"Stubenhocker" vs.Konzertbesucher

  • Ich glaube es war ein Abschnitt aus dem Kaiser-Buch (Grosse Pianisten unserer Zeit),der mich dazu gebracht hat,diesen Thread zu eröffnen.


    Es gibt vielerlei Typen von Hörern.


    Die einen gehen in ein Live Konzert (Typ 1).
    Die anderen hören sich (klassische) Musik nur (und wirklich nur) zu Hause auf Platte(CD etc.) an (Typ 2).
    Und widerum andere tun beides (Typ 3).


    Aber die Frage,die ich mir und euch stelle und mir wirklich Kopfzerbrechen bereitet (weil ich unter Typ 2 falle), ist folgende:


    Wieso ist das so? -
    Wieso gehen die Hörer (Typ 2) partout nicht in ein Live Konzert?


    Man sollte auch den Aspekt betrachten,dass die Aufnahmen immer wieder verbessert wurden bzw. auch hinterher verbessert wurden.
    Das heisst,dass (zumindest bei den moderneren Aufnahmen) jene Aufnahmen (wenn keine Live Mitschnitte) hinterher perfektioniert werden.


    Haben Hörer Typ 2 Angst,dass sie womöglich enttäuscht werden könnten; dass die Interpreten doch nicht perfekt sein könnten?


    Es gibt vielerlei Gründe und Faktoren.
    Sei es auch,dass ein Konzertgang sehr teuer ist.
    Und eine CD kann man (günstiger) kaufen und die besitzt man immer. Beim Konzert kann man "nur" das Ereignis festhalten.


    Mich würde desweiteren interessieren,ob sich Musiker wünschen,dass die Leute mehr Aufnahmen hören,oder mehr zu Konzerten gehen.

  • Hallo Daniel (und Rest der Welt)



    Beginnen wir beim Typ 3, weil der am leichtesten zu erklären ist


    Er liebt die Musik und möcht sie live und auf Konserve hören.
    Zumeist stellt Typ 3 (Ausnahmen gibt es natürlich) wenig Ansprüche an die Wiedergabequalität von CDs etc.
    Er sieht darin lediglich eine Konserve, die ihn an das eigentliche Musikereignis erinnert. Der Klang entsteht quasi im Kopf, die CD oder welcher Tonträger auch immer ist hier lediglich ein Vehikel.



    Und nun Typ 1.


    Er ist anspruchsvoller, liebt die Musik über alles, und kann den Konservenbeigeschmack der Tonaufzeichnungen nicht ertragen
    (In der Tat ist es frustrierend, wenn man aus dem akustisch perfekten Wiener Musikverein kommt und daheim dann eine LP oder CD auflegt, man möcht verzweifeln)



    Typ 2


    Er kommt ja meist nicht ganz rein vor, hin und wieder geht auch er ins Konzert, aber wenn, dann auf Freikarten oder eher günstigere Plätze.
    Schließlich braucht er das Geld ja zum Aufbau seiner Sammlung.
    Vergleiche hat er wenig, und wenn, dann schneidet die Konserve meist besser ab, weil sie ja tatsächlich oft besser klingt, als man es von Konzertsaal auf akustisch ungünstigen Plätzen gewohnt ist.


    Zudem ist er ein Sammlertyp, der das Ereignis nicht vergehen lassen möcht sondern es für immer in seinem Besitz wissen möchte - Oh wie ich das verstehe.....


    Man kann auch verstorbene Künstler, die einen heute nicht mehr praktizierten Stil spielen, immer wieder hören unabhängig vom heutigen Zeitgeschmack......



    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Sagitt meint: Gould war ja DER Stubenhocker, der eine Theorie dazu entwickelt hat,in Wirklichkeit aber einfach zu Kontakt unfähig war.
    Die Künstler sonst, die ich persönlich kenne, schätzen das live-Konzert, weil sich dort eine unmittelbare Rückmeldung zu ihrer Kunst ergibt, die im Studio fehlt. Nicht wenige machen deswegen auch allein Aufnahmen von live-Konzerten.
    Ich selbst bin überwiegend Typ 2, weil ich mich sehr gut an Konserve, der Musik an sich, begeistern kann, gerne perfekte Wiedergaben höre, auch wenn ich wüsste, dies ist keine Realität.Aber die Chance, bei einer Bach-Motette jeden Triller zu hören, den Bach geschrieben hat, die meisten Chöre aber nicht exekutieren können, erfreut mich. Außerdem brauche ich keine Nachbarn, die geräuschvoll schneuzen, Bonbonpapier rascheln lassen, tuscheln usw. oder einfach ihrer Abonnement-Routine nachgehen. Aber dies ist nicht die ganze Wahrheit. Gelegenheit gehe ich in Konzerte und habe dort, auch durch die Atmosphäre des Raums besondere Erlebnisse gehabt. Die Atmosphäre unseres Doms bei einer Marienvesper oder einer h-moll-Messe bringt mir keine Anlage herüber, die ich mir leisten könnte, wenn das denn überhaupt möglich ist. Ich habe auch ein Abonnement bei der Bremer Kammerphilharmonie, weil dies ein Orchester ist, das immer Konzerte veranstaltet, die einem einen neuen Blick auf bekannte Werke und einen Blick auf unbekannte Werke ermöglicht. Bei einem geeigneten Konzert-Saal, die Glocke in Bremen ist ein ein solcher, kommt auch ein " Sound" zustande, den ich mit meiner Anlage oder sehr guten Kopfhörern nicht reproduzieren kann.

  • Seid mir nicht böse...aber ich werde hin und wieder alte Threads wieder hervorrufen bzw.in den Threads posten (und sie gehen automatisch zum anfang zurück); da ich ja vieles verpasst habe.


    Hier in diesem Falle würde mich aber die Meinungen anderer Mitglieder wissen (wir haben ja mächtig Zuwachs bekommen), weil mir dieses Thema halt sehr wichtig ist.

  • Hallo Daniel,



    ein sehr interessantes Thema!
    Gut das du es hervorgeholt hast ;)


    Zitat

    Original von Daniel
    Die einen gehen in ein Live Konzert (Typ 1).
    Die anderen hören sich (klassische) Musik nur (und wirklich nur) zu Hause auf Platte(CD etc.) an (Typ 2).
    Und widerum andere tun beides (Typ 3).



    Ich würde mich auf jeden Fall zu Typ3 zählen.


    Es wurde hier schon richtig erwähnt, dass Konzerte nun einmal teuer sind und zudem auch teurer als CDs.
    Ich besitze ein Schülerabo für das Berliner Konzerthaus am Gendarmenmakt.
    Damit bekomme ich die Karten sehr günstig und auch immer TOP Plätze.
    Jedoch ist es eher selten, dass, zusätzlich zum Konzertabo, noch weitere Konzerte hinzukommen.


    Persönlich würde ich nicht auf diese Konzertbesuche verzichten wollen. Sagitt hat es schon gesagt: Die Atmosphäre kann mir kein Tonträger geben, die ich im Konzert habe! Es ist einfach etwas fantatisches und darauf kann und will ich nicht verzichten!


    Ich könnte aber auch nie NUR in Konzerte gehen...was hab ich denn dann zu Hause?!
    Ich habe zwar vielleicht viele wunderbare Konzertereignisse, aber wenn ich dann zu Hause mal etwas Musik genießen will, geht es nicht.


    -Obwohl ich mir nicht so recht vorstellen kann, dass dieser Typ1 existiert...Nur im Konzert Musik genießen? Nicht wirklich.-
    Das könnte ich überhaupt nicht!!!


    Ich brauche die Musik auch einfach zu Hause!


    Zitat

    Original von Alfred
    Er liebt die Musik und möcht sie live und auf Konserbe hören.
    Zumeist stellt Typ 3 (Ausnahme gibt es natürlich) wenig Ansprüche an die Wiedergabequalität von CDs etc.
    Er sieht darin lediglich eine Konserve, die ihn an das eigentliche Musikereignis erinnert. Der Klang entsteht quasi im Kopf, die CD oder welcher Tonträger auch immer ist hier lediglich ein Vehikel.


    Ich denke du hast damit Recht, wenn es um die Wiedergabequalität geht.
    Ich bin bisher auch mit etwas schelchterer Wiedergabequalität klargekommen, jedoch sollte die interpretatorische Seite keinesfalls schlecht sein...aber das gilt natürlich auch bei vernünftiger Wiedergabe.


    Unrecht hast du, jedenfalls auf mich bezogen, das sie mehr oder minder als Erinnerung dient, die Musik als Konserve.
    Für mich sind meine CDs zu Hause mehr als eine Erinnerung...Sie sorgen bei mir für Entspannung und begleiten mich eigentlich durch den ganzen Tag.
    Außerdem lerne ich fast alles durch SIE kennen und, aufgrund von recht wenigen Konzertbesuchen, nicht so viel in Konzerten.


    Aber wenn ich z.Bsp. im Konzert etwas kennen lerne, dann dient die Musik zu Hause nicht nur als Erinnerung, sondern, wenn ich mir das Werk dann extra neu kaufe oder es vielleicht noch nicht intensiver gehört habe, auch als Vertiefung.
    Man beschäftigt sich dann mit dem Gehörten im Konzert...man kann ja im Konzert auch nicht alle Feinheiten etc. eines Werkes erfassen (jedenfalls ich nicht) und deshalb ist so eine spätere Verinnerlichung und nähere Betrachtung sehr interessant.



    Also...ein klarer Typ 3 bin ich, aber nicht ganz nach der Definition von Alfred.


    Gruß, Maik

  • Hallo Klassikliebhaber,


    ich würde mich als Typ 2,4 bezeichnen. Der überwiegende Anteil macht das CD-Hören aus. Nicht gering ist aber auch das Hören von Radioübertragungen (wo gehört das nun hin? Es ist oft live, aber eben ohne den Rummel im Konzertsaal).


    Mein Job läßt mir eigentlich nur Konzertbesuche am Wochenende zu. Da ich aber dann häufig selbst unterwegs bin, um Musik zu machen, beschränken sich die Konzertbesuche auf ein überschaubares Maß. Wenn es aber mal klappt, dann begnüge ich mich nicht mit schlechten Plätzen.


    Bei den Konzerten, bei denen ich zu den Ausführenden gehöre, wünsche ich mir natürlich einen vollen Raum.


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Hallo Thomas,



    auch bei mir sind die Konzertbesuche in einem überschaubarem Maß!


    Das Abo kann ich gerade so an einer Hand abzählen und selten brauche ich in einer Konzertsaison die Zweite.


    Dennoch, da diese, wenn auch wenigen, Konzerbesuche ein ganz wichtiger Teil sind, zähle ich mich zum Typ3.


    Du hast ja differenziert-
    -Da du es gewichtet hast. Aber ich denke, nur weil man nicht häufig ins Konzert gehen KANN (aus welchen Gründen auch immer), ist man dennoch jemand, der beides mag und somit zu Typ3 gehört.


    Denn vielleicht sollte man diese Einordnung nicht NUR nach der praktischen Umsetzung tätigen (sie gehört aber auf alle Fälle dazu, nur vielleicht nicht die Anzahl der 'Umsetzungen' - besonders natürlich auf Konzerbesuche bezogen), sondern auch nach gewissen Sehnsüchten,die ja auch auf einen Typ schließen lassen.
    Und nur weil man nicht fähig ist oder nicht die Möglichkeit besteht, diesen Typ intensiv auszuleben, ist man ja noch lange kein anderer Typ...



    Gruß, Maik

  • Nun, so ganz stringent kann die Trennung nicht sein. Es empfiehlt sich die Einführung von Untergruppen, damit ich mich wiederfinden kann.


    Ich kaufe mehr CDs und durch den unheilvollen Einfluß von reklov29 (wann schreibt der endlich wieder) DVDs, als ich live-Erlebnisse
    genieße.
    Dies liegt zum einen daran, daß Live-Erlebnisse sauteuer sind und viele CDs/DVDs um diesen Preis erworben werden können. Auf Grund meiner Länge kann ich leider nicht auf billigen Plätzen sitzen. Auf Grund meines Alters fällt mir Stehen schon schwerer. Früher stand man beim Vorspiel und beim Hauptspiel auf dem GAK-Platz (Länge: Götterdämmerung).


    Prozedere: Vor dem Ereignis höre ich die dazu passende CD an (Das Notenlesen ist nicht so mein Fall).
    Dies führt dazu, daß das Live-Erlebnis nur dann "siegt", wenn es wirklich ein Erlebnis ist. Meine liebe Frau hört sich davor nichts an und ist daher mehrheitlich über das Konzert glücklich.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • hallo


    Ich mache es oft ähnlich wie rienzi, dass ich vor dem Konzert mich darauf anhand von Aufnahmen vorbereite. Meistens ziehe ich auch die Partituren zu Rate. Allerdings lasse ich mir das Erlebnis nicht davon vermiesen, wenn die Würzburger Philharmoniker nicht ganz an die Platteninterpretation meinetwegen eines Karl Böhms oder so heranreichen, sondern kann mich an den meisten Konzerten durchaus erfreuen. (Außer es ist mal wirklich etwas, was mir gegen den Strich geht)


    Gruß, flo

  • auf meine Art kann ich mir das Konzert, die Oper blöderweise vermiesen.
    Man hat Stellen der "klinisch perfekten" Studioaufnahme im Ohr und lauert darauf, endlich Schnitzer im Live-Konzert zu hören. Da beweist man dann, daß die eigenen Schweinsohren doch nicht so "schweinisch" sind und fühlt sich als Connaisseur.
    Werde versuchen, mir vorher nichts anzuhören, ein Fußballspiel anzusehen, mich zu schminken, oder sonstwas.
    Abschwächung: Ganz so schlimm ist es Gott sei Dank nicht.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Hallo Flo und Rienzi,


    da habe ich ja richtig Glück, dass meine CD-Sammlung noch so klein ist :D
    So ist es mir im Normalfall nicht möglich, mich in diesem Sinne auf das Konzert vorzubreiten.
    Musik höre ich schon davor, nur eben nicht die, die ich dann auch live höre...



    Aber auch vom Gefühl her würde ich diese Methode nicht anwenden...
    Wie schon gesagt, im Anschluss das Werk noch näher kennenlernen und mehr Feinheiten erfahren, dass ist okay.


    Gruß, Maik

  • Ich finde es auch sinnvoll, sich die Werke, die man im Konzert erleben wird, vorher auf Konserve anzuhören um Vergleichsmöglichkeiten zu haben und musikalische Details und besonders geschätzte Stellen oder Sätze im Ohr zu haben. Mache ich meistens ein paar Stunden vor einem Konzert. Unmittelbar davor höre ich meistens gar keine Musik, zumindest nicht 'konzentriert'.


    Ich schätze Konzerte gerade wegen der Live-Atmosphäre, ich erwarte nicht, dass meine Lieblingsaufnahmen auf Cd erreicht oder gar übertroffen werden. Ich will lediglich eine (natürlich gelungene) Interpretation des gespielten Werkes hören. Deshalb vermiest mir eine sehr gute Cd nicht automatisch ein Konzert, wenn das Niveau dieser nicht erreicht wird. Ich sehe mir ja nicht Daniel Barenboim mit den Beethoven-Klaviersonaten an, und erwarte, dass da meine Sviatoslav Richter-Aufnahmen übertroffen werden, das wäre wohl reichlich vermessen...


    Die CD kann ich mir ja immer wieder anhören.


    Ich finde aber auch, dass das Live-Erlebnis einen oftmals die Werke aus einem anderen Blichwinkel sehen lässt,und man oft die Werke noch konzentrierter und eindringlicher erlebt..


    Damit wäre ich wohl auch Typ 3...

  • Hallo zusammen!


    Nach Alfred´s Ansicht gehöre ich zu dem Typ 3, mit der Einschränkung, dass ich bei CD's sehr viel Wert auf erstklassige Aufnahmetechnik und noch mehr Wert auf erstklassige Interpreten lege, was zur Folge hat, dass für mich Billigpreis-CD's, oder Mono-Aufnahmen fast nicht in Frage kommen (in der Regel wegen der Aufnahmetechnik, nicht wegen der Interpreten), ausser ich will einen bestimmten Interpreten mit diesem Werk unbedingt hören. ansonst lege ich auf Spitzenqualität bei Aufnahmetechnik und Interpreten grössten Wert, was natürlich manchmal bei Konzertbesuchen Frust erzeugt, weil die Konserve, manchmal vom gleichen Interpreten, vollkommener klingt. Ich höre mir bzw.kaufe die CD daher erst meist nach dem Konzert. Bei den Konzertbesuchen werden ich auch immer wählerischer, eine Folge der Kartenpreise und sicher auch der CD's und nicht zuletzt meiner Perfektionssucht, die ich im Laufe unzähliger Konzertbesuche entwickelt habe. Trotzdem möchte ich auf das Live-Erlebnis nicht verzichten, es hat unbestritten seinen Reiz. Also versuche ich meine Freizeit zwischen Konzertbesuchen und CD-Hören gleichmässig aufzuteilen.

  • @Alfred,


    ich bin Typ 3.


    Ganz einfach, für mich hat beides seinen Reiz!
    Daheim ganz in Ruhe für sich eine legendäre Aufnahme hören. Ggf. manche Stellen mehrfach! Das hat einen gewissen Reiz.


    Aber auf der anderen Seite auch das live erleben wie Musik entsteht und die Menschen, die sie entstehen lassen dabei zu bewundern.
    Alleine der Anblick heute wieder wie Julia Fischer blitzschnell auf den Saiten ihrer Geige die Finger bewegen muß.


    Wenn ich so etwas sehe, da steigt meine Achtung vor der Leistung immer ganz gewaltig!
    :jubel:

  • Liebe Forianer,


    ich gehöre mehr zu Typ 2 als zu Typ 3. Ich gehe zwar nicht selten ins Konzert und erhalte dort auch wesentliche Anregungen, aber meine wesentlichen Musikeindrücke kommen von der CD. Teils weil es Stücke sind, die man im Konzert kaum oder nur selten hört, teils wegen der Qualität der Interpretationen, die man im Konzert seltener hat. Im übrigen, eine wirkliche Alternative ist es ohnehin nicht, es gibt so unendlich viele Konzerte, die bereits in der Vergangenheit stattgefunden haben oder die an Orten stattfinden, die einem nicht zugänglich sind - da ist es doch ein Riesenglück, dass wir eine so weitreichende Verfügbarkeit gespielter und aufgenommener Musik haben. Wie bin ich glücklich, das ich jetzt noch das Abbado-Konzert der Berliner Symphoniker mit Mahlers 6. hören kann.


    Vielleicht kann man sich auch besser auf die Musik konzentrieren, wenn nicht die vielen Menschen da sind und die Konzerthaus-Atmosphäre. Und wenn man selbst in der Situation entscheiden kann, wann das Konzert beginnt und wann es endet. Und ob man direkt im Anschluss das gleiche Stück mit einem anderen Dirigenten und Orchester hören möchte (u.s.w.).


    Kammermusik (im besonderen Streichquartette) finde ich im übrigen über meine Anlage oft prägnanter als im Konzertsaal (ich weiß: wahrscheinlich ein Sakrileg, aber es ist so). Der Konzertsaal und live ist für mich auch kein absolutes Kriterium, denn auch dort hängt doch der Klang und der Eindruck entscheidend davon ab, an welcher Stelle man sitzt (oder steht). Ich sitze z.B. am liebsten in den Reihen 9 oder 10 Mitte (was aber nicht immer zu machen ist); in den ersten fünf Reihen zu sitzen lehne ich ab, weil man meist nur Teileindrücke hat und die Interpreten einfach auch körperlich viel zu nah sind. Wenn ich (in diesem Sinne) nicht ordentlich sitzen kann, verzichte ich lieber auf das Konzert.


    Also: Ein entschiedenes Sowohl-als-Auch, aber mit dem deutlichen Schwerpunkt bei der Konserve.


    Die Verabsolutierung der Live-Musik halte ich für wenig überzeugend. Sie ist unverzichtbar, aber kein Argument dagegen, auch tontechnisch reproduzierte Musik zu hören. Mir kommt es entscheidend auf die Interpretation und den Ausdruck an, die historische Aufnahme oder Mono kann mir da wesentlich wichtiger sein. Schön, wenn es auch eine sehr gute Klangtechnik gibt, das erhöht den Genuß noch. Aber eine schwächere Interpretation würde ich allein wegen der Technik nicht lieber hören wollen.


