Ist Filmmusik klassische Musik?

  • Kennt Ihr das? Ihr seid mit dem Auto unterwegs. Euer Lieblingssender beginnt zu stören (schlechter Empfang). Auf dem Ausweichsender, der viel aber nicht immer klassische Musik spielt, diskutieren sie gerade über die Homo-Ehe. Eure Klassik-CDs habt ihr schön zu Hause vergessen. Doch ihr wollt Klassik hören! Was bleibt oft als letzter Ausweg? Klassikradio! X(


    Nun hat dieser Sender die (unangenehme?) Eigenschaft, dass er sich wohl Klassikradio nennt, aber dann doch auch sehr viel Filmmusik gespielt wird (abends sogar Chillout :kotz: ). Dem einen mag das entgegenkommen. Dem andern stellen sich die Nackenhaare auf. Ich zähle mich eher zu Letzteren…


    Ich spreche nicht von Filmmusik im allgemeinen, sondern von sinfonischer Filmmusik, wie sie auf besagtem Sender gespielt wird, im besonderen. Ich erkenne (weiß der Teufel warum) diese Musik, wenn ich sie höre, ohne zu wissen was ich höre, mit einer erschreckenden Trefferquote als Filmmusik. Und meistens langweilt sie mich unendlich….


    Nun fehlt mir das musiktheoretische Handwerkszeug um beschreiben zu können, woran ich diese Musik als Filmmusik erkenne und was mich konkret stört. Sind es diese immer wiederkehrenden Muster? Langgezogene oder rythmische Contrabässe gepaart mit singenden oder gar jammernden Soloinstrumenten…


    Versteht Ihr was ich meine? Geht es euch genauso? Langweilt Euch diese Musik auch so sehr und warum? Könnt ihr die langweilenden Elemente benennen? Worin unterscheidet sich diese Musik von der „klassischen Musik“ oder gibt es gar Anhänger unter Euch, die diese Musik der E-Musik zuschreiben möchten oder sie als zeitgenössische Musik bezeichnen möchten?


    Für mich ist es einfach nur billiger Hollywood-Kitsch (zumindest das, was ich von Klassikradio vorgesetzt bekomme)!


    Liebe Grüße
    GalloNero

  • Hallo Gallo,


    mit deinem Beitrag sprichst du mir voll und ganz aus der Seele. :jubel:
    Auch ich kann diese sogenannte Filmmusik nicht mehr hören, die Sendungen von wegen "New Classics" sind ein absoluter Witz.


    Mit Merkmalen kann ich dir aber auch nicht dienen, ich weiß nur, dass ich dann im Auto lieber auf einen Sender umschalte, der zwar keine Klassik spielt, dafür aber gute U-Musik...



    Gruß, Peter.

  • Hallo,


    auch ich kann mich der allgemeinen Langeweile anschließen. Orchestrale Filmmusik ist wirklich nicht besonders aufregend, wenn ich sie für sich genommen höre. Aber: Das ist im Grunde ja auch nicht Sinn der Sache. Solche Musik soll ja eine ganz bestimmte Funktion erfüllen, nämlich einem visuellen Geschehen die gewisse Dramatik, Leichtigkeit, Tempo usw. verleihen. Oftmals finde ich während eines Films die Musik überaus gelungen und hervorragend eingesetzt. Ohne die visuellen Eindrücke funktioniert sie aber überhaupt nicht. Ist es während eines Films nicht störend, dass z.B. Orchestrierung, Harmonik, Melodienreichtum usw. von begrenztem Wert sind, so fällt das beim puren Hören schon deutlich ins Gewicht. Wenn man sich eine Soundtrack-CD anhört, so findet man oft drei oder vier Themen, die in vielleicht 30 Tracks in verschiedenen Variationen immer weiderkehren. Das führt während eines Films wohl zu unterbewussten Wiedererkennungseffekten, führt beim bloßen Hören aber schnell zur Eintönigkeit. Zumindest gilt das im großen und ganzen für die Filmmusik der letzten Jahrzehnte. Die Zeiten von Korngold, Steiner, Waxman u.a., deren Musik teilweise durchaus für sich bestehen konnte, sind annähernd vorbei.


    Wobei ich den Filmkomponisten gar keinen Vorwurf machen möchte. Sie schreiben eine Form von Gebrauchsmusik, die im Einklang mit Kamera, Schnitt, Ausstattung usw. ihre feste Funktion hat und in diesem Rahmen auch wunderbar funktionieren kann. Außerhalb davon aber oft eben nicht. Allerdings finde ich auch, dass es Filmkomponisten gibt, die eine unverwechselbare Sprache gefunden haben und deren Musik auch ohne das große Flimmern funktioniert, z.B. manches von Morricone, der frühe Howard Shore oder Danny Elfman. (Man lese deren Schaffen bei IMDB nach...)


    Gruß
    B.

  • Hallo,


    um Barbirollis Liste guter Filmkomponisten noch zu ergänzen, werfe ich Bernard Herrmann und Nino Rota ins Spiel. Die haben auf dem Gebiet bleibendes geschaffen.


