Violakonzerte

  • Hallo alle,


    Es gibt zwar einen Viola - Bratsche - Thread in den Allgemeinen Klassikthemen, aber ich noch keinen expliziten für Violakonzerte.


    Ich selber kenne nur wenige: Und bei vielen habe ich auch nur den Namen gesehen. Deshalb bin ich schon gespannt, was wir hier an Vorschlägen und Empfehlungen zusammentragen können.


    Ein Paar Beispiele:
    Karl Ditters von Dittersdorf mit einem Violakonzert. (Ulli und andere wissen da sicher mehr.)
    Telemann mit einem Violakonzert G-Dur.
    Vivaldi ein paar.
    Haydn hat ein Violakonzert geschrieben, das aber leider verlorengegangen ist.
    Bartók hat ein Violakonzert geschrieben.
    Hindemith hat uns drei Konzertwerke für Viola hinterlassen: Den Schwanendreher, die Kammersymphonie Nr. 6 und die Konzertmusik Op. 48.
    Hoffmeister hat zwei Violakonzerte geschrieben, in B-Dur und D-Dur, eines davon, ich glaube das D-Dur, habe ich schon mal gehört. Ein überaus nettes Werk.
    Stamitz hinterließ ebenso zwei Violakonzerte
    Erwähnt werden soll auch noch Mozart's Sinfonia Concertante Es-Dur für Violine und Viola.
    Wranitzki hat ein Konzert C-Dur für zwei Violen geschrieben.
    Milhaud hat ein Violakonzert geschrieben.
    Ebenso Penderecki, Rihm und Rósza.
    Schnittke eigentlich zwei, den Monolog für Viola und Streichorchester mitgezählt.
    Walton hat auch eines geschrieben.
    Klar, daß ich als Mendelssohn-Freund auch das Zeltersche Violakonzert Es-Dur erwähnen muß, da Zelter ja bekanntlich Mendelssohn's Kompositionslehrer gewesen ist.


    Dies nunmal als eine grobe Auflistung von Violakonzertrepertoire, das ich nicht einmal annähernd gehört habe.


    Wie sieht es bei euch aus?


    Es freut sich auf Antworten
    Daniel :hello:

  • Hallo Daniel.


    Dittersdorf hat auch noch eine Sinfonia Concertante geschrieben für Viola (und ich dachte Kontrabass). Da muß ich mal wieder meine Turnabout-LPs nachschauen.


    Von Michael Haydn habe ich zwei LPs. Auf der eine wird gespielt das Konzert für Orgel, Viola und Streicher. Auf der andere ist die Besatzung Clavecimbel, Viola und Streicher. Aber beide Konzerte sind gleich. Das geschah so im 18. Jhdt. (Selbstverständlich Turnabout).


    Weiter habe ich von Hummel noch auf LP eine Potpourri (oder Fantasie, nie verstanden warum 2 Name für ein Werk) für viola und orchester. In diese Fantasie hat ein Satz als Thema "Il mio tesoro" von Mozart. Auch wieder Turnabout.
    Autsch, vergessen: ich habe es inzwischen auch auf eine Arte Nova-CD.


    Und der Violakomponist Alessandro Rolla. Ich lese vom CD-Heft (Philips):
    Violakonzert in Es-dur Opus 3;
    Divertimento in F-dur für Viola und Streicher;
    Concertino in Es-dur für Viola und Streicher;
    Rondo in G-dur für Viola und Orchester.


    Und wenn meine Erinnerung mich nicht betrügt, habe ich auf einer (TURNABOUT !!)-LP auch noch ein Violakonzert von ihm.


    LG, Paul

  • Zitat

    Dies nunmal als eine grobe Auflistung von Violakonzertrepertoire, das ich nicht einmal annähernd gehört habe.
    Wie sieht es bei euch aus?


    Ich besitze nur Violakonzerte des 20. Jahrhunderts (bzw. einige Jahrzehnte davor), höre sie aber ebenfalls nie. Die meisten hat mir ein Sammlerfreund mal zusätzlich mitgeschickt. Daher hier ebenfalls nur eine Aufzählung:


    Samuel Adler, Malcolm Arnold, Grazyna Bacewicz, Nicolas Bacri, Simon Bainbridge, Tadeusz Baird, Hans-Christian Bartel, Bela Bartok, Arnold Bax, Ernest Bloch, William Bolcom, Benjamin Britten, Max Bruch, Glenn Buhr, Willy Burkhard, Diana Burrell, Aldo Clementi, Michael Colgrass, Gyula David, Rene Eespere, Edward Elgar, Peter Eötvös, Andrei Eshpai, Morton Feldman, David Finko, Cecil Forsyth, Benjamin Frankel, Giorgio Federico Ghedini, John Harbison, Hans Henkemans, Hans Werner Henze, Paul Hindemith, Hagn Holmboe, Gustav Holst, Keith Jarrett, Joseph Jongen, Viktor Kalabis, Giya Kancheli, Dmitri Klebanov, György Kurtag, Lars-Erik Larsson, Aubert Lemeland, Alexina Louie, Tod Machover, Jef Maes, Gian Francesco Malipiero, Frank Martin, Bohuslav Martinu, Paul Müller-Zürich, Per Norgard, Gösta Nystroem, Krzysztof Penderecki, Allan Pettersson, Walter Piston, Max Reger, Jean Rogister, Edmund Rubbra, Joly Braga Santos, Ahmed Adnan Saygun, Florent Schmitt, Alfred Schnittke, Paul Schoenfield, Tibor Serly, Toru Takemitsu, Antonin Tucapsky, Ralph Vaughan-Williams, Walliam Walton, Stanley Weiner, Richard Wernick, John Woolrich, Bern Alois Zimmermann


    Es gibt also viel zu entdecken. Viel Spaß dabei! :D

  • Zitat

    Original von van Rossum
    Edward Elgar


    Hallo van Rossum!


    Na dieses Violakonzert würde mich aber sehr interessieren. Wo gibt es da eine Aufnahme? Ich hab noch nie davon gehört, und bisher auch keine Aufnahme gefunden.


    Viele Grüße,
    Daniel :hello:

  • Hallo van Rossum,


    Hast Du da schon mal selber reingehört? Die Klangfülle vor allem auch in tiefer Lage, die hier das Cello so einmalig macht, kann so ja nie von der Viola erreicht werden. Aber wenn die Fassung das Einverständnis des Komponisten hat, muß sie ja seinen Vorstellungen entsprochen haben. Ich werd mich mal auf die Suche machen.


    Danke auch für die lange Liste!


    Grüße,
    Daniel

  • Zitat

    Hast Du da schon mal selber reingehört? Die Klangfülle vor allem auch in tiefer Lage, die hier das Cello so einmalig macht, kann so ja nie von der Viola erreicht werden. Aber wenn die Fassung das Einverständnis des Komponisten hat, muß sie ja seinen Vorstellungen entsprochen haben. Ich werd mich mal auf die Suche machen.


    Wie ich oben ja schon angedeutet habe, habe ich mir die Violakonzerte allesamt noch nicht angehört. Und das Cellokonzert von Elgar habe ich gar nicht. Ich höre nur Werke für Violine & Orchester aus dem 20. Jahrhundert.


    Ach ja: Die Aufnahme des Elgar Violakonzertes ist mit Rivka Golani (Viola), Vernon Handley und dem Royal Philharmonic Orchestra. Label weiß ich nicht.

  • Zitat

    Original von van Rossum
    Ich höre nur Werke für Violine & Orchester aus dem 20. Jahrhundert.


    Ach ja: Die Aufnahme des Elgar Violakonzertes ist mit Rivka Golani (Viola), Vernon Handley und dem Royal Philharmonic Orchestra. Label weiß ich nicht.


    Danke!


    Warum denn nur Werke für Violine und Orchester?

  • Zitat

    Original von musicophil
    Hallo Daniel,


    In meine Listing fehlen noch von Händel und Johann Christian Bach einen Violakonzert.


    Händels Violakonzert ist eine Fälschung: hier nachzulesen.


    Auch das Bratschenkonzert von Joh. Chr. Bach scheint "nur" eine Bearbeitung von Casadeus [dem Adelaide-Konzert-Komponisten] zu sein.


