Szenen aus der Klassikwelt - Anekdoten -Zitate - Wahre Begebenheiten

  • Kirnberger schrieb schon zuvor solch ein ähnliches Werk, wie beispielsweise Mozart auch (Wolfgang Amadeus Mozart: "Anleitung zum Componieren von Walzern so viele man will vermittelst zweier Wuerfel ohne etwas von der Musik oder Composition zu verstehen" also "Musikalisches Wuerfelspiel Eine Anleitung Walzer oder Schleifer mit 2 Wuerfeln zu komponieren" Koechel Verzeichnis KV Anh C 30.01 Anh 294d ) *g*


    Zu Kirnbergers "Der allezeit fertige Polonoisen- und Menuettencomponist" also "Tausend Billionen Musikstuecke fuer ein oder zwei Wuerfel" siehe:


    http://www.musikwissenschaft.u…reihe/nr15/Kirnframe.html


    Allgemein zum Thema "Zufallsmusik":
    http://www.fnweb.de/archiv/200…813_w020837002_22401.html


    Gruss
    Karsten

  • Salut, Karsten,


    Danke für die vielfältigen Informationen. Kleine Randbemerkung zu:


    Zitat

    Koechel Verzeichnis KV Anh C 30.01 Anh 294d


    Im KV Anhang C befinden sich natürlich die zweifelhaften und unterschobenen Werke "Mozart's"... ;)


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Hallo Karsten,


    danke für die interessanten Links zu den Würfel-Polonaisen von Kirnberger. Zufallskompositionen mit System interessieren mich sehr! Ich würde da auch Steve Reichs Piano Phase dazurechnen: ein kurzes Pattern wird von zwei Pianisten gleichzeitig gespielt, der eine spielt aber einen Tick schneller als der andere. Da ergeben sich immer wieder neue rhythmische und melodische Muster, rein zufällig =)


    Nette Grüße
    Heinz

  • Aus DUMONTdirekt Reiseführer: Stockholm:


    Zitat

    Im Haus des Königlichen Philharmonieorchesters spielt man vor allem Klassik, aber gelegentlich gibt es auch Klavierkonzerte...


    Also wirklich: Wie können die nur Klavierkonzerte spielen... tststs


    :D :D :D

  • Als kleine Ergänzung zu meinem Messiaen-Orgelwerke-Thread hier eine kleine Anekdote mit und über olivier Messiaen, die sein Studienkollge und freund Jean Langlais erzählt hat:



    Soviel zum Thema "Genie und Alltagsleben" ;)


    Gefunden wurde die Anekdote auf der CD:


    Trésor de l'Orgue francais 2 : "Jean Langlais - live!"
    Edition Lade EL CD 002


    Gruß
    Karsten

  • Wolfgang Amadeus Mozart wurde offenbar bei der Arbeit an La Clemenza di Tito durch eine herumschwirrende Fliege derart genervt, dass er sie auf einer Seite der Partitur zertrümmerte, ein Kreuz dazu malte und "requiescat" dahin schrieb!


    :D


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Einmal ein Beispiel aus der Neuen Musik, das ich selbst miterleben durfte:
    Karlheinz Stockhausen ist bekanntermassen zu einem Neue-Musik-Guru geworden, der oft auch ein wenig belächelt wird. In den 80ern hatte Stockhausen am Konservatorium Winterthur eine Studienwoche zu seinen Werken. Oft gab es auch Diskussions- und Frage-Stunden. Das sah dann so aus, dass Stockhausen in weissem Gewand in der Mitte der Bühne sass, flankiert von seinen beiden (!) Frauen.
    Mit anwesend war auch der Komponist Hans Wüthrich, den man als das exakte Gegenteil von Stockhausen bezeichnen könnte. Ein durch und durch erdiger Kerl. Wüthrich fragt Stockhausen: "Woher haben Sie eigentlich Ihre Inspirationen?" Stockhausen: "Mir wird alles direkt vom Planeten Sirius eingegeben!" Nach einem kurzen Moment Stille kann Wüthrich sich nicht mehr beherrschen und muss aus vollem Hals lachen: "Haha...vom Sirius...ha....ha..." Stockhausen, der da gar keinen Humor kennt, läuft vor Zorn rot an, steht auf und brüllt:"Also, eins sage ich Ihnen jetzt, Herr Wüthrich, wenn Sie eines Tages am Sirius vorbeikommen und ich bin da, dann sage ich: raus, Herr Wüthrich, raus!!!"
    Eigentlich hätte alles schallend gelacht, aber die Situation war so erdrückend, dass nur minutenlanges Schweigen herrschte. Ist das nun eine traurige oder eine listige Geschichte?


    Euer Dschuang-tse

  • Zitat

    Original von dschuang-tse


    Ist das nun eine traurige oder eine listige Geschichte?


    Euer Dschuang-tse


    womit ich selbst einen Beitrag zu den Stilblüten geliefert hätte...

  • Salut,


    interessant, wie auch bei der Einschätzung solcher Anekdoten die Meinungen auseinandergehen. Ich finde es in jedem Falle listig.


    * * *


    Der Violinist Ulf Hoelscher probte einmal ein Violinkonzert [hoffentlich gibt es eines!] von Wolfgang Rihm. Nach Beendigung eines Satzes fragte ihn Rihm, warum er die Noten an dieser Stelle nicht gespielt habe und zeigte im Notentext darauf. Hoelscher antwortete: "Ich dachte, das sei Mückenschiss...".


    :D :D :D


    Ist nicht so bös gemeint, aber WAHR.


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Der Vorstand der Wiener Philharmoniker erinnerte Knappertsbusch brieflich an eine vor längerer Zeit eingegangene Konzertverpflichtung.
    "Kna" schrieb auf offener Postkarte zurück:


    "Termin wird eingehalten. Wer A sagt, muß auch ...rsch sagen!"


    Als Knappertsbusch einmal von den Wiener Musikern um seine Meinung über eine leitende Persönlichkeit der Wiener Staatsoper befragt wurde, antwortete er in lakonischer Kürze: "Bei dem stimmt nicht einmal das Gegenteil von dem, was er sagt..."


    Knappertsbusch stellte sich einmal in Salzburg bei einem Furtwängler-Konzert der Philharmoniker als Zuhörer ein. Als ihn ein Musiker fragte, wie es ihm gefallen habe, meinte er: "Leider gut".


    Zitiert aus Witeschnik: Musizieren geht über Probieren

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Noch ein Knappertsbusch:


    An der Wiener Staatsoper sang ein Gast den Lohengrin. Nach der Vorstellung fragte er den Dirigenten Hans Knappertsbusch, ob er mit ihm zufrieden gewesen sei. Knappertsbusch entgegnete: "Jaja, ich habe Sie vor allem bewundert, dass Sie mit einem so miserablen Orchester singen konnten, das ständig einen halben Ton zu hoch gespielt hat!"



    Gruß, Peter.

  • Wolfgang Amadeus Mozart an seine Schwester [München, den 30. Dezember 1774]:


    [...]Der Mama küsse ich die hände, und damit hat es heunt sein Ende. halte Dich recht warm auf der Reis, ich bitte dich, sonst kannst Du Deine 14 täge zu haus sitzen und hinter dem ofen schwizen, wer wird Dich beschützen? ich will mich nicht erhizen, jetzt fängts an zu blitzen. ich bin allzeit


    Dein München


    bruder den 1774sten 30. Anno Decembre.

  • Als Horowitz anfang der 90er vor der Carnegehall für ein Konzert aus seinem Wagen stieg kam ein wartender Zuschauer auf ihn zu:
    "Herr Horowitz! Auf dieses Konzert habe ich 18 Stunden gewartet!"
    Horowitz antwortete lächelnd:
    "Auf dieses Konzert habe ich 20 Jahre gewartet"


    (Nach Horowitz´Tod sagte Wanda in einem Interwiev, das Sie das bei irgendeiner Gelegenheit gesagt hätte und lächelte stolz und beschämt.
    stimmt nicht: Horowitz hatte das gesagt!) :baeh01:

  • Eine Anekdote die mir erzählt wurde als ich letztes Jahr Beethovens 4. lernte, ich weiss nicht ob sie der Wahrheit entspricht, ist auch relativ schwer sie schriftlich zu erzählen da man eigentlich dabei ein bisschen singen muss, aber ich tu mein bestes.


    Es besteht ja die Sage das Beethoven das Anfangs-Motiv des 2. Satzes nach dem Namen Therese ( wegen seiner Liebe zur Comtess Therese von Brunswick ) rhythmisierte, also ungefähr: res , The - res , The -res ...


    Nun hatte Carlos Kleiber ein Konzert mit den Wiener Philharmonikern mit eben der 4. Sinfonie von Beethoven am Programm. Er behauptete Felsenfest das es nach dem Namen von Beethovens Mutter ( Marie Louise STUYCKERS ) Marie rhythmisiert ist, also: rie , Ma - rie , Ma - rie ...
    Die Philharmoniker verstanden nicht worauf er damit hinauswollte und Kleiber reiste entnervt ab.


    Kurzfristig sprang Lorin Maazel ein und sagte gleich zu anfang der ersten Probe wie er es rhythmisiert haben will:


    zel , Maa - zel , Maa - zel ... :D

  • Zitat

    Mainly Mozart [...], a nonprofit in San Diego has team up with MAYO Communications to promote the “Happy 250th Birthday Mozart” campaign in 2006. Australia, where the genius Wolfgang Amadeus Mozart was born, and 50 other organizations will be participating and scheduling events in celebration of his legend and music.


    Nun steht die Welt Kopf...


    :D


    LG
    Ulli

  • Weiß eigentlich jemand von euch, wie die CD zu ihrer Spieldauer von gut 70min gekommen ist (später auf ca. 80min ausgeweitet)?


    Als Philips und Sony am Format-Standard der CD arbeiteten, war natürlich einer der wichtigsten Punkte das Fassungsvermögen des neuen Mediums. Da wurde natürlich die produzierende Industrie gefragt. Die Unterhaltungsbranche hatte eine Art "Normlänge" für LPs von 42min. Der Großteil der veröffentlichten Pop-Platten passte in dieses Format. Daher meinten diese Leute, mit wenigstens 45min ganz gut auszukommen und mit ca. 50min mehr als ausreichend versorgt zu sein.
    Damit hätte auch der Jazz-Sektor ganz gut leben können. Lediglich die Klassik-Branche war damit nicht glücklich, und wünschte sich längere Spielzeiten. Dem standen jedoch die wesentlich höheren Gesamtkosten und die vergleichsweise kleine Klientel der Klassik-Hörer entgegen. Aus rein wirtschaftlichen Gründen steuerte man also einem neuen Medium entgegen, dass kaum eine Stunde Spielzeit fassen konnte (auch die damaligen Bildplatten schafften nicht mehr).
    Die Erweiterung kam auf Wunsch von Sony, und da soll es von oberster Stelle gekommen sein. Der Sony-Boss persönlich wünschte sich eine längere Spieldauer. Und zwar angeblich auf Anraten seiner Frau, die meinte, wenn ein neues Audio-Medium - dass noch dazu technisch revolutionär und äußerst aufwändig ist - nicht in der Lage sei, Beethovens 9. Symphonie in einem Stück abzuspielen, dann sollte man gefälligst die Finger davon lassen.
    Die CD wurde schließlich so ausgelegt, dass eine "durchschnittliche" Einspielung der 9. Beethoven darauf Platz hat. Das hat sich der Wickerl wohl nicht träumen lassen...

  • Zitat

    Original von Theophilus
    Weiß eigentlich jemand von euch, wie die CD zu ihrer Spieldauer von gut 70min gekommen ist (später auf ca. 80min ausgeweitet)?


    Als Philips und Sony am Format-Standard der CD arbeiteten, war natürlich einer der wichtigsten Punkte das Fassungsvermögen des neuen Mediums. Da wurde natürlich die produzierende Industrie gefragt. Die Unterhaltungsbranche hatte eine Art "Normlänge" für LPs von 42min. Der Großteil der veröffentlichten Pop-Platten passte in dieses Format. Daher meinten diese Leute, mit wenigstens 45min ganz gut auszukommen und mit ca. 50min mehr als ausreichend versorgt zu sein.
    Damit hätte auch der Jazz-Sektor ganz gut leben können. Lediglich die Klassik-Branche war damit nicht glücklich, und wünschte sich längere Spielzeiten. Dem standen jedoch die wesentlich höheren Gesamtkosten und die vergleichsweise kleine Klientel der Klassik-Hörer entgegen. Aus rein wirtschaftlichen Gründen steuerte man also einem neuen Medium entgegen, dass kaum eine Stunde Spielzeit fassen konnte (auch die damaligen Bildplatten schafften nicht mehr).
    Die Erweiterung kam auf Wunsch von Sony, und da soll es von oberster Stelle gekommen sein. Der Sony-Boss persönlich wünschte sich eine längere Spieldauer. Und zwar angeblich auf Anraten seiner Frau, die meinte, wenn ein neues Audio-Medium - dass noch dazu technisch revolutionär und äußerst aufwändig ist - nicht in der Lage sei, Beethovens 9. Symphonie in einem Stück abzuspielen, dann sollte man gefälligst die Finger davon lassen.
    Die CD wurde schließlich so ausgelegt, dass eine "durchschnittliche" Einspielung der 9. Beethoven darauf Platz hat. Das hat sich der Wickerl wohl nicht träumen lassen...


    Dei Anekdote habe ich inzwischen in so vielen Varianten gehört, dass wohl eine wahrer Kern da sein muß, wenngleich von Legenden umrankt.


    Manchmal ist es z.B. Karajan, der die Spieldauer festlegt bzw. Empfehlungen ausspricht. In diesem Fall ist das Rätselhafte, wie man auf 75-80 min gekommen ist, da eine von Karajan dirigierte 9. eher bei 65-67 min liegt. Dann heißt es wieder, Furtwänglers knapp 75 min. lange Interpretation hätte den Ausschlag gegeben (das ist von meinen ca. 10 Versionen die einzige über 70 min!)


    Bei einer anderen Varianten geht es um die Größe von Hemdentaschen: Eine CD sollte reinpassen, daher zunächst kleiner sein. Diese Anforderung kollidierte dann mit der obigen, ergo sind heute in Japan die Hemdentaschen größer wegen Beethovens 9. :D


    Letztlich dürften wohl auch technische und sehr prosaische Erwägungen den Ausschlag gegeben haben: eine noch kleinere CD wird vom Cover her völlig uninteressant (nicht unwichtig für Pop) ein größere hat keinen Kompaktheitsvorteil gegenüber der LP.
    Denn egal ob 70, 80 oder 90 min, es gibt immer irgendein Stück oder einen Opernakt, bei dem es schön wäre, wenn es ohne Unterbrechung draufpaßte...
    Und besonders in den 80ern war man leider recht großzügig, wenn es daraum ging, eine 2. CD "anzubrechen". Zum einen kamen wohl einige der Abspielgeräte nicht mit <75min oder so klar, zum andern hat man halt das Doppelte kassiert (und erhalten).


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • ...auf der Toilettentür soll "Für Herrn v. Karajan" gestanden haben und Knappertsbusch soll "und andere Arschlöcher" darunter gesetzt haben.


    Gruß

  • Salut,


    die Ausführungen zur CD-Spieldauer von Theo und Joe sind interessant. Ich habe bei einigen CDs beobachtet [welche, müsste ich nun definitiv noch einmal eruieren], dass beispielsweise bei mehr als 30 Tracks nicht mehr die Spielzeit angezeigt wird. Dies war bei meinem alten SONY-5-Fach-Wechsler z.B. der Fall gewesen. Bei meinem relativ neuen Pioneer DVD/CD-Lecteur habe ich das Phänomen noch nicht beobachtet [allerdings auch noch nicht definitiv darauf geachtet].


    Es ist zwar an dieser Stelle themenfremd, aber es interessiert mich halt der Hintergrund...


    Besten Dank
    Ulli

  • Hallo JR,


    ohne jetzt Details zu wissen bin ich mir sicher, dass die Größe der CD ziemlich bald feststand. Man wollte sehr klein werden und da gab es ja das 5¼"-Format bei Computer-Disketten (wie man auf dieses krumme Format gekommen ist, weiß ich allerdings nicht; die Vorgängerin hatte 8"). Das hat man wohl übernommen.
    Die erzielbare Spielzeit hing also nur mehr von der Aufzeichnungsdichte ab. Die letztlich erhöhte Spielzeit erforderte zusätzliche Entwicklungskosten, um die höhere Speicherdichte zur Großserienreife zu bringen.
    Meiner Erinnerung nach war die ursprüngliche Spieldauer bei Verwendung aller Features der CD gerade etwas über 70min. Einige Zusätze hat man sehr schnell in der Versenkung verschwinden lassen und kam in die Gegend von 75min. Die Erweiterung auf 80min dürfte durch Reduzieren einiger Sicherheitstoleranzen ermöglicht worden sein, da man die Technik nach einem Jahrzehnt vollständig beherrschte.



    Zitat

    Denn egal ob 70, 80 oder 90 min, es gibt immer irgendein Stück oder einen Opernakt, bei dem es schön wäre, wenn es ohne Unterbrechung draufpaßte...


    90 min wären schon sehr schön gewesen. Dann hätte man wirklich so gut wie alle Opernakte auf eine Seite gebracht. Dann hätten nur noch einige Einakter (Salome, Elektra, Holländer, ...) geteilt werden müssen. Auch wären dann fast alle Symphonien locker auf eine Scheibe gegangen.
    Aber das Problem ist eben, dass das, was heute ganz einfach und ohne nennenswerten Mehraufwand möglich wäre, vor fünfundzwanzig Jahren eben ein technisch sehr ehrgeiziges und dementsprechend teures Unterfangen war, wo man wegen ein paar Klassik-Hanseln keine außerordentlichen finanziellen Abenteuer einging.



    Zitat

    eine noch kleinere CD wird vom Cover her völlig uninteressant (nicht unwichtig für Pop)


    Das Cover ist ohnehin zu klein (und war sehr wohl ein echter Wermuthstropfen für die Pop-Industrie).

  • Zitat

    90 min wären schon sehr schön gewesen.


    Dann würde man sich ja noch mehr ärgern, wenn nur 50 Minuten drauf sind... :motz: Aber das Thema hatten wir hier schon an anderer Stelle, meine ich mich zu erinnern.


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Als ich mir über Pius´"Lieblingssinfonienthread" Gedanken gemacht habe, ist mir diese hübsche Anekdote wieder eingefallen:


    Kyrsztof Meyer über Dimitri Schostakowitsch:




    ...Wir saßen mehrere Stunden zusammen und nippten am Kognak. Langsam belebte sich Schostakowitsch, aber von seiner früheren Spontaneität und seinem aufbrausenden Temperament war nicht mehr viel übrig geblieben.


    Nur einmal, als wir auf Gustav Mahler zu sprechen kamen, rief er: "Seine Sinfonien... Am meisten mag ich die Erste... aber auch die Zweite... und die Dritte... auch die Vierte ist herrlich!... Ja, und die Fünfte. Auch die Sechste und die Siebte... die Achte ist wunderbar... und erst die Neunte!!!... Ja, und natürlich die Zehnte. Aber wenn mir jemand sagen würde, daß mir nur noch eine Stunde zu leben geblieben sei, dann möchte ich das Ende des letzten Satzes vom Lied von der Erde hören."



    (Kryzstof Meyer: Dmitri Schostakowitsch. Mainz, 1998 (TB), Seite 551)

  • Hallo,


    hier ein Kapitel aus der Endlosserie "Otto Klemperer und die Frauen anderer Männer":


    Diese schöne Geschichte ereignete sich 1912 in der Hamburgischen Staatsoper.


    Klemperer hatte eine leidenschaftliche Affäre mit der Sopranistin Elisabeth Schumann, die -leider- schon mit dem bekannten Architekten Walter Puritz verheiratet war. Puritz nahm dies Klemperer verständlicherweise ziemlich krumm.


    Während einer "Lohengrin"-Aufführung unter Klemperers Leitung saß Puritz in der ersten Reihe genau hinter Klemperer. Beim Vorspiel zum dritten Akt stand Puritz auf und rief: "Klemperer, drehen Sie sich um!". Das tat Klemperer auch. Puritz schlug ihm zweimal mit seiner Reitpeitsche ins Gesicht und stürmte dann aus dem Saal.


    Daraufhin wandte sich Klemperer ungerührt an das Publikum: "Herr Puritz hat mich angegriffen, weil ich seine Frau liebe. Guten Abend!" Und dirigierte dann weiter.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Nette Anekdote - aber


    ich kann mir schwer vorstellen, dass sich der Dirigent vom Vorspiel zum 3. Akt ablenken lässt (bzw. ablenken lassen kann), und schon gar nicht, dass er sich dem Publikum irgendwie verständlich machen könnte...

  • Hallo Theophilus,


    ich war ein wenig unpräzise. Das Orchester hatte mit dem Vorspiel noch nicht begonnen, als Puritz Klemperer anbrüllte und ihn dann mit der Reitpeitsche traktierte. Insofern gab es keine akustischen Probleme. Die Anekdote ist übrigens verbürgt (steht, glaube ich, in der Heyworth-Biographie). Klemperer mußte wegen dieser Affäre Hamburg verlassen. Pikanterweise bot ihm ein gutes halbes Jahrhundert später der anscheinend ahnungslose Intendant Rolf Liebermann an, in Hamburg den Lohengrin zu dirigieren. Klemperer lehnte dankend ab... :D


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    90 min wären schon sehr schön gewesen.



    Es gibt übrigens CD-Rohlinge mit 90 Minuten Spieldauer. Ich habe mir - aus meinen eigenen Originalen - bereits Stücke auf 90 Minuten gebrannt. Die Software bringt zwar einen Warnhinweis, aber tut es dann doch.


    Das ist schon sehr angenehm, wenn man zwei Scheiben mit kurzen Spielzeiten hat oder eine längere und eine sehr kurze. Oder für Zusammenstellungen, die gerade ein bißchen zu lang sind.


    Mit besten Grüßen


    Matthias