PROKOFIEW Sergej: Klavierkonzerte

  • Hallo,


    obwohl ich Klavierkonzerte mag gibt es bei mir eine gewisse Lücke.
    Rachmaninov und Schostakowitsch sind bei mir gut vertreten.


    Aber von Prokofiew habe ich "nur" Klako 1&3 von Argerich/Dutoirt und Klako 1 Janis/Kondrashin.
    Außerdem noch Klako 3 Argerich/Abbado


    Die Lücke gilt es zu schließen, aber was bietet sich an?
    Habt ihr Empfehlungen?


    Ashkenazy/Previn, Demidenko, Krainev, Lugansky oder, oder ?


    Danke und Gruss


    Richard

  • Hallo Richard,


    bei den Aufnahmen der Klaviekonzerte ist auf jeden Fall die
    Aufnahme mit Michel Beroff unter Masur zu erwähnen.
    Eine für mich beste Aufnahme. Da mir besonders das 2. Klavko
    gefällt, ist dies der Favorit.



    Beroff hat einen sehr expressiven ,weniger romantischen Zugang.
    Zu der Aufnahme von Ashkenazy finde ich keinen Zugang.


    Demidenk und Krainev sind ebenfalls empfehlenswert.


    Gruß
    Rüdiger

    Gruß
    Rüdiger


    ________________________
    Lärm ist ... nur eines der Übel unserer Zeit, wenn auch vielleicht das auffälligste. Die anderen sind Grammophon, Radio und neuerdings die verheerende Television.


    C.G. Jung

  • Die Lücken ohne Gesamtaufnahme zu schließen, wird schwierig. Natürlich gibt es das 5. Konzert von Sviatoslav Richter:



    2. und 4. sind halt leider nicht so häufig einzeln anzutreffen. Also hilft nur ein Zyklus. Mein Favorit wäre:



    Alexander Toradze, Kirov Orchestra, St Petersburg, Valery Gergiev, Philips 462 048-2


    Besonders das 2. ist hier sehr gut gelungen. Krainev wäre auch eine Alternative, vor allem preislich.

  • Preislich sicher auch eine Alternative ist die Aufnahme von Kun Woo Paik und Antoni Wit (Staatliches Polnisches RSO) auf Naxos. Ich habe sie mir vor Jahren einmal eben wegen des Preises gekauft und bin musikalische nicht enttäuscht worden. Kun Woo Paik hat ja inzwischen doch einige Aufnahmen vorzuweisen (unter anderem die Rachmaninov-Konzerte auf RCA, kennt die jemand?) - da würde vielleicht das Reinhören lohnen.....




    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Hallo Prokoffief-Hörer,


    zu den Prokoffief-Klavierkonzerten hatte ich in den 80er-Jahren eher Zugang gefunden, als zu den Rachmaniniw-Konzerte. Über die Aufnahme mit Ashkenazy/Previn habe ich die Klavierkonzerte kennengelernt-sie waren immer mein Favorit.
    :)Als ich dann später auf CD die von Parsiv angesprochene Aufnahme mit Beroff/Masur auf EMI-CD bekam, war ich von dieser Aufnahme gleichermaßen Begeistert.
    8)Ich würde eigendlich keiner der beiden Gesamtaufnahmen den Vorzug geben, da sich beide Aufnahmenauf höchsten Niveau befinden, das trifft auch auf die Klangqualität bei EMI und DECCA zu.
    Beide sind eine dicke Empfehlung wert.

  • Hallo allerseits,


    bisschen skandalös, dass ein Thread über Prokofjews Klavierkonzerte so wenig Resonanz gefunden hat, nicht wahr? :stumm: Oder gibt es Einzelthreads, die ich übersehen habe?


    Ich möchte ihn hiermit wiederbeleben, weil ich mich gerade etwas intensiver mit den Klavierkonzerten beschäftige. Die fünf Konzerte entstanden in einem Zeitraum von 20 Jahren. Obgleich stilistisch recht unterschiedlich, ist jedes von ihnen durch eine farbige, kraftvolle und eigenwillige Tonsprache charakterisiert.


    Ich habe mich gerade mit den Entstehungszeiten befasst, um eine bessere Übersicht zu bekommen:


    1. Klavierkonzert Des-Dur, op. 10:
    Komponiert 1911/12 während Prokofjews Zeit als Schüler am St. Petersburger Konservatorium.


    2. Klavierkonzert g-moll, op. 16:
    Rund 2 Jahre später entstanden (1912/13), immer noch als Schüler des Konservatoriums, umfassend in 1923 revidiert.


    3. Klavierkonzert C-dur, op. 16:
    Erste Skizzen aus 1917, vollendet in 1921. Uraufführung in Chicago mit großem Erfolg, mit dem Komponisten selber am Klavier.


    4. Klavierkonzert B-dur, op. 53:
    Klavierkonzert für die linke Hand; komponiert in 1931 als Auftragswerk des Pianisten Wittgenstein, der es jedoch mit den Worten ablehnte: „Ich danke Ihnen für dieses Konzert, aber ich begreife nicht eine einzige Note davon.“ Uraufführung erst nach dem Tode des Komponisten im Jahre 1956.


    5. Klavierkonzert G-Dur, op. 55:
    Groß angelegt in 5 Sätzen, geschrieben in den Jahren 1931/32.


    Die o.g. Richter-Aufnahme ist natürlich ein Muss! Neu hinzugekommen ist bei mir die Toradze-Gergiev-Gesamtaufnahme. Wie mein Vorredner bevorzuge auch ich hier das 2. Klavierkonzert – beim 5. spielt Richter einfach in einer anderen Liga als Toradze. Dann tummeln sich bei mir noch Aufnahmen von Cliburn, Weissenberg, Pletnev und Bronfman. Die werde ich in der nächsten Zeit alle noch einmal durchhören.


    Sind hier wirklich so wenig Liebhaber dieser faszinierenden Konzerte?


    Gruß, Cosima


  • Ich habe die weiter oben erwähnte Gesamteinspielung mit Beroff/Masur, dazu 2 & 4 mit Bronfman und 5 mit Richter. Mein Favorit mit großen Abstand ist das 2. Klavierkonzert, vielleicht mein Lieblingskonzert des 20. Jhd. Mit 4 und 5 kann ich relativ wenig anfangen, die sind mir etwas zu "trocken". Ich bin momentan voll in die Brahmsschen Klavierquartette involviert, aber vielleicht höre ich demnächst wenigstens mal das 2. im Vergleich...


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich möchte unbedingt auf die Gesamteinspielung der Konzerte unter Gennadij Roschdestwenskij mit Wiktoria Postnikowa als Solistin hinweisen, erschienen auf zwei Melodiya-CDs. Das ist für mich der ideale Prokofjew: Durch Eleganz gezähmte Wildheit, unter dem Schönklang brodelt's gewaltig. Die Postnikowa (Ehefrau von Roschdestwenskij) ist nie ganz so groß herausgekommen, wie sie es verdient hätte: Eine ausgezeichnete Technikerin, die aber doch auch feine Zwischentöne hat. Ich finde die Aufnahmen jedenfalls begeisternd!

  • Mein Favorit für das 2.Klavierkonzert ist die Einspielung mit Toradze unter Gergiev.Diese Einspielung ist ungemein kraftvoll und die einzige mir bekannte, welche die Dramatik und Konzeption des Konzertes, welche auf dem Selbstmord und Verlust seines besten Freundes beruht, in allen Facetten ausleuchtet.
    Die "Umarbeitung von 1923" war eigentlich gar keine, auch war Prokofjew 1912 nicht mehr Schüler, da er mit dem 1.Klavierkonzert bereits sowohl als Pianist wie auch als Komponist(zum Entsetzen Glasunows) sein Studium abgeschlossen hatte.


    Die Partitur des Konzertes ging in den Wirren der Revolution verloren und Prokofjew hat sie aus dem Gedächtnis heraus neu aufschreiben müssen.


    Alle anderen Aufnahmen aus dieser Gesamtaufnahme sind ähnlich überzeugend geraten, wobei natürlich im Falle des 5.Konzertes Richter eine Klasse für sich bleibt und die Konkurrenz im Falle des 3.Konzertes erdrückend ist.
    Im Falle diese Konzertes möchte ich die Aufnahme von William Kapell unter Dorati sehr ans Herz legen.
    Sie ist zwar historisch, aber der Zugriff Kapell's ist derartig elektrisierend, daß dies letztendlich nicht von Bedeutung ist.


    Im Falle des 4.Konzertes überzeugt mich auch sehr die Einspielung mit Wladimir Krainev mit den Moskauer Philharmonikern unter Kitaenko auf Melodyia(nicht die spätere Einspielung aus Frankfurt).
    Diesem Werke wurde es ja leider zum Verhängnis, daß Wittgenstein für 20 Jahre das alleinige Aufführungsrecht besaß, es aber nie spielte.Es sollte davon ausgegangen werden, daß es ihm einfach zu schwer war, wer jemals das zweifelhafte Vergnügen hatte, Wittgenstein's Aufnahme des Ravel D-Dur-Konzertes zu hören, der wird ihm nachträglich sogar dankbar sein, daß er es nicht verhunzte. :kotz:


    Ich liebe jedes einzelne dieser Konzerte über alle Maßen, doch ist auch für mich das 2.Klavierkonzert eines der überhaupt größten Werke des letzten Jahrhundertst. :jubel:


    Meine erste Begegnung mit ihm war eine fulminante Life-Aufnahme mit Peter Rösel, die ich gerne noch einmal hören würde.
    @Edwin:
    Die Postnikowa ist leider eine der ganz wenigen Aufnahmen diese Werkes, welche mir nicht bekannt ist, ich werde versuchen, dies nachzuholen, bezweifle allerdings, ob sie an die Toradze Version herankommt, welche ich wirklich grandios finde. :)


    Übrigens ist die Aufnahmequalität dieser mit Röhrentechnik aufgenommenen CD's auch vom Feinsten.


    Vor Jahren fragte mich mal ein Tonmeister, welche Aufnahme der letzten Zeit mich am meisten beeindruckt hätte, und ich antwortete ihm mit diesen Prokofjew-Einspielungen.
    Er grinste nur breit und meinte "Die habe ich gemacht....." :jubel:



    Beste Grüße,
    Michael

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    Mein Favorit für das 2.Klavierkonzert ist die Einspielung mit Toradze unter Gergiev.Diese Einspielung ist ungemein kraftvoll und die einzige mir bekannte, welche die Dramatik und Konzeption des Konzertes, welche auf dem Selbstmord und Verlust seines besten Freundes beruht, in allen Facetten ausleuchtet.


    Von Toradze im 2. Klavierkonzert war ich auch gleich begeistert. Und nicht zu vergessen die fulminante Orchesterbegleitung unter Gergiev! Man merkt, dass die beiden nicht nur ein eingespieltes Team sondern auch gute Freunde sind; da scheint blindes Verstehen zu herrschen.


    Kapell/Dorati für das 3. habe ich mir notiert.


    Gruß, Cosima

  • Liebe Cosima,


    dies macht diese Aufnahmen für mich auch so einzigartig, da hier alle-Solist, Dirigent sowie das fabelhafte Orchester)bis in die feinsten Kleinigkeiten alles offenlegen.


    Das ist alles ungewöhnlich sorgfältig produziert, Du hast ja im Booklet sicher auch gelesen, daß jedes Konzert mehrmals vorher aufgeführt wurde und dies auch auf mehrere Jahre verteilt.


    Vieleicht hat sune ja noch ein paar Hintergrundinformationen, da dies so wahrscheinlich nur im Rahmen des Mikkeli-Festivals möglich war.
    Ich bin zwar kein Gergiev-Fan(bitte sie mir nicht böse, aber mir machen solche alleinherrschenden Dirigenten eher Angst-ich sitze ja auch auf der anderen Seite), aber ganz klar, diese ungewöhnlich guten Aufnahmen sind natürlich zu einem ganz großen Teil sein Verdienst.


    Viele Grüße,
    Michael

  • hallo Cosima und Michael,


    ich hatte in einer der letzten ausgaben der 'piano news' ein interview mit toradze gelesen. sehr interessante persönlichkeit. leider hörte ich ihn nie.


    kennengelernt habe ich alle prokofiev-konzerte in der gesamtaufnahme mit michel beroff/gewandhausorchester leipzig/masur (EMI). sehr stark ist gerade das 2. konzert in dieser einspielung.


    für das dritte konzert gibt es 2 aufnahmen die für mich immer noch referenz-charakter haben. die frühe argerich/abbado-aufnahme und emil gilels' aufnahme mit dem großen rundfunksinfonieorchester der UDSSR aus den 50er jahren. krainev und der ebenfalls exzellente samson francois kommen da heran.


    meine persönlichen referenzen für das 2. konzert: krainev (beide versionen) und bronfman/mehta.


    meine referenz für das 4.: bronfman/mehta


    meine referenz für das 1.: andrei gawrilov (EMI)


    das 5. natürlich mit der legendären richter-einspielung aber auch mit samson francois !


    als gesamtaufnahme sind beide krainev-versionen top of the top.


    ich werde mir wohl die aktuelle gesamteinspielung mit abdel rahman el bacha (forlane) besorgen, da ich hier einen topscorer vermute !!!


    gruß, siamak :hello:

  • Zitat

    , ich werde versuchen, dies nachzuholen, bezweifle allerdings, ob sie an die Toradze Version herankommt, welche ich wirklich grandios finde.


    Unvergleichlich! - Da ist Rosch+Post nicht gleichwertig, weil die Postnikowa nicht diesen Tastentaumel entfesselt. Wer sich aber eine Gesamtaufnahme der Konzerte zulegen will, ist mit Rosch+Post bestens bedient; ein schöner,auf durchgehend hohem Niveau bleibender Zyklus!

  • Hallo Siamak,


    die Beroff-Aufnahmen sind in der Tat sehr gut, diese waren in den 70ern auch meine Lieblingsaufnahmen.
    Übrigens hat Beroff bei uns vor einigen Jahren mal das Tschaikowsky 1.Konzert gespielt.


    Es wurde extra ein neuer Flügel angeschafft und eine Aufnahme hergerichtet.


    Ich bin dann irgendwann ins Orchesterbüro gerannt und habe die Herrschaften(und auch Frauenschaften) darüber aufgeklärt, das Beroff seit Jahren am sogenannten Pianistenkrampf leidet und mit der rechten Hand nur noch unzulänglich spielen kann, die äußeren Finger wollen halt nicht mehr richtig.
    Niemand hat mir geglaubt bis zur ersten Probe mit Solist, danach war die Sachlage klar.......


    Ich kann es einfach nicht verstehen, im besten Falle hat Beroff halt versucht, in der Provinz noch einmal ein altes Schlachtroß abzuliefern, aber es ging einfach nicht mehr-schade.


    Die Francois-Aufnahme des 5.Konzertes gehört zu den teuersten LP's, wenn man sie dann mal findet, sie dürfte wirklich sehr gut sein, dieser Pianist gehört zu den besten, aber leider kenne ich diese Aufnahme nicht, wohl aber Brendels allererste Schallplatte mit dem 5.Konzert auf VOX.
    Die ist wahrlich nicht schlecht!


    Sehr beliebt waren auch einmal die Einspielungen von Jorge Bolet vom 2.Konzert, auch die Ashkenazy-Einspielung finde ich äußerst gelungen, auch wenn der Flügel unangenehm verstimmt war, keine Ahnung, warum dies akzeptiert wurde.
    Ashkenazy hat in jedem Falle verschiedene Flügel für seine Gesamteinspielung benutzt und im Falle des 2.Konzertes einen besonders harten gewählt.


    Beste Grüße,


    Michael

  • Zitat


    Ich liebe jedes einzelne dieser Konzerte über alle Maßen, doch ist auch für mich das 2.Klavierkonzert eines der überhaupt größten Werke des letzten Jahrhundertst. :jubel:


    Meine erste Begegnung mit ihm war eine fulminante Life-Aufnahme mit Peter Rösel, die ich gerne noch einmal hören würde.


    Hört sich gut an...
    Wenn die Aufnahme mit Peter Rösel und Heinz Bongartz dieses Erlebnis wenigstens annähernd so gu ist, dann muss das Konzert ein Jahrhunderterlebnis gewesen sein. Ich finde die Aufnahme nämlich genial.


  • Hallo Prokofieff-Freunde,


    zu den in diesem Thread schon 2004 genannten beiden Gesamtaufnahmen mit Ashkenazy auf Decca und Beroff auf EMI ist im Jahr 2005 eine weitere Aufnahme mit Vladimir Krainev auf Teldec hinzugekommen.


    Da ich durch die beiden anderen Aufnahmen quasi stark vorgeprägt war, denn diese hatte ich auch vor der CD-Zeit schon auf LP konnte ich mich erst nach mehrmaligem Hören mit Krainev anfreunden.


    :) Mittlerweile habe ich so viele Neuigkeiten in dieser Aufnahme entdeckt, dass ich diese in die erste Reihe der verfügbaren Gesamtaufnahmen (neben Ashkenazy und Beroff) stellen würde.

    Klavierkonzerte Nr. 1-5
    Krainev, RSO Frankfurt, Kitaenko
    APEX Teldec-Aufnahme 1992 DDD (2 CD)
    EUR 9,99


    Selbstverständlich gibt es mit den hier im Thread erwähnten Einzelaufnahmen mit Richter, Bronfman, Bolet und Argerich auch weitere TOP-Aufnahmen.



    :) Eine Einzel-CD mit meinen beiden Prokofieff-Lieblingskonzerten Nr. 1 und 3 ist die CBS-Aufnahme mit


    Gary Graffman, Cleveland Orchestra, George Szell
    CBS-CD 1962 AAD


    Der eine oder andere Klavierfachmann hier wird zu diesere Aufnahme vielleicht schreiben, das Graffmann nicht die Leistung mach anderer Pianisten erreicht, aber diese Aufnahme ist mir von Anfang an ans Herz gewachsen (hatte ich vorher auch schon auf LP). :yes: Das liegt an Szells farbiger Orchesterbegleitung, die ich trotz meiner Begeisterung für die Krainev/Kitaenko-Aufnahme für diese beiden Klavierkonzerte klar vor Kitaenko als Dirigent stellen möchte was das brillante Orchesterspiel angeht. Bei Kitaenko hat man im Vergleich oft den Eindruck, dass er das Orchester zurücknimmt um dem Solisten mehr Freiraum zu verschaffen; das ist auch kein Nachteil, aber Graffmann/Szell ´s brio begeistert mich eben noch mehr.
    Die CD ist jetzt bei SONY auch verfügbar, jetzt mit den Klaviersonaten Nr.2 und 3 gekoppelt (leider kein Bild).
    ----------------------------------------
    Interessant ist auch Edwin´s Empfehlung für die Post./Rosh.-Eurodisc-Aufnahme, denn hier wird der farbige Orchestersatz mit Sicherheit auch grandios umgesetzt (sicher besser als Kitaenko und Previn, Masur ist IMO voll zufriedenstellend) !?!
    Ist diese Euriodisc-Aufnahme klanglich akzeptabel ?

  • Hallo Prokofieff-Freunde,


    welche eine starke Pianistin Marta Argerich ist, davon konnte ich mich wiedermal mit meiner Neuerwerbung der Prokofieff-Klavierkonzerte Nr.1 und 3 überzeugen.
    Unterstützt wird sie dabei in feingliderigster Art und Weise von Dutoit, der keine noch so feinste Nuance verschlucken läßt und damit auf gleicher Welle wie Argerich schwimmt. Bei diesen Aufnahmen werden Feinheiten hörbar, die bisher für mich höchstens zu erahnen waren.
    Insgesamt wird nicht ganz das Feuer der Graffmann / Szell-Aufnahme beider Klavierkonzerte Nr.1 und 3 erreicht, aber die Aufnahme fastziniert durch die "impressionistischen Einblicke" trotzdem genauso.



    Klavierkonzerte Nr. 1 & 3
    +Bartok:Klavierkonzert Nr. 3

    Argerich, Montreal SO, Dutoit
    EMI DDD 1997

  • Hallo teleton!

    Zitat

    Ist diese Euriodisc-Aufnahme klanglich akzeptabel ?


    Ich habe die Einspielungen in der neuen Melodyia-Edition - da sind sie akzeptabel. Keine aufnahmetechnischen Finessen, aber ein gutes, präsentes Klangbild, das deutlich macht, welchen bedeutenden Anteil das Orchester an den Werken hat. Da lässt Roschdestwenskij nämlich wirklich die Post abgehen!
    :hello:

  • Danke Edwin,


    die Postnikowa/Roshdestwensky-Aufnahme kommt als nächste dran - die sind bei jpc verfügbar.
    ---------------
    Etwas anderes ist interessant:


    Was mag Krainev/Kitaenko wohl bewogen haben ihre alte Moskauer Interpretation in Deutschland - Frankfurt zu erneuern ?
    Klangtechnisch sehe ich auf jeden Fall einen Vorteil bei Teldec (DDD)! Aber orchestral bin ich von den Frankfurtern nicht so 100% überzeugt.

    Die Moskauer Aufnahme kenne ich nicht; die ansonsten wirklich gute Teldec-Aufnahme habe ich noch in der Originalform auf Teldec-CD´s.

  • Zitat

    Aber orchestral bin ich von den Frankfurtern nicht so 100% überzeugt.


    Nicht nur das: Auch Kitaenko hat nachgelassen, weil er sich immer mehr auf glatten Pomp spezialisiert. Früher war er ein ziemlich aufregender Dirigent, aber jetzt.....

  • 3 Tipps, die vielleicht neben den "gängigen" Aufnahmen etwas im Abseits stehen - wie ich meine absolut zu unrecht - denn es handelt sich um Meilensteine in der Prokofieff-Interpretation: expressiv, waghalsig, bildhaft und hochspannend gestaltet:


    1) Die nun als SACD/CD wieder erhältliche "Living Stereo"-Fassung des 3. Klavierkonzertes in der Interpretation von Van Cliburn unter Hendl - ebenfalls auf dieser Disc: Cliburns einzigartige Einspielung des 3. Rachmaninoffkonzertes unter Kondrashin (entstanden kurz nach seinem Sieg beim Tschaikowsky-Wettbewerb 1958 - ebenfalls in toller Surround-Tonqualität)


    2) Auf dem französischen Mini-Label "Vogue" erschien vor einigen Jahren in der Reihe "Archives Sovietiques" eine CD mit 2 Prokofieff-Konzerten: Nr.1 mit (meinem ehemaligen Lehrer) Rudolf Kehrer unter Kondrashin - Nr.2 mit dem bekannten russischen Pianisten Jakov Zak unter Kurt Sanderling, Zak interpretiert auf dieser CD auch noch Prokofieffs 4. Klaviersonate - Tonqualität entsprechend, Interpretationen hochinteressant!


    3) Last not least - eine Rarität: Prokofieff SELBST - neben seinem 3.Klavierkonzert spielt der Komponist/Pianist zahlreiche kleinere eigene Werke, darunter seine berühmte "suggestion diabolique" erschienen auf dem für verloren geglaubte/wiederentdeckte Schätze bedeutenden Label "Pearl".

  • Grundsätzlich ist meine favorisierte Aufnahme des 1. von Argerich/Dutoit, auch das 3. kommt da n meine Referenz Janis/Kondrashin ran. Die Krainev-Aufnahmen habe ich auch und die sind klar besser als die Gesamteinspielung von Bronfman unter Metha... Ich finde es schade, dass weder Argerich noch Janis eine Gesamtaufnahme gemacht haben. Aber bei Argerich besteht ja noch Hoffnung :-)

  • Hallo,


    die alten Melodija-Aufnahmen mit Krainjew und dem Moskauer P.O. unter Kitaenko find ich um Klassen besser als die neuere Einspielung mit dem Frankfurter RSO.
    Die alten Aufnahmen haben(bis auf das 2.Konzert, das auch in der Melodija-Aufnahme etwas zu zahm für meinen Geschmack rüberkommt)viel mehr Biss und Drive.
    Natürlich ist auch der echt russische Klang des Orchesters für mich ein großes Plus.


    Übersehen, und da gebe ich Markus Schirmer uneingeschränkt recht, sollte man auf keinen Fall die historische Aufnahme mit Prokofeff selber.
    Stahlhart und kompromisslos.


    LG,


    Michael

  • Hallo Michael,


    Danke für die INFO über die russische Krainew/Kitaenko-Aufnahme.
    Ich weiss durch ein Angebot bei EBAY, das ich am 21.06.06 gesehen habe von der Existenz dieser Aufnahme. Daher auch mein Beitrag vom gleichen Tag.


    Aufgrund Deiner positiven INFO habe ich Eurodisc-Doppel-CD für lasche 7,99€ incl.Versand gerade bestellt (Sofortkauf) - sie war noch da - jetzt will ich es selber hören und mich überraschen lassen.


    :D Die von Edwin favorisierte Aufnahme mit Postnikowa/Roshdestwensky ist auch zu mir unterwegs.
    :hello: Gruß an jpc - sendet bald !


    Ich werde über meine Eindrücke berichten, wenn das gute Sommerwetter mal eine Sonnenpause macht !
    :D Sonst bin ich mit Kajak oder Motorboot auf dem Wasser.

  • Also ich habe einen ganzen Berg von Prokofiev Konzert Aufnahmen zu Hause im Regal stehen und ich muss sagen, dass ich die Argerich Aufnahme als meine Referenz für das 3. Konzert auserkoren habe. Allerdings schätze ich die Byron Janis Aufnahme mit Kondrashin auch sehr, so dass ich gelegntlich richtig hergerissen bin zwischen diesen beiden Werkinterpretationen:




    Zu den anderen Konzerten äußere ich mich nochmals nachdem ich meinen Berg durchgehört habe :-)

  • Die russischen Aufnahmen der Prokofieff-Klavierkonzerte Nr 1-5 mit Vladimir Krainew/ Moskauer PH / Dmitri Kitaenko sind im Zeitraum 1976 bis 1883 gemacht. Die 1985 erschienene Eurodisc - Doppel-CD ist damit technisch schonmal voll OK.
    Ich dachte vor dem Kauf an fast historische Aufnahmen aus den 60er Jahren, die beide Künstler nun aus technischen Gründen bei Teldec mit den Frankfurter PH im Jahr 1992 erneuern wollten. Mitnichten, die Eurodisc - Aufnahm eist klangtechnisch voll OK - bis heute ist mir absolut unklar, warum Krainew und Kitaenko diese Wiederholung in Frankfurt starteten.
    Wenn man sich die moskauer Aufnahme anhört ist man begeistert, ergriffen und überwältigt. M.Schlechtrim hat dies ja schon richtig angedeutet und ich kann ihm nur beipflichten. Die frankfurter Aufnahme ist nach dem Hören der älteren Aufnahme eine für mich überflüssige Neuproduktion.
    Nicht nur die für die Konzerte so entscheidende Orchesterleistung ist in Moskau packend und wesentlich besser geraten, auch Krainew entfaltet auf dem Klavier ein virtuoses Tastenwunder und macht diese Gesamtaufnahme für mich zum Besten, was möglich ist.
    Danke nochmal an M.Schlechtrim für seinen den Kaufanstoß gegeben Beitrag für diese mit "Biss und Drive" ausgestatteten Aufnahmen.
    :] Seit diesem Wochenende habe ich es begriffen: Der russische Orchesterklang passt auch bei den Prokofieff-Klavierkonzerten wie "der Kopf auf den Nagel" und ermöglicht ein richtiges Verständnis für diese Werke.

    Klavierkonzerte Nr.1-5
    Vladimir Krainew/ Moskauer PH / Dmitri Kitaenko
    Eurodisc 1976 -1983 ADD


    Die Postnikowa/Roshdestwensky -Aufnahme der Klavierkonzerte Nr.2 und 3 auf Melodyia sind ebenfalls klasse Aufnahmen, die besonders im groß auftrumpfenden Orchester an den nötigen Stellen und absolute Begeisterung hervorrufen - Gänsehautfaktor pur ! Postnikowa pianistisch perfekt und als Frau mit mannhaftem Anschlag, jedoch insgesamt langsamer als Krainew - eine TOP-Aufnahme. Den Tastentaumel (Zitat-edwin), wie Krainew ihn entfacht wird nicht ganz erreicht, was die Aufnahme aber nicht schmälert.
    Insgesamt scheinen die männlichen Pianisten einfach schneller zu sein: Beroff, Ashkenazy, Graffmann, Krainew.



    Klavierkonzerte Nr. 2 & 3
    Postnikova, USSR Ministry of Culture Orchestra,
    Roshdestvensky

    Melodiya 1983-85 ADD

  • Gut, dass ich diesen Thread gefunden habe-allmählich klappts doch mit der Suchfunktion ganz gut. :)
    Ich habe heute beim Pianofestival in Lille zum ersten Mal im Leben das Klavierkonzert Nummer 2 von Prokofiev gehört und bin total fasziniert. Die Pianistin war eine junge Russin, Anna Vinnitskaja, die gerade etlcihe internationale Preise gewonnen hat(u.A. Reine Elisabeth, Brüssel und Busoni Bozen) , es begleitete das in bestform spielende Orchestre National de Lille unter Paul Mann.
    Das Konzert als Solches ist wirklich unglaublich und ich wäre sehr dankbar für jede Erläuterung dazu. Mich interssiert Alles, von den biographischen Umständen bis zu der Struktur.
    Die hochvirtuose Pianistin hat dem Ganzen noch einen Zusatz-Kick durch ihre Erscheinung gegeben. Eine russsische Schönheit, mit bernsteinfarbenen fast hüftlangen Locken die mit dieser Musik etwas von einer Klavier-Loreley ausstrahlte und 2000 Zuhôrer zu Begeisterungsstürmen hinriss. :jubel: Das aber nur am Rande, denn da sie auch Anna heisst, sollen hier keine falschen Vermutungen aufkommen :D: sie hat HERAUSRAGEND gespielt!


    F.Q.

  • Liebe Feenkönigin,


    da ich Prokofiews Klavierkonzerte nur halb so gut kenne, wie ich eigentlich möchte, kann ich mit Informationen leider nicht dienen ... ;(


    Einen Satz allerdings zu Anna Vinnitskaya:


    Sie ist Preisträgerin des Reine Elisabeth Wettbewerbs in Brüssel (neben dem Chopin Wettbewerb in Warschau sicher einer der renommiertesten Wettbewerbe), in der neuesten Ausgabe der Piano News ist ein Artikel über die Pianistin zu lesen. Nächste Woche spielt sie übrigens in der Pfalz, in Neustadt an der Weinstraße. Das Programm hat es in sich:


    Bach/ Busoni: Chaconne

    Ravel: Gaspard de la Nuit

    Medtner: Sonate Nr. 2 (?)

    Rachmaninov: Sonate Nr. 2


    Ehrfurchtgebietend finde ich. Wenn ich noch Karten bekommen sollte gehe ich hin.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

  • Hallo FairyQueen,


    dein LIVE-Erlebnis kann ich nur allzugut nachvollziehen.


    Auf CD gibt es nur 2 Aufnahmen, die dein Erlebnis noch toppen könnten.


    1. Die vor Deinem Konzert bereits von mir genannte Aufnahme mit
    Victoria Postnikova, USSR Ministry of Culture Orchestra,
    Gennadi Roshdestvensky (Melodiya 1983-85 ADD)

    Hier auch, wie bei deienm Live-Konzert eine Pianistin. Die Gattin des Dirigenten Roshdestwensky. Beide in TOP-Form und Roshdestwensky mit einer Orchesterbegleitung die wirklich alles, ja alle Aufnahmen total in den Schatten stellt.


    2. Vladimir Krainew, Moskauer PH, Dmitri Kitaenko (Eurodisc, 1974, ADD)
    Hier ebenfalls der "Wahnssinn" in Bezug auf Orchester und Pianist.
    Leider ist diese Aufnahme derzeit aber nirgendwo greifbar. Ich hatte die Melodiya-GA als deutzsche Eurodisc-Version letztes jahr bei EBAY gekauft - ein Wahnsinnsschnäppchen !
    :faint: Bis heute ist mir ein Rätsel, wie sehr an BISS und Emotion diese beiden (Krainew und Kitaenko) bei ihrer späteren Teldec-Aufnahme von 1992 auf APEX in Frankfurt eingebüßt haben.