Warum ist "klassische Musik" nicht "populär"

  • Liebe Forianer


    Da gäbe es viele Erklärungen - vor allem solche die man immer wieder hört :


    Zu schwierig,
    Man muß Bekleidungsvorschriften beachten
    Man will sich nicht blamieren


    etc etc


    ABER: Kaum eine mir bekannte Musikrichtung ist derart vielfältig und vielschichtig, keine hat so viele "Schlager" und "Ohrwürmer" hervorgebracht....


    Dennoch als Ganzes gesehen fristet die "klassische Musik" ebenso wie der JAZZ - ein Nischendasein. Warum ist das bitte so ? Sitzen die Leute auf ihren Ohren ?


    Haben Sie einfach keinen Geschmack ? War das früher anders ? Fragen über Fragen.


    mfg
    aus Wien
    Alfred

  • Ich neige nicht dazu, vergangene Zeiten zu verklären, nach dem Motto "Früher war alles besser", aber ich selbst habe da einige Erfahrungen gemacht:


    Von Berufs wegen habe ich es mit Jugendlichen zu tun, die aus "bildungsfernen Schichten" stammen. Nicht nur, dass es ihnen an vielen kognitiven und sozialen Kompetenzen fehlt, (fast) alle besitzen auch nicht die Fähigkeit, Musik hören zu können. D.h. sie sind tatsächlich nicht in der Lage, verschiedene Töne auseinanderzuhalten, wenn sie nah beieinander liegen, geschweige denn mehr als 4 verschiedene Töne als zusammenhängend zu erkennen. Das Hören Klassischer Musik ist tatsächlich eine große kognitive Fähigkeit... Wir können davon ausgehen, dass diese Fähigkeit immer mehr verkümmert. Wenn ich da nur an den immer weiter gekürzten Musik-Unterricht denke 8o

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    ABER: Kaum eine mir bekannte Musikrichtung ist derart vielfältig und vielschichtig, keine hat so viele "Schlager" und "Ohrwürmer" hervorgebracht....


    Dennoch als Ganzes gesehen fristet die "klassische Musik" ebenso wie der JAZZ - ein Nischendasein. Warum ist das bitte so ? Sitzen die Leute auf ihren Ohren ?


    Lieber Alfred,


    Willst Du bitte präzisieren, ob Du mit "klassische Musik" das engere Zeitfach der Wiener Klassik meinst, oder klassisch in breitester Auffassung.
    Denn das ist mir undeutlich.


    LG, Paul

  • Hallo Paul,


    Alfred meint die Klassik als Stilrichtung, nicht als Epoche.


    Meiner Meinung nach ist ein gewichtiger Faktor die Zeit. Das Hören klassischer Musik setzt einfach voraus, dass ich mich mit ihr - mehr oder weniger - beschäftige.
    Zu unserem letzten Adventssingen in der Gemeinde begleitete ich eine Klarinette an der Orgel. Wir spielten die Choralbearbeitung "Wachet auf, ruft uns die Stimme" aus den Schübler-Chorälen von Bach.
    Im Nachhinein musste ich mir dann die Frage gefallen lassen, was das für eine endlos lange Kantate gewesen sei. Und das waren höchstens 5 Minuten... :no:


    Und meine These ist, dass die Leute zunehmend weniger Zeit zur Verfügung haben und somit die Beschäftigung mit der Musik immer weiter abnimmt.
    Das erkennt man ja auch daran, wie lang heutzutage Pop-Songs sind. Länger als 3 Minuten geht ja kein Stück mehr...



    Gruß, Peter.

  • Hallo


    Wenn ich "Klassische Musik" in Anführungszeichen setzte, dann meine ich immer - "im weitesten Sinne" - also nicht "Wiener Klassik" sondern "Klassische Musik" vom Mittelalter bis zur "Klassischen Moderne".....


    mfg
    aus Wien
    Alfred

  • Zitat

    Original von petemonova
    Zu unserem letzten Adventssingen in der Gemeinde begleitete ich eine Klarinette an der Orgel. Wir spielten die Choralbearbeitung "Wachet auf, ruft uns die Stimme" aus den Schübler-Chorälen von Bach.
    Im Nachhinein musste ich mir dann die Frage gefallen lassen, was das für eine endlos lange Kantate gewesen sei. Und das waren höchstens 5 Minuten... :no:


    Salut,


    wenn einem etwas nicht gefällt oder lästig ist, können 5 Minuten schnell zu 5 Stunden werden; rein gefühlsmässig. Die Zeit ist eben relativ und jeder empfindet dies anders. So kann auch eine Oper oder ein Oratorium von 5 Stunden länge als viel zu kurz empfunden werden.


    Ich glaube, die "klassische Musik" ist im Verhältnis zu der heute populären Musik nicht einfach genug. Populär bedeutet letztlich "für das [einfache] Volk" - und dafür ist die Klassik nicht bestimmt - auch nie gewesen. Wenn Leopold Mozart seinen Sohn anflehte: "Du mußt populairer schreiben!", dann meinte er --> einfacher. Um den Gedanken des Elitären etwas zu verdrängen: Die Beschäftigung mit der Musik, das Nachsinnen [nicht -singen] ist nicht Ziel der Pop-Musik. Pop-Musik ist sehr viel aggressiver, nicht unbedingt rein musikalisch, aber inhaltich. Was in der Klassik noch genial versteckt wurde [und längt nicht jeder kapiert hat], wird heute herausgeschrien, damit es auch der letzte aus der Bildungslücke kapiert. Damit verurteile ich Pop-Musik keinesfalls, denn man kann auch über deren Inhalt sinnieren und die Musik schön finden [man muss es aber nicht].


    Klassische Musik war durchaus zur Unterhaltung gedacht - aber in einer anderen Zeit, wo die Menschen auch mit der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit mehr angefangen haben [zwangsweise]. Ich gehe davon aus, dass ein 20jähriger Mozart [oder ein zeitgleich gelebt habender Bauer] in seinem Leben mehr erlebt hat, als ein heute über 50jähriger Forenbetreiber... :rolleyes:


    Eigentlich spricht das Nichtklassikhören heute ganz gegen den aktuellen Zeitgeschmack, wo doch jeder zu Tode gestresster Manager sich nichts sehnlicher wünscht, als Ruhe und Entspannung. Agressivität mit Aggressivität zu begegnen, wirk [aus eigener Erfahrung] nur punktuell [es muß aber auch mal sein].


    :hello:


    Ulli

  • Die Frage, die sich mir in diesem Zusammenhang stellt : War das nicht immer schon so? Gab es nicht schon immer die eine Musik, die bei Belustigungen und Festen gespielt wurde, die zum Tanzen (hier mehr im Sinne des ausgelassenen Herumgehüpfes gemeint) animierte, Musik die in der Schänke gespielt wurde. War diese Musik, die die "einfachen" Menschen gemeinhin mit positiven Empfindungen assoziiert haben werden nicht immer schon die populärere?
    Ich denke, auch heute noch spielt das eine wichtige Rolle. Musik, bei der man gesellig sein kann, zu der man tanzen kann, die man auch - wenn es sich gerade so ergibt - einfach ignorieren kann, Gebrauchsmusik halt, solche Musik wird wohl immer populärer sein.


    Gut, das ist jetzt nicht die Antwort auf Alfreds Frage, aber die ergibt sich vielleicht zum Teil daraus.
    Klassische Musik erfordert Zeit, und nicht nur Zeit schlechthin, sondern die möglichst uneingeschränkte Aufmerksamheit - und damit muß ich Klassik zunächst einmal mögen, um diese Zeit zu "opfern"
    Klassische Musik erfordert eine zumindest andeutungswiese geistige AUseinandersetzung mit selbiger - das heißt, ich muß zumindest ein klein wenig lernen, mit klassischer Musik umzugehen. Aber wer vermittelt mir das?


    Viele werden sich einer solchen Mühsal nicht unterziehen...
    Geistiger Genuß hat es immer schwer, neben anderen Genüssen zu bestehen...


    Das denkt zumindest


    Reinhard

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Hi , Uli!


    Ich kann mich deinen Ausführungen nur anschließen.


    Allerdings habe ich auch noch so meine probleme mit alban bergs kammerkonzert für violine, klavier und dreizehn bläser...


    Der zugang ist mir noch verwehrt :D


    Hast nicht zufällig einen tip =) ?


    LG florian


    :hello:

  • Salut,


    würde ich das Hören klassischer Musik als Opfer betrachten, ich wäre bereits ein Mehrtürer. 8)


    Zitat

    Original von celloflo
    Ich kann mich deinen Ausführungen nur anschließen.


    Das hätte ich nicht gedacht.


    Zitat

    Allerdings habe ich auch noch so meine probleme mit alban bergs kammerkonzert für violine, klavier und dreizehn bläser...


    Eben, Und darin unterscheiden sich klassische und Pop-Musik nicht: im persönlichen Geschmacksempfinden. Es ist eben doch etwas mehr, als der Unterschied von darmbesaiteter Violine und E-Bass-Gitarre... Im Falle von Berg - man schlage mich - werden die Grenzen des Verkopftseins m. E. deutlich überschritten und es ist keine Frage mehr nach Stilempfinden. Auch das ist keine Wertung meinerseits, sondern eine Geschmacksfrage bzw. Frage des persönlich frei zur Verfügung habenden Kopfes. Ich habe selbst auch keine Lust, mich da reinzubeißen.


    Mein Tip: Wenn's Dir nicht gefällt, lass die Ohren davon. Du mußt es ja nicht hören und gutheißen, bloß weil man es "klassische Musik" nennt.


    :D


    Dem Popmusikhörer wird es beim Radiozapping ähnlich gehen, wie mir [und vielleicht anderen]: Popmusik wird sofort nach nur einem zweiunddreißigstel Ton erkannt und sofort weggezappt, weil man es einfach [gerade] nicht hören will. Erkennt [und das nichtmal bewusst] der Popmusikhörer eine Geige, schwups: ist er 0,5 MHz weiter... Da helfen nur aggressive Klassikseminare ganz in der Manier von kleinershredder: Meine Mitinsassen im Auto haben die Finger von meinem Radio/CD-Gerät zu lassen und den Schnabel zu halten, sonst gehen sie notfalls 300 km zu Fuß. Die Klassik ist sozusagen mein Diesel...


    Viele Grüße
    Ulli

  • Eine interessante und gleichzeitig schwierige Frage... Der Zeitfaktor spielt sicher eine Rolle. Viele bringen auch gar nicht die Geduld auf, sich hinzusetzen und auf die Musik zu konzentrieren , siehe das Beispiel von Peter. Musik dient heute hauptsächlich als Geräuschkulisse, und dafür eignen sich Schlager mit ihrem gleichmäßigen "Humtatata" eben besser als klassische Musik. (Gott sei Dank, möchte ich hinzufügen 8))
    Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es früher so viel besser war. Einerseits gab es zwar weniger Alternativen (Also keine Pop-Konzerte, Discos, Musicals etc.) aber trotzdem setzte kein Sturm auf die Oper ein. In meiner Klasse (Ich habe 72 maturiert) gab es zwar eine wackere Schar von Theaterenthusiasten, aber nur einen echten Opernfan, und das war nicht ich :O (Bin eine "Spätberufene"!)
    Aber ist es nicht in jeder Kunstsparte ähnlich? Rosamund Pilcher findet auch mehr Leser als Thomas Mann!
    Blackadder : Ich hoffe, Alfred schließt mich jetzt nicht aus dem Forum aus, wenn ich gestehe, dass ich auch Probleme habe "verschiedene Töne auseinanderzuhalten". Und das, obwohl ich den Großteil meiner freien Zeit mit klassischer Musik zubringe und mich redlich bemühe, meine Schweinsohren zu therapieren - es nützt alles nichts. Meine Musiklehrerin quälte mich stundenlang mit ihren Tonübungen und unterstellte mir sogar, sie provozieren zu wollen mit meiner "angeblichen Unfähigkeit".Obwohl ich dieses Gefühl, regelmäßig "vorgeführt" zu werden, auch nach so vielen Jahren noch nicht vergessen habe, ist es ihr gottlob nicht gelungen, mir meine Liebe zur Musik auszutreiben. Was ich mit diesem etwas OT- Beitrag sagen will: Man kann (und darf hoffentlich) Musik auch dann lieben, wenn man sie nicht "versteht"
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von severina
    Blackadder : Ich hoffe, Alfred schließt mich jetzt nicht aus dem Forum aus, wenn ich gestehe, dass ich auch Probleme habe "verschiedene Töne auseinanderzuhalten".


    Ich bin überzeugt, dass Deine Fähigkeiten die meines Klientels bei weitem übersteigt. Ich selbst bin ja weit davon entfernt "alle" Töne auseinanderzuhalten, aber ich rede hier nicht mal mehr von Latenz der Tonerkennung. Um weniger zynisch zu klingen möchte ich hinzufügen, dass ich nicht den Eindruck habe, die Kids würden sich weigern zuzuhören. Es besteht durchaus (marginales) Interesse, aber es erscheint mir so, als ermangele es wirklich der Fähigkeit komplexere Musik wahrzunehmen und dementsprechend auch wert zu schätzen..

  • Dei Frage ist zunächst: was ist populär, d.h. wie verbreitet muß etwas sein, damit man es so nennen kann?
    Klassische Musik im weiteren Sinne europäischer Kunstmusik ist definitiv populärer als z.B. persische klassische Musik oder auch als in seiner Freizeit Gedichte von Sappho oder dickleibige Wälzer von Hegel zu lesen. :D
    Selbst verglichen mit Jazz sind wenigstens Teile der Klassik relativ populär.


    Einen wichtigen Punkt hat Blackadder schon genannt: Klassische Musik verlangt minimale Fähigkeiten in Geduld und Konzentration. Die industrielle und postindustrielle Gesellschaft hat an diesen Fähigkeiten aber nur sehr wenig Interesse (nämlich nur insofern man sie zur Verwertbarkeit in der Arbeitswelt benötigt). Und die Arbeit ist häufig so hektisch und anstrengend, dass danach nur noch Entspannung gesucht wird, keine Sammlung. Klassische Musik entstand entweder für eine "leisure class", die keineswegs 8 oder 10 Stunden am Band oder im Büro verbrachte, oder für Gelegenheiten (wie Gottesdienste), wo Menschen ruhig und konzentriert waren. Sie war eben von ein paar Ausnahmen wie Tafelmusik abgesehen, meistens nicht einfach nur eine noble Art der Zerstreuung, Popmusik für Adlige sozusagen. Und selbst wenn sie die Funktion einer gehobenen Unterhaltung gehabt haben sollte; auch hier gibt es riesige Unterschiede. Man vergleiche etwa Romane von Dickens mit solchen von Dan Brown!


    Ich teile Blackadders Befürchtung, dass durch Berieselung von frühestere Kindheit mit den Produkten der modernen Medienindustrie solche Fähigkeiten zunehmend verkümmern.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo,



    mir fallen da gleich mehrere Faktoren ein wieso klassische Musik nicht populär ist:


    1.) Sie ist nicht 'tanzbar'
    Musik wird heutzutage oft bei Parties zelebriert. Die Menschen wollen nach dem eher schnöden Alltag feiern, die Sau rauslassen. Sie suchen keine intellektuelle Befriedigung, sie suchen die Party. Musik soll dort fetzen, abgehen, aus dem Kopf in die Beine, vielleicht auch zum Schmußen und mehr anregen. Sie ist quasi zweckorientiert, bzw. sie wird zweckorientiert konsumiert.


    2.) Sie ist nicht so einfach vermaktbar
    Musik muss heute bei VIVA und co brillieren. Schlecht erzogene Künstler sollen dort mit ihrem Style vor allem junge Generationen ansprechen, und da zählt vor allem Show, Coolness Livestyle. Auch hier wiederum zählen intellektuelle Aspekte wenig. Zwar behaupten viele, dass ihnen die Texte soo toll gefallen, aber meist sind diese eher plakativ und recht vordergründig, glashart formulierter Slang, Jugendsprache.


    3.) Vorurteile
    Klassische Musik ist veraltet, altbacken, langweilig. Und uncool. Auch hier wieder ist die Jugendkultur wohl entscheident. Stundenlang wurde man im Musikunterricht mit Sinfonien tracktiert, da hat man nur wenig Lust sich später noch einmal mit dieser Materie zu beschäftigen. Das es dabei jedoch unzählige Einflüsse von klassischer Musik in heutige Pop-Musik gibt, bleibt dadurch völlig verborgen, könnte allerdings doch die perfekte Brücke sein, die man benötigt um doch einmal in die "klassische" Welt hineinzuschnuppern.


    4.) Klassische Musik ist nicht einfach gestrickt
    Allein schon die länge eines 1. Satzes einer Sinfonie ist nicht dazu geeignet, im Früchsrücksradio den Bauarbeiter übermäßig zum Arbeitsbeginn zu motivieren. Um es noch einmal zu wiederholen: intellektuelle, in sich verstrickte, hintergründige und feinsinnige Aspekte sind heutzutage wenig gefragt. Unterschiede von Werken sind ebenso uninteressant wie verschiedene Interpretation. Vielmehr als: "Das Lied ist toll" oder "Das Lied ist scheisse" werden die wenigsten über Musik sagen und sagen können. Und vielleicht auch wollen.



    Grüße, der Thomas

  • Zitat

    Original von Wulf
    Ganz einfach: Weil Pop/Rock die Musik der Demokratie und Freiheit, die Musik der Befreiung, der Jugendbewegung des Protests war. Und teilweise auch noch ist....



    Vorsicht, Argumentationsfalle! (ich bin zwar auch etwas reingetappt :wacky: )


    Die Frage ist nicht, warum Rock/Pop populär ist, sondern warum es KLassik nicht ist.



    so nebenbei: ich habe '72 mein Abi gemacht, damit fallen die frühen Siebziger in meine persönliche Sturm-und-Drang-Zeit und empfand (empfinde) Rock (Pop eher weniger) so, wie Du es beschreibst. Was mich aber nicht daran hinderte, auch Klassik zu lieben. Das alleine kanns's also nicht sein

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Gar nicht, lieber Reinhard!


    Es kann immer nur eine Sache wirklich populär sein -
    Du weißt doch:


    Es kann nur einen geben.....


    :untertauch: (sorry, bin heute in einer Mischung aus Albernheit, Verzweiflung und Größenwahn...)

  • Zitat

    Original von Blackadder


    Bitte hinten anstellen :D


    Wie läßt sich das denn mit drittem Punkt vereinbaren?
    Hinten anstellen - ich glaub, es juckt oder was? :D


    Zitat

    Original von Wulf
    sorry, bin heute in einer Mischung aus Albernheit, Verzweiflung und Größenwahn

  • In wieweit sind "wir" selbst daran Schuld?
    Wir haben unsere Musiktempel gebaut, und dort wird GELD bezahlt für den Eintritt.
    Früher kamen die Musiker bei den Menschen.


    Wenn ich sehe wie Veranstaltungen (zB Royal Albert Hall, Berlin, Amsterdam) von zig-tausenden Menschen aller Jahrgänge besucht werden, frage ich mich, ob jene Musik nicht wieder bei den Menschen gebracht werden muß.


    Freilich, einfach ist es nicht. Aber es wäre jedenfalls einen Anfang.


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von Wulf
    bin heute in einer Mischung aus Albernheit, Verzweiflung und Größenwahn..



    Also Wulf, albern ist genehmigt (@Alfred :untertauch: ). Verzweiflung ist mies: können wir Dich derselben entreißen?
    Und Größenwahn? Sind wir nicht alle ein bißchen ....


    Aber ernsthaft. Du meinst wirklich es könnte nur eine populäre Musikrichtung geben? Sperre mal Rockfans in den Musikantenstadel und Rieu-Fans zur Rock am Ring (oder noch besser zu "With Full Force" nach Roitzschjora, wenn Dir das was sagt. :hahahaha:


    Die Frage steht nach wie vor: Warum schafft es Klassik nicht, wenigstens ein bißchen populär zu werden? Und warum werden alle diesbezüglichen Versuche (AN auf der Waldbühne, Pavarotti bei den WeightWatchers, YellowLongue in angesagter Location oder unser aller Liebling-Klassik-Sender mit leichtverdaulichem FingerFood) vom wahren Klassikfreund vehement abgeschmettert?
    Wir (glauben zu) wissen: weil es der falsche Weg ist. Aber in unserer Ratlosigkeit wissen wir auch keinen Besseren. Oder?

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Zitat

    Original von Reinhard
    Aber in unserer Ratlosigkeit wissen wir auch keinen Besseren. Oder?


    Sicher gibt es einen Weg, der ist aber lang und erfordert Ausdauer und muss im frühesten Kindesalter einsetzen. Hier sind vor allem Eltern gefordert, die ihren Kindern überhaupt die Möglichkeit geben, Klassische Musik hören zu können, ein Instrument lernen zu können. Da müssen die Schulen den Wert der musikalischen Erziehung heraufsetzen. Dann würde schon etwas dabei herumkommen... Und wenn nicht, dann fiele mir auch nichts mehr ein...

  • Zitat

    Original von Reinhard
    Die Frage steht nach wie vor: Warum schafft es Klassik nicht, wenigstens ein bißchen populär zu werden?


    Ab wieviele Hörer ist denn ein bißchen populär?
    Sie ist, wie schon gesagt, eher populärer als Jazz und sicher populärer als z.B. indische Musik. Sie ist auch populärer als moderne Lyrik und vermutlich eine ganze Menge weitere Kunstformen. Uns fällt die relative Unpopularität nur auf, weil wir von der omnipräsente Popmusik verfolgt werden und weil Klassische Musik, weil sie aufgeführt werden muß, viel teurer ist als antike Lyrik oder moderne Skulpturen.


    Zitat


    Und warum werden alle diesbezüglichen Versuche (AN auf der Waldbühne, Pavarotti bei den WeightWatchers, YellowLongue oder was auch immer in welcher Kneipe auch immer oder unser aller LIebling-Klassik-Sender) vom wahren Klassikfreund vehement abgeschmettert?
    Wir (glauben zu) wissen: weil es der falsche Weg ist. Aber in unserer Ratlosigkeit wissen wir auch keinen Besseren. Oder?


    Ich glaube, dass die von Dir genannten Wege deswegen wenig vielversprechend sind, weil sie -flapsig gesagt-, Klassik auf das Popniveau herunterziehen. Sie heben nicht hervor, was das besondere und spannende
    an Klassik ist, sondern reduzieren sie auf Show, leichte Unterhaltung, konsumierbare Häppchen. Ich habe mich damit schonmal in die Nesseln gesetzt, aber wenn man sich mit Kunst auseinandersetzt muß man als erstes das Anspruchsdenken aufgeben, dass Kunst dazu da wäre irgendwelche Bedürfnisse zu befriedigen. Zunächst ist das Kunstwerk da
    und stellt den Anspruch, mit dem es an mich herantritt und auf den ich mich einlassen muß. Das verlangt außer Geduld, Offenheit, Konzentrationsfähigkeit auch noch Bescheidenheit, wieder so eine verdammt unpopuläre Sache heutzutage. :rolleyes:
    Was man also machen muß, ist im Prinzip nicht schwer: Man muß Kinder und Jugendliche von klein an einige der Dinge, die ich genannt habe, lehren und sie musizieren lassen, möglichst mit akustischen Instrumenten und dann auch als Hörer mit klass. Musik bekannt machen.
    Vermutlich würde Klassik nie so populär werden wie Popmusik, aber warum sollte sie, sie ist im Gegensatz zu dieser ja nicht mit allein diesem Ziel geschrieben.
    Und es ist natürlich nur "im Prinzip" leicht, weil eine Durchsetzung direkt entgegengesetzt einer fast allmächtigen Medien- und Kulturindustrie geschehen müßte. Es ist in der Tat schwierig, sich in einem solchen Fall nicht von der eigenen Ohnmacht dumm machen zu lassen, wie Adorno es ausdrückte.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich erinnerte mich plötzlich was. Entweder Mozart, Weber oder Lortzing hat es einem geschrieben. Ein Fleischersbursche passierte den Komponist. Er pfiff gerade eine Melodie aus der neuesten Oper des Komponisten. Das war vor 150-200 Jahre.
    Offenbar gab es damals nicht so eine große Trennung.


    Und dann kam noch so Erinnerung. Zur guten Sitte des "(einigermaßen gebildeten) Bürgertums" im 19 Jhdt, gehörte, daß die Kinder Musikunterricht bekamen. Das galt auch noch am Anfang des 20. Jhdts. Meine beide Eltern hatten z.B. auch Musikunterricht bekommen.
    Da habe ich meine Mutter gefragt, wie es in der Jahre Dreißig war. Damals wurde vom Publikum durcheinander geliebt klassische Musik (erinnert Euch Tauber, Schmidt, Kiepura, Eggerth, usw), Opern, Operette, aber auch damalige Schlagers.


    Hier haben wir vielleicht einen Ansatzpunkt. Denn damals wurden von Amerikanischen Filmindustrie viele Films gemacht, wo gesungen wurde. Das schönste Beispiel ist vermutlich Indian Love Call (Rose Marie).
    Nach dem Kriege hat sich das geändert. Das Fernsehen verdrängte Film; Rock and Roll kam. Und nachher wurde es noch schlimmer.


    M.E. liegt den größten Fehler bei dem Fernsehen, das sich nicht bewußt war, welchen Einfluß es ausübte. Kultur und Fernsehen sind offenbar einander völlig fremd.
    Daneben kommt natürlich das fehlen der musikalische Bildung zu Hause, die früher in größeren Teile der Bevölkerung eine Selbstverständlichkeit war.


    Und letztlich kommt dazu die viele Freizeit. Und die hohe Preisen für Aufführungen, die kein normal Mensch sich schnell leisten kann.


    Und schließlich sind die Musiker teils selbst Schuld. Moderne Kompositionen werden nicht verstanden, deshalb nich breit akzeptiert, und darum bleiben auch Menschen weg.


    LG, Paul

  • Hallo Alfred,


    ich fürchte, diese Frage in einem Klassikforum zu stellen, wird zu keinen befriedigenden Ergebnissen führen. Da stochern all jene in möglichen Antworten herum, die eben keine Probleme mit klassischer Musik haben. Man müsste die Frage womöglich eher auslagern in irgendwelche Rap-, Rock- oder Jazz-Foren, um ein breites Spektrum an ablehnenden Meinungen zu gewinnen.


    Den "Zeit-und-Muße-Faktor" halte ich für weniger relevant. Ich behaupte, dass 80 Prozent der produzierten Rockmusik ebensowenig Raum im Radio finden wie Klassik. Der größte Teil entzieht sich den normierten 3-Minuten-Rhythmen und ist ebenso wenig mal so eben nebenbei hörbar. Auch hier braucht es eine bewusste Hörweise. Viele Leute, die ich kenne, besitzen diese Fähigkeit des konzentrierten Hörens durchaus, wenden diese aber nicht auf klassische Musik an.


    Die mir am häufigsten untergekommenen (Vor-)Urteile über klassische Musik sind


    - Es kört sich alles gleich an
    - Es ist meistens so vorhersehbar
    - Es ist alt und hat mit meinem Leben rein gar nichts zu tun
    - Es ist zu steif und ritualisiert


    Punkt 1 hätte ich vor zehn Jahren noch selbst unterschrieben. Mir wurde klassische Musik nicht mit der Muttermilch eingeflößt, sondern sie erreichte mich erst mit Ende 20. Nicht ansatzweise gab es vorher Möglichkeiten, den Reiz dieser Musik durch irgendwelche Leute zu erfahren, schon gar nicht in der Schule. Mittlerweile kenne ich befreundete Lehrer, die relativ erfolgreich in ihren pädagogischen Bemühungen sind, klassiche Musik an die Schüler zu bringen. Was aber anscheinend immer nur dann gelingt, wenn diese Lehrer ebenso ein Ohr dafür haben, was sich in ihrer Schülerschaft sonst so musikalisch abspielt.


    Punkt 4 kann ich teilweise auch heute noch unterschreiben. Allerdings nicht, was die Musik selbst betrifft. Sie ist so wie sie ist. Eher ärgere ich mich manchmal über ihre Präsentation. Die schreckt manche wohl eher ab, als die Musik selbst.


    Gruß
    B.

  • Es gibt hier etliche interessante Aspekte - vobei ich viele nicht teile - wobei mir vieles erst jetzt klar wurde.


    Beispiel 1: Musikerziehung:


    Ich würde es zynisch in etwa sooo formulieren: Wer Kinder zur klassischen Musik bringen will, der sollte wenigstens selbst eine Ahnung davon haben.
    Daran krenkt es ja an allen Ecken und Enden - selbst in der Tonträgerindustrie:


    Der Sager eines Managers einer Firma die Klassik-CDs produziert (von A. Staier in einem Interview zitiert): "Möchten Sie nicht mal ein Klavierkonzert von Franz Schubert aufnehmen ?" ist aussagekräftig genug....


    Aber ich weiß nicht ob alle Aussagen zutreffen:


    1) Alles klingt gleich


    Dieses Phänomen ist immer dann zu bemerken, wenn man zu einer Musikrichtung keinen Zugang hat: Klingt nicht die gesamte Popmusik weitgehend gleich - oder Bach - oder Bruckner ???
    Vivaldi -Konzerte - Bachkantaten und Haydn-Sinfonien hatten oft unter diesem Vorurteil zu leiden.



    Ich würde sagen, es ist kein großes Handicap, die Frage in einem Klassikforum zu stellen - weil hier wird wenigstens noch GEDACHT


    Ich bin ehrlich gesagt noch zu keinem Ergebnis gekommen - weil viele Argumente für mich nicht nachvollziehbar sind. - so zum Beispiel, daß klassische Musik "schwierig" zu verstehen sei .


    Sie wurde eigentlich nicht für "Experten" geschrieben, sie sollte auch keine "Arbeit" bedeuten - nein - sie war allein zum Vergnügen gemacht - für jene, die es sich leisten konnten.


    Heute könnte sich diese Musik (fast) JEDER leisten (wenn nicht im Konzert so doch auf CD) -dennoch wird sie teilweise abgelehnt ......


    Ein Mozart-Klavierkonzert hat mit MEINEM Leben genausoviel zu tun wie mit dem Leben jener, die Mozarts Zeitgenossen waren - klassische Musik ist (im Idealfall) zeitlos.



    mfg
    aus Wien


    Alfred

  • Neben denen hier schon vielfältig aufgeführten unterschiedlichen Erklärungsversuchen möchte ich noch einen Aspekt nennen, von dem ich glaube, dass er oftmals der Schlüssel ist, warum Erwachsene nach wie vor der populären Musik so verhaftet sind.


    Wenn ich an mich und an diejenigen denke, die zumindest so alt sind, dass sie mit den Beatles oder den Stones großgeworden sind, dann ist Pop-/Rockmusic (fast) immer das Bindeglied zwischen der Jugend-(Schul-oder Studien-)zeit und dem Hier und Jetzt. Der 55jährige, mittlerweile voll im bürgerlichen Leben stehende Anwalt schwelgt plötzlich, wenn "Satisfaction" ertönt, in Studentenerinnerungen, die ihn in ein Zwei-Mann-Zelt an die französischen Atlantikküste versetzen und ihn vergessen lassen, dass er gerade selbst in Scheidung lebt und unbedingt, nach dringendem Anraten seiner Schwester, endlich einmal einen Krebsvorsorgetermin wahrnehmen sollte.


    Wenn mich jemand fragt, warum ich Popmusic mag, dann antworte ich: "Vermutlich, weil ich meine Jugend anhand von vielen (oftmals) unglaublich schlechten Popsongs Revue passieren lassen kann." Wenn ich heute bei MTV einen furchtbaren Coversong von "She ´s like the wind" höre, dann bin ich sofort bei "Dirty Dancing", diesem unglaublich schlechten Film, bei dem eigentlich niemand so genau weiss, warum er so erfolgreich wurde. Wenn ich irgendeine Frau Anfang oder Mitte 30 treffe, (völlig gleichgültig, welches Bildungsniveau sie hat), dann heißt es nur: "Ach, weisst Du noch...1987, ist das lange her... " Natürlich weiss ich noch! Das war die Zeit als wir mit 14 Mädels das Kino gestürmt haben, als wir uns heimlich die BRAVO kauften und nach Print-Tanzkurs Mambo lernten. Ich weiss noch genau, wie meine Freundin mir den Doppel-Soundtrack auf Kassette überspielte und wir beide mindestens einmal in der Woche eine Dirty Dancing Party veranstalteten. :beatnik:


    Ob Ihr es glaubt oder nicht, wenn bei mir gar nichts mehr geht, der Dirty Dancing Soundtrack reißt es immer wieder raus. :pfeif:


    Wenn ich heute "Stand by me" höre, dann denke ich sofort an den Sommer auf Korfu, als ich 15 war und mich unsterblich in Jason den englischen Türstehe verliebte. Das ist für mich und für viele andere das Geheimnis von Popmusic.

    Gerade sind ja wieder alle Weihnachtsfeiern vorbei, ich weiss nicht, wie es Euch geht, doch für mich geht der Abend erst dann richtig los, wenn der offizielle Teil vorbei ist und man zum lockeren Teil des Abends übergeht. Wenn die Schlipse abgelegt werde und man zum DJ rennt und sich "was wünscht" und wenn dann nachts um zwei irgendjemand einer selbst aufgenommenen Kassette nachtrauert, die er beim "InterRailing" in irgendeinem Zug in Süditalien verloren hat, als er 18 war, und der Morgen schon längst begonnen hat, wenn "Time to wonder" von Fury in the Slaughterhouse gespielt wird.


    Wir fallen anschließend in unsere Betten und ahnen, dass die beste Zeit unseres Lebens vielleicht schon vorbei ist...


    Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum Popmusic populärer als Klassische Musik ist...


    (Ich werde jetzt noch schnell einmal meine Umwelt erfreuen und kurz einen oder zwei Songs vom Dirty Dancing Soundtrack anspielen und dann in meine Federn fallen...) :baeh01:


    Träumt was Schönes


    Mignon :hello:

  • Eine interessante Frage!


    Einige Feststellungen: selbst kluge Bekannte von mir können mit klassischer Musik nichts anfangen - die einen mögen kein Moll (macht sie depressiv), die anderen keine auch nur ansatzweise dissonante Akkorde (sogar Schubert und Liszt waren da zu extrem), wieder andere keine Wechsel der Stimmungen (wie sie z.B. bei Mozart immer wieder vorkommen) etc. pp. (wahnsinnig viele kennen auch n ur einen Ton, aus dem alle ihnen bekannten Musikstücke bestehen und entsprechende Takte dazu können sie sich auch nicht merken)
    Hinzu kommt das Vorurteilsproblem: auch ich hatte es früher mal - alles, das ich kannte (den populären Kram, den ich heute immer polemisch niedermache wie z.B. Walzer) war mir zu banal und ich dachte auch ewig, Mozart wäre der Langweiler, den seine häufig gespielten Werke vermuten lassen (KV<300, Kleine Nachtmusik etc.) - mit der meist zu hörenden Auswahl hätte man mich nie für Klassik begeistern können :rolleyes:
    Für andere ist sie ebenfalls zu langweilig (genau das Gegenteil ist der Fall: mir ist mittlerweile alle andere Musik zu langweilig, weswegen ich bis zum Lebensende hier im Klassikkäfig bleiben muss :D ), zu kopflastig (weil kein Vorwissen vorhanden oder Matschbirne auf dem Hals) oder zu lang - fast jeder Jugendliche heutzutage wäre doch vor 20 Jahren mit ADS diagnostiziert worden, so konzentrationsschwach sind die meisten aufgrund von Medienüberkonsum etc.
    Das Argument mit dem 3-Minuten-Takt, der nicht eingehalten wird, greift IMO nicht, da selbst Mozart in seinen Opern eigentlich einen 3- bis 5-Miunten-Takt hat, in dem er dem Ohr neuen Input bietet. Nur halten viele halt kognitiv nicht länger als 20 Minuten insgesamt mit aufmerksamem Zuhören durch...
    Das mit der mangelnden Tanzbarkeit kann es IMO auch nicht sein - wie viel Tanzmusik gibt es denn? Ballettmusik jeder Epoche, Walzer, Operetten und auch Arien, die man mitträllern oder dazu rumhoppeln kann, wenn einem gerade danach ist :D
    Und wenn man bedenkt, wie viel die Kiddies für ein Dogio Hodel "Konzert" auszugeben bereit sind - die "teuren" Eintrittskarten können es nicht sein.
    Zutreffend ist auch, dass früher (bestes Beispiel: Verdi) Arien auf den Gassen von einfachen Bürgern geträllert wurden...


    Verschiedene nächtliche Gedanken...
    (mit kaum unterdrücktem deprimierten / zynischen Beigeschmack - was muss ich mir selbst immer anhören von den Unwissenden :wacky: )


    :hello:
    Stefan

  • Guten Morgen.


    Ist "klassische" Musik denn tatsächlich so unpopulär?


    Wenn ich hier in Berlin in die Philharmonie gehe, so ist diese zumeist ausverkauft. Und da passen ja schon ein paar Leute rein. Als ich mir jüngst Karten für den "Parsifal" in der Staatsoper geordert habe, waren auch kaum noch Plätze frei. Und so ausgesprochen günstig waren diese (ungeachtet aller Subventionen) keinesfalls.


    Gut, das Publikum ist relativ alt, aber das bildet in Maßen ja auch die gesellschaftliche Realität ab. Wobei namentlich in der Philharmonie ein wirklich gemischtes Publikum zusammenkommt.


    Ich denke darüber hinaus, dass es manchem auch schmeichelt, "unpopulär" zu sein. (Man rufe sich dazu nur die hiesigen Elite-Diskussionen ins Gedächtnis.) Für die Akzeptanz der klassischen Musik muss der Stempel "Nicht für jedermann" jedenfalls kein Nachteil sein, das macht doch interessant. Heutzutage ist es ohnehin verpönt, "Mainstream" zu sein, Individualität ist Trumpf.


    Mignon
    Du hast das sehr schön beschrieben. Musik, die man hört, um sich an die eigene Jugend, die eigene Grenzenlosigkeit zu erinnern. Das kenne ich natürlich auch.
    Allerdings ist es (bestimmt nicht nur bei mir) nicht allein auf Pop-Songs beschränkt - wenn ich ans Adagio von Mahlers 5. oder den Tannhäuser oder die 5. von Schostakowitsch denke/resp. dies höre, dann sind sie auch bald da, die Erinnerungen an frühere Zeiten.


    :hello:


    Gruß, l.

  • Ist das immer so?
    Es wurden eine Menge möglichen Gründe genannt. Jeder schreibt seinen eigenen Beitrag und hat seine eigen Meinung. Hier und da wird manchmal reagiert auf ein Posting, aber nur geringfügig.


    Aber keiner hat alle genannten Gründe mal zusammengefaßt, beurteilt, eingeteilt in "wahrscheinlich", "möglich" und "unwahrschweinlich".


    So kann lang weitergeredet werden, ohne das Problem richtig erfaßt zu haben.
    Man kann m.E. erst an einer möglichen Lösung beginnen zu denken (falls es die gibt), wenn die Ursache festgestellt ist. Und bist jetzt sind wir davon noch weit weg.


    LG, Paul

  • sollte klassische und nach-klassische (laut alfred geht klassik ja nur bis zur
    klassischen moderne) musik überhaupt populärer sein?


    wenn sie populärer wäre, dann ergeben sich doch für die meisten von uns nur
    nachteile.


    - es ist noch schwieriger an karten zu kommen
    - es wird vermehrt aufführungen an akkustisch ungeeigneten orten geben (stadien, hallen)
    - die stars werden noch mehr gehyped und drehen musik-videos
    - es wird klassik-tv-sender analog MTV geben (als vorgeschmack dazu - klassik radio)
    - es wird vermehrt werbung dafür geben (auch zwischen den waschmitteln ,-)
    - die preise für die interessanten bzw. aktuellen CDs werden nicht sinken
    (eher werden die alten zu höheren preisen wieder ausgegraben)


    jetzt frage ich - will das jemand?


    faun