Bach Violoncello solo

  • Liebe Forianer,


    nachdem der thread zur Violine solo Anklang gefunden hat, möchte ich Euch jetzt nach Euren Lieblingsaufnahmen der Suiten für Violoncello solo fragen und ich möchte Euch zusätzlich fragen, welche der sechs Suiten Euch am stärksten ans Herz gewachsen ist, wenn es denn eine "Lieblingssuite" gibt oder sind es etwas alle sechs gleichermaßen?


    Ich höre eine ganz besonders intensiv, immer wieder und ohne nachlassendes Interesse.


    Die Aufnahmen selbst lassen Äußerungen in gewaltiger Bandbreite zu. Von Casals natürlich bis zu - möglicherweise sehr umstritten, vielleicht auch sehr geschätzt - Anner Bylsma (in mehreren Aufnahmen). Natürlich bin ich gespannt, was Ihr von Rostropovich, Fournier und Schiff haltet. Auch Starker habe ich kürzlich gehört. Also welches ist Eure liebste Aufnahme des Cello-Suiten?


    Bis gespannt.


    Mit herzlichen Grüssen


    Matthias

  • Zitat von MStauch

    welche der sechs Suiten Euch am stärksten ans Herz gewachsen ist, wenn es denn eine "Lieblingssuite" gibt oder sind es etwas alle sechs gleichermaßen?

    Ich bin mir nicht sicher und momentan läuft zu guter Beethoven, als dass ich die CD wechseln will, aber die beiden numerisch letzten höre ich sehr oft.



    Zitat

    Die Aufnahmen selbst lassen Äußerungen in gewaltiger Bandbreite zu.

    Stimmt, deswegen sammle ich die auch :D


    Casals muss man haben, einfach weil er die Suiten wieder populär gemacht hat. Das ist eines dieser zeitlosen Dokumente, die prägend für die Bach-Rezeption und die Entwicklung des Cellospiels waren. Fournier war meine erste Einspielung und als goldener Mittelweg kehre ich immer wieder zu ihr zurück.


    Rostropovich (und Yo-Yo Ma und Maisky) sind sehr romantisierend, mit vollem, satten Ton - die kann ich nicht oft im Jahr hören. Starker ist superschnell - die ersten vier Suiten packt er in seiner ersten Aufnahme auf eine CD.


    Bylsma habe ich nur in der zweiten Aufnahme (glaube ich) auf Sony Vivarte - ist aber zu lange her als dass ich da explizit was zu sagen kann. Geheimtipps sind Wispelwey auf Channel Classics und Schiefen auf Arte Nova. Der ist eigentlich auf mein eigentlicher Favorit.


    Eine Einspielung will ich noch erwerben: auf Winter&Winter auf historischem Instrument, der Interpret ist mir gerade entfallen. Dazu habe ich noch ein Arrangement für Viola da Gamba, der Interpret ist hier Pandolfo. Klingt auch sehr gut. Schlechte Aufnahmen habe ich noch nicht gehört - und es fehlt offensichtlich auch noch Schiff. Den finde ich aber momentan nicht, dachte aber ihn schon zu haben.

  • Hallo Matthias,


    es gab einmal, ich glaube bei Arte, eine optische Umsetzung der Suiten mit YoYo Ma, die zugleich dokumentierte, welch ein großartiger Cellist und darüberhinaus künstlerisch ambitionierter Mensch er ist. Trotz der Bebilderung ging der musikalische Gehalt nicht unter. Das ist das Großartige der Bach´schen Musik. Die bekommt man nicht "kaputt". Die kann man verjazzen oder sonst bearbeiten oder eben Bildern zuordnen. Sie bleibt immer präsent, eben unzerstörbar.
    Die reine Hör-Version von Ma gefällt mir nicht so gut. Jahrelang habe ich nur Schiff gehört (da gabs allerdings Casals auch nur auf sehr verrrauschten Platten). Nachdem Naxos die alten Aufnahmen überarbeitet hat, ist dann wieder Casals. Solo-Instrumentalmusik von Bach ist ein wenig bedroht davon, akamdemisch zu verdorren - man denke an die Kunst der Fuge. Wenn dann Musiker wie Casals kommen, die diese Musik mit vollen Einsatz und großer Leidenschaft spielen, ist diese Gefahr gebannt.
    Auch Dir schöne Weihnachtstage und einen guten Übergang nach 2005


    Sagitt

  • Liebe Forianer,


    wer kann etwas zu den Einspielungen von Wispelwey und Schiefen sagen?


    Yo-Yo-Ma habe ich auch noch nicht angehört. Einiges zu tun.


    Mit festlichem Gruß


    Matthias

  • Zitat von MStauch

    wer kann etwas zu den Einspielungen von Wispelwey und Schiefen sagen?

    Meine Lieblingseinspielung. Satter Klang, sehr individuelle Gestaltung. Er wagt viel und gewinnt. Da kommt keine Langeweile auf. Whispelwey macht eigentlich fast das Gleiche - nur eben auf einem historischen Violoncello. Wenn man auf solche Vergleiche steht, stehen beide in der Tradition von Rostropovich, haben aber weniger Schmalz oder Herz-Schmerz in das Spiel gelegt.

  • Lieber Richard,


    Bach ist wirklich nicht langweilig, vor allem nicht in den Cello-Suiten.


    Höre Dir einfach mal die 5. Suite in der Aufnahme mit Fournier an. Aber auch mit Rostropowitsch und Schiff: wirklich spannend und intensiv. Die heute angesprochenen werde ich erproben, beide Cellisten zählen wohl ebenfalls zur Spitzengruppe.


    Jetzt muss ich mich aber um das Essen kümmern.


    Weihnachtliche Grüße


    Matthias

  • Hallo,


    Also ich bin auch eher ein Anhänger von Konzerten als von Solostücken, Klavier mal ausgenommen.


    Um dieses Schlüsselwerk jedoch kennenzulernen hab ich es mir gekauft, wobei ich (welche Schande) doch sehr auf den Preis schaute, allerdings nicht nur.
    Ich glaube bei harmonia mundi ist man recht gut aufgehoben.


    Während ich diesen Beitrag schreibe, höre ich gerade die Suite Nr 1, und ich muß sagen sie übt eine fast hypnotische Wirkung auf mich aus.......


    Johann Sebastian Bach
    6 Suiten für Violoncello BWV 1007-1012


    Jaap ter Linden
    harmonia mundi USA



    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Cello Suites Nr. 4-6 BWV 1010-1012 von J.S.Bach
    Solist: Csaba Onczay (Cello)




    Nach Jahren wieder einmal hervorgeholt und angehört aufgrund des Threda von @ MStauch ......
    Eingespielt von "NAXOS" im Februar 1994...


    Einige Anmerkungen zu dem Cellisten:
    Csaba Onczay ist einer der führenden Cellisten seiner Generation. Er gewann zahlreiche Preise, u.a. den ersten Preis des internationalen Pablo-Casals-Wettbewerbs in Budapest und des Villa-Lobos-Wettbewerbs in Rio de Janeiro. Neben zahlreichen Rundfunk-und Fernseheaufnahmen sind mehrere CDs mit seinen Einspielungen erschienen.
    Csaba Onczay gilt als ausgezeichneter Interpret zeitgenössischer Musik. Er ist Professor an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest und wurde für sein Wirken mit dem höchsten ungarischen Kulturpreis ausgezeichnet.
    Er spielt ein Cello von Domenico Montagnana 1730
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    Leider besitze ich nur die o.a. CD..
    Sehr ans Herz gewachsen ist mir die Suite Nr.6, BWV 1012 aufgrund der Dynamik mit schnellen Klangwechsel und den brillianten Läufen und lieblicherem Thema....
    voran die Prelude ... saubere Intonation und angenehme warme Klangfülle,
    die Kadenzen und Katilenen virtuos schön ausgespielt....
    sehr gut gelungen der Schlusssatz in der Suite Nr.6 "Gigue" hier kommt die ganze Klangfülle
    der Domenico Montagnana von 1730 zum Tragen.... hier erweist sich Onczay als wahrer Virtuose des Cellospiels....


    In der Rangfolge favorisiere ich anschließend die Suite Nr.5, BWV 1012.....
    sehr schön anzuhören garniert mit schönen Klangthemen.....


    Fazit und Bewertung:
    Klangfülle: 6-7
    Interpretation 7
    CD: 6-7


    Herzliche Grüße
    reklov29

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Hallo


    Ich besitze die Casals Doppel-CD von EMI und werde demnächst mal überprüfen, ob die Jungs von Naxos die alten Scheiben wirklich besser remastered haben...
    Casals Interpretation ist natürlich eine der "eigentümlichsten" Interpretationen eines Musikstücks in der gesamten Schallplattengeschichte - im positiven Sinne gemeint.
    Eben gerade höre ich Fournier, meine erster Kauf dieser Suiten. Wie Thorsten meine ich, daß Fournier ein optimaler Mittelweg ist. Archiv sei Dank.
    Starker würde mich interessieren, kaufe ich, wenn ich ihn das nächste mal billig sehe. Herzlich gerne hätte ich eine Aufnahme von Gregor Piatigorsky, aber ich weiß gar nicht, ob er die Suiten überhaupt eingespielt hat. Demnächst wird bei der DG die Aufnahmen des Chinesen Jian Wang veröffentlicht. Ich kenne keine Aufnahme von Wang und habe auch noch nie eine Kritik über ihn gelesen. Sollten die Kritiken gut ausfallen, dann werde ich wohl seine Scheibe kaufen, als erste Digitalaufnahme der Suiten - aber die Klangqualität von Fournier lässt eigentlich ohnehin schon keine Wünsche mehr offen.

  • Hallo Markus,


    Zitat

    ..., ob die Jungs von Naxos die alten Scheiben wirklich besser remastered haben...


    Nein, haben sie nicht. Verantwortlich dafür war Ward Marston, Amerikaner und selbständiger Tonmeister, der auf Remastering historischer Aufnahmen spezialisiert ist. Er arbeitet für viele Labels, die historische Aufnahmen führen (RCA, Pearl, Naxos...), und hat schon einige Auszeichnungen eingeheimst (z.B. für RCA/Toscanini Remasterings). Ausgefallene Sachen gibt er sogar auf seinem eigenen Label heraus und in den letzten Jahren hat erfreulicherweise Naxos viel von ihm machen lassen.
    Die Überprüfung kannst du dir nebenbei bemerkt sparen, es ist so...


    Ciao

  • Nachdem nun inzwischen eine ganze Reihe von Beiträgen gekommen sind, möchte ich mich als Starter auch noch einmal beteiligen:


    Hier zweifach genannt und von mir auch in der Eröffnung schon angesprochen:


    Die Aufnahme von Fournier gehört zu meinen liebsten der Cello-Suiten und hier insbesondere die Suite No. 5. Eine wunderbare Aufnahme für den Einstieg, wenn man die Suiten kennenlernen möchte. Man wird sie auch später immer wieder hören.



    Ich höre die Suiten oft, neben Fournier ist auch die Aufnahme von Rostropovich für mich unverzichtbar.


    Ich habe dann hier noch natürlich Casals stehen, Janos Starker, Heinrich Schiff und zweimal Anner Bylsma. Die beiden Bylsma-Aufnahmen, von denen wahrscheinlich nur die spätere noch auf dem Markt ist, sind streng und sehr auf den Kern reduziert, die rhapsodischen und schwelgerische Seiten der Suiten kommen kaum vor. Aber ich gestehe, dass ich die Bylsma-Aufnahmen, die andere vielleicht als trocken empfinden mögen, auch nachdem ich Bylsma vor längerer Zeit im Konzert damit erlebt habe, sehr schätze und keinesfalls missen möchte. Die Strenge und Heftigkeit der musikalischen Formen wird deutlicher. Aber man muß mit den Suiten etwas vertraut sein, bevor man diese Einspielungen richtig genießen kann (so ging es jedenfalls mir). Zwischen Bylsma und Fournier oder etwa Casals liegen natürlich Welten. Das sind kaum mehr vergleichbare Stücke.


    An der Wispelwey-Aufnahme werde ich wahrscheinlich nicht mehr lange vorbei kommen und es gibt im Katalog auch noch eine Aufnahme von Harrell, auf die ich auch neugierig wäre/bin. Wer hat Harrell mit den Cello-Suiten schon einmal gehört?


    Das Faszinosum dieser Stücke ist für mich die Reduktion auf dieses eine Instrument und gleichzeitig diese ungeheure Weite und Intensität der Musik, die sich auch in der Vielfalt der verschiedenen Aufnahmen spiegelt.


    Mit herzlichen Grüßen


    Matthias

  • Hallo


    Da fällt mir gerade noch was ein: es kann sein, daß es ein Mißverständnis ist, aber ich meine irgendwo gelesen zu haben, daß Nikolaus Harnoncourt die Cellosuiten persönlich eingespielt hat. Kann das sein? kennt jemand diese Aufnahme, sofern sie existiert? Würde ich glatt kaufen.
    Gruß, Markus

  • Ich bin mal so frei hier Thomas Rübenacker von Rondo zu zitieren:


    "Die gelungenste mir bekannte Aufnahme des Zyklus stammt von dem Österreicher Heinrich Schiff, der, mit dem Cellisten-Kollegen und Dirigenten Nikolaus Harnoncourt als Inspirationsquelle, voller Grazie und Klangfantasie auf seinem Instrument tanzt - aber da, wo’s sein muß (Präludien!), auch mit rhapsodisch “atmender” Polyphonie glänzt. Glatter, aber nicht minder gekonnt die Aufnahme des amerikanischen Cellisten chinesischer Abstammung Yo-Yo Ma; er ist einer der wenigen, deren Kondition es ihnen erlaubt, das Riesenwerk der gegen Ende immer kniffligeren Sechs an einem einzigen Konzertabend zu stemmen! (Aber bitte nicht die Videos kaufen, nur die CDs ...) Und wer lieber statt der “modernen” Darstellungen (obwohl Schiff auf der Grenze steht) eine “historisch-kritische” Version auf dem Barockcello möchte, der greife zu der bedachten, aber auch beschwingten Zweiteinspielung des Holländers Pieter Wispelwey."


    Zitat ende. Das stösst mich ja total vor den Kopf! Wie kann denn harnoncourt als Inspirationsquelle Heinrich Schiff in die Aufnahme pfuschen??? oder wie soll ich Rübenacker hier verstehen? Fragen über Fragen...

  • Hallo Markus,


    ja es stimmt, Harnoncourt hat die Sonaten um 1960 für Vox eingespielt. Ich war sehr überrascht, als ich sie vor kurzem wieder gesehen habe, es gibt sie jetzt unter apex sehr günstig.
    Pikanterweise habe ich einmal gehört, dass diese Aufnahme eine jener sein soll, die Harnoncourt nachträglich lieber nicht gemacht hätte.

  • Moin,


    meine Lieblingssuite wechselte über die Jahre. Am Anfang die Erste, dann die Dritte, die Fünfte und die Sechste. Zur Zeit habe ich keine Lieblingssuite.


    Ich besitze die folgenden Aufnahmen:


    Casals EMI: wunderbar bis auf die Technik.


    Yo-Yo Ma die Zweite (das ist die, von der es auch die Videos gibt): Diese finde ich wirklich gut im Gegensatz zu seiner ersten Aufnahme. Natürlich ist sie sehr auf Wohlklang ausgerichtet, trotzdem habe ich immer wieder den Eindruck, dass er sich ganz genau Gedanken über jeden einzelnen Ton gemacht hat.


    Maisky die Zweite, hat er aufgenommen, da er sich eine neue Stereoanlage kaufen wollte, und der Verkäufer ihm beim Probehören eine in Maiskys Ohren grauenhafte Aufnahme der Cellosuiten vorspielte. Das war natürlich Maiskys eigene erste Aufnahme. Daraufhin beschloss er, die Suiten neu einzuspielen. :D
    In meinen Ohren eine extrem anstengende Interpretation. Ich finde sie nicht romantisch, vergleicht man sie mit seinen abscheulichen Cellosonaten von Bach. Allerdings kenne ich seine Aufnahme der Cellosonaten nicht, da ich die Gelegenheit hatte, Maisky an einem Tag in drei Konzerten (10:00, 14:30, 20:00 Uhr) mit allen Suiten und Sonaten zu hören. Danach habe ich mir die Suiten gekauft und mache einen grossen Bogen um die Sonaten.


    Rostropovich: eine sehr schöne Aufnahme, Wohlklang mit leichtem Hall aber trotzdem wunderbare Interpretation.


    du Pre: leider gibt es da nur die 1. und 2. Suite, aber das ist vom Feinsten und vielleicht auch das Beste. Immer, wenn ich etwas von ihr gehört habe, falle ich in tiefe Depressionen, wenn ich daran denke, was da noch alles hätte kommen können.


    Beschi: nein, die habe ich nicht, aber ich habe reingehört. Obwohl ich ein grosser Fan von historischer Aufführungspraxis und dem Barockcello bin, gefällt sie mir gar nicht. Das ist in meinen Ohren ein einziges Geschrubbe.


    Schiff steht schon seit Jahren auf meiner Wunschliste, bin aber noch nicht einmal zum Reinhören gekommen. Aber ich denke den nächsten Versuch muss ich dann wohl mit Wispelwey starten.

  • Hallo auch,


    hier noch zwei Ergänzungen, die noch nicht erwähnt wurden.


    Zum Einene die äusserst mitreissende Fassung von Boris Pergamenschikow, der leider am 30.4.2004 verstorben ist...



    ...und dan noch Maria Kliegels neue Aufnahme von 2005:



    ...nicht ganz so auf Effekte zielend (die auch bei Pergamenschikow sicher nicht vordergründig sind), aber sehr schön, elegant, überlegt und warm. Ich mag einfach, wie sie spielt. Und beide Fassungen sind alles andere als langweilig.


    Gruß
    Uwe

  • Hallo,
    habe bei meinem letzten Einkauf folgende Aufnahmen verglichen:
    Schiefen, Schiff, Yo-Yo Ma, Tortelier
    Bei Tortelier störte mich spontan die Klangqualität, Ma fand ich "unauffällig" und Schiefen, den ich sonst eigentlich mag, langweilig - bei ihm hört man nur wenig tänzerisches, "swingendes".
    Meine Entscheidung fiel daher zugunsten von Schiff, der dieses Tänzerische IMO am besten vermittelt, wunderbar intensiv spielt (wenn auch manchmal - sofern ich das beurteilen kann - nicht ganz sauber) und zudem die beste Klangqualität bietet.
    Kliegel hätte ich gerne probegehört, aber ihre Aufnahme war leider noch nicht im Saturn-System.

  • Hallo Theophilus,
    habe leider länger nicht in den Thread gesehen, daher erst jetzt die Antwort.
    Wenn ich mich noch recht an mein Probehören entsinne, klang die Tortellier-Aufnahme recht dumpf und rauschte auch ziemlich, was ich bei Solo-Werken immer besonders störend finde.
    Die Schiff-Aufnahme ( digital von Mitte der 80er) hingegen klingt sehr offen und ist sehr rauscharm.
    Seht interessieren würde mich noch die neue Kliegel-Aufnahme, ich hoffe, ich habe demnächst mal Gelegenheit, reinzuhören.

  • Hallo Achim


    Zitat

    Wenn ich mich noch recht an mein Probehören entsinne, klang die Tortellier-Aufnahme recht dumpf und rauschte auch ziemlich, was ich bei Solo-Werken immer besonders störend finde.


    Sehr erstaunlich, dass eine Aufnahme aus den 70ern so stark rauschen soll. Da muss bei der Überspielung bei der Entzerrung der Bandmaschine gepfuscht worden sein.
    Ich habe seinerzeit einmal die Platten gehört, und kann mich nicht erinnern, dass sie akustisch negativ aufgefallen wären. Das muss aber nicht viel bedeuten, wenn man sie mit aktuelleren Digitalaufnahmen vergleicht. Aber es wäre auch nicht der erste Fall, dass der Transfer auf die CD klanglich eine Verschlimmbesserung darstellt.

  • Ich habe den Thread nur überflogen und weiß ja nicht, ob diese CD gemeint ist:



    Falls ja (ich höre sie gerade): Die Tonqualität ist in der Tat nicht berauschend – oder eher doch „berauschend“; ein leichtes Hintergrundrauschen ist zu hören, was ich aber nicht als sooo störend empfinde (die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1961). Da ich keine Alternativen kenne, kann ich zur Interpretation leider nichts sagen (mein Gefühl sagt mir aber: das geht besser).


    Gruß, Cosima

  • Halli, Hallo


    wie ich mühsam auf der EMI-Homepage herausfinden konnte, gibt es von Paul Tortelier zwei Einspielungen der Cello-Sonaten. Die erste gibt es auf Red Line auf zwei Einzel-CDs und auf Rouge et Noire als Doppel-CD. Die zweite gibt es auf Great Recordings of the Century und wurde um 1980 herum aufgenommen. Diese sollte technisch einwandfrei sein.
    Es gibt jedoch auch keinen guten Grund, warum 1961 so schwach aufgenommen worden sein soll. Wenn ich daran denke, dass Starkers erste Einspielung auf Mercury auch etwa so alt ist und klanglich mit den besten aktuellen Aufnahmen mithalten kann....


  • Hallo,
    konnte heute - ohne Deinen Beitrag zu kennen - bei Saturn Düsseldorf die beiden Tortelier-Aufnahmen vergleichen.
    Auch wenn die von 1961 nicht katastrophal schlecht ist, liegen doch (sofern das über das Saturn-System und die zur Verfügung stehenden Kopfhörer zu beurteilen ist) Welten zwischen ihr und der Einspielung von 1983.
    Und dass das Aufnahmedatum wenig Rückschluss auf die Klangqualität zulässt - im Positiven wie im Negativen -, ist ja bekannt.

  • Meine Lieblingsaufnahme der Cellosuiten (alleine schon des Ortes wegen!): Rostropowitsch! Wer schon mal in Vezelay war, wird wissen was ich meine!:D




    Grüße,



    Christian

  • Hallo!


    Ausgerechnet Slava kenn ich mit den Suiten noch überhaupt nicht. Schande über mich eigentlich, dem muß schnellstmöglich abgeholfen werden.


    Ich kenne ca. 10 Aufnahmen, die meisten davon nicht weiter bemerkenswert (was nicht heißen soll, ich würde sie schlecht finden, die meisten zumindest nicht).


    Mein Favorit ist eindeutig Fournier - wie ich im Cellisten-Thread schon geschrieben habe, finde ich seinen sehr lyrisch-romantischen Stil, der theoretisch gar nicht zu Bach bzw. zum Barock paßt, grandios. Aber das ist wohl auch das Tolle an Bach, daß er sich um solche Einstufungen nicht die Bohne schert ;).


    Gleich danach kommt für mich Bylsma an die Reihe, das genaue Gegenteil zu Fournier zwar, aber fast genauso gut - er hebt das tänzerische in der Musik ganz an die Oberfläche, und das mit einem herrlich-knarzigen Barockstil auf einem entsprechenden Instrument mit Darmsaiten. Trocken und streng, wie MStauch schrieb, finde ich hier überhaupt nicht wieder.


    Sonst stehen auf meiner Wunschliste auf jeden Fall neben Slava noch Schiff, Wispelwey, Isserlis (er müßte sie erst mal aufnehmen...), Harrell, ter Linden und ganz allgemein fast jede Aufnahme, die mir in die Hände fällt - die sammel ich!


    @Alfred: Ja, ich glaube, sowohl bei Harmonia Mundi im allgemeinen als auch bei Jaap ter Linden bist du gut aufgehoben, er ist (war?) Cellist beim Amsterdam Baroque Orchestra von Koopman und spielt in ähnlicher "Tradition" wie Bylsma und Wispelwey.


    Eine eindeutige Lieblingssuite habe ich eigentlich nicht, daß variiert auch so ein bißchen mit meiner Stimmung. Grundsätzlich sind die beiden Moll-Suiten (#2 und #5) halt schon dunkler, und gerade die zweite kann man bei entsprechender Stimmung als sehr düster wahrnehmen. Insbesondere die 6. Suite hat aber für mich zwei Gesichter - einerseits sehr fröhlich, aber andererseits auch regelrecht tröstlich - damit verbinden mich Erinnerungen an ein sehr tragisches Erlebnis, daher kann ich sie wohl nie mehr wirklich neutral hören.


    Sven

  • sven


    ".....die andere vielleicht als trocken empfinden mögen ....." habe ich oben geschrieben.


    Ich finde die beiden Einspielungen von Anner Bylsma keineswegs trocken - ich schätze Bylsma sehr, kenne ihn aus Konzerten. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich ihn auch unter meinen Lieblingscellisten genannt. Das kam da sonst kaum vor. Ich habe allerdings oft die Erfahrung gemacht, dass der Zugang zu den Cello-Suiten für weniger erfahrene Klassikhörer über Bylsma wesentlich schwerer ist als etwa über Fournier.


    Die Vorliebe für die Fournier-Aufnahme teilen wir.


    Mit besten Grüßen


    Matthias

  • Zitat

    Original von SvenW
    Mein Favorit ist eindeutig Fournier - wie ich im Cellisten-Thread schon geschrieben habe, finde ich seinen sehr lyrisch-romantischen Stil, der theoretisch gar nicht zu Bach bzw. zum Barock paßt, grandios. Aber das ist wohl auch das Tolle an Bach, daß er sich um solche Einstufungen nicht die Bohne schert ;).


    Mein Favorit (was aber auch an Prägung liegen mag, es war meine erste GA und die, die ich mit Abstand am häufigsten gehört habe) ist ebenfalls Fournier. Ich würde die aber keineswegs als romantisch bezeichnen; ich finde das einen modernen, klaren, unprätentiösen Zugang, der sehr gut zu der Musik paßt.
    Wispelwey lohnt sich IMO auf jeden Fall als Ergänzung, sehr rhetorisch, mit viel mehr rubato als Fournier. Schiff habe ich seit kurzem, aber noch nicht richtig gehört.
    Meine Lieblingssuite ist ziemlich klar die 6.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)