Maria Joáo Pires - Sensibel und publicityscheu

  • Lieber Forianer,



    Sensibel und publicityscheu, das sind Attribute die der Harenberg Klaviermusikführer in Bezug auf die portugiesische Künstlerin Joáo Pires verwendet. Zugleich wird betont, daß es sich bei ihr um eine der bedeutendsten Mozart Interpretinnen unserer Zeit handelt.
    Ihre Gesamteinspielung alle Mozart Klaviersonaten wurde mit einem Schallplattenpreis ausgezeichnet, da kann man doch icht von krass unterschätzt sprechen, wie hier im Forum behauptet wurde -Oder etwa doch ?



    Tatsache ist, daß das 4 Bändige Metzler Musik-Lexikon (1996) ihren Namen nicht kennt und auch die Brockhaus Enyklopädie meldet Fehlanzeige. - Also offenbar doch unterschätzt.


    Natürlich ist es schwer einen, wenn auch erstklassigen Mozart-Sonaten Zyklus zum Vollpreis zu verkaufen, wenn man nicht Brendel heisst, und wenn es gleichzeitig 2 ebenso gute Aufnahmen, halb bis dreiviertel geschenkt gibt. hier meine ich Michael Endres für Oehms und Gilbert Schuchter für Tudor.


    Mir war die Pianistin schon im Bewusstsein, als sie noch für Erato aufnahm, eine wunderschöne Einspielung der Schubert Sonate D960 ziert seit damals meine Sammlung.


    Zwei Aufnahmen mit Mozart-Klaviersonaten, die für die Deutsche Grammophon entstanden sind ebenfalls vorhanden, Option auf Ausbau besteht (wenn die DGG nicht vorher alles streicht)


    Sagit meinte hier an anderer Stelle im Forum in bezug auf ihr Chopin-Spiel:


    Zitat

    Wenn man die Pires mit den Impromptues hört, wird man vielleicht nicht mehr so oft zu Brendel greifen

    .


    und Heinz (leider nicht mehr im Forum aktiv) schrieb als Grund warum er sie bei den "Lieblingspianisten" nominiert hat:


    Zitat

    Maria Joao Pires


    für die schönste Interpretation aller Zeiten des Adagio aus Mozarts Klavierkonzert KV 488.


    Die Aufnahme der Violinsonaten, die sie zusammen mit Augustin Dumay für Deutsche Grammophon eingespielt hat, wurde mit dem Jahrespreis 2003 der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.


    Also scheinbar doch nicht unterschätzt.....



    Beste Grüße aus Wien


    Alfred


    APUT

  • Hallo Alfred,


    schön, dass mein Beharren auf Resonanz stösst:


    Zitat

    Sensibel und publicityscheu, das sind Attribute die der Harenberg Klaviermusikführer in Bezug auf die portugiesische Künstlerin Joáo Pires verwendet


    Ihrem Spiel kann man das nicht anmerken. Sensible, im Sinne von detailgetreu ist sie sicherlich. Sensibel, im Sinne von zurückhaltend nicht. Da ist viel Feuer und Fantasie zu hören.


    Zitat

    Zwei Aufnahmen mit Mozart-Klaviersonaten, die für die Deutsche Grammophon entstanden sind ebenfalls vorhanden


    Welche Volumina? Mich hat - die letzte CD höre ich nachher - besonders die CD mit KV 333, KV 457 und der Fantasie c-Moll KV 475 begeistert.


    Zitat

    Option auf Ausbau besteht


    Auch der Drang :D?


    Zitat

    Sagit meinte hier an anderer Stelle im Forum in bezug auf ihr Chopin-Spiel:


    Zitat:
    Wenn man die Pires mit den Impromptues hört, wird man vielleicht nicht mehr so oft zu Brendel greifen


    Na ja, bei Chopion kann ich das ja nicht als Alternative machen, oder? Ihre Impromtus sind übrigens ähnlich gut wie die Mozart-Sonaten.


    Zitat

    Die Aufnahme der Violinsonaten, die sie zusammen mit Augustin Dumay für Deutsche Grammophon eingespielt hat, wurde mit dem Jahrespreis 2003 der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.


    Also scheinbar doch nicht unterschätzt.....


    Ja, aber kann man einen Preis und ein oder zwei positive Kommentare unter tausenden von Beiträgen in Tamino als richtige Einschätzung bewerten?

  • Hallo Thorsten,




    Zunächst mal die Abbilduingen der beiden CDs von Mozart-Klaviersonaten mit Frau Pires.


    Zur Frage ob der Drang besteht die Serie zu erweitern:


    Ja sicher. Immerhin habe ich aber mehr Mozart-Klaviersonaten von Pires als von Brendel, wo nahezu die ganze Serie fehlt. Grund: Ich habe immer zuerst das gekauft, was ich für von der Streichung bedroht eingeschätzt habe...... :D


    Was ich überhaupt nicht kenne, ist die Aufnahme der Mozart-Klavierkonzerte unter Abbado, soweit ich weiß hart sie aber einige davon schon früher für Erato eingespiel, ebenso einge Beethoven-Sonaten. Vielleicht weiß jemand, ob eher denälteren Erato oder den neueren Deutsche Grammophon der Vorzug zu geben ist. ?


    Zur Frage, ob einige positive Aussagen und ein Schallplattenpreis schon genügend Wertschätzung bedeuten:


    Schallplattenpreise haben IMO gegenüber von früher enorm an Bedeutung und an Image verloren. Zum einen erfahren ja die Klassikkunden kaum mehr wer welchen Preis gemacht hat, weil es kaum mehr vernünftige Klassikzeitungen am Markt gibt, bzw sie wenig gelesen werden. Zum anderen haben einige "Selbstbeweihräucherungspreise" der Tonträgerindustrie das Image solcher Preise arg bechädigt.


    Ein Forum wie unseres hat auf Zeit gesehen, eine weit größere Reichweite. als es Klassikzeitschriften einst hatten, weil die Threads (meist durch Suchmaschinen) dann aufgerufen werden, wenn man sie braucht, bzw Informationen zu einem Werk oder Interpreten sucht.
    (Die 3 Jahre alte Klassikzeitschrift war längst an unzugänglichen Orten archiviert, wenn sie überhaupt aufbewahrt wurde.)
    Dazu kommt, daß, obwohl mhier keine professionellen Kritiker schreiben, die glaubwürdigleit von Forumsteilnehmern im allgemeinen höher eingeschätzt wird, weil sie ja keine finanziellen Interessen verfolgen, nicht von Werbeeinschaltungen abhängig sind, etc....


    Ich glaube fest daran, daß solche Foren ausgezeichnet geeignet sind, erstklassige Interpreten im Gedächnis der Sammler wachzuhalten. Wäre das nicht meine Überzeugung, sähe ich wenig Sinn in solch einem Forum.(Siehe auch meinen Thread "Das Tamino Klassikforuim als Verführer")


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Hallo Alfred,


    ich hoffe, ich habe nicht Chopin geschrieben, gemeint ist Schubert: die beste Aufnahme von allen ist für mich diejenige der Pires. In der Tat ist sie nicht scheu im Zugriff. Brahms zB liegt ihr gut in der Hand. Ähnlich wie die Haskil tritt sie vollkommen uneitel auf, ugleich sind ihre Interpretationen aber sehr oft tiefsinnig( ihren früheren Beethieven mag ich nicht und den neuen,aus ihren eigenen Kulturzentrum in Portugal kenn ich noch nicht).


    Pires ist nicht eigentlich unbekannt, aber nicht entsprechend ihrer Bedeutung gewürdigt. Ich will gar nicht Herrn Kaiser zitieren, dier so viele lebende Pianisten nicht würdigt, sondern eher die Aufnahmepolitik der majors. Es sah ja so aus, als wenn ein neuer Mozartzyklus mit Abbado entstehen würde ( Refernz ihre Einspielung von KV 449 !). Aber dies ist versandet. Jammerschade. Ihre Anschlagskultur und die geistige Durchdringung der Werke sind die Markenzeichen. Wir- die Fans- rufen: mehr davon !


    Grüße aus dem grauen Bremen


    Sagitt

  • Zitat

    geistige Durchdringung der Werke


    Ich bin ja auch ein Fan von ihr, aber dafür gibt's fünf Euro ins Kritikerphrasen-Schwein. Was, bitte schön, ist die geistige Durchdingung der Werke? Außerdem konnten/können das doch nur Celibidache, Tureck und Brendel, vielleicht der späte Arrau.

  • Hallo,


    mich überrascht ein wenig das überzogene Fotum für eine zeitgenössische Pianistin::rolleyes: Maria Joáo Pires.


    Absolut mißtrauisch werde ich, wenn von allen Seiten ein Künstler wie ein neu aufgehender Stern
    von den Kritikern in den höchsten Tönen gelobt wird..... wo bleiben die sachlichen Kritikansätze.....?


    Jeder Künstler offenbart Stärken und Schwächen...! Von der Pianistin Pires; im Bereich Veröffentlichungen, ist fast nichts zu finden......!!!!


    Die Mozart-Klavierkonzert-Einspielungen eines Brendel galten jahrelang als das Non- plus- Ultra in der
    Musikszene....... und nun sollen sie wegen einem neu aufgegangenen Stern nicht mehr unseren Zeitgeist und Geschmack entsprechen?....


    Dem kann und mag ich nicht zustimmen.... ein Brendel... Horowitz..... Barenboim... Gulda...
    Glenn Gould.... etc.
    überzeugen mich ebenfalls in ihrer Interpretationsform und ihrem virituosem Klavierspiel.....


    Neue Jungpianisten könnten im gleichen Atemzug benannt werden... Christian Zacharias... Bruce Vogt.... Aldo Ciccolini.... Cllara Haskil.... Nicola Frisardi.... Fazil Say... Lang Lang... jeder persönlich mit einer eigenständigen Interpretationsform und Stilrichtung und virituosem Klavierspiel behaftet und gelobt von den Kritikern.....


    :jubel:
    Anmerkung:
    Jeder Schallplattenproduzent sieht sich mit dem Problem konfrontiert, zum einen seine etablierten Solisten zu hegen und zu pflegen, zum anderen ständig nach Sensationen oder wenigstens nach vielversprechenden Könnern Ausschau zu halten.
    Sie bürgen auch in Zukunft für das kommerzielle Wohl eines Labels. :jubel:


    @ Alfred:
    Ich glaube fest daran, daß solche Foren ausgezeichnet geeignet sind, erstklassige Interpreten im Gedächnis der Sammler wachzuhalten. Wäre das nicht meine Überzeugung, sähe ich wenig Sinn in solch einem Forum.(Siehe auch meinen Thread "Das Tamino Klassikforuim als Verführer")




    Herzliche Grüße aus Spenge
    reklov29

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Beitrag ernst gemeint war, reklov29, oder ob ich die Ironie darin nur nicht begreife:


    Pires ist seit weit mehr als einem Jahrzehnt etabliert, ein "neu aufgegangener Stern" ist sie wirklich nicht.


    Zitat

    Von der Pianistin Pires; im Bereich Veröffentlichungen, ist fast nichts zu finden......!!!!


    Folgend nur die gegenwärtig erhältlichen Einspielungen auf DG:


    http://www.deutschegrammophon.…?ART_ID=PIRMA&AUTOSTART=1


    Dazu gibt es noch diverses auf Erato und natürlich noch einige zur Zeit nicht erhältliche Aufnahmen auf beiden Labeln.


    Zitat

    Neue Jungpianisten könnten im gleichen Atemzug benannt werden... Christian Zacharias... Aldo Ciccolini.... Cllara Haskil


    Neue Jungpianisten? Warst Du die letzten 30-40 Jahre verreist oder noch nicht geboren? Oder sind für Dich nur Pianisten etabliert, die mehr als 40 Jahre aktiv sind, wobei dann Gouldja auch wegfällt.

  • Hallo,
    Deine Aussage:
    Oder sind für Dich nur Pianisten etabliert, die mehr als 40 Jahre aktiv sind, wobei dann Gouldja auch wegfällt.
    -------------------------------------------------------------------------------------------
    Genau das wollte ich mit meinem Thread über die älteren Interpreten......
    ausgesagt haben.
    Beachte meine getätigte Aussage:
    Die Mozart-Klavierkonzert-Einspielungen eines Brendel galten jahrelang als das Non- plus- Ultra in der
    Musikszene....... und nun sollen sie wegen einem neu aufgegangenen Stern nicht mehr unseren Zeitgeist und Geschmack entsprechen?....
    Dem kann und mag ich nicht zustimmen.... ein Brendel... Horowitz..... Barenboim... Gulda...
    Glenn Gould.... etc.
    überzeugen mich ebenfalls in ihrer Interpretationsform und ihrem virituosem Klavierspiel.....
    ___________________________________________________
    :rolleyes:
    Ich möchte hiermit noch einmal mit allem Nachdruck darauf hinweisen, welchen hohen Stellenwert die
    "A l t e n" verdienten Pianisten in der Musikgeschichte besitzen..... und ihnen gerechterweise auch zusteht.....und wehre ich mich vehement dagegeien, wenn sie als die Alten... nicht mehr dem Zeitgeschmack und künstlerischem Anspruch der Gegenwart entsprechend - hinzuzurechnen sind.....-:rolleyes:


    Schöne Grüße
    reklov29

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Zitat

    Ich möchte hiermit noch einmal mit allem Nachdruck darauf hinweisen, welchen hohen Stellenwert die
    "A l t e n" verdienten Pianisten in der Musikgeschichte besitzen..... und ihnen gerechterweise auch zusteht.....und wehre ich mich vehement dagegeien, wenn sie als die Alten... nicht mehr dem Zeitgeschmack und künstlerischem Anspruch der Gegenwart entsprechend - hinzuzurechnen sind


    Wenn Du jetzt vielleicht noch aufzeigen könntest wo hier irgendwer den Stellenwert von Brendel et. al. relativieren wollte? Wer seine Klavierkonzerte einfach als nicht mehr zeitgemäß einstufen wollte? Dann könnte ich Deine etwas emotional inspirierte Reaktion vielleicht verstehen. Übrigens, wenn Du von "alten" Pianisten redest, ist Dir schon bewusst, das vor den von Dir genannten auch Pianisten aktiv waren. Deiner Logik folgend hätte man Brendel und Barenboim wegen Gieseking und Kempff missachten müssen. Wäre das in Deinem Sinne?
    Hier wurde lediglich MJP gelobt, niemand wurde deswegen niedergemacht. Musik ist kein Nullsummenspiel. Ich denke, wir sollten die Diskkussion aber beenden und ich entschuldige mich dafür, Deine Gefühle verletzt zu haben. Vielleicht ist das hier doch nicht das richtige Forum für mich.

  • Hallo Thorsten und Sagit.



    Hallo, Piano, piano


    Was hier passiert ist, war lediglich, daß 2 Mitglieder ihre Meinung äußerten, ich hatte nicht den Eindruck, daß sich jemand verletzt fühlte.


    Ich war bisher in einigen Foren, jedoch so moderat und sensibel wie hier ging selten wo zu


    Ich finde es eher begrüßenswert, daß neuerdings die Meinungen konträr sind. Und sollten mal "die Fetzen fliegen", ist das noch lange kein Beinbruch, im schlimmsten Fall würde ich eingreifen, aber dazu sehe ich in diesem Fall keine Veranlassung.


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred


    PS:
    Falls Diskussionen über das Thema erwünscht sind: gerne, aber bitte im internen Bereich (Tritsch Tratsch) Danke

  • Hallo Alfred,


    ich fühle mich von der Kontroverse gar nicht betroffen und hatte daran auch nicht teilgenommen. Im übrigen finde ich, dass man seine Meinungen auch so ausdrücken kann,dass andere nicht herabgesetzt werden. Dein Hinweis, es gehe hier " moderat" zu, wird sicher zutreffen, aber der Agressiv-Müll, der das Internet überschwemmt, ist abstoßend- ich würde mich an einem solchen Forum sicher nicht beteiligen.
    Wir alle äußern hier nur Meinungen, keine Wahrheiten. Jeder von uns hat einen eigenen Horizont, eigene Hörerfahrung und das sollten wir gegenseitig respektieren und auf jede Missionierung verzichten. Das schliesst keinesfalls aus, dass kritische Nachfragen gestellt werden, die einem selbst helfen, Positionen klarer auszudrücken.
    Also ich meine mit " geistiger Durchdringung", das Spiel der Pires ist für mich von einem Konzept bestimmt, man hört die " Bedeutung". Extrem dafür die Schubert Impromptues- übrigens die gesamte Aufmachung dieser Aufnahme spricht dafür. Das, was ich für " Schubert" halte, kommt in ihrem Spiel zum Ausdruck.
    Man wird einwenden, das hat jeder Pianist. Aber stimmt dies ? Ist ein auf äußere Showeffekte bedachter Tastenstar damit wirklich angesprochen ? Ich weiss es nicht. Sollte ich zum Ergebnis kommen, ist gibt da keine Unterschiede, werde ich mich insoweit revidieren.

  • Ich bin eigentlich Deiner Meinung und Danke, dass Du die "geistige Durchdringung" erklärt hast. Da ich aber der Stein des Anstosses bin, obwohl ich nur eine euphorische Meinung geäußert habe (entschuldigung), werde ich mich - für die nächste Zeit wenigstens - zurückhalten. In diesem Sinne, viel Spaß noch.

  • Hallo Thorsten! Ich habe leider keine Vorstellung von Ihnen (Dir) gefunden. Ein Zurückziehen würde ich aber sehr bedauern. Natürlich sind Ihre Äusserungen hier wichtig. (auch weil meine Meinung)
    Liebe gruesse

  • Hallo Kurt,


    Dieses Problem haben wir inzwischen schon auf diplomatischem Weg intern gelöst, Thorsten hat seither schon ca weitere 50 interessante Beiträge verfasst.


    Zurück zu Maria Joao Pires !



    Beste Grüße


    Alfred

  • Zwei sehr gute Aufnahmen der Pirés (mit Grieg habe ich sie auch schon live gehört, ein phantastisches Konzert!) Ihre "Mondscheinsonate" fand ich allerdings weniger überzeugend, dafür sind ihre Mozart Aufnahmen ein Gedicht:




    Herzliche Grüße, :hello: :hello:


    Christian

  • Maria Joao Pires ist als Chopin-Interpretin durchaus eine Alternative zu den etablierten Deutungen. Nehmen wir einmal ihre Interpretation der Preludes im Vergleich zu Ivo Pogorelich: Nicht so extrem in den Tempi, ein weicherer Anschlag, aber mit einem sicheren Empfinden für die Vielfältigkeit dieser 24 Miniaturen:



    und ihre Einspielung der Nocturnes:





    Herzliche Grüße,


    Christian

  • Guten Morgen,
    dies ist mein erster Beitrag - um das Eis zu brechen... Die Pires bot sich da bestens für den Einstieg an. Ich bin seit einigen Jahren ein ziemlich großer Fan von ihr, empfinde aber nicht alle ihrer Aufnahmen als durchweg überzeugend. Mit Cover-Bildchen kann ich derzeit leider nicht dienen, da mein Scanner streikt...


    Die Schubert-Impromptus, die hier an verschiedener Stelle lobend hervorgehoben wurden, erscheinen mir im Vergleich mit beispielsweise Brendel (der für sein Schubert-Spiel allerdings oft genug geradezu hysterisch idealisiert wird, so als gäbe es neben seiner keine anderen legitimen Lesarten) zu neutral. Auch das Booklet ist gestalterisch ein heikler Grenzgang zwischen Poesie und Edelkitsch - das weltabgewandte "Wanderer"-Klischee kann man wirklich allzu sehr strapazieren.


    In wahrhaft göttlicher Verfassung erlebt man die Pires in 4 Mozart-Konzerten die sie für die DG mit Claudio Abbado aufgenommen hat (Nr. 14 & das "Krönungskonzert" live mit den Wiener Philharmonikern, so wie die Nummern 17 & 21 mit dem Chamber Orchestra of Europe) - Mozartspiel von perlender Frische (ohne dabei in Nähmaschinengeläufigkeit zu verfallen) und wunderbarer Selbstverständlichkeit.


    Die Chopin-Nocturnes sind ebenfalls eine Meisterleistung in Puncto pianistischer Differenzierungskraft, da kann ich mich Caesars Empfehlung nur anschließen. Pires macht durchaus starken Gebrauch vom Rubato, ohne das ihr Spiel deswegen unorganisch oder gewollt wirken würde. Klangtechnisch ist die Aufnahme Gold für die Ohren. Der Klaviertechniker Gerd Finkenstein (der auch Angela Hewitt betreut) hat wirklich gezaubert. Er und sein Steinway leben übrigens bei mir um die Ecke...


    Das, was die Pires mit ihrem Lebenspartner Augustin Dumay zuwege gebracht hat, finde ich ebenfalls nicht durchweg gut.
    Spitzenklasse sind 4 Violinsonaten Mozarts (KV's 301, 304, 378 & 379), sowie die bereits von Caesar gelobten Brahms-Sonaten.
    Auch sämtliche Beethoven-Violinsonaten kommen mit phantastischer Vitalität daher, bereiten mir aber aufgrund des feinnervigen, relativ vibratoschwangeren Geigentons von Dumay nur eingeschränkte Freude. Da wünsche ich mir doch mehr von dem klassisch-maßvollen (und meinetwegen konservativen) Formbewusstsein von Grumiaux/Haskil oder der elementaren Wucht von Oistrach/Oborin.


    Soviel erstmal,
    beste Grüße!
    Daniel

  • Sagitt meint:


    Bei den Mozartviolinsonaten bin ich ein wenig ambivalent.Sie, die Pires, spielt,man kann schreiben gewohnt, großartig. Dumay legt einen doch etwas dicken Geigenton auf. Dadurch bekommen die Mozartsonaten einen romantischen touch,die Leichtigkeit des Rokoko geht verloren. Wenn ich den Vergleich mit Perlman anhöre, wird mir dies evident.
    Ich halte die Aufnahme nicht für schlecht, aber finde sie nicht Mozart-gerecht.

  • Hallo Sagitt,


    ich persönlich war von den Mozart-Violinsonaten eigentlich bezuckert und empfinde Dumays Ton weniger als fett, denn als zu vibratogeschwängert, also als zu "kulinarisch". Dieses Merkmal störte kürzlich auch einen Freund, dem ich Mozart- und Beethoven-Sonaten von Pires/Dumay anspielte. Er fand die Aufnahmen einfach zu gefühlsselig und zu wenig klassisch.
    Dem kann man wohl zustimmen, aber die Liebe zum Detail, das rassige, aber nicht überzogeneTemperament und die dynamische und klangfarbliche Differenziertheit dieser Aufnahmen sind immerhin alles andere als langweilig. Es muss ja nicht immer der gläserne Spieldosenmozart sein...


    Liebe Grüße :hello:
    dab

  • hallo,


    ich bin wahrscheinlich ungerecht. ich habe vor vielen jahren eine erato-aufnahme mit den chopin-konzerten günstig bekommen. m.j. pires war die interpretin. sicher 'stilvoll' perlend ihr laufwerk. aber insgesamt langweiliges spiel ohne konturen. neulich habe ich in die griegschen violinsonaten reingehört. dumay/pires versus wallin/pöntinen. das zweite duo hat mir mit abstand besser gefallen, da einfach mehr passierte. ich besorge mir keine pires-aufnahmen, da ich angst vor langeweile habe !


    gruß, siamak

  • Hallo Siamak,


    Die recht mittelmäßigen erato-Chopinkonzerte hinken den hochpoetischen DG-Aufnahmen um Längen hinterher. Die sind nämlich wunderschön, bleiben aber beispielsweise gegenüber den fulminaten Zimerman-Einspielungen etwas zu unentschieden. Es ist eben nicht die Referenz, aber dennoch weit mehr als nur "langweilig"...


    Liebe Grüße! :hello:
    Daniel

  • Zitat

    Original von Daniel Behrendt
    Die sind nämlich wunderschön, bleiben aber beispielsweise gegenüber den fulminaten Zimerman-Einspielungen etwas zu unentschieden. Es ist eben nicht die Referenz, aber dennoch weit mehr als nur "langweilig"...


    Lieber Siamak,


    zumindest was die Grieg-Einspielung angeht, kann ich Deinen Eindruck nicht teilen- was aber vielleicht daran liegen mag, dass ich Dumay und Pires mit dem Grieg-Programm im Konzert erlebt habe, und da waren sie alles andere als langweilig. Man merkte bei beiden Akteuren, dass sie ausgesprochen gut aufeinander eingespielt waren und eine überbordende Spielfreude.


    Herzliche Grüße,:hello:


    Christian

  • Zitat

    Zitat Christian:
    Man merkte bei beiden Akteuren, dass sie ausgesprochen gut aufeinander eingespielt waren und eine überbordende Spielfreude.


    ... dass sie gut aufeinander eigespielt sind, verwundert nicht - denn Maria und Augustin teilen meines Wissens auch Tisch und Bett miteinander ... ;)


    LG :hello:
    Daniel

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Mir war die Pianistin schon im Bewusstsein, als sie noch für Erato aufnahm, eine wunderschöne Einspielung der Schubert Sonate D960 ziert seit damals meine Sammlung.


    Hallo Alfred, die D 960 ist dem Cover nach 1986 entstanden. Ich liebe diese Aufnahme auch sehr. Im Mittelteil des Andante sostenuto empfinde ich allerdings so etwas wie die Ferne Portugals; mag sein, daß ich hier dem 'deutschen' Spiel eines Wilhelm Kempff z. B. zu sehr verhaftet bin.-


    Eine andere Frage würde ich bei dieser Gelegenheit noch einmal gerne zur Diskussion stellen.


    Zitat

    Dem Spieler, der zu Hause die Exposition einer Schubert-Sonate zehnmal wiederholt, sei seine Freude herzlich gegönnt. Im Konzersaal wird er gut daran tun, die Konzentration des Publikums (und seine eignen Kräfte) nicht zu überfordern. Wiederholungszeichen sind nicht immer Befehle: daß sie unweigerlich von Erwägungen der Proportion bestimmt seien, ist moderner Köhlerglaube. Auch dort, wo der Komponist einige Takte der Rückleitung, die zum Beginn des Satzes führen, eigens komponiert hat, ist somit ein Wiederholungszwang nicht immer gegeben. In Schuberts B-dur-Sonate, die so oft als Beispiel herangezogen wird, verzichte ich auf diese Überleitung mit besonderem Vergnügen: so ohne jede logische oder atmospärische Beziehung steht dieser zuckende Ausbruch da, als hätte er sich aus einem fremden Stück in die großartige Harmonie dieses Satzes verirrt.


    Das Zitat stammt von - Alfred Brendel, aus einem 1973 erschienenen Buch. Wie gehen wir heute damit um 8o ?

  • Hallo Helmut,


    dieses Brendel-Worte habe ich auch gelesen. An anderer Stelle argumentierte er (sinngemäß), dass die Wiederholung der Kopfsatz-Exposition von D960 die Proportionen der gesamten Sonate aus dem Lot bringe, da der erste Satz im Verhältnis zum Rest "übergewichtig" würde.
    Ich empfinde die von Brendel angesprochene Überleitung eher als spannend, geheimnisvoll - gewiss fremd, aber kein Fremdkörper... Ich glaube auch, dass es zum Charakter dieses Satzes gehört, dass er Dimensionen der Unendlichkeit berühren soll - da kann die Wiederholung eigentlich nicht schaden. In hervorragenden Interpretationen muss das schließlich nicht in eine Geduldsprobe ausarten. Hervorragendes darf gerne zwei Mal hintereinander gesagt werden.


    LG :hello:
    Daniel

  • Sagitt meint:


    Langweilig ist sicher ein höchst subjektive Kategorie. Wie sollte man das diskutieren ? Einen spricht es an, andere lässt es kalt, das Spiel der Pires ist eben ohne Mätzchen. Am ehesten könnte sie bei Mozart gepflegte Langeweile verbreiten ( so wie für mich etwa die Haebler). Wenn ich ihr Spiel höre, nehme ich hervorragende Anschlagskultur wahr,Forte, da wo es gefordert wird ( KV 475),bei den besten Aufnahmen jeu perlé. Für mich ist ihr Spiel lebendig, differenziert, also nicht langweilig.

  • Zitat

    Original von Daniel Behrendt
    Hallo Helmut,


    dieses Brendel-Worte habe ich auch gelesen. An anderer Stelle argumentierte er (sinngemäß), dass die Wiederholung der Kopfsatz-Exposition von D960 die Proportionen der gesamten Sonate aus dem Lot bringe, da der erste Satz im Verhältnis zum Rest "übergewichtig" würde.
    Ich empfinde die von Brendel angesprochene Überleitung eher als spannend, geheimnisvoll - gewiss fremd, aber kein Fremdkörper... Ich glaube auch, dass es zum Charakter dieses Satzes gehört, dass er Dimensionen der Unendlichkeit berühren soll - da kann die Wiederholung eigentlich nicht schaden. In hervorragenden Interpretationen muss das schließlich nicht in eine Geduldsprobe ausarten. Hervorragendes darf gerne zwei Mal hintereinander gesagt werden.


    LG :hello:
    Daniel


    Hallo Daniel,


    kann man eigentlich in der Musik etwas wiederholen? Ja, im Studio; es soll Aufnahmen geben, wo das tatsächlich gemacht wurde.


    Als ich die 960 zum ersten Mal hörte, kam es mir bei den ersten Takten so vor, als ob ich sie schon 1000mal gehört hätte. Die 'Dimensionen der Unendlichkeit' könnten eine Metapher dafür sein. Selbst wenn das Sein sich wiederholte, die Zeit tut es eher nicht ('Man steigt niemals in denselben Fluß'). So wird jede 'Wiederholung' auch bei Schubert durch die Zeit etwas anderes. Minimalste Rückungen seines Spiels könnte sicher auch der technisch versierteste Spieler unmöglich vermeiden.


    Die Aussage von Brendel hat mich stets irritiert und an ihm zweifeln lassen; ich wüßte allzu gerne, ob er das heute noch genau so sieht.


    Freundliche Grüße


    Helmut

  • zumindest hat er in seiner 3. einspielung ende der 90er jahre (glaubich -ich hab jetzt die cd nicht bei mir zum nachschauen) die exposition auch nicht wiederholt...


    bytheway: ich werde einmal zu hause in meiner gar nicht so kleinen sammlung nachhören, wer aller noch diese wh auslässt.


    :hello: aus schubert-town

  • Hi


    Zitat

    Die Aussage von Brendel hat mich stets irritiert und an ihm zweifeln lassen;...


    Wieso ist es so schwer, einem Künstler einfach seine Meinung zu lassen? Man muss ja nicht mit ihm übereinstimmen. Aber man kann in der Regel (und bei Brendel wohl im Besonderen) davon ausgehen, dass er sich dabei etwas gedacht hat.