Emma Kirkby - The Queen of Early Music

  • Emma Carolyn Kirkby wurde am 26. Februar 1949 in Cambridge geboren. Sie studierte in Oxford Altphilologie. Dabei beteiligte sie sich am reichen musikalischen Leben in der Universitätstadt. Sie beschreibt ihre musikalischen Anfänge so:


    „Ich habe in der einen oder anderen Form mein Leben lang gesungen. (…) Ich hatte das große Glück, Schulen zu besuchen, wo jeder zum Singen und Spielen ermutigt wurde; als Klavierspielerin war ich schrecklich, aber als Chor- und Madrigalsängerin war ich nicht schlecht. Die Musik von Byrd, Gibbons und den anderen zog mich mit ihrer intimen Perfektion, ihren wunderbar ausgewogenen und mit einander verwobenen Melodien sofort an.“



    Emma Kirkby nahm Gesangsunterricht bei Jessica Cash. Sie hatte aber nicht vor, Profi-Sängerin zu werden, sondern wurde Lehrerin. In ihrer Freizeit sang sie in Ensembles und konzentrierte sich immer auf Alte Musik. Seit 1971 gehörte sie zum Taverner Choir, und seit 1973 ist sie Mitglied im Consort of Musicke. Dann begann ihre langjährige Zusammenarbeit mit der 1973 gegründeten Academy of Ancient Music und ihrem Leiter Christopher Hogwood.


    Trotz ihrer musikalischen Karriere behielt sie immer die Verbindung zur Altphilologie und Altertumswissenschaft. Beide Wissenschaften haben die musikwissenschaftliche Arbeit stark mit geprägt. Für ihr fachliches Engagement wurde Emma Kirkby 2000 von der Classical Association mit der Ehrenpräsidentschaft für ein Jahr ausgezeichnet. Statt des üblichen wissenschaftlichen Fachvortrages gab sie gemeinsam mit Rooley ein Konzert mit Lautenliedern, der trotz des gewissen Traditionsbruches großen Beifall fand.


    “Zwei Jahrzehnte hat Emma Kirkbys klare, behende Stimme den makellosen Klang der Alten Musik verkörpert”, heißt es im Toronto Globe and Mail.



    Emma Kirkby kann wohl als Anti-Typus der Primadonna oder der Diva bezeichnet werden. Sie ist eine Künstlerin, die so wenig Aufheben um die eigene Person macht, dass es schwierig ist, biografische Informationen zu finden. Ich habe im Vergleich dazu einmal den Namen einer z.Zt. sehr bejubelten Sängerin eingegoogelt und bin überflutet worden mit Specials, Interviews, Fanpage usw. Das will auch nicht kritisieren.


    Emma Kirkby wird als die Königin der Alten Musik bezeichnet. Dieser Titel wirkt angesichts der Bescheidenheit und Zurückhaltung dieser Künstlerin etwas vollmundig. Aber er drückt auch den Respekt und die Liebe vieler Menschen zu dieser sympathisch uneitlen Künstlerin aus.


    Emma Kirkby hat viele CDs mit Musik des 16., 17. und 18. Jahrhunderts aufgenommen. Darunter sind Werke englischer Komponisten wie Byrd, Gibbons, Purcell, Arne und anderen. Sie hat CDs mit Arien und Kantaten Bachs aufgenommen und sich besonders dem Werk Händels gewidmet. Sie hat mit Roy Goodman, Christopher Hogwood und anderen Dirigenten, Orchestern und Solisten der historisch informierten Aufführungspraxis zusammen gearbeitet.



    Emma Kirkby formuliert ihr Selbstverständnis als Künstlerin, und dies charakterisiert auch ihre Gesangskunst: „Diese Musik stellt hohe Anforderungen an einen Sänger: Die Stimme muss einfach und direkt eingesetzt werden, stets in guter Partnerschaft mit anderen Instrumenten, doch zugleich auch mit der besonderen Verantwortung für den Textausdruck, den Thomas Morley die ‚lebendige Seele’ der Musik genannt hat.“


    Über die Bedeutung der Musik des 16.-18. Jahrhunderts für unsere moderne Zivilisation sagt sie: "Wir brauchen Musik ganz genau so sehr wie früher. Wir brauchen gerade heute eine Stimme der Balance, des Ausgleichs und der Ruhe inmitten dieses Babels aus Sound-Bytes! Musik heilt die Seele und ist eine Sprache, die von jedem Menschen jeden Tag verstanden wird. Dies kann die Musik jeder Epoche leisten, aber ich glaube, dass gerade die Alte Musik eine ganz spezielle Qualität an Nähe und Direktheit, dazu auch an Raffinesse und hohem Bestreben besitzt."



    Es wäre schön, wenn Taminos und Paminas beschreiben könnten, welche Einspielungen mit Emma Kirkby sie besonders gern hören und bevorzugen. Vielleicht haben auch einige Konzerte mit ihr erlebt.


    Über interessante Beiträge würde sicher nicht nur ich mich freuen, mit freundlichen Grüßen, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Mir ist ihre Stimme eigentlich zu neutral. Ich weiß, dass gerade das viele schätzen (und zum Stimmideal Alter Musik erheben...m.E. eine absurde Verallgemeinerung), mir fehlt da zuweilen Fleisch, Blut und Ausdruck.
    Wie auch immer, eine sehr schöne Aufnahme ist eine Vertonung des "Laudate Pueri" von Händel mit dem Ensemble und unter der Leitung von Andrew Parrott aus den 80ern (erhältlich auf einem Virgin Duo von insgesamt etwas gemischter Qualität, u..a weil Kirkby IIRC nur diesen einzigen Sopranpart übernimmt...). Hier finde ich die kindlich-neutrale Stimme sehr passend.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Georg Friedrich Händel: Opernarien und Ouvertüren, musiziert von Emma Kirkby und dem Brandenburg Consort, Ltg. Roy Goodman.



    Ich bin kein großer Fan von Samplern. Dieser jedoch begeistert mich immer wieder auf's Neue. Es ist eine überaus vielfältige Zusammenstellung unterschiedlicher Arien und Ouvertüren aus Händel-Opern, wunderbar und leicht gesungen von Emma Kirkby und musiziert vom Brandenburg Consort.


    Ich finde, es ist auch ein guter Einstieg für diejenigen, die Händels Opern kennen lernen möchten.


    Mit freundlichen Grüßen von den nördlichen Gestaden, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Sagitt meint:


    Ich habe so viele Aufnahme mit der Kirkby, sie hat halt sehr viel aufgenommen, Monterverdi circle oder Purcell oder Händel oder.
    Erst einmal will ich auf ihre Virtuosität hinweisen. Gardiner hat sie bei BWV 51 durch die Partitur gejagt. Uns sie kann es. Wie ein Instrument. Sie beherrscht es perfekt.
    Das Klangideal der schlanken Stimmen verkörpert sie ja nicht alleine. Viele englische Stimmen sind so. Schule ? Ich weiss es nicht.
    Mit Verdi wollte ich sie nicht hören. Aber mit Monteverdi.
    Ich nehme an,ohne einen Überblick zu haben, dass sie ihr Repertoire nicht verlassen hat.

  • Hallo sagitt,



    Zitat

    Mit Verdi wollte ich sie nicht hören. Aber mit Monteverdi.


    Nee, das will ich auch nicht. Aber ich möchte auch nicht Händels Arien und Lautenlieder des 17. Jahrhunderts mit Netrebko hören. Das muss nicht sein. (Einige in diesem Forum mögen ja noch nicht einmal Verdi mit N. hören ...)


    Zitat

    Ich nehme an,ohne einen Überblick zu haben, dass sie ihr Repertoire nicht verlassen hat.


    Deine Annahme ist nach meiner Einschätzung goldrichtig. Mozart ist wohl der modernste Komponist, dessen Musik sie aufgenommen hat. Aber von Hildegard von Bingen bis Amadeus sind es über 600 Jahre, und das ist ja ein recht weites Spektrum.


    BWV 51 ist eine meiner Lieblingsaufnahmen. Ich kenne auch andere gute, aber mit Emma ist es nicht nur die flotteste, sondern auch die strahlendste Einspielung.



    Mit freundlichen Grüßen von den Gestaden der Nordsee, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Emmas Stimme ist für viele Werke vom Mittelalter bis zum Hochbarock geradezu eine Idealbesetzung.


    Ungefähr 30 Jahre lang konnte sie sich ihr schönes Timbre bewahren, aber nachdem ich eine Aufnahme mit Buxtehude-Kantaten aus 2004
    hörte, sollte sich die Künstlerin ernsthaft Gedanken über einen Abschied von ihrer Karriere als Sängerin machen.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Zitat

    Emma Kirkby wird als die Königin der Alten Musik bezeichnet.

    Andrew :
    Es kostete mich zuerst Mühe, mich an ihre Stimme zu gewöhnen.
    Ich finde, daß diese Stimme an Irmgard Seefried erinnert: beide hatten sehr wenig Vibrato.


    Zitat

    Mir ist ihre Stimme eigentlich zu neutral.

    @Johannes:
    Vermutlich wegen das geringe Vibrato.


    Zitat

    Emmas Stimme ist für viele Werke vom Mittelalter bis zum Hochbarock geradezu eine Idealbesetzung.

    @BBB:
    :yes: :yes: :yes: :jubel:


    LG, Paul

  • „The Rival Queens“ war der Spitzname der beiden Sängerinnen Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni, die bei der Erstaufführung von Händels „Alessandro“ im Mai 1726 die Partien der beiden rivalisierenden Geliebten Alexanders sangen. Der Spitzname „The Rival Queens“ stammt aus einer Tragödie über Alexander von Nathaniel Lee.


    Beide Sängerinnen hatten während ihrer ersten gemeinsamen Spielzeit regelrechte Fanclubs, die dann ebenfalls gegeneinander rivalisierten. Es kam zu Unstimmigkeiten; die Zerwürfnisse trugen mit zum Niedergang der Royal Academy of Music bei, die sich von der Konkurrenz der beiden Sängerinnen einen verstärkten Zuspruch erhoffte. Die Bordoni heiratete Hasse und machte eine glänzende Karriere, während die Cuzzoni einen Karriereknick erlitt und später verarmt starb.


    Auf der vorliegenden CD schlüpfen Emma Kirkby und Catherine Bott in die Rolle der rivalisierenden Königinnen und singen, begleitet vom Brandenburg Consort unter Leitung von Roy Goodman, Arien und Duette aus den letzten Spielzeiten der Royal Academy of Music. Zu hören sind Auszüge aus den Opern Alessandro, Admeto, Riccardi Primo, Siroe – Re di Persia und Tolomeo – Re di Egitto.



    Diese Opern sind in den Jahren 1726 bis 1728 von Händel für die letzten Spielzeiten der Royal Academy komponiert worden.


    Diese CD ist nicht nur allen zu empfehlen, die Emma Kirkby und Catherine Bott gern hören. Sie ist, wie die anderen CDs mit Händel-Arien, eine sehr gute, einladende Einstiegs-CD für Händels Opern.


    Mit freundlichen Grüßen, Andrew



    Nebenbei: Ein weites Plus der CD ist das ausgezeichnete Textheft.

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Ich weise auf die Neuerscheinung einer nicht mehr ganz neuen CD hin:


    Aus der Rezension von Detmar Huchting bei klassik-heute (die ganze Kritik ist lesenswert, besonders für AN- und Villazon-Fans, siehe hier: http://www.klassik-heute.com/kh/3cds/20070704_18256.shtml):



    [jpc]8751119 [/jpc]


    Dietrich Buxtehude:
    Vokalmusik Vol. 1


    O fröhliche Stunden BuxWV 84;O dulcis Jesu
    BuxWV 83;Schaffe in mir, Gott BuxWV 95;Gen
    Himmel zu dem Vater mein BuxWV 32;Singet
    dem Herrn BuxWV 98;Sicut Moses exaltavit
    serpentem BuxWV 97;Herr, wenn ich nur dich
    hab BuxWV 38;Fried- & freudenreiche Himmelfahrt BuxWV 76


    mit Kirkby, Holloway, Kraemer, ter Linden, Mortensen


    Mit freundlichen Grüßen, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Guten Tag


    ob Emma Kirkbi eine Königin ist ?( :hahahaha:
    Jedefalls wurde sie am 20.06.07 von Queen Elisabeth II. in den Ritterstand erhoben und darf nun den Titel "Dame of the British Empire" führen. :angel: :angel:


    Habe die Künstlerin schon mehrfach bei den "Schwetzinger Festspielen" erlebt und etliche CD-Aufnahmen, wo sie mitwirkte. :jubel: :jubel:


    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Ich freue mich riesig über diesen Thread und bedanke mich herzlich! = :jubel:


    Endlich mal ein Ort, an dem eine grosse Künstlerin so gewürdigt wird, wie es ihr gebührt!
    Andernortes musste ich sie leider schon vehementest gegen Verächter aus der Gesangslehrer/Sängerzunft verteidigen, die sie als "säuselndes Mini-Souberettchen" abtaten und damit nur zeigen, dass sie NICHTS kapiert haben. :boese2:
    Ich mag diese Stimme persönlich in IHREM Repertoire sehr und mich berührt gerade das scheinbar körperlose, schwebende, androgyne und engelhafte Element darinnen. Ich höre in solchen Stimmen immer verlorene Paradiese mit :angel:
    Die oben gezeigte Bachkantate "Jauchzet Gott in allen Landen" habe ich auch mit ihr und etlcihe Sampler, wo sie Händel, Purcell, Dowland etc singt. Die Duette mit Catherine Bott (auch eine tolle Sängerin!) interesseiren mich nun besonders :jubel: :jubel: :jubel:
    Was hat sie denn von Mozart gesungen? Das könnten doch eigentlich nur Lieder und Konzertarien sein ?(
    Diese Sängerin ist neben ihrer sympathischen Fachkenntnis plus Bescheidenheit einfach auch intelligent genug, die Grenzen ihrer Stimme anzunehmen und das Allerbeste daraus gemacht zu haben.
    Welch seltene Weisheit!
    Natürlich möchte man keinen körperlosen Puccini oder Verdi hören-wobei der MIr immer noch lieber wäre als ein Gewobbelter, Tremolierter und Ausgeleierter !!!!


    Von Hândel, Purcell und Monteverdi aus Riesenröhren mal ganz zu schweigen........ :no:
    Und was Anna N. mit Dowland-Lautenliedern angeht: leider hat sie es nciht mal beim Massenet geschafft, den Stil zu wahren und einen (wenn auch eher wohlklingenden ;)) Puccini draus gemacht... an Monteverdi mit ihr mag ich da gar nicht erst denken......


    Fairy Queen :angel:

  • Guten Morgen


    eine meiner Lieblingsaufnahmen wo E.K. mitwirkt ist diese



    Einspielung von madrigali erotica e spirituale von Monteverdi :jubel: :jubel:


    Gut erinnerlich auch noch einen Auftritt mit ihr 1995 im Schwetzinger Rokoko-Theater mit der Academy of Ancient Music und Werken von Purcell, Händel, Blow und J.S. Bach


    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Es gibt viel zu wenig gute Sängerinnen die so gut die alte Musik rüberbringen wie E.K.


    Diese besonderen Stimmen wie E.K. singen das, was eine A.N. nie schaffen würde vom Klang und von dem Ursprung in der Literatur.


    Da ich gerne alte Musik höre, freue ich mich umso mehr dass diese Sängerin hier ihren würdigen Platz gefunden hat, sie ist es allemale wert.


    Liebe Grüsse

  • Hallo Bernhard, Fairy Queen und musika,


    als ich diesen Thread in meiner Tamino-Anfangszeit startete, war ich ein wenig überrascht, wie verhalten die Beteiligung war.


    Schön, dass Ihr nun reagiert, und dass es doch einige Bewunder/innen dieser wunderbaren Künstlerin bei Tamino gibt. :yes: =)


    Die beiden Mozart-CDs sind zurzeit bei JPC nicht im Programm. Beide hat sie mit Christopher Hogwood und der Academy oft Ancient Music aufgenommen, mit denen sie auch das Requiem und die Krönungsmesse eingespielt hat.



    Mozart: Exsultate, Jubilate




    Mozart: Arien


    Freundliche Grüße von Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Lieber Andrew, danke fur die Hinweise zu Mozart!
    Das Exultate singt sie sicher wunderbar. Was ich mir nur schwer vorstellen kann ist " Ch'io mi scordi di te" Ist das KV 505? Oder vielleciht 490? Ersteres ist eine Arie für satte tiefere Soprane oder hohe Mezzi(die mit dem Soloklavier) da ist grosser lyrischer Klang und sehr viel Mittellage gefragt. Wie das mit Kirkby klingt, nachdem ich nun dank Musicophil die wunderbare Sylvia Sass gehört habe??? ?( Bin da etwas skeptisch. Wenn es 490 ist sieht das schon anders aus, obschon auch das für den Idomeneo-Idamante geschrieben ist, der kein leichter Sopran sein sollte, da die Ilia noch höher liegt. Da eingie recht dramatische Stellen drin sind, fand ic hbei den vergleichenden Aufnahmen bereits Elly Ameling, obschon wunderschöne Stimme, etwas angestrengt. Und Kirkby ist das noch eine gute Nummer verschärft im Vergleich zu Ameling.
    Ich kann aber zu gut verstehen , dass einfach Jede diese Arien singen will, sie sind so wunderschön. :jubel: Wüsste aber zu gerne mal, wie das mit einer Kirkby-Stimme wohl klingt.


    F.Q.

  • Hallo Andrew,


    das kaufende Publikum bedankt sich für deinen Tipp.


    Und wieder eine CD mehr auf meinem Merkzettel. Seltsamerweise wird jener nicht kürzer. Ich verstehe das überhaupt nicht, die Post bringt doch schon fast jede Woche ein Päckchen.:rolleyes:


    Ich habe mir die Hörschnipsel angehört. Eine wirklich interessante Stimme. FQ meint körperlos schwebend. Nach den Hörschnipseln kann man zwar keine Beurteilung abgeben, aber ich mußte beim Reinhören gleich an FQ Beschreibung denken. Also gehe ich einfach davon aus, dass du liebe Fairy Queen Recht hast.


    LG


    Maggie

  • Da das Ch'io mi scordi di te zu meinem Repertoire gehört und schon sehr früh in meiner Ausbildung gesungen habe, kann ich unter den vielen Sängerinnen, die das gesungen haben, auch Elly Ameling empfehlen. Man sollte sich vielleicht durch einige Hörproben schlängeln um die für sich selber angenehmste Interpretin herauszusuchen.


    Es ist durchaus nicht so, dass gerade dieses Stück nur von Mezzi gesungen wird, was die Beispiele Emma Kirkby und Elly Ameling und noch einige andere, Schwarzkopf z.B. zeigen.


    Wer sich an das junge Mädchen Sandra Schwarzhaupt erinnert, sie hat es schon im Alter von 12 Jahren in der Kölner Philharmonie unter Rainer Koch gesungen, was ich bis heute nicht begreife....naja, wer's mag.


    LG

  • Liebe Musika, ich habe die Noten von 505 und 490 beide hier und habe danke Musicophil etliche verschiedene Hörbeispiele beider Konzertarien(die haben denselben Text, sind aber ganz verschieden) gehört. Ich fand Elly Ameling mit der 490 auch serh schön, denn ich liebe ihre Stimme, aber an den dramatischen Stellen kommt sie an ihre Grenzen. Und die 505 ist noch deutlich tiefer als die 490. Sie ist für Nacy Storace komponiert worden, die keine sehr hohe Stimme hatte und heute sicher eher ein hoher Mezzo wäre. Dass Du als Mezzo diese Arie gut singen konntest, glaube ich sofort, aber Emma Kirkby ist doch eigentlich eher der Typ für die Aloysia Arein: sehr hoch und leciht und beweglich.
    Daher bin ich etwas erstaunt und neugierig, wie es mit ihr wohl klingen mag.
    Hoffe mal ein Beispiel davon hören zu können. :yes:
    Falls es diese Arien-Cd noch irgendwo gibt: ich bin SEHR interessiert, auch wegen "L'amero, saro costante."


    F.Q.

  • Hallo Fairy Queen, es ist das Ch'io mi scordi di te? - Non temer, amato bene KV 505.


    Ich habe das Internet nach einem Hörbeispiel durchsucht, habe aber leider keines gefunden. Ich habe meine CD seinerzeit an einen noch größeren Bewunderer Emma Kirkbys weitergegeben.


    Wenn Du auf das Cover (Mozart-Arien) klickst, landest Du auf der AMAZON-Seite und kannst es dort bestellen - wie das auch immer gehen mag. Ich habe es noch nie geschafft, etwas bei Amazon zu bestellen. Liegt sicher an meiner altmodischen Kontoführung.


    Bei Ebay werden auch immer CDs mit Emma Kirkby angeboten, dort werden sie allerdings auch meist sehr hochpreisig gehandelt. Einiges, aber leider nicht diese CD, ist bei JPC zu bekommen. Es gibt da auch eine neue CD mit Werken von Pachelbel, die ich aber noch nicht kenne.


    Hallo Maggie, Leidensgenossin, Tamino ist nicht nur ein guter Musik-Führer, sondern auch ein Musik-Verführer. Ich erlebe das auch so, habe aber den Eindruck, dass meine Käufe zielgerichteter sind und es fast keine Nieten gibt, und dass ich mir durch Empfehlungen anderer auch neue Bereiche erschließe, die mir vorher fremd waren.


    Eine besonders schöne CD mit Emma Kirkby ist für mich diese Aufnahme:


    [jpc]5163321 [/jpc]


    Giovanni Battista Pergolesi:
    Stabat Mater
    +Salve Regina
    Kirkby, Bowman, Academy of Ancient Music, Hogwood


    In einer Kritik heißt es: „Eine reine, klare, sehr sensible Aufnahme auf höchstem Niveau! Eine Aufnahme, bei der das Herz aufgeht.“


    So ist das! :yes::yes:


    Einen schönen Abend wünscht Andrew, der heute noch unbedingt "Jauchzet Gott in allen Landen" natürlich mit Kirkby/Gardiner) hören will. :jubel::jubel:

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Liebe FQ,


    als ich die Arie sang, war ich noch eindeutig Sopran, Elisabeth Schwarzkopf, Kiri te Kanawa, Dorothea Röschmann, Edda Moser, Jeanette Scovotti, Diana Damrau und sehr viele andere Sopranistinnen haben sie gesungen, genau so wie Mezzi, die Tessitura ist nicht hoch und deshalb wurde und wird sie auch von vielen Mezzi gesungen. Doch sie ist für einen Sopran geschrieben und wie du schon sagst, hat Mozart sie für seine "Susanna" Nacy Storace geschrieben, die sie mit 21 Jahren, begleitet von Mozart selber, geschrieben hat.


    Wie dem auch sei, es ist wunderbare Musik, eigentlich unwichtig wer sie singt, sie muss nur gut interpretiert werden.


    LG

  • Zitat

    Original von musika
    Wie dem auch sei, es ist wunderbare Musik, eigentlich unwichtig wer sie singt, sie muss nur gut interpretiert werden.


    Liebe Musika,


    Wenn Du jene Ausführung mit Sylvia Sass und Andras Schiff gehört hast, wirst Du Deine Meinung vermutlich erneut erwägen.


    LG, Paul

  • Nachtrag zu dem von Bernhard erwähnten Ereignis:





    Grüße von Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Drei CDs mit Arien und Orchesterwerken aus Händels Opern haben Emma Kirkby und Roy Goodman mit dem Brandenburg Consort eingespielt. Eine CD gibt in ähnlicher Weise einen Einblick in Vivaldis Opernschaffen. Obwohl ich Händel ungleich höher schätze, habe ich doch viel Freude an dieser abwechslungsreich gestalteten CD, die Interesse und Freude an Vivaldis Opernschaffen bei mir weckt. Freude an Emmas bezaubendem Gesang musste bei mir nicht mehr geweckt werden ...



    Antonio Vivaldi: Opernarien und Sinfonien


    aus Griselda, Tito Manlio, Ottone in villa,
    L'Atenaide, Il Bajazet, L'incoronazione di Dario,
    Catone in Utica


    Emma Kirkby, The Brandenburg Consort, Roy Goodman


    Helios/Codaex CDH55279 (74 Min., 4/1994)



    Zitat

    aus einer Rezension:


    Emma Kirkby als Alte-Musik-Sängerin der ersten Stunde stets eine an den Gesetzen der musikalischen Rhetorik orientierte Vokalkunst mit weitgehend vibratofreier oder zumindest vibratoarmer Stimmgebung und zwar präziser, aber niemals gehämmerter Koloratur. Dass ihr Grundton auch in den dramatischeren und bewegteren der hier vorgestellten Vivaldi-Opernarien ein heller, freundlicher ist, nehmen wir angesichts der bestechenden Reinheit und Klarheit dieser Darbietungen gern in Kauf – die erhabene Sphäre des ästhetisch Schönen als Raum, in dem die Kunst als solche sich vollzieht, wird hier niemals verlassen, auch dann nicht, wenn es gilt, über Unschönes zu berichten.


    Schöne Grüße, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Hallo Andrew,


    oh ja da hast Du eine der besten Barock Vokal CD's erwischt.
    Emma Kirkby singt die Arien mit einer solchen Leichtigkeit, da lasse ich das Vivaldi-Album von Cecilia Bartoli jederzeit stehen (und fast jede der neueren Opernauafnahmen)


    Vor allem muss man mal vergleichen, wie großartig Emma Kirkby die Arien aus der Oper "Griselda" singt, im Gegensatz zur der unflätigen Einspielung der Oper unter Spinosi.


    Jedenfalls ist sie recht massiv in meiner Sammlung vertreten, denn bei vielen Opernproduktionen wie z.B. der "Cleofide" von Hasse singt sie ja auch mit.
    Eine herrliche Stimme!


    :lips:

  • Bei jpc gibt es im Moment diesen Querschnitt sehr günstig (knapp 5 €).




    Für sich genommen ist jedes einzelne Stück wunderbar, sie singt nicht nur die Alte Musik, sondern auch Mozart und Haydn sehr schön, das hätte ich gar nicht gedacht. Vor allem "Exsultate, jubilate" und "Laudate dominum" gefallen mir außerordentlich gut.


    Man braucht allerdings einen robusten musikalischen Magen, um die durcheinander gewürfelte Abfolge zu verkraften. Da geht es - ohne erkennbaren Sinn und Verstand - einmal quer durch den musikalischen Garten, von Mozart zu Vivaldi zu Purcell, Dowland, Haydn, Pergolesi etc., mal kammermusikalisch, mal mit Orchester - wie es gerade kommt. Da sträubt sich meine systematische Ader. Man hätte ja wenigstens grob nach musikalischen Epochen unterteilen können.


    Mit Gruß von Carola

  • Liebe Carola, das ist bei Sängerportraits oft so- weiss der Geier warum ?(
    In Live-Konzerten, kann ich verstehen, dass man eine bestimmte Reihenfolge aus stimmlcihen Gründen braucht, aber bei Studioaufnahmen ist man wirklich frei, die Sache etwas zu ordnen.....
    Kirkby ist in meinen Ohren schon immer eine hervorragende Mozart-Stimme gewesen. Zumindest für die Hörer, die androgyne "engelige" Stimmen vorziehen und nicht so viel wert auf grosse lyrische Fülle legen.
    Ich habe eine ganze Cd von ihr mit Mozart-Konzertarien und anderen Arien(z.B. auch aus dem Ré Pastore ) und finde sie ganz wunderschön :jubel: :jubel: :jubel:
    Ich habe "Kirkby-Sound" schon oft genug als eine Art Schimpfwort und Beleidigung gehört, aber wenn man wie sie so intelligent das passende Repertoire wählt , dann ist das reiner Wohlklang für mich:jubel:
    Ich glaube, da prallen einfach gerade in Gesangsforen Welten aufeinander-gut, dass dem bei Tamino anders ist! :yes:
    F.Q.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen


    Ich habe "Kirkby-Sound" schon oft genug als eine Art Schimpfwort und Beleidigung gehört, aber wenn man wie sie so intelligent das passende Repertoire wählt , dann ist das reiner Wohlklang für mich:jubel:


    F.Q.


    Liebe Fairy Queen,


    was genau soll denn dieser "Kirkby-Sound" sein und was wäre daran auszusetzen? Womöglich spielen hier auch eine Menge Klischees von Weiblichkeit eine Rolle. So nach dem Motto: Eine Frauenstimme hat stets warm oder gar mütterlich zu sein. Von einer väterlichen Stimme habe ich hingegen noch nie gehört.


    Gerade mit Sopranstimmen tue ich mich oft schwer und da ist Emma Kirkby für mich die große Ausnahme. Und zwar, weil sie - in meinen Ohren - eben nicht nur sehr schlank, hell und mühelos schwebend singt, sondern weil in diesem Timbre auch noch eine leichte Abschattierung und Herbheit durchklingt. Genau dieser Einschlag macht die Stimme in meinen Ohren unverkennbar und ich finde sie wunderbar.


    Mit Gruß von Carola

  • Lieber Carola, in manchen Sängerkreisen ist ein Kirkby-Sound eine körperlose, zu leichte und ergo nicht ernstzunehmende Stimme. Wenn du entsprechende Threads in einschlägigen Gesangsforen liest, stehn dir als Liebhaberin da die Haare zu Berge.
    Aber das will ich hier nciht weiter auswalzen, habe mich schon genug drüber aufgeregt. Nach dem Motto: laut und schwer ist automatisch auch gut. Da prallen einfach manchmal Welten aufeinander.
    Sie hat sowas aber eh nciht nötig und ist hinreichend anerkannt und erfolgreich. :yes:


    F.Q.