Chormusik der Moderne

  • Sagitt meint:


    Ich fand nichts Derartige als thread. Ich denke an Musik, so ab Schönberg. An Franzosen wie Ravel oder Poulenc, Martin,Messian, an Italiener wie Dallapiccola oder Pizzetti.


    Ich will erst einmal auf zwei Boxen hinweisen, die viel moderne Chormusik beinhalten:


    Eric Ericsson hat mit dem Stockholmer Kammerchor vorbildliche Aufnahmen gemacht und von allen genannten Komponisten Stücke aufgeführt.


    Ein weiters Ensemble ist zu nennen: Chanticleer, die keinesfalls nur Moderne aus dem Gospelbereich singen,sondern Stücke von einem David Conte,einem J.W. Alexander oder Bill Evans, mir alle unbekannt, aber ,da sehr gut gesungen, gut anhörbar.


    Was habt Ihr für Empfehlungen ?

  • Hallo,


    das ist ja ein Zufall. Vor wenigen Minuten lief bei mir diese CD aus:



    Darin sind Chorwerke Arnold Schönbergs, fast alle a cappella, enthalten. Ich finde die Tonsprache in diesen Werken wunderbar, u.a. Friede auf Erden, 6 Stücke für Männerchor, 4 Stücke für gemischten Chor...


    Ich finde, dies ist sehr intensive Musik, ohne viel Schnörkel. Und sie atmet.


    Gruß,


    Uwe

  • Uwe Schoof:


    Zitat

    Ich finde, dies ist sehr intensive Musik, ohne viel Schnörkel. Und sie atmet.


    Das ist alles richtig, nur mit MODERNER MUSIK haben "Friede auf Erden" und dgl. nichts zu tun !!!!

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Eine sehr schöne CD ist diese hier, die neben einer nur mittelprächtigen
    Einspielung von Tallis "Spem in alium" aber auch eine geniale, an webernsche Satztechnik erinnernede Adaption eines Bachschen Contrapunctus von Dieter Schnebel und eine bewegenede Einspielung von Zolatan Kodalys "Weltabschieds-Werk" Laudes Organi" (1966) das in ein Gebet für die Seele des Guido von Arezzo (DES Erzvaters der Notation) mündet, enthält.


    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • BigBerlinBear:

    Zitat

    mit MODERNER MUSIK haben "Friede auf Erden" und dgl. nichts zu tun


    Ach so, das wusste ich nicht. Aber sagitt meint doch, er denke in diesem Thread an Musik


    Zitat

    so ab Schönberg


    und Schönberg ist doch auch so ab Schönberg.


    Uwe

  • Sagitt meint:


    ich habe mal den Namen verwendet, weil er so eindeutig in die Moderne weist und wollte damit so wunderbare Chor-Komponisten wie Reger aus diesem thread ausschliessen. Ich kann dies nicht musikwissenschaftlich untermauern ( vielleicht andere ?), aber für mich zählt die Reger´sche Chormusik zur Spät-Romantik.


    Bei moderner Chormusik denke spontan an Ligeti, dessen unerhörtes Chorstück Bestandteil des Kubrik-Films 2001 ist ( wenn Kubrick den großen schwarzen Quader auf einem einem entfernten Planeten vorstellt- eine kongeniale Verwendung dieser Musik- fremd, bis schmerzhaft)

  • Hallo,


    Was mir bei "moderner" Chormusik sofort einfällt, ist das "Lux aeterna" von Ligeti. Es ist ein unglaubliches a-capella-Werk, mit einer durchdringenden Atmosphäre. Es ist zwar ein Musikstück des letzten Jahrhunderts, ohne Bezug auf einen Grundton, aber ein Werk, das bestimmt auch vielen eigentlichen Ablehnern einer solchen Musik gefällt, da es sehr weich und fließend, aber auch intensiv, ist. Und kurz (aus dem Kopf heraus: 15 Minuten). Ich selber habe mehrere Aufnahmen, u.a.



    Eine wunderbare CD, auch wegen der anderen Stücke Ligetis.


