Gottlob Frick, der schwärzeste aller Bässe

  • Hallo zusammen,


    Gottlob Frick würde heute 100 Jahre alt. Grund genug,sich an den grossen deutschen Bass zu erinnern.Wer Osmin,van Bett,Gurnemanz,Philipp,Kezal und viele andere Rollen so wie er geprägt hat,der hat einen Ehrenplatz im Sängerolymp verdient.


    Wer von euch kannte den sympathischen Sänger aus Ölbronn noch persönlich? Und welche seiner Rollen schätzt ihr besonders?


    Es gibt übrigens einen Freundeskreis,die Gottlob-Frick-Gesellschaft,die eine sehr informative website betreibt.Schaut doch mal rein.

  • Hallo Siegfried,
    meiner Meinung nach,war G.Frick,(genau wie J.Greindl)ein
    typisch deutscher Bass,in positivem Sinne.Die großen
    Wagnerrollen waren seine Domaine.Das italienische,oder
    französische Fach wurde eigentlich nur gestreift,solange
    deutsch gesungen wurde.Die Bufforollen waren eher die,
    mit dem beißenden Humor(Osmin,Kezal,Bauer,in "Die Kluge").
    Den Ochs Leporello,oder Figaro,hat er meines wissens nie gesungen.
    Frick war ein herrlicher Sarastro,Komtur, Rocco, Don Basilio,van Bett und
    eben alle die großen Wagner-Basspartien.
    Seine Stimme ist auf zahlreichen Gesamtaufnahmen erhalten.
    Darunter viele Rundfunkmitschnitte z.B.: Der Freischütz,Fidelio,
    Die Zauberflöte,Die Enführung aus dem Serail,Die sizilianische
    Vesper,Eugen Onegin,Der Barbier von Bagdad u.a.
    Gottlob Frick war ein Sänger,der noch lange im Gedächtnis bleibt.


    :hello:Herbert.

  • Zitat

    Gottlob Frick war ein Sänger,der noch lange im Gedächtnis bleibt.


    Allerdings, sein van Bett war für mich ein großartiges erlebnis (auf CD), weiters besitze ich Aufnahmen von ihm im Freischütz, in der Zauberflöte, im Fidelio!!!


    Ein großer Sänger, der Maßstäbe für alle Bässe nach ihm gesetzt hat!! :jubel: :jubel: :jubel:


    LG Joschi

  • Zitat

    Original von Herbert Henn
    Das italienische,oder
    französische Fach wurde eigendlich nur gestreift,solange
    deutsch gesungen wurde.


    ...und wenn er tatsächlich italienisch sang, wie beispielsweise den Commendatore in Giulinis "Don Giovanni", dann hörte es sich erheblich mehr nach Deutsch als nach Italienisch an... ;)


    Ein kleiner, aber imo sehr verzeihlicher "Schönheitsfleck" in der Bewertung dieses herausragenden Basses.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Zitat

    Original von Norbert


    ...und wenn er tatsächlich italienisch sang, wie beispielsweise den Commendatore in Giulinis "Don Giovanni", dann hörte es sich erheblich mehr nach Deutsch als nach Italienisch an... ;)


    Ein kleiner, aber imo sehr verzeihlicher "Schönheitsfleck" in der Bewertung dieses herausragenden Basses.


    Um genau zu sein: mehr nach Schwäbisch als nach Italienisch ; der Dialekt war bei Fricks Aufnahmen eigentlich nie zu überhören (weswegen er auch vom Ochs zeitlebens die Finger ließ).
    Da schon die Gottlob-Frick-Gesellschaft angesprochen wurde: sie veranstaltet alljährlich in Ölbronn ein Wochenende mit Künsterlern, Opernliebhabern und Kulturschaffenden, das allemal eine Reise wert ist. Der nächste Termin ist am 14. und 15. Oktober. Die Adresse:
    http://www.gottlob-frick-gesellschaft.de

  • Es war 5. Dezember 1957. In Holland ist das den Tag, wo am Abend das Fest von Sankt-Niklaus gefeiert wird. Dabei beschenkt man sich gegenseitig. Und in der Schule wurde immer um ungefähr 15.00 Uhr ein Stunde auch in jeder Klasse das Sankt-Niklausfeier gehalten. Süßigkeiten wurden von der Schule verschenkt. Wir hatten damals ab 15.10 Uhr Chemie. Deshalb wurde bei diesem Lehrer "unseres" Feier gehalten.


    Wir, Lehrlinge, hatten eine Liste einliefern müßen. Darauf standen von uns erwünschte EPchen (45rpm Schallplatten). Rock and Roll, Rock and Roll und wieder Rock and Roll. Glücklicherweise gab es manchmal auch etwas bessere Musik: Belafonte mit "Deo" und dem "Bananaboatsong".


    Ich hatte gefragt um "O Isis und Osiris" von Gottlob Frick, denn zufällig wußte ich, daß mein Lehrer dieses EPchen besaß. Und noch nie hatte ich Frick gehört.
    Als die Stunde vorbei war, und alle Klassegenossen weggegangen, war ich sehr enttäuscht. Denn der Frick wurde nicht gedreht. Da rief mein Lehrer mich. Er sagte mir "Du warst mit Deiner Wahl eine Ausnahme". Darum habe ich damit gewartet, bis wir allein waren". Und dann drehte er diese Arie. Wie unvergleichlich schön sang Frick.
    Schlechte(re) Technik? So was hörte ich nicht, denn damals wußten wir nicht besser. Trotz des miserabelen Wiedergabe habe ich selten diese Arie so rührend singen gehört, als damals von Gottlob Frick.


    LG, Paul

  • Leider erst vor ein paar Minuten bemerkt und deshalb zeitlich etwas knapp:



    01. August 2006 — 02.05 Uhr bis 03.00 Uhr
    Nachtkonzert des Deutschlandfunks
    Historische Aufnahmen — Der schwärzeste aller Bässe: Gottlob Frick (1906 - 1994)
    Tondokumentation von Ulrich Mutz


    Viel Spaß beim Hören wünscht:


    Laurenz

    `
    (...) Eine meiner frühesten Erinnerungen im Zusammenhang mit der Musik betrifft einen Abend, an dem das Rothschild-Quartett bei uns ein hochmodernes Werk von Egon Wellesz spielen sollte. Die Stühle waren den Musikern zu niedrig, so nahmen sie unsere Bände mit Schubertscher Kammermusik, um damit ihre Sitze zu erhöhen. Ich dachte, wieviel schöner es wäre, wenn sie auf Wellesz sitzend Schubert spielen würden (...)


    — aus „5000 Abende in der Oper“ von Sir Rudolf Bing —
    .

  • Hallo Ihr Lieben,


    möchte gerne auch meinen Beitrag zu Gottlob Frick leisten, den ich als phantastischen Bass sehr schätzte. Ich hatte altersmäßig das Glück, ihn in den späten 50iger und frühen 60iger Jahren, sicher zu seiner Glanzzeit, oft bei Opernsendungen im Radio zu hören. Sein schwarzer Bass war unverkennbar!, für mich bie heute “fast” - wenn nicht ganz - unerreicht.
    Grüße aus Tirol
    Edi

  • Gottlob Frick hat keineswegs nur das "gängige" Bassfach 'bedient' - er war z.B. auch Lothario in MIGNON von Ambroise Thomas.


    Dank sei dem Westdeutschen Rundfunk, der die Oper am 10.09.2006
    in seinem 3. Programm von 20:05-23:00 sendet.


    Die historische Einspielung in deutscher Sprache aus dem Gründungsjahr des Senders, 1956, vereint mit Solisten wie Hertha Töpper (Titelpartie), Rudolf Schock (Wilhelm Meister), Mimi Coertse (Philine) und Gottlob Frick die vielleicht besten deutschsprachigen Rolleninterpreten der Zeit. Chor und Sinfonieorchester des WDR musizieren unter der Leitung von Peter Maag.


    Freude beim Hören wünscht
    Klaus Schreiber

  • Hallo Gottlob-Frick-Freunde:


    Der grosse Saal des Mühlecenters in Mühlacker wurde unlängst als "Gottlob-Frick-Saal" benannt. Der grosse Sänger stammt aus Ölbronn in Baden-Württemberg und hat in seiner Heimat einen Freundeskreis mit eigener website. Wer interessiert ist, möge "googeln" (Alfred sei Dank). :rolleyes:

  • Um sich ein umfassendes Bild zu machen über die musikalische Bandbreite dieses Sängers empfehle ich diese 3-er-Box von EMI:



    Natürlich ist das nur ein schwacher Ersatz für seine Opern-Gesamtaufnahmen, macht aber Appetit auf mehr!


    Mein Tipp: Der Heiratsvermittler "Kezal" aus der "Verkauften Braut" von Smetana.


    LG

  • Liebe Taminos,


    ich möchte auch die CD aus der "Testament"-Reihe empfehlen.


    Die prägnante, unverwechselbare, kernige Stimmfärbung Fricks empfinde ich nicht als primär schwarz (wie etwa Talvela). Fricks tiefe Orgeltöne sind dennoch sehr beeindruckend, aber besonders fasziniert mich die Modulationsfähigkeit der Stimme. Den Buffo-Rollen verleiht er eine Lebendigkeit und einen grimmigen Humor, der etwa Kurt Molls Aufnahmen mehrheitlich abgeht. Daher ist auch sein Osmin so grandios gelungen: Moll singt genauer und filigraner, Frick überwältigender und geradezu genießerisch.
    Brillant außer van Bett oder Plumkett natürlich auch der Kezal mit Wunderlich. Hier noch nicht genannt, aber auch großartig: Sir John Falstaff aus den "Lustigen Weibern" und der Komtur unter Giulini.


    Weniger begeistert Frick als Sarastro unter Klemperer, aber bei der Aufnahme soll er gesundheitlich angeschlagen gewesen sein. Sein Rocco ist dafür erste Wahl. Ebenso natürlich der intensive Hagen (in den Einzelaufnahmen auf besagter CD für mich noch überzeugender als unter Solti).


    Welch ein großer Bassist!



    LG,



    Christian

  • Wirklich großartig ist er auch als Padre Guardiano in einer deutsch gesungenen Rundfunkproduktion der Forza:



    und natürlich als König Heinrich im Lohengrin unter Kempe. Letztere Rolle dürfte allerdings auch auf dem EMI-Sampler drauf sein.


    Gibt es von Frick eigentlich auch beachtenswerte Kunstliedaufnahmen ?


    Gruß
    Sascha

  • Zitat

    Original von Il Grande Inquisitor
    . Ebenso natürlich der intensive Hagen (in den Einzelaufnahmen auf besagter CD für mich noch überzeugender als unter Solti).
    Christian


    Fast noch hörenswerter sind die Livewersionen unter Knappertsbusch (1955) und Kempe (1960). Vor allem bei Kna ist die Mannenszene ein Highlight, bei dem Wände und Ohren wackeln! Kunstliedaufnahmen gibt es kaum, soeben erschien bei Preiser eine neue CD, die den "Erlkönig" und die "Allmacht" enthält. Er gab auch so gut wie nie eigentliche Liederabende, sondern imme Opernarien, die eventuell mit einer Ballade ergänzt wurden. In seinem element war er dagegen bei Volks- und Jagdliedern. Eine neue Biographie über ihn:
    http://www.amazon.de/s/ref=nb_…Crst&Go.x=14&Go.y=5&Go=Go

  • Vor mir liegt der Band Nr. 79 aus der Serie: "Stimmen, die um die Welt gingen", herausgegeben von Günter Walter, Münster.


    Dieser Band ist - in Zusammenarbeit mit der Gottlob-Frick-Gesellschaft e,V., Ölbrunn-Dürrn herausgegeben und enthält eine Zusammenstellung aller Tondokumente von Gottlob Frick (zweite, erweiterte Fassung 2006).


    Es ist ganz erstaunlich, wie umfangreich das Repertoire dieses Sängers ist - nicht nur Hagen, Daland und Sarastro.


    Antracis
    Um Deine Frage nach Kunstliedern zu beantworten - er selbst hat sich nie für einen Liedsänger gehalten - wenn ich diese Liste durchblättere (329 Positionen) - so ist erstaunlich viel dabei, Wolf, Schumann, Schubert, Carl Loewe, u.v.m.
    Allerdings schlummert etliches in den Archiven der Rundfunkanstalten - dem Herausgeber sind nur wenige Veröffentlichungen bekannt. Einiges kann jedoch über einen Link bei der Gesellschaft in Ölbrunn bestellt werden.


    LG

  • Da ich Gottlob Frick seit 1962 in allen seinen Partien häufig erleben durfte, kann ich denjenigen, die ihn nur von Tonträgern kennen, sagen, dass Frick über eine ungemein voluminöse Stimme von herausragender Qualität verfügte und das Publikum vor allem mit seinen furchteinflößenden schwarzen Kantilenen besonders im Ring ("Heilig sei dir mein Herd, heilig sei dir mein Haus ..." "Hier sitz' ich zur Wacht" und vor allem die mächtigen Mannenrufe) den Atem stocken ließ.


    Daß er auch beeindruckende Legatopassagen vorzüglich beherrschte, bewies er im Parsifal als zutiefst menschlicher und weiser Gurnemanz oder als souveräner Sarastro.


    Seine große Buffokunst demonstrierte Frick als konkurrenzloser Osmin und verblüffte obendrein mit seinen vollen, saftigen tiefen Tönen, die ich vorher oder später nie in dieser schwarzen Tonfülle gehört habe.


    Wenn einige Opernfans den Lobl mit anderen Kollegen zu vergleichen versuchen - bei aller Wertschätzung für Greindl, Moll, Crass und anderen - Frick spielte in einer anderen Liga.

  • Es kann sein, dass Gottlob Frick bei der geannten LP Aufnahme nicht gut disponiert war, aber


    bei der Wiedereröffnung des Theatgers a.d. Wien, natürlich mit der Zauberflöte, unter Karajan, da war er einmalig gut.


    Wenn ich bedenke, dass er zwei Tage hintereinander einmal den Daland und am nächsten Tag den Sarastro sang, das muss ihm heute einer nachmachen.


    Diese Zauberflöten Aufnahme ist natürlich, da sie ja in Italien gehandelt wurde mit einem sehr mageren Textbuch versehen, aber die Sänger sind neben Gottlob Frick 1. Klasse:


    Sarastro - Gottlob Frick,
    Tamino - Nicolai Gedda,
    Sprecher - Eberhard Wächter,
    Königin der Nacht - Ingeborg Hallstein,
    Pamina, ihreTochter - Wilma Lipp,
    Erste Dame - Gerda Scheyrer,
    Zweite Dame - Grace Hoffmann
    Dritte Dame - Hilde Rössl-Majdan,
    Papageno - Erich Kunz,
    Papagena - Graziella Sciutti,
    Momnnostatos - Paul Kuen,
    Erster Geharnischter und Erster Priester - Ermanno Lorenzi,
    Zweiter Geharnischter - Frederick Guthrie,


    Die Wiener Philharmoniker, Der Chor der Wiener Staatsoper,
    Dirigent: Herbert von Karajan.


    Aufgennommen am 30.5. 1962

  • Zitat

    Original von Milletre


    Wenn einige Opernfans den Lobl mit anderen Kollegen zu vergleichen versuchen - bei aller Wertschätzung für Greindl, Moll, Crass und anderen - Frick spielte in einer anderen Liga.


    Auch bei meiner absoluten Wertschätzung für Gottlob Frick - in puncto Eindringlichkeit oder Tonfülle mag er in einer anderen Liga als Moll spielen, in puncto Stimmkultur jedoch ist ihm Moll aus meiner Sicht überlegen. Ich ziehe dennoch Frick den genannten Kollegen in den meisten Fällen vor.


    LG


    Christian

  • Moll, den ich übrigens sehr schätze, ist ein anderes Rollenfach. Er ist mehr der Belcanto-Baß, und dies in hohem Maße.


    Gut, bei Sarastro und Gurnemanz treffen sich die beiden, aber Hunding, Hagen, Landgraf oder König Heinrich kann ich mir von Moll eher nicht vorstellen.


    Und so nebenbei: In den Meistersingern in Wien hat Moll jedesmal das "Eva, mein einzig Kind" entweder geschmissen oder nur ein heiseres "Eva" hervorgebracht. An einen Schmiss von Frick kann ich mich nicht erinnern.


    Kurt Moll verfügt ohne Frage über eine ausgesprochen schöne Stimme, hohe Stimmkultur und noble Interpretation.


    Was Gottlob Frick für mich besonders auszeichnet, ist seine unverwechselbare Stimme, so dass man beim ersten Ton, den man von ihm im Radio z.B. vernimmt, sofort erkennt: Das ist Gottlob Frick!

  • Stimme hundertprozentig zu (auch wenn sich das Repertoire auch noch anderweitig überschneidet, etwa in den Buffo-Partien, dem Osmin, dem Marke ...).


    Ich wollte lediglich das Dictum, Frick sei allen anderen überlegen, etwas relativieren. Die Unverwechselbarkeit und der musikalische Instinkt Fricks sind selten zu findende Kennzeichen dieses großen Sängers.


    Lieber Milletre (offensichtlich mehr in Wien als in Spanien), Deine Live-Erlebnisse möchte ich haben.


    Neidisch grüßt herzlich



    Christian

  • Danke für die Blumen, lieber Grande Inquisitor (ma senza autodafè!).
    Mit dem Geburtsland ist das so eine Sache. Bist in Beirut geboren, bist ein Muslim. Bist in München geboren, bist ein Katholik. Bist in Österreich geboren, bist ein Musiknarr (oder Schifahrer).


    Gottlob (senza Frick) gibt es auch in Old Germay Musiknarren - Grüße an alle Musiknarren in Berlin (Traumstadt)!


    PS: Eigentlich wollte ich sagen, dass Sängervergleiche wie Instrumentalistenvergleiche immer problematisch sind. Besser wäre es, die Vorzüge bzw. Schwächen einzelner Künstler ehrlich zu besprechen und sich - gefährlich! - vor Vergleichen, zumal wenn man den einen oft live erlebt hat, den anderen aber vorwiegend aus der Dose, hüten.


    Mein credo: In der Kunst sei Polygamie nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht.

  • Zur Diskussion über Gottlob Frick schreibt der österreichische Stimmenfachmann Walter Herrmann in seinem relativ neuen lesenswerten Buch "Legenden und Stars der Oper"."Gottlob Frick verkörperte bei allem Respekt vor seinen Kollegen und Konkurrenten am deutlichsten das, was man des Basses Grundgewalt nennt und das in Kombination mit unglaublicher Schönheit und fließendem Melos des Gesangs".
    Bei einer Matinee anläßlich des 100. Geburtstags von Gottlob Frick, bei der ich anwesend sein durfte, diiskutierten die großen Fachkollegen
    Theo Adam und Franz Mazura unter der Leitung von Thomas Voigt das "Phänomen" Frick. Beide waren der Meinung, dass Frick der Bassist mit den stimmlich reichsten Mitteln gewesen sei.
    Übrigens nehmen die Ehrungen, denen der zurückhaltende Sänger zu Lebzeiten immer aus dem Wege ging, immer mehr zu. Nicht nur, dass ihm in seinem Geburtsort Ölbronn eine kleine, feine Gedächtnisstätte gewidmet wurde. Sehr sehenwert ist dort die Händeabdruckgalerie mit über 100 Händeabdrücken hauptsächlich von Legenden der Oper. Ein "Who ist Who" der Opernnachkriegsgeschichte. Anlässlich seines 100. Geburtstags wurde der große Saal des Konzerthauses Mühlehof in Mühlacker nach Gottlob Frick benannt. Jetzt wurde im Herzen von Heilbronn ein Platz nach dem großen Bassisten genannt. Ich meine der trotz allen Ruhmes so bescheiden gebliebene sympathische "Lobl" hat diese Würdigungen verdient. Auch schön, dass in unserer schnellebigen Zeit große Kunst, Persönlichkeit und Menschlichkeit nicht vergessen werden.

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Siegfried,
    da ich mich erst kürzlich in das Tamino-Klassik-Forum "hineinkämpfen" konnte kann ich erst jetzt auf den Beitrag aus dem Jahr 2005 antworten. Ich will es dennoch tun. Ich hatte das Glück, Gottlob Frick nicht nur oft auf der Bühne zu erleben, sondern auch seine private Bekannschaft zu machen. Ich will auf die künstlerischen Qualitäten des großen Basses jetzt nicht eingehen, diese sind allgemein bekannt und anerkannt. Die Frage zielte auf den Menschen Gottlob Frick. Er war eine bescheidene, völlig unkomplizierte und menschlich ungemein sympathische Persönlichkeit. Sicherlich bezeichnend für sein Wesen ist, unser Kennenlernen. Salzburger Festpiele 1960. Verspätete Hochzeitsreise von meiner Frau und mir. Nach der Vorstellung holten wir uns Autogramme der Protagonisten. Als wir zu Frick kamen fragte er uns: "Woher kommt ihr denn"? Wir anworteten "aus Heilbronn". Darauf er " ich komme aus Ölbronn", was wir alledings wußten. "Was habt ihr jetzt vor"? Wir zuckten etwas verlegen mit den Achseln. Worauf er uns zwei wildfremde Menschen ganz spontan zum Künstlertreffen nach der Vorstellung einlud. Es wurde ein unvergesslicher Abend mit Fritz Wunderlich, Walter Berry, Erika Köth u. a. und der Beginn einer langen Bekanntschaft. So war Gottlob Frick!

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Habe da eben bemerkt, dass ich da doch noch eine


    Zauberflöte mit Gottlob Frick habe.


    Sarastro - Gottlob Frick,
    Königin der Nacht - Erika Köth,
    Pamina - Elisabeth Grümmer,
    Tamino - Ernst Kozub,
    Papageno - Günter Ambrosius,
    Papagena - Hannelore Steffek,
    Sprecher - Willi Wolf,
    Monostatos - Willi Hofmann.


    Chro und Orchester des hessischen Rundfunks 1955


    Dirigent: Sir Georg Solti


    MEL 044 (3) 3 LP,


    mit Prosa.


    Das ist eine ganz gute Zauberföte, besonders wegen Gottlob Frick, Erika Köth und Elisabeth Grümmer.


    Lieb Grüße Petr aus Wien.

  • Die erwähnte Zauberflöte unter Solti demonstriert tatsächlich wie souverän Frick den Srastro singen konnte. Es ist opernhistorisch eine wichtige Aufnahme, weil sie eine Korrektur der wirklich schwachen Leistung von Frick in der bekannten Klemperer Aufnahme darstellt. Frick war damals sehr krank, Nierenprobleme und wollte aus der Produktion aussteigen und den Sarastro an den jungen Franz Crass abgeben. Klemperer spielte allerdings nicht mit und heraus kam eine Aufnahme die gewiss kein Ruhmesblatt für den großen Bassisten ist. Es zeigt aber, auch die Größten und Verlässlichsten haben schwache Zeiten.

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Nächste Woche erscheint erstmals auf CD ein legendärer Querschnitt durch die Oper "Boris Godunow" von Eurodisc:



    Modest Mussorgsky (1839-1881)
    Boris Godunow (Ausz. in dt. Sprache)



    Gottlob Frick, Martti Talvela, Rudolf Schock,
    Chor & Orchester der Deutschen Oper Berlin,
    Dirigent: Lovro von Matacik
    Label: Eurodisc , ADD


    LG


    Harald :hello: