Mein liebster "vergessener" Komponist

  • Liebe Forianer,


    man sollte glauben, daß die "liebsten" - Threads schon vollkommen ausgeschöpft sind - aber nein manchmal fällt mit doch war neues ein:


    Jeder von uns hat doch einen oder auch mehrere Komponisten im Hinterkopf, die er sehr liebt - die aber von der Musikgeschichte eher nicht so beachtet wurden. Man wird feststellen, dass die Meinungen der einzelnen Mitglieder stark divergieren - wenn es darum geht die ihrer Meinung nach wichtigsten Komponisten zu benennen.


    Geben wir der Sache noch eine fiktive Story - damit die Sache interessanter und spannender wird: Stellt Euch vor jeder darf einen Komponisten benennen der ihm persönlich sehr am Herzen liegt - der aber von der Musikgeschichte und den Konzertveranstaltern - und teilweise auch von den Plattenfirmen "vergessen" wurde - und weil Ostern ist - akzeptiere ich bis 3 Stück pro Person , wobei einer bevorzugt werden sollte, also eine Reihung ist notwendig.
    Die 5 meistgenannten bekämen dann eine Aufnahmeserie ihrer wichtigsten Werke - schön wärs !!! :baeh01:


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Tolles Thema, lieber Alfred!


    1. Heinrich Ignaz Franz von Biber - trotz seiner Prunkmessen total vergessen.
    2. Giovanni Paisiello - zählt bestimmt auch eher zu den Vergessenen.
    3. Johann Pachelbel - seinen Kanon kennen wohl selbst die meisten Laien, aber alles andere? Wohl eher Fehlanzeige.

  • Oh ! Ein wirklich schönes Thema und da hätte ich auch schon eine ganze Handvoll :D



    Da ich meinen Hausgott sowie Kraus langsam auf dem Vormarsch sehe, bleibe sie raus, da gibt es wesentlich schlimmere Benachteiligungen:




    Platz I:


    Pietro Antonio Cesti


    für mich ein ganz großes Genie, mit Einspielungen und Aufführungen sieht es mehr als fFinster aus.
    Eines der größten Genies der Barockoper und genialsten Komponisten des 17. Jahrhhunderts.


    man beachte diesen Thread :D


    Antonio Cesti - Meister des italienischen Frühbarock


    Platz II:


    Jean de Cambefort


    Oberhofmeister der Musik des Königs vor Lully.
    Einspielungen: nada
    Aufführungen: wenn nur sehr selten
    ergo: unverschämt


    Platz III:


    Agostino Steffani


    für mich eine der schillernsten und genialsten Musikerpersönlichkeiten des Barock - auch hier gibts einen Thread:


    Steffani, ein italienischer Lullist in Deutschland



    Einspielung gibt es nur sehr wenige, vor allem seine Opern die eine perfekte Verbindung zwischen frz. und ital. Stil darstellen gehören eingespielt und aufgeführt - besser gehts kaum noch - Lully und Händel in einem könnte man fast sagen...

  • Hallo Alfred,


    ich weiß nicht, ob er als vergessen gilt, er wird aber zumindestens hier im Forum wenig beachtet.
    Auf Orgelkonzertprogrammen findet man ihn ab und zu.


    Ich nominiere Maurice Duruflé.



    Seine Orgelwerke sind durch die Bank weg toll, das Requiem erinnert sehr in seiner Art und Weise an Faurés Requiem.
    Ein Komponist, der leider nur ein sehr überschaubares Oeuvre hinterlassen hat.


    Es gibt immerhin schon einen Thread über ihn.



    Gruß, Peter.

  • Ich reihe ungern, aber wenn's sein muss...


    Also, erster Platz: Alemdar Karamanow, russischer Symphoniker, meines Wissens nach noch am Leben. Seine Musik verwendet von der Tschaikowskij-nahen Kantilene bis zum Cluster sämtliche Möglichkeiten, Geräusch und Schönklang liegen nahe beisammen. Die Kommunisten schätzten Karamanow eher weniger - kein Wunder, zahlreiche seiner Werke sind religiös inspiriert, und Karamanow verschleierte es nicht. Für mich einer der letzten, allerletzten großen Symphoniker.


