tolle Empfehlungen ausgesprochen worden, aber ich vermisse eine grosse "Kult-Aufnahme" nämlich die von Michael Pletnejev.


    Das ist eine grossartige Einspielung , für mich nur mit der auf der Höhe von Horowitz - allerdings ohne jede romantische Attitüde sondern nahezu also ich kann es nicht anders ausdrücken "expressionistisch" gespielt.


    Emil Gilels schätze ich auch sehr, aber eher seine Einspielung des 1. Klavierkonzerts von Tschaikowsky und seine Mozartinterpretationen.


    Nochmals, wenn man über Interpretationen von Lizt h-moll Sonate spricht, darf M. Pletnejev genannt werden. Er hat sich ja in den letzten Jahren mehr dem Dirigieren verschrieben mit seinem russichen Nationalorchester - habe ich auch schon live erlebt, zählt aber (noch) nicht zu den Spitzenorchestern.

  • Hallo zusammen,
    die Sonate von Liszt begleitet mich schon lange, seit ich mir ende der 70er die Einspielung von Lazar Berman auf Deutsche Grammophon gekauft habe. Das war ein echter Glücksgriff. Eigentlich wollte ich nur das Werk endlich kennenlernen und habe mir die einzige verfügbare Aufnahme im Plattenladen gekauft. Sie ist bis heute meine Referenz, an der ich alle anderen messe. Berman spielt die Sonate in einer Geschlossenheit und souveräner Vituosität wie ich sie von Anderen so bisher nicht mehr gehört habe. Natürlich kenne ich nicht alle Aufnahmen, aber Argerich, Bolet, Horrowitz konnten mich nach Berman nicht mehr wirklich überzeugen. Leider habe ich diese Aufnahme bisher nicht auf CD gefunden und lange gesucht um eine ähnlich packende Einspielung zu finden. Schließlich bin ich bei Pollini gelandet, auch eingespielt bei DG. Die Tonqualität ist nicht so klar und brilliant wie bei Berman, der Flügel scheint irgendwo im Nebenraum zu stehen, aber was Pollini hier gelingt ist erstaunlich: Er spannt einen ungemein großen Bogen und lässt ab dem Fugato die Spannung zu keinem Zeitpunkt mehr abreißen, wie es sonst so viele Pianisten/innen tun, indem sie mal eben kurz verzögern um das nächste Thema noch ein bisschen besser zu betonen. Dabei zerfällt die Sonate gerne in ihre Einzelteile und klingt auch so. Pollini baut dagegen mit jedem Abschnitt noch mehr Spannung für den nächsten auf indem er sich ohne Pause hinein und unaufhaltsam den aufgetürmten Oktaven entgegen stürzt. Dabei bleibt mir beim Zuhören buchstäblich die Luft weg. Genial!

  • Was ich noch empfehlen könnte wäre René Duchable (schade, dass er seine Laufbahn als Pianist an den Nagel gehängt hat) Seine Einspielung hält dem Vergleich mit Pollini, Zimerman oder Horowitz durchaus stand! Erschienen ist die Aufnahme bei Erato, ob sie noch im Handel erhältlich ist weiß ich nicht. Meine Lieblingsaufnahmen:


    1. Horowitz (schade, dass die Klangqualität so mäßig ist)


    2. Pollini


    3. Zimerman


    Die Aufnahmen von Berman kenne ich leider noch nicht.


    Grüße aus dem grauen :( :(, verregneten Heidelberg,


    Christian :yes: :yes:

  • Liber Gerrit ,
    ich weiss ja , dass Du leidenschaftlicher Weissenberg - Gegner bist . Deine Angaben zu den Aufnahmedaten sind f a l s c h !!!
    Zur Liszt-Sonate : Ich habe in meine verschiedenen Rezension dazu einiges gesagt . Interessant ist ausserdem der Beitrag von Philip Kennicott ( 1999 ) in Gramophone oder International Piano Quarterly .P.K. hört da aber genaz anderes aus Weissenbergs Interpetation heraus . Ich werde in Bälde zu der h-Moll-Sonate ( Du weisst sicherlich wo ) im Rahmen einer andern Besprchung auch die Aufnahmen mit Alexis Weissenberg besprechen . Sie ist sicherlich technisch makellos , das Grandioso-Thema selten so fulminant interpretiert worden .Ich kann auch nachdem ich Weissenberg bestimmt 15 Jahr live ( ud oft ) mit dieser Sonate erleben durfte nur sagen :
    Eine absolut überragende , Masstäbe setzende Interpretation !
    Referenzaufnahme !
    Grüssse
    Frank

  • Lieber Christian ,
    ich gebe Dir F.-R. Duchable absolut Recht . Sein Liszt war wie eine neue Sicht in fast allen seinen Einspielungen . Er durchleuchtet die Werke . Sie atmen richtig . Himmlisch seine "Bénédiction..." !


    Pollini ist zu kalt , viel zu kalt . Der erste Horowitz ist und bleibt grossrtig ; die zweite Aufnhame lässt das organisch Ganze zerreisen . Harold C. Schonberg hat da in seinem Pianistenbuch n i c h t Racht !


    Beste Grüsse
    Frank

  • Hallo Frank,


    ich bin noch nicht so lange in diesem Forum, um Insider-Hinweise zu verstehen. Wo willst Du die Liszt-Aufnahmen besprechen? Ich bin sehr daran interessiert.


    Schon vor längerer Zeit habe ich mit einigen anderen Liszt-Freunden verschiedene Aufnahmen verglichen, wobei wir uns Zimerman, Pollini, Pletnev und Brendel vorgenommen haben, mit gelegentlichen Blicken zu Gilels. Übereinstimmend kamen wir zu dieser Reihenfolge, wobei von Gilels leider die Live-Aufnahme von 1966 in Aix en Provence nicht vorlag. Zimerman trifft von ihnen das Düstere der Sonate am besten, Brendel schnitt im Vergleich überraschend schwach ab. Die Aufnahme mit Pletnev ist sicher nicht schlecht, entspricht aber doch nicht ihrem Ruf.


    Gewissermaßen außer Konkurrenz hat für mich jedoch Volker Banfield die beste Interpretation geboten. Das war ein Live-Konzert 1993 in Schwetzingen, bei dem er auch eine Etüde von Ligeti uraufgeführt hat. Das Konzert wurde vom SWR aufgenommen und ich habe es vom Radio mitgeschnitten, so dass ich in diesem Fall auch nachträglich den ungewöhnlichen Rang bestätigen kann und nicht nur von dem unmittelbaren Eindruck gefangen war. Da klingt die Sonate nicht nur abwechselnd mal schwarz und böse und dann verträumt, ja süß, sondern geradezu halsbrecherisch. Im Ganzen ähnelt sie der Herangehensweise von Zimerman, erscheint mir aber noch feuriger und exzentrischer. Da es kein Cover gibt:




    Sofronitsky darf nicht fehlen. Hier kann ich mich Gerrits Kommentar aus dem Sofronitsky-Thread voll anschließen: „Er hat immer etwas substantielles, oft substantiell anderes zu sagen, als die anderen Pianisten“.



    Diese Aufnahme hat mich sehr überrascht, da Sofronitsky hier ganz im Gegensatz zu allen anderen Einspielungen das Schroffe und Dunkle weitgehend zurücknimmt und eine geradezu romantische Deutung vorlegt. Wo sonst die Crescendi bis an die Grenze des technisch Möglichen ausgespielt werden, nimmt er dies so stark zurück, dass es manchmal klingt, als wäre ein anderes Stück zu hören. Dafür betont er bei den leisen Stellen jede einzelne Note mit einem eigenen Anschlag.


    Frank, du fragtest anlässlich Schubert, wo die Stärken von Sofronitsky zu sehen sind. Auch in dieser Aufnahme gelingt ihm gerade an den leisen Stellen eine unendliche Vielfalt der Anschlag-Gestaltung. Bei manchen anderen Aufnahmen dieser Sonate klingen die ruhigen Stellen wie Ruhepausen zwischen den gewaltigen Steigerungen. Sofronitsky spielt sie aus. Um es ganz einfach zu sagen: Er ist nie langweilig. Jeder Ton hat seinen eigenen Körper. Die kleine Fuge in der Mitte des Werkes ist keine Flucht, hat nichts Gehetztes, sondern lässt seine Sehnsucht an die Versunkenheit in die Musik, wie sie Bach noch möglich war, erkennen.


    So sehr mich diese Deutung anspricht, und so gern ich sie höre, glaube ich doch, dass Banfield und Zimerman in diesem Fall Liszt besser treffen.


    Will ich nach all diesen Extremen eine ausgewogene und oft verblüffend modern klingende Aufnahme hören, greife ich zu Demidenko:



    Viele Grüße,


    Walter

  • Lieber Walter ,
    herzklichen Dank für Deine Mitteilungen .
    W o gibt es Vladimir Sofronitzkys Einspielung ??? Ähnlich soll der grosse Josef Hofmann diees singuläre Werk interpretiert haben ( wie auch seine b-Moll.-Sonate von Chopin doch sehr romantiesierend im besten Sinne ! ist .
    Ich darf hier ja keine Querverweise geben , aber meine
    E-Mail-Adresse ist :
    bechyna_arzt@gmx.com .


    Von allen rezension bleibt die von Philip Kennicott die beste , Bryce Morrison ( 'Gramophone' zählt zig Aufnahmen auf . Ungewöhnlich bei ihm und seiner ausserordentlichen Kenntnis und Fähigkeit , komplexe Zusammenhänge darzustellen , ist dann sein inkonsequentes und unlogische Ergebnis .
    Matthias Kornemaann , früher RONDO , hat eine vergleichend eDiskographie 1996 inRONDO geschrieben . Diese ist wirklich ausgezeichnet im Überblick . Leider gibt es heute viele seiner damals besprochenen Aufnahmen nicht mehr . Ein zweiter mangel in seiner Besprechung ist , dass er z.B. die beiden Horowitz.-Aufnamhem als interpretatorisch identisch hinstellt . Dies ist nicht der Fall ! Wichtige - damals erhältlich Aufnahmen - lässt er nicht nachvollziehbar einfach weg !
    In FonoForum gab es einmal vor 30 Jahren ca. eine noch kürzere vergleichende Diskographie , die an einer schon bizarren Unlogik leidet , weil die Texte vor dem Schlussatz eigentlich sehr annehmbar sind . Schade . Und : es gab zur zeit dieser Rezension in FF k e i n neues , "aktuelles" Liszt-Bild in den Interpretationen !!! Duachable war meiner Kenntnis nach der erste Künstler , der auch in dieser Sonate dermassen lichtdurchflutet , transparent und technisch so makellos spielte , dass wir nie den Eindruck haben , es könne sich um ein fast unspielbares Monument handeln .


    Bei mir persönlich zieht sich diese Sonate von Liszt , wie dei b-Moll-Sonate von Chopin oder Schumanns fis-Moll-Sonate wie ein roter Faden durch mein musikalisches Leben !


    Duchables "Bénediction die Dieu dans la solitude " ist so aussergewöhnlich intim gespielt , dass alles , was man auch wegen des Titels in das Werk hineinfliessen lassen kann , tatsächlich hörbar gemacht wird ! Wer könnte dies sonst noch ? Dass Duchable seine offizielle Karriere spektakulär beendet hat , ist hoffentlich nicht sein letzter Ton gewesen !


    Beste Grüsse
    Frank :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

  • Wie bereits Walter T. möchte ich auch die Aufnahme vom N. Demidenko hier nennen.
    Eine wunderbare Aufnhame in der Demidenko mit feinem Sinn für den Richtigen Anschlag und Betonung eine sehr charaktervolle Aufnahme vorgelegt hat. Technisch auf aller höchsten Niveau und das ohne jegliche Einbußen beim Ausdruck. Genial wie Demidenko die unterschiedlichen Stimmungen und Strömungen in der Sonate aufgreift und erforscht.



    Eine absolut sehr empfehlenswerte Aufnahme, die ich zu den besten meines Bastandes zähle.


    :jubel:

  • hallo Richard,


    du bist ja wirklich ein demidenko-fan ! ich kenne leider 'seine' h-moll sonate nicht. in sachen lisztscher h-moll sonate erscheinen mir folgende dinge ziemlich wichtig: transparenz und freilegung der strukturen, 'klangregie' und risikofreude in pianistischen dingen. dabei wäre es vorteilhaft, wenn der pianist die episoden nicht auseinanderfallen lässt, sondern die ständige entwicklung der motivischen keimzelle zusammenhält, also in einem großen atem präsentiert. IMO am besten gelingt dieses emil gilels, sowohl in live-mitschnitten als auch folgender stereo-studio-aufnahme ende der 50er jahre:



    andere, welche dieses ebenfalls sehr beeindruckend gebracht haben: horowitz, richter, pollini und zimerman.


    rubinstein fehlt doch etwas die präzision und durchschlagskraft. martha argerich ist von der technik und dem temperament sensationell, doch IMO gehen die klanglichen finessen in den ruhigen episoden unter.


    zwei interpretationen mag ich auch sehr, da sie herrliche anschlagsvarianten und klänge hervorzaubern, dabei minutiös analysieren: ivo pogorelich und m. pletnev. dafür fallen die teile doch etwas auseinander.


    zuletzt möchte ich auf ein beeindruckendes live-dokument des 80jährigen claudio arrau hinweisen, dem ebenfalls 'tüfteleien' gelingen, der dabei die sonate zusammenhält und im fugato ein sensationelles tempo anschlägt.



    gruß, siamak

  • @Siamak,


    Du solltest Dir wirklich dann einmal die Zeit nehmen und Dir die Aufnahme der Sonate mit Demidenko anhören. Nach der Beschreibung Deiner Sichtweise der Sonate und den genannten Aufnahmen bin ich mir sicher, daß 'seine' Sonate Dir gefallen wird.


    Da Du M. Argerich genannt hattest möchte ich Dich auf die Aufnahme von Naida Cole aufmerksam machen.
    Cole spielt die Sonate sehr risikoreich und ähnlich wie Argerich sehr temperamantvoll. Dabei geht vielleicht bei extremen Passagen etwas die Transparanz verloren jedoch bleibt alles im Fluss und die Übergänge von den schnellen kraftvollen Passagen zu den langsamen gelingen richtig gut. Nahezu unglaublich kraftvoll ist ihr Spiel wenn mal sich ihre Statur einmal vor Augen hält. Dazu verführt Cole noch mit einer herlichen Palette von Klangfarben, die sie aus dem Yamaha Flügel rauslockt. Was das angeht kommt KEINE mir bekannte Aufnahme an N. Cole ran. Wunderbar auch wie ihr die ruhigen Passagen gelingen durch ihr sinnliches und 'leuchtendes" Spiel. Eine Aufnahme die absolut hörenswert ist.



    Leider ist die canadische Pianisten in unseren Breiten wenig bekannt. Schade, da sie wirklich vorzüglich spielt.

  • Vor geraumer Weile schon habe ich versucht, mich der Sonate über Brendels Interpretation zu nähern. Das ist mir nicht recht gelungen. Ich fand sie wild, (trotz Brendel!) lärmend und unordentlich.
    Dann kam die Aufnahne mit Zimerman, und ich wollte meinen Ohren nicht trauen.
    Seit ich seine glasklare, technisch unglaublich souveräne und doch so einfühlsame Interpretation kenne, habe ich "Zugang" (siehe auch der entsprechende Thread zu diesem Begriff) zu diesem Werk gefunden.
    Seither meine ich zu verstehen, warum die h-moll-Sonate als Gipfelpunkt des Liszt`schen Klavierschaffens angesehen wird.


    Nach meiner bescheidenen laienhaften Meinung könnte man aber auch gut von einer "Doppelspitze" sprechen.
    Der andere Gipfel wären die "Variationen über Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen", die mich zu Tränen rühen können.
    Wer immer noch von Liszt als leerem Tastendonnerer spricht, sollte sich mit diesem Werk bechäftigen!
    Da kommt dann Brendel wieder ins Spiel, denn seine Interpretation der Variationen schätze ich besonders.

  • Ach Christian, Du unschuldiges Lamm.... :D :D :D


    Mir gefällt Brendels Interpretation ebenfalls überhaupt nicht, ich finde sie auch ziemlich konfus, da schliesse ich mich CRC an...

  • Zitat

    Original von Moritz
    Ach Christian, Du unschuldiges Lamm.... :D:D:D


    Tja manchmal schaffe ich es wirklich diesen Eindruck zu erwecken, aber sobald man mich näher kennenlernt ....:baeh01:

  • Zitat

    Original von Albus
    Morgen,


    wie oft, so halte ich es hier mit Claudio Arrau, LP Philips, ca. 1975.
    (...)
    Albus


    Hallo Albus,


    die kenne ich nicht. Aber ich möchte deine Anmerkung zum Anlass nehmen, darauf hinzuweisen, dass Arrau die Sonate auch in den 60ern schon eingespielt hat - für EMI. Eine tolle Aufnahme!


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

  • Zitat

    Original von CRC
    (...)
    Wer immer noch von Liszt als leerem Tastendonnerer spricht, sollte sich mit diesem Werk bechäftigen!
    (...)


    Hallo,


    und unbedingt Charles Rosens Buch über die Romantik lesen, sei hinzugefügt!


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

  • Ich möchte auch nochmal auf diese Aufnahme eingehen, sie wurde oben bereits kurz erwähnt:





    Von den ersten Eindrücken würde ich sagen, dass es eine der stärksten Deutungen der h-moll ist, die ich kenne.
    Duchable spielt sehr klar und präzise, nie klingt es gehetzt oder verkrampft, und die Extremschwierigkeiten nimmt er ohne jegliche Mühe. Christian sieht seine Deutung in Richtung Pollini und Zimerman, und das ist im Bezug auf strukturelle Klarheit und Transparenz im Bezug auf Pollini auch meine Meinung, alerdings empfinde ich diese Aufnahme als viel wärmer und irgendwie 'schöner'. Pollini ist im Vergleich sehr kalt.


    Eine völlig andere Herangehensweise als beispielsweise Horowitz, Gilels oder Argerich, aber eine sehr einleuchtende und konsequente Deutung.
    Eine grossartige Aufnahme, sehr empfehlenswert.


    Auf jeden Fall erwähnenswert und keineswegs schlechter die ebenfalls auf der Cd enthaltenen zwei Legenden und die 'Benediction de dieu dans la solitude'.


    Liebe Grüsse, Moritz

  • Zitat

    Original von Moritz


    Christian sieht seine Deutung in Richtung Pollini und Zimerman, und das ist im Bezug auf strukturelle Klarheit und Transparenz im Bezug auf Pollini auch meine Meinung, alerdings empfinde ich diese Aufnahme als viel wärmer und irgendwie 'schöner'. Pollini ist im Vergleich sehr kalt.


    Sehe ich auch so. Eine meiner Lieblingsaufnahmen in Sachen h-moll Sonate. Schade, dass Duchable seinen Beruf an den Nagel gehängt und seinen Flügel in einem Schweizer See versenkt hat.
    ;( ;(


    Herzliche Grüße,


    Christian

  • Finde ich auch sehr schade...


    Ich bin ansonsten mit Duchable nicht sehr firm. Kannst Du noch was empfehlen?? Sein Beethoven wurde hier ja auch gelobt..


    Liebe Grüsse, Moritz

  • Lieber Moritz,


    Aufnahmen besitze ich sonst von Duchable leider nicht- allerdings habe ich Duchable vor vier Jahren in Mannheim gehört. Ironischerweise als "Ersatz" von Pogorelich. Nun- der "Ersatz" war mehr als adäquat. Gespielt hat er Schumann, Beethoven, Chopin und Brahms. Von Schumann die Fantasiestücke op. 12, von Beethoven die Appassionata und von Brahms vier Intermezzi op. 117, was er von Chopin gespielt hat, ist mir leider entfallen. Besonders gut gefallen haben mir Schumann und Beethoven. Dabei kamen auch die Tugenden zum tragen, die auch seinen Liszt auszeichnen. Eine stupende Virtuosität mit einer einem leichten Understatement, dabei aber keine Spur unterkühlt. Elegant- ohne oberflächlich zu wirken, kristallklar. Die Fantasiestücke hauchzart, mit einem fabelhaften Sinn für Valeurs.


    Herzliche Grüße,


    Christian