Maria Cebotari, eine große Interpretin

  • Ich möchte an die bedeutende deutschsprachige Sängerin
    Maria Cebotari erinnern.Sie war vielleicht die vielseitigste
    Sopranistin seit Lilli Lehmann.Ihr Repertoire reichte von
    Mozart's Susanna,Zerlina,Konstanze,Figaro-Gräfin,Donna Anna,
    Sopfie im Rosenkavalier,Verdis Traviata,Maddalena in Andrea
    Chenier etc.bis zur Turandot,Salome und Carmen.Außerdem
    wirkte sie in sehr vielen Uraufführungen zeitgenössicher Musik
    mit.Werke von : R.Strauss,H.Sutermeister,Zandonai,Schoeck,
    F.Martin,von Einem,u.v.a.


    Die Biographie mit genauen Daten kann man bei Wikipedia
    nachlesen.Es existieren auch einige Opern-Gesamtaufnahmen.


    :hello:Herbert.

  • Hallo,


    ich wundere mich sehr,daß auch die Wiener Forianer


    nichts mehr über Maria Cebotari zu berichten haben.


    Sie war doch eine der ganz großen Sängerinnen der


    Wiener Oper,mit der sie z.B. 1947 ein Gastspiel in London


    hatte,und einen sehr großen Erfolg als Salome und Donna Anna


    mit den anderen Größen des Wiener Ensembles erlebte.


    (J.Patzak,A.Dermota, L.Welitsch,H.Hotter,L.Weber,
    E.Schwarzkopf,R.Tauber,P.Schöffler,u.v.a.Dir.C.Krauss)


    Ich bin jedenfalls der Meinung,diese Sängerin darf man
    nicht einfach vergessen.Sie war 5 Jahre älter als E.Schwarzkopf.


    :hello:Herbert.

  • Cebotari- Von ihr habe ich nur eine CD, wo sie Arien aus La Traviata, bzw Rigoletto singt.



    Während mich in meiner Jugend die historische Aufnahmequalität sehr störte, bin ich jetzt sehr unempfindlich dagegen. Der Chor ist teilweise übersteuert, die Stimme der Cebotari jedoch weitgehend unverfärbt.


    Auch die Partner auf dieser Aufnahme sind hörenswert: Helge Rosvaenge (dem ich demnächst einen eigenen Thread im Schelllackforum widmen werde - wohin eigentlich aus DIESER Thread gehört), Heinrich Schlusnus und Willi Domgraf-Fassbaender.


    Gewöhnungsbedürftig - zumindest für junge Klassikfreunde - könnten die deutschen Texte sein - aber bis in de späten sechzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts war das durchaus nichts Ungewöhnliches.


    Die Aufnahmen sind MONO in der Qualität des Jahres 1942



    Benjamino Gigli bezeichnete die Stimme der Cebotari als eine der schönsten, die er je gehört habe.


    Maria Cebotari starb im Alter von nur 39 Jahren (soweit ich mich erinnere ) an Leukämie. Da ihr Mann, der Schauspieler Gustav Diessl schon vor ihr gestoreben war, hinterließ das Paar zwei Kleinkinder.
    Es fanden sich genügend Leute, welche eines der beiden Kinder angenommen hätten, aber BEIDE ?? Nein, das war dann denn dich zuviel - zumal kaum Geld da war, die Behandlung der Krankheit (so habe ich es mündlich überliefert bekommen , daher ohne Gewähr) hat alles verschlngen. Da sprang der englische Pianist Clifford Curzon in Die Bresche und adoptierte beide Kinder.


    Wie man sieht ist manches nur verborgen - aber nicht vergessen


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred


    Leider bietet jpc keine Möglichkeit Sampletracks zu hören.


    Das ist aber auf der Preiser-Seite möglich - die ab 20. 10. 2006
    wieder online sein wird - sie wird umgestaltet.

  • Hallo Alfred,
    Maria Cebotari ist ja eine berümte Stimme,auch wenn ihre
    meisten Einspielungen in der Schellackzeit entstanden.
    Es gibt ja einige wichtige Rundfunkaufnahmen mit ihr,
    und ihre letzten drei Jahre war sie ja in Wien engagiert.
    Ihre Partner dort bringt man eigentlich auch nicht mehr
    mit der Schellackzeit in Verbindung.
    (P.Schöffler,L.Weber,E.Schwarzkopf,H.Güden,H.Hotter,
    I.Seefried,und ihr häufigster Tenorpartner z.B.als Lenski
    oder Alfred war A.Dermota.)
    Es ist erstaunlich,daß sie schon 1947und 1948 bei den
    Gastspielen in London mitwirkte,und dort großen Erfolg,
    besonders als Salome hatte(trotz L.Welitsch).1948 sang
    sie in London die Donna Anna an der Seite von R.Tauber,
    kurz vor dessen Tod.Ich meine,es ist erstaunlich,daß sie
    so kurz nach dem Nazireich in England diese Erfolge hatte,
    da sie ja ca.10 Jahre künstlerisch in Nazideutschland tätig
    war,und zudem auch noch mit einem Vorzeigeschauspieler
    der Nazis verheiratet war.Auch erstaunlich ist,daß nach
    beider Tod ,(Diessl starb 1948,Cebotari 1949 an Leberkrebs.)
    ein berühmter englischer Pianist ihre zwei Kinder adoptierte.)
    Eine wahrhaft humane Geste von Clifford Curzon.


    :hello:Herbert.

  • Zitat

    Es ist erstaunlich,daß sie schon 1947und 1948 bei den Gastspielen in London mitwirkte,und dort großen Erfolg, besonders als Salome hatte(trotz L.Welitsch).


    Dazu muss man erwähnen, dass es sich dabei um Gastspiele der Wiener Staatsoper handelte, die zu Aufführungsserien nach England eingeladen wurde. Die Briten zeigten sich hier von ihrer besseren Seite und hatten relativ wenig Berührungsängste.


    :hello:

  • Ich habe noch eine alte Schallplatte mit Arien, gesungen von Maria Cebotari. Mein Vater hat sie noch selbst in Berlin in der "Madame Butterfly" gesehen und schwärmte immer davon (das Jahr weiß ich leider nicht mehr). Sie hatte eine sehr schöne und anrührende Stimme.

  • Lieber Herbert,


    ich habe mich, glaube ich, ungenau ausgedrückt, es sollte natürlich: die zu Unrecht "vergessenenen" Sänger und Sängerinnen heißen....


    Aber der Klick auf den Namen Cebotari in meinem obigen Beitrag führt direkt zu Deinem Maria-Cebotari-Thread, auf den ich hinweisen wollte, da wir hier im Schellack-Forum sind, die Dame aber im "berühmte Stimmen"-Forum behandelt wird.


    Irgendwie sind hier die Grenzen fließend....


    LG
    Harald

  • Das war eine Sängerin die eigentlich alles konnte, Turandot und Liu, Donna Anna und zerlina, Violetta und Zerbinetta, wie Ariadne, Sophie und Operette.


    Ich selbst habe sie noch 1951 im Bettelstudent als Laura n der Volksoper gehört und gesehen, da mein Onkel bei der Ravag war, und ichschonsehr früh in die Oper ging.


    Ich habe eine Doppel LP wo sie die Butterfly und Constanze, die Gilda und die Mimi sowie die Violetta singt, aber den Frühlingsstimmenwalzer und so vieles mehr.


    Für mich war sie eine Primadonna, mit einem Fächer an Rollen und Darstellungen.


    Zum Glück gibt es da ja noch die SW Filme, wie den Butterfly Film und ich hoffe, dass die anderen bald wieder gespielt werden.

  • Die Wiener Plattenfirma Otto Preiser tut einiges, den Namen Maria Cebotari vor dem Vergessen zu bewahren. Hier 1 Beispiel:



    Das ist hier drauf:


    1. Le Nozze Di Figaro: E Susanna Non Vein...Dove Sono
    2. Don Giovanni: Or Sai Chi L'Onore
    3. Don Giovanni: Crudele!...Non Mi Dir
    4. Die Lustigen Weiber Von Windsor: Non Eilt Herbei, Witz, Heit're Laune
    5. Der Zigeunerbaron: So Elend Und So Treu
    6. Faust: Ah! Je Ris De Me Voir Si Belle
    7. La Boheme: Man Nennt Mich Jetzt Nur Mimi
    8. La Boheme: O Du Sussestes Madchen
    9. Madama Butterfly: Un Bel Vedremo
    10. Madama Butterfly: Con Onor Muore
    11. Ariadne Auf Naxos: Es Gibt Ein Reich


    LG

  • Grüß Dich , von Peter aus Wien!


    Ja eine ist diese Aufnahme die ich aber als LP habe,


    dann gibt / gab es ein Doppelalbum, und dann noch die Violetta / Traviata mit Helge Roswaenge als Alfred,


    und dann noch eine Kurzfassung der Traviata auf der anderen Seite ist die Boheme, Butterfly, Susanne.


    Diese Stimme ist einmalig gewesen, und so unverkennbar.

  • Hallo,
    ich möchte auch noch etwas lustiges(wie oper337) zum Thema Cebotari beisteuern. In dem Buch "Klassische Musik im 20. Jahrhundert" von Alain Paris, übersetzt von Rudolf Kimmig,
    steht auf Seite 138 geschrieben: " Sie (M.Ceboteri) interpretierte die Turandot bei
    der amerikanischen Erstaufführung 1926 an der Met."


    Maria Cebotari (1910-1949) debütierte 1931 in Dresden als Mimi.
    Die erste Turandot an der Met, sang Maria Jeritza.


    :hello:Herbert.

  • Stimmt Herbert, die erste Turandot an der MET war Maria Jeritza!


    Und zu sagitt meine ich nur:


    So schön war ja Maria Cebotari nicht, man braucht nur den Film der "Premiere der Butterfly" ansehen, also schön im Gesichtszug war sie nicht,
    sie hat lieb ausgesehen aber für ihre kaukasischen Backenknochen konnte sie ja nichts.


    Aber sie hat eine liebliche Stimme, die sie je nach Rolle, einstellen konnte.


    Und das kann bis heute kaum eine Sängerin, nicht einmal die Netrebko und die finde ich wieder schön, nur ihre Stimme ist merkwürdig flach geworden -


    oder bilde ich mir das nur ein, vielleicht macht das, das Vöslauer Mineralwasser, wo sie Reklame singt!

  • Wenn auch Maria Jeritza es war, die die erste "Turandot" an der MET sang, gibt es auch eine deutsch gesungene Gesamtaufnahme, mit Maria Cebotari:



    und die ist gar nicht so schlecht und Maria Cebotari kann es mit vielen Sängerinnen, dieser schweren Partie, wohl aufnehmen.


    Liebe Grüße Peter, aus Wien. :hello: :jubel:

  • Geb. 10.2.1910 in Kischinow (heute Moldawien), gest. 9.6.1949 in Wien.


    Sie war die Lieblingssängerin meiner Schwiegermutter, sie sang ab 1930 in der Semperoper (Debüt mit 20 Jahren als Mimi).


    Vom VEB Deutsche Schallplatten gibt es eine Eterna-Aufnahme aus der Reihe Große Sänger der Vergangenheit.


    Aufnahmen darauf:


    - Entführung - Martern aller Arten, Wiener Philharmoniker unter Karl Böhm


    - Figaro - Endlich naht sich die Stunde, Berliner Rundfunk-Sinfonieorchester unter Artur Rother


    - Boheme - Man nennt mich jetzt Mimi, Orchester wie Figaro


    - Butterfly - Eines Tages sehn wir. Orchester wie Figaro


    - Butterfly - Liebesduett mit Walther Ludwig, Orchester wie Figaro


    - Salome - Schlußarie, Orchester wie Figaro


    Von Eterna waren in der Reihe Große Sänger der Vergangenheit noch erschienen:


    Caruso, Selma Kurz, Gigli, Frieda Hempel, Leo Slezak, Margarethe Siems, Richard Tauber, Frida Leider, Helge Rosvaenge, Lilli Lehmann, Jussi Björling und Georg Hann


    Grüße von La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.



  • Lieber La Roche, die Martern-Arie aus der "Entführung" singt nicht die Cebotari sondern die junge Elisabeth Schwarzkopf. Sie entstammt der berühmten Gesamtaufnahme unter Moralt von 1944 aus Wien. Höre Dir Deine Platte noch einmal genau an. Es ist - auch im Vergleich mit der Cebotari - unverkennbar die Schwarzkopf. Allerdings gibt es diese Arie auch mit der Cebotari. Sie wurde 1935 in Berlin unter Heger eingespielt und ist zunächst auf Parlophone, später dann auf mehreren Zusammenstellungen verschiedenster Label erschienen, auch auf einer CD (90248) bei Preiser. Auf der von Harald eingestellten Wiederauflage der ETERNA-Serie auf CD ist der Irrtum stillschweigend korrigiert - die Arie wurde schlicht weggelassen. Ein diskreter Hinweis im Booklet wäre allerdings nötig gewesen.


    Dem Ruhm der Maria Cebotari, die ich auch seit frühester Jugend sehr verehre, tut dies aber keinen Abbruch.


    Herzlich grüßt Rheingold

  • So schön war ja Maria Cebotari nicht, man braucht nur den Film der "Premiere der Butterfly" ansehen, also schön im Gesichtszug war sie nicht, sie hat lieb ausgesehen aber für ihre kaukasischen Backenknochen konnte sie ja nichts.


    Aber sie hat eine liebliche Stimme, die sie je nach Rolle, einstellen konnte.



    ... also da gibt und gab es weitaus weniger ansehliche Sängerinnen... Sie auf lieblich zu reduzieren wird ihr finde ich nicht gerecht. Die Stimme war sehr gut geschult und hatte einen festen, leicht metallischen Kern (wie eine kleine Welitsch), der es ihr erlaubte auch ins Zwischenfach zu gehen. Dass sie darüber huinaus noch Rollen sang, die weit jenseits ihres Repertoires lagen, steht auf einem anderen Blatt. Nicht dass sie die so schlecht gesungen hätte, aber es hat sie stimmliche Substanz gekostet...

  • Ich finde Maria Cebotari auch nicht schön,
    ich finde sie sehr schön.
    Sie konnte majestätisch (Turandot), leidend ( Traviata, Mimi,Butterfly, Tosca) komisch oder auch schelmisch sein (Zerlina, Susanna, Norina, Rosina).
    Sie war eine große Schauspielerin.


    :hello: Herbert

  • Heute vor 65 Jahren gestorben:


    Maria Cebotari (* 10. Februar 1910 in Chișinău, Bessarabien, Russisches Kaiserreich; † 9. Juni 1949 in Wien; eigentlich Maria Cebotaru) war eine österreichische Opernsängerin rumänischer Herkunft in der Stimmlage Sopran.



    LG


  • Mit dieser schönen Arien-CD möchte ich daran erinnern, dass Maria Cebotari am 10. Februar 1910 geboren wurde.


    Heute ist ihr 105. Geburtstag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Es existieren auch einige Opern-Gesamtaufnahmen.


    Genau, lieber Herbert. Nun ist wieder eine hinzugekommen, nämlich DER ZAUBERTRANK (Le vin herbé) von Frank Martin, aufgenommen bei den Salzburger Festspielen 1948. Es gab in diesem Festspielsommer vier Aufführungen im Landestheater, die dritte wurde mitgeschnitten. Das um die Salzburger Festspiele sehr bemühte Label ORFEO hatte dafür Originalbänder zur Verfügung. Nach der Uraufführung von Gottfried von Einems DANTONS TOD 1947 war dies bereits das zweite zeitgenössische Werk in Salzburg, in dem Maria Cebotari gemeinsam mit Julius Patzak, der als Tristan zu hören ist, mitwirkten. Das spricht für beider Vielseitigkeit. Ich bin erst jetzt auf die Neuerscheinung, die bereits seit September vergangenen Jahres auf dem Markt ist, aufmerksam geworden und wiederhole die Nachricht etwas erweitert an dieser Stelle, damit sie im Neuerwerbungs-Thread nicht untergeht. Dafür halte ich sie für zu wichtig.



    Seit Jahren geistert eine Szene mit Cebotari und Patzak aus der Aufnahme in mäßiger Qualität herum. Sie ist von einer solchen musikalischen und darstellerischen Dichte, dass ich auf Anhieb eingenommen gewesen bin für das Werk und seine Interpreten. Es ist ein schwieriges Werk, nicht Oper, nicht Oratorium sondern irgend etwas dazwischen. Martin greift auf drei Kapitel des Romans "Le Roman de Tristan et Iseut" des französischen Schriftstellers Joseph Bédier zurück, der sich seinerseits auf die frühen Quellen des Tristan-Stoffes beruft. Nun also die Gesamtaufnahme - nach mehr als 60 Jahren! Es geschehen also doch noch Wunder, die einen daran glauben lassen, dass peu à peu noch weitere Schätze aus den Archiven ans Licht kommen.


    DANTONS TOD als Uraufführung in Salzburg ist über die Jahre bei verschiedenen Labels veröffentlicht worden, zuletzt hier:


  • Ich möchte heute auch an Maria Cebotari erinnern, und zwar mit dieser Aufnahme:



    Heute ist ihr 66. Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).