Elisabeth Schwarzkopf (1915-2006)

  • Wieder ist eine legendäre Sängerin des vergangenen Jahrhunderts gestorben.



    Ihr Vater war Lehrer. Sie erhielt ihre Ausbildung an der Berliner Musikhochschule sowie bei Lula Mysz-Gmeiner und Maria Ivogün in Berlin, den Liedgesang studierte sie bei Michael Raucheisen in Berlin.


    1938 debütierte sie an der Städtischen Oper Berlin als Blumenmädchen im "Parsifal". Nach ersten Erfolgen in Berlin wurde sie 1944 an die Wiener Staatsoper berufen (Antrittsrolle: Zerbinetta in "Ariadne auf Naxos" von R.Strauss).
    Von Wien nahm ihre glanzvolle internationale Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Ausgang. Dabei wechselte sie vom Koloraturfach in das schwerere lyrische Fach hinüber.
    1947 gastierte sie mit dem Ensemble der Wiener Staatsoper in London als Donna Elvira im "Don Giovanni". Jahr für Jahr begeisterte sie bei den Festspielen von Salzburg das Publikum durch ihre Kunst des Mozart-Gesanges, namentlich aber auch als Marschallin im "Rosenkavalier". Im einzelnen sang sie dort die Susanna in "Figaros Hochzeit" (1947), die Donna Elvira im "Don Giovanni" (1948-50, 1953-54 und 1960), die Fiordiligi in "Così fan tutte" (1958, 1961-64), die Gräfin in "Figaros Hochzeit" (1952-53, 1956, 1958 ), die Marzelline im "Fidelio" (1950), die Alice Ford im "Falstaff" von Verdi (1957) und die Marschallin (1960-61, 1964); nicht zuletzt wurde sie jedoch durch ihre Konzerte und durch zehn große Liederabende (u.a. mit Hugo Wolf-Liedern) in Salzburg berühmt.


    Bei den Bayreuther Festspielen feierte man sie 1951 als Eva in den "Meistersingern" und als Woglinde im Nibelungenring sowie als Solistin in der 9. Sinfonie von Beethoven.
    Am 11.9.1951 sang sie am Teatro Fenice in Venedig in der Uraufführung der Oper "The Rake's Progress" von Strawinsky die Rolle der Anne Trulove. Am 14.2.1953 kreierte sie an der Mailänder Scala C.Orffs "Trionfo di Afrodite" unter der Leitung von H. von Karajan.


    1951-59 hatte sie große Erfolge bei ihren Gastspielen an der Covent Garden Oper London. Dort hörte man sie als Pamina in der "Zauberflöte", als Susanna in "Figaros Hochzeit", als Eva in den "Meistersingern", als Mimi in Puccinis "La Bohème", als Butterfly, als Sophie wie als Marschallin im "Rosenkavalier" und als Manon von Massenet.


    1948-63 huldigte man der Künstlerin an der Mailänder Scala. Dort sang sie im Laufe einer langen, erfolgreichen Karriere u.a. die Gräfin in "Figaros Hochzeit", die Elsa, die Marschallin, die Elisabeth im "Tannhäuser", die Alice Ford, die Marguerite im "Faust" von Gounod und die Mélisande in "Pelléas et Mélisannde".


    1951 verlegte die Künstlerin ihren Wohnsitz nach London.
    Seit 1953 war sie mit dem Direktor des EMI-Konzerns Walter Legge (1906-79) verheiratet.
    1953 kam sie erstmalig nach Nordamerika, und zwar debütierte sie mit einem Liederabend in New York und sang später dort als erste Bühnenrolle 1955 an der San Francisco Opera die Marie in Smetanas "Verkaufter Braut". Bei Konzerten und Gastspielen wurde sie in Chicago (1959) und New York wie überhaupt in den Zentren des Musiklebens in aller Welt begeistert gefeiert.


    1964 wurde sie an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Marschallin im "Rosenkavalier"), der sie bis 1966 angehörte. Dort sang sie neben der Marschallin auch die Donna Elvira und ist insgesamt in neun Vorstellungen aufgetreten.


    1972 nahm sie in Brüssel als Marschallin von der Bühne Abschied.
    1975 beendete sie auch ihre Konzertkarriere, 1979 gab sie einen letzten Liederabend in Zürich, wo sie nach dem Tod von Walter Legge (†1979) lebte.


    Seit 1983 war sie Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper; 1990 verlieh ihr die württembergische Landesregierung den Titel eines Professors; der schwedische König Gustav VI. Adolf dekorierte sie mit dem Orden "Litteris et artibus"; sie wurde durch Königin Elizabeth II. von England 1992 zur Dame of the British Empire erhoben. Die Salzburger Mozart-Gesellschaft verlieh ihr die Lilli Lehmann-Medaille.



    Elisabeth Schwarzkopf besaß eine der schönsten Sopranstimmen ihrer Epoche, einmal durch die Fülle und Dichte ihres Stimmaterials, anderseits durch die tief empfundene Beseelung ihres Vortrages ausgezeichnet. Dabei war sie sowohl auf der Opernbühne wie als Oratorien- und in ganz besonderer Weise als hervorragende Liedersängerin in einem Repertoire von großem Umfang zu hören. Schließlich trat sie als Opernregisseurin vor das Publikum: 1981 inszenierte sie an der Oper von Brüssel den "Rosenkavalier" von R.Strauss. Große Verdienste erwarb sie sich durch ihre pädagogische Arbeit; überhaupt war der Einfluß, den sie (wie auch Walter Legge) auf das Musikleben ihrer Zeit nahm, sehr groß.


    Lit.: B.Gavoty: "Elisabeth Schwarzkopf" (Frankfurt a.M. 1957); A.Jefferson: "Elisabeth Schwarzkopf" (London 1995); Alan Sanders: "Elisabeth Schwarzkopf, a Career on Record" (1996).


    Schallplatten: Sehr viele, schöne Aufnahmen auf Telefunken (hier die frühesten Aufnahmen von 1940 mit Operettentiteln), Electrola (Matthäuspassion), Olympic ("Don Giovanni") und Urania (vollständiger "Abu Hassan" von Weber), vor allem aber auf Columbia; hier viele integrale Opern ("Figaros Hochzeit", "Così fan tutte", "Rosenkavalier", "Hänsel und Gretel", "Die Kluge", "Dido und Aeneas" von Purcell mit Kirsten Flagstad, "Die Fledermaus", "Barbier von Bagdad", "Capriccio", "Ariadne auf Naxos", "Don Giovanni", "Falstaff" von Verdi, "Turandot" von Puccini, "Meistersinger" aus Bayreuth, 1951).


    Dazu eine Fülle von Lied-Aufnahmen. Auf Decca erschien lange nach Abschluß ihrer Karriere eine Liederplatte mit Aufnahmen aus den Jahren 1977-79. Mitschnitte von Aufführungen auf Fonit-Cetra ("Damnation de Faust"), GDS ("Eracle" von Händel), Movimento Musica ("Don Giovanni", Salzburg, 1960), Harmonia mundi ("Pelléas et Mélisande"), Discocorp (9.Sinfonie von Beethoven), Laudis ("Don Giovanni", Salzburg 1950), TIS (Pamina in der "Zauberflöte", Aufnahme des italienischen Rundfunks RAI von 1953), CLS ("Fidelio", Salzburg, 1950).


    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Das schillernde Leben einer der wahrhaft großen, aber auch umstrittenen Sängerinnen des Zwanzígsten Jahrhunderts ist zuende gegangen. In Respekt und Dankbarkeit, wenn auch vielleicht nicht unbedingt in Liebe, verneigt sich die Nachwelt vor ihrem Lebenswerk.



    Wir sind durch Not und Freude
    Gegangen Hand in Hand:
    Vom Wandern ruhen wir beide
    Nun überm stillen Land.



    Rings sich die Täler neigen,
    Es dunkelt schon die Luft,
    Zwei Lerchen nur noch steigen
    Nachträumend in den Duft.



    Tritt her und laß sie schwirren,
    Bald ist es Schlafenszeit,
    Daß wir uns nicht verirren
    In dieser Einsamkeit.



    O weiter, stiller Friede!
    So tief im Abendrot,
    Wie sind wir wandermüde -
    Ist dies etwa der Tod?



    (Im Abendrot von Joseph von Eichendorff)

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Der Maler Arnold Böcklin ließ auf seinem Grabstein einen Vers aus einer Ode von Horaz anbringen.

    der sehr gut auch auf Elisabeth Schwarzkopf´ Epitath stehen könnnte:

    Non omnis moriar

    Carmina Liber III 30,6

    Herzliche Grüße,

    Christian

  • ich schließe mich den vorschreibern an und verneige mich in allertiefster demut vor der großartigen künstlerin :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    (als mensch kann ich sie allerdings nicht beurteilen; doch wie jede große künstlerin war auch sie wohl nicht einfach). ;)




    .

  • Ja, "einfach" war sie wohl nicht,


    auch von mir in Dankbarkeit für das künstlerische Schaffen und die Meilensteine der Diskographie ein herzliches DANKE! (und "Vergelts Gott" - wie sie mag) Ein glückliches, erfülltes Leben dürfte sie ja gehabt haben.

  • Ich hörte gerade, daß Elisabeth Schwarzkopf verstorben ist.
    Damals schrieb ich über sie:




    Es ist meinen Geburtstag, und ich wollte viel Mozart drehen. Wohlan, dies ist Mozart optimal gebracht.


    LG, Paul

  • Bei Elisabeth Schwarzkopf ist wohl das Attribut EINZIGARTIG angebracht.
    Allzugern nimmt die Welt großartige Leistungen zur Kenntnis, kritisiert aber andreseits diejenigen, die sie vollbringen. Daß hervorragende Leistungen in der Regel durch rücksichtsloses Ausbeuten eigener Resourcen entstehen, das wird wohl gern übersehen.
    In diesem Sinne möcht ich auch gerne Elisabeth Schwarzkopf verstnden wissen - und ich werde sie immer in bester Erinnerung behalten - ohne Wenn und Aber.
    Ihre Stimme jedoch ist dank Tonträger ohnedies unsterblich


    Alfred

  • zu Ehren der Verstorbenen wird morgen mein musikalisches Programm umgestaltet und umfasst folgende Referenzaufnahmen:



    in Auszügen


    und passend zum Anlass



    in Gesamtlänge


    Stefan


    @ Paul: Alles Gute nachträglich zum Geburtstag!!!

  • Zitat

    Caesar73 schrieb:
    Non omnis moriar


    Das Zitat hat mich jetzt nicht mehr losgelassen - kann jemand mir als schnödem Nicht-Lateiner (in der Schule hab ich mich damals lieber dem plüschigen Französisch in die Arme geworfen :D ) liebenswürdigerweise übersetzen, was es bedeuten soll?
    Denn interessieren würde es mich schon sehr - ich kann derzeit allerdings nur vage deuten, dass es wohl sowas wie "Nicht alle sterben" oder so bedeuten könnte ?(?(


    Ansonsten schrieb Alfred über Frau Schwarzkopf ja bereits:


    Zitat

    Ihre Stimme jedoch ist dank Tonträger ohnedies unsterblich


    ... und das ist immerhin ein kleiner Trost angesichts der gestrigen traurigen Nachricht! :yes:

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Hallo Marc,


    "non omnis moriar" bedeutet wörtlich übersetzt "Ich werde nicht ganz sterben" im Sinne von "Nicht alles an mir wird sterben". "Nicht alle (werden) sterben" hieße "non omnes moriantur".


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Hallo GiselherHH,


    danke Dir für die Übersetzung! :hello:


    Genau diese Kleinigkeiten in den Wortendungen sind es, die für mich als Nicht-Lateiner die Übersetzung dieser Sprache so verdammt schwierig machen! Man kennt die Vokabeln aber kommt nicht hinter die grammatikalischen Zusammenhänge der Wörter untereinander - und das kann ja ganz entscheidend für die Bedeutung eines Satzes sein, wie Dein Beispiel zeigt.

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Hallo,
    ich verneige mich zu allererst in Liebe vor ihrem musikalischen
    Lebenswerk,weil ich ihre Stimme und ihre Interpretationen lliebe
    und bewundere.Sie hat mir viele schöne Stunden bereitet.


    Herzlicher Gruß,Herbert.

  • Zitat

    Original von GiselherHH
    "non omnis moriar" bedeutet wörtlich übersetzt "Ich werde nicht ganz sterben" im Sinne von "Nicht alles an mir wird sterben". "Nicht alle (werden) sterben" hieße "non omnes moriantur".


    Peinlich. Ich hatte mir, obwohl man doch "omnibus" kennen sollte (und ich eigentlich mal ganz gut Latein konnte) "Nicht für alle werde ich sterben/gestorben sein" :O zurechtgebastelt, weil ich das omnis nicht anders unterbringen konnte, naja, wenn es omnus, a, um hieße, würde es ja stimmen :D Oder es gibt bestimmt einen accusativus, der solch ein Verhältnis auch ausdrücken kann...


    Es gab vor ca. 10 Jahren mal eine Levi's-Kinowerbung (ein zerschlissenes Paar Jeans wurde im New-Orleans-Stil zu Grabe getragen), die mit dem Slogan endet "Some things never die"... das paßt.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von MarcCologne


    Entschuldige Marc,


    dass ich keine Übersetzung angegeben habe, aber dieses Zitat von Horaz ist mir (seit ich mich mit Arnold Böcklin befasst habe, von ihm stammt ja das Sujet für Rachmaninovs Tondichtung Toteninsel) irgendwie so in Fleisch und Blut übergegangen, das mir nicht in den Sinn kam, irgendjemand könnte es nicht verstehen :D


    Das ist es was ich an der lateinischen Sprache so faszinierend finde: Extreme Verdichtung von Inhalten auf engstem Raum. Was Horaz hier zum Ausdruck bringt, trifft im Prinzip auf jeden Künstler zu.


    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian

  • Die Nachricht von Ihrem Tod geht mir eigentlich nicht aus dem Kopf, denn ich hatte das Glück Sie öfters zu hören in Salzburg bei den Festspielen im "Rosenkavalier" und in "Cosi fan tutte" in der legendären Aufführung unter Karl Böhm in der Regie von Günther Rennert.
    (Ludwig, Sciutti, Kmentt, Prey, Dönch).
    Das war unbeschreiblich toll.Sternstunden waren das.
    Diese "Cosi" gehört zu dem Schönsten was ich auf der Bühne gesehen habe!
    Ein solches Ensemble heute unvorstellbar!
    Karl Böhm am Pult eine Meisterleistung!
    Ja und Ihre Marschallin ohne Vergleich.
    Elvira im "Don Giovanni" unter von Karajan Regie hatte Oscar Fritz Schuh.(E.Wächter, L.Price,C.Valetti,W.Berry,G.Sciutti,R.Panerai) 1960 im Kleinen Festspielhaus!
    Ihre Liedgestaltung einzigartig.
    Ja zum Glück bleiben die Platten und die DVD vom "Rosenkavalier".
    Gruss aus muc
    :hello:



    P.S. Den "Nachhilfe Latein Unterricht" finde ich ganz orginell. Finde es super, wenn in unserer Zeit mal jemand zugibt nicht alles zu wissen!
    :yes:

  • Sie hat es sich selbst und anderen sicher nicht leicht gemacht.


    Danke für das was Sie als Sängerin hinterlassen hat.


    Ich beneide die Freunde, die sie noch auf dem Podium oder der Bühne erleben durften!


    Liebe, wenn auch traurige, Grüße.
    Bernd Hemmersbach (Hemmi)

  • Zitat

    Original von hemmi
    Sie hat es sich selbst und anderen sicher nicht leicht gemacht.


    Danke für das was Sie als Sängerin hinterlassen hat.


    Ich beneide die Freunde, die sie noch auf dem Podium oder der Bühne erleben durften!


    Heute war in der FAZ ein sehr ausgewogener, feinsinniger Nachruf von Gerhard Koch zu lesen.


    Als Künstlerin war Elisabeth Schwarzkopf eine der Größten ihres Fachs, auch wenn sie die Möglichkeiten, die ihr das Dritte Reich für Ihre Karriere bot, offenbar stärker genutzt hat als bisher bekannt, zumindest deuten die jüngsten Forschungsergebisse darauf hin.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

  • hallo, ich mache mich mal wieder bei allen unbeliebt, aber das bin ich seit jahrzehnten gewohnt :rolleyes:


    : bei aller brisanz des themas - das hat jetzt nichts mit dir zu tun, lieber christian!!, nur so allgemein: müssen wir denn immer wieder bei allen künstlern abklopfen, wie sie's mit den nazis, den kommunisten und den vielen anderen diktaturen hielten...
    getreu dem motto: sie/er war ja groß: aaaaaber sie hat auch mal dem und dem die hand geschüttelt ...und den und den kontakt genutzt ....ich meine, wenn sie selbst keine verbrechen begingen, finde ichs ok und die diskussion so typisch deutsch und langsam nervend und ungebührlich - zumindest aus unserer so wohlbehüteten nachgeborenen sicht. ...


    nix für ungut und allen eine gute nacht ..

  • Lieber Jörg,


    Größtenteils gebe ich Dir recht. Wie alt war sie, als diese braunen Mob an der Regierung kam? 17, was.


    Und Herr Hinkebein wußte recht gut wie Kultur, Rundfunk, Presse usw zu bezügeln. Wer, in solchen Umstände, kann von sich behaupten "Ich hätte ein sauberes Gewissen gehabt"?
    Ich, jedenfalls, weiß nicht, was ich unter solchen Umstände getan hätte.


    Bei uns ist noch immer den Fall Johan(nes) Heesters berücht. Und Mengelberg. Trotzdem urteilen jetzt viele Holländer anders, milder.


    LG, Paul

  • Eine großartige Sängerin, die in ihren Aufnahmen weiterleben wird, ist nicht mehr.
    Seien die glücklich, die sie erleben durften, seien die froh, die sie hören können.


    Gruß Heldenbariton

  • Hallo Paul,
    du sprichst halt ein zu damaliger Zeit großes Problem vieler Prominenter an: Mitmachen oder im Abseits stehen(gut, dass du das ansprichst).
    Was Heesters, diesen unverbesserlichen...angeht, der ja von nichts wusste, darüber möchte ich mich nicht auslassen.
    Dass Mengelberg zu den großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts zu zählen ist, steht ebenso ausser Frage (ich finde seine Aufnahmen sehr interessant). Schwarzkopf war nach dem Krieg auch uneinsichtig; sie hatte halt nur sich im Kopf, d.h., wie ich in mehreren Artikeln und Berichten über sie gelesen habe, nicht gerade umgänglich. Aber hier gilts der Kunst und als Sängerin war sie einmalig.


    Gruß Guido :hello:

  • Lieber Jörg, lieber Paul,


    Ihr habt grundsätzlich natürlich recht- Elisabeth Schwarzkopf ist in allererster Linie eine große Künstlerin. Was ich meine: Mehr oder weniger ruhmvolle Episoden finden sich in jeder Biographie aus dieser Zeit. Kennen sollte man sie, mit Be- oder Verurteilungen sollte man allerdings vorsichtig sein, solange man nicht alle Fakten kennt und selbst dann gilt es sorgfältig abzuwägen. Dunkle Flecken gibt es auf den meisten großen Gemälden, sie gehören dazu- und man sollte sie als das sehen was sie sind: Flecken. Nicht mehr und nicht weniger.


    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian

  • Lieber Christian,
    Danke für Deinen Beitrag, auch ich finde jeder hat in seiner Vergangenheit einen Flecken einer einen größeren und andere wieder kleinere dunkle Flecken!
    Das die Frau Kammersängerin sicher ein nicht "ganz bequemer" Mensch war, ist glaube ich hinreichend bekannt.
    Es gilt Ihr also in erster Linie als ganz große Künstlerin zu gedenken.
    Das sie dies war, ist glaube ich auch von allen Ihren Kritikern anerkannt!
    Dies ist meine ganz persönliche Meinung dazu.
    Schöne Grüsse
    aus muc
    :hello:

  • Das Menschliche kann man, meiner Einschätzung nach, bei der Beurteilung eines Künstlers zu einem gewissen Teil außer Acht lassen ; Sänger werden schließlich nicht dafür bezahlt, angenehme Leute zu sein. Auch Schwarzkopfs Parteimitgliedschaft und Aktivität im Dritten Reich halte ich für nicht so gewichtig - bekanntlich tun manche Leute im Dienste ihrer Karriere noch ganz andere Dinge, und ob es soviel moralischer ist, wenn sich jemand hochschläft...? Bleibt die Einschätzung der Künstlerin, und da ist sie - ähnlich wie FiDi - ein Fall, an dem sich die Geister scheiden. Ich bekenne offen, daß beide Sänger sind, gegen die ich eine gewisse Allergie entwickelt habe. Fischer hat in seinem Nachrif auf Schillers Differenz zwischen "naiv" und "sentimentalisch" abgehoben und betont, daß sie von Anfang an eine "sentimentalische" Sängerin war ; und das ist etwas, was mir einfach nicht liegt. In manchen Fächern, wie der Operette, hat dies seinen Reiz ; aber in anderen Fällen, etwa bei Mahler und Strauss, die selbst schon von einer artifiziellen Kunst ausgehen, wird mir das schlicht zuviel. Auch bei Mozart gibt es andere Interpretinnen, die mir näher stehen als "Her Master's voice" (etwa die gleichzeitige Elisabeth Grümmer, von anderen gar nicht erst anzufangen). Fazit: eine prägende, aber problematische Sängerin.

  • Hallo Herr Henn,
    darüber schreibt Allan Jefferson in seiner umfangreichen Schwarzkopfbiographie fair, aber ausführlich. Das Buch habe ich momentan nicht zur Hand, muß mich daher auf mein Gedächtnis verlassen. Wie er berichtet, hatte sie sehr gute Beziehungen zu hohen Funktionären im Propagandaministerium, die sie gegenüber dem Intendanten des Deutschen Opernhauses auch weidlich ausnutzte. (Rode war heilfroh, als er sie loswurde und sie nach Wien wchselte)Auch in einer der Massenorganisationen (ich glaube, der NS-Frauenschaft) war sie Funktionärin. Nichts übermäßig Spektakuläres, aber auch nicht gerade fein... Wie ein anderer Teilnehme schon geäußert hat, kommt es in solchen Fällen ben immer darauf an, wie man später mit seiner Vergangenheit und seinen Fehlern umgeht, und da war sie jemand, der es nicht anders machte als so viele andere.

  • Hallo Herr Dietrich,
    ich danke für die Aufklärung.Es ist allerdings verwunderlich,daß sie kurz nach dem 2.Weltkrieg ein Engländer unter seine Fittiche nahm und
    später auch heiratete.Sie wurde dann ja englische Staatsbürgerin.
    Ich glaube,das war in England für Nazis nicht ganz einfach.



    :hello:Herbert Henn.

  • E.S. Aktivitäten im "3. Reich" halte ich zwar auch für dokumentiert aber für sekundär, ebenso wie ihre wohl etwas - mal vorsichtig - selbstbewusste Art. Mich interessiert es wenig, ob ein Künstler ein Ekel ist, sonst wäre ich sicher kein "Wagnerianer".
    Ich halte sie zwar auch für eine bedeutende Sängerin - aber ich habe ihren Gesang (man sehe mir das nach, solche Eindrücke sind immer sehr individuell) gerade immer als "unbeseelt" und kalkuliert empfunden.
    Man könnte aber natürlich darüber diskutieren, ob ihre Ästhetik des Gesangs und ihre Lebensphilosophie nicht doch auch ein Spiegelbild des Deutschland der 33ff Jahre waren......