Beethoven, Ludwig van: Violinsonate Nr 9 "Kreutzersonate"

  • Das berühmteste Stück der Kammermusik braucht einen eigenen thread.


    Die Kreutzersonate von Beethoven. Dem Geiger Rodolphe Kreutzer gewidmet, der es wahrscheinlich nie gespielt hat. Warum dann die Widmung ? Ein schöne Spekulation findet sich bei Kühn, Beethoven und der schwarze Geiger, eine abenteuerliche Geschichte einer Afrikareise Beethovens mit dem Geiger der Uraufführung im Wiener Augarten 1802, dem Mulatten Bridgetower. Es wird spekuliert, diesem sei die Sonate nicht gewidmet, weil er sich wegen Frauen ( einer Frau ?) mit Beethoven überworfen habe, und der Bruder Beethovens habe mit dieser Widmung den Frankreich-Markt für Beethoven öffnen wollen ( so Kühn, der zwar fabuliert, aber zugleich, wie immer in seinen Büchern,gründlich recherchiert und ein brilliantes Charakterporträt von Beethoven zeichnet)


    Jedenfalls ist diese Sonate von großer Leidenschaftlichkeit, so dass Tolstoi mutmaßen durfte, diese Musik sei Sünde und eine gemeinsame Aufführung könne Grundlage eines Ehebruchs sein.


    Bis hin zu Magriet de Moor sind immer wieder Schriftsteller angeregt worden, dieses Stück zu paraphrasieren.


    Nun zu den Interpreten. Meine erste Aufnahme war Kulenkampff und Kempff. Damals kannte ich nichts anderes. Aber wenn irgendetwas für dieses Stück tödlich ist, dann ist es hanseatische Zurückhaltung.


    Ich habe dann unendlich viele Aufnahmen gehört, weil ja fast jeder Geiger, der etws auf sich hält, von diesem Stück eine Aufnahme macht. Es gab solche darunter, die mir gar nicht gefielen, wie etwa Menuhin und solche, die mir gut gefielen.


    Seit 1986 kenne ich nur noch eine Referenzaufnahme, Thomas Zehetmeier geigt mit jugendlicher Unbekümmertheit und zeigt uns allen, welche Leidenschaft in diesem Stück steckt. Leider hatte irgendjemand die Schnapsidee, er solle von einem historischen Flügel begleitet werden. So quält Malcolm Frager einen Broadwood aus der Beethovenzeit. Schade. Für immer schade. Wenn ich also die beste Klavierversion dieses Stückes hören will, muss ich zu einer anderen Aufnahme greifen. Für mich hat hier die Palme Martha Argerich ( die mit Kremer die gesamten Sonaten eingespielt hat und mit ihm großartigste Kammermusik exekutiert,leider ist Kremer nicht mein Fall). Argerich spielt das Beethoven´sche Expressivo so intensiv, die mit Zehetmeier zusammen, das wäre ein Traumpaar gewesen.


    Auf eine Diskussion über Stück und Aufnahmen ist sehr gespannt:


    Sagitt

  • Hallo Sagitt,


    über das Stück mag ich gar nicht viel diskutieren, nur meine große Liebe zu ihm bekunden. ;)


    Der erste Kontakt - noch "jungfräulich", ich kannte das Stück gar nicht - fand vor ca. 10 Jahren in der Berliner Philharmonie statt, live mit Gidon Kremer und Martha Argerich. Es hinterlies einen starken Eindruck, doch obwohl beide Solisten zu meinen Favoriten gehören, habe ich bisher keine Aufnahme der Sonate von Ihnen. Was vermutlich daran liegt, dass ich mit den beiden bisher gekauften hochzufrieden bin.


    Meine enthusiastische Empfehlung gilt dieser Einspielung:



    Ich besitze sie noch in einer anderen Aufmachung, aber vermutlich ist von RCA bis auf das Cover nichts verändert worden (hoffentlich!).
    Szerings Einleitung stimmt erwartungsvoll, spätestens die ersten Akkorde von Rubinstein lassen einen endgültig aufhorchen. Furios, mit welcher Leidenschaft dann die Überleitung zum Hauptthema vollzogen wird. Ich hab mir das mal (nur diese Passage) an einem Tag 10 mal hintereinander angehört, weil ich nicht genug von dieser "Energie" bekommen konnte. :rolleyes:
    Meine LIeblingsaufnahme. Weiterhin erwähnenswert ist die Frühlingssonate auf der CD, in der es Rubinstein gelingt, aus dem "spröden" Klavier eine Kantilene zu zaubern, die Szering gehörig unter Druck setzt. :D


    Dicht gefolgt in der Sympathie ist diese Aufnahme:



    Ich habe sie schon lange nicht mehr gehört, kann deshalb gar nicht mehr darüber sagen, als dass sie mir auch ausgesprochen gut gefiel.
    Vielleicht trage ich das die Tage mal nach, wenn ich Zeit finde, da mal reinzuhören.


    Gruß
    Anti

  • Hallo,


    Bevor ich meinem Beitrag zu diesem Thread schreiben konnte musste ich vorerst mein Gedächtnis wieder auffrischen und in die mir zur Verfügung stehenden Aufnahmen hineinhören.
    Wie schon einmal hier angedeutet ist meine Begeisterung für Kammermusik eher jüngerern Ursprungs, sodaß ich nicht viel davon in meiner Sammlung habe.
    Bei der Anschaffung der "Kreutzer-Sonate" war ich nicht sehr wählerisch, ich nahm was sich damals grade so ergab und im Budgetbereich angesiedelt war. Wie sich herausstellte war das dann ein Glückstreffer (das mag subjektiv sein)


    Die erste Aufnahme auf CD mit diesem Werk (gekoppelt mit der "Frühlingssonate") war eine Aufnahme mit Originalinstrumenten.
    Die Interpreten waren Jaap Schröder und Jos van Immerseel.
    Wenn auch der Flügel ein wenig holprig und villeicht auch manchmal ein wenig verstimmt klingt, so passt er sich doch hervorragend an, man merkt in diesem Falle (im Gegensatz zu den reinen Klaviersonaten),
    daß die Sonate für ein Pianoforte des 19. Jahrhunderts geschrieben wurde. Auf de Aufnahme kommt (obwohl die Angabe darüber fehlt) offensichtlich ein Broadwood zum Einsatz, ein weich und eher warm klingendes Instrument. Das Besondere an dieser Aufnahme jedoch ist die Violine Jaap Schröders, bzw was er aus ihr herausholt, sie klingt "harzig", sehr präsent und zusätzlich bei aller Wärme und allem Schmelz doch sehr temperamentvoll, man geht, so scheint es ans Limit der alten Instrumente mit dieser Interpretation.



    Vor etwa 2 Jahren, oder etwas länger, als ich meine "Wilhelm Kempff" Phase hatte :yes: ergänzte ich die Sammlung durch eine moderne Version, oder besser gesagt eine Version auf modernem Flügel.
    Kempffs Parten auf dieser Aufnahme war Yehudi Menuhin. Um es vorweg zu nehmen: Sie riß mich nicht vom Hocker.



    Ich kann mir zwar schwer vorstellen, daß dies die weniger gut Aufnahme sein soll, wahrscheinlich bin ich durch die Hörerfahrung mit der anderen CD so geprägt, aber ich empfand das Klavier als wesentlich spröder und die Geige härter und metallischer als bei der zuerst beschriebenen Aufnahme, die somit fürs erst mein Favorit bleibt. Zudem fehlte IMO der feurige Zugiff, der die Schröder/Immerseel Aufnahme auszeichnete.


    Vielleicht kennt einer der Forianer eine der beiden Einspielungen und kann meinen Eindruck bestätigen oder relativieren...


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Sagitt meint:


    Die Kreutzersonate ist -mindestens im ersten Satz- ein leidenschaftliches Stück (warum hätte sonst Tolstoi dieses Stück zum Gegenstand seiner Erzählung gemacht).
    Gerade fällt mir eine schön leidenschaftliche Aufnahme in die Hände. Joseph Szigeti und Claudio Arrau spielen - live - 1944 die Kreutzersonate. Immer tiefer tauchen sie in diese Leidenschaft des ersten Satzes ein und befeuern sich gegenseitig. Der zweite Satz iist ja in seinem Charakter ein ganz anderer. Den finde bei ihnen ein wenig grob( hinreißend die französische Pianistin Brigitte Engerer mit dem jungen Geiger Oliver Charlier- bei uns leider ziemlich unbekannt), aber im dritten Satz kann wieder die wilde Jagd abgehen- alles zu einem Spottpreis von 4,99. Arraus Spiel ist überragend- so transparent und kraftvoll zugleich. Der technische Zustand ist - für 60 Jahre- befriedigend.

  • Gerade hab ich die Kreutzer-Sonate in der Aufnahme von Jascha Heifetz und Benno Moiseiwitsch gehört - nach langem Warten und schon viel Hörensagen über den Wert dieser Einspielung: Ich bin nicht enttäuscht worden.



    Titel: The Heifetz Collection, Volume 17 (2cd)
    Interpreten: Jascha Heifetz, Benno Moiseiwitsch
    Label: RCA (lizensiert von EMI?)
    Katalog: 09026-61738-2 (leider vergriffen)



    Die Aufnahme entstand am 14. und 15. Mai 1951 in den EMI-Studios in der Abbey Road von London. Wie ich schon in einem anderen Thread bemerkte handelt es sich dabei um die einzige (zumindest eine der wenigen) Violinsonaten-Aufnahmen Heifetz mit einem wirklich musikalisch gleichberechtigten Partner (bei den anderen Aufnahmen mit Bay oder Brooks dominiert er einfach zu stark). Dass es sich hier um ein inspiriertes und inspirierendes Zusammenspiel handelt wird schon nach wenigen Takten klar und das obwohl die Aufnahmetechnik (oder die Überspielung von EMI) den Pianisten zunächst etwas dumpf im Hintergrund erklingen lassen.


    BM folgt JH nicht einfach überall hin oder breitet ihm einem harmonischen Teppich zum Schaulaufen. Es scheint er ein wechselseitiges Voranpreschen, wo jeder Musiker mal die Richtung vorgibt und sich der andere nicht um eine Antwort verlegen zeigt. Alle Phrasen sind wunderschön ausformuliert. Und dabei kommt nicht einmal der manchmal zu hörende (zumindest bei anderen zu hörende) Schmalz zum Klingen. Vor allem in den beiden Ecksätzen brennen die beiden ein regelrechtes Feuerwerk ab.


    Der Höhepunkt bildet aber das mittlere Variationen-Andante. Hier zeigt vor allem Moiseiwitsch seine Fähigkeit als Musiker (Begleiter und Solist) während jeder der Heifetz als kühlen und reinen Geigenvirtuosen einstufen will, hier eines besseren belehrt wird. Sehr viel Gefühl, wiederum auch ohne Schmalz (was aber vielleicht an dem insgesamt zügigen Tempo liegt.


    Beide Musiker präsentieren sich technisch auf oberstem Niveau. Eine wahre Freude, da zuzuhören:


    Interpretation: 8,5 (Luft nach oben muss hier noch sein, angesichts der Konkurrenz)
    Klang: historisch


    Gut- bis erstklassig sind auch die weiteren Interpretationen auf der Doppelcd: Elgars und Tchaikovskys Violinkonzert (mit Sargent und Susskind) und die 1. Violinsonate von Saint-Saens (mit Bay)

  • Hallo


    Hatte gerade die Frau Mutter mit ihrer Kreutzersonate im TV sehen dürfen, gähn. Mit Leidensmiene und Schmollmund vorgetragener zerdehnter Kaugummikitsch. Leider habe ich ansonsten aber nur die Aufnahme von Menuhin/Kempff, die auch nicht viel packender ist.


    Über Tolstoj würde ich gerne im neuen Literaturforum weiterdiskutieren (wenn ich ihn erneut gelesen habe). Ich finde seine Erzählung über die Maßen problematisch, diese seltsame Privatreligion Tolstojs, für die er offen Reklame macht in diesem Buch ist ja noch drei mal sexual- und leibfeindlicher als Kardinal Ratzingers heilige Inquisition. Und die "sündige, böse" Kunst und Musik bekommt von Tolstoj auch eine Watsche ab - dabei halte ich die Kreutzersonate in den beiden lahmen Einspielungen, die ich kenne für so gar nicht leidenschaftlich, finde den Kopfsatz sogar richtig mißglückt und den Rest auch nicht so dolle.
    Naja, vielleicht bringt mir Heifetz demnächst mal die Kreutzersonate etwas näher...


    Ach so, und wo wir schon bei der Tolstojrezeption sind, können wir uns natürlich auch gerne Janaceks Streichquartett zu Tolstojs Kreutzersonate widmen.


    Gruß, Markus

  • Sagitt meint:


    Ich habe ja im Literaturforum auf das fabelhafte Buch von Dieter Kühn hingewiesen,in dem die Kreutzersonate eine überragende Rolle spielt. Der erste Satz ist pure Leidenschaft- deswegen ja die Reaktion von Tolstoi darauf.
    Wenn man das Stück erfassen will, sollte man zu Aufnahmen greifen, die diese Leidenschaft ausleben. Für viele Violinisten ist dies ein Stück vom großen Beethoven, die sicher bekannteste Violinsonate, ein Stück auf dem Sockel.
    Damit wird man aber diesem Stück nicht gerecht. Da müssen die Fetzen fliegen-wenn man den Bericht der Uraufführung im Wiener Augarten liest, soll Beethoven selbst von dem Stück emotional übermannt worden sein, seinen Partner Bridgetower umarmt haben, während des Stücks aufspringend und rufend: noch einmal lieber Bursch..
    Ich kenne nur eine Aufnahme, die diese Sichtweise gänzlich erfüllt, ich schrieb es: Thomas Zehetmeir, in der Unbekümmertheit seiner Jugend.
    Und eine Pianistin, die dem Klavierpart gerecht wird: Martha Argerich.


    An diesen beiden muss ich alle anderen messen.

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard
    Hallo


    Hatte gerade die Frau Mutter mit ihrer Kreutzersonate im TV sehen dürfen


    Ich bin ja eigentlich ein großer Fan von Anne Sophie Mutter, aber irgendwie war es schon fast rührend, wie sie gemeinsam mit Lambert Orkis versucht hat, in dieses seltsame Werk eine "Tiefe" reinzubringen, die es einfach nicht hat. Mir wird ja Beethoven eh ein immer größeres Rätsel, je älter ich werde. Wie kann man sich nur trauen, so was Läppisches (Tonleitern rauf, Tonleitern runter, seitenlange Akkordbrechungen der primitivsten Sorte in durchgehenden Achteln etc.) aufzuschreiben und dann noch seinen Namen draufzuschreiben? Manche von Beethovens Werken umweht ein Mythos, der irgendwie historisch bedingt sein muß, sich aber aus den Noten nicht erklären läßt. Ich denke, solche Kompositionen sind dafür verantwortlich, daß Klassische Musik als "schwer verständlich" gilt, wobei ja nicht die Musik schwer verständlich ist, sondern die unglaubliche Begeisterung, die solcher Musik entgegengebracht wird.


    Aber vielleicht bin ich ja auch nur zu dumm, um die Genialität der Kreutzersonate zu erkennen... ?


    So, jetzt dürft ihr über mich herfallen... :D


    Gruß
    Heinz

  • Zitat

    Original von Heinz
    So, jetzt dürft ihr über mich herfallen... :D


    Gruß
    Heinz


    Kein Grund dazu. Ich will Beethoven nicht den Ruhm neiden, schließlich mag ich viele seiner Kompositionen (v. a. Streichquartette), wundere mich aber wie gering der Ruhm anderer Komponisten nicht nur seiner Zeit ist ...

  • Sagitt meint:


    Dass viele eine Person und ihr Werk schätzen, ist sicher gar kein Argument. Was aber macht die Größe einer Musik aus ? Muss es die Komplexität einer Kunst der Fuge habe, die Mächtigkeit einer Mahlersinfonie ? Gould hat sich über die "Primitivität " der Beethoven´schen Kunst ja auch diverse Male ausgelassen.


    Ich denke, Größe setzt nicht ungeheure Komplexität voraus. Mit wenigen Noten große Wirkungen zu erzielen, ist sicher mindestens eine gleich große Kunst als wenn das Notenblatt schwarz vor Noten ist. Edle Einfalt als klassisches Ideal.


    Die Wirkung kann man der Kreutzersonate ja überhaupt nicht absprechen. Sie hat andere Komponisten angeregt, immer wieder Schriftsteller.


    Mich spricht die Leidenschaft des ersten und dritten Satzes und strenge Variationsform des zweiten Satzes gleichermaßen an und ich finde sie von allen Violinsonaten Beethovens am bedeutensten.


    Kühn war Beethoven auch- aber das waren andere Zeiten und andere Werke. In dieser Zeit um die Jahrhundertwende stand die Leidenschaft im Vordergrund- und das drückt die Sonate aus.

  • Sagitt meint:


    Eben höre ich ( und sehe ich) mal wieder die Kreutzersonate, gespielt von von Pinchas Zukerman und Marc Neikrug und denke, man müsste für jeden Satz seinen Favoriten angeben können. ZB diese beiden: einen ziemlich konventionell -langweiligen ersten Satz, ebenso unbeachtet geht der zweite vorbei, aber der dritte wird voller Impulsivität ganz großartig gestaltet.
    Für den ersten Satz bleibt mein Favorit Thomas Zehetmair,beim Klavier ist es die Argerich, für den zweiten ist der Klavierpart gespielt von Brigitte Engerer nicht zu überbieten. Für den dritten ist Zehetmair sehr gut, aber eben auch Neikrig mit Zukerman.

  • Sagitt meint:


    Mal wieder eine neue- alte Aufnahme der Kreutzer gehört und... begeistert. Rudolf Serkin mit seinem Schwiegervater Adolf Busch 1941.
    Unglaublich, wie die beiden sich leidenschaftlich im ersten Satz aufschaukeln,. Adolf Busch kann mit allen Größen der Violine mithalten und Serkin ist so leidenschaftlich, wie sonst nur die Argerich.
    Die Klangqualität der Serie artone ist erstaunlich gut und preiswert ist das ganze allemal 6.99 für 4 CDs ( Serkin at his best)

  • Die Perlman/Ashkenzy-Aufnahme ist noch immer mein Favorit. Dies nicht nur wegen der herausragenden künstlerischen Leistung, sondern auch wegen der erstklassigen Aufnahmequalität, was für mich als Hifi-Fan ebenfalls sehr wichtig ist.


    Aus dem Gesamtpaket mit allen Beethoven-Sonaten gefällt mir auch die c-moll-Sonate ausnehmend gut.
    Wenn ich mir vorstelle, dass Brahms den Klavierpart einst in Celle aus dem Stand einen halben Ton höher gespielt hat, nur weil Reményi in seinem Stolz seine Geige nicht auf das abgesackte Klavier hinunterstimmen wollte.....

  • Ich hörte gerade Beethovens Kreutzersonate an. Gespielt von Clara Haskil und Arthur Grumiaux (Einspielung Januar 1957).


    Kann einer erklären, warum gerade von dieser Aufnahme gesagt wird "an diesen Beethovensonaten müssen sich alle anderen Ausführungen messen lassen".


    Es gibt bessere Violinisten als Grumiaux die diese Sonaten eingespielt haben. Und ebenso gute(??) Klavierbegleiter waren dabei.


    Warum werde ich noch immer beim Anhören dieser Ausführung gerührt?


    LG, Paul

  • hallo,


    die aufnahme mit grumiaux und haskil kenne ich nicht. wohl weiß ich, das clara haskil bei ihrem letzten besuch in brüssel von der bahnhofstreppe stürzte (möglicherweise in anwesenheit grumiaux') und sich dabei ein tödliches schädelhirntrauma mit hirnblutung zuzog. :(


    die sonate op.47 gibt es in reichlich sehr guten aufnahmen. ich persönlich kenne einige sehr gut.


    menuhin/kempff (ADD, DG)- mit dieser aufnahme (als LP) lernte ich das werk damals zur schulzeit kennen. da sich die große lebenserfahrung dieser menschen und ihre liebe zum musizieren so wunderbar zum ausdruck kommt, gilt diese einspielung für mich als eine der bedeutendsten. dabei befanden sich beide künstler nicht mehr auf der höhe ihres manuellen geschickes.


    francescatti/casadesus (ADD, CBS/sony)- kräftig, lust am zugriff und blindes zusammenspiel.


    stern/istomin (ADD/DDD, CBS/sony)- blindes zusammenspiel. solide pianistische leistung und die 'sprechende' geige sterns mit variantenreichem ton. sehr gute akustik.


    kogan/gilels (ADD,Doremi)- live-mitschnitt aus 1964. nicht so tolle aufnahmequalität, da bassarm und übersteuert. aber extrem virtuoser zugriff und dabei große übereinstimmung. die instrumentaltechnisch beeindruckendste version, die ich kenne.


    oistrach/oborin (ADD, philips)- große übereinstimmung. oistrach wie immer sehr beredt mit für ihn eher schlanken ton. oborin für meinen geschmack zu korrekt sprich trocken. etwas dumpfe akustik.


    perlman/argerich (DDD, EMI, s. threadstarter)- instrumentaltechnisch perfekt, aber IMO irgenwie nicht richtig harmonisierend.


    kremer/argerich (DDD, DG)- temperamentvolles und harmonisierendes gespann. IMO die packendste DDD-aufnahme auf modernen instrumentarium.


    zuletzt muss auf die aufnahme von zehetmair/frager auf originalinstrumentarium hingewiesen werden, da sie als referenz gilt. ich habe sie leider nie gehört. vielleicht kann hier jemand berichten.





    ]


    gruß, siamak :hello:

  • Salut,


    Zitat

    Original von sagitt
    Dem Geiger Rodolphe Kreutzer gewidmet, der es wahrscheinlich nie gespielt hat.


    Das habe ich dem MGG soeben per Zufall bei der Suche nach etwas anderem auch entnommen und war ganz erstaunt: 8o


    Den Worten des MGG zufolge soll sich Kreutzer mit dem Werk nicht angefreundet haben - so ein Hirnie.


    :motz:


    Zur Strafe werde ich meinen Wunsch, Werke des Komponisten Kreutzer kennen zu lernen, auf den St.-Nimmerleinstag verschieben. :P


    Außerdem lege ich keinen Kreutzer mehr Wert auf den altbewährten Werkbeinamen und nenne das Werk fortan Bridgetower-Sonate. Hat der eigentlich später mal "Die Wut über die verlorene Widmung" komponiert?


    Viele Grüße
    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli
    Außerdem lege ich keinen Kreutzer mehr Wert auf den altbewährten Werkbeinamen und nenne das Werk fortan Bridgetower-Sonate.


    Nenne sie doch sonata mulattica, dann befindest Du Dich in guter Gesellschaft...


    :hello:

  • Gute Idee... 8)


    Aufklärend könnte auch dieses Fachbuch sein:



    Wenn ich allerdings bereits lese, dass Beethoven die Sonate morgens um 8 Uhr uraufführte - dann wird mir leicht übel...


    :hello:


    Ulli


    P.S. Du wirst uns sicherlich bald aufklären, wie es wirklich zu der Namensgebung "Kreutzersonate" kam... das war nämlich ganz anders... oder? :rolleyes:

  • Hallo,
    ich möchte noch auf drei Einspielungen mit großen Interpreten
    der Schellackzeit aufmerksam machen:



    Bronislaw Huberman und Ignaz Friedman,


    Fritz Kreisler und Franz Rupp,


    Joseph Szigeti und Bela Bartok.


    Alle drei Aufnahmen stammen aus den 30er Jahren.


    :hello:Herbert

  • Lieber Herbert,


    Huberman/Friedman kann ich als Empfehlung nur unterstützen, eine in ihrer Radikalität faszinierende Aufnahme.


    Kreisler/Rupp ist meines Erachtens eine sehr traurige Angelegenheit.


    Szigeti/Bartok klingt vielversprechend - weißt Du zufällig wo man an einen guten Transfer kommt?


    Vielen Dank & herzlicher Gruß,
    Florian

  • Lieber Herbert,


    vielen Dank für die prompte Antwort am allerfrühesten Morgen ( :grusel:) ;) .


    Ich muss demnächst sowieso ein paar Bücher bestellen, da geht die CD dann auch gleich mit.


    Vielen Dank!
    Herzlich
    BBF

  • Wen es interessiert: Cerny hat die Kreutzer Sonate auch für Cello und Klavier eingerichtet- live traut sich das keiner spielen, aber immerhin gibt es einige Aufnahmen (z.B.Schiefen).
    Nach den Noten zu urteilen sollte man schon mehr als fit sein um halbwegs mithalten zu können...:faint:

  • hat jemand die aufnahme mit thibaud und cortot ??
    (die einzige aufnahme, die ich kenne - u. schon lange jahre, was viell. ein fehler ist, viell. nicht ?(, höre ich LIVE nur werke, die sich nicht in meiner nicht soo umfänglichen sammlung befinden...)
    ich bin immer wieder fasziniert (u. über die gelegentlichen schluchzer kann ich ganz gut weghören) - da ich aber n`oller nostalgiker bin, kann es auch sein, dass da die gäule mit mir durchgehen: ich bin wohl schon deshalb immer wieder ex und weg, weil ich da jmd. spielen höre, der noch bei einem schüler von chopin unterricht gehabt haben soll........
    bye
    pieter

  • Lieber pieter.grimes,


    ja, Cortot/Thibaud habe ich, und zwar sowohl von Naxos als auch - unvergleichlich viel besser überspielt - von pristineclassical.com.


    Sagen tut mir diese legendäre Aufnahme allerdings künstlerisch wenig bis nichts, ich höre sie schon länger nicht mehr und will mich auch gar nicht negativ über sie äußern.


    Wenn's historisch sein soll, dann rate ich zu Friedman/Hubermann, eine (um eine Formulierung von Joachim Kaiser zu entlehnen) "wahnsinnsnah überspannte" Einspielung, die ton- wie spieltechnische Mängel durch rasende Leidenschaft in den Hintergrund zu drängen weiß (Kaiser bezog sich original auf Toscaninis Einspielung der Beethoven'schen Missa Solemnis).


    :hello: und nix für ungut,
    Flo

  • Eine recht "klassische" Aufnahme von einem ganz großen kann man sich auf youtube ansehen:
    Nathan Milstein:
    *ttp://www.youtube.com/watch?v=mixnMzHUYxA


    Im übrigen oute ich mich hier als Liebhaber der Mutter'schen Kreutzer-Interpretation. Ich habe keine Ahnung, was hier im wesentlichen, abgesehen von einzelnen Geschmackdetails also, auszusetzen ist?
    Sie ist zumindest die einzige, die, abgesehen von Heifetz natürlich, die ersten Doppelgriffpassagen ohne Rucker und Kratzer über die Runden bringt. Auch ansonsten finde ich die gewohnte Perfektion alles andere als störend.:D
    *ttp://www.youtube.com/watch?v=X_y76vjSKAM


    ad Paul:
    Grumiaux war ein ganz großer (und berühmter) Geiger!!!!!!! Die Kombination mit Haskil macht mir den Mund mehr als wässrig. Danke für den Tipp!
    :hello:

  • Zitat

    Original von flotan
    ad Paul:
    Grumiaux war ein ganz großer (und berühmter) Geiger!!!!!!! Die Kombination mit Haskil macht mir den Mund mehr als wässrig. Danke für den Tipp!


    Meine teure Philipsbox ist jetzt billig bei Brilliant erschienen.



    LG, Paul

  • Hallo flotan!


    was es an ASM auszusetzen gibt?
    Nun, z.B. daß sie das Haupthema im 1. Satz nicht staccato spielt, sondern in schmachtendem beinahe-legato (das Klavier darauf natürlich staccato, paßt so anscheinend besser zusammen). Viel mehr kann ich allerdings nicht sagen, weil ich's nicht lange ertragen und das Radio ausgemacht habe. 'tschuldigung.
    Allerdings halte ich die korrekte Spielweise eines Hauptthemas nicht für ein Geschmacksdetail.


    Geige spielen kann sie natürlich, das sei ihr unbenommen.
    Wems gefällt, dem sei der Spaß gegönnt.


    Khampan


  • Gibt es hier eigentlich zwei verschiedene Aufnahmen?
    Auf meinen alten Philips-LPs steht "stereo", wohingegen die Brilliant-CDs definitiv in mono sind.


    Viele Grüße


    Frank :)

  • Zitat

    Original von Hüb'
    Gibt es hier eigentlich zwei verschiedene Aufnahmen?
    Auf meinen alten Philips-LPs steht "stereo", wohingegen die Brilliant-CDs definitiv in mono sind.


    Ich habe die LPs 3 oder 4 Mal ersetzt. Komplett grau gedreht.
    Und zwar stand da m.E. auch Stereo, aber immer habe ich Zweifel gehegt. Und als ich endlich die Ausgabe auf CD bekam, stand da im Booklet angegeben "MONO". Bevor ich das aber entdeckte... Schau mal hier.


    Es ist also dieselbe Aufnahme. Und vielleicht wurde sie elektronisch "stereofonisiert".


    LG, Paul