Die Berliner Philharmoniker in Referenzaufnahmen

  • Liebe Forianer,


    Nein , keine Angst - ich werde jetzt nicht in zehn Tagen alle bedeutenden Orchester in eine Threadserie einbinden - Aber die Berliner,- quasi als Gegenpol der Wiener - die mit Sicherheit genausogut speielen - aber aus irgendwelchen Gründen weltweit nicht den Nimbus der Wiener erreichen - die sollten wir schon mit solch einem Thread versehen. (Nach und nach könten wir dan vielleich nuch 3 oder 4 Spitenorchester ähnlich aufbereiten. Auch wenn manche Aufnahmen schon in anderem Zusammenhang genannt wurden - so erleichtern solche Threads (nicht nur) dem Klassikeinsteiger das Suchen...


    Bei den Wienern hab ich mich vornehm zurückgehalten, bei den Berlinern besteht dazu keine Veranlassung:


    Hier MEINE Referenz mit den Berlinern - unerreicht - und unvergleichlich.




    Die Abbildungen stehen für ALLE Aufnahmen dieser Serie von 1961 -
    Es dürften aber viele schon gestrichen sein....



    mfg


    aus Wien


    Alfred

  • Oh, da gibt es einige Aufnahmen. Aber besonders gut gefällt mir dieses Orchester mit seinem seit Jahrzehnten fantastischen Holz :D in Schumanns Klavierkonzert (Geza Anda/Kubelik). Wenn ich es richtig überblicke, ist diese Einspielung momentan leider nur in einer Box erhältlich:



    Großartig klingen die Berliner auch in Abbados Wagner-CD mit den Vorspielen zu Tannhäuser, Tristan und Parsifal sowie dem Karfreitagszauber und weiteren orchestralen Parsifal-Ausschnitten. Nicht nur die Holzbläser, sondern auch die Streicher leuchten hier in den glühendsten Farben. Einen solchen Karfreitagszauber habe ich vorher noch nie gehört.


    Viele Grüße


    Bernd

  • Kein Bruckner (Wand war mit dem Sinfonieorchester des NDR erheblich spontaner und weit weniger "altersmilde"), okay, einen Mahler



    aber da, wo man sie nicht vermutet, haben sie Maßstab setzendes vollbracht:



    Bei Bruckner und bei Mahler lasse ich die beiden "Top-Orchester" links liegen, wenn ich das Concertgebouw Orchester höre (obwohl gerade bei Bruckner unter Giulini, Böhm, dem späten Karajan und zuweilen Harnoncourt herausragendes geleistet wurde). Machen wir für die Jungs aus Amsterdam auch noch einen Thread auf??? ;)

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Hallo Herbert,


    Der Freischütz - Penguine Guide für klassische Musik - Platz 1
    Die Zauberflöte - Penguine Guide für klassische Musiik - Platz 1
    Tristan und Isolde - Penguine Guide für klassische Musik - Platz 1
    Puccini: La Bohème - Fono-Forum CD-Klassikführer - Platz 1
    Verdi: Don Carlos - Fono-Forum CD-Klassikführer - Platz 2


    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Karajans Strauss-Aufnahmen (insb. "Tod und Verklärung"), Kubeliks "Aus der neuen Welt" (Dvorak), die Klavierkonzerte von Brahms mit Gilels/Jochum, auf jeden Fall der Karajan/Wagner-"Ring" - am Ende bleibt von den Berliner Philharmonikern jedenfalls viel Musik zwischen Brahms und Schönberg, mit überzeugenden Abstechern in Richtung Schostakowitsch (die schon erwähnte "Zehnte" unter Karajan ist super!), aber kaum weiter zurück in Richtung Schumann, Beethoven oder gar Mozart.


    Eigentlich ist's Repertoire aus jämmerlichen fünfzig, wenn's hoch kommt siebzig Jahren, das die Berliner wirklich Maßstäbe setzend aufgenommen haben. Aber da geht es den anderen Orchester-Supertankern ja nicht anders: Bis zur Klassik einschließlich haben ihnen längst "Spezialisten" den Rang abgelaufen, und die Moderne und das Modernste findet eher bei den Orchestern der Rundfunksender statt.


    Rattle halte ich, nebenbei gesagt, für keinen Glücksgriff. Aber das wäre wohl eine gesonderte Diskussion...


    Freundliche, nächtliche Grüße


    Heinz

  • Guten Morgen.


    Weil ich es gerade höre: "Ein Heldenleben" der Berliner mit Rattle ist für mich eine Referenzaufnahme. Nun ist mir bewusst, dass namentlich dieses Werk so ziemlich alles an Vorurteilen oder allgemein an Ablehnung mobilisieren kann, wass man zum Thema Richard Strauss sowieso schon mal loswerden wollte. Wilhelminische Hybris, unerträgliche Egozentrik, selbstgeügsame Klangmalerei - was auch immer, es passt schon irgendwie.


    Gleichwohl habe ich das Werk immer ganz gern gehört (was das tiefenpsychologisch auch bedeuten mag). Tatsächlich sehe ich es nicht als ungebrochene Selbstverehrung (es endet immerhin mit einer Weltflucht). Und auch wenn Selbstironie nicht intendiert gewesen sein dürfte, so gebe ich mich ganz gern dem Gedanken hin, dass diese in diesem schon vom Titel her so kraftstrotzendem Werk möglich sein kann.


    Zumindest hilft mir Rattle mit seiner Einspielung, das Heldenleben mit besserem Gewissen, also nicht nur in der Lesart als (schon historisch) interessantes Selbstzeugnis eines selbstbewussten, emanzipierten Künstlers, zu konsumieren. Ich empfinde das Spiel der Berliner als wohltuend unpathetisch, das dröhnend Selbstgewisse fehlt. Namentlich im Vergleich mit der ebenfalls noch jungen Thielemann-Einspielung geht es hier nicht so romantisierend-breit zu Werke. Das Heldenleben scheint mir in der Rattle-Aufnahme entschlackt und mit großer Freude am eigenen Können und am eigenen Klang (und dabei nicht handwerklich-selbstgenügsam) eingespielt.


    Wenn also auch das Werk als solches der Mehrzahl hier im Forum wahrscheinlich einer Referenz-Einspielung überhaupt nicht würdig erscheinen mag, so möchte ich gleichwohl diese Einspielung als eine Referenz der Berliner für mich nennen.


    :hello:


    Gruß, l.

  • Hallo Lohengrins,


    Rattles Interpretationen der Strauss- und Schubert-Werke mit den Berliner Philharmonikern sind nur mittelmäßig. :yes:


    Wie die meisten Aufnahmen Rattles mit den Berlinern sehr entäuschend und nicht zum Kaufen zu empfehlen.


    Höre dir mal die Aufnahmen unter Fritz Reiner, Rudolf Kempe und selbst die Aufnahmen unter Karajan und jüngst Lorin Maazel sind viel besser.



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Hallo Liebestraum!


    Danke für Deine Tipps zum Heldenleben.


    Den Komplett-Strauss-Kempe immerhin habe ich bereits (und weiß, dass man wahrscheinlich nicht ganz falsch liegt, wenn man seinen Strauss-Einspielungen fast schon generell Referenz-Charakter einräumt), und schätze sie sehr.


    Gleichwohl ziehe ich den Rattle derzeit vor. Nun muss ich allerdings auch gestehen, dass ich mich nicht in die vielköpfige Heerschar der Sir-Simon-Ablehner einreihe. Ich bin regelmäßig in der Philharmonie, und besuche ebenso regelmäßig Konzerte mit Rattle. Obschon ich ihn mir beim Dirgieren eigentlich nicht recht ansehen mag, ihn auch nicht auf den ersten Blick für sympathisch halten mag, genieße ich diese Besuche sehr. Auch wenn mich nicht alles begeistert sein lässt. Aber bispielsweise sein Konzert mit Mahlers 2. hat mich wirklich begeistert - würde dies veröffentlicht werden, wäre es für mich gewiss eine Referenz!


    Insofern habe ich in puncto Rattle eben ein grundsätzlich anderes Herangehen, was ja (so weit möglich) objektiv falsch sein mag. Ist eben nur meine Meinung.


    :hello:


    Gruß, l.

  • Hallo Lohengrins,


    ich bin auch kein Gegner Rattles, so besitze ich selbst unter seiner Leitung:


    Bernstein: Wonderful Town (Birmingham)
    Liszt: Eine Faust-Sinfonie (Birmingham)
    Mahler: Blumine (Birmingham)
    Mahler: 1. Sinfonie (Birmingham)
    Mahler: Das klagende Lied (Birmingham)
    Schumann: Klavierkonzert (Birmingham)
    Grieg: Klavierkonzert (Birmingham)
    Ravel: Daphnis und Chloé (Birmingham)
    Ravel: Bolero (Birmingham)
    Gershwin: Porgy und Bess (London Philharmonic)
    Mozart: Cosi fan tutte (Orchestra of Age of Enlightenment)


    All das sind sehr gute Aufnahmen, aber in Berlin hat er dergleichen nicht mehr erreicht, leider! Das ist natürlich sehr schade.


    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Hallo Liebestraum!


    Bist Du auch hin und wieder in der Philharmonie? Gib Sir Simon doch noch 'ne Chance.
    Ich denke, dass auch Dir zumindest sein Konzert mit Mahlers 2. gefallen hätte. Etwas derartig Mitreißendes hatte ich bis dato noch nicht in einem Konzertsaal erleben dürfen.


    :hello:


    Gruß, l.

  • Hallo Lohengrins,


    ich habe Rattle noch nicht live erlebt. Sicherlich ist er ein sehr guter Mahler-Dirigent, aber auch seine Mahler-Interpretationen in Berlin reichen nicht an die in Birmingham heran.


    Seine Einspielungen der Beethoven-Sinfonien und des "Fidelio" sind völlig überflüssig.


    Seine Strauss- und Schubert-Einspielungen sind sehr mttelmäßig, man hat den Eindruck, er soll hier etwas aufnehmen, wo er gar nicht dahinter steht.


    Die Berliner Philharmoniker pflegen sehr stark das deutsche Repertoire, aber mit Rattle ist das alles sehr schwierig, da ihm hier wirklich sehr wenig gelingt.


    Über kurz oder lang könnte es ihm dadurch den Chefposten in Berlin kosten.


    Rattle ist keine sichere Bank, wie es einst z.B. Günter Wand gewesen ist, da spare ich mir lieber die überhöhten Konzertpreise.



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Wen es interessiert - es gibt seit ein paar Tagen eine erste eigene CD-Edition der BPh: "Berliner Philharmoniker - im Takt der Zeit", 12 CDs quer durch die Geschichte des Orchesters, mit zum großen Teil bisher unpublizierten Aufnahmen. Darunter auch das Eröffnungskonzert der Philharmonie und das Konzert anläßlich der Maueröffnung (zumindest letzteres ist schon publiziert gewesen).
    Preis: € 129,-.


    HG
    tuonela

  • Zitat

    Original von Bernd Schulz
    Oh, da gibt es einige Aufnahmen. Aber besonders gut gefällt mir dieses Orchester mit seinem seit Jahrzehnten fantastischen Holz :D in Schumanns Klavierkonzert (Geza Anda/Kubelik). Wenn ich es richtig überblicke, ist diese Einspielung momentan leider nur in einer Box erhältlich:




    Hast Du mal irgendeine neuere Einspielung mit der *Staatskapelle* Berlin unter Barenboim angehört? Klanglich ebenfalls außerordentlich (wenn auch vielleicht nicht immer interpretatorisch), zB Beethoven-Sinfonien.


    Was aber niemanden abhalten sollte, besonders Schumann-Freunden ist sie wegen der erhaltenen Solowerke sehr zu empfehlen.


    Sonst noch:
    Beethovens 9. Sinfonie mit Fricsay (DG)
    Haydns Sinfonien 92 & 104 mit Rosbaud (DG)
    Alles Mögliche mit Igor Markevitch (vermutlich nur in der DG-Box), zB Schuberts 3. Sinf., Mozart #34 und "Prager", Wagner-Vorspiele)
    Alles Mögliche mit dem jungen Lorin Maazel (zB. brillant-ungemütliche Schubert-Sinfonien, eine äußerst klangschöne Pastorale, ebenfalls eine DG-Box)


    einschlägige Vermißte sind mit Absicht nicht genannt :D


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl


    Alles Mögliche mit dem jungen Lorin Maazel (zB. brillant-ungemütliche Schubert-Sinfonien, eine äußerst klangschöne Pastorale, ebenfalls eine DG-Box)


    Hallo Johannes,


    stimmt, ein wichtiger Hinweis. Besonders "referenzwürdig" ist die Einspielung mit César Francks Sinfonie und Mendelssohns 5. Sinfonie.


    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Zitat

    Original von Norbert


    stimmt, ein wichtiger Hinweis. Besonders "referenzwürdig" ist die Einspielung mit César Francks Sinfonie und Mendelssohns 5. Sinfonie.



    stimmt, die ist netterweise auch einzeln erhältlich. Leider nicht (oder nur in Japan, Amerika, Australien, was weiß ich) die ebenso tolle 4. Mendelssohn sowie Beethoven 5 & 6. Hier lohnt evtl. ein Vergleich mit den praktisch gleichzeitigen Karajan-Aufnahmen (den ich jedoch noch nicht gemacht habe, bei Beethoven 5&6 habe ich sogar die Aufnahmen).


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Richard-Strauss-Freunde,
    :D das ist jetzt nichts für R.Strauss-Verächter und Karajan - Gegner.


    rappy hatte im Thread "Heute gehört" die referenzwürdige Aufnahme von
    Richard Strauss: Ein Heldenleben
    Berliner Philharmoniker / Herbert von Karajan
    DG, 1959, ADD

    als seine Referenzaufnahme vorgestellt worauf ich ihm nur beipflichten konnte.
    Michel Schwalbe ist hier der Sologeiger.


    Dieser Beitrag von rappy hatte meinen langgehegten Wunsch aufkeimen lassen, diese Aufnahme von Ein Heldenleben, die ich seit Jahrzehnten als DG-LP besitze, nun auf CD zu haben.
    Ich wußte bisher gar nicht das die Aufnahme aus dem Jahre 1959 stammt, da die Aufnahmedaten auf LP´s oft nicht angegeben wurden.


    Auf dieser DG-Doppel-CD ist diese große Aufnahme von 1959 enthalten:



    Berliner PH , Karajan
    DG, 1959-1973, ADD


    Das ist das Original-Cover:


    Welche hohes musikalische Einfühlungsvermögen Karajan hatte, wird einmal mehr in dieser Aufnahme deutlich.
    :( Das straft jene Lügen, die ansonsten die gleichen Dirigenten-Vorlieben haben wie ich (Bernstein und Swetlanow). Umso mehr bin ich über diese Karajan-Gegner immer wieder verwundert.


    Ich habe Ein Heldenleben mit meinen neueren Aufnahmen mit Metha (Decca), Ashkenazy (Decca), Kempe (EMI und Brillant) und auch Karajan (DG, 1985), die die vorgenannten ebenfalls übertrifft, verglichen. Der Wunsch nach Karajans DG-Analog-Aufnahme von 1959 blieb dabei immer bestehen.


    Diese CD von Ein Heldenleben gehört zu den Aufnahmen die "das Klassikpublikum in ihren hypnotischen Bann zu ziehen imstande ist ...." (Zitat Alfred aus einem anderen Thread).


    :yes: Umso größer war meine Überraschung auch in klanglicher Hinsicht, als ich gestern die DG-CD hörte.
    DG bedient sich hier eines neuen ORIGINAL IMAGE BIT PROCESSING - Remasteríng-Verfahrens, wodurch die Aufnahmen, die ohnehin gut waren, nochmal an Brillanz, Rauschfreiheit und Natürlichkeit gewinnt und besser als die DG-LP ist. Diese wird bei jpc derzeit für 24,-Euro angeboten.


    Die restlichen Sinfonischen Dichtungen auf der Doppel-CD habe ich in zahlreichen anderen Aufnahmen. Die hier enthaltenen Karajan-Aufnahmen waren mir teils unbekannt und sind aber wirklich überraschend willkommene Ergänzugen und zeigen welch fabelhafter Richard Strauss-Dirigent Karajan war. Hier bei TAMINO wurde in diesem Zusammenhang leider vieles schlecht geredet, wodurch ich mich von den Käufen abhalten ließ - das war ein Fehler.


    1959 war ohnehin ein gutes Jahr für Karajan/R.Strauss, denn aus diesem Jahr stammt auch eine weitere Karajan-Referenzaufnahme von Tod und Verklärung (auf Decca).

  • Hallo Wolfgang,


    du sprichst mir aus der Seele!


    Zitat

    Diese CD von Ein Heldenleben gehört zu den Aufnahmen die "das Klassikpublikum in ihren hypnotischen Bann zu ziehen imstande ist ...." (Zitat Alfred aus einem anderen Thread).


    GENAU das passiert, wenn ich mir diese Aufnahme anhöre. Eine 3/4 Stunde sich einfach mal in dieses wunderbare Klangpanorama versenken, das einen in eine Ekstase treiben kann, in der man jegliche Bedenken gegenüber des Programms oder des Dirigenten außer Acht lässt.
    Solche wahrhaftigen Wunder der Interpretationsgeschichte lassen für mich Karajans Fehlgriffe (die ich mir ja nicht antun muss) vergessen, genauso wie ich, wenn ich die Gouldbergvariationen höre, nicht daran denke, dass er auch mal Mozart gespielt hat.


    Aber genug der Schwärmerei, jedem das seine, man sollte sich nur nicht durch subjektive Urteile hier im Forum, die manchmal als "Tatsachen" rübergebracht werden, verunsichern lassen.


    Dass es zu diesem Werk noch keinen Thread gibt, werde ich versuchen, in den Semesterferien zu ändern.

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Natürlich haben die Berliner Philharmoniker auch bedeutende Musik unter bedeutenden Dirigenten gespielt, etwa hier:
    [jpc]7942705 [/jpc]
    Das ist für mich eine der bewegendsten Aufführungen dieses Werkes. Wand liebt es noch immer durchsichtig, etwas kühl, strukturell klar (hat halt viel Neue Musik dirigiert in jüngeren Tagen). Aber jetzt ist auch der Klang der Lyrismen von einer warmen Menschlichkeit durchdrungen, und die überlegene Disposition des Gesamtwerks scheint mir alle anderen Einspielungen dieses Werks zu übertreffen, welche dieses Orchester gemacht hat.
    :hello:

  • Fraglos eine Referenz unter den vielen herausragenden Einspielungen der Berliner vor allem auch unter Karajan ist diese hier:



    Unvergleichlich transparenter Klang- und Farbenzauber. Nicht ohne Grund werden diese Aufnahmen bei Gramophone unter den ALL TIME 100 geführt.


    Loge

  • Nicht zu vergessen diese beiden Aufnahmen:
    [jpc]9780400 [/jpc] [jpc]7463590 [/jpc]
    In ihnen zeigen die Berliner Philharmoniker, daß sie unter dem geeigneten Dirigenten auch einen für Ravel tatsächlich idiomatischen Klang entwickeln können. Wunderbar, wie dieses Orchester auf die Abstimmungen der Balancen eingeht und den obertonreichen, farbintensiven Klang mit klaren, keineswegs aber scharfen Konturen erzeugt. Die absoluten Höhepunkte: Der "Sonnenaufgang" des "Daphnis"-Balletts, der den Zuhörer ein Ein- und Ausatmen suggeriert. Und natürlich der "Boléro", weil er nicht nur präzise, sondern weil er auch im Tempo so genau auf den Punkt gebracht ist wie in keiner anderen mir bekannten Aufnahme - zumindest nicht mit diesem Orchester.
    :hello:

  • Die Aufnahme finde ich auch großartig.


    Jetzt wollte ich glatt Mahlers 2. unter Abbado listen, sehe aber gerade, daß es die Wiener und nicht die Berliner sind, also die mit Stade und co.


    Die 8. mit den Berlinern und Abbado - kenne sie selbst nicht - soll aber auch als eine der ganz großen Einspielungen dieser Symphonie gelten.


    :hello:
    Wulf

  • Lieber Jacques, lieber Wulf,
    ist die wirklich so unglaublich? Ich konnte mich bisher nicht zum Kauf entschließen, weil mir Abbado mit Brahms keine Ideal-Kombination zu sein scheint. Aber ich höre immer wieder, das sei ein absoluter Geheimtipp, weil Brahms ziemlich analytisch aufbereitet wird...
    :hello:

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    weil Brahms ziemlich analytisch aufbereitet wird...
    :hello:


    Lieber Edwin,


    das ist es, was ich höre. Man meint eine analytische Interpretation gehe auf Kosten einer leidenschaftlichen. Abbado scheint mir - ungeachtet der Tatsache, daß das Leidenschaftliche bei Brahms mir auch mehr durchgeistigt zu sein scheint - das ganze gut auszubalancieren. Ein sehr "vernünftiger" Brahms, jedoch nicht kühl. Ich muss allerdings gestehen, da ich mich bisher nicht zu den Brahms-Adepten zähle, wenig Vergleichsmöglichkeiten zu haben, noch aus Erfahrung sagen zu können, wie sehr Abbado Brahms gerecht werden kann.


    Positiv fällt mir auf, daß die "braunen Orchestertöne" bei Abbado nicht nach Ohrensessel und Biedermeier schmecken. Kein Klangbrei, durch dessen viskoses Dasein man in den Stuhl gedrückt wird.


    :hello:
    Wulf