    Natürlich ist Filmmusik grundsätzlich nicht dafür gedacht, isoliert gehört zu werden. Man hört sich ja auch keine Oper rein instrumental an (wieso fällt mir da jetzt ein Opernkomponist ein, bei dem man das eigentlich problemlos könnte? Vermutlich, weil der Mann hundert Jahre später ohnehin eher Filme gemacht also Opern komponiert hätte ;) ).


    Um die Filmmusik also besser vermarkten oder präsentieren zu können, hat man sich daher der Orchestersuite erinnert. Und da gibt es schon das eine oder andere brauchbare. So findet sich auf Zubin Mehtas CD mit Holsts Planeten auch die Orchestersuite zu Close Encounters of the Third Kind von John Williams. Wenn man diese CD jemandem vorspielt, der die Planeten nicht kennt, würde dieser vermutlich eine Zeit brauchen, um zu realisieren, dass das nicht der 8. Planet und nicht Holst ist.

  • Die Filmmusik ist das, was mich seit 15 Jahren bei vielen (meist amerikanischen, aber in letzter Zeit leider auch deutschen) Filmen am meisten stört. Ich habe das Gefühl, dass sie immer schlechter wird. Besonders wenn sie symphonisch ist und "großartig" klingen will, finde ich sie unerträglich.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Hallo Filmmusikfreunde,


    sinfonische Filmmusik würde ich nicht als Klassik bezeichnen, auch wenn sie sich scheinbar oft klassisch anhört. Die Musik wurde für Filme geschrieben - es ist also Musik des 20./21.Jahrhunderts.


    Herbert Herrmann und John Williams sind erstklassige Filmkomponisten die abwechslungsreiche und tolle Musiken zu großen Filmen geschrieben haben.
    Theophilus hat schon ein gutes Beispiel auf der Holst-Planeten - CD mit Metha genannt. Diese Encounter-Suite gibt es auch in einer SONY-Aufnahme mit John Williams als Dirigent seiner eigenen Filmmusiken und bei TELARC mit Erich Kunzel.


    Ein weiteres positives Beispiel ist die Musik zu Mission Impossible und Terminator(mit unserem Arni). Diese kranken daran, das sie nicht weiter verarbeitet wurden und man nur auf die ca.3Minütigen Stücke angewiesen ist - aus dem Material liese sich was machen.


    Ich höre diese Musik gerne und habe auch mehrere Filmmusik-CD´s aus allen Bereichen.


    :) Herausragende Filmmusik, hervorragend interpretiert ist diese CD:



    Filmmusik
    aus "The Man who knew too much","Psycho",
    "North by Northwest","Vertigo","Fahrenheit
    415","Taxi Driver","Torn Curtain","Marnie"

    Los Angeles PO, Esa Peka Salonen
    SONY 1996 DDD

  • Ich denke, es geht hier um den "sinfonischen" Bombast der letzten Jahre, den ich auch unerträglich finde.


    Ansonsten fände ich es besser, wenn wir einen eigenen thread zum Thema "Golden Age" Filmmusik, also die Zeit, in der wirklich erstklassige Komponisten sinfonische Filmmusik komponierten, erstellen würden.


    Etwa die Zeit von den 30er bis 60er Jahren, dies ist dann auch die Zeit, in der es die großen, festangestellten Orchester der Studios gab.


    Einen Elfman oder Horner kann ich nicht in einem Atemzug mit Bernard Herrmann, Franz Waxman, Max Steiner , Alex North, Alfred Newman nennen, dazu sind deren Arbeiten einfach zu schlecht.


    LG,


    Michael

  • Bernard Herrmann halte ich auch für einen genialen "klassischen" Komponisten, dessen Musik man auch ausserhalb der Filme gut hören kann.
    Die hollywoodisierten großorchestralen Schmachtfetzen von John Williams und John Barry (Out of Africa!) höre ich aber auch manchmal ganz gerne - man weiß ja, auf welche simple Wirkung hin diese Musik gestrickt ist und manchmal hat man dann Lust, sich der gezielten Wirkung hinzugeben.
    Ansonsten sehe ich in der Filmmusik keine allzugroße Zukunft mehr, ich halte es dann lieber mit Quentin Tarantino, bei dem es ja keine komponierte Fikmmusik mehr gibt sondern genial verwertetes Recycelingmaterial.
    Tan Dun als Filmmusikkomponist hat mich leider nicht so begeistert, da mir das zu unaufdringlich und süsslich war, gäbe es noch so "klassische" Filmmusikkomponisten wie Toru Takemitsu! (-> "RAN")
    Ich hab den Film Blade Runner jetzt nicht mehr so genau im Kopf, ich fand die Musik auch sehr schön. War doch eine Mischung aus großorchestral und elektrisch verstärkten Instrumenten, oder? Wer schrieb die Musik?


    Grüsse, Markus

  • Von Takemitsu war die einzige Filmmusik, die mir im Kino gefallen hat (abgesehen natürlich von Nicht-Filmmusik, die als solche genutzt wird).


    Ansonsten denke ich bei Filmmusik natürlich an Schönbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielszene, zu der nur leider der Film nicht gedreht wurde ...


