Requiem ohne Brahms und Mozart

  • Hallo Richard,


    natürlich Verdis, seine beste Oper :D. Da gibt es einige sehr gute Aufnahmen. Fricsays auf DG Originals, Gardiners als HIP-Version, Giulinis auf EMI, Toscanini auf RCA. Reiner auf Decca ist vergleichsweise langsam, aber sehr fesselnd. Wenn ich nur eine behalten dürfte dann wahrscheinlich Gardiner, weil das Dies irae beim ihm richtig scheppert und kracht.


    Bernd Alois Zimmermann: Requiem für einen jungen Dichter


    und Fauré:


    und schließlich Britten:

    oder die Aufnahme von Britten selbst (auf Decca)

  • Lieber Richard, ein thread, der mir auch schon vorschwebte, da die Requien doch oft Werke von besonderem Gewicht im Leben und im Werk der Komponisten sind. Also Dank für das Thema.


    Neben den beiden früher angesprochenen für mich ebenfalls

    1. das Verdi-Requiem in der Einspielung von Guilini 1964 (EMI), besonders bemerkenswert für mich auch die Aufnahme von Fricsay (1954 DG) - beide schon genannt - große Übereinstimmung.
    Die Gardiner-Aufnahme finde ich übrigens nicht überzeugend. Zorn und Abrechnung, die so wichtig sind für dieses Requiem, finde ich in dieser Aufnahme nicht überzeugend wieder. Ich habe sehr viel von dieser Aufnahme erwartet und wurde sehr enttäuscht. Bei Guilini geht für mich der Ausdruck bis an die Grenze, bis dahin, dass man meint zu hören, wie die bestehende Welt aufbricht (sehr subjektiv ich weiss!).


    2. dann bereits das War-Requiem, das ich wie ein Aufgreifen und Fortsetzen des Verdi-Requiems empfinde; entweder durch Britten selbst (1963 Decca) oder Guilini (1969 BBC-Legends)


    3. unter die Requien rechnen ich auch die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz - auch nach Vergleichshören und Diskussion an anderer Stelle: für dieses Stück bleibe ich bei Gardiner (1988 Archiv)


    mit Abstand, aber doch zu nennen:


    4. Faure in der Aufnahme mit Herreweghe (2002 HM)


    und schliesslich


    5. Hindemith "For those we love" Aufnahme mit Sawallisch (Fassbaender und DFD) - 1987 Orfeo und vielleicht


    6. Hartmann, Sinfonie No 1/Versuch eines Requiems


    Mit Berlioz habe ich noch Schwierigkeiten, vielleicht kann jemand die wirklich überzeugende Aufnahme nennen. Vom Dvorak-Requiem habe ich erst kürzlich eine Aufnahme erworben, da muss ich mich noch einhören.


    Mit Grüssen


    Matthias






  • Hallo Richard,


    hier noch zwei:
    Cherubini mit dem Requiem (für Orchester und Männerchor) - von Igor Markevitch klasse umgesetzt. (Als Zugabe gibt es noch die Krönungsmesse).



    ...Karl Amadeus Hartmann: Sinfonie Nr.1 - Versuch eines Requiems (für Alt und Orchester nach Texten von Walt Whitman) - Ingo Metzmacher dirigiert.





    Gruß
    Uwe

  • Zitat

    Original von MStauch
    Mit Berlioz habe ich noch Schwierigkeiten, vielleicht kann jemand die wirklich überzeugende Aufnahme nennen.


    Ha, das hatte ich total vergessen. Macht oft Schwierigkeiten, ist aber grandiose Musik. Mich überzeugt Mitropoulos von den Salzburger Festspielen:


  • An Thorsten anschließend: Nichts verkehrt macht man mit dieser Einspielung:



    Colin Davis und Berlioz, das paßt immer ;) , wenngleich die Aufnahme etwas rauscht und der stellenweise arg bombastische Orchesterklang sehr "dünn" rüberkommt.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Streng und dennoch voller bittrer Süsse ist das Requiem des Pieter van Straaten/Pierre de la Rue (um 1520), neben dem Ockeghems einer der frühesten Beiträge in Sachen Requiem-Sequenz (eine Komposition Dufays ist verbürgt, das Werk jedoch nicht überliefert:




    das Requiem Johann Adolf Hasses aus dem Jahr 1763 ist auf ausdrücklichen Wunsch Augusts des Dritten in C-Dur komponiert worden. Hier wird blockhafte Akkordik des Hochbarock mit Elementen der Frühklassik und der des "empfindsamen" Zeitalters zu einer eindrucksvollen Synthese verschmolzen:






    Maurice Durufles Requiem aus dem Jahr 1947 erfreut sich vor allem in Frankreich, aber auch in England, großer Beliebtheit. In Deutschland wurde es nicht so bekannt. es handelt sich hierbei eher um ein meditatives Werk mit wunderschönen harmonischen "Rückungen"


    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Hallo zusammen,


    um sie hier nur enumerativ zu nennen, intensiver vorgestellt gehören beide Werke IMO in einem eigenen Thread:


    Krzzysztof Penderecki hat über einen Zeitraum von inzwischen mehr als 20 Jahren immer wieder Sätze zu seinem "Polnischen Requiem" gearbeitet, einer Komposition von sowohl zeitlich als auch von den Mitteln her ausladenden Ausmaßen. Die derzeit aktuellste Version - AFAIK komponiert Penderecki gerade noch an einem Epilog auf den Tod von Papst Johannes Paul II. - ist erst kürzlich in sehr guter Qualität bei Naxos erschienen:



    Nur vier Sätze umfasst das Requiem für Sopran und Mezzosopran Solo, gemischten Chor und Orchester aus den Jahren 1963-65 des Ungarn György Ligeti. Eventuell sind manch einem Teile der Komposition aus Kubricks "2001" bekannt.



    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Ich möchte an dieser Stelle einmal eine Lanze für einige unbekanntere Stücke des Genres brechen. Im Spanien und Portugal des 16. und 17. Jahrhunderts entwickelte sich eine ganz eigene Tradition, abseits der anderen musikalischen Entwicklung auf dem übrigen Kontinent, eine Musik, die die Entdeckung lohnt, hier eine Auswahl:




    Etwas bekannter schon Cristobal de Morales:



    Und Vittoria zu nennen hieße Eulen nach Athen tragen:




    Herzliche Grüße, :D :D


    Christian

  • Wieder ein etwas weniger bekanntes Stück:



    sicherlich noch kein großes Meisterwerk Bruckners, aber schon ein Schritt dahin:




    Grüße, :yes: :yes:


    Christian

  • Für die Freunde englischen Chorklanges: das Requiem von John Rutter! So klangschön, daß einem das Herz aufgeht, auch wenn es nicht unbedingt " hochgelehrte " Musik ist!


    http://www.jpc.de/jpcng/classi…09517/rk/home/rsk/hitlist ( mit dem Meister selbst am Pult)



    http://www.jpc.de/jpcng/classi…12240/rk/home/rsk/hitlist ( mit "Polyphony" einem absoluten Super- Chor für neuere englische Musik)


    Gruß
    Stefan


    P.S.: Sorry, um die Cover hier reinzukopieren reichen meine dillentantischen Computer- Kenntnisse nicht! Eigentlich mag ich diese Kiste auch gar nicht :evil:

  • Hallo


    Ein unbedingter Tipp ist das Requiem von Antonin Dvorak op. 89. Ein wunderschönes Werk, dessen Entstehungsgeschichte ich leider gerade nicht parat habe, vielleicht kann hier jemand nachhelfen.


    Ebenfalls sehr beeindruckend finde ich das Requiem von Luigi Cherubini für Männerchor und Orchester, das zu seiner eigenen Beerdigung uraufgeführt wurde. Eine der erschütterndsten Dies irae Vertonungen, die mir bekannt sind.


    Auf jeden Fall lohnenswert für Fans der modernen Musik ist das Requiem von Alfred Schnittke. In der kargen Art der Vertonung mit Sprechgesang und massivem Schlagwerk äußerst beeindruckend.


    Gruß, flo

  • Hallo Stefan


    zum Bild einfügen:


    zuerst brauchst du die Adresse, unter der die Grafik sich befindet. Die bekommst du, wenn du auf die Abbildung (z.B. bei jpc oder sonstwo) mit der rechten Maustaste klickst und Grafikadresse kopieren auswählst.


    Dann gehst du zum Beitrag-schreiben-Fenster im Tamino-Forum zurück. Dort gibt es direkt über dem Fenster, in den du den Text reinschreibst, eine Reihe mit kleinen Symbolen. Etwa in der Mitte ist ein gelbes, auf dem ein Berggrat und eine Sonne ist, mit einem schwarzen Dreieck links oben. Das anklicken und es öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem schon "http://" steht. Das löschst du, weil das in der kopierten Adresse schon enthalten ist und kopierst statt dessen die Grafikadresse hinein, z.B. mit der Tastenkombination Strg v oder rechte Maustaste und einfügen.


    In deinem geschriebenen Text taucht dann folgendes auf:


    Code
    1. [img]http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2209517.jpg[/img]


    Das ist der Befehl, um die Grafik, die sich unter dieser www-Adresse befindet anzuzeigen. (Im Beispiel ist das das Rutter-Requiem.)


    beste Grüße
    Thomas


    PS. Sorry, dass ich das hier schreibe, aber PN an Stefan funktioniert nicht/ist nicht freigeschalten.

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Hector Berlioz (1803-1869):
    Grande Messe des Morts - Requiem für Tenor, gemischten Chor und Orchester, opus 5 1837
    Robert Tear, London Philharmonic Choir & Orchestra, André Previn - EMI - 1980


    Benjamin Britten (1913-1976):
    - Sinfonia da Requiem für Orchester, opus 20 1940
    London Symphony Orchestra, André Previn - EMI - 1976
    - War Requiem für Sopran, Tenor, Bariton, Knabenchor, gemischten Chor, Orgel, Kammerorchester und Orchester, opus 66 1961
    Söderström, Tear, Allen, CBSO Chorus & City of Birmingham SO, Simon Rattle - EMI - 1983


    Frederick Delius (1862-1934):
    Requiem für Sopran, Bariton, gemischten Chor und Orchester 1914-16
    Harper, Shirley-Quirk, Royal Choral Society, Royal Philharmonic Orchestra, Meredith Davies - EMI - 1968


    Maurice Duruflé (1902-1986):
    Requiem für Mezzosopran, Bariton, gemischten Chor, Orgel und Orchester, opus 9 1947
    Berganza, Dam, Ensemble 'Audite Nova' de Paris, Choeur et Orchestre Colonne, Michel Corboz - Erato - 1984


    Antonín Dvorák (1841-1904):
    Requiem - Missa pro Defunctis für Sopran, Alt, Tenor, Baß, gemischten Chor und Orchester, opus 89 1890
    Tschechischer Philharmonischer Chor, Tschechische Philharmonie, Wolfgang Sawallisch - Supraphon - 1984


    Gabriel Fauré (1845-1924):
    Requiem für Sopran, Bariton, gemischten Chor, Orgel und Orchester, opus 48 1887-90
    Lucia Popp, Siegmund Nimsgern, Ambrosian Singers, Philharmonia Orchestra, Andrew Davis - CBS - 1977


    Karl Amadeus Hartmann (1905-1963):
    Symphonie Nr. 1 für Alt und Orchester "Versuch eines Requiems" 1935/36
    Doris Soffel, SO des Bayerischen Rundfunks, Fritz Rieger - Wergo


    Herbert Howells (1892-1983):
    Hymnus Paradisi - Requiem für Sopran, Tenor, gemischten Chor, Orgel und Orchester 1936-38
    Kennard, Ainsley, Royal Liverpool Philharmonic Choir & Orchestra, Vernon Handley - Hyperion - 1991


    Max Reger (1873-1916):
    - (Lateinisches) Requiem für Sopran, Alt, Tenor, Baß, gemischten Chor und Orchester, opus 145 1914 (unvollendet)
    - Requiem für Alt / Bariton, gemischten Chor und Orchester, opus 144 b 1914/15
    Kawahara, Höffgen, Bader, Hillebrand, Chor des NDR, SO des NDR, Roland Bader - Schwann - 1979

  • ein großes Kompliment Guercoeur!!!!!!!


    Vielleicht könnte man noch die Messa da Reqiuem von Giuseppe Verdi hinzufügen, die allerdings schon sehr theatralisch ist, aber sehr oft aufgeführt wird, besonders der dies irae, den wohl fast jeder kennt, auch wenn er nicht weiß von wem dieser Teil ist.

  • vielen Dank, lieber Klassikpianofan!


    Das Verdi-Requiem höre ich zwar auch ab und zu, trotzdem gehört es aber nicht so ganz zu meinen Lieblings-Requien, nach denen in diesem Thread ja gefragt wurde.
    Welche Requien (außer Verdi) gehören denn zu Deinen Favoriten?


    Herzliche Grüße
    Johannes

  • Sein Requiem: alles 'stimmt'. Vom ersten Takt bis zur letzten Pauke. Das wußte B. selbst, und so bat er um 'Gnade' für sein op. 5.


    Gut finde ich Bertini (live im Altenberger Dom 1984 aufgenommen, ich habe die Aufführung im Dom zu Münster tags zuvor live erlebt), Ormandy und Munch (Boston). Warnen möchte ich vor Maazel, Barenboim und Davis (beide Aufnahmen).


    Überwältigend war 1968 Jean Fournet beim Holland-Festival. NOS hat mir einen Mitschnitt zur Verfügung gestellt, der leider klanglich nichts taugt. Aber immerhin, nett von den Holländern.


    Grüße aus Bonn

  • Ha, es klappt tatsächlich!! Ganz, ganz herzlichen Dank an Dich, Thomas/salisburgensis :hello: Ich hätte nicht geglaubt, daß ich alter PC- Verächter dies so schnell lernen kann! Aber Deine klaren und vollständigen Wegweisungen sind klasse! :jubel:


    Also hier noch mal meine beiden Aufnahmeempfehlungen des Rutter Requiems im Bild:






    Gruß Stefan


    P.S. Meine PN- Box hat noch nie funktioniert... :( :rolleyes:

  • Hallo


    Rutters Requiem hatte ich mir gestern zugelegt in einer relativ neuen Naxos-Aufnahe. Rutter war als Produzent selbst zugegen, hier ist die "Ensemble Version" - also eine Kammermusikversion des Requiems eingespielt. Gefällt mir sehr sehr gut.


    Auch die zusätzlichen Tracks sind recht schön, von einer hinreissenden "Einfachheit" und "schön": Two Blessings: Zum Abheben -ich fürchte aber, man hört sich doch eher schnell daran satt.


    Sagt, wie ist das Maginificat? Zur Beantwortung dieser Frage vielleicht einen John Rutter Thread öffnen !?



    Grüsse, Markus


  • Vielleicht kann man dieses forum mit einem kleinen vorschlag meinerseits wiederbeleben.
    Mozart hat Gossec und sein Requiem gekannt und es hat ihn angeblich auch bei kv626 beeinflußt.


    lg
    d.minor

  • von meinem Hausgott Heinrich Ignaz Franz Biber gibts gleich mehrere Requiem-Vertonungen, eines in A-Dur und eines in f-Moll. Von beiden gibt es bereits mehrere Einspielungen:


    A-Dur, bzw. Requiem à 15 in Concerto:


    f-Moll bzw. Requiem ex F con terza minore à 8:


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Ich habe zwar an anderer Stelle diesen Beitrag schon eingestellt, aber das war unter dem "Franz-von-Suppé"-Thread, der sich in der Abteilung "Instrumentalmusik" befindet, bisher aber der einzige Thread zu diesem oft verkannten Komponisten im Forum war.


    Aber hierher passt dieser Beitrag mindestens genauso gut (wenn nicht noch besser) - außerdem sehe ich das als Chance, für dieses zu Unrecht gern belächelte und in seiner Ernsthaftigkeit angezweifelte Requiem zu werben - es ist eine echte Entdeckung:




    Dies sind die beiden mir zur Zeit bekannten Aufnahmen, wobei Letztere erst 2003 erschienen ist - eine neue und sehr gelungene (Live-)Aufnahme!


    Vielleicht liegt es daran, dass man Suppé einfach zu sehr in die Ecke "Operette" gestellt hat und man von ihm schmissige, mitreissende Ouvertüren erwartet (die ich auch sehr liebe!) - aber irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass sein Requiem irgendwie nicht als vollgültige Vertonung einer Totenmesse wahrgenommen wird und das finde ich sehr schade.
    Ich hatte Gelegenheit, sein Werk nicht nur als Zuhörer, sondern aktiv als (Mit-)Sänger im Herbst 2003 in Köln aufführen zu dürfen und unser ganzer Chor war von Anfang an von diesem für uns alle neuen Requiem begeistert! In der Rezension nach dem Konzert (Überschrift: "Des Meisters Kinderfreude an der Fuge") des zuständigen Redakteurs beim "Kölner Stadt-Anzeiger" klang dann ebenfalls eine gewisse Voreingenommenheit dem Werk gegenüber durch - ein Operettenkomponist und dann eine Totenmesse? Das kann doch nicht sein...
    Dabei geht dies ganz gut - zumal Suppé eine gründliche kirchenmusikalische Ausbildung genossen hatte und das Requiem vor seinen späteren Operettenerfolgen wie "Boccaccio" oder "Die schöne Galathée" entstanden war - und damals auch ein Erfolg wurde.
    Kritische Stimmen, die dem Komponisten partout "Operettenhaftigkeit" und damit mangelnde Ernsthaftigkeit seiner Totenmesse unterstellen wollten, kamen interessanterweise nämlich erstmals auf, nachdem Suppé mit "Leichte Kavallerie" & Co. Furore gemacht hatte...


    Man merkt dem Requiem die grenzenlose Mozart-Verehrung des Komponisten an - es ist in vielen Teilen deutlich am Mozart-Requiem orientiert, so z. B. im "Confutatis", wo zunächst die Männerstimmen mit einem bedrohlichen "Confutatis maledictis" loslegen, um dann von den ätherischen Frauenstimmen -engelsgleich- abgelöst zu werden ("Voca me cum benedictis") - wie bei Mozart.
    Oder die Kyrie-Fuge (in Moll und majestätisch-streng wirkend - wie in KV 626) wird am Ende im "Cum sanctis tuis" -nur mit dem anderen Text unterlegt- notengetreu wiederholt. Das ist ebenfalls eindeutig an Mozart orientiert (bzw. der Notlösung von Süßmayr - ob Mozart die Kyrie-Fuge tatsächlich am Ende wiederholt hätte, sei mal dahingestellt).
    Da gäbe es noch viele weitere Beispiele...
    Aber Suppé vermag es -trotz dieser Orientierung an Mozart- dem Requiem seine ganz eigene Note zu verleihen - was sind schon äußere Gestaltungsmerkmale?
    Die Fugen (auch das zweimal unveränderte "Quam olim Abrahae" ist bei Suppé in traditionell an dieser Stelle angewendeter Fugenform) empfinde ich weder als die vom Redakteur betitelte "Kinderfreude" (was immer das heißen soll - er meint wohl ein "Hört mal her, liebe Zuhörer: Ich, Franz von Suppé, kann sowas auch!"), noch als "holprig".
    Sie beweisen, dass Suppé sein Handwerk souverän beherrscht und nach allen Regeln der Kunst anzuwenden versteht.
    Gerade die doppelt zum Vortrag kommende "Quam olim Abrahae"-Fuge ist sehr schwungvoll und eingängig - wir haben sie immer sehr gerne gesungen.
    Es ist wahrscheinlich einfach so, dass man in einem um 1850 entstandenen Requiem keine ausgewachsenen, gründlich "durchexzerzierten" Fugen mehr erwartet. Die wirken dann natürlich im ansonsten zeitlich ganz gut einzuordnenden Umfeld etwas befremdlich.
    Im "Agnus dei" bricht z. B. die Epoche der "mittleren Verdi-Opern" hörbar hervor, wenn in der bläserdominierten Orchesterbegleitung an einigen Stellen das bekannte "Verdi-hum-ta-ta" hörbar wird und man sich unweigerlich an eine Szene aus "Rigoletto" oder "La traviata" erinnert fühlt - aber: warum nicht?
    Große Momente sind auch das schon erwähnte "Tuba mirum" mit dem ausgedehnten Posaunenduett zu Beginn und einer sich im Ausdruck zur Mitte des Satzes hin steigernden Leidenschaft, die am Ende wieder auf die beiden Posaunen des Beginns zurückgeführt wird.
    Oder das "Benedictus" - ein knapp 4-minütiges Solisten-Quartett - a cappella!!
    Eine echte Zitterpartie, weil am Ende dieser ausgedehnten Passage der Chor und das volle Orchester wieder mit dem "Osanna in excelsis" einfallen - und dann merkt man halt sofort, wenn die Solisten in den 4 Minuten in der Intonation "abgesackt" sind (bei uns ist es im Konzert aber gut gegangen :yes: - da singt man dann das jubelnde "Osanna" mit wahrer Freude im Herzen :])
    Im "Libera me" (diese abschließende Textpassage fehlt im Mozart-Requiem ja) als letztem Satz bei Suppé kommen gar noch am gregorianischen Choral orientierte Floskeln im unbegleiteten Männerchor vor.


    Alles in allem: Ein äußerst abwechslungsreiches Requiem (als Totenmesse hat es eine überzeugende Gesamtaussage, die dem Anlass auch gerecht wird), in dem verschiedene Stile ineinanderfließen und eine originelle Mischung ergeben und der Zuhörer die seltene Chance hat, einen vermeintlich bekannten Komponisten von einer ungewohnten Seite kennen- und schätzen zu lernen! Unbedingt zu empfehlen!!

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Vielen Dank für dieses profunde Statement zu Suppé's Requiem - ich hab' es mir nämlich gerade bestellt und warte schon sehnlichst darauf - jetzt kann ich es gleich gut informiert hören. :hello:
    d.minor

  • Hey - na, das freut mich ja!


    Ich bin gespannt, wie es Dir gefällt und hoffe, Du schreibst uns was zu Deinen Eindrücken!


    Viel Hörvergnügen schon mal vorab,


    Marc de Cologne :hello:

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)