    Zweiter Platz: Nicolas Obuchow (auch Obouchov), russisch-französischer Komponist (1892-1954). Entwickelte in der Nachfolge Skrjabins ein zwölftöniges System, in dem Zwölfklänge ohne Tonverdoppelungen formale Abschnitte bestimmen. Die einzelnen Töne sind dabei in der Oktave fixiert, soll heißen, dass, solange der entsprechende Klang Gültigkeit hat, beispielsweise cis immer nur als cis'' und d nur als D auftritt etc. Wäre ja gar nichts so Besonderes, halt eine Spielart des Seriellen. Nur, dass Obuchow etwa 1920 so komponierte und starb, ehe dieses System von Messiaen, Boulez und Stockhausen perfektioniert wurde. Demenstprechend klingt Obuchows Musik geradezu verwegen modern, die drei Werke, die ich von ihm kenne, hätte ich um mindestens 30 Jahre und eine ganze dazwischenliegende Entwicklung falsch datiert.


    Dritter Platz: Charles Tournemire (1870-1939), französischer Komponist. Baut auf modalen Verfahrensweisen auf, entwickelt einen Akkordstil, der auf Messiaen vorausweist. Schrieb großformatige Symphonien wie "Danses de la vie", in denen er Mittelalterliches und kühne Klangvisionen mischt und in klaren, intensiven Farben gestaltet. Komponierte u.a. eine Operntrilogie über Faust, Don Quichotte und Franz von Assisi und einen "Tristan", wobei der Orchesterpart symphonisch durchgearbeitet und der wahre Träger des Ausdrucks ist.

  • Hallo alle Miteinander,
    Vor nicht allzulanger Zeit habe ich in klingsor's thread eine längere Post über Wilhelm Petersen geschrieben.


    Da ich dies jetzt aus Respekt vor klingsor nicht einfach hier hereinkopieren möchte, bitte ich diejenigen, die dies interessiert, einmal unter dem "vernachlässigte deutsche Komponisten" Thread nachzuschauen.


    Meine Liste sieht dann so aus.


    1. Wilhelm Petersen
    2. Karl Höller
    3.Wjatscheslaw Owtschinnikow


    Während Petersen und Höller jetzt noch irgendwie bekannt sein dürften( so hoffe ich inständigst), möchte ich hiermit auf die überwältigende, leider nicht erhältliche Sinfonie Nr.1 von Wjatscheslaw Owtschinnikow(geb. 1936) hinweisen.


    Vladimir Ashkenazy hat sie um 1990 herum mit seinem damaligen RSO Berlin im Westen vorgestellt, es gibt außerdem noch eine Melodyia-Aufnahme unter Maxim Schostakowitsch mit seinem damaligen Moskauer RSO von 1974.


    Wjatscheslaw Owtschinnikow, der weitere Sinfonien, u.a. für Streichorchester sowie Filmmusiken für u.a. die Sergei Bondartschuk-Fassung von "Krieg und Frieden" erstellte (hier gehört sein "Ave Maria" aus dieser Filmmusik in den "Ave Maria-Thread") , die meiner Meinung nach die bislang beste Umsetzung dieses Stoffes ist (ohne jetzt Nino Rota und seine Musik zur Hollywood-Fassung schmälern zu wollen) komponierte diese seine 1.Sinfonie mit nur 19 Jahren.


    Diese Sinfonie ist für mein Dafürhalten ein unglaubliches Meisterwerk.


    Höchstwarscheinlich hat Wjatscheslaw Owtschinnikow die Qualität dieser Sinfonie später nie wieder erreicht, aber sei's drum.


    Alleine für diese Sinfonie ist ihm meine Hochachtung und Bewunderung sicher.


    Er scheint in der ehemaligen UDSSR sehr beliebt gewesen zu sein.


    Ich hoffe sehr, daß es irgendwann eine neue, allgemein zugängliche Aufnahme dieser Sinfonie geben wird!


    Viele Grüße,


    Michael

  • Sieh einer an, da kennt Michael also auch diese fabelhafte Jugendsymphonie Owtschinnikows!
    In der Folge habe ich versucht, an alles heranzukommen, was es sonst noch von ihm auf Platte gab - wobei der Laden der Kommunistischen Partei Österreichs mehrfach zugeben musste, dass es mit Lieferungen aus der Sowjetunion nicht so einfach sei, man müsse nehmen, was angeboten wird, es sei eben ein anderes System etc. Allein dafür ist die Suche schon dafürgestanden...
    Sie hat aber auch eine Zweite Symphonie eingebracht, in der ein riesiges Streichorchester wie ein volles Orchester klingt. Das Werk ist dem Raumfahrer Yurij Gagarin gewidmet, mit dem sich Owtschinnikow später noch in einer Kantate befasst. Und dann fand ich noch ein (leider sehr heroisches) Poem zu irgendeinem KPdSU-Jubiläum (gab ja praktisch jedes Jahr eines...).
    Jedenfalls ist Owtschinnikow ein großer Könner, fest verwurzelt in der russischen Tradition, aber durchaus von eigenständigem Charakter.
    Sein wirkliches Meisterwerk ist IMO die Musik zu "Krieg und Frieden": Sie besitzt über weite Strecken symphonischen Anspruch, ist motivisch detailfreudig komponiert und steht in der Tradition der großen russischen Filmmusiken von Schostakowitsch und Prokofjew. Wer sich für Bondartschuks Verfilmung interessiert: Auf 5 DVDs gibt es sie bei "www.ruscico.com" in russischer Originalsprache mit deutschen Untertiteln. Die Firma ist absolut zuverlässig, was es leichter macht, den Preisschock zu überwinden.

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Jeder von uns hat doch einen oder auch mehrere Komponisten im Hinterkopf, die er sehr liebt - die aber von der Musikgeschichte eher nicht so beachtet wurden.


    Darunter fallen Biber, Paisiello, Pachelbel, Cesti und Steffani aber auf keinen Fall. Das Problem ist, dass Alfred musikgeschichtliche Beachtung und (nachher) Konzertbetrieb vermischt, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.


    Ich weiß zwar von vielen Komponisten, dass sie musikgeschichtlich hochgehalten werden (wie die genannten Barockkomponisten), schwer tue ich mich, für Komponisten die Behauptung aufzustellen, dass sie musikgeschichtlich NICHT "so" beachtet worden wären (selbst bei Obuchov zweifle ich mal daran).


    Die Dreizahl ist aber ohnehin auch abschreckend ...

  • Hallo,


    einer meimner eher harmloseren Fehler besteht darin, Threads zu starte - und dann vergessen mich dran zu beteiligen. Das soll mir diesmal nicht passieren...


    Daher also meine 3 Vergessenen Komponisten, die ich gerne wieder ins Konzertleben bzw auf die Opernbühne rückgeholt sähe:



    Ferdinand RIES (1784-1838 )


    Begründung. Es gibt durchaus einige Komponisten, die Mozart nahekommen, wenngleich nicht in seiner Vielfalt - so doch als Spezialisten einiger Bereiche. -Jedoch es gibt keinen mir bekannten Komponisten dr zweiten Reihe, der Beethovens Stil nahekommt -mit einer Ausnahme: Die Ausnahme heisst Ferdinand Ries - besonders ausgeprägt ist die Ähnlichkeit bei den Sinfonie - jedoch wird nirgenswo ein Beethoven Thema zitiert. Bei öfterem Anhören seiner Sinfonien entdeckt man zudem noch, daß Ries auch eine durchaus eigenständige Musiksprache einsetzte - und daß die absolut hörenswert ist.




    Joachim RAFF (1822-1882)


    Begründung: Zu ´Lebzeiten wurde Raff immer wieder zu den führenden Komponisten seiner Zeit gezählt, speziell seine Instrumentationskunst wurde von Zeitgenossen durch das Wortspiel "RAFFiniert" definiert. Seine erste Sinfonie op 96
    "An das Vaterland" wurde mit einem Preis der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien ausgezeichnet. In der Juy sassen damals u.a
    Karl Reinecke, Ferdinand Hiller, Robert Volmann und Vinzenz Lachner.


    Heute ist er nicht kompatibel mit derzeit verordnetem "Zeitgeist" -
    er benutzte volkstümliche Themen in seinen Sinfonien, und gab ihnen Namen wie " Aus Thüringen", "An das Vaterland", "in den Alpen" etc.....
    Ich werde mich in naher Zukunft mit einer weiteren seiner Sinfonien befassen....




    Giovanni PACINI (1796-1867)


    Begründung: Aus meiner Sicht steht er den andern drei großen Meistern des Belcanto , Rossini, Bellini und Donizetti in nichts nach -
    die Musik ist traumhaft schön. In einer Zeit wo immer beklagt wird, daß immer dieselben Werke am Spielplan stehen wäre seine Wiederentdeckung sicher willkommen....



    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Hallo allerseits,


    die Schwierigkeit, die sich mir bei der Beantwortung dieser Frage stellt, ist die Definition des Begriffs 'vergessen'. Das heißt, von welchen Faktoren hängt es ab, daß ich einen Komponisten als vergessen einstufen muß und ab wann kann ich ihn und sein Oeuvre zu den wenigstens halbwegs bekannten zählen?


    Trotzdem kamen mir recht bald - nach Abwägung von verschiedenen Faktoren - drei Komponisten in den Sinn, die auch nach Erschließung von großen Teilen des Nischenrepertoires durch kleinere CD-Labels noch immer nicht im Bewußtsein einer gewissen Öffentlichkeit verankert zu sein scheinen.


    Und zwar handelt es sich bei allen dreien meiner vergessenen Lieblinge um leider allzu früh verstorbene Tonschöpfer, die jedoch bereits zu ihren Lebzeiten aufgrund ihrer enormen Begabung zu großen Hoffnungen Anlaß gegeben haben (mögen).


    1. Rudi Stephan (1887-1915)


    2. Lili Boulanger (1893-1918)


    3. Guillaume Lekeu (1870-1894)


    Vermutungen über die Gründe des Vergessenseins kann man immer wieder anstellen:
    Ist das hinterlassene Gesamtwerk der genannten Komponisten zu klein, als daß es sich gegenüber den umfangreicheren Oeuvres der Zeitgenossen bislang nicht durchsetzen konnte?
    Existieren zu große Vorurteile gegenüber einem in diesen Fällen angeblich "unfertigen" Kompositionsstil? Obwohl es sicher auch immer wieder reizvoll sein kann, darüber zu spekulieren, in welche Richtung sich dieser oder jener Komponist weiterentwickelt hätte.


    Natürlich hätte ich noch weitere beim Publikum leider vollkommen unbekannte und von Konzertveranstaltern sträflich vernachlässigte Komponisten anführen können, (die nicht zu den früh verblichenen gehören), wenn mehr Nennungen erlaubt gewesen wären:
    Albéric Magnard (1865-1914) wäre z. B. solch ein Fall - außerdem ein weitaus vergessenerer Komponist und gesuchter Kompositionslehrer aus deutschen Landen (Frankfurt a. M.):
    Bernhard Sekles (1872-1934).


    Schöne Grüße
    Johannes

  • Meine 3 (da Carl Stamitz bereits genannt wurde, kann ich ihn hier guten Gewissens mal außen vor lassen) "Vergessenen":


    1. Johann Adolf Hasse (1699-1783)


    2. Louis Spohr (1784-1859)


    3. Arthur Sullivan (1842-1900)


    Wann immer ich von den Dreien (ok - mit Stamitzens Carl wären es 4) etwas Neues mitbekomme, werde ich sofort hellhörig!
    Bin bisher auch selten enttäuscht worden, was neuangeschaffte CDs anbetraf.

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Den guten Reinhold Gliere (dessen Vorname sich auf russisch übrigens "Reingold" schreibt und spricht!) würde ich kaum als "vergessenen Komponisten" bezeichnen. Von der Dritten Symphonie gibt's derzeit immerhin vier Aufnahmen im Westen, nicht gerechnet die russischen Einspielungen. Von der russischen Gliere-Generation würde ich da schon eher Michail Matjuschin nennen, dessen Oper "Sieg über die Sonne" (um 1913) geradezu ein futuristisches Manifest sein soll mit einem Text, der teilweise aus phonetischem Material besteht und einer Musik, in der Vierteltöne prominent vertreten sein sollen.

  • Das hängt mit seiner unrühmlichen Rolle in der Sowjetmusik zusammen. Es gibt angeblich nicht viel mehr über ihn zu berichten, als daß er eben ein braves Parteimitglied war, das linientreue Musik schrieb. Wobei diese innerhalb der linientreuen Produktion immer noch relativ hohe Qualität erreicht und nicht so grauenhaft verlogen daherkommt wie ein Chrennikow.

  • Igendwann im Herbst 2007 riss hier der Faden ab - und aus wars mit dem Thread über vergessene Lieblingskomponisten. Dabei war das Thema längst noch nicht erschöpft. Im Herbst werde ich überprüfen wer von den genannten sich für eingen eignen Thread eignet. Inzwischen können sich die Neumitglieder der letzten 7 Jahre - so sie wollen - an diesem Thread beteiligen und ihn fortführen (Ich darf ja leider nicht mehr - meine 3 Kandidaten sind schon genannt.
    Wer Interesse hat, der möge bitte zuerst die "Spielregeln" und die "Aufgabe" im Eröffnungsbeitrag (Nr1) nachlesen....
    Das Interesse an diesem Thread dürfte bei den Aussenstehenden größer sein, als bei den Mitgliedern - immerhin gibte es über 5000 Seitenaufrufe - OK - über die Jahre verteilt - aber dennoch beachtlich....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    clck 5068

  • Liebe Taminos,


    wenn man wie ich fast nur vergessene Komponisten hört, ist eine Nominierung doch recht schwer - es gibt ja doch so viele vergessene Schätze die es wert sind endlich mal wieder aufgeführt zu werden.


    Meine Nummer eins ist dennoch einfach - es ist der Däne Ludolf Nielsen (1876-1939), den ich immer wieder als meine größte Entdeckung meinen Freunden vorstelle. Herrlich spätromantische Musik, die herrlichen Melodien, grandiose Spannungsbögen und eine vollkommende Orchestrierung haben fast alle seine Werke inne. Es gibt mindestens einen hier im Forum, dem die Musik ebenso zusagt wie mir! Sein Werk umfasst drei Sinfonien, wovon die letzte als eine der größten skandinavischen Sinfonien gelten kann, drei Opern (zwei unaufgeführt), Sinfonische Dichtungen, zahlreiche Lieder und einige salonhafte Klavierstücke, von denen einige Aufnahmen auf youtube zu hören sind.


    Meine Nummer zwei ist auch noch recht einfach - es ist der Ire Sir Hamilton Harty (1879-1941). Eigentlich ein genialer Dirigent, der sogar als bedeutendster Britischer Dirigent vor dem zweiten Weltkrieg gilt, hat - fast als Hobby - auch komponiert. Dabei sind geniale sinfonische Dichtungen und die irische Sinfonie entstanden. Fast alle Werke haben einen irischen Klang inne, der seine große Heimatliebe ausdrückt. Auch Harty ist ein Genie der Orchestrierung und ist zudem hervorragender Melodiker. Mein liebstes Werk sind die Dichtung "With the Wild Geese" sowie die "Ode to a Nightingale", die erst vor kurzem mit mir ihre deutsche Erstaufführung erfuhr.


    Die Nummer drei ist doch sehr schwer - Kurt Atterberg, Hakon Börresen, Richard Wetz oder auch Gösta Nyström stehen zur Auswahl, müssen letztendlich aber doch Wilhelm Peterson-Berger (1867-1942) den dritten Platz einräumen. Obgleich seine Sinfonien zweifellos durch ihre hohe Qualität und vorallem durch die farbige Instrumentation bestechen, sind es doch seine bezaubernden Klavierminiaturen Frösöblomster die ihn berühmt machten. Schwedischer kann die Musik wirklich nicht sein. Betörende, oft lautmalerische Melodien in einem meist schlichten Klaviersatz machen diese Werke aus, die zurecht in Schweden als Volksgut angesehen werden.


    Wie ist nun ist, existieren bereits zu allen dieser Komponisten Threads (von mir, sowie einer von Alfred). Dies ist kein Wunder, denn wenn man nun mal von einem Werk bzw. Komponisten fast uneingeschränkt begeistert ist, möchte man nunmal auch gerne andere "bekehren" und dazu bringen ebenfalls diese Schätze kennenzulernen.


    Beste Grüße
    Christian

  • 2006 (!) machte hier schon mal mit. Ich denke, nach acht Jahren darf ich eine Aktualisierung durchführen.


    - Hans Rott (für seine [leider einzige] Symphonie)
    - Sir Granville Bantock (für unzählige Orchesterwerke, etwa "Overture to a Greek Tragedy")
    - Sir William Walton (besonders für seine Symphonie Nr. 1, den Marsch "Crown Imperial" sowie die Filmmusik zu "Henry V" und "Richard III")


    Ich gebe zu, dass man bei Walton streiten könnte. Er ist relativ gesehen sicher weniger vergessen, aber dennoch steht er noch immer zu Unrecht im Schatten vieler anderer.

  • Ja, das ist schwierig hier "nur drei" zu nennen. 10 fiele mir einfacher. Aber ich nenne mal drei, bei denen ich schon seit längerem denke, dass sie zu Unrecht vergessen oder unterbewertet wird.


    Andrej Eshpai ist ein marischer Komponist und schreibt Musik, die stark vom frühen Stravinsky (Petrushka, Sacre), Prokofieff und Shostakovich beeinflusst ist, aber aufgrund der Einbeziehung marischer Volksmusik einen ganz eigenen Zauber entfaltet. Einige seiner Werke (4. Symphonie) gehören mit zu den spannendsten Musikwerken die ich kenne. Er hat 9 Symphonien, div. Ballette und Konzert für fast jedes Instrument gespielt. Ich habe bisher noch kein schlechtes Stück von ihm gehört und kenne ca. 15. Aus irgendwelchen Gründen gibt es bisher nur alte Melodiya-Aufnahmen seiner Musik teils in fragwürdiger Tonqualität (als wenn im Flugzeughangar aufgenommen). Hier wäre unser Werbepartner-Label gefragt, mal vergleichbar Panufnik eine aktuelle Serie aufzulegen.


    Ernest Bloch ist ein jüdisch-schweizer-amerikanischer Komponist, der zwar nicht völlig vergessen ist, aber meist nur mit einem Cellostück in Verbindung gebracht wird. Seine frühe cis-moll Symphonie halte ich für einen der größten Geniestreiche eines angehenden Komponisten, die ist bei mir vergleichbar hoch angesiedelt wie die von Hans Rott. Seine 5 Streichquartette sind alles Meisterwerke, deren Rang leider bisher nicht zur Kenntnis genommen wurde. Was u.a. daran liegen mag, dass es keine erstklassige Einspielung gibt, die vermutlich beste ist vom Griller Quartett aus den 50ern und in Mono.


    Wilhelm Stenhammar ist ein schwedischer Komponist. Seine Orchesterwerke und Klavierkonzerte erfreuen sich einer gewissen Beliebtheit bei einigen Kennern. Seine 6 (7) Streichquartette werden gerade erst entdeckt und offenbaren ein kammermusikalisches Oeuvre, das dem von Sibelius und Nielsen ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen ist. Damit ist er für mich der bedeutendste schwedische Komponist um die Jahrhundertwende.

  • "Kurzstückmeister" hat in Beitrag Nr 10 zu Recht darauf hingewiesen, daß ich "vergessen von der Musikgeschichte" mit "vergessen im Konzertbetrieb" (und weitgehend auch von der Tonträgerindustrie) miteinander vermischt habe.
    In der Tat meine ich hier eher letzteres. Was nützt schon, wenn ein Komponist als "bedeutend" eingsetuft wird - indes niemand seine Werke hören will - oder nicht hören kann - mangels an Aufführungen, bzw Aufnahmen.
    In meinem Beitrag Nr 12 - vor mehr als 8 Jahren - nominierte ich beispielsweise auch Ferdinand Ries und Joachim Raff. Ob die beiden heute noch als "vergessen" bezeichnet werden können ? Gewiss - sie sind auch Heute im Konzertleben nicht wirklich verankert - aber an Tonaufnahmen mangelt es indessen nicht - und der Trend zu weiteren Neuaufnahmen der beiden Komponisten hält an....


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Meine liebsten "Vergessenen"? Hm, da fällt mir an erster Stelle ein großer Pianist des 19. Jahrhunderts ein, dessen Kompositionen im 19. Jh. in unnachahmlicher Weise gelobt wurden (im Gegensatz zu einigen Werken Liszts) und mich durch ihr Feuer packen. Für mich keine Musik für jeden Tag, aber dennoch zu Unrecht so selten gespielt.


    Sigismund Thalberg (1812–1871) eher bekannt als pianistischer Gegenspieler Liszts (er war wohl einer der wenigen, die mit dessen Spiel mithalten konnten und erntete großes Lob von Clara Wieck) mit seinem Klavierkonzert in f-Moll und den Fantasien über Opern von Bellini und Rossini. Man kann nur hoffen, daß ihm Ähnliches widerfährt wie Liszt, der einige Zeit von Pianisten nicht sonderlich geschätzt wurde (Maestro Brendel hat sich als einer der ersten ganz großen vehement für Liszt stark gemacht). Ich würde mir zumindest wünschen, daß einige Werke mehr in den Katalogen erschienen, bei den Klavierwerken stehen aber vielleicht die extremen technischen Anforderungen etwas im Weg? (nach dem Motto "wenn schon schwer, dann wenigstens Liszt")


    Mit bestem Gruß
    JLang

  • Andrei Eshpai (1925 - )
    Genau wie Lutgra in Beitrag 26 bin ich ebenso begeistert von Andrei Eshpai, der für meinen Geschmack eines der besten und interessantesten Orchestzerwerke des 20.Jhd vorgelegt hat. Umso mehr verwundert mich die magere Verfügbarkeit auf CD ... ich kaufe jedenfalls alles, was auf dem Markt angeboten wird. Und genau - es ist nicht ein Werk dabei, das nicht gefällt.
    Eines der tollsten Hammer-Stücke sind das Concerto grosso, sein KK Nr.2 und die Sinfonien Nr.4 und 5.


    Fikret Ämirow (1922 - 1984)
    Aserbaidschanischer Komponist der die Folklore seiner Heimat in allen Werken unüberhörbar verarbeitet und verwendet. Die Sinfonischen Mugams Nr.1-4 sind eines der meistgespieten Stücke (auch auf NAXOS in einer kurzweiligen (aber nicht von allen geschätzten) Fassung mit Yoblonsky zu haben) und ganz gross das Ballett Die arabischen Nächte. Keine Sinfonien !


    Boris Tschaikowsky (1925 - 1996)
    Nochmal die gleiche geografische Richtung und altermässig die gleiche Komponistengeneration. Dieses mal direkt aus Russjand, Moskau. Sein Schaffen wurde von Schostakowitsch (sein Lehrer), Rostropowitsch, Kondraschin und dem vielfachen Dirigenten seiner Werke Fedossejew hochgelobt. Trotzdem blieb er wie die beiden Ersten recht vergessen. Sein Sinfonisches Schaffen umfasst 4 Sinfonien, die programmatisch sind, ein ganz famoses Klavierkonzert (1971), ein VC (1969), ein CC (1964), zahlreiche Sinf.Dichtungen u.a.
    Rein kompositionstechnisch dürfte es der "aufwenigste" und fachmänisch Ausgeklügelste meiner 3 Genannten sein. Die Tonalität wird bei ihm nie ganz aufgegeben, wodurch er wie alle Drei in geniessbaren Bereichen bleibt.