    Aus Hollywood kenne ich filmmusikmäßig nur Schrott (egal von wann. Auch Chaplin würde ich mir als ernste Musik nicht anhören).

  • Ich finde, man muss differenzieren. Es gibt zumindest zwei Filmmusiken, die im Konzertsaal sehr gute Figur machen, nämlich "Alexander Newskij" und "Iwan der Schreckliche", beide von Prokofjew.
    Auch Schostakowitsch hat immer wieder die Filmmusik benützt, um zu experimentieren - zumindest seine Musiken für "Hamlet" und für "Odna" halte ich für konzerttauglich. Auch von Auric und Honegger gibt es erstaunliche Filmmusiken.
    Britten ist auch so ein Fall: Auch er hat für den Film experimentiert, etwa mit eigentümlichen Instrumentenkombinationen. In einem Fall unterlegt er die Filmsequenz von "Night Mail" mit einer quasi trommelnden Sprechstimme - was den wahrscheinlich ersten Rap ergibt.

  • Hallo,


    kennt vielleicht jemand Rahul Dev Burman, den 1994 verstorbenen König der Bollywood-Filmmusik? Mehr als 250 Filme hat der Mann vertont und wurde neulich von einem Mitglied des Kronos Quartetts neben Igor Strawinsky und Duke Ellington als bedeutendster Arrangeur des 20. Jahrhunderts bezeichnet.


    Gruß
    B.

  • Das sehr populäre "Warschauer Konzert" von Addinsell war die Musik zu "Dangerous Moonlight" (hat das jemand gesehen?). Eine Art Hommage (?) an Rachmaninoff.
    Der letzte Film, den ich im Kino gesehen habe, war "Das Leben der Anderen". Übrigens ein ganz hervorragender Film mit einer passenden Filmusik, die aber den (im Film) teilweise erhobenen Qualitätsanspruch doch nicht erfüllt.
    BTW Zumindest die Vorlage für Vaughan-Williams Symphonie Nr. 7 "Antartica", die ich erst kürlich wieder mit großer Freude gehört habe, war doch wohl auch Musik zu einem Film?

  • Wenn der Komponist sie eigens für den Konzertsaal bearbeitet hat - jaI

    Positive Beispiele:

    Silvestre Revueltas (1899-1940) "Die Nacht der Mayas" Orchester-Suite in vier Sätzen, auch choreografiert, 31 Min.
    Nino Rota (1911-1979) "La Strada" (Film von Federico Fellini) als Ballett choreografiert UA. Mailänder Scala 1966,
    Vaughan Williams (1872-1958 ) Film: "Scott of the Antarctic" für den Konzertsaal als "Sinfonia Antarctica" 5 Sätze,
    Serge Prokoffiev (1891-1953) "Ivan le Terrible" als Oratorium op.116 (auch choreographiert)

    Es gibt viele Klassik Komponisten, die Film-Musik geschrieben haben. Einer der bekanntesten ist der Ungar:
    Miklos Rozsa mit "Quo Vadis" (Keine Bearbeitung für den Konzertsaal) Ich glaube Korngold hat in Hollywood
    auch Fimmusiken geschrieben. Die russischen Klassiker - jede Menge.

    -----

    Filmmusik ist dann gut, wenn man gar nicht merkt, dass sie da ist. "Winnetou" ohne Filmmusik wäre gar nicht denkbar gewesen. Sie erzeugt die passende Stimmung beim Zuschauer. Aber sie bleibt, nach Celluloid-Zentimer
    bemessen, eine handwerkliche Arbeit, es sei denn der Komponist autorisiert sie für den Konzertsaal.
    "Spiel mir das Lied vom Tod" ist hervorragend gemacht, aber im Radio mag ich die Melodie nicht mehr hören.

  • Hallo,


    ohne daß ich mich allzuviel mit diesem Thema beschäftigt habe, so öchte ich doch eines abklären:


    Nicht JEDE Filmmusik ist a priory als "Klassiksinfinie-Substitut" gedacht, Die Karl May Filmmusik war es beispielsweise nicht - auch nicht "Spiel mir das Lied vom Tod. Ich gehe davon aus, daß lediglich jene Sparte der Filmmusik gemeint ist, die quasi als "Klassikersatz" eingesetzt wird.


    mfg
    aus Wien
    Alfred

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    ...Ich gehe davon aus, daß lediglich jene Sparte der Filmmusik gemeint ist, die quasi als "Klassikersatz" eingesetzt wird.
    Alfred


    So ist das!




    Liebe Taministen,
    ich möchte mir mal erlauben, die vielen interessanten Beiträge grob zusammenzufassen:
    [list=1]
    [*]Die sinfonische, orchestrale, auf klassischen Instrumenten gespielte Filmmusik ist nicht grundsätzlich schlecht. Es handelt sich um Gebrauchsmusik, die immer im Kontext zum Film gesehen werden muss.
    [*]Das Problem ist eher bei Klassikradio und ähnlichen Sendern zu suchen, die diese Musik aus ihrem Kontext reißen und sie uns als den von Alfred erwähnten Klassikersatz verkaufen.
    [*]Ausnahmen bestätigen die Regel und so gibt es auch in diesem Genre (für sich allein gehörtes) Hörenswertes, vor allem, wenn es vom Komponisten für den Konzertsaal aufgearbeitet und freigegeben wurde.
    [*]Früher war alles besser – sogar die Zukunft. :D
    [/list=1]


    Offen bleibt die Frage: Darf man sinfonische, orchestrale Filmmusik als klassische Musik bezeichnen? Wenn nein, wodurch unterscheidet sie sich von klassischer Musik? Gibt es hierfür musiktheoretisch fundierte Argumente?