    Gruß,


    Uwe

  • Bei moderner Chormusik muß für mich auch Frank Martin genannt werden, dessen Messe für Doppelchor sehr lohnenswert ist.


    Etwa in dieser Aufnahme:



    oder von James O Donnell mit dem Westminster Cathedral Chor (Hyperion).


    Zu nennen auch das Requiem (Basel Sinfonietta, Klaus Knall). Und Paradisi Gloria, In Terra Pax, Pilate und Golgatha (3 CDs Hänssler, Viotti und Schirmer).


    Mit besten Grüßen


    Matthias

  • Juhuu :)


    ich glaub das hier ist schon jetzt einer meiner Lieblings-Threads :)


    Zu dem Thema kann ich gaaanz viel beistern. Fürs erste seien hier folgende Komponisten bzw. CDs genannt:


    Eric Whitacre



    Eine Musik, für die es keinen Vergleich gibt. Tontrauben dicht an dicht bilden eine Klangwand, die man nicht recht auflösen vermag. Und doch klingt es gar nicht so recht modern, eher gefällig. Die Werke dieses übrigens noch sehr jungen Komponisten werden mittlerweile von sehr vielen Chören gesungen.



    Arvo Pärt


    An ihm kommt man nicht vorbei, wenn man sich mit (geistlicher) Chormusik des 20. Jahrhunderts beschäftigt. Viele viele Werke hat er geschrieben, viele sind recht bekannt. Herausheben möchte ich sein "Magnificat" und die "7 Antiphonen".




    Später mehr zu diesem wirklich schönen Thema :)



    Grüße, der Thomas.



  • Salut Chorknabe,


    na dann sind wir ja schon zu zweit begeistert von dieser CD. Klick mal hier, da hab ich mich schon sehr positiv dazu geäußert.


    Ich bin sehr gespannt, was du zum Thema Moderne Chormusik so alles zu schreiben hast.


    Und last but not least auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum.



    herzliche Grüße,
    Thomas (noch einer... :rolleyes: )

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Hallo,


    ich erinnere mich, als Jugendlicher mal Choräle von Hugo Distler gesungen zu haben. Ich könnte heute kein einzelnes Werk mehr benennen, aber es klang ein wenig wie Bach-Choräle mit "angeschärfteren" Harmonien. Ist zwanzig Jahre her, war aber sehr schön. Die Choräle klangen in einem weiten Kirchenraum wunderbar (was sicher nicht am Chor lag!!!!). Und das war "Sängermusik". Sie war, trotz der Dissonanzen, so gesetzt, dass auch ein Laienchor nicht allzu schnell ins Schwimmen kam.


    Distler starb 1942 (Selbsttötung mit 34). Ich würde ihn schon der Moderne zurechnen wollen.


    Grüße


    Heinz

  • Poulenc hat auch wunderschöne Stücke für Chor a cappella geschrieben: besonders hervorheben möchte ich da die "Quatre motets por un temps de pénitence" und die Messe in G-Dur mit einem herrlichen Benedictus. Das ist moderne Musik, die auch die Klamantiker genießen können, ohne sich die Ohren zuhalten zu müssen. Beide sind nebst einigen andern hübschen Stücken auf folgender CD enthalten:


    [amx=B0000007AW]300[/amx]

  • zu Distler:


    ich mag seine Chorstücke sehr, sie haben einen recht eigenen Klang, man erkennt sie schnell am Hören. Sein Stil ist fast etwas spröde, aber auch sehr filigran.
    Sehr bekannt von ihm ist Der Feuerreiter. Auch hat er eine komplette Weihnachtsgeschichte geschrieben, auch ein schönes Werk. Und zum Thema Weihnachten sei noch sein Ich brach drei dürre Reiselein erwähnt.



    zu Poulenc:


    Ich finde seine acapella- und chorsinfonischen Werke beidermaßen spannend.
    Bei den acapella-Stücken seien seine sept chansons bzw. diverese Motetten erwähnt, und passend zur Weihnachtszeit seine Weihnachtsmotetten, ebenfalls oft gesungen.