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli
    Auch das Bratschenkonzert von Joh. Chr. Bach scheint "nur" eine Bearbeitung von Casadeus [dem Adelaide-Konzert-Komponisten] zu sein.


    Dieser Mann hat sich ja recht fleißig bemüht zu falschen: Joh. Chr. Bach, Mozart...


    Hat er da noch mehr gefälscht eh.... :O :stumm: komponiert ?
    Vielleicht verdient Fälschung seinen eigenen Thread.


    LG, Paul


    PS Jedenfalls war es für Bratsche :baeh01:

  • Zitat

    Original von musicophil
    Zählt Viola d'amore auch?
    Dann kannst Du 7(?) Konzerte von Vivaldi dazuzählen.


    LG, Paul


    Das ist etwas schwierig zu beurteilen. Falls ja, gehört die Violine als kleine Viola ebenfalls dazu. Die Viola d'amore hat fünf bis sieben Griff-Saiten und zusätzliche sieben bis gar vierzehn Resonanzsaiten, da fängt's schon an... eher nicht, oder?


    ?(

  • Da war ich zu Hause, und habe ich meine LP mit diesen schönen Fälschungen von Händel vergessen.
    Jedenfalls kann ich noch ein Violakonzert in C-dur von Vanhal hinzufügen, auch so ein 'kleiner' Komponist.


    Viele 'Großmeister' aus andere Jahrhunderte möchten m. E. wünschen, auch nur annäherend soviel Talent zu haben als viele 'Kleinmeister' des 18. Jahrhundert. :rolleyes:


    LG, Paul

  • Konzerte für Viola gibt es nicht allzuviele - zumindest habe ich das bis vor kurzem geglaubt. Heute habe ich jedoch festgestelllt, daß ich in EINEM (virtuellen) Einkaufskorb gleich ZWEI CDs mit Konzerten für Viola liegen hatte, eine schöner als die andere.
    Vielleicht, so dachte ich sollte man über dieses Theme einen Thread eröffnen.
    Mir persönlich gefällt die Viola mit ihrem harzigen Ton besser als die Violine - aber das mag Geschmackssache sein.
    Und so frage ich Euch: Welche Konzerte für Viola kennt ihr, welche haben euer Herz (Ohr) erobert ?


    mfg
    aus Wien


    Alfred

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Mir persönlich gefällt die Viola mit ihrem harzigen Ton besser als die Violine


    Lieber Alfred,


    Auch mir gefallen die Töne der Bratsche viel mehr als die Klänge der Violine.


    Bekannt allmählich sind vermutlich die Sinfoniae Concertante von Carl Stamitz sowie das Bratschekonzert in D-Dur.
    Hier siehst Du eine Ausführung der Sinfonies (anders als meine).



    Sinfonie concertante in C & D für Violine, Viola, Orchester


    Auch Alessandro Rolla hat sehr schöne Konzerte für Bratsche geschrieben. Ob meine Philips-CD noch erhaltlich ist...
    Jedenfalls ist hier auch eine Aufnahme einiger Werke



    Violakonzerte in C, D und B-Dur.


    Zum Schuß noch hat Michael Haydn ein Konzert für Viola und Orgel (bzw. Clavecimbel) komponiert. Ich habe es sowohl mit Orgel als Clavecimbel auf LP, habe es aber noch nie auf CD entdeckt.


    LG, Paul

  • Hallo Alfred,


    sogleich fallen mir zwei Violakonzerte ein, die natürlich nicht aus dem Bereich der Vorklassik kommen, sondern aus den musikalischen Epochen, die mich interessieren.


    Die Bezeichnung Viola hat einen zarteren Anklang, als die Bezeichnung Bratsche - beides ist natürlich das gleiche Instrument, aber Bratschenkonzert hört sich auch irgendwie unfein an.


    Tabea Zimmermann hat im Jahre 1992 mit ihrem Gatten David Shallon diese schöne EMI-CD mit den beiden großen
    Violakonzerten des 20,Jahrhunderts von Bartok und Hindemith aufgenommen:



    Bartok: Konzert für Viola und Orchester (1945)
    Hindemith: Der Schwanendreher- Konzert nach alten Volksliedern für Viola und Orchester (1935)

    Tabea Zimmermann, Viola
    Bayerisches RSO, David Shallon

    EMI, 1992, DDD


    Beide Konzerte haben einen klassischen dreisätzigen Aufbau und sind voll tonal gehalten. Bartok hat sein Violakonzert 1945 nicht mehr vollenden können, es wurde von einem anderen Komponisten fertig orchestriert.



    Ein anderes großes Werk der Klassik für Viola und Orchester ist die Sinfonie Harold in Italien für Viola und Orchester von Hector Berlioz, die mir in dieser Barshai/Oistrach-Aufnahme sehr am Herzen liegt:



    Berlioz: Harold in Italien
    Rudolf Barshai, Viola
    Moskauer PH, David Oistrach

    Melodyia/Eurodisc, ADD aus den 60er Jahren


    Das der bekannte Dirigent Rudolf Barshai ursprünglich "Bratscher" war und dies sein Soloinstrument ist, wissen die wenigsten.
    :]Das ist "alte russische Schule" - wie beide dieses Werk auf Siedehitze bringen ist einmalig und nie wieder woanders in dieser Art gespielt worden.
    Das es diese russische Aufnahme auch auf CD gab, habe ich gerade erst bei der Suche gesehen. Ich besitze von der Aufnahme die Eurodisc-LP.



    Auf CD ist auch diese Ormandy-Aufnahme auch sehr angemessen interpretiert und meilenweit von der langatmigen C.Davis-Philips-Aufnahme entfernt:



    Berlioz: Harold in Italien
    Philadelia Orchestra, Ormandy
    SONY, 1974, ADD

  • Salü,


    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Mir persönlich gefällt die Viola mit ihrem harzigen Ton besser als die Violine - aber das mag Geschmackssache sein.


    Auch mir geht es genau so. Ich habe vor einer Weile damit angefangen, solche Konzerte zu sammeln. Die Ausbeute an wunderschönen Konzerten ist bisher allerdings recht dürftig:


    Zitat

    Und so frage ich Euch: Welche Konzerte für Viola kennt ihr, welche haben euer Herz (Ohr) erobert ?


    Meine neueste Eroberung ist diese hier:



    Violakonzerte der Familie Stamitz


    Anton Stamitz: Violakonzert B-Dur
    Carl Stamitz:Violakonzert op. 1
    Jan Vaclav Stamic:Violakonzert G-Dur


    Jan Peruska, Viola
    Prag PO
    Jiri Belohlavek


    Gefällt mir ganz gut - ist aber nicht so der Brüller.


    Virtuos sind die Konzerte aus der Familie Benda:



    Georg Anton Benda [1722-1795]
    Violakonzert in F


    +Bendas Klagen für Cello
    +F. Benda:Violinkonzert in Es


    Suk, Benda, Pfister
    Suk Chamber Orchestra | Kammerorchester Prag
    Chr. Benda


    Mein Favoritkonzert ist jedoch das Violakonzert Es-Dur von Alessandro Rolla [1757-1841]. Leider offenbar auf CD nicht [mehr] erhältlich, oder doch? Gerade der Mittelsatz in c-moll ist jenem aus Mozarts Sinfonia Concertante m. E. noch ein wenig überlegen.


    Ich fand nur eine CD mit Violakonzerten von Rolla, die ich selbst aber nicht kenne:



    Alessandro Rolla [1757-1841]
    Violakonzerte in C, D,B


    Fabrizio Merlini
    Conservatorio di La Spezia Orchestra
    Giuseppe Bruno


    Die Interpreten sagen mir auch nix...


    Viele Grüße
    Ulli


  • Alfred Schnittke (1934 - 1998 ), Bratschenkonzert, 1985 - Largo / Allegro molto / Largo


    Seit kurzem kenne ich das Violakonzert dieses Hauptvertreters einer russischen Postmoderne. Es ist mit mehr als einer halben Stunde Spieldauer groß angelegt; die typische Satzfolge unterstreicht den insgesamt meditativen Grundcharakter. Die Mischung aus schroffem Collagestil und raffiniert-spröden Kantilenen macht das Werk für mich noch interessanter als andere Konzerte Schnittkes, die ich kenne und bei denen fast ausschließlich ein pseudobarocker Drive von Clustern unterbrochen wird, was sich hier natürlich auch findet.


    Ebenso beeindruckt das Spektrum des Soloinstruments, das Schnittke erschließt, wobei er die fahle Atmosphäre unterstreicht, die in gleicher Weise weder mit Violine noch mit Cello zu erzielen wären.


    PS: Konzerte aus der Vorklassik, wie das von Franz Anton Hoffmeister (habe ich aber nur auf Kassette), schätze ich auch, und natürlich Bartok und Hindemith.


    Besten Gruß, Wolfgang

  • Nicht zu vergessen den "Schwanendreher" und die "Trauermusik" von Paul Hindemith, die "Phantasy" für Viola und Orchester von Arnold Bax, das Bratschenkonzert von William Walton ...


    Es gibt sogar ein rekonstruiertes Violakonzert Es-Dur von Bach.


    Mein liebstes ist allerdings völlig unbekannt: Die "Konzertante Fantasie" für Viola und Streichorchester von Ivan Eröd. Ich weiß nicht, ob es inzwischen eine Aufnahme davon gibt...


  • Genau diese Neuerwerbung von Ulli habe ich selber gekauft - und sie war der Anlass für diesen Thread.


    :jubel: :jubel: :jubel:


    Am gleichen Tag erreichte mich auch die unten abgebildete CD:
    Sie enthält alle Werke, die Hoffmeister für Viola geschrieben hat, also auch die 12 Etüden für Viola Solo


    :jubel: :jubel:



    Ich hoffe durch diesen Thread auf weitere Violakonzerte - vornehmlich auf solche des 18. Jahrhunderts zu stoßen.


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Das Konzert von Walton gehört für mich zu den schönsten Werken dieser Gattung. Die Einspielung mit Nobuko Imai und Jan Latham-König wird der Komposition in allen Anforderungen gerecht.


    Die Königin der Cellokonzerte stammt aus der Feder Dvorak's; die der Bratschenkonzerte ist dem Genie Walton's entsprungen.


    Zumindest für mich :yes:


  • Der georgische Komponist Giya Kancheli (*1935) hat eine Reihe von Kompositionen für Solo-Violo und Orchester geschrieben. Alles nicht wirklich Solokonzerte im klassischen Sinne, aber irgendwie gehören sie doch in diesen Thread.


    Auf zwei Kompositionen möchte ich ausdrücklich hinweisen. Zum einen auf »Vom Winde beweint. Liturgie für Orchester und Bratschensolo« (1989), ein tieftrauriges, sehr subtiles und assoziationsreiches Werk. Der das Werk dominierende elegische Charakter wird immer wieder durch schmerzvolle Eruptionen aufgebrochen.


    Das zweite Werk ist »Styx für Viola, Chor und Orchester« (1999). Auch dies ein ausgreifender Klagegesang, insgesamt wohl direkter (was nicht zuletzt auch vom klagenden Chor herrührt) und weniger subtil als Vom Winde beweint. Mit seiner recht hemmungslos emotionalen Tonsprache riskiert Kancheli hier – zugegeben – eine Gradwanderung zwischen radikaler Suggestivität und Kitsch – wobei es ihm IMO nicht zuletzt durch eine Strenge des Satzes gelingt, ein Abgleiten zu vermeiden. Für mich ein überaus stimmungsvolles und beeindruckendes Werk.


    Empfehlen würde ich die bei ECM erschienenen Aufnahmen dieser Werke (von Styx gibt es meines Wissens auch gar keine andere):




    Kim Kashkashian (Viola), Dirigent: Dennis Russell Davies
    (zusätzlich ist das hier im Thread schon erwähnte Violakonzert von Schnittke eingespielt)





    Yuri Bashmet (Viola), Dirigent: Valery Gergiev
    (hier bekommt man zudem noch ein »echtes« und zudem hochdynamisches Violakonzert mitgeliefert: das von Sofia Gubaidulina).


    Herzlichst,
    Medard