    Liebe Grüße
    GalloNero

  • Die sinfonische Fimmusik von den 30er jahren bis in die 60er mit Schwerpunkt Hollywood ist seit 25 jahren eines meiner Spezialgebiete.


    Ich hatte seinerzeit meinen Musikwissenschaftsabschluß über Bernard Herrmann gemacht.


    Meine Freundin tat es mir dann vor ein paar Jahren gleich mit dem selben Thema, allerdings noch viel ausführlicher und besser :D


    Ich habe an anderer Stelle bei Tamino schon einen ausführlichen Beitrag über Korngold geschrieben, das möchte ich jetzt wirklich nicht alles nochmal tippen.


    Nur soviel


    Korngold steht für mich auf einem speziellen Sockel, er hat halt nicht "Filmmusik", sondern Opern ohne Gesang komponiert.


    Er hat u.a. dabei peinlichst darauf geachtet, daß die Musik unter der Stimme des Schauspielers liegt.


    Das gilt natürlich nur für die Orginale.
    In den deutschen Synchronisationen ist die Musik bis auf wenige Ausnahmen ausgetauscht worden- ein Verbrechen......


    Einige seiner Partituren, zum Beispiel "Kings Row" oder "Anthony Adverse" sind so komponiert, daß man die einzelnen Abschnitte einfach nur zusammenfügen muß und ein durchkomponiertes etwa 50 Minuten langes sinfonischen Werk erhällt.


    Ein Komponist wie Herrmann hat grundsätzlich anders gearbeitet.


    Ihm ging es darum, in die "Seele" des Films vorzudringen und mit manchmal geradezu minimalistischen Mitteln zu unterstützen.


    Herrmann hat einige sehr interessante Werke für den Konzertsaal geschrieben.
    Die Kantate "Moby Dick", die Oper "Wuthering Heights", ein recht interessantes Streichquartett "Echoes", welches ich häufig aufgeführt habe sowie eine ambitionierte Sinfonie, die trotz einiger Schwächen mehr als anhörbar ist.


    Ich bin immer wieder traurig, wenn ich im Zusammenhang mit Filmmusik Begriiffe wie "Schrott" oder ähnliches höre oder lese.


    Wie in jedem anderen Bereich gibt es hier auch das ganze Spektrum von Meisterwerk bis lausig.


    Bei der europäischen Filmmusik sind ja auch schon ein paar Namen gefallen.


    Das "La Strada"- Ballett von Rota ist fantastisch.
    Rota's Werke für den Konzertsaal unterscheiden sich übrigens nicht im geringsten von seinen Filmmusiken.


    Ich besitze einige sehr wertvolle Aufnahmen seiner Musik, unter anderem von ihm selber gespielt, er war wie so viele andere Komponisten ein Klaviervirtuose ersten Ranges.


    Das bringt mich wieder zu Korngold, denn er war der größte von allen.
    Ich besitze zum Glück die von Marcel Prawy produzierte Schallplatte, auf der er Ausschnitte aus seinen Werken spielt, sowie eine Aufnahme von einer Hollywood- Party bei Ray Heindorf.


    Dieses Klavierspiel spottet allen Beschreibungen, so etwas habe ich nie- weder vorher noch nachher- gehört.
    Er hatte mindestens 15 Finger und ein Orchester ist gar nicht mehr nötig, denn er hatte die Gabe, fast alle Klangfarben auf dem Klavier wiederzugeben.
    Daß dieses Aufnahmen nicht schon längst einmal wiederveröffentlicht wurden....


    Bei "Cambria" arbeiten sie seit Jahren an der Veröffentlichung, keine Ahnung, warum es nicht erscheint.


    Das Warschauer Konzert ist ganz nett, aber vollkommen unpersönliche Musik.
    Nicht ohne Grund ist das restliche Werk von Addinsell unbekannt geblieben.


    Aber es ist geschickt gemacht, halt Grieg und Rachmaninoff.


    Für mich hat im Reigen wirklich großer Filmmusik Martin Böttcher und seine Winnetou - Musik überhaupt nichts verloren.


    Ganz anders Morricone und sein "Spiel mir das Lied vom Tod", obwohl es sich hier nicht mehr um sinfonische Fimmusik handelt.
    Die Musik besteht ja nicht nur aus dem berühmten Mudharmonikathema, sondern ist leitmotivmäßig sorgfältig ausgearbeitet und spannend.


    Der erste Fimkomponist, der die Leitmotivtechnik im Film benutzte, war übrigens Max Steiner in King Kong..


    Andere große Filmkomponisten, die auch alle überwiegend keinen "Schrott" geschrieben haben, waren u.a. Alfred Newman, Franz Waxman(Wachsmann- er ist wie so viele emigriert, aber das ist ein sehr spannendes Thema für einen eigenen thread),und der schon erwähnte Miklos Rozsa, der einige seiner Werke für den Konzertsaal bearbeitet hat- am bekanntesten ist das "Spellbound"-Konzert für Klavier und Orchester.
    (Spellbound ist der Hitchcock- Fim "Ich kämpfe um dich" mit Peck und Bergman)


    Wer auf hohem Niveau geschmacklose Musik, geschmacklos orchestriert, :D aber trotzdem für ein großes Hörvergnügen geeignet sucht, ist bei Dmitri Tiomkin richtig.
    Der schrieb im Stil seines Lehrers Glasunow, mit immer viel zu viel Noten, aber eigenartigerweise paßte diese aufgeblasene russische Musik wie die Faust auf's Auge, wenn John Wayne- oder wer auch immer- in den amerilkanischen Sonnenuntergang ritt.
    Mir gefällts :stumm:



    Beste Grüße,


    Michael


    P.S.


    Zitat

    Es handelt sich um Gebrauchsmusik


    Nein, nein und nochmals nein!


    Es handelt sich nicht bei jeder Filmmusik um Gebrauchsmusik.

  • Ich nenne wenige Filmsoundtracks mein Eigen, da diese mich meist recht gelangweilt zurücklassen und nicht wirklich zu packen wissen.


    Ich mag die ganz alten Tracks von Star Trek Classic sowie einige Motive aus den Star Trek Filmen.


    Ein weiterer Film mit großer Musik ist Kubricks 2001.


    Dune mit dem Soundtrack von Toto ist große Klasse.


    BladeRunner mit dem Soundtrack von Vangelis ist doll.


    und zu guter letzt natürlich Star Wars (die klassische Trilogie - mit der Musik der neuen Filme habe ich mich noch nicht tiefer auseinandergesetzt, aber die scheint oberflächlich betrachtet auch ähnlich gut zu sein). Bei Star Wars gibt es immer sehr schöne Motive.


    Komisch, alles SciFi-Filme.

  • Michael trifft wieder einmalden Nagel auf den Kopf.
    Korngold z.B. hat ein Gelübde getan: Solange die Nazidiktatur dauert, schreibt er keine Musik für den Konzertsaal bzw. für die Opernbühne. Ein Komponist von solchem Rang kann sich aber nicht einfach absichtlich verblöden, wenn er um Geld zu verdienen für den Film schreibt. Infolge dessen haben wir bei Korngold Filmmusik mit symphonischem Anspruch.
    Britten war ein sehr junger Komponist, der nicht nur Geld verdienen musste, sondern auch, zumal er nie in Instrumentierung ausgebildet wurde, mit Klangfarben experimentieren musste, um seine eigenen Farben zu finden. Das konnte er bei der Filmmusik. Nebenbei lernte er mit ganz wenigen Strichen Atmosphäre zu erzeugen - was ihm in den Opern zugute kam.
    Im konservativen England schrieben avancierte Komponisten in den 60er-Jahren und etwas später öfters Musik zu Horror-Filmen, in denen sie ihre Klangvorstellungen am zielführendsten einsetzen konnten - Elizabeth Lutyens etwa, aber auch Don Banks. Und Peter Maxwell Davies komponierte eine atemberaubende Partitur für Ken Russells "The Devils", die auf der Übertragung mittelalterlicher Techniken auf die (post-)serielle Denkweise beruht.


    Schostakowitsch verwendete die Filmmusik, um gewisse Ideen auszuprobieren - und natürlich auch, um sein Überleben zu sichern. Einige seiner Filmmusiken haben sinfonischen Anspruch und sind so skrupulös gearbeitet wie seine sinfonischen Orchesterwerke.
    Ein Sonderfall ist der Russe Wjatscheslaw Owtschinnikow, ein glänzender Sinfoniker in Schostakowitsch-Nachfolge. Aber sein Meisterwerk ist die Musik zu Bondartschuks mehrstündiger Verfilmung von Tolstojs "Krieg und Frieden": Eine Musik von sinfonischem Anspruch, detailliert gearbeitet, skrupulös instrumentiert. Für den Konzertsaal wären einzelne Abschnitte jederzeit ohne Nachbearbeitung tauglich.
    Noch ein Erlebnis aus eigener Erfahrung: Ich spielte einem befreundeten, nicht sonderlich filminteressierten Dirigenten eine Suite aus Bernard Herrmanns Musik zu "Psycho" vor - hin und weg war er und glaubte mir solange nicht, dass es sich um Filmmusik handeln würde, bis ich es ihm mittels eines Videos bewies. Er hat die Suite dann sogar aufgeführt.


    Dass es massenhaft Schrott unter der Filmmusik gibt, spricht nicht gegen die Filmmusik. Es gibt schließlich auch massenhaft Schrott unter den Symphonien, ohne dass es gegen die Symphonie spricht.