    Ein Kommentar noch zur vorgestellter CD: ich habe sie nicht gehört, jedoch ist der RIAS-Kammerchor sicher einer der besten Kammer-Chöre Deutschlands. Insofern kann man diese CD sicher auf jeden Fall empfehlen (da muss ich unbedingt mal hineinhören)



    Grüße, der Thomas.

  • Zitat

    Original von salisburgensis


    Salut Chorknabe,
    na dann sind wir ja schon zu zweit begeistert von dieser CD. Klick mal hier, da hab ich mich schon sehr positiv dazu geäußert.


    Ich bin auch bekennender Eric Whitacre-Fan! Sein Lux Aurumque singen wir seit Jahren immer wieder in einem der Chöre, wo ich Mitglied bin. Ich liebe es, und ich trauere noch immer, dass wir dieses Gänsehaut-Stück mit meinem neunköpfigen Ensemble nie aufführen können, weil es zehn Stimmen hat, von denen eine (Sopran 1, der das g#' mehr als eine Seite lang durchgehend singen muss) der chorischen Atmung wegen mindestens doppelt besetzt sein muss.
    Ein anderes Stück von ihm (Water... o.ä.) kenne ich nur ein bisschen vom Hören, finde es aber auch faszinierend. Wisst ihr zufällig, ob eins seiner anderen A-Cappella-Stücke bis max. neunstimmig ist? Ich würde so gern was von ihm singen...

  • Zitat

    Original von MezzoIch bin auch bekennender Eric Whitacre-Fan! Sein Lux Aurumque singen wir seit Jahren immer wieder in einem der Chöre, wo ich Mitglied bin. Ich liebe es, und ich trauere noch immer, dass wir dieses Gänsehaut-Stück mit meinem neunköpfigen Ensemble nie aufführen können, weil es zehn Stimmen hat, von denen eine (Sopran 1, der das g#' mehr als eine Seite lang durchgehend singen muss) der chorischen Atmung wegen mindestens doppelt besetzt sein muss.


    Oh..ich bin neidisch :) Ich habe leider bisher noch nichts vom Whitacre gesungen, aber irgendwann..jawohl! :)


    btw: In welchen Chören und Ensembles singst Du mit?


    Zitat


    Ein anderes Stück von ihm (Water... o.ä.) kenne ich nur ein bisschen vom Hören, finde es aber auch faszinierend. Wisst ihr zufällig, ob eins seiner anderen A-Cappella-Stücke bis max. neunstimmig ist? Ich würde so gern was von ihm singen...


    Das Stück heißt Waternight und ist wohl eines der bekanntesten Stücke von ihm. Beim dt. Chorwettbewerb in Kiel bspw konnte man es mehrfach hören, und ich habe mir nur 2 Kategorien teilweise angehört..


    Die Zahl der Stimmen kann ich eventuell in Erfahrung bringen, ein Bekannter, begeisterter Whitacre-Fan, kauft sich gerade alle Noten zusammen :)



    Liebe Grüße, der Thomas.

  • Zitat

    Original von Chorknabe
    Oh..ich bin neidisch :) Ich habe leider bisher noch nichts vom Whitacre gesungen, aber irgendwann..jawohl! :)


    Das ist auf jeden Fall ein Muss! Lux Aurumque macht mich auf der Bühne richtig fertig - da herrscht so eine Spannung, dass mir total die Beine zittern und ich am Ende fast umfalle (nach dem ewig langen Ton den wir zur zweit oder zu dritt bestreiten müssen aber auch kein Wunder) ;)

    Zitat

    btw: In welchen Chören und Ensembles singst Du mit?


    Ich hoffe, das gilt jetzt nicht als Werbung, bin hier mit den Sitten noch nicht so vertraut - aber ich denke, wenn ich keine Links angebe, wird das schon in Ordnung sein!? Viele der Chöre sind nicht mal gut, also ist das wirklich nicht als Werbung gedacht :D
    Vokalensemble Stimmbande
    Chor der Haydnkirche Eisenstadt
    Kammerchor Eisenstadt
    Singkreis Großhöflein
    Burgenländischer Jugendchor
    Chorus Ferrostadia (oder so ähnlich... ist nur immer projektmäßig, alle Chöre Eisenstadts zusammengefasst)


    Oh, sind wohl doch nur sechs - in einem anderen Thread hatte ich von sieben geschrieben. Naja, man verliert leicht den Überblick ;) Und wo singst du?


    Zitat


    Das Stück heißt Waternight und ist wohl eines der bekanntesten Stücke von ihm. Beim dt. Chorwettbewerb in Kiel bspw konnte man es mehrfach hören, und ich habe mir nur 2 Kategorien teilweise angehört..
    Die Zahl der Stimmen kann ich eventuell in Erfahrung bringen, ein Bekannter, begeisterter Whitacre-Fan, kauft sich gerade alle Noten zusammen :)


    Das wäre super!!! :)

  • Zitat

    Original von MezzoDas ist auf jeden Fall ein Muss! Lux Aurumque macht mich auf der Bühne richtig fertig - da herrscht so eine Spannung, dass mir total die Beine zittern und ich am Ende fast umfalle (nach dem ewig langen Ton den wir zur zweit oder zu dritt bestreiten müssen aber auch kein Wunder) ;)


    Hehe..so ähnlich geht es mir immer bei Shenandoah, da muss der Bass II über 10 Takte lang ein tiefes E aushalten, zwischendurch gehts auch 2 mal zum Cis runter. Ich freue mich immer so dermaßen auf die Stelle, dass ich ganz aufgeregt bin. Dann also das laaange große E, eine durchaus angenehme satte Lage. Und wärenddessen lauscht man den anderen Stimmen, die kanonisch das Thema singen,und vor lauter Klang und Sound will einem fast das Herz zerbrechen..


    Zitat

    Und wo singst du?


    Das kommt mir gerade eiun wenig vor vor wie: "Mein Haus..mein Auto..mein Chor!" :)


    Also: Kammerchor Wernigerode, Landesjugendchor Sachsen-Anhalt, Vokalprojekt Thüringen, Extrachor des Theater Erfurt, Europa-Chor-Akademie Mainz (hier aber schon seit längerem nicht mehr mitgemacht) und einzelne Projekte die sich bieten. Früher in Schulzeiten noch im Rundfunkt-Jugend-Chor Wernigerode, da wurde meine exzessive Chorleidenschaft begründet :)



    Liebe Grüße, der Thomas.

  • Zitat

    Original von Chorknabe
    Also: Kammerchor Wernigerode, Landesjugendchor Sachsen-Anhalt, Vokalprojekt Thüringen, Extrachor des Theater Erfurt, Europa-Chor-Akademie Mainz (hier aber schon seit längerem nicht mehr mitgemacht) und einzelne Projekte die sich bieten. Früher in Schulzeiten noch im Rundfunkt-Jugend-Chor Wernigerode, da wurde meine exzessive Chorleidenschaft begründet :)


    Wie schön, auch in so vielen Chören! Das ist ja toll, ein Gleichgesinnter.. ich werde sonst immer angeschaut, als würde ich spinnen, wenn ich meine Chöre aufzähle :D

  • Zitat

    Original von MezzoWie schön, auch in so vielen Chören! Das ist ja toll, ein Gleichgesinnter.. ich werde sonst immer angeschaut, als würde ich spinnen, wenn ich meine Chöre aufzähle :D


    Oooh ja..besonders wenn man Maschinenbau studiert und seinen Komilitonen von seinem Hobby berichtet :)


    Aber wenn es einen mal gepackt hat, dann läßt es einen nicht los. Ich werde recht wahrscheinlich mal 85jährig in einem Männerchor landen und bis zum allerletzten noch singen :D


    Btw. zum Thread-Thema Chormusik der Moderne: welche Stücke des 20./21.Jahunderts (die ihr schon gesungen habt) haben Dich besonders beeindruckt?


    Ich bin bspw. sehr beeindruckt von den Werken von Wolfram Buchenberg. Er scheint in der Chorszene recht bekannt zu sein, zumindest hört man bei Konzerten und Wettbewerben seine Stücke häufiger. Seinen Kommunionsvers, auch Das Brot des Lebens genannt durfte ich selbst schon einmal mitsingen. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll: es gibt Stücke die sind so lala, man singt sie, hat aber nie eine rechte Beziehung zu ihnen. Dann gibt es welche, an die gewöhnt man sich und entdeckt nach und nach ihre Schönheit. Und dann gibt es noch diese seltenen Momente, in denen man sich sofort in ein neues Stück verliebt und verliert. So erging es mir beim Kommunionsvers. Es ist eher ruhig angelegt, getragen und sehr klangstark. Schwebende Klänge und dann wieder satte und ergreifende Harmonien und Modulationen.. Und außerdem gehts tiiief hinunter, für mich als Bass II ist das ein entscheidender Faktor :)



    Liebe Grüße, der Thomas.

  • Zitat

    Original von Chorknabe
    Aber wenn es einen mal gepackt hat, dann läßt es einen nicht los. Ich werde recht wahrscheinlich mal 85jährig in einem Männerchor landen und bis zum allerletzten noch singen :D


    Oh ja :D Wir haben auch schon über die Vorstellung gelacht, in vielen Jahren als Omas und Opas noch immer mit der Stimmbande aufzutreten :D

    Zitat

    Btw. zum Thread-Thema Chormusik der Moderne: welche Stücke des 20./21.Jahunderts (die ihr schon gesungen habt) haben Dich besonders beeindruckt?


    Eben das genannte "Lux aurumque", dann gefällt mir auch noch sehr "O nata lux" von Morten Lauridsen. Daran versuchen wir uns auch gerade ein bisschen :)
    Ansonsten singen wir, was moderne Werke betrifft, bisher eher Stücke von Komponisten der Region, z.B. Christian Dreo und Otto Strobl - die außerhalb des Burgenlands wahrscheinlich nicht gerade bekannt sind ;)
    Von Wolfram Buchenberg habe ich noch nichts gehört, aber seine Werke scheinen es wert zu sein, sich einmal damit zu beschäftigen. Mal sehen :)

    Zitat

    Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll: es gibt Stücke die sind so lala, man singt sie, hat aber nie eine rechte Beziehung zu ihnen. Dann gibt es welche, an die gewöhnt man sich und entdeckt nach und nach ihre Schönheit. Und dann gibt es noch diese seltenen Momente, in denen man sich sofort in ein neues Stück verliebt und verliert.


    Genau, das kann ich nur unterstreichen! In der Musik gibt es Liebe auf den ersten Blick auf jeden Fall - ansonsten zweifle ich eher daran. :D

    Zitat

    Und außerdem gehts tiiief hinunter, für mich als Bass II ist das ein entscheidender Faktor :)


    Das wär natürlich auch was für unsern Bass II... müssen wir wirklich mal ausprobieren ;)

  • Zitat

    Original von Mezzo
    ..dann gefällt mir auch noch sehr "O nata lux" von Morten Lauridsen. Daran versuchen wir uns auch gerade ein bisschen :)


    Oha, das kenne ich noch gar nicht. Aber btw.: Diese warmen dichten schwebende Klangwolken, welche einen regelrecht einlullen.. da hatte bis vor einigen jahren jeder Chor der etwas auf sich hielt Rutter und Lauridsen im Programm..bis Whitacre kam.. :)


    Zitat

    Genau, das kann ich nur unterstreichen! In der Musik gibt es Liebe auf den ersten Blick auf jeden Fall - ansonsten zweifle ich eher daran. :D


    Hehe..aber eigentlich sollte es dann doch heißen: Liebe auf den ersten Hör.. ? :D



    Liebe Grüße, der Thomas.

  • Zitat

    Original von Chorknabe


    Oha, das kenne ich noch gar nicht. Aber btw.: Diese warmen dichten schwebende Klangwolken, welche einen regelrecht einlullen.. da hatte bis vor einigen jahren jeder Chor der etwas auf sich hielt Rutter und Lauridsen im Programm..bis Whitacre kam.. :)


    Ich möchte weder Lauridsen noch Whitacre missen :) Von Rutter kenne ich gar nichts. Vermutlich ist das ein Versäumnis!?

    Zitat

    Genau, das kann ich nur unterstreichen! In der Musik gibt es Liebe auf den ersten Blick auf jeden Fall - ansonsten zweifle ich eher daran. :D


    Hehe..aber eigentlich sollte es dann doch heißen: Liebe auf den ersten Hör.. ? :D[quote]
    Stimmt eigentlich - oder, grammatikalisch richtiger: Liebe auf den ersten Ton :D

  • Zitat

    Original von Mezzo
    Ich möchte weder Lauridsen noch Whitacre missen :) Von Rutter kenne ich gar nichts. Vermutlich ist das ein Versäumnis!?


    Auf jeeeeden Fall!! :)


    John Rutter hat nicht nur einige bemerkenswerte Chorsinfonik geschrieben sondern auch viele acapella-Werke. Leider hab ich auch von ihm noch nichts gesungen :-/
    Ich glaub ich muss noch in einige Chöre eintreten :)


    Aber ernsthaft, ich suche tatsächlich noch einen wirklich guten Projektchor, der viel Chorsinfonik macht und dabei auch mit gescheiten Orchestern und Solisten zusammen arbeitet. So ein richtig toller Chor halt, mit Vorsingen und so..
    Kennst Du da was? Mir fällt nur die Gächinger Kantorei in Stuttgart ein..


    Zitat


    Stimmt eigentlich - oder, grammatikalisch richtiger: Liebe auf den ersten Ton :D


    Nee..das klingt ja so wohl formuliert, da geht doch der ganze Sprachwitz verloren :baeh01:



    Liebe Grüße, der Thomas.

  • Zitat

    Original von Chorknabe
    John Rutter hat nicht nur einige bemerkenswerte Chorsinfonik geschrieben sondern auch viele acapella-Werke.


    Na, da muss ich doch mal beim Doblinger stöbern gehen!

    Zitat

    Aber ernsthaft, ich suche tatsächlich noch einen wirklich guten Projektchor, der viel Chorsinfonik macht und dabei auch mit gescheiten Orchestern und Solisten zusammen arbeitet. So ein richtig toller Chor halt, mit Vorsingen und so..
    Kennst Du da was?


    Leider nicht - v.a. nicht in deiner Gegend ;)

    Zitat


    Nee..das klingt ja so wohl formuliert, da geht doch der ganze Sprachwitz verloren :baeh01:


    Ok, dann bleiben wir halt bei "Liebe auf den ersten Hör" :D

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Für mich ist natürlich Nono der Klassiker der Chormusik im 20. Jh.
    Vor allem, wenn nicht "a cappella" verlangt ist, dürfte er konkurrenzlos sein:
    Il canto sospeso
    :jubel:


    Ich bin mit Nono nie so recht warm geworden. Mir hat da immer der Klang, der Sound gefehlt. Die Musik wirkt so zerstückelt auf mich und scheint so gar nichts schönes an sich zu haben..


    Zählt Nono zu den Serialisten? Denn mit serieller Musik allgemein konnte ich bisher nur wenig anfangen, ganz im Gegensatz zur Minimal Music bspw..



    Liebe grüße, der Thomas. :hello:

  • Es ist mal wieder zeit für eine konstruktive Belebung dieses Threads 8)


    Heute möchte ich hier eine CD vorstellen, die mich sehr begeistert:


    Anthony Pitts - Seven Letters




    Auf dieser Cd sind verschiedene geistliche Stücke von Anthony Pitts zu hören, dargeboten von dem Gesangsensemble Tonus Peregrinus, welches übrigens von Pitts gegründet und dirigiert wird.