    Mit besten Grüßen


    Matthias

  • Salut,


    die meisten Konzerte sind mir atmosphärisch einfach zu kalt, zu unfamiliär, jeder ist für sich. ICh fühle mich oft so, als sei ich bloß geduldet und - á propos Konserve - eingezwängt in einer Sardinenbüchse. Eigentlich sollte ein Konzert genau das Gegenteil sein bzw. bewirken. Daher gehe ich eher selten in ein Konzert - hinzu kommt, dass ein Programmpunkt, der mir nicht passt, dafür sorgt, dass ich das Konzert nicht besuchen werde. Am schönsten finde ich daher Hauskonzerte im kleinen - persönlichen - Rahmen, bei angenehmer Atmosphäre mit netten Gesprächen in den Pausen, gutem Essen: Wärme, Persönlichkeit, ein Konzert eben, die Musik und die Kunst sollten sich entfalten und wie ein Segen auf den Besucher niederlegen können...


    Grüße
    Ulli

  • Hallo alle miteinander,


    also ich kann mich Typ 3 anschließen. Ich bevorzuge Konzertbesuche, weil es eine Stimmung ist, die eine CD nicht wiedergibt. So geht es mir auch insbesondere bei Opernbesuchen. Aber es kommt natürlich auch immer wieder auf das Konzert bzw. auch auf die Operninszenierung und oft auch auf das Publikum an.


    Sehr gefallen mir natürlich die Schloßkonzerte auf Neuschwanstein, weil der Sängersaal als Konzertsaal eine ausgezeichnete Akustik hat und auch eine besondere Stimmung vermittelt. Man muß dort nicht unbedingt Wagner hören, Mozarts Klarinettenkonzert KV 622 war einfach phenomenal (letztes Jahr). Leider bin ich dieses Jahr nicht dort.


    Leider gibt es dieser ländlichen Gegend nicht sehr viele anspruchsvolle Konzerte, dafür muß man schon nach München fahren und eine ziemliche Fahrzeit einkalkulieren. So ist dies meist nur am Wochenende für mich möglich. In der Zwischenzeit hole ich mir die Musik als CD bzw. auch als DVD ins Wohnzimmer, jedoch ist das mit einem "Live" Konzert für mich nicht zu vergleichen.


    Viele Grüße,
    Susanne

  • Hallo,


    ich bin Typ 2, mit einer kleinen Änderung: wenn ich ins Konzert gehe, dann lege ich Wert auf einen guten Platz.


    Ich mag Konzerte eigentlich sehr gerne, aber das Publikum stört mich. Das fängt beim Husten und Bonbonpapierrascheln an und hört mit der nach 4711 und 3-Wetter-Taft duftenden Dame auf, die hinter mir zu ihrer ebenso riechenden Nachbarin sagt:


    "Bruckner-kenne ich gar nicht, aber wenn´s melodisch ist, warum nicht?"


    Wenn ich zu Hause die richtige Stimmung erzeuge mit einer richtig guten Anlage, dann bin ich sehr glücklich. Ins Konzert gehe ich, wenn ich denke, daß ich wirklich etwas verpassen könnte, was es auch hinterher nicht auf "Konserve" gibt.


    Ja, ich bin menschenscheu, das mag stimmen...


    Meine Lieblingsmusik höre ich in tiefer Mediatation, das geht in einem Konzertsaal leider nicht.

  • Hallo!


    Typ 3 würde ich meinen...


    Ich gehe jetzt seit einem Jahr regelmäßig in den Wiener Musikverein, nachdem ich endlich ein freies Abo bekommen habe und muß sagen, dass ich dies neben dem CD-Hören nicht mehr missen möchte.


    Viel mehr inspirieren mich auch Konzerte mir bisher fremder oder unbekannter Komponisten - wie erst letztes Jahr Stücke von Schnittke oder Elgar - diese dann auf CD zu erwerben. Für mich stellen solche Konzerte bzw. das Abo, wo einfach ein wildes Potpourie zusammengemischt ist, auch was neues kennenzulernen, im Gegensatz dazu nur mir bekanntes "nocheinmal" neu zu hören.


    Wobei das auch so eine Frage ist bezüglich der Investition - klar so Konzerte sind teuer und nehmen auch im Gegensatz zum Zuhausehören mehr Zeit in Anspruch, weil man daneben nichts anderes tun kann und auch etwas Vorbereitung (Anreise, "artgerecht" ankleiden :-)) einplanen muss - für mich hat aber so ein Abend - insbesondere wenn man ihn mit einer netten Person zu zweit verbringt eine andere Qualität - es ist wie etwas besonderes in einem ganz eigenen Rahmen - man freut sich schon drauf und genießt es richtig. Sicher, man kann auch das Hören der CD zuhause auch auf seine Art genießen, aber für mich stellt das Konzert eine Art Abgrenzung zum Alltag dar, wo man von allen anderen "Sorgen" abschalten kann.


    Das mit den anderen Mitmenschen im Saal, die mitten im Konzert Bonbons essen oder eine Zeitung lesen und so hastig blättern stört mich auch zum Teil und hat mich anfangs manchmal auf die Palme gebracht, aber ich habs dann mit der Zeit nicht mehr beachtet und einfach hingenommen. Wenn man dann auch die Diskussionen von so manchen hört seh ichs mit Humor, frag mich aber dann warum die Leute überhaupt ins Konzert gehen.


    Ich habe so ähnliche Ansprüche an die CD wie auch andere schon geschrieben haben - für mich ist die Aufnahmequalität sehr wichtig neben der "Interpretatorischen Qualität" - ich kann Werke auf verrauschten CDs, die zwar von der Interpretation einzigartig sind nicht genießen, wenn dann die Aufnahme nicht richtig ausgesteuert ist oder man das Mischen der einzelnen Takes mitten in den Sätzen raushört oder wenn neue Aufnahmen so "flach" klingen, dass man keinen räumlichen Eindruck mitbekommt.


    Aber abgesehen davon höre ich doch fast jeden Tag ein paar Stunden CD neben der Arbeit, beim Essen usw. - nur kann man sich da nicht so auf die Musik konzentrieren wie bei einem Konzert. Ich mach mir zwar ab und zu mein "eigenes Konzert" indem ich mich hinsetze und dann nur der CD lausche - aber ein richtiges Konzert im Musikverein will ich nicht missen.


    Grüße,
    Andi

  • Der Beitrag von Fuchur bringt mich darauf, daß der Besuch von Konzerten mit zahllosen Hindernissen verbunden ist, obwohl ich ihn nicht missen möchte.
    Hast Du Karten unter der Woche ergattert, so stellst Du just an dem Tag fest, daß Du der wichtigste in der Firma, wenn nicht gar im weltweit agierenden Konzern bist (das ist an allen anderen Tagen, an denen du keine Karten hast, selbstverständlich nicht so).
    Du hetzt mit wehender Krawatte und gescheiten Diskussionsbeiträgen und Analyseaufträgen im Ohr zum Musikereignis und stellst fest, daß es dir eigentlich auf die Nerven geht.
    Meine Alternative, solange ich in Fronarbeit tätig bin, never during the week und wenn, dann mit Urlaub.


    Nun meine im Betreff aufgeworfene Frage?
    Wie geht es Euch? Steckt Ihr das weg? Habt Ihr beneidenswerterweise die Situation gar nicht?

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Hallo,


    mir ergeht es nicht ganz so, aber ähnlich.
    Da ich ja in den letzten Jahren mir ein Saisonabo für 5 Konzerte besorge und ich mir die Termine vorher aussuche, stehen diese Daten dann relativ früh als Konzertabende fest.
    Nun fallen aber plötzlich die unterschiedlichsten Termine genau auf diese Tage, wo man natürlich nicht fehlen sollte.


    So habe ich beispielsweise zwei Konzerte jeweils an den Geburtstagen meiner Eltern gebucht.
    Hätte man natürlich vor der Bestellung dran denken können! :stumm: :O



    Gruß, Peter.

  • Hallo Rienzi,


    da habe ich noch Glück, denn als Schüler stehe ich ja noch nicht vor solchen Problemen.
    Aber ich kann mich da auf die Kirche beziehen, denn dort komme ich nicht gerne gestresst an, sondern lieber mit etwas Luft.
    Man benötigt einfach eine gewisse Zeit, um sich auf das bevorstehende Ereignis vorzubereiten.
    Man muss eine gewisse Einstimmung und Ruhe in sich selbst haben. Dann ist man viel mehr aufnahmebereit und angeschlossener, als wenn man abgehetzt an solche Orte geht und den Kopf und die Gedanken noch ganz wo anders sind...
    Das lässt sich auch auf die Konzertbesuche beziehen, auch wenn ich es da selbst noch nicht erlebt habe...Außer als wir, Peter und ich,im Stau standen und deshalb zu spät kamen. Das war auch nicht so schön, aber da hat man den Kopf nicht mit alltäglichen Dingen voll. Auf der etwas längeren Autofahrt hat man ja Musik gehört und sich unterhalten...



    @Peter
    Ja, die Konzerte hatte ich mir, glaube ich, ausgesucht...
    Aber wir gehen ja in diesem Fall, denke ich, trotzdem hin!?



    Gruß, Maik

  • Für mich steht das Live-Erlebnis an erster Stelle. Ich habe in der Kölner Philharmonie oder Musikhochschule noch nie einen "schlechten Platz" – das ist nicht unbedingt preisabhängig - gehabt. Ein Husten oder Rascheln meiner Mitmenschen stört mich auch nicht und eventuelle "dumme" Gespräche interessieren mich weit weniger als die Musik.


    Musik wird schliesslich von Menschen für Menschen gemacht und wer einmal diesen Moment erlebt hat, wo der Funke zwischen Solist und Publikum überspringt weiss, dass diese "Atmosphäre" kein Tonträger der Welt über keine Anlage der Welt reproduzieren kann. Die scheinbare Perfektion von der häufig geredet wird halte ich für einen ganz gefährlichen Auswuchs der Technik.


    Die Konserve ist für mich eine reine Gedankestütze, die ich nicht geniessen könnte, wenn ich das "Original" nicht kennen würde. Dieser Prozess läuft unbewusst ab. Auf vielen Aufnahmen klingt dieses mächtige Instrument Harfe wie eine Gitarre, aber ich weiss, dass es hier keine gibt, also höre ich eine Harfe.


    Meiner Meinung nach ist fehlende Live Erfahrung auch der Grund, warum viele Leute mit "moderner" Musik nichts anfangen können, denn unbekannte Instrumentierungen können nicht so ohne weiteres adaptiert werden. Ich habe es häufig erlebt das experimentelle Musik live gehört als unglaublich interessant bewertet-, während sie von Konserve zurecht als "Krach" empfunden wurde weil niemand mehr nachvollziehen kann, was die Leute da eigentlich treiben.


    Allein die federnden, hölzernen Klangfarben der 1. Streicher, die sich durch die unterschiedlichen Obertöne der einzelnen Instrumente zu einem Klangteppich ausbreiten klingen in der Reproduktion durch falsche Obertöne oft wie ein einziges, überdimensionales harsches Instrument.


    Und das Erlebnis eines Fauré Requiems in einer akustisch guten Kirche ist durch nichts zu ersetzen.


    Ich hoffe, dass Aussagen "Konserve ist besser als Live" nicht von Geldgebern gelesen werden, denn dann werden Beträge für Kultur bzw. Konzerte zwangsläufig weiter gekürzt, da sie ja scheinbar nicht nötig sind. Und Orchestermusiker, die ihren Beruf ohne Gedanken an finanziellen Gewinn aus reiner Passion ausüben, könnte ich unter solchen Voraussetzungen nur bemitleiden.


    Vielleicht müssen wir irgendwann für Solisten-Aufnahmen kaum etwas bezahlen, während die Aufnahme eines 80 Kopf grossen Orchesters unbezahlbar wird. Und irgendwann wird alles gesampelt und unsere Nachfahren fragen sich, wie die früheren Menschen so komische Töne zustandegebracht haben. Aber bis dahin ist’s noch ein weiter Weg.


    Das erinnert mich ein wenig an den Ausgrabungsort historischer Automobile wo die Entdecker zu dem Schluss kommen, dass die früheren Menschen drei Beine gehabt haben müssen :D.


    Grüsse
    Walter

  • Salut Walter,


    Zitat

    Die scheinbare Perfektion von der häufig geredet wird halte ich für einen ganz gefährlichen Auswuchs der Technik.


    Wobei ich Dir nebenbei zustimme, verweise ich auf diesen und diesen Thread, die Dich beide vielleicht interessieren könnten.


    Auch bezüglich des Fauré-Requiems meine Zustimmung, besonders, wenn ich an die beiden Geigensoli denke... seufz.


    Beste Grüße
    Ulli

  • >>die Dich beide vielleicht interessieren könnten.<<


    Hallo Ulli,


    danke für die Threads - über alles gesehen sieht ja alles noch ganz gut aus.


    Ich habe hier fast jeden Morgen ein einschneidendes Erlebnis:


    Ich komme an einem Ballettsaal der Kölner Musikhochschule vorbei, und die hauen dort schon in der Frühe vehement in die Tasten. Man hört drei Strassen weiter (und das ist ein sehr schlechter Hörplatz), dass es ein Flügel und eben keine Konserve ist weil das stimmende Ein- und Ausschwingverhalten und die fehlerfreien Obertöne den "Körper" des Instrumentes mittransportieren.


    Dagegen klingt eine Klavierkonserve aus einer Wohnung als wenn eine tollwütige Ratte über'n Xylophon flitzt 8o.


    Siehste, denke ich dann und geh' weiter :D.


    Grüsse
    Walter

  • Hallo Rienzi!

    Ich gehe auch oft direkt vom Büro ins Konzert oder in die Oper, habe aber damit kein Problem, sobald die ersten Takte der Musik erklingen, fällt der Alltag von mir ab und ich konzentriere mich nur noch auf die Musik und entspanne mich in diesem Moment total. Auch beim CD hören gehts mir so. Ich gebe aber zu, dass es mir in jüngeren Jahren leichter gefallen ist, mehrmals in der Woche ins Konzert oder in die Oper zu gehen, jetzt achte ich darauf, dass zwischen den Konzertbesuchen 2-3 Tage Pause liegen, sonst schaffe ich Büro, Haushalt und die Sorge für meine pflegebedürftige Mutter nicht mehr, werde nervös, aggressiv und dann würde mir mit der Zeit sicher auch die Musik auf die Nerven gehen, so weit will ich es gar nicht kommen lassen, also lieber weniger Quantität und mehr Qualität bei den Konzertbesuchen als früher.

  • Dann darf ich mich gleich bei meinem ersten Beitrag als radikaler Vertreter des 2.Typs outen...


    Mein letzter Konzertbesuch war etwa (genau kann ich das nicht mehr sagen) Mitte der 80er Jahre, Lynn Harell mit Elgar, Bazewicz und Bach. Ein Konzert mit Barockmusik habe ich auch mal irgendwann besucht und meine Eltern haben mich in den 60ern mal zu den Donkosaken mitgenommen :D


    Ich will den Konzertbesuchern gern das Besondere eines Konzerts zugestehen, auch einräumen, daß die CD einem Liveerlebnis klanglich unterlegen sein kann. Aber ich habe weder Zeit noch Lust, abends von meinem Dorf nach Köln oder Bonn zu fahren, im Stau zu stehen, einen Parkplatz zu suchen, in der einen Hand womöglich einen Schirm, nervendes Leutegewimmel, Lärm, (Chips oder Popcorn gibt's ja wohl im Klassikkonzert nicht) und abends das Ganze wieder rückwärts. Nee...


    Lieber lege ich gemütlich das von mir zusammengestellte Programm in den CD-Spieler, setze die Kopfhörer auf und genieße die Musik. Ich kann eine Pause machen wann ich will, Passagen wiederholen, lauter oder leiser stellen, kurz, ich bin der Chef, nicht jemand anders.


    Der entscheidende Vorteil des Heimkonzert ist allerdings die Auswahl an Künstlern. Kempff, Furtwängler, Cortot, Solomon, Mengelberg und so viele andere der von mir bevorzugten Künstler treten live nur noch sehr selten auf... :rolleyes:


    Bis auf weiteres habe ich an einem Konzertbesuch kein Interesse und vermisse ihn auch nicht.

  • Hallo Taminoianer,


    ich habe mich im Laufe der Jahre vom Typ 3, der ein Abo beim RSO Leipzig hatte, öfter ins Gewandhaus zu Masur pilgerte und auch ziemlich oft in der Oper war, mittlerweile zu einem bekennendem Stubenhocker gewandelt.
    Da hatte und hat viele Gründe. Als insgesamt recht ausgeruhter Student wäre ich nie auf die Idee gekommen, ein abendliches Konzert wegzulassen. Als ich dann den beruflichen Streß in seiner ganzen Wucht ;) zu spüren bekam, ging es mir so wie Rienzi und ich habe das eine oder andere Abo-Konzert ausfallen lassen - und mich hinterher dann ziemlich geärgert, mit dem Resultat, das Abo nicht zu erneuern.
    Klar ist ein Live-Erlebnis etwas ganz besonderes, aber eine Musikkonserve höre ich mir halt an, wann ich will und wenn ich es satt habe, mache ich einfach aus und tue etwas anderes - was in einem Livekonzert ja mindestens eine grobe Unhöflichkeit wäre.
    Ansonsten geht es mir ähnlich wie Robert. Man wird halt etwas bequemer... :rolleyes:


    Viele Grüße
    Reinhard


    PS: In die Oper traue ich mich nicht mehr. Was man da so über moderne Inszenierungen liest, da wäre mir mein Geld wirklich zu schade. Das müßte dann schon eine von Alfred empfohlene Aufführung sein. :D

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Liebe Forumsgemeinde!
    Mich würde einmal interesssieren, wie ihr das Verhältnis von Live-Konzert zum Konservenhören seht und bewertet:
    Was bedeuten euch beide Arten des Musik-Erlebens?
    In welchem Verhältnis steht das Eine zum Anderen?
    Gibt es eine Reihenfolge in der Wertigkeit?
    Seht ihr das Musikhören aus Lautsprechern als eine Notlösung an oder als ein gleichwertiges Aliud?
    Wie ist die prozentuale Aufteilung?


    Nach dieser Vorrede will ich gerne mit mir anfangen:
    Ich gestehe, dass ich seltener ins Konzert gehe als früher - wahrscheinlich auch seltener als die Mehrheit hier im forum.
    So gerne ich mich an einzelne große Konzert-Ereignisse erinnere, scheue ich doch oft den Aufwand und die Begleitumstände. Oft stört mich das Publikum um mich herum - und die Belanglosigkeit, die manche Abo-Inhaber offen zur Schau tragen. Außerdem schaffe ich es nicht immer, mich zum festgelegten Termin in der erwartungsvollen Bereitschaft wiederzufinden, die ich für ein solches Ereignis gerne aufbringen möchte.
    Zu Hause genieße ich den Luxus, in einem abgeschiedenen Raum über eine gute Anlage aus einem Fundus von mehreren 1000 CDs schöpfen zu können. Hier bin ich frei, hier liegt mir die Welt der Kunst zu Füßen.
    Ich sehe schon, dass man den Kontakt zur Konzertwirklichkeit nicht ganz verlieren darf. Allerdings betrachte ich das Erleben klassischer Musik aus der Konserve durchaus als ein gleichwertiges Gut, als einen Kosmos, der über weite Strecken für sich selbst bestehen kann, zumal man sich nur auf diese Weise die Großen der Welt von einst und heute nach Belieben engagieren kann.


    Auf Künstlerseite gibt es diese Einstellung ja auch ab und zu: So habe ich viel Verständnis für Glenn Gould, der sich in den letzten Jahren seines Lebens nur noch mittels Mikrofon und nicht mehr im Konzertsaal zu Wort gemeldet hat.
    Bin sehr auf eure Antworten gespannt!


    Gruß!
    CRC