Heinrich Schlusnus: Ein deutscher Barde

  • Ich möchte einmal den"Schlusnus"wieder ins Gespräch bringen.
    Biographie und Karriere kann man ja nachlesen.
    Heinrich Schlusnus war der ideale Sänger für die vielen Opernväter,
    (Rigoletto,Germont,Montforte u.v.a.);aber er war auch herrlicher
    Wolfram,Posa oder Luna.Begeistert hat er auch viele Jahre als
    Liedersänger.Seine Stimme war,ähnlich wie bei Fischer-Dieskau's
    am Anfang seiner Sängerlaufbahn wesendlich dunkler timbriert
    als später.Schlusnus war einer der großen deutschen Baritone.


    Hebert Henn.

  • Die Stimme von Schlusnus war unverwechselbar:warm timbriert und leicht nasal kamen seine Töne durchs Radio in der Nachkriegszeit.
    Nicht viele Forianer werden sich an diesen Hörgenuß erinnern können.

  • Für mich ist Schlusnus d e r Rigoletto; ebenso hervorragend als Wolfram.
    Im Liedgesang leistete er ebenso großartiges, wenn auch manchmal eine gewisse Monotonie im Ausdruck nicht zu überhören ist.


    Mein Bariton-Favorit!!


    Gruß Heldenbariton :hello:

  • Zitat

    Original von heldenbariton
    Für mich ist Schlusnus d e r Rigoletto; ebenso hervorragend als Wolfram.
    Im Liedgesang leistete er ebenso großartiges, wenn auch manchmal eine gewisse Monotonie im Ausdruck nicht zu überhören ist.


    Mein Bariton-Favorit!!


    Gruß Heldenbariton :hello:

    Zitat

    Für mich ist Schlusnus d e r Rigoletto


    Ich schließe mich dem Urteil an. Ich habe - damals auf Tonband - eine inzwischen auf CD erhältliche Gesamtaufnahme des "Rigoletto" mit Schlusnus, Berger, Rosvaenge, Greindl, Hann, Klose u.a. xmal mit stets frischem Genuss gehört.
    Schlusnus starb an Herzrhythmusstörungen, die man heute mit einem Herzschrittmacher mühelos hätte beheben können.
    Gruß
    Loh.

  • DANKE, Lohengrin.


    Es gibt natürlich noch andere große Rigolettos, aber Schlusnus braucht keinen Vergleich zu scheuen. Schwachpunkte der Aufnahme sind (meine Meinung) Klose und Greindl;Klose, die Maddalenas Charakter vollkommen verfehlt, Greindl, der versucht "böse" zu sein und nur lachhaft ist, Sparafuciles Absteige mit dem Hofbräuhaus verwechselt.
    Aber wir haben ja unseren Schlusnus.


    :hello:Heldenbariton

  • Ich fand Schlusnus als Liedersänger anders auch ganz gut.
    Ich weiß nicht mehr ob ich Lieder aus "Die schöne Müllerin" oder "Die Winterreise" von ihm auf LP habe. Es ist ein Platte die um 1965-1970 ausgebracht wurde. Vermutlich DGG, aber das weiß ich auch nicht mehr.


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von heldenbariton
    Hallo Paul,
    vermutlich die DECCA-LP mit Schubert-Liedern (Müllerin, Winterreise)


    Danke Guido,


    Vermutlich hast Du recht, denn m.W. gibt es nicht soviel LPs mit Schubertliedern von Schlusnus.
    Übrigens, ich nehme an, Du kannst bestätigen, daß er auch ein fabelhafter Liedersänger war.


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von musicophil
    Ich fand Schlusnus als Liedersänger anders auch ganz gut.
    Ich weiß nicht mehr ob ich Lieder aus "Die schöne Müllerin" oder "Die Winterreise" von ihm auf LP habe. Es ist ein Platte die um 1965-1970 ausgebracht wurde. Vermutlich DGG, aber das weiß ich auch nicht mehr.


    LG, Paul


    Das mit der Datierung kann nicht recht stimmen (kann höchstens eine Wiederauflage gewesen sein).


  • Hallo,
    es gibt mit Schlusnus weder eine gesamte "Winterreise",
    noch"Die schöne Müllerin".Aufnahmen existieren nur von
    den Müller-Liedern :


    Wohin,
    Gute Nacht,
    Der Lindenbaum,
    Frühlingstraum und Die Post.


    (Alle,Genf 1948 )


    :hello:Herbert.

  • Hallo Herbert,


    Ich schrieb auch

    Zitat

    Lieder aus "Die schöne Müllerin" oder "Die Winterreise" von ihm auf LP habe

    .


    Denn das war keine GA, soviel wußte ich jadoch. Aber was da alles drauf steht, weiß ich überhaupt nicht mehr. Ich wußte auch nicht mehr welchen Zyklus es war. Ich dachte allerdings, daß es mehr waren. Aber m.E. war es ein großes Label.


    LG, Paul


  • Ich empfinde Greindl als durchaus böse und das nicht nur in Anführungsstrichen.

  • Hallo,
    Greindl wirkt durchaus böse und sarkastisch, wie es der
    Figur des Sparafucile von Verdi in die Stimme geschrieben
    wurde.Er war ja auch einer der bedeutensten Hagen-
    Darsteller,und der ist doch sicher böse,oder?
    Aber vielleicht hört jeder das Böse mit anderen Ohren. X(


    :hello:Herbert.

  • Hallo Herbert,


    wenn ich einen "bösen" Sparafucile hören will, höre ich Arne Tyrén..
    Greindl, den ich oft auf der Bühne erlebt hab, ist halt nicht mein Fall.
    Und als Hagen nenne ich Friedrich Dalberg und Gottlob Frick; aber alles Geschmackssache.


    :hello:Heldenbariton


  • Heinrich Schlusnus
    - Ein Bariton als Superstar -


    Arien & Lieder von Verdi, Puccini, Mozart, Donizetti, Gounod, Offenbach, Lortzing, Wagner, Rossini, Leoncavallo, Tschaikowsky, Schubert, Schumann, Strauss, Brahms, Wolf, Beethoven, Mahler, Loewe, Schoeck
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    Ab 28.11. im Handel - € 9.99


    LG

  • Lieber Harald,


    danke für diesen Hinweis. Einerseits freue ich mich über den Schnäppchenpreis, andererseits empfinde ich es geradezu als Sakrileg, diesen großartigen Sänger so zu verschleudern, irgendwie verspüre ich durch den niedrigen Preis eine Herabsetzung des Künstlers. Das hatten wir ja schon mit etlichen anderen Großen des Gesangs: Callas, di Stefano, Wunderlich, Anders usw. usw.


    Gruß
    Lohengrin

  • Heute ist sein 125. Geburtstag:



    Heinrich Schlusnus (* 6. August 1888 in Braubach; † 18. Juni 1952 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Opern- und Konzertsänger (Bariton).
    Zu seinem Geburtstag gibt es in seiner Heimatstadt Braubach eine Ausstellung, auf die hier bereits hingewieden wird:
    Leben und Sterben lassen - Die tägliche Gedenkminute


    LG

  • Zu seinem Todestag habe ich diese CD ausgesucht:



    Heute ist sein 63. Todestag.



    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Zu seinem Todestag habe ich diese CD ausgesucht:
    Heute ist sein 63. Todestag.
    Liebe Grüße
    Willi :)


    Es ist schon etwas verwunderlich, daß man heute von HEINRICH SCHLUSNUS kaum noch hört. Dabei feierte er an der BERLINER STAATSOPER mit MARIA CEBOTARI und HANS HOPF mit La Traviata und Rigoletto wahre Triumphe.


    In der Einspielung von VERDIs Die Sizilianische Vesper, die noch kurz vor seinem Tod erfolgte, überragte er als "Herzog Montfort" mit dem Glanz und der Pracht seiner Stimme, der Frische, Fülle und Kraft der Gestaltung alles.


    SCHLUSNUS war vor allem auch ein großartiger Lied-Interpret, ganz besonders auch der SCHUBERT-Lieder. Sein einfacher, farblich mitunter auch etwas monotoner Vortrag, vermag dennoch unmittelbar zu berühren. Im Vergleich zu FISCHER-DIESKAU erklangen bei ihm einige Lieder aber auch nachdrücklicher und schwärmerischer, wie z. B. sein "Sei mir gegrüßt".


    Ein wunderbares Dokument seiner Gesangskunst und seines ganz besonderen Timbres ist für mich die kleine 17 cm LP "Heinrich Schlusnus in memoriam" mit den Titeln "Agnus Dei" von BIZET, "Caro mio ben" von GIORDANI, "Ave Maria" von BACH-GOUNOD und "Ombra mai fu" aus HÄNDEL's Xerxes.


    com/watch?v=TtdOV-Cy5sQ


    com/watch?v=30Q_ALR8VeM


    com/watch?v=IL2yg4em1S0


    com/watch?v=SypZoFMYHQs


    wok

  • Lieber wok,


    Heinrich Schlusnus ist beim Konzertring Coesfeld, an meinem Wohnort, am 2. März 1951 aufgetreten mit Otto Braun am Klavier. Er hatte damals folgendes Program:


    - Fran Schubert: Ausgewählte Lieder,
    - Hugo Wolf: Der Tambour, Heimweh,
    - Mark Lothar: Ausgewählte Lieder,
    - Othmar Schoeck: Nachruf, In der Fremde;


    Das erste Konzert des (damals noch "Kleinen Konzertrings") bestritt am 21. 11. 1947 Das "Häusler-Quartett" mit Streichquartetten von Schubert, Haydn und Mozart.


    Als erster Pianist trat am 13. 3. 1948 Hans Richter-Hasser auf mit einem reinen Beethoven-Programm: die Sonaten op. 101, op. 27.1 und 27.2, die 32 c-moll-variationen und die Polonaise in C-dur.


    Ihm folgte am 23. 11. 1948 Conrad Hansen mit Werken von Beethoven (Pathétique), Reger (Variationen und fuge op. 134), Schumann (Phantasiestücke op. 12) und Mozart (Sonate F-dur KV 332).


    6 Wochen später saß am 13. 1. 1949 Friedrich Quest am Klavier und spielte Bach (Chromatische Phantasie und Fuge d-moll), Beethoven (Appassionata), Schumann (Fantasie op. 17) und Mozart (Sonate C-dur KV 330).


    Am 14. Mai 1949 endlich gastierte Elly Ney in Coesfeld: sie spielte ein reines Beethoven-Programm, 8 Tage vor meinem 3. Geburtstag, aber damals wohnte ich noch nicht in Coesfeld. Das Programm: Sonate op. 26, op. 57 (Appasionata), op. 110 und op. 111.


    Das erste Orchesterkonzert absolvierten am 9. Mai 1950 Karl Münchinger und das Stuttgarter Kammerorchester und Monique Haas unter der Leitung von Karl Münchinger, ausschließlich mit Werken von Bach- was sonst.


    Am 8. 11. 1950 schließlich spielt ein gewisser Eduard Erdmann die Schlusstrias der Schubert-Sonaten.


    Abschließend will ich in diesem Beitrag noch einmal Elly Ney erwähnen, die zusammen mit Ludwig Hölscher wieder ein reines Beethoven-Programm spielt, die Cellosonaten op. 66 , 69 und 102 Nr. 2. Außerdem spielte sie solo die "Waldstein-Sonate".


    Unnötig zu erwöhnen, dass 6 Wochen vorher Shura Cherkassky in Coesfeld auftrat mit Werken von Chopin, Strawinsky, Rameau, Bach, Daquin und Barber.


    Ach ja, und am 11. Juni 1953 sang ein gewisser Dietrich Fischer-Dieskau in Coesfeld in der Begleitung von Günther Weißenborn Schuberts Schwanengesang und Schumanns Dichterliebe.


    Falls Interesse besteht, bin ich gerne bereit, vielleicht auch in einem anderen Thread, weitere Konzerte des Coesfelder Konzertrings hier kund zu tung.


    Liebe Grüßa


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Falls Interesse besteht, bin ich gerne bereit, vielleicht auch in einem anderen Thread, weitere Konzerte des Coesfelder Konzertrings hier kund zu tung.


    Hallo Willi,


    OT: Es ist ja unglaublich, welche großen Künstlernamen sich da in der Vergangenheit in Coesfeld ein Stelldichein gaben!! SCHLUSNUS, HANSEN, RICHTER-HAASER, NEY, MÜNCHINGER, ERDMANN, HOELSCHER, CHERKASSKY, FISCHER-DIESKAU, WEISSENBORN...! Leider erlebte ich nur noch 5 dieser großen Interpreten. Kann denn Coesfeld auch heute noch so große Namen verpflichten??


    Gruß
    wok

  • Offtopic:
    Lieber wok,


    der Konzertring hat inzwischen seine aktive Tätigkeit eingestellt, aber aus dem neuen Programm des Konzerttheaters habe ich für den 26. 5. 2016 eine Karte für das Konzert des WDR-Sinfonieorchesters bestellt, das unter Leitung seines Chefdirigenten Jukka-Pekka Saraste ein reines Beethovenprogramm spielt: Coriolan-Ouvertüre, 3. Klavierkonzert; Solist Yefim Bronfman, 2. Sinfonie.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Es ist schon etwas verwunderlich, daß man heute von HEINRICH SCHLUSNUS kaum noch hört.


    Ach, wok, wie sollte man nun heute von ihm hören? Schlusnus, wir habe es soeben vernommen, ist 63 Jahre tot. Sein Gesangsstil ist entrückt und wirkt auf mich durch und durch historisch. Das will ich nicht abwertend verstanden wissen. Dennoch ist er im Netz, dem heutigen Medium Numro 1, mit vielen hundert Einträgen präsent - und wenn es nur praktische Hinweise auf die nach ihm benannten Straße in Berlin und Lahnstein sind. Es ist ja der Sinn von Straßenbenennungen, dass sie Persönlichkeiten im Gedächtnis behalten. Der Hinweis auf YouTube ist bereits durch Dich selbst ergangen. Du hast einige sehr schöne Titel verlinkt. Es gibt aber noch sehr viel mehr. Wer auf diese Weise im Internet angekommen ist, um den mache ich mir keine Sorgen. Der bleibt uns. Wenn ich es richtig sehe, waren Aufnahmen mit Schlusnus nie vom Markt verschwunden. Sucht man bei Amazon nach ihm, tuen sich etliche Seiten auf. Auch das etwas betuliche Buch von Eckart von Naso über Schlusnus ist zumindest antiquarisch dabei. Erst neulich habe ich auf einem Flohmarkt zig Schallacks mit ihm gesehen. Ich wünschte mir, auch andere Sänger, die mir wichtig sind, wären so präsent wie er. Wer sollte also wie von ihm hören? Mich interessiert wirklich sehr, was Du Dir darunter vorstellst. Auch ich bin manchmal schnell dabei, etwas zu beklagen, was sich bei näherem Hinsehen als zum Glück völlig gegenstandslos erweist. Wir sind allerdings nicht der Notwendigkeit enthoben, selbst nach den bestimmten Dingen zu suchen und zu graben. Sie liegen nicht in Schaufenstern.


    Was die Bemerkung zu WINTERREISE und MÜLLERIN in Beitrag 13 angehen, sollte noch hinzugefügt werden, dass zu den genannten Liedern doch noch einige mehr gibt - nämlich:


    Winterreise
    Der Lindenbaum (1941)
    Frühlingstraum (1941)
    Im Dorf (1944)


    Die schöne Müllerin
    Wohin? (1938)
    Der Neugierige (1934)


    Einige davon finden sich in der noch von Harald eingestellten Nimbus-CD. Auch die Decca-CD, auf die Willi verwies, enthält Lieder aus der WINTERREISE. Den Rest fand ich in meinen eigenen Beständen, die ich in großen Teilen von einem inzwischen verstorbenen Sammler erbte. Der hatte Schlusnus-Aufnahmen auf insgesamt 16 CDs zusammengestellt. Leider sind die meisten Titel lediglich mit einer Jahreszahl versehen und nicht mit weiterführenden Quellenangaben. Sogar Wotans Abschied und Feuerzauber aus der WALKÜRE von 1920 oder 1921 ist dabei. :)

  • Auf einem meiner alten Tonbänder befindet sich eine interessante Sendung mit Herrn Müller-Marein. Er bringt viele Musikbeispiele mit Anekdoten über Heinrich Schlusnus. Leider funktioniert mein Tonband-Gerät nicht mehr richtig, sodaß ich das entsprechende Band nicht mehr auffinden kann. Sollte ich bald mal über etwas mehr Freizeit verfügen, werde ich mich auf die Suche nach diesem Band begeben.

  • Ach, wok, wie sollte man nun heute von ihm hören? Schlusnus, wir habe es soeben vernommen, ist 63 Jahre tot. Sein Gesangsstil ist entrückt und wirkt auf mich durch und durch historisch. Das will ich nicht abwertend verstanden wissen


    Hallo Rheingold,


    Wenn ich im übertragenen Sinn von "hören" gesprochen habe, dann meine ich damit natürlich in erster Linie "geschrieben", und da wiederum denke ich naheliegenderweise natürlich auch an unser Forum, und da ist sein Thread nicht über 1 Seite an Beiträgen hinausgekommen, was ja für einen so berühmten Sänger nicht so üppig ist.

  • Zitat von »wok«
    Es ist schon etwas verwunderlich, daß man heute von HEINRICH SCHLUSNUS kaum noch hört.


    Ach, wok, wie sollte man nun heute von ihm hören? Schlusnus, wir habe es soeben vernommen, ist 63 Jahre tot. Sein Gesangsstil ist entrückt und wirkt auf mich durch und durch historisch. Das will ich nicht abwertend verstanden wissen.


    Hallo Rheingold,


    Leider ging meine Antwort an Dich soeben aus unerklärlichen Gründen schon unvollendet durch, obwohl ich meines Wissens nicht auf "absenden" drückte. So beginne ich meine Antwort aufs neue. Vielleicht kann jemand meinen angefangenen Beitrag Nr. 28 löschen.


    Wenn ich im übertragenen Sinne von "hören" gesprochen habe, so meinte ich damit natürlich in erster Linie "geschrieben", und da wiederum denke ich naheliegenderweise natürlich an unser Forum, und da ist sein Thread nicht über 1 Seite an Beiträgen hinausgekommen, was ja für einen so berühmten Sänger nicht so üppig ist. Die CEBOTARI, mit der HEINRICH SCHLUSNUS oft zusammen auftrat, ist auch schon 66 Jahre tot, und sie brachte es im Forum immerhin auf 10 Seiten, RICHARD TAUBER ist 67 Jahre tot, er hat in unserem Forum schon 19 Seiten an Beiträgen aufzuweisen, ganz zu schweigen von dem immerhin auch schon vor fast 50 Jahren verstorbenen - zugegebenerweise noch etwas berühmteren FRITZ WUNDERLICH, dessen Thread bis jetzt 50 Seiten umfaßt. Natürlich kann man die Seitenzahl der Threads in unserem Forum nicht als Maßstab dafür nehmen, wie lebendig ein Sänger noch in unserer Erinnerung ist, doch meine ich, daß da HEINRICH SCHLUSNUS schon etwas schlecht wegkommt. Es kommt natürlich auch darauf an, wie populär ein Sänger schon zu Lebzeiten war, und da haben die oben genannten Sänger dann einem HEINRICH SCHLUSNUS gegenüber, von dem es ja auch vergleichsweise wenig Aufnahmen gibt, doch einiges voraus. Es ist aber schon richtig, daß er im Netz und bei Amazon noch sehr gut vertreten ist.


    Ich weiß nicht, ob man seinen Gesangsstil wirklich als "entrückt" und "durch und durch historisch" bezeichnen sollte. Vielleicht ist seine Stimme mit sehr warmer Klangtönung; und sein mitunter etwas monotoner Duktus nicht jedermanns Sache - für mich ist und bleibt gewiß DIETRICH FISCHER-DIESKAU, vor allem im Liedgesang, der Bariton des 20. Jahrhunderts - doch wenn sich jeder Interpret in seinem Stil jeweils seiner Zeit anpassen würde, dann weiß ich nicht, wie man dann z. B. ein SCHUBERT-Lied im 22. Jahrhundert singen würde, und ob man daran dann wirklich noch seine Freude haben könnte. Ich würde am liebsten eine Interlpretation so hören, wie diese zur Zeit der Entstehung einer Kompostion erklang und realisiert wurde. Und da ist vielleicht die Sängergeneration der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei der Interpretation romantischer Werke deren Ursprung immerhin noch ein klein wenig näher als in der heutigen nüchternen Zeit. Vermutlich macht es auch die Aufnahmetechnik, daß diese historischen Aufnahmen noch etwas "entrückter" herüberkommen als dieser Gesang im Konzertsaal vernommen wurde. Wenn HEINRICH SCHLUSNUS z. B. die "Loreley" von SILCHER singt, dann finde ich dies absolut dieser etwas melancholischen Musik - und vermutlich auch den Intentionen des Komponisten - angemessen, es sei senn man empfindet dieses Lied an sich als so etwas wie eine Schnulze, und für mich ist dies keine historische Interpretation im Sinne von verstaubt. SCHLUSNUS belegt m. E. hiermit, daß er ganz gewiß nicht nur ein hoch gerühmter VERDI-Sänger, sondern auch ein Lied-Interpret von höchstem Rang war.


    com/watch?v=TOaJZY49-LM


    Viele Grüße
    wok

  • Lieber wok,


    ich habe gerade deine gepostete Aufnahme von der Loreley Firedrich Silchers gehört, und mich hat der Vortrag von Heinrich Schlusnus regelrecht ergriffen. Nun mag das daran liegen, dass ich mit meinen 69 Jahren schon fast ein reaktionärer Konservativer bin, aber vielleicht auch wiederum nicht, denn sonst hätte ich mir ja nicht die Gesamtaufnahme aller Loewe-Balladen und Lieder in einer neuen Ausgabe von 1994 bis 2003 angeschafft und mittlerweile jede Menge Gesamtaufnahmen der Beethoven-Sinfonien mit Kammerorchestern oder sogar Originalklang-Orchestern angeschafft, die ich auch noch gut finde.
    Aber wie dem auch sei, so halte ich Heinrich Schlusnus doch für einen der führenden Baritone in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und es ist übrigens so, dass er jede Menge Aufnahmen gemacht hat, wie die folgende Aufstellung unter Beweis stellt und die nebenbei auch noch herausstellt, dass er ein herausragender Liedsänger gewesen sein muss. Auch ein Fritz Wunderlich und ein Dietrich Fischer-Dieskau haben ihre herausragendsten Leistungen auf dem Gebiete des Liedgesanges vollbracht. Doch nun zu der Aufstellung:


    Heinrich Schlusnus:


    Diskographie (Auswahl)


    • 1919 bis 1951: 514 kommerzielle Schallplattenaufnahmen, bis auf wenige Ausnahmen alle bei der Deutschen Grammophon-Gesellschaft. Davon sind fast 400 Titel Lieder, die Kompositionen umfassen die Zeit von Ludwig van Beethoven bis Richard Strauss.
    • 1942: Giorgio Germont in La Traviata (deutsch, Querschnitt). Chor und Orchester der Berliner Staatsoper unter Hanns Steinkopf.
    • 1944: Titelrolle in Rigoletto (deutsch). Chor und Orchester der Berliner Staatsoper unter Robert Heger. Deutsche Grammophon, Wiederveröffentlichung zuletzt bei Preiser Records.
    • 1949: Wolfram in Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg, Chor und Orchester des Hessischen Rundfunks unter Kurt Schröder. Deutsche Grammophon.
    • 1951: Montfort in Die sizilianische Vesper (deutsch). Chor und Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks unter Kurt Schröder. DG, Mytho. (Quelle: Wikipedia)


    Ich glaube, mit der Anzahl seiner Schallplattenaufnahmen braucht er sich vor Niemandem zu verstecken. Und er hätte sicherlich nur einen geringen Bruchteil der Aufnahmen gemacht, wenn seine Stimme nicht herausragend gewesen wäre.


    Liebe Grüße


    Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).