Clara Haskil : Statthalterin Mozarts auf Erden

  • Ich war sehr erstaunt, dass noch kein Thread von Clara Haskil bestand. Eine der besten „Klaviervirtuosen“ des vorigen Jahrhunderts.


    Am 7. Januar 1895 wurde sie in Bukarest geboren. Sie begann zu gleicher Zeit das Studium in Klavier und Violine. Für die Violine bekam sie sogar noch einen Preis, bevor sie sich fürs Klavier entschied.
    Bereits 1901 (!) begann sie ihr Studium am Konservatorium ihrer Heimatstadt. Und schon drei Jahre später (9 Jahre alt) war ihr erster offizieller Auftritt.



    Von 1902 bis 1905 studierte sie bei Richard Robert in Wien. Ab 1905 wurde ihr Studium am Pariser Konservatorium fortgesetzt und 1907 wurde sie in der Klasse von Alfred Cortot aufgenomment.
    1909 lieferte ihr der zweiten Preis im Fach Klavier am Konservatorium (weiß einer wer den ersten Preis gewann?) den Beginn ihrer Konzerttätigkeit als Solistin. 1910 bekam sie im Fach Klavier den ersten Preis.
    Seit 1920 ist sie international aktiv als Klavierspielerin. Und das, obwohl sie wegen einer Wirbelsäulenverkrümmung sehr behindert war und dadurch bedingt längere Pausen in der Ausübung ihres Berufes nehmen musste .
    1934 war das Jahr der ersten Schallplattenaufnahme, die (teilweise?) von „befreundeten Mäzenen“ mitfinanziert wurden. Also: eine Privat-Aufnahme.
    1941 emigrierte sie nach Frankreich um nichtsdestotrotz bereits 1942 in die Schweiz umzusiedeln. Sie war eine Jüdin und dort war ihr Leben nicht gefährdet. In der Schweiz wohnte sie bis zu ihrem Lebensende.
    Erst 1947 fand die erste "kommerzielle" Schallplattenaufnahme statt.
    1950 ist in ihrer Karriere ein wichtiges Jahr. Sie folgte einer Einladung von Pablo Casals zu seinem Festival nach Prades und machte dort Bekanntschaft mit Arthur Grumiaux, mit dem sie fortan oft zusammen spielte. Auch mit Casals spielte sie seitdem öfters.
    Jahrzehntelang klagte sie, wie wenig die Pariser ihr Spiel schätzten. Als sie bereits mehr als 40 Jahre Künstlerin war und erschreckend wenig beschäftigt, äußerte sie sich: "Niemand lässt mich spielen ... In Paris liebt man mich nicht." Natürlich gab es Kollegen die ihr Genie anerkannten. Sie bekam lebenslänglich (sehr) gute Kritiken. Doch das half ihrer Karriere wenig. Erst 1951 bekam sie einen riesigen Erfolg bei Pariser Konzerten, der den Beginn ihres internationalen Ruhms einläutete.
    Clara Haskil starb am 7. Dezember 1960 im Alter von 65 Jahren.



    Die eigentlich von Schallplatten belegte Karriere nimmt also 13 Jahre dieses ehemalige Wunderkind ein. Eine 1947 realisierte Studioaufnahme für den Rundfunk in London wurde von Amerikanern später auf Schallplatte ausgebracht. Clara Haskil begeleitete den ungarischen Violinisten Joseph Szigeti in der Sonate Nr. 5 von Ferrucio Busoni.
    1949 wurde von ihr, zusammen mit dem Winterthur Quartett, das Klavierquintett in f-Moll Opus 34 von Brahms aufgenommen. Zusammen mit der Aufnahme von 1950 von Beethovens drittem Klavierkonzert in c-moll Opus 37 (mit dem Winterthur Sinfonie Orchester) sind diese Aufnahmen erschienen beim Label „Urania“.


    Obwohl sie oft in Prades bei Casals war, existiert fast nichts davon. In einem Beitrag fand ich, dass es sogar keine überlieferte Aufnahme gab. Vom Zusammenspiel mit Casals, George Enescu (Violine) und Isaac Stern habe ich nichts finden können. Das Internet zeigte jedenfalls nur eine (vom 6. Juni 1950), und da spielte sie Bachs Clavecimbelkonzert in No. 5 in f-moll BWV 1056 geleitet von Casals. Das Bild dieser CD ist Betrug. Man „sieht“ sowohl Casals als Haskil spielen. Ich fand aber den Inhalt:
    [1] BACH: Violin Concerto No. 1 in A minor BWV 1041
    Isaac Stern
    Pablo Casals (conductor)
    Prades Festival Orchestra


    [2] BACH: Harpsichord Concerto No. 5 in F minor BWV 1056
    Clara Haskil
    Pablo Casals (conductor)
    Prades Festival Orchestra


    [3] BACH: Concerto for Violin and Oboe in C minor BWV 1060r
    Isaac Stern (violin)
    Marcel Tabuteau (oboe)
    Pablo Casals (conductor)
    Prades Festival Orchestra


    [4] BACH: Brandenburg Concerto No. 5 in D major BWV 1050
    Eugene Istomin (piano)
    Joseph Szigeti (violin)
    John Wummer (flute)
    Pablo Casals (conductor)
    Prades Festival Orchestra



    Eine besondere CD ist „Haskil & Hindemith at Montreux“ (1957). Sie spielt da Mozarts Klavierkonzert No. 20 in d-Moll KV 466 und „Thema mit Variationen“ von Hindemith. Er selbst leitete das Orchester.
    Mit dem Belgier Grumiaux spielte Haskil alle Beethoven-Sonaten für Philips, dass sich damals erst seit einige Jahre um klassische Musik bemühte, ein. Von dieser Sonatenaufnahme wurde mehrmals gesagt „Sie sei die Referenz für alle andere Interpretationen“. Noch immer bin ich mir nicht sicher. Ist dies Mono oder Stereo? Die Aufnahme datiert von 1957. Ich schätze es auf Mono, aber das ist ja nicht angegeben.



    Auch ihre Mozartsonaten mit Grumiaux waren Sonderklasse.
    Von Mozarts Klavierkonzerten gibt es mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Dirigenten. Leider ist nicht sein ganzes Œuvre auf diesem Gebiet von ihr aufgenommen worden. Mit dem großen Bernard Paumgarten, mit Ferenc Fricsay, Karajan... Die besten Dirigenten damals hatten sie unter ihren Fittichen.


    Alle Musik wurde von ihr geliebt, aber Mozart und Scarlatti scheinen doch ihren Vorzug zu genießen. Als sie in Paris als Zugabe ein paar Scarlatti-Sonaten spielte, reagierte das Publikum fast hysterisch. Vermutlich verdanken wir dieser Verbundenheit mit Scarlatti einige CDs mit Sonaten von ihm.



    Was machte Haskil so besonders?


    Schon zu Lebzeiten war sie ein Mythos. Ich erinnere mich noch ganz gut an die Verehrung und den Respekt meiner Eltern, die sie Haskil entgegenbrachten. Wenn es eine „Live“-Übertragung über den Rundfunk gab mit Haskil, dan saß die ganze Familie gefesselt am Radio.
    Ungeheuerlich ihr später Ruhm. Aber auch unbegreiflich, daß sie erst so spät anerkannt wurde.
    Ihr Leben lang prägte Selbstzweifel ihr Spiel. Nach Konzerten wo sie bejubelt wurde, fragte sie dennoch Freunde "Findet ihr, dass es geklappt hat?".
    Ihre Schallplattenaufnahme gönnten ihr keine Ruhe, denn sie war damit unzufrieden. Einmal schrieb sie sogar "Zwei von meinen Platten (Es-Dur und d-Moll von Mozart), die ich gerade angehört habe, enttäuschen mich wieder einmal sehr. Ich werde sicher sterben, bevor es mir gelingt, eine Platte aufzunehmen, die mich vollständig zufrieden stellt."
    Dieses nach Perfektion Streben, zusammen mit ihren emphatischen Gefühle für die Musik verschiedener Komponisten sind vielleicht die Basis ihrer Berühmtheit. Niemand könne ihrer reinen Musikalität widerstehen.
    Rachmaninoffs Zweites Klavierkonzert, Brahms’ Zweites Klavierkonzert, Saint-Saëns’ Fünftes Klavierkonzert „Egypte“ und Schumanns Klavierkonzert, alle wurden sie von Haskil auf eine derartige Weise gespielt, dass Kollegen sie als eine der brilliantesten Pianisten hielten. Vom Publikum wurde sie noch immer nicht anerkannt. Der berühmte Dirigent Leopold Stokowski schrieb anlässlich Haskils Ausführung am 24. Dezember 1926 »Ihre Begabung überragt bei weitem die ihrer Zeitgenossen, um so mehr als sie sich der Musik mit einem Feuer verschreibt, das an Besessenheit grenzt.«


    Sie wurde betrachtet als DIE MOZARTINTERPRETIN. Es gibt eine Anekdote von einer russischen Klavierspielerin, Tatjana Nikolajewa. Die durfte im Westen eine Weile Studium betreiben. Moskauer Musikfreunde hatten ihr geraten "Vor allem versäume die Konzerte mit Herbert von Karajan nicht, das ist der neue Toscanini!" Und so besuchte Nikolajewa das erste Konzert von Karajan nach der Aufhebung seines Verbotes durch die Besatzungsmacht, aufzutreten. Auf dem Programm standen eine Symphonie sowie ein Konzert von Mozart. Die Solistin sollte Clara Haskil sein, deren Name ihr unbekannt war. Karajan enttäuschte sie sehr. Sicher, sie hatte eine gute Aufführung gehört, doch die angekündigte tiefe Ergriffenheit war ausgeblieben. Dennoch erschien sie nach der Pause wieder im Konzertsaal um das Klavierkonzert zu hören. Als sie dann die Haskil aufs Podium kommen sah, »gebeugt, die grauen Haare zerzaust, sie hatte etwas Hexenhaftes und war befangen« verspürte Nikolajewa Lust zu gehen. »Die Introduktion des Orchesters war wiederum sehr gut dirigiert, sehr gut vom Orchester gespielt, doch ohne besondere Hingabe. So traf mich unvorbereitet, was geschehen sollte.
    Als Clara Haskil die Hände über die Tasten legte, liefen mir Tränen über das Gesicht. Ich war gekommen, um den neuen Toscanini zu hören, und fand die größte Mozartinterpretin, die ich jemals gehört habe. Ihre Überzeugungskraft, ihre Anziehungskraft waren so stark, daß, als das Orchester wieder einsetzte, sich alles verändert hatte. ... Nicht Karajan dirigierte jetzt, sondern Clara Haskil mit ihren 10 Fingern und ihrem Herzen. ... Das war das schönste Kammermusikkonzert, das ich je gehört habe.
    «


    Wie wurde Mozart von ihr gebracht? Wenn man ihre Konzerte vergleicht mit Aufnahmen von heutigen Virtuosen, dan finde ich, dass die Verzierungen eine neue Dimension bekamen, die ich bei anderen vermisse. Aber andererseits konnte sie auch spielen (Ah vous dirai-je, Maman) ob der Schnellzug vorüberdonnerte.
    Am Meisten wurde/wird - meines Erachtens - ihre Auffassung geteilt von Ingrid Haebler, Murray Perahia und Maria-João Pires. Es möge deutlich sein, dass genau diese Annäherung von Mozart von mir am meisten gewürdigt wird.


    Sie gehört zu dieser Sonderklasse von Musikern, deren Ruhm nicht nach ihrem Ableben verbleicht. Mit Caruso, mit Ferrier, mit Callas, mit Wunderlich und noch einigen dazu, hat sie gemein, daß der Ruhm bestehen bleibt. Die Menschen beharren auf ihr Urteil: sie war eine große Künstlerin.


    LG, Paul


    NB: Peter sei Dank für seinen Beistand.

  • Salut,


    große Arbeit!


    Zitat

    Clara Haskil starb am 7. Dezember 1960 im Alter von 65 Jahren.


    "Als Clara Haskil plötzlich im Dezember 1960 starb, geschah das nicht aufgrund ihrer Krankheit, gegen die sie so viele Jahre lang mutig und erfolgreich gekämpft hatte, sondern als Folge eines Sturzes auf einem Brüsseler Bahnhof, wo sie gerade eingetroffen war, um am darauffolgenden Abend mit ihrem guten Freund und Partner Arthur Grumiaux einen Sonatenabend zu geben".


    Das ist der Text einer Philips-Edition [LP] der Mozartischen Klavierkonzerte A-Dur KV 488 und Es-Dur KV 271 mit den Wiener Symphonikern unter Leitung von Paul Sacher, aufgenommen 1957.


    Ich schätze diese Einspielung sehr.


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli
    "Als Clara Haskil plötzlich im Dezember 1960 starb, geschah das nicht aufgrund ihrer Krankheit, gegen die sie so viele Jahre lang mutig und erfolgreich gekämpft hatte, sondern als Folge eines Sturzes auf einem Brüsseler Bahnhof, wo sie gerade eingetroffen war, um am darauffolgenden Abend mit ihrem guten Freund und Partner Arthur Grumiaux einen Sonatenabend zu geben".


    Da hast Du recht. Die Geschichte war bereits sooooo lange, daß ich diese Sätze strich.


    LG, Paul

  • Sagitt meint:


    Auch ich möchte mich für die schöne Einführung zur Haskil bedanken.
    Und einige Ergänzungen hinzufügen: Haskil war nicht nur sehr früh von Krankheiten gebeutelt, sondern lange Zeit unter dem unseligen Einfluss eines Onkels, der nach dem frühen Tod des Vaters praktisch dessen Stelle eingenommen hatte. Sie konnte sich daraus nicht befreien und nicht zu dem Selbstbewustsein kommen, dass sie für eine Karriere gebraucht hätte. Gerade in den Pariser Jahren war sie sehr launisch, aus Versagensängsten. Es gibt eine Anekdote von Casals, der sie mir dem Bogen in den Rücken stossend auf das Podium getrieben haben soll.
    Wer in letzter Sekunde absagt, wird von Veranstaltern und Dirigenten nicht mehr eingeladen. Haskil meinte, sie könne nicht unterrichten, deswegen war sie sehr arm und immer auf Gönner angewiesen. Sie hatte ihr erstes eigenes Klavier erst mit 55.In Frankreich hatte sie 1942 eine Hirntumoroperation überlebt.Die Schweiz nahm sie zwar auf- Gönner wieder- aber sie durfte nicht spielen, damit die Nazis nicht gereizt wurden. So begann ihre Karriere sehr spät und war sehr kurz, 1958 noch von einem Herzinfarkt bedroht. Als sie 1960 starb, dies zur Verbreitung der Legendenbildung, war sie auf dem Weg zu einem Gedenkkonzert an Dinu Lipatti, der zehn Jahre zuvor gestorben war. Lipatti hatte sie sehr, aber unglücklich ,geliebt. Daraus entstehen Stoffe für Romane.
    Haskil hat durch alles Leiden hindurch eine Interpretation entwickelt, die vollkommen ist, wie der Lotus, der aus dem Schlamm wächst. Es gibt Mozartaufnahmen von ihr,ich schrieb bereits darüber, die sind von einer vollkommen entrückten Perfektion, KV 265,280,415 und 595.

  • So habe ich noch mehr gefunden:


    Alfred Cortot schrie einmal vor der ganzen Klavierklasse: "Wiederholen Sie diese Stelle! Sie spielen ja wie eine Putzfrau". Haskil vergaß diese Bemerkung nie.


    40 Jahre später gratulierte Cortot ihr zu einem Konzert. "Aha, ich spiele also nicht mehr wie eine Putzfrau!", spie sie zurück.


    LG, Paul

  • Hallo musicophil.
    ik dank u zeer für den schönen Thread. Auch ich schätze Clara Haskil sehr.
    Neben den schon von Sagitt erwähnten Mozartaufnahmen liebe ich geradezu die Schubertsonate D960 von ihr. Sie hat immer das richtige "Timing" sowohl bezüglich der Tempi als auch der Lautstärke. Auch die Beethoven Klaviersonate Nr. 18 Op. 31 spielt sie sehr schön. Ich bekam einmal die "Great Pianists of the century" Clara Haskil II von jemandem geschenkt, der sie nicht mehr wollte. Was für ein Glück! Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nichts von ihr. Zurzeit wird diese CD bei amazon marketplace für 114 Euro gehandelt.
    Dann kaufte ich mir diese



    Einfach nur genial und bis heute nach meinung vieler "Experten" noch unerreicht.
    Gruß

  • Auch ich besitze Aufnahmen mit Clara Haskil, allerdings noch auf Langspielplatte, zum einen wäre da eine Aufnahme des Klavierkonzerts Nr 13 in C-Dur KV 415 von Wolfgang Amadeus Mozart mit dem Festival Strings Lucerne unter Rudolf Baumgartner (für die Deuteche Grammophon Gesellschaft), zum andern das Konzert für 2 Klaviere KV 365 unter Alceo Galliera mit Geza Anda als Partner (für Electrola = EMI)


    Da es in beiden Fällen die Einstiege zu diesen Werken waren ist eine neutrale Beurteilung von meiner Seite nicht möglich.....


    LG


    aus Wien


    Alfred

  • Sagitt meint:


    Genau, auf diese Platte befinden sich KV 265 und 280. Alle Stücke spielt Clara Haskil so gültig, das einem nach anderen Aufnahmen nicht verlangt. Das ist auch deswegen eine große Leistung, weil sie von Herkommen her eigentlich eine Virtuosin war und in ihrer Pariser Zeit eher ein anderes Repertoire gespielt hat, Rachmaninov oder Paganini-Variationen. Ich kenne keinen Virtuosen, dem gleiches wie der Haskil gelungen wäre. Wenn man einmal abschreckende Beispile hören will, gibt uns Horowitz Gelegenheit dazu. Ein Tastenlöwe überfällt Mozart und kann mit den wenigen Noten wenig anfangen.
    Das genau ist der Grund, warum Geza Anda, auch einer der wenigen, die beides sehr gut konnten, meinte, Mozart sei zu schwer für Pianisten.

  • Salut,


    ich habe eben wieder einmal nach langer Zeit das Es-Dur-Konzert KV 271 - "Jeuenehomme" [damals hieß es so :D ] - gehört. Mir ist aufgefallen, dass Haskil einen völlig desolaten Notentext besessen haben muss - besonders im ersten Satz das Seitenthema ist völlig falsch auf Schlag eins betont, richtig wäre zwei, da fp. Das stört mich so, dass ich es nicht mehr hören will ;( , wenn es auch ansonsten unübertroffen differenziert gespielt ist.


    :hello:


    Ulli

  • Hallo Paul,


    ja, Clara Haskil ist eine faszinierende Künstlerin. Ich habe eine Aufnahme von Ende 1960 mit Igor Markevitch:



    Im Booklet findet sich eine recht ausführliche Biographie von Jan de Kruiff. Daraus kann ich ergänzen: In den Schweizer Jahren ab 1942 lebte sie in Vevey in der Nachbarschaft von Furtwängler, Hindemith und Chaplin, erhielt aber erst nach 7 Jahren Schweizer Staatsangehörigkeit.


    Als ihre erste Aufnahme wird Beethovens 4. Klavierkonzert mit dem London Philharmonic Orchestra unter Carlo Zecchi genannt, noch auf 78er Platten.


    Aus ihrem Repertoire werden hervorgehoben der Totentanz von Liszt, die Intermezzi von Brahms, Etudes-Tableaux von Rachmaninoff, Etudes von Debussy, das F-Dur Konzert und die Sonatine von Ravel, die Nächte in spanischen Gärten von De Falla, die Sonatine von Bartok und Die vier Temperamente von Hindemit.


    Ich kenne jedoch nur die erwähnte Aufnahme mit zwei meiner Lieblings-Konzerte von Mozart.


    Viele Grüße,


    Walter

  • Zitat

    Original von Walter.T
    Als ihre erste Aufnahme wird Beethovens 4. Klavierkonzert mit dem London Philharmonic Orchestra unter Carlo Zecchi genannt, noch auf 78er Platten.


    Hallo Walter.T,


    Das ist ja merkwürdig. Denn ich habe drei Artikeln finden können mit Beschreibungen ihres Lebens und (oder) Werkverzeichnisse.
    Da wurde dieses Klavierkonzert nicht als erstes Werk genannt.
    In zwei Seiten wurde auch ein Jahr genannt, aber da gabs einen Unterschied von einem Jahr. 1947 versus 1948. Die Webseite von 1948 nannte später in das Werkverzeichnis das Gespielte und die Ausführenden. Und da wurde plötzlich auch 1947 genannt. Ich halte es also auf einen Tippfehler:


    Zitat

    Eine 1947 realisierte Studioaufnahme für den Rundfunk in London wurde von Amerikanern später auf Schallplatte ausgebracht. Clara Haskil begeleitete den ungarischen Violinisten Joseph Szigeti in der Sonate Nr. 5 von Ferrucio Busoni.


    Es gäbe noch eine Möglichkeit:


    Zitat

    1934 war das Jahr der ersten Schallplattenaufnahme, die (teilweise?) von „befreundeten Mäzenen“ mitfinanziert wurden. Also: eine Privat-Aufnahme.


    Welches Werk das war, konnte ich nicht finden. In meine Erinnerung habe ich, daß diese Aufnahme in London geschah. Da bin ich mir aber nicht sicher.


    In mein Philips-Büchlein bei der Beethoven/Mozart Sonaten schweigt man. Da wurde es überhaupt nicht erwähnt.


    LG, Paul


    PS Alle Schallplatten vor - sag mal - 1954 waren 78 "Drehungen per Minute" Schellackplatten. Erst damals kamen [in Europa] die LPs (33 1/3 DPM). Und bereits 1956 kamen auch die EPs (45 DPM).
    Furchtbar, diese EPs. Rock and Roll. Und so laut wie möglich. Da habe ich schrecklich leiden müßen.

  • Hallo Walter,


    Ich lag im Bett und da erinnerte ich mich plötzlich etwas: ich hatte die Einlagehefte von 2 CDs verwechselt. Entschuldigung. :rolleyes:


    Mein ArchipelRecords-Büchlein schweigt. Dagegen wird in meiner Philipsbeilage auch geredet von Busoni. Aber irgendwo hatte ich den Name "Beethoven" gesehen.
    Ich hatte noch ein Zettel, und da hatte ich Beethoven genannt. Auf diesem Zettel habe ich Aufzeichnungen gemacht, als ich versuchte näheres von ihr zu finden.


    Darum vermute ich, das es sich handelt um diese Aufnahme aus 1934. Weil ich das Wort London dazu geschrieben hatte, ist es auch wahrscheinlicher.


    Die Erinnerung zeigt sich deutlich unzuverlässig.


    LG, Paul

  • Hi


    Zitat

    PS Alle Schallplatten vor - sag mal - 1954 waren 78 "Drehungen per Minute" Schellackplatten. Erst damals kamen [in Europa] die LPs (33 1/3 DPM). Und bereits 1956 kamen auch die EPs (45 DPM).


    Das kann man nicht so eindeutig sagen. Der Übergang von Schellack zu PVC war natürlich gleitend und dauerte ein gutes Jahrzehnt (ähnlich der Ablöse der Vinylplatte durch die CD). Vorgestellt 1948, feierte die Vinyl-Platte in den 50ern ihren Siegeszug. Etwa 1958 wurde die Schellackproduktion endgültig eingestellt. Als erste Opernproduktion für LP gilt die "Entführung" unter Josef Krips im Jahre 1950.



    PS: Anfangs gab es auch zwei konkurrenzierende Formate bei der LP, die auch unterschiedliche Abspielgeschwindigkeiten hatten. Naturgemäß bremste diese Doppelgleisigkeit den durch die technische Überlegenheit bedingten potentiell schnellen Umstellungsprozess erheblich. Erst als man sich einigte und beide Formate unterstützte (33rpm für LP, 45rpm für Singles), fing der Rubel so richtig zum Rollen an. Ein schönes Vorläufer-Beispiel für die aktuelle Lage am Markt der optischen Speicher!

  • ..., was aber auch nur eine Randerscheinung bildete. In Wirklichkeit war es natürlich noch viel komplizierter, als es meine vereinfachende Darstellung wiedergibt. So hatte fast jede größere Plattenfirma ihre eigene Entzerrung des Signals. Deren Vereinheitlichung (die sogenannte RIAA-Kurve) bildete den Abschluss der schwierigen Übergangszeit zur Vinyl-Platte. Gute Vorverstärker in den 50ern und 60ern boten zumindest drei bis vier Schaltungsmöglichkeiten für das Abspielen einer Platte an...

  • Hallo Theophilus,


    Da hast Du völlig recht. Ich selbst weiß nur von 2 Möglichkeiten (DIN und Cinch) aber bereits das reicht.


    Ich nannte nebenbei 1954 auch nur, weil m.E. ungefähr um jene Zeit mehr Menschen eher 33 1/3 als 78 kauften. Irgendwann kann ich besser ein Datum nennen um die Sache zu vereinfachen.
    Es ist bereits so kompliziert (eigentlich ist die heutige Zeit mit ihre verschiede Standards eine Kopie von damals). Und - das laß ich mich nicht abnehmen - ich habe das alles bewußt erlebt. In 54 war ich bereits 12.


    LG, Paul

  • hallo, paul,


    herzlichen dank für diesen wunderbaren thread.. da hast du bereits die zweite GROSSE künstlerin 'ausgegraben', die mir seit kurzem (neben der ferrier) so unvergleichliches schenkt ... :jubel:


    auch ich war von den mozart-klav.konzerten so unfaßbar und z.t. zu tränen berührt .. ich muß unbedingt!!!!! noch mehr kennenlernen


    glg jörg


    :hello:

  • Ein "olympisches" Duo: Clara Haskil und Arthur Grumiaux:



    (Gehört, da wir hier im Klaviermusikforum sind, zwar strenggenommen nicht hier her, aber trotzdem)


    Herzliche Grüße, :hello: :hello:


    Christian

  • Hallo Paul,
    ich möchte noch erwähnen,daß C. Haskil eine Aufnahme von
    De Fallas"Noches en los jardines de Espana"hinterlassen hat,
    die meiner Meinung nach bis heute nicht mehr erreicht wurde.


    Gruß Herbert.

  • Hallo Paul,
    ich habe die Aufnahme noch auf LP.
    Auf Seite 1 ist das 2.Klavierkonzert von Chopin.
    Es spielt das" Orchestre des Concerts Lamoureux",
    Dirigent:Igor Markevitch.
    Die LP ist bei Deiner" Heimat-Firma"(Philips)gepresst worden,
    schätze:Ende der 50er,in Stereo.


    Gruß Herbert.