    Die zentrale Komposition hat der Cd auch ihren Namen gegeben: Seven Letters. In 7 Stücken wird jeweils ein Brief vertont, gerichtet an einer der "seven churches of Asia minor" (sieben Kirchen Kleinasiens, heute bekannt als Türkei). Jeder Brief beginnt mit "These are words from..". In jedem Brief gib es einen Solisten, der als Hauptfigur auftrtiit, und von den anderen Sängern polyphon begleitet wird. In einem jeweils langen Mittelteil, welche wie eine Art Rezitativ gestaltet ist, beschränkt sich die Begleitung auf Vokalisen, was der Stimme und dem Text des Solisten sehr stark betont.


    Das für mich begeisternste Stück der Cd ist jedoch O Holy of Holies. Das booklet schreibt hierzu (frei nach mir lausig überstezt): ..repräsentierte einen Ausflug in eine höchst experessionistische Klangwelt... Es ist ein relativ kurzes Stück, dafür ein unheimlich intensives. Pitts' Stil (mehr dazu unten) wird hier ins extreme getrieben. Der Refrain schraubt sich von Dissonanz zu Dissonanz immer intensiver in die Seele und endet mit einem Akkord, der "zwischen allen Stühlen" sitzt und als rein tonale Frage im Raum steht, die es zu beantworten gilt.



    Der Stil, den Pitts für seine Kompositionen findet, ist recht markant und findet sich in allen Stücken auf dieser CD wieder. Die einzelnen Stimmen agieren regelrecht polyphon, erscheinen jedoch jederzeit sehr transparent, regelrecht kristallklar.


    Das herausragende Merkmal dieser Musik ist Klang und nochmals Klang. Der Rhythmus steht meist im Hintergrund, das Tempo scheint fast frei, zeitlos zu sein. Jede Stimme ist in ihrer eigenständigen polyphonen Art langsam und anmutig geführt, wie in einem gregorianischen Choral des Mittelalters.
    Dabei ist das harmonische Gebäude als eher dissonant zu bezeichnen und erscheint in manchen Stellen als eine Weiterentwicklung der Pärt'schen Harmonik zu sein. Die Akkorde sind im Gegensatz zu Lauridsen's oder Whitacre's weichem und wolkingen Sound äußerst hart gesetzt und bekommen gerade hierdurch eine ganz eigene Ästhetik. Eine geignete Beschreibung scheint mir die folgende zu sein: schmerzlich schön.
    Dabei wirkt der hamronische Apparat auf mich nicht atonal, im Gegenteil.


    Das lediglich 8-stimmige Ensemble Tonus Peregrinus bewältigt die Stücke von Pitts herausragend gut. Die harte Hamonik wird durch sehr gerade Stimmführungen der einzelnen Sänger excellent unterstützt. Vibrato oder andere Effekte, die die Musik aufweichen, entschärfen würden, unterbleiben fast vollständig. Herausragend ist auch die Intonation des Ensembles: sie singen einfach unglaublich sauber, unglaublich geradeaus. Auch finden sie eine sehr passende Mischung zwischen Einzelstimme und Ensemble-Zusammenklang. Die musikalischen Wurzeln des Ensembles liegenh eher in der Alten Musik, was man sehr heraushört, und was sehr gut zur vorliegenden CD passt.


    Insgesamt wirken Pitts' Stücke dem Enselble regelrecht auf den Leib bzw. Stimmbänder geschrieben worden zu sein, und so verhält es sich in Wahrheit wohl auch.


    Übrigens ist Tonus Perengrinus bekannt geworden durch eine viel beachtete Einspielung der Passio Domini Nostri (Johannes-Passion) von Arvo pärt. Sie ist bei Naxos verlegt und mit ca 6,- EUR preislich durchaus übersichtlich gestaltet. :D




    Fazit:


    Diese CD ist in ihrer Art recht einzigartig und für mich persönlich eine regelrechte Offenbarung. Die Musik, welche in einer unglaublichen Intensität unter die Haut geht, wird von einem herausragend guten Ensemble dargeboten.


    Daher also hiermit eine :jubel: :jubel: :jubel:DICKE :jubel: :jubel: :jubel: Empfehlung!



    Liebe Grüße, der Thomas. :hello: