Schlachtroß im Ruhestand? - Peter I. Tschaikowsky: Klavierkonzert Nr. 1 b-moll op. 23

  • Liebe Forianer,


    Als wertlos und unspielbar, schlecht und trivial bezeichnete Tschaikowskys Freund Nikolai Grigorjewitsch Rubinstein (seinem Bruder Anton Grigorjewitsch Rubinstein habe ich schon einen Thread gewidmet) das Konzert als Tschaikowsky es ihm vorspielte.


    Eigentlich hätte Rubinstein der Widmungsträger des Werkes werden sollen, aber unter diesen Umständen war das natürlich undenkbar, und so widmete Tschaikowsky es Hans von Bülow, der sich begeistert zeigte und es am 25. Oktober 1875 in Boston uraufführte.


    Obwohl Tschaikowsky 3 Klavierkonzerte geschrieben hat ist es jedoch dieses eine, welches geradezu zum Inbegriff des Klavierkonzertes des späten 19. Jahrhunderts wurde.


    Ich erinnere mich noch genau, daß es auch stets als Beispiel herangezogen wurde, als es in den mittleren sechziger Jahren galt
    die Stereotechnik (die längst schon in den Studios etabliert war) in die heimischen Wohnzimmer von Klassikkunden (und nicht nur jenen) zu bringen, zumindest die ersten paat Takte.


    Die Anzahl der Einspielungen ist Legende, kaum ein Pianist, der das "Schlachtroß" nicht auf dem Programm hatte, Spezialisten mal ausgenommen.....


    Viele Karrieren wurden durch dieses Konzert begonnen, so etwa jene von Van Cliburn und Ivo Pogorelich. Auch Lazar Berman hat es unter Karajan eingespielt, als er in den Westen übersiedelte. Dann gibt es noch die heute kaum mehr erwähnte , einst aber hochgeschätzte Aufnahme S. Richters mit den Wiener Symphonikern unter Karajan.
    Damit ich Kissin nicht vergesse, auch er spielte, eine halbes Kind noch, das Werk unter Karajan ein - ein Prüfstein gewissermassen.



    Eigenartigerweise dürfte das Konzert für das heutige Publikum weniger attraktiv sein, man sieht kaum noch Neuaufnahmen und die Radio-und Fernsehwerbung hat ihm auch seine Gunst entzogen und ihre Aufmerksamkeit Orffs Carmina Burana zugewandt :stumm: :yes:


    Wie schaut das bei Euch aus ?
    Ist das Konzert für Euch "attraktiv" und wenn ja in welcher Einspielung.
    Persönlich besitze ich 4 Aufnahmen auf CD (LP rechne ich nicht), aber ich glaube die jüngste davon ist 19 Jahre alt ! (Pogorelich) und so würde mich interessieren welcher Einspielung Ihr die "Siegespalme" zuerkennen würdet.


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Hallo Alfred,


    ich habe das Werk in folgender Aufnahme kennengelernt, die für mich immer noch einen Spitzenplatz einnimmt (auch bei dem anderen auf der CD vertretenen Konzert):



    Noch dramatischer, aber auch eigensinniger die spätere Einspielung derselben Interpretin (klanglich der ersten etwas unterlegen, da live eingespielt):



    Für den historisch Interessierten empfiehlt sich diese äußerst hitzige, beim Pianisten schon ans Hysterische grenzende Aufnahme (live,1943):



    Mit dem Klavierkonzert von Tschaikowsky halte ich wie mit den meisten (über-)populären Werken: ich höre sie nicht allzu oft, damit sie sich nicht vorzeitig abnutzen und ihre Wirkung einbüßen.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

    2 Mal editiert, zuletzt von GiselherHH ()

  • Hallo Alfred,


    das Konzert kann zwischendurch immer mal wieder hören. Gerne auch mit Argerich/Chailly und noch lieber Sokolov/Järvi (1966) - eine Aufnahme voller nervöser Unruhe und Spannung, die sehr mitreisst. Leicht nachzuvollziehen, warum er damals den Tschaikowsky-Wettbewerb gewann. Unverständlicherweise nicht mehr erhältlich X(. Gab es vor Jahren mal als midprice.


    Gruß aus Hamburg
    Uwe

  • Hallo,


    ich höre dieses Klavierkonzert immer wieder gerne.
    Aber halt so wie jede andere Musik auch. Ab und zu :D:D


    Meine Lieblingsaufnahme ist



    auch wenn das Orchester nicht wirklich in der Lage ist dem Tempo vom M. Argerich zu folgen.
    Aber insgesamt doch sehr beeindruckend und voller Leidenschaft.
    (Allerdings muss wohl gerade eine "Grippewelle" gewesen sein :()


    Die Richter-Aufnahme besitze ich auch und zwar in dieser Form:



    Allerdings hatte ich diese Aufnahme wegen dem Rachmaninov Klavierkonzert No.2 gekauft, das für mich eins der schönsten Klavierkonzerte überhaupt ist.


    Die Pogorelich-Aufnahme kenne ich auch.
    Habe sie allerdintgs bisher erst einmal gehört. Werde dies aber ändern. Gilt übrigens auch für die Richter-Aufnahme untere Karajan.


    Die hier noch genannte Argerich-Aufnahme werde ich mir wohl dann auch noch irgendwann zulegen.:stumm:


    Richard

  • Meine erste Aufnahme des Klavierkonzert s Nr1 von Tschaikowsky (damals noch auf Vinyl) war jene mit Philippe Entremont und den New Yorker Philharmonikern unter Leonard Bernstein,eine Bewertung ist mor also infolge der persönlichen "Prägung" nicht möglich



    Weiters erinnere ich mich, welch ein Ereignis es war als Lazar Berman in den Westen emigrierte und das Konzert unter Karajan und den Berliner Philharmoniikern einspielte, indes der Jubel währte nicht lang, die Platte verkaufte sich anscheinend num mäßig, Berman selbast machte noch ein oder zwei Aufnahme für Deutsche Grammophon, dann hab ich ihn aus den Augen verloren. Immerhin wurde die Einspielung für die Budgetserie "Resonance" wiederaufgelegt.




    Die Aufnahme mit Pogorelich machte seinerzeit viel Furore, auch diese besitze ich.


    Dazu kommen noch zwei weitere, eine auf LP, das ist jene mit Van Cliburn (Ich hab hier im Forum gesehen, daß es die jetz auch auf CD gibt - ich denke drüber nach) und eine mit Andras Schiff. Obwohl ioch Schiff sehr schätze, ist das wohl nicht das richtige Repertoire für ihn, aber zu CD-Pionierzeiten kaufte man alles was digital war ;)



    Was ich hier vermisse, sind Hörberichte über Lang-Langs einspielung, und jene des jungen Kissin unter Karajan.


    Aber vielleicht tut sich da im Laufe der Zeit noch was...



    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Hallo, dieser Thread soll hiermit wiederbelebt sein


    Gerrit sprach ja davon, daß die Zusammenarbeit Karajan/Richter katastrophal sei, im Schlußsatz verweigert Richter auch hörbar Karajan die Gefolgschaft, nur finde ich, daß es in dieser Aufnahme auch wunderschöne, lichtdurchflutete Stellen gibt, wenn auch "der große Bogen" im ersten Satz zusammenbricht. (ist aber auch ein naturgemäßes kompositorisches Problem bei Tschaikowsky 1) Ich habe toscanini/horowitz, van cliburn/kondraschin, rubinstein/leinsdorf. Eben höre ich Lang Lang und muß sagen: es gefällt! Ist natürlich ALLES MEILENWEIT entfernt von Horowitz/Toscanini, aber man braucht ja auch mal eine langsame Einspielung, in der das lyrische wirklich mit Ruhe auszelebriert wird!


    Ich suche dennoch weiterhin eine eher langsame Einspielung, in der das Orchester der karajanschen klangschönheit nahekommt. Nur muß man halt schon in den langsamen Passagen merken, daß es vorangeht, daran hapert es bei Karajan und Lang/Barenboim ein bisschen


    Wer kennt die Einspielungen:


    Karajan / Alexis Weissenberg (eventuell nur als Film veröffentlicht?)
    Barenboim (solist) / Celibidache. (München, EMI)

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard


    Gerrit sprach ja davon, daß die Zusammenarbeit Karajan/Richter katastrophal sei, im Schlußsatz verweigert Richter auch hörbar Karajan die Gefolgschaft, nur finde ich, daß es in dieser Aufnahme auch wunderschöne, lichtdurchflutete Stellen gibt, wenn auch "der große Bogen" im ersten Satz zusammenbricht. (ist aber auch ein naturgemäßes kompositorisches Problem bei Tschaikowsky 1)


    Gerrit, du bist nicht allein! Ncht nur die Katastrophe bei Karajan/Richter, sondern auch "ein "naturgemäßes kompositorisches Problem bei Tschaikowsky" wurde soeben bestätigt. Du führst 2 gegen den Rest der Welt! Bald wird deine Meinung siegen! Ohne Zweifel! *g*


    P.S. Nikolaj Rubinstein war übrigens auch der Meinung!

  • Die angesprochene Problematik bzgl. der Tempi zwischen Orchester und Solist wie sie bei der Richter/Karajan Aufnahme diskutiert wird existiert aber auch bei anderen Aufnahmen.


    Die Aufnahme mit M. Argerich hat doch ein ähnliches Problem.
    Hier ist IMO deutlich zu spüren, daß M. Argerich so schnell spielt und spielen kann, daß das Orchester dem Tempo nur folgen kann, wenn es unsauber wird.


    Gruß

  • Zitat

    Original von peet
    Gerrit, du bist nicht allein! Ncht nur die Katastrophe bei Karajan/Richter, sondern auch "ein "naturgemäßes kompositorisches Problem bei Tschaikowsky" wurde soeben bestätigt. Du führst 2 gegen den Rest der Welt! Bald wird deine Meinung siegen! Ohne Zweifel! *g*


    P.S. Nikolaj Rubinstein war übrigens auch der Meinung!


    Ich bitte euch, das mit dem "kompositorischen Problem" bezieht sich auf den Rahmen des ersten Satzes. Dass er "ungewöhnlich" komponiert ist, ist ja wohl unstreitig: Es ist kein Sonatenhauptsatzform, der etwa mit Exposition und Reprise einen Rahmen schafft, in dem sich das ganze überschaubar abspielt. Dieser erste Satz ist eine (wunderschöne) Verschwendung an hübschen thematischen Material, was so zahlreich vorhanden ist, daß es gar nicht auf die herkömmliche Art verarbeitit wird. Dieser erste Satz ist kompositionstechnisch eine Wanderung ohne Orientierung. Dieses von mir formulierte kompositorische Problem bezieht sich ausschliesslich auf die fehlende rahmende Orientierung im ersten Satz. Ich bitte das auch so zu verstehen und nicht als Abwertung dem Stück gegenüber. Es lag mir nicht daran, den kompositorischen Wert dieses liebenswerten Werks in den Schmutz zu ziehen, das haben längst Hanslick, Adorno und andere besorgt.


    Gruß, Markus

  • Mir ist noch keine schlechte Aufnahme vom Tschaikowsky-Klavierkonzert Nr.1 auf dem Platten- oder CD-Teller gekommen.


    Meine erste Aufnahme mit Shura Cherkassky auf Heliodor-LP(DG) war schon Klasse und mein Einstieg in die Tschaikowsky - Welt.

    :) Später auf CD die Richter/Karajan-Aufnahme, die ich immer noch am besten finde. Das da ein Mißverständnis (wie hier im Thread erwähnt) zwischen Richter und Karajan vorliegen soll, kann man bei der Aufnahme nicht feststellen (halte ich für ein Gerücht).
    Wer diese Aufnahme hat, braucht im Prinzip keine andere mehr.


    :) Wegen des Kaufs der Klavierkonzerte Nr.2 und 3, sowie der Konzert-Fantasy op.56 habe ich zu der Philips-Doppel-CD mit Werner Haas/Inbal gegriffen. Das erste Klavierkonzert wird auch hier famos gespielt, wie der Rest auf den CD´s.


    :) Das Tschaikowsky - Klavierkonzert begegnet einem überall, wo man nicht mit rechnet.
    In der EMI-Gesamtausgabe der Rachmaninow-Werke mit M.Rudy, St. Petersburg PO, Maris Jansons ist das Klavierkonzert Nr.1 auch in einer TOP-Aufnahme enthalten, die den vorgenannten in nichts nachsteht und klanglich auf heutigem Stand ist.


    Nur eins muß ich sagen, so oft ich das Konzert früher gehört habe ------- zur Zeit höre ich dieses abgenudelte Stück nicht mehr so oft und gerne. :O

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard


    Ich bitte euch, das mit dem "kompositorischen Problem" bezieht sich auf den Rahmen des ersten Satzes.


    Wir sind uns im unklaren, was soll der Rahmen im ersten Satz? Ist es ein fester Begriff, mit dem man alles erklärt, wenn man nichts verstanden hat? Ist der erste Satz ohne Rahmen? Fällt auseinander? Hat Tschaikowsky eine schlechte Zensur bei Hanslick und Adorno bekommen und muß dafür nachsitzen? Hat er vergessen oder gar nicht gewußt, wie man ein Sonatenhauptsatzform schreibt? Wo liegt das Problem?


    Zitat

    Dieser erste Satz ist kompositionstechnisch eine Wanderung ohne Orientierung.


    Liebenswert in der Tat. Hat sich seit Hanslick tatsächlich nichts geändert? Was soll diese liebenswürdige Abwertung eines einmalig genialen Werkes?


    Gruß

  • Hallo peet


    Alles klar, es wird also eine genaue Formanalyse verlangt, werde ich in zwei bis drei Tagen abliefern. Anhand der Analyse will ich dann noch mal versuchen zu erklären, warum ich meine, daß der erste Satz auseinanderzubrechen droht.


    Mit freundlichen Grüßen,
    Markus

  • Hallo,
    ich habe die LP mit Grigorij Solokov am Klavier, Nesme Jarwi dirigiert das Staatliche Sinfonieorchester der UdSSR, kann aber mangels Plattenspieler nichts mehr drüber sagen, wenn jemand mit einem Plattenspieler sie hören möchte, bitte gerne.
    Die Martha-Argerich-Aufnahmen werde ich mir mal besorgen.

  • Kurz und schmerzlos – hier die Aufnahmen, die ich besitze (in meine persönliche Rangfolge gebracht):


    1) Sviatoslav Richter
    Wiener Symphoniker / Herbert von Karajan


    (Mein klarer Favorit, ohne dass ich noch zig andere Aufnahmen hören müsste. Ich kann nicht bestätigen, dass es zu Streitigkeiten zwischen Karajan und Richter kam, könnte mir aber vorstellen, dass dies wahr ist, denn Richter scheint mir etwas zurückgenommener als sonst zu spielen.)


    2) Martha Argerich
    Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Kiril Kondrashin


    (Sehr schöne Aufnahme, jedoch könnte sich M. Argerich hier und da für meinen Geschmack etwas zügeln.)


    3) Van Cliburn
    RCA Symphony Orchestra / Kiril Kondrashin


    (Für mich enttäuschend.)



    Gruß, Cosima

  • Aufnahmen, die ich von diesem Konzert habe:


    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in b-moll, opus 23
    Daniel Barenboim/Sergiu Celibidache/Münchner Philharmoniker 15.7.1991
    Lazar Berman/Herbert von Karajan/Berliner Philharmoniker 1976
    Van Cliburn/Kyrill Kondraschin/Sinfonieorchester
    Vladimir Horowitz/Arturo Toscanini/NBC Symphony Orchestra 19.4.1941
    Ivo Pogorelich/Claudio Abbado/London Symphony Orchestra 1985
    Sviatoslav Richter/Eugen Mrawinsky/Leningrader Philharmoniker


    Mein Favorit ist die Aufnahme mit van Cliburn
    Gründe:
    vielleicht, weil es die erste war, die ich kannte,
    weil es für mich die leidenschaftlichste ist (einen strukturiert ausbalancierten Tschaikowsky kann ich nicht so gebrauchen)

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Hallo,


    "Erstens kommt es anders , zweitens als man denkt"


    An diesen altbekannten Satz wurde ich gestern beim Abhören meiner Neuerwerbuing erinnert. Wie vielleicht einige im "Heute erst gekauft" Thread gelesen haben werden, Hab ich mir die Karajan/Richter Aufnahme mit iden Wiener Symphonikern gekauft.


    Ich muß sagen, ich war mehr als skeptisch, ich hatte die Aufnahme zig Jahre nicht mehr gehört, hier wurde sie ja von einigen regelrecht "in der Luft zerrissen"
    Dennoch muß man sich die Frage stellen, warunm eine derart alte Aufnahme immer wieder aufgelegt wird, wenn sie nicht hervorragend ist.



    Und hervorragend ist sie in der Tat. Kraftvoll und mächtig, jedoch niemals dick oder gar plüschig, vom Grundrauschen mal abgesehen, den mir bekannten Alternativen Abbado/Pogorelich und Karajan/Berman (in die Schiff-Aufnahme hab ich diesmal gar nicht reingehört) auch klanglich überlegen.
    Sie ist weniger hallig als die Pogorelich-Aufnahme, und dynamischer als Berman. Das Orchester ist hervorragend aufgenommme, das Gleiche gilt auch für den Klavierklang. Eine Sternstunde der Deutschen Grammophon und ihres Toningenieurs Günter Hermanns.


    Über den Pianisten haben andere an dieser Stelle schon geschrieben. Oft leiden jedoch seine Einspielungen unter schlechter Aufnahmetechnik. Das ist hier keineswegs der Fall. Zugleich wird hiier auch mit dem Vorurteil des "Karajanschen Breitwandklangs" aufgeräumt.
    Luxuriüös und Füllig - ja - nebstbei aber (für Tschaikowsky) gut durchhörbar. Es kommt an keiner Stelle zu den bei anderen Aufnahmen
    gelegentlich wahrgenommen Längen.


    Für 10 Euro eine heiße Empfehlung


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Lieber Alfred,


    dito. Die Aufanhme muss jeder haben. Ich schaffte sie zwar wegen des Rachmaninov Konzertes an, aber das "Weiterhören" kann kein Fehler sein.


    Fehlen sollte diese Aufnahme jedoch auch nicht:



    [zuerst bei SONY erschienen]


    Solist: Emil Gilels
    The Philadelphia Orchestra
    EUGENE ORMANDY


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Lieber Ulli ,
    Emil Gilels beweist hörbar , dass jemand mit seinbem eizigartigen Ton das Konzert auch ohne "russische Pranke" ( J Kaiser, 1994 ) und ohne aberwitzige Raserei ( Argerich , Horowitz u.a. ) ausgesprochen effektvoll und vor allem im besten Sinne "hymnisch" spielen kann . es heisst ja auch die "Hymne der Klaviervirtuosen" .
    Herzlich ,
    Frank

  • Hallo!
    Tschaikowskys b-moll-Konzert ist das erste Klavierkonzert, daß ich bewußt kennengelernt habe.
    Heute habe ich erstmals bewußt Lang Lang spielen gehört. Und zwar im Radio jenes Konzert, mit dem Chicago SO unter Barenboim.
    Im Vergleich zu meiner Referenzaufnahme Argerich/Kondrashin, die mich immer wieder vom Stuhl haut, fand ich Lang/Barenboim eher langweilig... ist wohl zu hart, sagen wir: langatmig.
    Ich höre KK1 von Tschaikowsky immer wieder mal sehr gerne, es war vor Jahren mal mein Lieblingskonzert (da kannte ich aber nur recht wenige). Im dritten Satz muß es einfach krachen im Gebälk (finde ich), aus dem hier gelesenen schließe ich, daß mir dann wohl auch die Horowitz/Toscanini-Aufnahme gefallen müßte.
    Markus : Was ist aus Deiner Analyse des 1. Satzes geworden? Ehrlichgesagt, ich kriege das nicht ganz auf die Reihe, was Tschaikowsky formal macht...
    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo


    Mit "meiner Analyse des ersten Satzes" möchte ich klein beigeben. - Schwamm drüber. Tschaikowsky hat "meine Analyse" nicht nötig und hat ein tolles Klavierkonzert geschrieben. (Trotzdem kann ich ja vielleicht mal die formale Struktur (wohl doch ein klassischer Sonatensatz mit Einleitungsteil) ermitteln)


    Was anderes: Da es grad billig zu erstehen ist: rät mir jemand zu Karajan/Kissin? Oder sollt man eher die Finger von lassen?


  • Lieber Thomas
    Ich rate dir nur bedingt zur von dir erwähnten Einspielung mit Kissin/Karajan.
    Kissins Interpretation ist famos, schlicht unglaublich gut gelungen, finde ich. Er spielt das Klavierkonzert wie nur wenige, ist also definitiv unter den Top Leuten.
    Doch Karajan macht das ganze kaputt. Unter seiner Leitung wird das Klavierkonzert einfach wie ein schöner Sommerspaziergang, einfach zu rund. Es fehlen die Ecken (die Tchaikovsky ja durchaus eingebaut hat), der Witz kommt allein von Kissin, der trotz der schlechten Begleitung Erstaunliches leistet.


    Wenn man die CD haben sollte, dann nur wegen Kissin. Doch Karajan verhunzt das Ganze einfach zu sehr.
    Hier noch ein Auszug aus dem Gramophone, die da meiner Meinung sind:


    Zitat

    This is a sad memorial to a great conductor. Karajan's opening tempo bears no resemblance whatsoever to Tchaikovsky's Allegro non troppo e molto maestoso and the andante pomposo it substitutes makes the heart sink; the orchestral development section generates all the adrenalin of a hippo rising from the swamp. Not that this can be entirely attributed to failing powers. It was the same story in the 1963 recording (now on DG's midprice Galleria label, coupled with Richter's legendary selection of five Rachmaninov Preludes). The big difference is that where Richter in the studio seemingly gave up, Kissin in concert is determined to salvage something of value.


    Viele Grüsse...Cliowa

  • Also meine Lieblingsaufnahme ist:


    Horowitz - Szell (1953 Carnige Hall)


    interessant ist aber auch:


    Horowitz - Steinberg (1945) man hört allerdings fast nur Rauschen :-(
    Horowitz - Bruno Walter (1948 )
    Horowitz - Barbirolli (1940)

  • hallo,


    ich kenne fast alle hier genannten aufnahmen und noch einige andere (u.a. mit youri boukoff, alexis weissenberg, mikhail pletnev, arthur rubinstein, peter donahoe, andrei gawrilov, vladimir ashkenazy). mein ständiger favorit ist eine DDD-aufnahme von mediaphon:


    josef bulva, piano
    orchestre de la suisse romande unter armin jordan.


    sehr gute übereinstimmung von solist und orchester, exzellente akustik und vor allem die ideale mischung aus virtuosität, offenlegung der musikalischen strukturen und klangliche differenzierung.


    gruß, siamak

  • Hallo allerseits,
    kann mir einer der Experten/-innen etwas zur Qualität der folgenden Einspielungen der "3" Klavierkonzerte sagen, wobei mich - natürlich - hauptsächlich das 1. Konzert interessiert:


    Pletnev/Fedoseyev (Virgin)


    Glemser/Witt (Naxos)


    Scherbakov/Yablonsy (Naxos)

  • hallo Achim,


    ich kann dir zu der gesamtaufnahme pletnevs mit fedosejev bei virgin classics sagen: interpretatorisch auf sehr hohem niveau. pletnev spielt auch die lyrischen passagen behutsam und sorgfältig ohne dabei das 'donnern' und schaulaufen zu vergessen. einziger wermutstropfen, eher dumpfes und indirektes klangbild mit schlechter räumlicher auflösung !!


    gruß, siamak

  • Hallo,
    vielen Dank, siamak, für Deine Antwort. Gerade das Klangbild kann man beim Vergleichshören bei Saturn (meine bevorzugte Informationsquelle) schlecht beurteilen, weil die technischen Möglichkeiten doch etwas begrenzt sind, daher ist Dein Hinweis wertvoll.
    Aber - kennt denn niemand die Naxos-Aufnahmen? Die Scherbakov-Aufnahme wird in der Kritik sehr unterschiedlich beurteilt - das reicht vom Verriss bis zur Referenzaufnahme...

  • Hallo!


    Zitat

    Original von Pius
    Im dritten Satz muß es einfach krachen im Gebälk (finde ich), aus dem hier gelesenen schließe ich, daß mir dann wohl auch die Horowitz/Toscanini-Aufnahme gefallen müßte.


    In dieser 3-CD-Box

    ist ein Konzertmitschnitt mit Horowitz/New York Philharmonic/Szell drauf.
    Was soll ich sagen...es kracht gewaltig im Gebälk. Das ganze ist nochmal einen ganzen Tick schneller als Argerich/Kondrashin, man kann es schon aberwitzig nennen.
    Allein um das zu hören, haben sich die 7,99€, die man für die 3 CDs derzeit bei Zweitausendeins bezahlt, schon gelohnt - atemberaubend!
    Argerich/Kondrashin bleibt weiter meine Referenz. Dafür ist Horowitz/Szell zu einseitig eine Geschwindigkeitsrekordjagd um jeden Preis. Oder geht es noch schneller? Hier die Satzlängen: 17'54 - 6'13 - 6'12.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Oder geht es noch schneller?


    Pius, Du weißt doch: schlimmer geht immer: :D


    Horowitz/Toscanini, 19.4.1941


    17:46 - 5:25 - 6:04


    ich habs nur vom Booklet abgeschrieben, wenn man es mit der Stoppuhr messen würde, ist es vielleicht noch schneller.



    :jubel: :baeh01:

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard
    Horowitz/Toscanini, 19.4.1941
    17:46 - 5:25 - 6:04
    ich habs nur vom Booklet abgeschrieben, wenn man es mit der Stoppuhr messen würde, ist es vielleicht noch schneller.


    Gestoppte Zeit bei Horowitz / Toscanini (1941)


    17:32 - 5:20 - 5:47


    Dagegen Kissin / Karajan (DG)


    23:35 - 8:30 - 7:34


    Lediglich Kissin / Karajan bei ihrem Salzburger Konzert am 26.3.1989 waren mit 7:43 im letzten Satz langsamer, in den ersten beiden fast identisch.


    Sune

  • Dieses Klavierkonzert gehört noch heute zu den am meisten gespielten Klavierkonzerten auf den Konzert-Podien der ganzen Welt. Auch die Zahl der Aufnahmen für Schallplatte und CD gehören zur Spitze des Katalogs.


    Drei Aufnahmen kann ich wärmstens empfehlen:


    Horowitz, NBC Symphony Orchestra, Toscanini (RCA)
    Gilies, Chicago Symphony Orchestra, Reiner (RCA)
    Mikhail Pletnev, Philharmonia Orchestra, Fedoseyev (EMI)


    Welche Aufnahmen würdet ihr empfehlen?


    Herzliche Grüße
    von LT :hello:



    Durch Moderation an bestehenden Thread angefügt
    MOD 001 Alfred