  • Zitat

    Ich spielte einem befreundeten, nicht sonderlich filminteressierten Dirigenten eine Suite aus Bernard Herrmanns Musik zu "Psycho" vor - hin und weg war er und glaubte mir solange nicht, dass es sich um Filmmusik handeln würde


    Lieber Edwin,


    das glaube ich gerne, und zwar, weil diese Filmmusik zu 90 Prozent aus seiner 1935 komponierten, 12-tönigen Sinfonietta für Streicher besteht.


    Er hat alles- außer dem furiosem Main-Title- aus diesem sehr ambitionierten und hoch espressiven Werk seiner Jugend verwendet.


    Die Legende sagt ja, das Herrmann den schwarz- weiß Film mit einer "schwarz- weißen" Musik unterlegen wollte, halt Streichorchester pur- eine tolle Idee, wäre da nicht die Wirklichkeit.


    Hitchcock hatte ein äußerst begrenztes Budget und hat den Film mit seiner damaligen TV- Crew gedreht, deswegen das s/w.


    Er wollte dann von Herrmann nur ein Streichquartett aus Kostengründen und Herrmann hat ihn dann wenigstens zu einem Streichorchester überreden können.


    Die Sinfonietta für Streichorchester von 1935 würde Dir, lieber Edwin, sicher gefallen.


    Tolle Musik in jedem Falle!


    LG,


    Michael


    P.S.


    Edwin, sei mir nicht böse, aber das mit dem Gelübde bei Korngold habe ich schon einmal aufgeklärt, da es eine Legende des Korngold- Clans ist.


    Ich schreibe es nochmal...


    Korngold's Betätigungsfeld war die deutschsprachige Oper.


    Dieses Betätigungsfeld fiel spätestens nach dem "Anschluß" weg.


    Durch Freundschaft mit Max Reinhardt hatte er schon seit 1934 Arbeit in Hollywood bekommen, der er aber nicht sonderlich interessiert gegenüberstand.


    Nach dem "Anschluß" 1938 war er gezwungen, in Hollywood zu arbeiten, der berühmte Film "The Adventuers of Robin Hood" war sein Rettungsanker.


    Allerdings wurden seine Opern in Amerika nicht gespielt und deshalb lies er sich in seinen Vertrag hereinschreiben, daß er alles Material, welches er für Warner Brothers komponierte, später für Konzertwerke verwenden durfte.


    Dies war unüblich, da normalerweise alles, was die für die jeweiligen Studios angestellten Komponisten schrieben, automatisch dem Studio gehörte.


    So war Korngold in der Lage, 1945 nicht nur sein Violinkonzert, sondern auch sein 3.Streichquartett, die Sinfonische Serenade für Streichorchester und einiges andere für seine Wiederkehr nach Europa aus dem Filmmusikmaterial zu erstellen.


    Daß die ganze Geschichte dann gründlich schief ging, habe ich schon in einem andern Beitrag beschrieben.


    Ich würde ja gerne einen Link hier posten, der wäre ja intern, aber irgendwie ist es wohl nicht erwünscht.


    Aber das tippe ich nicht alles nochmal.


    Warum kann ich nicht auf ältere Beiträge verweisen?


    Mittlerweile gibt es zich neue threads, wo man dann dasselbe alles nochmal schreiben darf.


    Tschuldigung, aber das mußte mal raus.


    LG,


    Michael



    INTERNE Links sind durchaus möglich und auch ERWÜNSCHT.
    LG


    MOD 001 Alfred

  • Hallo Michael,


    kein Grund zur Aufregung - deine ausführlichen Beiträge zu Korngold sind mir noch bestens in Erinnerung. Vor geraumer Zeit las ich sie mit größtem Vergnügen. Du wehrst dich vehement gegen den Begriff "Gebrauchsmusik". Da auch ich dieses zugegeben schwammige Wort benutzt habe, möchte ich einen halben Rückzieher machen. Nämlich wenn es um ebensolche Leute wie Korngold, Steiner oder Herrman geht.


    Der ursprüngliche Ausgangspunkt war aber das, was das unsägliche "Klassik-Radio" permanent herunterdudelt. Und das sind die Hans Zimmers und Jerry Godsmiths der heutigen Tage. Und da stehe ich bislang zu dem Begriff.


    Vergleicht man das Medium Film der 30er oder 40er-Jahre mit dem heutigen Stand und betrachtet die Entwicklung in Sachen Tempo, Schnittfolgen, Computertechnologie usw., dann merkt man, dass der Musik ein anderer Platz eingeräumt wird, als vor einem halben Jahrhundert. Wohlgemerkt spreche ich jetzt von den Blockbustern Hollywoods, aber schließlich schrieben ja auch Korngold & Co für die Majors. Vielleicht liegt es daran, dass die Filmkomponisten von heute den Entwicklungen des Films Tribut zollen müssen und einfach nicht mehr in ausreichender Form arbeiten können, so dass die Musik letzten Endes auch für sich bestehen kann. "Gebrauchsmusik" meine ich auch so, dass man heute oft den Eindruck hat, dass die Produzenten bei ihren 100-Millionen-Dollar-Budgets ihr Augenmerk auf vieles richten, aber nicht auf künstvolle Musik. Am Ende scheint es oft zu heißen: So jetzt muss noch jemand ein paar knackige Orchestrierungen liefern. Und dann treten die besagten Zimmers auf den Plan mit ihren Komponisten-Factorys und liefern termingerecht. Wenn ein Film an sich schon ein Produkt ist, das verkauft werden muss, da ist die Musik nicht viel anders.


    Bei Filmen, die sich auf die Fahnen schreiben, Kunst zu sein, kann das auch in puncto Musik wieder ganz anders aussehen.


    Gruß
    B.

  • Hallo Theophilus und Barbirolli,


    ich gebe euch uneingeschränkt recht.


    Vielleicht habe ich bei der Verlinkung was falsch gemacht, jedenfalls war sie binnen 10 min. weg.


    Also habe ich auch alle Andeutungenn darauf wieder gelöscht.


    Tut mir leid, daß ich mal wieder zur Ruhe gerufen werden mußte, aber beim Thema Filmmusik könnt ihr euch vielleicht vorstellen, was zu meiner Studienzeit da los war, wenn man nur Piep gesagt hat.


    Das war ein Spießrutenlauf damals in den 80ern.


    Heute haben sich die Wogen ja zum Glück etwas geglättet, und in bezug auf die heutige Filmmusik, die als "Pseudo"-Klassik verkauft wird bin ich ganz eurer Meinung.


    Deshalb meinte ich ja auch, daß es vielleicht sinnvoll wäre, einen eigenen thread nur für Filmmusik der sogenannten "goldenen Zeit" zu eröffnen.


    Gute Nacht und bis morgen,


    Michael

  • Hallo Zusammen


    Ich kenne durchaus Filmmusik, die mir sehr gut gefällt und die mich anspricht, weil sie die Handlung des Filmes untermauert und die Gefühle, die mich aufgrund der gezeigten Szene erreichen, bekräftigen und verstärken. Ob ich sie deshalb als klassische Musik bezeichnen würde?" Ja, ich glaube schon, denn für mich sind da wirklich Meisterwerke dabei (Jenseits von Afrika, Der Pate, Once upon a time in the West etc.).


    Im übrigen bin ein großer Fan von Ennio Morricone (nein ich trage keinen Cowboy-Hut und habe keine krummen Beine). Ihn würde ich vorrangig als Filmmusik-Komponist bezeichnen und auch nur vereinzelte seiner Werke der Klassik zuordnen. Aber seine Musik ist auf jeden Fall genial. :lips:


    Ob experimentell mit Klängen und ausgefallenen Instrumenten oder Alltagsgegenständen, ob sinfonisch - seine Musik paßt immer 100 % zum Film. Und ich glaube, mancher Film verdankt seinen enormen Erfolg auch dieser Musik (Spiel mir das Lied vom Tod).


    Im übrigen hat er auch Kammermusik geschrieben, die sich durchaus hören lassen kann.


    Nervige Filmmusik gibt es für mich allerdings auch - Musik, die viel zu laut ist, völlig überzogen und nicht zur Handlung paßt. Aber die würde ich eh nie der klassischen Musik zuordnen, sie ist einfach nur Filmmusik oder in dem Fall würde ich sogar das von mir gehasste Wort "Soundtrack(dreck)" benutzen - rein ins linke Ohr und ganz schnell rechts wieder raus.


    Liebe Grüße Mimi

  • Hallo Michael!
    Dass es eine Legende der Korngold-Familie ist, glaube ich Dir auf`s Wort. Ich habe die Geschichte nämlich von Korngolds Sohn gehört. Und von Marcel Prawy, der sozusagen zur Familie gehörte. Soweit alles o.k.
    Nur kam Korngold meines Wissens nach über den "Sommernachtstraum"-Film von Max Reinhardt (1935), für den er die Mendelssohn-Partitur bearbeitete, zum Hollywood-Kontakt - was aber nicht dem widerspricht, dass "Robin Hood" sein Rettungsanker in finanzieller Hinsicht war.
    Dennoch verstehe ich nicht, dass Korngold, der ja auch reine Instrumentalmusik geschrieben hat, in den USA nicht auch als sogenannter Komponist klassischer Musik Fuß fassen hätte können. Zumal seine Musik ja keinesfalls so avanciert war, dass sie für amerikanische Ohren unerträglich gewesen wäre.



    Hallo Theophilus!

    Zitat

    Etwa so ?


    So besser nicht. Ich komme dann nämlich zu einer leeren Seite mit einem Kopf über Violinkonzerte des 20. Jahrhunderts. ?(


    LG

  • Tatsächlich? Ich komme genau zu folgendem Artikel:




    Du deiner Frage glaube ich auch aus meiner Erinnerung etwas ausgraben zu können:


    Zitat

    Dennoch verstehe ich nicht, dass Korngold, der ja auch reine Instrumentalmusik geschrieben hat, in den USA nicht auch als sogenannter Komponist klassischer Musik Fuß fassen hätte können. Zumal seine Musik ja keinesfalls so avanciert war, dass sie für amerikanische Ohren unerträglich gewesen wäre.


    Es war vielleicht ein rein organisatorisches Problem. Er hatte ja praktisch mit seiner ersten Filmmusik sehr großen Erfolg und war sofort ein vielbeschäftigter Mann, er und sein Team arbeiteten fast sprichwörtlich rund um die Uhr (vier(!) Filmmusiken 1936). Erst in der zweiten Hälfte seiner Hollywood-Zeit reduzierte er auf einen Film pro Jahr, und dann hatte er auch offensichtlich Zeit für Cello- und Violinkonzert. Für die Amerika-Karriere als klassischer Musiker war da aber vermutlich der Zug schon abgefahren...

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    Ich bin immer wieder traurig, wenn ich im Zusammenhang mit Filmmusik Begriiffe wie "Schrott" oder ähnliches höre oder lese.


    Lieber Michael,


    da ich verantwortlich für diese neuerliche Traurigkeit bin, möchte ich mich fast entschuldigen. Ich habe aber trotz "Schrott" genau formuliert:


    Zitat

    Aus Hollywood kenne ich filmmusikmäßig nur Schrott


    Von Korngold kenne ich nur das Klavierkonzert für die linke Hand aus den 20ern, das mir wirklich gut gefällt. Mag sein, dass er Hollywoods akustische Untermalung auf einen künstlerischen Höhepunkt geführt hat, mehr würde ich mir sicher von Honegger oder Schostakowitsch erwarten, aber wozu deren Filmmusik ohne zugehörigen Film hören, wo es von ihnen doch auch Musik ohne Film gibt? Und wenn ich Filme aussuche, dann tue ich das nach Regisseur, die Musik, die man dann zu hören bekommt, ist extrem unterschiedlichen Niveaus, am liebsten sind mir stets Stücke aus Nicht-Filmmusiken, die ja dann eher eine Art Kontrapunkt zum Film setzen als untermalen, oder absichtlich schlechte Musik.

  • Hallo Theophilus,


    Zitat

    und dann hatte er auch offensichtlich Zeit für Cello- und Violinkonzert


    Das ist schon richtig, wobei das Cellokonzert fast in Gänze für den Film Deception komponiert wurde- zwei Fliegen mit einer Klappe.


    Bei aller Liebe zu Korngold ist es meiner Meinung nach tatsächlich so, daß man Korngold's Reputation als Komponist für den Konzertsaal nicht überschätzen sollte.


    Natürlich gibt es da sehr schöne Werke, aber Korngold's Ruf als Komponist stützte sich in den 20er und 30er jahren vor allem auf sein Bühnenschaffen.


    @Edwin


    Mit dem Sommernachtstraum hast Du recht, ich schrieb es ja auch schon.


    Die Geschichte lief aber so, daß Korngold eigentlich mit dem Komponieren für Film aufhören wollte.


    Warner Broth. wollte ihn aber unbedingt für den Robin Hood -Film, was er ablehnte, da es ein Action-Streifen war.


    Mitten in diese Verhandlungen kam Hitler's Einmarsch in Österreich und Leo Forbstein, der Leiter der Musikabteilung meinte dann nur lakonisch


    "Now you have to do it!"
    Korngold konnte jetzt nicht mehr zurück nach Österreich.


    Ihm blieben dann noch 3 Wochen zur Erstellung der Patitur, wehalb er große Teile seiner "Sursum Corda"- Overture verwendete.


    Theophilus


    So ganz überarbeitet war Korngold nicht.


    In den ca. 12 Jahren bei Warner hat er um die 15 komplette( ich rechne jetzt mal einige kleiner Arbeiten und die Wagner und Mendelssohn- Barbeitungen nicht mit) Scores komponiert.


    In der selben Zeit hat Max Steiner (natürlich auf weniger hohem Niveau) um die 150 Partituren abgeliefert- bei Steiner wurde wirklich rund um die Uhr, manchmal unter ärztlicher Aufsicht mit Aufputschmitteln- wie bei "Vom Winde verweht"- gearbeitet.


    Nochmal zurück zu Korngold.


    Er war ja auch bis 1938 gar nicht daran interessiert, in Amerika Fuß zu fassen, sondern arbeitete an der "Kathrin", deren Uraufführung in Österreich ja dann in's Wasser fiel.


    @Edwin


    Welchen Korngold- Sohn meinst Du? Warscheinlich Ernst, den ich auch mal kurz kennengelernt habe.


    Einen wirklich netten Kontakt hatte ich mit George Korngold bis kurz vor seinem viel zu frühen Tod.


    Er hat sich enorm viel Zeit für mich (damals) jungen Korngoldianer genommen.


    Beste Grüße,


    Michael

  • Hallo,


    Um das nur mal stark vereinfacht darzustellen: Ist Filmmusik nicht eine Erweiterung der künstlerischen Aussagekraft durch die visuelle Komponente, die aber rein technisch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts möglich geworden ist? Ich würde qualitativ hochwertige Musik, die zu einem solchen Anlaß entstanden ist, definitiv als Kunstmusik ansehen (ich mag diesen Begriff lieber als die in ihrer Begrifflichkeit sinnlose Unterscheidung zwischen E- und U-Musik).
    Apropos Qualität: Ist es nicht so wie in der " klassischen klassischen Musik" auch? Das Niveau ist eben sehr unterschiedlich. Pauschalurteile sind mal wieder nicht möglich.


    Viele Grüße,
    Daniel :hello: